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Grundlagen der Tauchausbildung in der Schule unter Berücksichtigung sportartspezifischer Aspekte des Gerätetauchens

Bachelorarbeit 2014 30 Seiten

Sport - Sportpädagogik, Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2... Vorüberlegungen, Grundlagen und Anforderungen
2.1. Zielgruppenorientierung
2.2. Physiologische und psychische Anforderungen des Tauchsports
2.2.1. Ausdauer
2.2.2. Kraft
2.2.3. Psychische Aspekte
2.3. Pro vs. Contra -Tauchen (in der Schule)?

3 Ausbildungsinhalte & Lehrmethodik
3.1. Begriffsdefinitionen
3.2. Tauchphysik
3.2.1. Druck, Kraft und Masse
3.2.2. Gas-Gesetze
3.2.3. Hören und Sehen unter Wasser
3.3. Tauchmedizin
3.3.1. Wasser-Nase-Reflex
3.3.2. Dekompression und Barotrauma
3.4. Tauchrechnen
3.5. Ausrüstung & Technik
3.5.1. ABC-Ausrüstung und Anzug
3.5.2. Atemregler und DTG
3.5.3. Tarierjacket
3.6. Praxis-Übungen und Handlungsmuster

1. Einleitung

,,Ich blickte ins Wasser und hatte, wie bei all meinen Tauchgängen, das Gefühl ein Eindringling zu sein. Unter mir öffnete sich ein kleiner Canyon, bedeckt mit dunkelgrünem Seetang, schwarzen See­igeln und kleinen weißen Algenblüten. Kleine Fische weideten im Seegras. Der Sandboden fiel sanft ab und verschwand in einer klaren, blauen Unendlichkeit. Die Sonne war so grell, dass ich blinzeln muss­te. Mit angelegten Armen begann ich mit den Flossen zu schlagen und glitt, den Grund unter mir beo­bachtend, immer schneller nach unten. Dann hörte ich auf zu schlagen und nutzte den Schwung zu ei­nem fantastischen Gleitflug." 1 -Jacgues Cousteau, 1943.

Seit jeher ging von Lebensräumen, die für den Menschen nicht direkt und ohne Hilfsmittel zugänglich waren, eine gewisse Faszination, eine Attraktivität, etwas Einzigartiges aus. Ganz gleich, ob durch den Flug der Vögel die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit aufkam und damit irgendwann der Himmel erobert wurde, schneebedeckte Bergkuppen erklommen wurden oder die antiken Seefahrer der Willkür und Tiefe des Meeres etwas Mystisches zuschrieben - differente Lebensräume weckten schon immer Neugier in den Köpfen der Erdbewohner.2

Angetrieben durch Abenteuerlust und Forscherdrang führte die Pionierarbeit einiger Weniger dazu, dass diese Lebensbereiche für die breite Bevölkerung ebenfalls erfahrbar gemacht wurden. Schon bereits vor tausenden von Jahren stiegen vereinzelt Menschen hinab ins Wasser, um die Welt unter­halb der Oberfläche zu erforschen.3 Was früher häufig mit waghalsigen Unternehmungen begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte durch technische Fortschritte und Neuerungen von einer experimentellen, militärischen und wirtschaftlichen Nutzung hin zu einem Trend, dem immer mehr Anhänger folgten.4 Vor allem die Sportindustrie macht sich seit ein paar Jahrzehnten diese Triebe des Menschen zu Eigen und bedient in diesem Sektor die Verlangen der Konsumenten und passt sich den sich ständig ändernden Entwicklungs- und Forschungsständen an, um in der Luft, im Schnee oder dem Meer den Sportlern bestmögliche Erlebnisse zu bescheren.

Das Medium Wasser scheint dabei eine ganz besondere Rolle zu spielen, herrschen doch dort völlig andere physikalische Voraussetzungen als an Land. Allein die stark veränderten Druckbedingungen und die mangelnde Fähigkeit unter Wasser zu atmen, sorgen dafür, dass dieser Raum eine für den Menschen lebensfeindliche Umgebung darstellt. Nichtsdestotrotz ist zu beobachten, dass der Tauch­sport einen immer größeren Zuspruch erfährt, der sich über alle Altersgruppen hinweg erstreckt.5

Stets wurden die Faszination zur Unterwasserwelt und die Begeisterung zum Tauchsport seit dem Kindesalter durch die Eltern vorgelebt und prägen bis heute das persönliche Bild und die Leidenschaft zu diesem Sport. Aufgrund bereits früher, eigener Tauchversuche sind die Schwierigkeiten, denen man sich als Tauchanfänger gegenübergestellt sieht und welche Risiken dieser Sport in sich birgt, sehr genau bekannt. Aus diesem Grund wird die Meinung vertreten, dass - sofern das Interesse und der Wunsch seitens des Kindes besteht, diesen Sport aus eigener Überzeugung auszuüben - ein Ein­stieg in das Gerätetauchen bereits im Kindes- und Jugendalter förderlich ist, um für diese Sportart und seine vielfältigen Facetten sensibilisiert zu werden, da noch eine gewisse Unvoreingenommen­heit und Unbekümmertheit vorhanden ist. Dass dieser Aspekt im Tauchsport Segen und Fluch zugleich sein kann, wird sich im Laufe der vorliegenden Arbeit noch herausstellen. Eine gewisse geis­tige und körperliche Reife voraussetzend, bieten sich diese jungen Altersgruppen an, um sie im Be­reich der Sicherheit und auch Verantwortung unter Wasser gegenüber sich, seinem Tauchpartner, aber vor allem der Unterwasserwelt möglichst weitreichend zu prägen.

Denn obwohl sich viele internationale Tauchverbände (Bsp. CMAS, SSI, PADI) einer seriösen und pro­fessionellen Tauchausbildung in den zahlreichen Urlaubsgebieten und den dort ansässigen Tauchba­sen angenommen haben, zeichnet die Praxis doch oft ein anderes Bild. Durch den Aufwärtstrend, den der Tauchsport erlebt, werden massenhaft Anfänger in die Meere entlassen, die oftmals unbe­darft und hektisch unter Wasser agieren und dabei Riffdächer beschädigen oder sich bei Strömungen an Korallenkanten festhalten und diese unwiederbringlich zerstören. Hier besteht großer Handlungs­bedarf und genau an diesem Punkt wird eine frühe und aufklärende Ausbildung notwendig. Das Ge­rätetauchen im Schulsport kann dabei vielerlei Aufgaben übernehmen und besitzt zudem weitere Po­tenzen, was den fächerübergreifenden Unterricht anbelangt. Oberstes Ziel des Sportunterrichts war und ist es, die Schüler für ein lebenslanges Sporttreiben zu begeistern, dem sie aus freien Stücken und eigener Überzeugung heraus folgen. Dieser Trendsport bietet sich dafür trotz aller Bedenken zweifelsohne an, kann man ihn doch nahezu überall ausüben und bei einem intakten Gesundheitszu­stand bis ins hohe Alter hinaus betreiben.6 Darüber hinaus findet beim Tauchen eine permanente Überschneidung mit den Fachgebieten Physik, Biologie/Chemie und zum Teil auch der Geografie und Geologie statt. Physische und biochemische Prozesse werden am eigenen Körper erfahrbar und einst rein theoretische Inhalte aus dem Klassenzimmer lassen sich nun in die Praxis, in eine völlig andere Umgebung transferieren und werden so für den Schüler lebendiger und auch verständlicher.

Das Tauchen kann darüber hinaus für das Sozialgefüge innerhalb der Klasse und die Ausprägung der personalen Kompetenzen einen positiven Beitrag leisten. Denn obwohl das Gerätetauchen keine Mannschaftssportart darstellt, werden den Schülern doch ähnliche Aspekte abverlangt, die die Cha­rakterbildung begünstigen. Dazu zählen zum einen Rücksichtnahme und Verantwortung seinem Partner und der Umwelt gegenüber. Durch das zwangsläufig besonnene Handeln findet ein Reifepro­zess bei den Schülern statt, da sie sich selbst, ihre Emotionen und ihren Körper in einer neuen Umge­bung und in neuen Situationen entdecken und besser kennenlernen.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Grundlagen der Tauchausbildung im Gerätetauchen für die Schule exemplarisch und vereinfacht darzustellen, mögliche methodische und didaktische Vorgehensweisen anzubieten und einen dezimierten Überblick über die wesentlichsten Ausbildungsinhalte zu geben.

2. Vorüberlegungen, Grundlagen und Anforderungen

Soll dem Tauchsport in der Schule ein Platz verschafft werden, so müssen zu allererst ein paar grund­legende Voraussetzungen geklärt werden, die den Rahmen des weiteren Vorgehens abstecken. In der vorliegenden Arbeit und allen darin vorkommenden Ausführungen ist - wenn nicht ausdrücklich anders erwähnt - bei den weit gefassten Formulierungen „Tauchen", „Tauchsport" etc. vom Geräte­tauchen die Rede, das ein Benutzen von Drucklufttauchgerät (DTG, Pressluftflasche), Tarierjacket und Atemregler notwendig macht. Natürlich sind einige der Übungen und Ausführungen Teil des Sport- und Apnoetauchens7, verfolgen allerdings ein anderes Ziel und werden daher nur spärlich Verwen­dung finden. Bezweckt wird nämlich, die Kursteilnehmer keiner rein physisch-konditionellen und technischen Ausbildung zu unterziehen, sondern sie auf den Freizeitsport Tauchen verantwortungs­voll und umfassend zu schulen, um ihnen bei der erlebnisorientierten Ausübung dieses Sports mög­lichst viel Sicherheit und Handlungsmuster mit auf den Weg zu geben. Denn selbst bei einer physio­logisch anspruchsvollen Tauchausbildung, wie sie beispielsweise an der Universität Potsdam vollzo­gen wird, können die Teilnehmer nicht auf alle Eventualitäten vorbereitet werden, die im See oder Ozean auf sie treffen könnten, da die Bedingungen dort vor Ort wiederum völlig andere sind und erst über die Jahre hinweg bei vielen Tauchgängen erprobt werden.

Nichtsdestotrotz ist es unerlässlich, dass Tauchanfänger, egal welchen Alters, über eine grundsolide, ihrem Entwicklungsstand entsprechende, körperliche Leistungsfähigkeit verfügen, sichere Schwim­mer sind und sich im und unter Wasser wohl fühlen.8 Daher ist regelmäßiges Schwimmen als Aus­dauerbasis für sinnvoll zu erachten und sollte auch immer seinen Platz im Unterricht bzw. zu Beginn jeder Lerneinheit finden. Darüber hinaus ist es im Tauchsport erforderlich, über eine ärztliche Tauch­tauglichkeitsbescheinigung zu verfügen, die darüber Auskunft gibt, ob der jeweilige Sportler über et­waige Beschwerden klagt und ein Tauchen aus medizinischer Sicht unmöglich macht. Häufige Gründe hierfür sind perforierte Trommelfelle oder eine unzureichende Lungenleistungsfähigkeit. Ohne ärztli­che Bestätigung sollten keine Tauchgänge durchgeführt werden!

Bei der Konzeption dieser Arbeit wird davon ausgegangen, dass an der jeweiligen Schule die örtlichen Gegebenheiten sowie ein ausreichender Materialbestand in der Form vorhanden sind, dass eine an­gemessene Ausbildung stattfinden kann. Realisierbar ist dies auch im Rahmen einer Kooperation mit einer ortsansässigen Tauchbasis, welche gemeinsam mit dem Fachlehrer die Schulung vornimmt. Die Umsetzung sollte und darf nicht an logistischen Hürden und Bequemlichkeiten scheitern, wodurch eine Durchführung von vornherein abgelehnt wird.

Im Verlauf des folgenden Kapitels werden des Weiteren auch generelle Anforderungen an Körper und Psyche genannt, die ein Taucher/Tauchanfänger aufweisen sollte. Das Profil wurde dabei didak­tisch reduziert, da in der gesamten Konzeption darauf geachtet wurde, dass sich bei der Vermittlung dieser Sportart der freizeitbetonte und erlebnisorientierte Charakter im Endeffekt stärker wiederfin­det, ohne dabei sicherheitstechnische Aspekte außer Acht zu lassen. Denn ein Motto unter Tauchern lautet: „Serious diving. Serious fun." (sinng. „Ernsthaft tauchen. Ernsthaft Spaß haben.")

2.1. Zielgruppenorientierung

Aus medizinischer Sicht spricht prinzipiell nichts dagegen, wenn Kinder bereits im Alter von 8 bis 12 Jahren begleitete Tauchgänge durchführen. Abgesehen von einer gründlichen Tauchtauglichkeitsun­tersuchung und der Bereitstellung kindgerechter Ausrüstung steht es Kindern und Eltern selbst frei, darüber zu entscheiden, wann sie den Schritt unter Wasser wagen wollen.9 Es wurde jedoch schon angesprochen, dass für das Tauchen eine gewisse geistige und körperliche Reife vonnöten ist, um Ge­fahren und Problemsituationen richtig einzuschätzen, sich selbst vor allem nicht zu überschätzen und auch seinem Tauchpartner im Notfall eine Hilfe sein zu können. Auf die speziellen Anforderungen wird in einem späteren Kapitel im Detail noch eingegangen, es soll dennoch schon jetzt veranschau­licht werden, weshalb es für die Schule ratsam ist, sich auf eine Altersgruppe zu beschränken, deren Entwicklungsstand eine sichere Tauchausbildung zulässt.

Die Konzeption dieser Arbeit wird sich daher auf Schüler der zehnten Jahrgangsstufe beziehen, da die Lernenden alle bereits ein Alter von circa 16 Jahren erreicht haben. Natürlich lassen sich die Inhalte ebenfalls an die gesamte Sekundarstufe II anpassen und auch genauso in die unteren Jahrgänge transferieren, es ist jedoch in der Praxis und Literatur beinahe einhelliger Konsens, dass aufgrund verschiedenster Faktoren ein Besuchen von Tauchkursen erst ab dem 14. Lebensjahr angeboten und empfohlen wird. Beispielgebend dafür ist unter anderem der internationale Tauchverband CMAS. 10 Wünschenswert wäre, dass die Schüler nach dem Besuchen des Kurses ihre Ausbildung mit einer Prü­fung und letztlich mit dem Erhalt des Tauchbrevets (Tauchschein) abschließen, das sie dazu berech­tigt, weltweit (anfangs in Begleitung eines Tauchlehrers/Guides) tauchen zu gehen und diesen Sport langfristig auszuüben.

Der Diskurs besteht also zwischen der Tauchmedizin, die einerseits das Tauchen für Kinder freigibt und den physiologisch-psychischen Konditionen, die ein sicheres, eigenverantwortliches Handeln von Heranwachsenden unter Wasser mehr oder minder ausschließen. Insofern scheint die Zielgruppen­orientierung auf Schüler der zehnten Klasse als zielführend und vielversprechend, da pubertätsbe­dingte Verhaltensauffälligkeiten bereits wieder abnehmend und als gering einzuschätzen sind.

Es wird empfohlen, den Praxisunterricht in Kleingruppen von ungefähr sechs bis acht Schülern durch­zuführen. Nur so ist gewährleistet, dass alle Inhalte optimal vermittelt werden können und der Leh­rer im Notfall auf individuelle Probleme unter Wasser reagieren kann, ohne dabei die Sicherheit der anderen Teilnehmer zu gefährden. Außerdem können so drei bzw. vier Buddy-Teams gebildet wer­den, die miteinander die Übungen durchführen. Die Theorieeinheiten können selbstverständlich in größeren Gruppen stattfinden. Hier hat sich, nicht zuletzt wegen der enormen Relevanz des zu ver­mittelnden Stoffs, ein Frontalunterricht bei den Tauchverbänden durchgesetzt. In Ergänzung eines Theoriebuchs können Inhalte so zielgerichtet und pragmatisch unterricht werden. Diese Unterrichts­form schließt natürlich eine bildhafte, ansprechende und interessante Wissensvermittlung nicht aus.

2.2. Physiologische und psychische Anforderungen des Tauchsports

Obwohl zum Erlernen des Tauchens keine außergewöhnlichen körperlichen Fähigkeiten vorausge­setzt werden und nicht die Fitness eines Leistungssportlers benötigt wird, ist es jedoch unabdingbar, dass Tauchanfänger über gewisse physiologische und psychische Konstitutionen verfügen, um diesen Sport ohne größere Komplikationen auszuüben. Letztlich werden darüber das taucherische Können sowie das eigene Wohlbefinden unter Wasser definiert - je nach dem, in welcher Verfassung man sich befindet. Daher werden im Folgenden einige Faktoren benannt, die im Sport- und Gerätetau­chen eine wichtige Rolle spielen. Es muss sich bei allen Ausführungen stets vergegenwärtigt werden, dass Freiwassertauchgänge selten bis nie Bedingungen wie im Schwimmbad vorweisen. Heftige Strömungen, Verwirbelungen unter Wasser, unruhige See und schlechte Sicht sorgen oft dafür, dass sich die genannten Anforderungen wenigstens in Ansätzen im Profil des jeweiligen Tauchers wieder­finden sollten.

2.2.1. Ausdauer

Eine der konditionellen Fähigkeiten stellt die Ausdauer dar. Als sogenannte „Ermüdungswiderstands­fähigkeit"11 trägt sie dafür Sorge, dass der Taucher auch noch nach mehreren Flossenschlagzyklen gegen Strömung oder einer längeren Schnorcheldistanz an der Oberfläche in der Lage ist, sich zu be­wegen und nicht erschöpft handlungsunfähig wird. Dafür ist eine gute Grundlagenausdauer vonnö­ten, die eine schnelle Regeneration des Sportlers ermöglicht. In der Trainingswissenschaft wird zwi­schen aerober (unter ausreichender Verwendung von Sauerstoff) und anaerober Ausdauer (unter Mangel desselben) unterschieden. Bei geringer aerober Ausdauer greift der Körper frühzeitig auf die anaeroben Energiereserven zurück und produziert durch die muskuläre Überbeanspruchung soge­nannte Stoffwechselendprodukte, deren Abbau unmittelbar Einfluss auf z.B. den Luftverbrauch nimmt.12 Dieser steigt durch erhöhte Ventilation13 und kann in Extremsituationen zu ernsthaften Problemen führen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass bei entsprechenden Belastungserwartun­gen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beiden Arten der Energiebereitstellung besteht. Die an­aerobe Ausdauer kommt an einem weiteren Praxisbeispiel zum Tragen: Oftmals liegen zwischen Tauchbasis und Einstieg an Ufer oder Steg mehrere hundert Meter. Ohne ein Mindestmaß an Aus­dauer wird der Transport der eigenen Ausrüstung zu einem Kraftakt, der den Taucher schon außer Gefecht setzt, ehe er überhaupt einen Fuß ins Wasser gesetzt hat.

2.2.2. Kraft

Auch bei dem Aspekt der Kraft verhält es sich wie mit der Ausdauer - es ist kein monatelanges Bank­drücken und Hanteltraining erforderlich, um sich dem Tauchsport erstmalig zuwenden zu können. Schädlich ist es natürlich ebenso wenig, allerdings ist mit der Komponente ,Krafť wieder eine gesun­de Grundlage gemeint. Sie bezieht sich vor allem auf die Bereiche Rumpf und Rücken sowie die unte­ren Extremitäten. Besonders der bereits erwähnte Weg zum Wasser und wieder hinaus ist oftmals reines Aufbringen von Muskelkraft, denn die komplette Ausrüstung, inklusive einer gefüllten Press­luftflasche wiegt circa 30 kg.14 Der Aufstieg an einer Tauchleiter zurück ins Boot gestaltet sich nach einem 60minütigen Tauchgang und einem vollgesogenen Neoprenanzug als äußerst schwierig. Denn obwohl im Wasser das Zusatzgewicht wieder weitestgehend relativiert wird, ist es unerlässlich, dass der Taucher über genügend Stabilität in der Rücken- und Rumpfmuskulatur vorweist. Beim Flossen­schwimmen werden Lendenwirbelsäule und unterer Rücken ebenfalls stärker beansprucht, wodurch ein konstantes Rückentraining schon im Jugendalter einen festen Platz im Sportunterricht einnehmen sollte. Bei Problemen mit den Bandscheiben ist vom Tauchen abzuraten und dringend ein Arzt zu konsultieren. Auch Kinder und Jugendliche bleiben vor Rückenbeschwerden nicht immer unberührt und sollten daher über den richtigen Umgang mit der Ausrüstung und das An- und Ablegen eben je­ner belehrt werden.

[...]


1 Zit. nach Clark, Robert A. (Hrsg.): SSI - Open Water Diver Manual, 2002, S. 9.

2 Vgl. Schulz, Erhard: Tauchen und Schnorcheln, Hamburg 1978, S. 9-10.

3 Vgl. Stibbe, Axel: Sporttauchen. Der sichere Weg zum Tauchsport, Bielefeld 2008, S. 19.

4 Vgl. Schulz, Tauchen, S. 10-11.

5 Vgl. Brandt, Ronald: Tauchen. In zehn Schritten zum Sporttaucher, München 1996, S. 10.

6 Vgl. Ehm, Dr. med. Oskar F. (Hrsg.): Tauchen noch sicherer. Leitfaden der Tauchmedizinfür Sporttaucher, Be­rufstaucher undÄrzte, Cham 1996, S. 26ff.

7 Apnoe: (griech.) ,Nicht-Atmung'; Tauchen bei angehaltenem Atem ohne Sauerstoffgerät

8 Vgl. Ehm, Tauchen noch sicherer, S. 27.

9 Vgl. ebd., S. 26ff.

10 Vgl. Brandt, Tauchen, S. 15.

11 Lüchtenberg, Dietmar: Tauchsporttraining, Aachen 1998, S. 20.

12 Vgl. ebd., S. 20f.

13 Belüftung der Lungen

14 Vgl. Brandt, Tauchen, S. 21.

Details

Seiten
30
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668113466
ISBN (Buch)
9783668113473
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312209
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Schlagworte
grundlagen tauchausbildung schule berücksichtigung aspekte gerätetauchens

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