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Strukturale Merkmale von Kultur

Seminararbeit 2004 14 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1. Kultur
1.1 Kulturrelativismus
1.2 Kulturuniversalismus

2. Ethnie
2.1 Ethnozentrismus

3. Nationalstaat

4. Migration

5. Der/die/das Fremde

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

In der nun folgenden Hausarbeit möchte ich strukturelle Merkmale von Kultur herausarbeiten und darstellen. Dies geschieht mit in diesem Zusammenhang unerlässlichen, Begriffserklärungen. Es soll eine Sensibilisierung für kulturspezifische Eigenarten und Differenzen erzeugt werden, die mir als unerlässlich für einen toleranten Umgang mit dem ,Anderen’ und ,Fremden’ erscheint.

1. Kultur

Kultur ist etwas durch und durch menschliches. „Der Mensch schafft Kultur und wird durch sie geprägt“ (Maletzke 1996, S.20). Aber was genau ist Kultur, wodurch zeichnet sie sich aus?

Der Begriff Kultur, wie er vom Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS) in Birmingham definiert wurde, meint mehr als die im allgemeinen Sprachgebrauch übliche Definition, wonach Kultur in erster Linie Dinge wie Musik, Theater, Architektur und bildende Kunst bezeichnet. Nach dem CCCS ist Kultur „die besondere und distinkte Lebensweise (…), die Bedeutungen, Werte und Ideen, wie sie in Institutionen, in den gesellschaftlichen Beziehungen, in Glaubenssystemen, in Sitten und Bräuchen, im Gebrauch der Objekte und im materiellen Leben verkörpert sind“ (Amt für multikulturelle Angelegenheiten 1993, S.21). Hier wird Kultur einerseits als Orientierungssystem verstanden (an dem jedes gesellschaftliche Handeln, gleich, ob das eines Einzelnen, oder das der ganzen Gesellschaft ausgerichtet ist). Auf der anderen Seite „ wird auf die Wechselwirkung zwischen diesem Orientierungssystem und den materiellen Lebensgrundlagen der jeweiligen Gruppe hingewiesen“ (Amt für multikulturelle Angelegenheiten 1993, S.21). Nur durch das Vorhandensein modellhafter Bilder der Welt ist das Bewusstsein in der Lage, menschliche Aktivitäten zu steuern. Für diese Modellbildung sind Werkzeuge wie zum Beispiel die Sprache, verschiedene Rituale und Wohnstile von größter Notwendigkeit. Diese sind den Angehörigen der jeweiligen Kultur vertraut und ermöglichen es ihnen so, sich mehr oder weniger gut zu verständigen. Demnach kann man, um Kultur zu beschreiben, auch die Definition von Auernheimer verwenden, der Kultur als ein gemeinsames Repertoire an Symboldeutungen oder auch Kommunikations- und Repräsentationsmitteln bezeichnet hat (vgl. Amt für multikulturelle Angelegenheiten 1993, S.22). Wenn aber dieses Repertoire an Symboldeutungen festgelegt und somit unabänderlich wäre, würde „ die Kultur ihre Funktion als Orientierungssystem verlieren“ (Amt für multikulturelle Angelegenheiten 1993, S.22). So wird es also fortlaufend den sich ständig ändernden gesellschaftlichen Umständen und Produktionsverhältnissen, sprich der alltäglichen Lebenspraxis, angepasst.

„Die Kultur“ würde also „ihre Funktion als Orientierungssystem verlieren“ (ebd.), da kulturspezifische Symbolsysteme, die sich unter gänzlich anderen historischen Umständen entwickelt haben, dann nicht mehr der Interpretation der sich verändert habenden Wirklichkeit dienen könnten (vgl. Amt für multikulturelle Angelegenheiten 1993, S.22). Dies fällt insbesondere immer wieder Migranten auf, die ihre Heimat verlassen haben und somit einen Kulturwechsel vollziehen. Die von ihnen erlernten Deutungsmuster nutzen ihnen in dem neuen Kulturkreis nicht mehr in gewohnter Art und Weise.

Oft kommen Flüchtlinge aus stark agrarisch geprägten Nationen in moderne Industriegesellschaften. „das Leben in modernen Gesellschaften (…) erfordert nach Untersuchungen von Soziologen aber einen bestimmten Persönlichkeitstyp: offen für neue Erfahrungen, bereit zum sozialen Wandel, zukunftsorientiert, langfristig planend, auf menschliche Vernunft und Technik setzend, bildungswillig, mit Respekt vor der Menschenwürde und Verständnis für die Entscheidungsstrukturen in modernen Unternehmen“ (Amt für multikulturelle Angelegenheiten 1993, S.22-23). Es ist jedoch zweifelhaft, ob diese Modernisierungsprozesse die kulturbedingten Differenzen vollkommen aufheben können.

1.1 Kulturrelativismus

Der Kulturrelativismus geht davon aus, „dass unterschiedliche, grundsätzlich gleichwertige Einzelkulturen nebeneinander bestehen und auch künftig bestehen werden“ (Amt für multikulturelle Angelegenheiten 1993, S. 23). Das bedeutet, dass jede Einzelperson eine bestimmte Kultur ,in sich trägt’, durch die das Denken und Handeln eben dieser Person wesentlich beeinflusst wird – deren Denken und Handeln wiederum aber auch Auswirkungen auf ihre Kultur hat (vgl. ebd.).

Für die interkulturelle Kompetenz folg daraus „ die Notwendigkeit, die Andersartigkeit von Menschen aus anderen Kulturen aus ihrem jeweiligen Kontext heraus zu verstehen und grundsätzlich zu akzeptieren“ (Amt für multikulturelle Angelegenheiten 1993, S. 23).

1.2 Kulturuniversalismus

Im Gegensatz zum Kulturrelativismus steht der Kulturuniversalismus. Die Universalisten nehmen zwar eine grundsätzliche Verschiedenheit der Kulturen an, gehen aber gleichzeitig von der Existenz gewisser Gemeinsamkeiten aus; dazu zählen sie zum Beispiel bestimmte Merkmale, Eigenschaften, Fähigkeiten und Verhaltensweisen, welche von ihnen als Universalien bezeichnet werden (vgl. Amt für multikulturelle Angelegenheiten 1993, S. 23).

Sie fordern die Überwindung der Befangenheit zwischen den Kulturen und nehmen an, dass die verschiedenen Kulturen nur Durchgangsstadien einer Entwicklung sind, deren Endpunkt „die Entstehung einer universalen, kosmopolitischen Weltgesellschaft“ (Amt für multikulturelle Angelegenheiten 1993, S. 23) sein wird.

Unstrittig ist zweifellos das Vorhandensein so genannter biologischer Universalien der Gattung Mensch. Strittig hingegen ist die Annahme, dass auch im Bereich des Kulturellen solche Gemeinsamkeiten existent sind.

In der Forschung sind Auflistungen eben solcher Gemeinsamkeiten grundverschieden: in der einen werden Universalien wie zum Beispiel die Ehe, Inzest-Tabus, die Achtung vor den Eltern, oder aber moralische Werte, die die Grundlage aller Arten der sozialen Organisation bilden, genannt. Eine andere Aufzählung beinhaltet Universalien wie das Kochen, Körperschmuck, Höflichkeit, Tanz oder die Verehrung göttlicher Wesen (vgl. Maletzke 1996, S.22).

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Details

Seiten
14
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638322829
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v31208
Institution / Hochschule
Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg; ehem. Fachhochschule Ludwigsburg
Note
2,0
Schlagworte
Strukturale Merkmale Kultur Seminar

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