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Die Begriffe "Das Fremde" und das "Denken-wie-üblich" anhand von Hermann Hesses "Siddhartha"

Essay 2015 7 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

„Das Fremde“ und das „Denken-wie-üblich“, dargestellt in Hermann Hesses Siddhartha

Das Fremde und das Denken-wie-üblich sind beides Begriffe die jeden einzelnen Menschen täglich prägen und vor neue Herausforderungen stellen. Was ist Fremdheit ? Was und wie denkt man, wenn man wie üblich denkt ? Wie eng sind Hesses Überlegungen mit unserer historischen Vergangenheit und Gegenwart verbunden ? Fremdheit und Eigenheit sind zwei Eigenschaften die sich gegenüber stehen. Es muss sowohl Ähnlichkeiten geben als auch prägnante Unterschiede, dass es zu einem Aufeinandertreffen von Fremd und Eigen kommen kann. Nach Alfred Schütz ist das Denken-wie-üblich ein Denkmanöver von Gewohnheiten, das Eigene was den Menschen ausmacht. Unter einem Fremden stellt Schütz sich einen Erwachsenen unserer Zeit vor, welcher den Wunsch hat sich einer ihm fremden Zivilisation zu nähern und danach strebt, von dieser geduldet und akzeptiert zu werden.

Siddhartha ist eine Person die sich auf der Suche nach sich selbst befindet. Hier wirft sich die erste Frage auf. Ist Siddhartha sich nicht eigentlich selbst fremd, davon ausgegangen, dass er auf der Suche nach seinem eigenen Ich ist ? Er hat sich auf die Reise begeben nach etwas was ihm selbst fremd ist, sich selbst. Siddhartha ist nicht im Reinen mit sich selbst, er verlangt nach etwas anderem. Sein Eigenes ist ihm fremd. Man kann die beiden Wörter in eine Art Gleichung setzen. Ist etwas einem fremd oder nicht mehr eigen, begibt man sich auf die Suche nach etwas neuem, etwas anderem. Solange man sich im Leben auf die Suche macht bedeutet dies, dass man neugierig ist und Unvollkommenheit verspürt. Alles zeigt darauf hin, dass ihm irgendetwas fehlt das er nun verzweifelt versucht zu finden.

Im Buch wird sehr oft von Lernen, Lehren oder Gelehrten gesprochen. Das Eigene ist in der Theorie etwas, was man gelehrt wird. Es setzt sich zusammen aus der historischkulturellen Vergangenheit einer Kultur und ihren Gewohnheiten. Es handelt sich hierbei um jenes Wissen, welches man von Eltern, Grosseltern oder sonstigen Familienmitgliedern in die Wiege gelegt bekommt und in Kinderjahren gelehrt wird. Es sind oft genau diese Aspekte, die es einem Fremden so schwer machen in eine neue kulturelle Gemeinschaft einzutreten und in dieser Anschluss zu finden. Er kann die gleiche Sprache sprechen und das gleiche Essen verzehren, jedoch wird er nie den gleichen historischen Hintergrund haben, wie die Einheimischen. Ausserdem wird oft von Wissen oder von Durst gesprochen, von Gewohnheiten und von Schicksal. Alle diese Begriffe bekommen ganz neue Konnotationen, wenn man sie in dem Kontext von Eigen und Fremd untersucht. Wenn einem das eigene Wissen nicht mehr langt und man durstig ist nach fremden Einsichten ist man dann unzufrieden mit sich selbst oder der eigenen Kultur ? Will man die eigene Kultur nur vergleichen oder will man ihr ganz den Rücken kehren ? Ist es nicht möglich mehrere Kulturen anzunehmen? Wieso ist immer die Rede von Abschied in Hesses Text ? Siddhartha verlässt doch nur bildlich den Stamm und lässt nicht alle seine Erinnerungen zurück, die ihn ewig an diesen verbinden werden. Es ist doch gar möglich Erfahrungen aus der einen Kultur mit in die Nächste zu nehmen. Wäre diese Tatsache nicht möglich, wäre es doch überhaupt nicht möglich von einem interkulturellen Themenbereich zu reden. Oft wird das Verb verlassen benutzt. Verlassen hat die Konnotation nie wieder zurück zu kehren. Aber alles was einem Menschen irgendwann Eigen war, kann ihm doch niemals ganz fremd werden. Diese These wird im Buch unterstützt von der Metapher des Flusses. Siddhartha erkennt schlussendlich, dass es nicht alle die verschiedenen Lehrer waren, die ihn hätten auf den richtigen Weg bringen können, sondern nur er selbst. Der Fluss ist das zentrale Merkmal der Interkulturalität dieses Buches. Die Strömung des Wassers funktioniert wie ein Geben und Nehmen auf einer interkulturellen Ebene. Das Wasser hat einen Kreislauf genau wie das Leben und wie alle Arten von Beziehungen. Eine genaue Grenze zwischen Fremdem und Eigenem kann nicht gezogen werden. Das Eigene kann gewiss durch fremde Strömungen beeinflusst oder verändert werden, jedoch kehrt es immer wieder zu seinem eigenen Ausgangspunkt zurück.

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Details

Seiten
7
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668115538
ISBN (Buch)
9783668115545
Dateigröße
960 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312256
Institution / Hochschule
Université du Luxembourg – Institut für deutsche Sprache, Literatur und für Interkulturalität
Note
1,6
Schlagworte
Fremde Hermann Hesse Siddhartha Interkulturalität Denken-wie-üblich Kulturaustausch

Autor

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Titel: Die Begriffe "Das Fremde" und das "Denken-wie-üblich" anhand von Hermann Hesses "Siddhartha"