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Remarques "Im Westen nichts Neues" im Kontext des Ersten Weltkriegs

Facharbeit (Schule) 2012 14 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzbiografie von Erich Maria Remarque

3. Zusammenfassung

4. Der Roman im Kontext des Ersten Weltkriegs
4.1 Einleitung
4.2 Der Erste Weltkrieg - in der Realität und in Remarques Roman
4.3 Kriegsgewinnler
4.4 Verluste und Knappheit im Krieg
4.5 Die verlorene Generation

5. Zu Buch und Film im Dritten Reich

6. Quellenangaben

1. Einleitung

Mein Thema ist der Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque im Kontext des Ersten Weltkriegs. Warum habe ich dieses Thema gewählt? Diese Frage ist leicht zu beantworten: Ich interessiere mich für die jüngere deutsche Geschichte, beginnend mit dem Ersten Weltkrieg. Das Buch von Remarque, so finde ich, erzählt treffend und verständlich das Leben der einfachen Soldaten. Nichts wird in dem Buch verherrlicht, keine Helden dargestellt. Der Krieg wird nicht bewertet, sondern nur mit seiner ganzen Brutalität und Grausamkeit gezeigt. Die Sinnlosigkeit der Kriege im Allgemeinen wird deutlich genauso wie das Profilieren einiger zu Macht gekommener Vorgesetzter. Der Autoritätsglaube der Schüler bringt diese dazu, sich zum Wehrdienst zu melden. Ihr Glaube an das Vaterland und an die Äußerungen der Autoritätspersonen führt sie in diesen grausamen Krieg, der sie ihrer Jugend, ihrer Zukunft beraubt. Wer nicht sein Leben im Krieg verliert, ist gezeichnet für sein Leben. Mich hat die Darstellung der verlorenen Generation beeindruckt. Die Jugendlichen wurden zu Befehlsempfängern, die die Jugend auf der gegnerischen Seite zu töten hatten.

Zur Bearbeitung dieses Themas habe ich verschiedene Quellen herangezogen. Natürlich den Roman selbst, aber auch einige Internetseiten sowie Geschichtsbücher.

2. Kurzbiografie von Erich Maria Remarque

Erich Maria Remarque heißt eigentlich Erich Paul Remark und wurde am 22. Juni 1898 in Osnabrück geboren.1 Sein Urgroßvater, Johann Adam Remarque, wurde noch mit der französischen Namensform in das Geburtenregister eingetragen.2

Sein Vater, Peter Remark, war ein katholischer Buchbinder und hatte neben Erich Maria noch zwei weitere Kinder, zwei Mädchen.3 Nach Abschluss der Johannisvolksschule (1904 bis 1912) besuchte Remarque das katholische Lehrerseminar.4

Remarque schloss sich mit siebzehn Jahren dem Kreis um den Maler und Philosophen Fritz Hörstemeyer an.5 Die Erfahrungen, welche er in diesem Kreis sammelte, beschreibt er in seinem Roman „Die Traumbude. Ein Künstlerroman“ (Dresden: Verlag der Schönheit 1920).6 Aus ebendiesem Traum wurde er am 26. November 1916 gerissen, als er zusammen mit der 2. Seminarklasse als Rekrut in die Osnabrücker Caprivi-Kaserne eingezogen wurde.7 Später wird immer wieder behauptet, dass er sich freiwillig gemeldet habe. Diese Behauptung ist dadurch entstanden, dass Remarque in seinem Buch „Im Westen nichts Neues“ den Eindruck erweckt, dass sich Paul Bäumer und seine Klasse freiwillig gemeldet hätten. Dabei konnten sie nur der Kriegsbegeisterung ihres Lehrers nicht widerstehen.8

Nachdem Remarque unter Unteroffizier Himmelreich ausgebildet worden war, zog er am 12. Juni 1917 an die Westfront.9 Er wurde am 31. Juli durch Granatsplitter verletzt, nachdem er Ende Juni in einen Schanztrupp in Flandern eingesetzt worden war.10 Er kam ins Krankenhaus und konnte seinen Heimaturlaub bis zum Ende des Krieges ausdehnen. Er dachte zu dieser Zeit schon darüber nach, seine Kriegserlebnisse, welche ihn ein Leben lang prägten, worauf seine pazifistisch-antimilitaristische Haltung beruhte,11 in einem Roman zu verarbeiten.

In der Nachkriegszeit ging er verschiedenen Berufen nach: Zuerst schlug er sich als Lehrer, später als Kaufmann durch. Nachdem er Redakteur in Berlin war, wurde er schließlich Schriftsteller. Sein Buch „Im Westen nichts Neues“ entstand im Jahr 1929. Seit dieser Zeit lebte Remarque im Ausland, zuerst in der Schweiz, hinterher in Amerika.

Warum hat er dieses Buch geschrieben? Die Antwort darauf findet sich in einem Gespräch mit Axel Eggebrecht im Juni 1929.12 In jenem Gespräch offenbart Remarque, dass er unter heftigen Anfällen von Verzweiflung litt und unruhig, ziellos und im tiefsten Grunde unfroh war.13 Er suchte nach den Ursachen für seine Probleme in seinen Erlebnissen im Krieg.14 Weiterhin sagt er, dass er ohne großartige Überlegungen anfing, das Buch zu schreiben, und keine Pause machte, bis es fertig war.15 Das Schreiben half ihm, sich zu befreien.

Im Dritten Reich ist er als französischer Jude hingestellt worden, und sein Buch wurde von den Rechten verbrannt. Ebenso wurde ihm 1938 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Er starb am 25. September 1970 in Locarno.

3. Zusammenfassung

Paul Bäumer und seine Klasse gehören zu einer Gruppe von Soldaten, welche im Ersten Weltkrieg an der Westfront stationiert waren. Sie haben sich aufgrund der patriotischen Reden ihres Lehrers, Kantorek, freiwillig beim Bund gemeldet. Er predigte ihnen von der Liebe zum Vaterland, von Heldentum und Patriotismus.

Dort werden sie von dem Unteroffizier Himmelstoß ausgebildet, der vor dem Krieg nur ein einfacher Briefträger war, doch durch die ihm übertragene Macht und Verantwortung zum „Schinder“ wird.16 Er hat durch seine Stellung ein ganz neues Selbstbewusstsein bekommen. Nicht die Bildung zählt, sondern nur der Drill, das System und die Schuhbürste.17 In dieser Grundausbildung merken sie, dass alle Werte, die sie bisher in der Schule kennengelernt haben, auf dem Kasernenhof ihre Gültigkeit verlieren. Nachdem sie ihre Grundausbildung abgeschlossen haben, werden sie an die Westfront verlegt, wo sie sich einer Gruppe von älteren Frontsoldaten anschließen. Dort werden sie von Katczinsky, auch „Kat“ genannt, eingewiesen. Von ihm lernen sie, die verschiedenen Geschosse am Klang zu erkennen und auch unter schlimmsten Bedingungen noch etwas zu essen zu finden. Sie lernen durch ihn, im Krieg, an der Front zu überleben. Außerdem versucht er stets durch seine Äußerungen und Verhalten, die Moral der Gruppe zu stärken. Dabei entsteht eine enge Beziehung der Gruppe zu Katczinsky.

Die Beziehung von Paul zu Katczinsky ist besonders ausgeprägt und erinnert an eine VaterSohn-Beziehung. Er ist Pauls bester Kamerad, sein bester Kumpel. Mit ihm erlebt Paul viele schöne Dinge.18 Das macht die Angriffe, bei denen einer aus der Gruppe verletzt wird oder stirbt, nur umso schlimmer. Je länger der Krieg dauert, umso mehr Kameraden sieht Paul sterben. Vor allem der Tod seines Freundes Kemmerich macht ihm zu schaffen, der aber im militärischen Alltag völlig bedeutungslos ist: „Heute allein wieder sechszehn Abgänge - deiner ist der siebzehnte.“19 (Aussage des Sanitäters).

Dann bekommt Paul für zwei Wochen Heimaturlaub und zusätzlich noch sechs Wochen Heidelager.20 Auf der Bahnfahrt werden beim Anblick der vertrauten Umgebung alte Erinnerun- gen wach. Zuhause trifft er seine Schwester, die gerade sein Lieblingsessen - Kartoffelpuffer - macht. Doch er muss schnell feststellen, dass ihn seine Erlebnisse während des Krieges verändert haben. Seine Heimat erscheint ihm nicht mehr wirklich. Es ist ihm unmöglich, seiner Familie von den schrecklichen Erlebnissen zu erzählen, weil er Angst hat, dass ihn diese Erlebnisse einholen würden und er dann daran zugrunde gehen würde. Die Leute schwärmen aus sicherer Entfernung von dem „tollen Krieg“. Das Leben an der Front mit all seinen Entbehrungen und Grausamkeiten ist ihnen gänzlich unbekannt. Deshalb können sie auch seine Haltung nicht verstehen, dass er nicht stolz ist auf den Krieg und nicht mit Stolz seine Uniform trägt.

Dadurch merkt er, dass seine Kameraden die Menschen sind, die ihm am nächsten stehen. Nach seiner Rückkehr an die Front wird er bei einem Angriff schwer verletzt und ins Lazarett gebracht. Nachdem die Wunde an seinem Bein nach einiger Zeit wieder verheilt ist und geht er zurück an die Front. Doch die Lage an der Front hat sich zusehends verschlechtert. Sowohl die Nahrung als auch die Munition und die Soldaten werden immer knapper. Deshalb sind die deutschen Soldaten auch nicht viel mehr als Kanonenfutter und die Gefechte werden immer brutaler. Die Gruppe um Paul wird verlegt. Im Gefecht sterben alle Soldaten der Gruppe, bis nur noch Katczinsky und Paul übrig bleiben. Doch während eines Angriffs wird Katczinsky verletzt. Paul versucht ihn unter Aufbietung seiner letzten Kräfte zu retten, merkt dabei aber nicht, dass Katczinsky, während er diesen trägt, tödlich getroffen wird. Jetzt ist nur noch Paul übrig. Aller Überlebenswille und Hoffnung verlässt ihn. Auch er verstirbt, nachdem er tödlich getroffen wurde, „an einem Tag, der so ruhig und so still war an der ganzen Front, dass der Heeresbericht sich nur auf den Satz beschränkte, im Westen sei nichts Neues zu melden.“21

4. Der Roman im Kontext des Ersten Weltkriegs

4.1 Einleitung

In dem Roman „Im Westen nichts Neues“ schildert Remarque wahrheitsgetreu und in aller Offenheit die Erlebnisse des Soldaten Paul Bäumers und seiner Freunde. Remarque benutzt bei dieser Schilderung den Ersten Weltkrieg als historischen Hintergrund. Dennoch kann man dieses Buch nicht als ein geschichtsbuchähnliches Werk sehen, da Remarque besonders auf die Sichtweise und Gefühlswelt derer eingeht, auf deren Rücken der Krieg ausgetragen wird. Das sind die einfachen Soldaten, die auch „die verlorene Generation“ genannt werden. Den jüngeren Menschen wurde ihre Jugend genommen und ihre Psyche durch die Kriegserlebnisse traumatisiert. Ein zukünftiges Leben in einer bürgerlichen Existenz wurde ihnen durch die furchtbaren Erlebnisse oft unmöglich gemacht. 1914 wurden alle von einer Kriegsbegeisterung mitgerissen, denn in allen Ländern war man der Meinung für die gerechte Sache zu kämpfen. Man war mit glühender Begeisterung davon überzeugt, für die gerechte Sache zu sterben. Für Bäumer und seine Kameraden bedeutete der Tod auf dem Schlachtfeld nicht Opfertod für das Vaterland, sondern nur furchtbare Qualen, die nur schwer zu ertragen waren. Die anfängliche Kriegseuphorie wich großer Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit.

Remarque äußert mit seinem Buch indirekt Kritik an der damaligen Bildung und der Vermittlung falscher Werte, die durch den Lehrer Kantorek gelehrt wurden: für die Ehre des Vaterlandes und den Kaiser zu sterben, die Ehre Deutschlands zu verteidigen, im Einsatz für Kaiser und Vaterland den Sinn des Lebens zu sehen. Damit wird auch indirekt Kritik am Staat geäußert, der jede Kritik im Ansatz erstickt und von den Bürgern Anpassung und Einordnung verlangt. Das Individuum ist nicht gefragt. Damit erweist sich das Militär als Institution, das den Einzelnen zur Aufgabe seiner Persönlichkeit zwingt und zum Befehlsempfänger herunterstuft. Typischer Vertreter ist der Unteroffizier Himmelstoß. Wichtig wird die Kameradschaft, nicht die Freundschaft. Kameradschaft entsteht durch jahrelanges gemeinsames Leben. Es bedeutet Verantwortung gegenüber dem Gegner, Verständnis und Toleranz. Sie bedeutet auch Hilfe für Menschen, die sich in einer aussichtslosen Lage befinden. Im Roman wird durch die gemeinsame Latrinensitzung die Kameradschaft zwischen den Soldaten beschrieben.22

Gleichzeitig wird auch die Sinnlosigkeit des Krieges dargestellt. Die Soldaten zeichnet nicht Opferbereitschaft, sondern grenzenloser Überlebenswille aus. Krieg ist nicht toll und schön, sondern bedeutet Tod und Vernichtung.

[...]


1 Remarque Erich Maria, Im Westen nichts Neues, Köln, 1959, Kiepenheuer und Witsch, S. 204

2 Ebd.

3 Ebd.

4 http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Maria_Remarque

5 Ebd. S.206

6 Ebd. S.219

7 Ebd. S.206

8 Ebd. S.17, 206

9 Ebd.

10 Ebd.

11 http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Maria_Remarque

12 Ebd. S.208

13 Ebd.

14 Ebd.

15 Ebd.

16 Ebd. S.38f

17 Ebd. S.24ff

18 Ebd. S.73

19 Ebd. S.31

20 Ebd. S.108

21 Ebd. S.199

22 Ebd. S.15

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668116993
ISBN (Buch)
9783668117006
Dateigröße
639 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313001
Note
2,0
Schlagworte
Remarque Im Westen nichts Neues Erster Weltkrieg

Autor

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