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Kunst schafft Gunst - Schreibkompetenz bei Schülern des dritten Schuljahres klassifiziert nach dem Schreibentwicklungsmodell von Carl Bereiter

Hausarbeit 2004 16 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Durchführung

3 Das Schreibentwicklungsmodell von Carl Bereiter

4 Schülertexte
4.1 Juliane (9;3)
4.2 Peter (9;2)
4.3 Elisabeth (9;7)

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich die Kompetenz beim Erstellen von Texten bei Kindern des dritten Schuljahres untersuchen.

Zur Klassifikation dieser Texte habe ich das Schreibentwicklungsmodell von Carl Bereiter gewählt.

2 Durchführung

Die beiliegenden Schülertexte wurden von Schülern1 des dritten Schuljahres während meines Orientierungspraktikums an der Katholischen Grundschule in XXXXXXXXXXXX verfasst. Als Grundlage dieser Texte diente die Bildergeschichte „Kunst schafft Gunst“ des Zeichners E.O. Plauen2.

Die Geschichte handelt von einem Kind, das mit einem Tintenfass in der Hand über eine Teppichkante stolpert und deshalb versehentlich etwas Tinte auf den Teppich schüttet. Der dies beobachtende Vater schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und holt eine Rute, um sein Kind damit zu züchtigen. Seine Abwesenheit nutzt das Kind, um aus dem hässlichen Tintenfleck kleine Tiere auf dem Teppich zu malen. Als sein Vater zurückkommt, sieht er dem Treiben zuerst ratlos zu, bevor er ebenfalls beginnt, den Teppich zu bemalen. Mit Tinte gießt er eine große Schlange in die Mitte des Teppichs. Zum Schluss begutachten beide voller Zufriedenheit das gemeinsame Werk. Der Zorn des Vaters ist verflogen. Nach Absprache mit der Klassenlehrerin habe ich diese Bilder- geschichte gewählt, da sie für die Schüler leicht verständlich ist.

Die Handlung und besonders die Pointe sind leicht erkennbar und die Schüler können sich mit dem Geschehen identifizieren. Nahezu jeder war vermutlich in einer vergleichbaren Situation: Durch eine kleine Unachtsamkeit ist ein Schaden entstanden, aber trotzdem hat man es irgendwie geschafft, die zuerst wütenden Eltern wieder zu besänftigen.

Zur Vorbereitung des Schreibens habe ich die Bildergeschichte auf Folie kopiert und mit Hilfe eines Overhead-Projektors an eine Wand projiziert. Jedes Kind sollte seine Geschichte erzählen. Hierbei konnte man sehr gut erkennen, wie aus einem sehr rudimentären Gerüst nach und nach eine immer detailliertere Geschichte entstand, da die Kinder eigene Ideen mit den vorher geäußerten Ideen ihrer Klassenkameraden verknüpften und sich ständig gegenseitig und selber verbesserten. So wurde zum Beispiel die Idee, der Vater würde sein Kind um die Erlaubnis bitten mit ihm zu malen und sich anschließend für seinen vorherigen Wutausbruch entschuldigen, von den anderen Kindern abgelehnt. Das Argument war hierbei, dass ein solches Verhalten vollkommen unnormal wäre und sich niemand vorstellen konnte, dass ein Vater in einer solchen Situation auf diese Weise reagieren würde. Dieser Teil der Vorbereitung dauerte ungefähr eine Schulstunde.

Am nächsten Tag fand das eigentlich Schreiben der Geschichte statt. Hierfür hatte ich für jedes Kind eine Kopie der Geschichte vorbereitet. Auf diesen Kopien waren zu jedem Bild zwei oder drei Stichworte. Dies sollte zum einen den Kindern den ungefähren Ablauf der Geschichte zeigen, zum anderen aber auch die Benennung von Gegenständen, die den Kindern am Vortag noch unklar war (zum Beispiel Teppichkante oder Tintenfass), in Erinnerung rufen.

Die Kinder konnten ohne Zeitvorgabe an ihrem Text arbeiten. Manche waren bereits nach einer knappen halben Stunde fertig, andere erst nach fast zwei Stunden. Um die Recht-schreibfehler

zu minimieren, sollten die Kinder das Schulwörterbuch „Findefix“3 benutzen.

Es bleibt noch zu sagen, dass die Klasse während der ganzen Zeit einen sehr motivierten Eindruck machte. Ich hatte die Kinder vorher über den späteren Zweck ihrer Texte informiert, so dass sie förmlich darauf brannten, mir bei meiner Hausarbeit zu helfen.

3 Das Schreibentwicklungsmodell von Carl Bereiter

Das hier dargestellte Modell der Schreibentwicklung von Carl Bereiter wurde 1980 veröffentlicht4.

In diesem Modell unterscheidet Carl Bereiter sechs verschie - dene Fähigkeiten, die beim Schreiben identifiziert werden können. Diese sechs Fähigkeiten sind erstens, flüssig schreiben zu können, zweitens Ideen zu haben, die man schriftlich ausdrücken will, drittens sich Schreibkonventionen bewusst zu sein (im Bezug auf Rechtschreibung und Grammatik), viertens sich dem zukünftigen Leser zuwenden zu können und sich dessen bewusst zu sein, fünftens Geschriebenes zu würdigen und kritisch zu betrachten, besonders auch die eigenen Texte. Hierbei soll der eigene Schreibstil ausgebildet und erkannt werden5. Die sechste Fähigkeit ist schließlich, durch Schreiben die eigenen Gedanken zu reflektieren, also eine Kontiguität von Schreiben und Denken zu erreichen.

Jede dieser Fähigkeiten kann sich von den anderen unabhängig entwickeln.

Von diesen Schreibfähigkeiten abhängig unterscheidet Bereiter fünf Schreibmodi. Ein höherer Modus wird immer dann erreicht, wenn eine neue Fähigkeit zu den bereits vorhandenen integriert wird.

1.Modus: Associative Writing:

Dieser Modus stellt die einfachste Form von Schreiben dar. Hier werden die beiden ersten Fähigkeiten, flüssiges Schreiben und Ideengenese miteinander verknüpft. Das Resultat hierbei ist, dass der Schreiber alles niederschreibt, was ihm gerade in den Sinn kommt. Assoziative Schreiber beenden ihre Texte, wenn ihnen keine Ideen mehr zu einem bestimmten, vorgegebenen Thema einfallen. Es handelt sich hierbei um einen komplett Daten gesteuerten Prozess, dem noch kein Konzept zugrunde liegt. Der Schreiber ist noch nicht fähig, eine interessante, kohärente und vollständige Geschichte zu schreiben.

2.Modus: Performative Writing

Beim performativen Schreiben wird das assoziative Schreiben um die Fähigkeit des Bewusstseins und Anwendens von Schreibkonventionen erweitert.

Obwohl Kinder schnell lernen bei Tests oder in Arbeitsbüchern gemäß der Rechtschreibkonventionen korrekt zu schreiben, ist es beim freien Schreiben eine große Belastung für sie, da das Nachdenken über Rechtschreibung und Grammatik den (emotionalen) Gedankenfluss des assoziativen Schreibens zerstört6. Daher wertet Bereiter das Integrieren der gelernten Normen in das freie Schreiben als einen großen Erfolg.

3.Modus: Communicative Writing:

Beim kommunikativen Schreiben kommt die vierte Fähigkeit hinzu. Der Schreiber wendet sich dem zukünftigen Leser seines

Textes zu. Schreiben soll hierbei einen Effekt auf den Leser ausüben. Der Leser soll durch den Text angesprochen, zu etwas aufgefordert oder ihm soll ein Gegenstand nähergebracht werden.

4.Modus: Unified Writing:

Bei diesem Modus wird der Text nicht nur von anderen Leuten wahrgenommen, sondern der Schreiber liest seinen eigenen Text mit den Augen eines externen Lesers.

Obwohl Kinder lernen, kritisch mit Texten umzugehen, fällt es ihnen oft schwer, diese erlernten Fähigkeiten auch auf ihre eigenen Texte anzuwenden. Es ist einfacher, Leser eines fremden Textes zu sein, als der Leser seines eigenen Textes, da man hauptsächlich schreibt, um den zukünftigen Leser mit seinen Texten zu erfreuen, aber nicht die eigene Person. In diesem Modus wird eine Schreib-Lese-Rückkopplung entwickelt, die das Auge des Schreibers (der gleichzeitig auch Lesers in einer Person ist) auf den Text lenkt und ihn als ein Produkt, das modischen und soziologischen Einflüssen unterliegt, sieht.

5.Modus: Epistemic Writing:

Obwohl Schreiben immer eine epistemologische Funktion hat, da das Wissen durch den Schreibprozess aufgearbeitet wird, nennt Bereiter das erkenntnisbringende Schreiben als fünften Schreibmodus.

[...]


1 Um einen besseren Lesefluss zu gewährleisten habe ich nur einen Genus benutzt, gemeint sind aber beide Geschlechter.

2 Plauen, E.O.: Vater und Sohn. Die letzten 50 Streiche und Abenteuer, Konstanz, 1982 3

3 Fachelmann, J./ Müller, R./ Patho, K.: Findefix - Wörterbuch für die Grundschule, München, 2003

4 Bereiter, C.: Development in Writing. In: Gregg, L.W./ Steinberg, E.R. (Hrsg.): Cognitive Processes in Writing. Hillsdale,1980, S. 73-93; im Folgenden angegeben als Bereiter 1980

5 Steinert, J.: Hilfreiche Modelle für Analysen zum Sprachunterricht. In: Becher, H.R./ Bennack, J./ Jürgens, E. (Hrsg.): Taschenbuch Grundschule. Baltmannsweiler, 2. Auflage 1993, S. 270; im Folgenden angegeben als Steinert 1993

6 Aus diesem Grund wird in meiner Praktikumsschule ein freier Schüleraufsatz zuerst von der Lehrperson auf Rechtschreib- und Grammatikfehler kontrolliert, bevor er von den Schülern nochmals im Hinblick auf diese bearbeitet wird.

Details

Seiten
16
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638323529
ISBN (Buch)
9783638745819
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v31305
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Schlagworte
Kunst Gunst Schreibkompetenz Schülern Schuljahres Schreibentwicklungsmodell Carl Bereiter Einführung Sprachwissenschaft I/II

Autor

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Titel: Kunst schafft Gunst - Schreibkompetenz bei Schülern des dritten Schuljahres klassifiziert nach dem Schreibentwicklungsmodell von Carl Bereiter