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Die Vor- und Nachteile von sozialer Kontrolle

Essay 2013 4 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Soziale Kontrolle — Vor- und Nachteile

Wie kann soziale Kontrolle definiert werden und welche Formen gibt es davon? Wie hat sich soziale Kontrolle in den letzten Jahrzehnten verändert? Welche Folgen hat Kontrolle und welche Vor- und Nachteile gibt es? Ein Thema, dass meiner Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, welches aber eine große Wichtigkeit hat, wenn es um Sicherheit geht. Ich denke jede Gesellschaft oder Gemeinschaft braucht heutzutage ein Art soziale Kontrolle, die verhindert, dass die Normen verletzt werden.

Soziale Kontrolle definiert sich durch die „Gesamtheit aller sozialen Prozesse und Strukturen, die abweichendes Verhalten der Mitglieder einer Gesellschaft verhindern oder einschränken.“ (vgl. Hartfiel 1972, S. 355). In einer anderen Definition heißt es, dass man darin „alle Maßnahmen und Mechanismen versteht, die dazu dienen sollten, konformes Verhalten zu erzielen oder zu erhöhen.“ (vgl. Reinhold 1997, S. 362)

In der Soziologie wird soziale Kontrolle oft im Zusammenhang mit abweichendem Verhalten untersucht, sie soll allgemein abweichendes Verhalten verhindern oder reduzieren. Die Möglichkeiten der sozialen Kontrolle sind dabei nicht als Einschränkung des Individuums zu sehen, sondern als Lösungsmöglichkeit bei Konflikten. Es ist kein gesellschaftlicher Zwang, allerdings spricht Ross (1970) von „social needs“. Dabei finde ich die These von Homans(1960) interessant, in der er sagt, dass soziale Kontrolle „in allen Alltagsbeziehungen zwischen den Mitgliedern einer einer Gruppe innewohnt.“ Man kann also gar nicht verhindern, dass sie da ist, dieser Prozess passiert quasi von selbst. Als Institutionen sozialer Kontrolle können dabei Familie, Kirche, Schule, Betriebe, Vereine, etc sein. Ihre Mittel strecken sich über Kommunikation in Form von Anerkennung, Ermutigung, Kritik oder Zurechtweisung, sowie Sanktionen bis hin zur Abgrenzung. Das Ziel ist die Herstellung der Verhaltenskonformität, die den Normen und Werten der Mehrheit angepasst ist. Besonders wirksam ist soziale Kontrolle in kleinen Gemeinschaften und in der direkten Interaktion ihrer Mitglieder. Daraus könnte man also deuten: je kleiner die Gemeinschaft, desto wirksamer ist die Kontrolle.

Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen der sozialen Kontrolle. Einmal zwischen der inneren Kontrolle und der äußeren Kontrolle. Die innere Kontrolle ist die Verinnerlichung von sozialen Normen, insbesondere durch Sozialisation. Die äußere Kontrolle hingegen beinhaltet negative und positive Sanktionen der „anderen“. Andererseits gibt es die Unterscheidung der reaktiven und präventiven sozialen Kontrolle. Bei der reaktiven sozialen Kontrolle versucht die Kontrollinstanz in Bezug auf das Kontrollobjekt eine Rückkopplung herbeizuführen. Es ist eine Art Kontrollarbeit, sie kann erfolgreich, weniger erfolgreich oder erfolglos enden, die Zielerreichung steht dabei nicht von vorneherein fest. Im Gegensatz dazu wird bei der präventiven sozialen Kontrolle versucht, die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass beim Kontrollobjekt zukünftig unerwünschte Handlungen bzw. Zustände auftreten. Dies ist ebenfalls Kontrollarbeit, bei der der Erfolg allerdings zum Teil erst nach Jahrzehnten festgestellt werden kann.

Wie hat sich soziale Kontrolle nun in den letzten Jahrzehnten verändert? Die Geschichte beginnt zunächst im angloamerikanischen Raum und später dann in Kontinentaleuropa mit „gesellschaftlichen Transformationsprozessen“. In der Folge haben sich die gesellschaftlichen Bedingungen grundlegend verändert. In Deutschland beispielsweise sind seit den 1990er Jahren fast ausschließlich Verschärfungen des Strafrechts festzustellen, sowie ein grundlegender Wandel des Systems staatlicher Sozialkontrolle. Heute gilt strafrechtliche Verfolgung durch den Staat als moderne Form sozialer Kontrolle zur Verhinderung abweichenden Verhaltens. Dazu noch kommt es durch die stetige Weiterentwicklung der Technik im laufe der Jahre zu einer enormen Ausweitung der Kontrollmöglichkeiten. Die eingesetzte Technik liefert eine Vielzahl von Informationen, allerdings zieht dies eine kostenaufwendige und trockene Aufgabe der Selektion und Verarbeitung der zufließenden Daten nach sich.

Als Beispiel der modernen Technik will ich die Videoüberwachung veranschaulichen. An vielen Bahnhöfen, Innenstädten sind heutzutage Kameras angebracht, die die Kriminalität einschränken sollen und falls geschehen, aufklären sollen, was ich unterwegs in den letzten Jahren häufig selbst mitbekomme. Damit soll bei den Menschen ein Disziplinareffekt erzielt werden. Was sich dadurch ändert sind die Beweggründe für das Einhalten der Regeln: ohne Überwachung tut man es aus Achtung vor Autorität und Einsicht ihrer Richtigkeit, mit Überwachung verstärkt aus Angst vor Strafe. Trotzdem schrecken viele Menschen vor dieser Art sozialer Kontrolle nicht ab, was auch täglich in den Medien zu sehen ist.

Nun beleuchte ich Vor- und Nachteile sozialer Kontrolle. Die Vorteile sind klar, dass viele Straftaten verhindert werden, sowie Verletzungen der Normen einer Gesellschaft. Wie gesagt haben Überwachungen, z.B. auch in Form von patrouillierenden Polizisten oder Sicherheitskräften eine Abschreckfunktion, die dazu führt, dass die Kriminalität abgeschwächt und verhindern wird. Der Vorteil an Videoüberwachungen ist, dass gefährliche Orte kostengünstig und mit geringem Personaleinsatz kontrolliert werden können. Dazu schafft es beim Bürger allgemein ein Gefühl von Sicherheit. Man geht durch die Stadt und weiß, dass man ein gewisses Maß an Sicherheit hat, auch wenn es nicht garantiert ist. Soziale Kontrolle ist allerdings auch von Nachteilen geprägt, so bietet sie keinen unmittelbaren Schutz vor Terrorgefahr etc. Wie es New York 2010 gezeigt hat, können Kameras unmittelbar bevorstehende Anschläge nicht unbedingt erkennen.Erst ein Händler hat das verdächtigte Auto gemeldet, was zeigt, dass die Wachsamkeit jedes Einzelnen dazu gehört. Zur Verhinderung solcher Terroranschläge gehören also aufmerksame Bürger, eine schnell handelnde Polizei, Videomaterial und Datenaustausch. Auf dem stets belebten Platz gibt es bereits 80 Überwachungskameras. Wenn dieser Anschlag nicht vereitelt werden kann, war der ganze Aufwand und die Kosten umsonst. Die Opfer können damit dann auch nicht mehr getröstet werden, es kann höchstens herausgefunden werden, wer der Täter war. Worüber häufig diskutiert wird, ist der damit verbundene Eingriff in den Datenschutz bzw. Privatsphäre. Alle Personen werden erfasst, auch wenn gegen deren Willen und am Ende auch nicht notwendig ist.

Insgesamt muss ich sagen, dass die Pro Argumente den Contra Argumenten stark überwiegen, da die Sicherheit oberste Priorität hat, egal wie viele Ausgaben die soziale Kontrolle hierbei hat und wie viel Aufwand diese Vorgänge beinhalten. Man weiß nicht, welche Ausmaße Gewaltverbrechen haben könnten, wären diese Sicherheitsvorkehrungen nicht gewährleistet. Jedes vereitelte Attentat hat einen enormen Wert für vermeintliche Opfer und Angehörige, da ist meiner Meinung nach jeder Cent wert, der in Sicherheitsmaßnahmen investiert wird. Auch wenn man persönlich oder das Gesetz nicht damit einverstanden sind, dass ein Bürger unter ständiger Bewachung steht, finde ich diese Maßnahmen mehr als notwendig, wenn es darum geht, Anschläge zu verhindern und Menschenleben zu retten. Ich finde es gut, dass sich die Technik in den letzten Jahrzehnten unglaublich gut weiterentwickelt hat und somit den Prozess der sozialen Kontrolle und somit der Einhaltung der gesellschaftlichen Normen und dem bekämpfen abweichenden Handelns dienen kann.

Es ist schade, dass nicht jedes Land die finanziellen Mittel dazu hat, sich durch Kameras, Personal, etc. besser gegen Terrorangriffe abzusichern Durch soziale Kontrolle können Täter meistens auch im Nachhinein festgenommen werden, um zukünftige Anschläge durch sie zu verhindern. Die Entwicklung der sozialen Kontrolle in den letzten Jahrzehnten ist daher als sehr positiv anzusehen.

Literatur:

- Garland, David; Günther, Klaus; Honneth, Axel; Wirthensohn, Andreas (2008): Kultur der Kontrolle : Verbrechensbekämpfung und soziale Ordnung in der Gegenwart. 1. Aufl.. Frankfurt/Main: Campus Verlag GmbH.
- Singelnstein, Tobias; Stolle, Peer (2011): Die Sicherheitsgesellschaft: Soziale Kontrolle Im 21. Jahrhundert, 3. Aufl. Berlin: Springer DE
- Themann, Petra (1997): Soziale Kontrolle (Diplomarbeit). Universität Konstanz

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Details

Seiten
4
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668116436
Dateigröße
359 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312582
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
Schlagworte
vor- nachteile kontrolle

Autor

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