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Liebe und Erotik im Mittelalter. Erotische Elemente im ritterlichen Turnierkampf

Hausarbeit 2000 13 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Das Turnier
Die Anfänge des Turnierwesens
Beschreibung und Struktur der Turniere

Kleidung – erotische Symbole

Liebe und Erotik im damaligen Sinn

Erotische Elemente im ritterlichen Turnierkampf

Schlußwort

Literaturverzeichnis

Einleitung

Wenn man an das Mittelalter denkt, denkt man so gut wie automatisch an Ritter in Rüstungen auf stolzen Pferden, die zu Turnieren reiten und das Herz einer edlen Dame gewinnen. Nicht zuletzt bekommt man es vor allem im Fernsehen so präsentiert. Doch was ist dran am wirklichen Ritterleben, an der Turnierpraxis und der ach so romantischen Liebe zwischen dem galanten Ritter und seiner edlen Dame. Ich möchte einen kleinen Überblick geben über das Turnier, die Frauenkleider samt damaliger erotischer Symbole, über Liebe und Erotik, wie sie damals gesehen wurde. Im letzten Kapitel möchte ich versuchen, diese ganzen Elemente zusammenzuführen und zu schauen, wie das Verhältnis zwischen Ritter und Dame beim Turnier wirklich aussah und wieweit man auf erotische Elemente im ritterlichen Turnierkampf schließen kann.

Das Turnier

Die Anfänge des Turnierwesens

Anfänge und Ausbildung des Turniers liegen im Dunkeln, denn Reiterspiele gab es in der römischen Antike ebenso wie bei den Germanen. Es gibt Berichte aus dem 9. und 10. Jahrhundert, denen jedoch die typischen Beschreibungen fehlen, die für spätere Turniere kennzeichnend waren: Es fehlt der Zusammenprall geschlossener Reiterverbände unter Einsatz scharfer Waffen. Was das genau heißt, wird weiter unten noch erklärt. Erst durch die Weiterentwicklung der Lanzentechnik im 11. Jahrhundert wurden die Voraussetzungen für ein neues Reiterspiel geschaffen. Die Regeln für dieses neue Reiterspiel soll der französische Adlige Geoffroi de Preuilly aufgestellt haben, zumindest schreibt man das bei seinem Tod 1066.

Das erste historisch bezeugte Turnier fand 1095 in Flandern statt und hier gab es auch schon das erste Turnieropfer. Graf Heinrich III von Löwen wurde mit einer Lanze erstochen.

Die nächsten Belege für Turniere stammen ebenfalls aus Flandern und aus Nordfrankreich aus dem Jahre 1130. In diesem Jahr wurde auch das erste päpstliche Turnierverbot von Papst Innozenz II erlassen.

Die Blütezeit der Turniere in Nordfrankreich war in den siebziger und achtziger Jahren des 12. Jahrhunderts. Dort muß etwa alle zwei Wochen ein Turnier stattgefunden haben, wie man der „Lebensgeschichte William Marshalls“ (Histoire de Guillaume le Maréchal) entnehmen kann, die ein französischer Dichter im Jahr 1219 verfaßt hat.

Frankreich war die Heimat der Turniere.[1]

In Deutschland stammt der älteste Beleg über ein Turnier von Otto von Freising, den er in den Jahren 1157/58 geschrieben hatte. Er berichtet dort über das Turnier der Stauferherzöge Konrad und Friedrich von Schwaben im Jahr 1127 vor Würzburg. König Lothar von Supplinburg hatte 1127 Nürnberg ohne Erfolg belagert und sich schließlich nach Würzburg zurückgezogen, wohin Friedrich und Konrad von Schwaben ihm mit ihren Truppen folgten. Sie „rückten bis vor die Mauern und veranstalteten draußen mit den Rittern des Königs ein Kampfspiel, das man jetzt gewöhnlich ‚Turnier‘ nennt.“[2]

Es ist jedoch nicht sicher, ob dieses Turnier im französischen Stil stattfand, da es keine förmliche Einladung und keinen Zusammenprall der Verbände gab.

Es ist überhaupt nur ein deutsches Turnier aus dem 12. Jahrhundert bekannt, das angekündigt wurde und ausgerechnet dieses Turnier hat nie stattgefunden. Es sollte im Anschluß an die Schwertleite der Söhne Kaiser Friedrichs I auf dem Mainzer Hoffest 1184 abgehalten werden, wurde jedoch aus unbekannten Gründen abgesagt.

Durch Otto von Freising wurde ca. 1160 die Entlehnung des französischen Wortestornoiodertornoiementbezeugt. Erste volkssprachliche Zeugnisse sind etwa ein Jahrzehnt jünger und zeigen die Entstehung des Lehnwortesturnei.In Hartmanns „Erec“ taucht dieses Wort zum ersten Mal als gesonderte Veranstaltung mit eigenen Regeln auf und hier gibt es nun auch das Verbturnieren. Im Erec findet man auch die erste große Turnierbeschreibung (2404 ff.).

Das französische Turniervokabular hatte sich nun fest eingebürgert.

Beschreibung und Struktur der Turniere

Turniere waren im 12. Jahrhundert Massenkämpfe, bei denen in Verbänden aufeinander losgegangen wurde. Sie unterschieden sich nur durch wenige Dinge von einem richtigen Kampf: Es gab eine Einladung, Bedingungen wurden verabredet und für jede Partei wurde ein Schutz- oder Sicherheitsbezirk festgelegt, in dem man vor dem Gegner sicher war.

Die Einladung erfolgte drei bis sechs Wochen im voraus und sie ging an alle, die kommen wollten, wenn man nicht direkt einen Gegner herausforderte. Der Turniertag war meist ein Montag und als Turnierpreis waren Tiere sehr beliebt. „Wer das beste da verrichtet, der erhält einen Bären, den eine Dame zum Turnier schickt.“[3]In der Dichtung gab es allerdings noch ganz andere Preise, wie man am Beispiel des Turniers von Kanvoleis sieht. Hier setzt Königin Herzeloyde sich quasi selbst als Preis aus, indem sie dem Ritter, der aus dem Turnier als Sieger hervorgehen wird, die Hand reichen will. In der Realität wurde einmal auf dem Magdeburger Gralfest 1280 eine Prostituierte als Turnierpreis ausgesetzt. Ansonsten waren solche doch recht delikaten Preise auf die Dichtung beschränkt. Darauf komme ich jedoch im Kapitel „Erotische Elemente im ritterlichen Turnierkampf“ wieder zurück.

Vor jedem Kampf wurden von den Rittern die Regeln festgelegt. Es wurden zwei Scharen gebildet, deren Anführer jeweils die ranghöchste Person war. In solchen Scharen kämpften nicht selten ca. 300 Ritter, es können aber auch schon mal 1000 oder mehr gewesen sein. Oft waren die Turniergegner alte Feinde, das Turnier war hier die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. So kam es durchaus vor, daß Turniere in richtige Kämpfe auszuarten drohten.

Eine wichtige Frage vor dem Turnier war die Frage nach den finanziellen Konditionen. Beim Turnier von Komarzi standen folgende zwei Regelungen zur Debatte: Entweder, der Besiegte verlor alles, was er an sich hatte, oder es ging um alles, was er aufbringen konnte. Das schloß auch Lösegeld, das dem jeweiligen Rang des Gefangenen entsprach, mit ein. Der Kampfpreis war meist die ritterliche Ausrüstung. Bei besagtem Turnier einigte man sich auf die erste Möglichkeit.[4]

Jede Partei erhielt einen Sicherheits- oder Schutzbezirk, in dem man nicht angegriffen werden durfte und in den man seine Gefangenen brachte. Die Schutzbezirke waren meist so aufgeteilt, daß der eine in der Stadt lag und der andere außerhalb.

Anfangs war das Turnierfeld nicht begrenzt und so waren oft große Flurschäden die Folge. Im 13. Jahrhundert begann man, einen Turnierplatz abzustecken. Es war ein Schritt von den schlachtenähnlichen Turnieren zur zeremoniellen Veranstaltung des Spätmittelalters.

Am Vortag des Turniers wurde die sogenannte Vesperie abgehalten, ein Vorgeplänkel ohne feste Absprachen und Regeln. Es bestand aus einer Reihe von Einzelstechen, manchmal auch schon in einem Gegeneinanderreiten in Verbänden. Es kam vor, daß bei der Vesperie so erbittert gekämpft wurde, daß am nächsten Tag kein Turnier mehr stattfinden konnte, da die meisten Anführer gefangen worden waren.

Der Kampf selbst war bei einem Hauptturnier im 12. Jahrhundert immer ein Kampf in geschlossenen Verbänden. Man schob sich soweit ineinander, bis keine Bewegungen der Verbände mehr möglich waren und ging dann zum Einzelkampf über. Hier versuchte man nun, Gefangene zumachen, möglichst natürlich die Anführer, da sie mehr Lösegeld versprachen. Die Anführer wurden jedoch von ihren Rittern und den Kippern, das waren Knappen und Knechte, die mit Stöcken und Keulen bewaffnet waren, beschützt.

Einige Turnierregeln werden an einer Stelle im „Parzival“ genannt. Es ist allerdings nicht bekannt, ob es zu Beginn des 13. Jahrhunderts schon eine feste Systematik gab, jedoch waren Autoren und Zuhörer um 1200 mit den Einzelheiten der Turnierpraxis vertraut.[5]

Im 12. Jahrhundert wurden bei Turnieren keine anderen Waffen verwendet als im richtigen Kampf. Entsprechend gab es viele Turniertote. Erst um 1270/80 wurde in Deutschland der Gebrauch stumpfer Waffen beim Turnier bezeugt.

Im 13. Jahrhundert wandelten sich die gefährlichen Massenkämpfe und wurden zur Tjost. Die Tjost war ein Einzelrennen, in dem zwei Gegner gegeneinander antraten und versuchten, sich mit ihren Lanzen gegenseitig vom Pferd zu stechen. Die Tjost gab den Rittern die Gelegenheit, sich vor den anderen Konkurrenten auszuzeichnen. Als Turnierform begegnet die Tjost zum erstenmal in Hartmanns „Erec“ (2510).

Ebenfalls im 13. Jahrhundert entstand eine neue Form des Ritterspiels, das Tafelrundenturnier. Wie schon der Name vermuten läßt, liegen seine Ursprünge in der Literatur. Es wurde häufig im Rahmen großer Hoffeste abgehalten und die Anwesenheit von Damen ist bezeugt. Es ist anzunehmen, daß es weniger gefährlich war als das Turnier. Das Tafelrundenturnier bestand hauptsächlich aus Einzelkämpfen mit stumpfen Waffen, die auf einem großen abgesteckten Platz stattfanden, an dessen Rand die Kampfrichter und die Damen Platz nahmen. In der Mitte dieses Platzes wurde das Zelt der Königin der Tafelrunde aufgeschlagen und ringsherum die Schilde der Ritter aufgehängt. Wollte man einen Gegner herausfordern, mußte man lediglich dessen Schild berühren.

So wurde es in der französischen Epik des 13. Jahrhunderts beschrieben. In der Realität hat wohl das Gralfest zu Pfingsten 1280 in Magdeburg so stattgefunden. In der Mitte des Festplatzes wurde der Gral aufgeschlagen (vielleicht ein Zelt[6]) und daneben die Schilde aufgestellt. Als Turnierpreis konnte man eine Dame gewinnen, wahrscheinlich eine Magdeburger Prostituierte (siehe auch im Kapitel „Erotische Elemente im ritterlichen Turnierkampf“).

Wie man sieht, hat sich im 13. Jahrhundert der Charakter des Turniers sehr geändert. Aus den gefährlichen Massenturnieren mit scharfen Waffen und geschlossenen Verbänden wurde das Einzelstechen mit stumpfen Waffen, das einem immer strikteren höfischen Protokoll untergeordnet wurde.

[...]


[1]Bumke: S. 343.

[2]Bumke: S. 111.

[3]Bumke: S. 348.

[4]Bumke: S. 351.

[5]Bumke: S. 354.

[6]Bumke: S. 364.

Details

Seiten
13
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783668118232
ISBN (Buch)
9783668118249
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312863
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Institut für Literaturwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Turnierkampf Ritter

Autor

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