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Professionalität in der Tagespflege in Theorie und Praxis

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Pädagogische und rechtliche Rahmenbedingungen zur Professionalität
Platz und Ausstattung
Betreuung und Pflege der Kinder
Soziale Entwicklung
Sprachliche und kognitive Entwicklung
Tagesmutter und Eltern
Rechtliche Rahmenbedingungen

3. Leitfadenkonstruktion:

4. Qualitative Inhaltsanalyse als Auswertungsmethode
4.1 Deduktive Kategorien:
4.1.1 Eingehen auf individuelle Bedürfnisse der Kinder
4.1.2 Austausch mit den Eltern
4.2 Induktive Kategorien:
4.2.1 Wichtige Aspekte im Alltag
4.2.2 Erlangung von Professionalität als Fachkraft

Reflexion

Quellenverzeichnis

Anhang

[Das Interview ist in dieser Arbeit nicht enthalten!]

1. Einleitung

Professionalität im Arbeitsfeld der frühen Kindheit ist von großer Wichtigkeit und sollte deshalb in allen Bereichen gewährleistet und abgesichert sein. Unter pädagogischer Professionalität versteht man auf der einen Seite das erworbene theoretische Wissen durch eine Bildungsstätte, auf der anderen Seite dessen praktische Umsetzung in verschiedensten, vor allem auch schwierigeren Arbeitssituationen.

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird die Professionalität im Bereich der Großtagespflege zunächst theoretisch, bezogen auf pädagogische und rechtliche Rahmenbedingungen näher beleuchtet und im Anschluss daran wird ein Vergleich gezogen zu den Erfahrungen einer Tagesmutter in der Praxis, welche anhand eines Interviews erfragt wurden.

Hierfür wurde zunächst ein leitfadengestütztes Expertinneninterview mit einer Tagesmutter zu ihrer eigenen Sicht von Professionalität im Tagespflegebereich durchgeführt.

Anschließend wurde dieses Interview transkribiert und nach der Interviewanalysetechnik nach Mayring ausgewertet.

Die befragte Tagesmutter Frau B. (28 Jahre alt) arbeitet bei der Großtagespflege in D. Die Großtagespflege ist so organisiert, dass die Tagesmütter selbstständig arbeiten, wobei ihnen kein konkretes pädagogisches Konzept vorgeschrieben wird, nach dem sie arbeiten müssen.

Um besser verstehen zu können, wie die befragte Tagesmutter zu ihrer heutigen Sicht von Professionalität gekommen ist, folgt nun eine grobe Skizzierung ihres beruflichen Werdegangs.

Sie sammelte schon früh, ab dem Alter von 13 Jahren, Erfahrungen mit kleinen Kindern in Form von „Babysitten“ (Z.131), dazu hatte sie eine „Qualifizierung zum Babysitter gemacht“ (Z.132). Nach dem Abitur absolvierte sie ein Studium „Bildung und Erziehung in der Kindheit“ (Z.7), in welchem schwerpunktmäßig die Arbeit mit unter dreijährigen Kindern behandelt wurde (vgl. Z.37-38). Zusätzlich machte sie damals auch schon „viele Praktika“ (Z. 8) im Kindergarten, wo sie die Arbeit mit unter Dreijährigen kennen lernte. Nach ihrem Studium ergänzte sie ihre Ausbildung dann noch durch eine Weiterbildung von sechs Monaten „mit dem Schwerpunkt Emmi Pickler“ (Z. 51-52) .

Sie nahm zunächst eine „Kita-Stelle“ (Z.10) an, wo dann aus verschiedenen Gründen auch eine Tagespflege entstanden ist (vgl. Z. 11-13). Dafür absolvierte sie eine Qualifizierung zur Tagesmutter, welche sich ihrer Meinung nach sehr mit dem „Wissen“ (Z. 25) aus ihrem Studium gedeckt hat. Zusätzlich hat sie sich noch „viel eingelesen, um noch ein gewisses Know-how zu bekommen“ (Z. 44-45).

Die Forschungsfrage, die im Folgenden beantwortet werden soll lautet: Welche Voraussetzungen für Professionalität müssen erfüllt werden, um sowohl den kindlichen Bedürfnissen, als auch den elterlichen Ansprüchen zu genügen und welche rechtlichen Mittel bzw. gesetzlichen Vorgaben müssen dabei beachtet werden? Wie sieht der Stand der professionellen Umsetzung in der aktuellen Praxis in der Tagespflege hierzu aus?

A: Theoretischer Teil

2. Pädagogische und rechtliche Rahmenbedingungen zur Professionalität

Um die vorangegangene Forschungsfrage zu beantworten, muss zunächst einmal festgehalten werden, dass es sich bei der Mehrzahl der im folgenden aufgeführten Punkte lediglich um Vorgaben bzw. unverbindliche Richtlinien handelt, es existieren jedoch nur wenige Punkte, die für die Tagesmütter in der Tagespflege (wie auch in der Großtagespflege) bindend sind. Die Umsetzung aller anderen Vorgaben steht den Tagesbetreuern frei, macht unter Berücksichtigung pädagogischer Gesichtspunkte jedoch durchaus Sinn und stellt den Idealzustand für professionelle Arbeit dar.

Im Folgenden werden nun alle relevanten Punkte herausgestellt, wie aus professioneller Sicht eine ideale Tagesbetreuung aussehen sollte und welche Punkte durch den Gesetzgeber bindend sind.

Pädagogische Rahmenbedingungen

Platz und Ausstattung

Zunächst sind an die Räumlichkeiten und die Ausstattung der Einrichtung gewisse Ansprüche zu stellen, denen die pädagogischen, praktischen aber auch sicherheitsrelevanten Kriterien und Richtlinien zu entsprechen haben. Es muss eine ausreichend große Fläche zur Verfügung stehen, um den zu betreuenden Kindern Raum für alle notwendigen Bedürfnisse, zu schaffen. Da in diesem Alter die Bedürfnisse der Kinder sehr vielfältig sind, ergeben sich daraus ebenso vielfältige Anforderungen (Weiß, K., 2007). Idealerweise wäre eine Räumlichkeit, die den Kindern einerseits Ruheräume bietet, die bei Krankheit oder Ruhebedürftigkeit aufgesucht werden können, andererseits Raum für spielerische und sportliche Aktivitäten (Außengelände) (Meysen, T., Beckmann, J., 2013). Darüber hinaus sollte zusätzlich noch ein Raum zur Verfügung stehen, der durch kindgerechtes Mobiliar, wie Kinderstühle und Kindertische auch für Bastel- und Malarbeiten nutzbar wäre und an dem die Kinder auch ihre Mahlzeiten einnehmen können. Nahezu unabdingbar ist eine altersgerechte sanitäre Ausstattung, um Kleinkinder zu wickeln und älteren Kindern einen selbstständigen Toilettengang zu ermöglichen.

Zur idealen Ausstattung einer Tagesbetreuung gehören Spielzeug, dass zur Selbstbeschäftigung der Kinder beiträgt, aber auch Materialien, die von den Kindern in der Gruppe genutzt werden können und somit auch die interaktiven sozialen Fähigkeiten der Kinder fördern. Alle Materialien für die Kinder sollten so platziert sein, dass sie von ihnen auch wahrgenommen werden und erreichbar sind. In diesem Zusammenhang wäre auch die Wichtigkeit von altersgerechtem Geschirr zu nennen, dass durch entsprechende Materialien und Design für Kinder ungefährlich und ebenso ansprechend ist.

Zur weiteren Ausstattung einer Tagesstätte gehören Bücher, die regelmäßig durch neue ersetzt und ergänzt werden sollten sowie dreidimensionale Materialien, wie Knete und Bauklötze, die haptisch erfahrbar sind und die Kreativität der Kinder fördern und eine schöpferische Herausforderung darstellen. Es sollten zudem

Materialien vorhanden sein, die auch draußen nutzbar sind.

Grundsätzlich ist zu bemerken, dass Kinder insbesondere über visuelle und haptische Reize ihre Umgebung wahrnehmen, daher sollte ein Umfeld geschaffen werden, das ihre Sinne herausfordert und somit auch kognitive Lernprozesse fördert (Tietze W., Knobeloch J., Gerszonowicz E., 2005).

Betreuung und Pflege der Kinder

Auch die Betreuung und Pflege der Kinder stellt eine große Herausforderung an die Tagesbetreuung dar, insbesondere wenn mehrere Kinder unter der Obhut einer Tagespflegerin stehen.

Eine wichtige Rolle in der Betreuung und Pflege spielt die körperliche Pflege, dieser sollte besonders viel Zeit gewidmet werden, da hierbei ein enger Kontakt mit dem Kind besteht, welcher auch eine gute Bindung zum Kind fördert. Die hygienische Pflege sollte zudem dafür genutzt werden, um mit dem Kind während des Wickelns oder Toilettengangs freundliche Gespräche zu führen. In diesem Zusammenhang sollte dem Kind auch ein positives Körperempfinden vermittelt werden (Weiß, K., 2007).

Wichtig ist es weiterhin Mahlzeiten - am besten mit den Kindern - zuzubereiten, welche dann gemeinsam eingenommen werden sollen. Auch sollten die Eltern über den Speiseplan informiert werden, insbesondere wenn die Eltern die Einhaltung spezieller religiöser Speisegesetze verlangen oder gewisse Allergien bei einem Kind zu berücksichtigen sind.

Allgemein sollte überdies eine ausgewogene und gesunde Ernährung angeboten werden, die dem Kind die Entwicklung eines gesunden Essverhaltens ermöglicht. (Tietze W., Knobeloch J., Gerszonowicz E. ,2005).

Da die Tagesbetreuung während der Dauer ihrer Aufsicht verantwortlich ist für die körperliche und seelische Gesundheit, sollte sie sich durch Beobachtung und im Gespräch mit dem Kind über dessen Befindlichkeit im Klaren sein. Durch gezielte Maßnahmen, wie Musik, Plüschtiere, Vorlesen und ähnliches sollte sie die Entspannung und das Wohlbefinden des Kindes fördern (Meysen, T., Beckmann, J., 2013). Darüber hinaus ist es wichtig, dass feste Zeiten und Rituale bestehen für Mahl-, Schlafzeiten und andere Punkte, um durch Gleichmäßigkeiten und Gewohnheiten Sicherheiten und Orientierungspunkte für das Kind zu schaffen. Abschließen ist hier noch zu bemerken, dass die Tagespflegerin ihre Rolle nicht allein darin sieht, die zu betreuenden Kinder zu beaufsichtigen, sondern auch aktiv an Spielvorgängen teil zu nehmen und so auch eine Bindung zum Kind aufzubauen (Tietze W., Knobeloch J., Gerszonowicz E. ,2005).

Soziale Entwicklung

Von großer Bedeutung ist genügend Zeit für den Aufbau einer guten Beziehung und Bindung zwischen der Tagesmutter und dem Kind und zwischen den Kindern untereinander (Meysen, T., Beckmann, J., 2013).

Allein schon durch die Einbindung des Kindes in eine Gruppe lernt das Kind entsprechende soziale Fertigkeiten, die aber auch in kleineren Gruppen und zusätzlich gezielt durch spezielle Maßnahmen der Tagesbetreuung gefördert werden können.

In der Auseinandersetzung mit anderen Kindern lernt das Kind oft erstmals auch andere Bedürfnisse zu respektieren und die eigenen in speziellen Situationen zurückzustellen.

In der Tagesbetreuung sollte daher besonders darauf geachtet werden, gemeinsame Aktivitäten und Spiele zu spielen, um dem Kind ein Gefühl der Gemeinschaft zu vermitteln. Es sollte aber auch ein Gleichgewicht geschaffen werden zwischen gemeinschaftlicher und individueller Betreuung, welches dadurch realisiert werden kann, dass sich die Kinder auch ab und zu alleine beschäftigen, so dass die Tagesbetreuerin einem Kind dann im besonderen ihre Aufmerksamkeit widmen kann.

Der Tagesbetreuerin obliegt auch die Verantwortung, für einen respektvollen und sozialen Umgang zwischen den Kindern zu sorgen, der in erster Linie dadurch verwirklicht wird, dass sie als Vorbild einen respektvollen und freundlichen Umgangston mit den Kindern führt. Die gemeinsame Einnahme der Mahlzeiten, sowie ritualisierte Verabschiedungen können auch zu einer guten sozialen Entwicklung beitragen (Tietze W., Knobeloch J., Gerszonowicz E., 2005).

Sprachliche und kognitive Entwicklung

Auch im Hinblick auf die sprachliche, sowie auf die kognitive Entwicklung spielt die Tagesbetreuung eine entscheidende Rolle (Tietze W., Knobeloch J., Gerszonowicz E. ,2005).

Um fördernd in diesen Entwicklungsprozess einzuwirken, ist es notwendig, dass die Tagesbetreuung eine rege Kommunikation mit dem Kind unterhält und diese Kommunikation von einer vertrauensvollen und respektvollen Qualität geprägt ist. Besondere Bedeutung kommt der Tagesbetreuung in dieser Funktion zu, wenn es sich bei den zu betreuenden Kindern nicht um Muttersprachler handelt. So kann die Betreuerin im Hinblick auf eine spätere Einschulung dem Kind grundlegende Sprachkenntnisse vermitteln. Aber auch bei Muttersprachlern ist auf die Förderung der verbalen Fertigkeiten zu achten, dies kann auch durch Vorlesen eines entsprechend pädagogisch wertvollen Buches erfolgen. Hierdurch wird der Sprachschatz der Kinder erweitert, aber auch durch eine intensive Beschäftigung mit den Kindern, indem z.B. auf Fragen seitens der Kinder eingegangen wird und Sachverhalte anschaulich und transparent erklärt werden (Weiß, K., 2007).

Im Gespräch mit dem Kind muss darauf geachtet werden, dass das Kind angesprochen wird. Daher sollte die Kommunikation auf Augenhöhe geschehen und die Inhalte sollten auch in altersgerechter und klarer Sprache formuliert werden. Auch die Kommunikation unter den zu betreuenden Kindern sollte z.B. durch Spiele angeregt werden (Tietze W., Knobeloch J., Gerszonowicz E., 2005).

Tagesmutter und Eltern

Für eine erfolgreiche Betreuung insbesondere im Hinblick auf die Interessen des Kindes, sind die Kommunikation und der Austausch zwischen den Eltern und der Betreuerin von größter Wichtigkeit, da auf diesem Wege Anliegen der Eltern berücksichtigt werden können und die Eltern ihrerseits über die Entwicklung und die Befindlichkeit ihres Kindes auf dem Laufenden gehalten werden und eventuelle Probleme gemeinsam analysiert und gelöst werden können (Petersen, G, 1991).

Dieser Austausch kann in Form kurzer Gespräche bei Abgabe oder bei Abholung des Kindes erfolgen, wenn aktuelle Informationen ausgetauscht werden, wie über körperliche Befindlichkeiten oder über den Tagesablauf. Derlei Informationen können zu einem besseren und flexibleren Umgang mit dem Kind führen. Darüber hinaus sollten allerdings auch ausführlichere Gespräche in bestimmten Intervallen geführt werden, um einen allgemeinen und umfassenderen Eindruck über das Kind und dessen Entwicklungszustand zu gewinnen.

Auch hier gilt die Prämisse eines respektvollen Umgangs, denn die Interessen der Eltern sollten in jedem Fall berücksichtigt werden, auch wenn sie nicht mit etwaigen Vorstellungen der Betreuerin konform gehen (Gutknecht, D., 2012), (Tietze W., Knobeloch J., Gerszonowicz E., 2005).

Rechtliche Rahmenbedingungen

Um einen hohen Grad an Professionalität gewährleisten zu können, müssen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden.

„Die Kindertagespflege ist bundesgesetzlich seit 1991 im Kinder- und Jugendhilfegesetz (Achtes Buch Sozialgesetzbuch- Kinder- und Jugendhilfe- SGBIII) verankert“ (zit. Fried, L., Roux, S., 2013, S.325).

Zwischen Erziehungsberechtigten und Tagespflegern liegt ein Privatrechtsverhältnis vor. Das Privatrechtsverhältnis beinhaltet die Berücksichtigung der Wünsche der Eltern zur Erziehung der eigenen Kinder, wie zum Beispiel die Einhaltung religiöser Normen (Hillmann-Stadtfeld A., 2009).

Diese Vereinbarung wird schriftlich in Form eines privaten Betreuungsvertrags niedergelegt. In diesem Betreuungsvertrag werden alle Konditionen des Betreuungsverhältnisses festgelegt, wie Haftung und Versicherungsfragen, zeitlicher Umfang und Ort der Betreuung, Urlaub und Krankheit der Tagespflegeperson, sowie das Verhalten der Tagespflegeperson bei Erkrankung und Verletzung des Kindes, Schweigepflicht, datenschutzrechtliche Bestimmungen, Konkretisierung des Zusammenarbeitsangebot und Regelungen zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses (Weiß, K., 2007).

Rechtlich relevant ist weiterhin die Verantwortlichkeit der Tagesbetreuung für das Kind für den Zeitraum der Beaufsichtigung. Das heißt, dass die Betreuung für diesen Zeitraum für die physische und psychische Unversehrtheit des Kindes wie auch für etwaige Schäden, die durch das Kind verursacht werden, haftbar ist. Daher sollte die Tagesbetreuung über eine Haftpflichtversicherung verfügen. Auch wenn die Tagespflege die Vollübertragung der Aufsichtspflicht während der Betreuungszeit enthält, bleibt auch hier das Elternrecht unantastbar (Hillmann-Stadtfeld A., 2009).

Die rechtlichen Grundlagen erlauben einer Tagespflegeperson die gleichzeitige Beaufsichtigung von maximal fünf Kindern. In der Großtagespflege dürfen von zwei Tagesmüttern zusammen höchstens neun Kinder betreut werden, da nur so eine ausreichende Betreuung gewährleistet werden kann. Natürlich ist nicht jede Privatperson qualifiziert oder autorisiert als Tagespflegerin zu arbeiten (Meysen, T., Beckmann, J., 2013). Voraussetzung ist eine offizielle Schulung über 160 Stunden durch staatliche Institutionen, die im Anschluss durch die Vergabe eines "Tagesmutterscheins" verifiziert wird (Fried, L., Roux, S., 2013).

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