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„Handlungsmuster des Wirtschaftsmenschen“. Grundlage oder Abschreckungssszenario für die Entwicklung eines ökonomischen Bildungskonzepts für die berufliche Bildung?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 24 Seiten

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konzepte der ökonomischen Bildung
2.1 Das paradigmatische Konzept ökonomischer Bildung
2.2 Das sozialwissenschaftliche Konzept ökonomischer Bildung

3 Skizzierung des Ansatzes von Freimann: „Des Menschen Wolf – wie die Herrschaft der Geldökonomie unser Leben zerstört und was wir dagegen tun können“

4 Der Ansatz von Freimann – im Spannungsfeld zwischen ökonomischer und sozioökonomischer Bildung

5 „Welche ökonomische Bildung wollen wir in der betriebswirtschaftlich-kaufmännischen Bildung?“

6 Schlussbetrachtung

5 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Didaktischer Kompass der ökonomischen Bildung

Abbildung 2: Didaktischer Kompass der sozioökonomischen Bildung

1 Einleitung

Während des Seminars habe ich mich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt: „Welche ökonomische Bildung wollen wir?“.

Die Bedeutung einer allgemeinen ökonomischen Bildung lässt sich pädagogisch-didaktisch begründen. Die konkreten Veränderungen der eigenen Lebenswelt und die Zunahme individueller Verantwortung in Bezug auf die gesellschaftlichen Veränderungen wie Pluralisierung, Individualisierung, Liberalisierung, Deregulierung und Globalisierung und deren direkte Auswirkungen auf Arbeitsverhältnisse und soziale Sicherungssysteme machen vielfältige Kompetenzen erforderlich. Zur Bewältigung der einhergehenden Herausforderungen ist der Erwerb von Kompetenzen, die zum Beurteilen, Entscheiden und Handeln in gegenwärtigen und zukünftigen Lebenssituationen befähigen, notwendig, die nicht nur die verantwortete Teilhabe am gesellschaftlichen Zusammenleben und die Fähigkeit der Mitgestaltung der gesellschaftlichen Lebenswelt fördern[1], sondern auch einen Beitrag zur Wertebildung in unserer modernen, anonymen Gesellschaft leistet.[2]

Es herrscht Einigkeit darüber, dass derartige Bildungsgegenstände einen fachsystematischen Bezugsrahmen benötigen und ökonomische Bildung ein fester Bestandteil der Allgemeinbildung werden muss. Unterschiedliche Meinungen bestehen bei der Umsetzung und der Frage, ob eine Bezugsdisziplin ausreicht, um die Themen und Inhalte angemessen und kritisch zu behandeln.[3]

Im Verlauf dieser Arbeit werden die beiden Organisationskonzepte „paradigmatische“ und „sozialwissenschaftliche“ ökonomische Bildung vorgestellt, um im Anschluss erst die wichtigsten Inhalte des Buchs „Des Menschen Wolf“ darzustellen und diese dann im Spannungsfeld der beiden Bildungskonzepte zu betrachten. Am Ende wird der Bogen zur wirtschafsberuflichen Bildung gespannt und drei Hypothesen aufgestellt, die die Relevanz der herausgearbeiteten Erkenntnisse für die betriebswirtschaftlich-kaufmännische Bildung hervorheben.

2 Konzepte der ökonomischen Bildung

Das oberste Ziel der Allgemeinbildung ist, dass die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen erwerben, die sie zu einem selbstbestimmten Leben mit sozialer Verantwortung, zu Mündigkeit und Tüchtigkeit befähigen.[4] Die Bewältigung von Lebenssituationen, die verantwortete Teilhabe an der Gesellschaft und der Betrag zur Wertebildung gelten als Bildungsziele einer ökonomischen Bildung.[5] Wie die ökonomische Bildung aussieht, die Ihren Beitrag dazu leistet, hängt davon ab, welcher Ansatz gewählt bzw. entwickelt wird. Hedtke beschreibt drei grundsätzliche Denkansätze, die er als wirtschaftswissenschaftliche, wirtschaftliche und rationale Bildung unterscheidet. In der Literatur werden diese Denkansätze zumeist durchmischt und typisieren sich in Verbindung mit politikdidaktischen Ansätzen zu fünf verschiedenen Konzepten der ökonomischen Bildung:[6]

- kategorialer und wirtschaftspolitischer Ansatz: kategoriale Bildung und wissenschaftliches Wissen mit ökonomischen, normativen und politischen Dimensionen – Lernen als Aneignung volkswirtschaftlicher Kategorien.
- handlungstheoretischer und paradigmatischer Ansatz: paradigmatische Bildung und spezifisches Denk- und Analysewissen der Ökonomik mit der Rationalhandlungstheorie - Lernen als Aneignung einer universalen Perspektive.
- neoinstitutionalistischer und wirtschaftlicher Ansatz: wirtschaftliches Wissen und wissenschaftliches Wissen mit institutionsökonomischen Theorien – Lernen als Verknüpfung von Alltagswissen und Wissenschaftswissen.
- lebenssituationsorientierter Ansatz: Wissen für die Bewältigung von ökonomisch geprägten Lebenssituationen als interdisziplinäre gesellschaftliche Bildung – Lernen als Qualifizierung für Lebenssituationen.
- Sozialwissenschaftliche Ansatz: Kontroverses Wissen zur Gestaltung von Politik und Leben durch die Verbindung von unterschiedlichen Wissensformen – Lernen als Orientierung in unübersichtlichen Lebens- und Systemwelten[7] Nachfolgend werden zwei Konzepte dargestellt, die zwei sehr unterschiedliche Positionen vertreten, um in Kapitel vier deren grundlegende Konzeptmethodologie und deren Perspektiven auf das Buch „Des Menschen Wolf“ anzuwenden.

2.1 Das paradigmatische Konzept ökonomischer Bildung

Der spezifische Kompetenzgewinn, der für die Auseinandersetzung mit ökonomisch geprägten Lebenssituationen notwendig ist, wird durch die Verwendung der ökonomischen Perspektive im Unterricht ermöglicht. Für einen domänenspezifischen Kompetenzerwerb ist die kategoriale Ausrichtung an der Bezugsdisziplin Wirtschaftswissenschaften (monodisziplinär), sowohl für die fachmethodische Auseinandersetzung als auch für die Verwendung von fachspezifischen Lerngegenständen, entscheidend.[8] Ökonomische Bildung steht für ein Paradigma der Wirtschaftswissenschaft (monoparadigmatisch) und erklärt die allgemeinen Funktionsbedingungen der modernen Gesellschaft. Durch die Aneignung der typischen Denkweise der Ökonomik lassen sich vor allem gesellschaftliche Krisen und Dilemmata analysieren.[9]

Als wissenschaftliche Disziplin verwendet die Ökonomik Modelle und Theorien, um relevante und lebensweltliche Probleme zu erklären (theoretisch abgeleitet). Die Kategorien der ökonomischen Verhaltenstheorie, das Denken in Kreislaufzusammenhängen und das Denken in ordnungspolitischen Zusammenhängen zählen als Kernelemente des ökonomischen Denkansatzes.[10] Das Homo Oeconomicus- Modell dient als Heuristik und ist als erkenntnisförderndes Instrument bei der Beurteilung und Gestaltung von wirtschaftlichen Prozessen und Strukturen unersetzlich (Wissenschaftswissen).[11] Handeln ist allgemein auf Anreize und Restriktionen zurück zuführen, daher lassen sich Verhaltensänderungen systematisch als vorhersagbare Reaktionen auf veränderte Rahmenbedingungen erklären. Diese Erkenntnisse können als Anreizsteuerung und Mustererklärung für alle gesellschaftlichen Interaktionen und Kooperationen genutzt werden sowie zur Entwicklung von Modellakteuren, die zur Erklärung und Lösung der Probleme der sozialen Ordnung beitragen (Systembezogen).[12] Ökonomische Bildung weist die Lernenden auf die Bedeutung dieser Bildung hin und zeigt ihnen die mögliche Komplexität als Voraussetzung für erfolgreiches ökonomisches Handeln im Denken, in der Motorik und in der Sprache.[13] Die Fokussierung auf die ökonomische Perspektive impliziert nicht den Wegfall von Kontroversität oder Pluralismus, sondern steht für eine[14] „problemorientiert offengelegte, fachdidaktisch kontrollierte Selektivität, die einen altersgemäßen, domänenspezifischen Aufbau von kognitiven Strukturen und Kompetenzen zum Ziel hat.“ [15]

Im Überblick:

Der fachdidaktisch-wissenschaftliche Bezugsrahmen der paradigmatischen – im weiteren Verlauf: ökonomische - Bildung besteht aus den Basiswissenschaften Wirtschaftswissenschaft (hauptsächlich Volkswirtschaftslehre)[16] und Wirtschaftsdidaktik, dem Ordnungsrahmen in Form des Wirtschaftssystems und der Wirtschaftsordnung mit dem rechtlichen Rahmen der Wirtschaftsverfassung.[17]

Der fachdidaktische Bezugsrahmen hat die personelle Zielkomponente des mündigen Wirtschaftsbürgers, der ein wirtschaftliches Orientierungswissen besitzt, die gesellschaftlichen Dilemmata ökonomisch analysiert und daraus verantwortbare Entscheidungs- und Handlungsfähigkeiten ableitet.[18]

Mit Hilfe eines kategorialen Systems wird aus der Wirtschaftswissenschaft das fachwissenschaftlich Bedeutsame identifiziert und fachdidaktisch aufbereitet. Der private Haushalt im Wirtschaftsgeschehen, der Betrieb als ökonomisches und soziales Aktionszentrum, die Wirtschaftsordnung als permanente ordnungspolitische Gestaltungsaufgabe, die Funktion des Staates in einer marktwirtschaftlichen Ordnung und das Ausland (Internationale Wirtschaftsbeziehungen) werden als wesentliche Kategoriebereiche der Stoffauswahl benannt.[19]

2.2 Das sozialwissenschaftliche Konzept ökonomischer Bildung

Der sozialwissenschaftliche Ansatz der ökonomischen Bildung – auch sozio-ökonomische Bildung - fördert die Entwicklung von wirtschaftlichen und politischen Kompetenzen durch den mehrdimensionalen Wissensbezug verschiedener Bezugsdisziplinen (multidisziplinär). Der Fokus liegt dabei auf den Sozial- und Verhaltenswissenschaften, welche die Wirtschaftswissenschaft, Sozialpsychologie sowie Konsum- und Arbeitssoziologie einschließen (multiparadigmatisch).[20] Fachdidaktisch werden, ausgehend vom jeweiligen Thema, einer Problemsituation oder der Lebenssituation (konstruktivistisch) die geeigneten sozialwissenschaftlichen Wissensbestände ausgewählt. Für die Lösung von praktischen Handlungsproblemen werden gleichzeitig unterschiedliche Erklärungsansätze aus den verschiedenen Wissenschaften gesucht, miteinander in Beziehung gesetzt oder kontrovers gegenübergestellt.[21] Die offene wissenschaftliche Gestaltung der Thematisierung von privaten Lebenswelten und dem öffentlichem Gemeinwesen umfasst sowohl universale sozialwissenschaftliche Denkweisen, Kategorien und Kompetenzen, wie auch spezifische, nur einzelner Wissenschaftsdisziplinen. Dadurch wird nicht nur gelernt, kontroverse wissenschaftliche Konzepte mit abweichenden politischen Grundhaltungen zu relationieren, sondern auch wie alternative Möglichkeiten der eigenen Lebensführung eigenständig reflektiert und verwendbar werden.[22] Die Verdeutlichung, dass wirtschaftliches Handeln nicht ohne moralische Bindung und unter Berücksichtigung kultureller Regeln erfolgen sollte, ist ein wichtiger Bestandteil des wirtschaftlichen Erklärungsschemas.[23]

Das Ziel, die Entwicklung von Handlungs- und Urteilskompetenzen zur Lösung von ökonomischen Problemen zu fördern (pragmatisch-problemorientiert), wird durch die Vielfalt von Wissen aus den verschiedenen sozialwissenschaftlichen Lernbereichen und dessen Relationierung erreicht (Wirtschaftswissen und teilweise Alltagswissen). Die Verortung dieses Wissens in einen systematischen Zusammenhang einer weltanschaulichen Grundorientierung und die Darstellung der Pragmatik von parteipolitischen Positionen zielen auf ein integriertes Konzept sozialwissenschaftlicher Bildung mit divergenten Wissensformen, Wissensbeständen und Kompetenzen ab und fördern die Ausbildung einer mündigen und eigenständigen Persönlichkeit, die ihre Handlungen und Denkweisen nachhaltig reflektieren kann.[24]

Im Überblick:

Für den fachdidaktischen Bezugsrahmen dienen als Basiswissenschaften die Gesellschaftswissenschaften – Politik- Wirtschaft- und Sozialwissenschaften - mit dem Ordnungsrahmen des Gesellschaftssystems und dem rechtlichen Rahmen der Verfassung(en) und der Sozialgesetzgebung.[25]

Der fachdidaktische Bezugsrahmen hat die personelle Zielkomponente der sozialwissenschaftlich gebildeten, mündigen Persönlichkeit, die alternative Denkweisen anwenden und prüfen, institutionsbezogen denken, interessensbezogene Probleme und Phänomene analysieren und deskriptive und normative Ansichten unterscheiden kann.[26]

Aus den Fachdisziplinen der Sozialwissenschaft könnte fachdidaktisch ein kategoriales System abgeleitet werden. Gesellschaftliche und kommunikative Konstrukte, institutionelle Rahmenbedingungen, Interessensorientierung und Perspektivität, gesellschaftliche Interdependenz, Kontroversen in Wirtschaft und Politik und plurale Normativität würden als wesentliche Kategorien herausgearbeitet werden.[27] Gerechtigkeit, Effizienz, Solidarität und Lebensqualität sind einige normative Kriterien anhand derer ökonomische Kontroversen beurteilt werden.[28]

3 Skizzierung des Ansatzes von Freimann: „Des Menschen Wolf – wie die Herrschaft der Geldökonomie unser Leben zerstört und was wir dagegen tun können“

Um die Denkweise der Ökonomik zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass diese durch Modelle und Theorien Voraussetzungen schafft, um die Welt zu erklären. Das Modell des Homo Oeconomicus benutzt den wirtschaftlichen Akteur – den egoistisch und gewinnmaximierend Handelnden - zur Erklärung von wirtschaftlichem Verhalten auf dem Regelmechanismus Markt.[29] Jürgen Freimann beschreibt in seinem 200seitigen Buch die Auswirkungen der Herrschaft der Geldökonomie, auf Grund der Aneignung der fiktiven eindimensionalen und geldorientierten Denk- und Handlungsweise des homo-oeconomicus und dessen Deutung als Gebot der wirtschaftlichen Vernunft realer Handlungsmaximen. Der Titel „Des Menschen Wolf – wie die Herrschaft der Geldökonomie unser Leben zerstört und was wir dagegen tun können“ soll verdeutlichen, dass nicht länger die Natur, sondern die erschaffenen Wirtschaftsmenschen der ökonomischen Lehrbücher das menschliche Handeln steuern und damit eine Herrschaft des Geldes fördern.

In seinem Buch deckt Jürgen Freimann die irrationalen Handlungsmuster der Menschen in verschiedenen Wirtschaftsrollen auf und führt die damit verbundenen Kollateralschäden an.

Vorab stellt er die Frage nach dem „Zwang der Verhältnisse“ und arbeitet heraus, dass unser wirtschaftliches Handeln fast ausschließlich daran orientiert ist, wie viel Geld uns etwas kostet oder einbringt, dies aber keinesfalls als Argument gilt, Verhältnisse zwängen uns dazu. Wir wissen schließlich, dass dieses Handeln zu untragbaren zukünftigen Problemen führt und unsere Lebensgrundlage zerstört. Daher liegt es an uns, durch unsere Handlungen eben diese Verhältnisse zu ändern, um auch unseren nachfolgenden Generationen ein gutes Leben zu ermöglichen.[30]

Die folgenden Kapitel des Buches stellen den Schaden und den Nutzen dar, den der „Fleisch gewordenen Homo Oeconomicus“ [31] in verschiedenen Lebensbereichen stiftet. Untersucht wird die Rolle des Konsumenten – seine Einkommensverhältnisse und sein Konsumentenverhalten, die Produzentenrolle – der Mensch als Unternehmer und als Arbeitnehmern sowie die Rolle des Politikers – der Staat als Unternehmung und die Wirtschaftsinnen- und –außenpolitik. Geld regiert die Welt, soziale Schieflage, Markt statt Politik und Globalisierung um jeden Preis sind die beobachteten Phänomene, die durch die Handlungen der verschieden Wirtschaftsmenschen entstanden sind.[32]

Nach der ökonomietheoretischen Denkweise handeln die einzelnen Akteure, trotz der verschiedenen Bedingungen und Gestände ihres Handeln, theoretisch nach dem gleichem Prinzip: Sie maximieren ihren eigenen Nutzen.[33] Die Einzelentscheidungen aller Akteure werden durch Märkte koordiniert auf denen Handlungsautonomie und Harmonie herrschen, der Wettbewerb gewährleistet ein Höchstmaß an individueller Freiheit. Allerdings sieht es in Wirklichkeit andern aus. Das Ordnungssystem der sozialen Marktwirtschaft bringt es mit sich, dass die verschiedenen Akteure nicht autonom handeln können, sonder in erheblichen Umfang voneinander sowie von externen Einflüssen abhängig sind. Es sind äußere Bedingungen und Entwicklungen, die den Einzelnen prägen und die er gleichzeitig, durch die Einhaltung sozialer Regeln oder als Mitglied sozialer Gruppen mitgestaltet hat.[34]

Freimann führt daher im folgenden Kapitel nicht nur die verschiedene Koalitionen zwischen den Akteursgruppen auf, sondern vor allem die Folgen der Konflikte: Lobbyismus und Karriereperspektiven, Klassenkampf oder Co-Management, Kaufen als Erlebnis und Placebo zur Beruhigung sowie Schutz oder Freiheit? betitelt er die vorherrschenden Missstände.[35] Durch die Koalitionen von verschiedenen Wirtschaftsmenschen entstehen recht stabile Konstrukte, die auf das Handeln der Akteure zurückwirken. Eine Änderung der Verhaltensweisen, wenn sie nachhaltigen, sozialen und ökologischen Wirtschaftsweisen entgegenstehen, ist äußerst schwierig, da die Strukturen von mehreren Akteursgruppen abhängig sind.[36]

Es folgt ein Kapitel, das den Kern des Buches noch einmal näher erläutert – die Geldökonomie und die eigentliche Bedeutung der Realökonomie. Kosten, Umsätze, Gewinne oder Bruttoinlandsprodukt, Außenwirtschaftssaldo, Geldwertstabilität sind alles Geldgrößen mit denen die Wirtschaft unsere Welt abbildet. Doch im Grunde genommen, handeln nur die Banken mit Geld, für den Rest der Wirtschaft „ geht es bei allen wirtschaftlichen Aktivitäten um reale Güter und Leistungen, die sachliche Nutzeigenschaften haben und im weitesten Sinne unserem Lebensunterhalt dienlich sind oder sein können.“[37] Trotzdem beherrscht die Geldökonomie mit ihren überwiegend finanziellen Größen unsere Handlungsmuster für wirtschaftliche Entscheidungen: die Mehrung von Geld auf der einen Seite und das Einsparen von Geld auf der anderen Seite. Die Wirtschaft fordert uns auf, entsprechend rational zu agieren. Doch wenn der reale Sinn, der hinter jedem wirtschaftlichen Handeln steht, verschwindet, wird auch unser Einfluss auf die Gestaltung und die Herstellung der Güter und Leistungen, die wir zum Leben brauchen, hintenangestellt. Nicht nur deren Produktion und Gebrauch sollten an die Anforderungen möglichst vieler Menschen gekoppelt sein, sondern auch die Nebenfolgen betreffend Natur und Gesamtgesellschaft bei der Herstellung und Nutzung beachtet werden. Die Geldökonomik muss daher wieder der Realökonomie untergeordnet werden. Dies erfordert die Beteiligung von allen Wirtschaftsteilnehmer: Für Konsumenten, Produzenten und Politiker gilt es nicht nur auf die finanziellen Folgen des eigenen handeln zu achten, sondern auch auf die realen Folgen zu blicken.[38] „Nur so werden sie selbst, alle heute Lebenden und auch künftige Generationen in die Lage versetzt, ein gutes Leben auf der Basis dauerhaft funktionstüchtiger ökologischer Systeme zu führen.“[39]

Im letzten Kapitel bezeichnet Freimann die Umorientierung vom Homo Oeconomicus zum Homo Sapiens als Ausweg aus der Herrschaft der Geldökonomie, in der der Geldbeutel im Mittelpunkt allen wirtschaftlichen Handelns steht. Die Entwicklungsrichtung wird neu bestimmt und führt zu der „Rückbesinnung des Menschen auf seine Fähigkeiten, weise und einsichtsvoll zu handeln, Empathie für andere zu empfinden und sorgsam bewahrend mit der Natur umzugehen.“[40] Die Abkehr von der Welt, bestehend aus einer Ansammlung von Märkten, auf denen neoklassische Ökonomen das Handeln aller Wirtschaftsakteure bestimmen und die Wirtschaftsmenschen zu Sklaven der Geldökonomie werden, hin zu einer Welt, in der das Hauptaugenmerk aller Beteiligten darauf liegt, sich selbst ein gutes Leben zu bereiten und gleichzeitig der Natur und den anderen nicht zu schaden.

Das Ziel dieses Buches und die einfachen Worte „Gut Leben, statt viel haben“ bedeuten einen tief greifenden kulturellen Wandel, der eine große Anzahl von Menschen benötigt, die diesen Wandel friedlich angehen und tragen.[41]

4 Der Ansatz von Freimann – im Spannungsfeld zwischen ökonomischer und sozioökonomischer Bildung

Der nachfolgend abgebildete didaktische Kompass verdeutlicht die Ausgestaltung des fachdidaktischen Konzepts der ökonomischen Bildung „anhand von neun Dimensionen, die durch zwei Gegensatzpaare aufgespannt sind und Ausprägungen in drei Positionierungen beschreiben (voll – teilweise – nicht zutreffen).“[42]

Abbildung 1: Didaktischer Kompass der ökonomischen Bildung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Hedtke (2011), S. 44

Die ökonomische Bildung setzt die Wirtschaftswissenschaften insbesondere die Theorien und Modelle der Volkswirtschaftslehre voraus. Der Fokus liegt auf der Standardmikroökonomik und der Homann-Suchanek-Ökonomik,[43] wonach Menschen ethischen Werten und moralisches Handeln nur dauerhaft Folge leisten, wenn ihnen daraus Vorteile entstehen.[44] Es wird das Gesellschaftsbild und die ökonomische Urteilsbildung der Ökonomik zu Grunde gelegt.[45]

[...]


[1] Jung (2008), S. 39.

[2] Vgl. Krol u.a. (2006), S. 62.

[3] Vgl. Jung (2008), S. 40.

[4] Vgl. Krol u.a. (2011), S. 1.

[5] Vgl. ebd. (2006), S. 62.

[6] Vgl. Hedtke (2008), S. 1.

[7] Vgl. Hedtke (2008), S. 2 ff. und ebd. (2011). S. 17 ff.

[8] Vgl. Krol u.a. (2011), S. 1 f.

[9] Vgl. Hedtke (2011), S. 32 ff.

[10] Vgl. Hedtke (2011), S. 36.

[11] Vgl. ebd., S. 12.

[12] Vgl. Hedtke (2011), S. 36 f.

[13] Vgl. Tenfeld & Schlömer (2012), S. 440.

[14] Ebd.

[15] Vgl. Krol u. a. (2011), S. 2.

[16] Vgl. Hedtke (2011), S. 17 f.

[17] Vgl. Jung (2008), S. 41.

[18] Vgl. ebd., S. 42 und Hedtke (2011), S. 37.

[19] Vgl. Kaminski (2001), S. 14 ff.

[20] Vgl. Hedtke (2012), S. 5.

[21] Vgl. ebd. (2011), S. 69.

[22] Vgl. ebd., S. 74 f.

[23] Vgl. ebd., S:43 f.

[24] Vgl. Hedtke (2011), S. 78.

[25] Vgl. Jung (2008), S: 41.

[26] Vgl. ebd., S. 42.

[27] Vgl. ebd., S: 44.

[28] Vgl. Lange & Menthe (2011), S. 27.

[29] Vgl. Freimann (2013), S. 1

[30] Vgl. Freimann (2013), S. 37.

[31] Ebd. Vorwort.

[32] Vgl. ebd., S. 9.

[33] Vgl. Freimann (2013), S. 22.

[34] Vgl. ebd., S. 123 ff.

[35] Vgl. ebd., S. 123 ff.

[36] Vgl. ebd., S. 146.

[37] Vgl. Freimann (2013), S. 148.

[38] Vgl. Freimann (2013), S. 164 f.

[39] Ebd., S. 165.

[40] Ebd., S. 167.

[41] Vgl. ebd., S. 180.

[42] Vgl. Hedtke (2011), S. 29.

[43] Vgl. ebd., S. 39.

[44] Vgl. Hohmann (2004), S. 10.

[45] Vgl. Hedtke (2011), S. 39.

Details

Seiten
24
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668111288
ISBN (Buch)
9783668111295
Dateigröße
854 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312315
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg – Bildung
Note
1,0
Schlagworte
Sozioökonomische Bildung Wirtschaftsberufliche Bildung Wirtschaftliche Bildung Ökonomische Bildung Wirtschaftsmensch Konzepte Bildungskonzept

Autor

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