Lade Inhalt...

Verträglichkeit. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Teamzusammensetzung nach Persönlichkeitsmerkmalen und der Teamleistung?

Hausarbeit 2015 23 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung / Abstract

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Zentrale Erkenntnisse zum Thema Gruppen und Gruppenleistung
2.1 Merkmale einer Gruppe
2.2 Gruppenleistung
2.2.1 Prozessgewinne und Prozessverluste

3 Hypothese über mögliche Zusammenhänge von Persönlichkeit und Gruppenleistung
3.1 Der Einfluss des Persönlichkeitsmerkmals Verträglichkeit auf die Gruppenleistung
3.2 Hypothese

4 Ergebnisse der Literaturrecherche

5 Handlungsempfehlungen für die Zusammenstellung von leistungsstarken Gruppe
5.1 Auswahl geeigneter Mitglieder für leistungsstarke Gruppen
5.2 Bestimmung der Gruppengröße und Zusammensetzung
5.3 Führung von leistungsstarten Gruppen
5.4 Organisation einer leistungsstarken Gruppe

6 Stellungnahme und Einschätzung der Machbarkeit

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung/Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Zusammensetzung von Gruppen hinsichtlich des Persönlichkeitsmerkmals Verträglichkeit. Untersucht wurde, ob es einen Zusammenhang zwischen Gruppenzusammensetzung nach Persönlichkeitsmerkmalen und Gruppenleistung gibt.

Einführend wird eine kurze Darstellung der bisherigen Erkenntnisse zum Thema Gruppen und Gruppenleistung sowie eine Definition zu Prozessgewinnen und Prozessverlusten gegeben. Anschließend werden die verschiedenen Persönlichkeitsmerkmale beleuchtet, insbesondere Verträglichkeit im Zusammenhang mit Gruppenleistung. Darauf basierend wird die Hypothese formuliert.

Nachfolgend werden die Ergebnisse der Literaturrecherche und die Erkenntnisse sowie Theorien der Forschung beschrieben. Auf dieser Grundlage erfolgt eine erste Validitätsprüfung der aufgestellten Hypothese.

Abschließend wird eine Handlungsempfehlungen für die Zusammenstellung von leistungsstarken Gruppen gegeben sowie eine persönliche Stellungsnahme und Einschätzung der Machbarkeit.

Diese Arbeit verdeutlicht, dass es in der Theorie zwar eine optimale Gruppenzusammensetzung nach Persönlichkeitsmerkmalen gibt, die jedoch in der Praxis schwer zu realisieren.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Begriffe, nach denen Arbeitgeber in Lebensläufen am häufigsten suchen (CareerBuilder.com, 2008)

Abb. 2.1: Bestimmungsfaktoren der Gruppenleistung (In Anlehnung an Robbins, S.: Organisation der Unternehmung, S. 273, aus Franken 2010, S.186)

Abb. 2.2: Gruppenleistung (Werth & Mayer, 2008, S. 352)

Abb. 3: Beziehung zwischen Gruppenzusammenhalt und Gruppenleistung (Comelli, G.; von Rosenstiel, L., 2009, S. 177)

Abb. 4: Input-Prozess-Output-Modell (in Anlehnung an Gladstein, 1984, S. 502, nach Schreyögg & Conrad, 2008, S. 6)

Abb. 5: Wichtige Faktoren der Gruppenleistung (eigene Darstellung nach Hertel, 2006, S. 8 - 15).

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Vor- und Nachteile der Gruppenarbeit (Franken, 2010)

Tab. 2: Facetten der Verträglichkeit (eigene Darstellung nach Ostendorf & Angleitner 2003, aus Arsendorf 2011)

1 Einleitung

Das Thema Zusammenstellung von Gruppen und Gruppenleistung ist ein Kernpunkt der Sozialpsychologie, genauer gesagt der Persönlichkeitspsychologie und der Eignungsdiagnostik. Die Sozialpsychologie konzentriert sich darauf, wie Menschen über andere denken, wie sie einander beeinflussen und wie sie in Beziehung zueinander stehen (Myers, 2008, S. 636).

Gruppen von Menschen finden wir in allen Lebensbereichen, von der Familie, über die Arbeit bis hin zum Sport. Joachim Löw betonte nach dem Fußball WM Sieg, dass auch die gute Stimmung innerhalb Mannschaft ausschlaggebend für deren Leistung war.

Vor allem in modernen Organisationen gewinnen Teams immer mehr an Bedeutung. Mehr als 80% der Unternehmen des ‚Fortune 500’ beschäftigen über die Hälfte der Mitarbeiter in Teams (Strozniak, 2000). Angeregt durch den internationalen Wettbewerb und die Herausforderung interdisziplinär zu arbeiten, ersetzen flexible Teams immer öfter starre Strukturen.

Neue Organisationsformen und zunehmender Abbau von Grenzen zwischen Abteilungen spiegeln diese Entwicklung wieder und fördern den Bedarf an effizienten Teams. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass bei der Personalauswahl immer mehr Wert auf die Teamfähigkeit der Bewerber gelegt wird.

Dies spiegelt auch die Online-Umfrage von Harris Interactive im Auftrag von CareerBuilder.com aus dem Jahr 2008 wieder (Abb. 1.1). Von 238 Personalchefs und Human-Resources- Experten gaben 46 % an, bei Bewerbungen in Lebensläufen als erstes auf die Eigenschaft „Teamfähigkeit“ zu achten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Begriffe, nach denen Arbeitgeber in Lebensläufen am häufigsten suchen (Career Builder.com, 2008)

Für Unternehmen ist das Thema „Gruppenleistung und deren Zusammenstellung“, auch auf Grund der hohen Kosten nicht funktionierender Teams, wichtig. Hierzu zählen u.a. Personalkosten, Kosten für Einarbeitung und Teambuilding-Maßnahmen.

Reicht jedoch alleine eine gute ausgeprägte Teamfähigkeit, um erfolgreich im Team Leistung zu erbringen? Nach J. Leidenfrost und A. Sachs (2013) gibt es mehrerer Erfolgsfaktoren, die ein Hochleistungsteam erfolgreich machen.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwieweit Zusammenhänge zwischen dem Persönlichkeitsmerkmalen Verträglichkeit bei Gruppenmitgliedern und der Gruppenleistung bestehen.

Die Begriffe Team und Gruppe werden in Anlehnung an Badke-Schaub, Hofinger und Lauche im Folgenden synonym verwendet (2012).

2 Zentrale Erkenntnisse zum Thema Gruppen
und Gruppenleistung

2.1 Merkmale einer Gruppe

Als Gruppe kann jede Ansammlung von zwei und mehreren Personen bezeichnet werden, die sich aufgrund ähnlicher Interessen, Aufgaben oder Zielen zusammen getan haben. Im Mittelpunkt steht hierbei die unmittelbare Kommunikation. Eine Gruppe ist demnach eine Mehrzahl von Personen, die über einen längeren Zeitraum in direkter Interaktion zueinander stehen (vgl. Franken, 2010, S. 174).

Man unterscheidet diese Gruppen in formelle und informelle Gruppen. Informell sind beispielsweise Interessens- oder Freundschaftsgruppen. Formelle Gruppen sind z.B. ein Arbeitsteam oder ein Personalauswahlgremium (Jonas, Stroebe & Hewstone, 2014, S. 471)

Nach D. Eberhardt entwickeln Gruppenmitglieder im Laufe der Zeit ein »Wir-Bewusstsein«, auch Kohäsion genannt. Außerdem entwickeln sie ein gemeinsames Werte- und Normensystem. Die Rollen der Einzelnen sind teilweise voneinander abhängig und die Mitglieder einer Gruppe sind erkennbar (2013, S. 8).

Die Organisation der Gruppenarbeit ihre Vor- und Nachteile (Tab. 1). Diese existieren als Tendenzen und kommen nicht unbedingt in jeder Gruppe vor.

Tab. 1: Vor- und Nachteile der Gruppenarbeit (Franken, 2010)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Gruppenleistung

Nach Frey & Bierhoff setzt sich Gruppenleistung zusammen aus: Leistungsbereitschaft, Fähigkeiten und Fertigkeiten jedes Einzelnen sowie den gruppenspezifische Komponenten, Gruppenzusammensetzung und Gruppenmotivation (2011, S. 222-223).

Einfluss auf die Gruppenleistung und -zufriedenheit üben folgende Elemente aus: Aufgabe der Gruppe, Gruppenprozess, Ressourcen der Mitglieder und Gruppenstruktur, externe Bedingungen sowie kulturelle Rahmenbedingungen. Diese stehen in einem Lernprozess mit Rückkopplung, wie in Abb. 2 dargestellt (Franken, 2010, S. 185).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1: Bestimmungsfaktoren der Gruppenleistung (In Anlehnung an Robbins, S.: Organisation der Unternehmung, S. 273, aus Franken 2010, S.186)

Zur Bestimmung der Gruppenleistung werden drei Variablen herangezogen. Das ist die Summe der potenziellen Produktivität der einzelnen Gruppenmitglieder, die aus der Gruppenarbeit entstehenden Prozessgewinne und die entstehenden Prozessverluste (Steiner, 1972; Zysno 1998).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.2: Gruppenleistung (Werth & Mayer, 2008, S. 352)

2.2.1 Prozessgewinne und Prozessverluste

Im Rahmen dieser Hausarbeit werden die Aspekte Prozessgewinne und Prozessverluste untersucht. Prozessgewinne beschreiben den Leistungszuwachs, der sich aus der Gruppenarbeit im Gegensatz zur Einzelarbeit ergibt. Prozessverluste meinen im Gegensatz die Leistungsverminderung.

Die Mitglieder einer Gruppe müssen individuelle Beiträge leisten und diese müssen koordiniert werden. Sowohl die Fertigkeiten der Gruppenmitglieder als auch deren Motivation ist ausschlaggebend. So gibt es drei Arten von Prozessverlusten bzw. Prozessgewinnen: bei der Koordination , der Motivation und der individuellen Fertigkeit (Jonas, Stroebe & Hewstone, 2014, S.475).

Koordinationsverluste beschreiben die verringerte Leistung einer Gruppe, wenn es ihr nicht gelingt, die individuellen Beiträge ihrer Mitglieder optimal zu koordinieren. In Bezug auf Koordination kann es in Gruppen nur zu Prozessverlusten und nicht Prozessgewinnen kommen (Jonas, Stroebe & Hewstone, 2014, S.475).

Motivationsverluste bzw. -gewinne bedeuten eine Abnahme oder Zunahme der Motivation bei den Gruppenmitgliedern, in einer Gruppe etwas zur Aufgabenausführung beizutragen. Soziales Faulenzen , der Entbehrlichkeitseffekt und der Trotteleffekt sind Arten der Motivationsverluste. Ebenso gibt es auch drei Arten von Motivationsgewinnen: den sozialen Wettbewerb, die soziale Kompensation und den Köhlereffekt (Jonas, Stroebe & Hewstone, 2014, S. 478-479).

Bei den individuellen Fertigkeitsverlusten bzw. -gewinnen werden die individuellen Fertigkeiten der Gruppenmitglieder zur erfolgreichen Aufgabenbewältigung durch soziale Interaktion beeinträchtigt oder verbessert (Jonas, Stroebe & Hewstone, 2014, S. 481).

3 Hypothese über mögliche Zusammenhänge von Persönlichkeit und Gruppenleistung

Das Wichtigste für eine leistungsstarke Gruppe ist die Zusammenarbeit der Einzelnen untereinander, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. „Teamfähigkeit“ ist hierfür ein viel verwendetes Schlagwort.

Doch welche Persönlichkeitsmerkmale machen einen teamfähigen Menschen aus und was sind die relevanten Eigenschaften, um eine erfolgreiche Gruppenleistung zu erbringen?

3.1 Der Einfluss des Persönlichkeitsmerkmals Verträglichkeit auf die Gruppenleistung

Das in der Psychologie gängige Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit von Costa und McCrae (1992) geht davon aus, dass sich die Persönlichkeit durch fünf zentrale Persönlichkeitsmerkmale (auch „Big Five“) vollständig beschreiben lässt. Hierbei handelt es sich um Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen und Verträglichkeit (Herzberg & Roth, 2014, S. 40).

Alle fünf genannten Faktoren sind für die Gruppeleistung von Bedeutung, diese Hausarbeit beschäftigt sich jedoch vorrangig mit dem Faktor Verträglichkeit.

Das unter Punkt 2.1 bereits erwähnte „Wir-Bewusstsein“ ist stark von dem Faktor Verträglichkeit abhängig, da dieser in erster Line interpersonelles Verhalten beschreibt. Eine Gruppe kann nur leistungsorientiert arbeiten, wenn sie auch auf persönlicher Ebene gut funktioniert.

Nach Nerdinger, Blickle & Schaper kennzeichnet Verträglichkeit altruistische, mitfühlende, verständnisvolle und wohlwollende Menschen. Außerdem haben sie ein starkes Harmoniebedürfnis und neigen zu zwischenmenschlichem Vertrauen, zu Kooperation und Nachgiebigkeit (2014, Seite 87).

Das Fünf-Faktoren-Modell ordnet dem Persönlichkeitsmerkmal Verträglichkeit sechs verschiedene Facetten zu (Tab. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Facetten der Verträglichkeit (eigene Darstellung nach Ostendorf & Angleitner 2003, aus Arsendorf 2011)

Je besser die hohen Werte dieser einzelnen Facetten bei den Mitgliedern ausgeprägt sind, desto positiver ist die Verträglichkeit in der Gruppe. Des Weiteren trägt der Faktor Verträglichkeit zur Stabilität der Gruppe bei, was wiederum eine leistungsfähige Gruppe ausmacht (Herzberg & Roth, 2014, S. 48).

Asendropf stellt fest, dass hohe Werte größtenteils sozial erwünscht sind und niedrige Werte durchaus eher unerwünscht. Er beschreib Verträglichkeit als interpersonelles Verhalten, welches sich auf soziale Motive bezieht (2011, S.86).

Auf der Grundlage des „Big Five“-Modells entwickelten Costa und McCrae ein multidimensionales Persönlichkeitsinventar, das die Erfassung der fünf Faktoren und der dazugehörigen Facetten ermöglicht (Herzberg, 2014, S. 42). Dieser Persönlichkeitstest ist heute international gebräuchlich. Mit Hilfe dieses sog. NEO-Fünf-Faktoren-Inventar (NEO-FFI) kann also auch die Ausprägung des Faktors Verträglichkeit bestimmt werden. Das Akronym „NEO“ ist aus den Anfangsbuchstaben der drei im Modell enthaltenen Persönlichkeitsfaktoren zusammengesetzt. Es handelt sich um: Neurotizismus (N), Extraversion (E) und Offenheit für Erfahrungen (O) (engl.: openness to experience). Der Anhang „FFI“ steht dabei für Fünf-Faktoren-Inventar.

3.2 Hypothese

Letztlich bezieht sich diese Hausarbeit auf folgende die Hypothese:

Zwischen dem Persönlichkeitsmerkmal Verträglichkeit und der Gruppenleistung besteht ein positiver Zusammenhang. Das heißt, wenn bei der Gruppenzusammensetzung darauf geachtet wird, dass das Persönlichkeitsmerkmal Verträglichkeit bei den Gruppenmitgliedern stark ausgeprägt ist, wird die Gruppenleistung dadurch positiv beeinflusst.

Die Nullhypothese lautet folglich: Es besteht kein positiver Zusammenhang zwischen dem Persönlichkeitsmerkmal Verträglichkeit und der Gruppenleistung.

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668121089
ISBN (Buch)
9783668121096
Dateigröße
660 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312905
Institution / Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,2
Schlagworte
Persönlichkeitsmerkmal Gruppenleistung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Verträglichkeit. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Teamzusammensetzung nach Persönlichkeitsmerkmalen und der Teamleistung?