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Kindertagespflege. Rechtliche und pädagogische Bestimmungen und Ausbau von U3-Kitaplätzen

Der Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren in Hilden-Süd

Hausarbeit 2012 27 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Das Aktionsprogramm „Kindertagespflege“

II. Definition von „Kindertagespflege“

III. Die Stadt Hilden - Standortbeschreibung

IV. Rechtliche Rahmenbedingungen zur Kindertagespflege und ihre
Umsetzung in Hilden(-Süd)

V. Pädagogische Rahmenbedingungen zur Kindertagespflege und ihre
Umsetzung in Hilden-Süd

VI. Grundlegende Aspekte bei der Entwicklung von Kleinkinder (0 bis 4 Jahre)

VII. Die Kooperation von Kindertagespflege und Tageseinrichtung und ihre Umsetzung in Hilden(-Süd)

VIII. Fazit

Quellenverzeichnis

Einleitung

„Sozialstrukturelle Unterschiede zwischen einzelnen Stadtteilen und Vierteln in Städten aber auch im ländlichen Raum bestimmen die Situation von Familien und das Aufwachsen von Kindern in ihrem jeweiligen Umfeld. Infrastrukturelle Bedingungen, etwa Verkehrswege, Spielplätze, Einrichtungen, der öffentliche Personennahverkehr usw. bilden Rahmenbedingungen für das Aufwachsen in unserer Gesellschaft.“ so X, Dozent an der Fachhochschule Düsseldorf, in seinem Handout für das Seminar „Kindheit und Familie im Sozialraum“. In Rahmen dieses Seminars war es unser Ziel die Sozialräumlichkeit am Beispiel des Stadtteils Hilden-Süd zu thematisieren.

Aktuelle Diskussionen und politische Debatten über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind und bleiben in Deutschland ein Kernthema der Familienpolitik. Insbesondere junge Eltern wünschen sich einen schnellen Wiedereinstieg in den Beruf, um ihre Erwerbs- und Einkommenschancen zu erhöhen. Eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung soll Eltern zukünftig diesen Schritt leichter machen. Deshalb investiert die Bundesregierung in den Ausbau der Kinderbetreuung. Im Fokus steht insbesondere der Ausbau der Betreuung für Kinder unter drei Jahren.

Der Bund übernimmt einen Drittel der Kosten für diesen Ausbau und beteiligt sich bis 2013 mit vier Milliarden Euro. Ab 2014 stellt er den Bundesländern weitere 770 Millionen für die laufenden Betriebskosten zur Verfügung. Gemeinsam mit den Ländern und Verbänden will der Bund bis zum Jahre 2013 schrittweise ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot in Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege für bundesweite 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren aufbauen. Rund ein Drittel der neuen Plätze sollen bei Tagesmüttern oder auch Tagesvätern entstehen (vgl. BMFSFJ, 2012).

Für uns war es deshalb unverzichtbar zu hinterfragen, wie der Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren in Hilden-Süd strukturiert und die geplante Umsetzung bis zum Jahre 2013 organisiert ist. Nach einer kurzen Beschreibung des Aktionsprogramms „Kindertagespflege“ und der Definition von „Kindertagespflege“ werden wir im folgenden Beitrag auf die rechtlichen und pädagogischen Bestimmungen und Regelungsinhalte der Kindertagespflege eingehen und unsere Recherchen im Standort Hilden(-Süd) dazu einbinden und dokumentieren.

Eine große Hilfe bei unserer Expedition waren insbesondere drei Mitarbeiterinnen des Amtes für Jugend, Schule und Sport Hilden, die sich bereit erklärten uns in einem sehr ausführlichen und langen Interview detaillierte und wertvolle Informationen zu unseren Fragestellungen zu geben. Anwesend waren bei diesem Gespräch Andrea Funke, Teamleiterin der Kinderbetreuung, Petra Krone, Tagespflege Verwaltung und Edith Röder, Sozialpädagogin.

I. Das Aktionsprogramm „Kindertagespflege“

Ab August 2013 steht jedem Kind ab Vollendung des ersten Lebensjahres ein Rechtsanspruch auf Förderung und Betreuung zu (§ 24 SGB VIII). Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben daraufhin die Aufgabe für diese Altersgruppe bedarfsgerechte Förderungsplätze zur Verfügung zu stellen. Aus aktuellen Diskussionen und politische Debatten wissen wir, dass ein flächendeckender Ausbau der Plätze für Kinder unter drei Jahren in den bereits bestehenden Tageseinrichtungen in vielen Städten bis 2013 nicht zu realisieren ist.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat deshalb im Oktober 2008 das Aktionsprogramm "Kindertagespflege" ins Leben gerufen. Das Aktionsprogramm soll mit Hilfe des Europäischen Sozialfonds, der zusätzlich 17 Millionen für die Umsetzung des Projekt zur Verfügung stellt, die Entwicklung der Beschäftigung und die Chancengleichheit innerhalb Deutschlands und der Europäischen Union durch entsprechende Fördermaßnahmen unterstützen. Das Aktionsprogramm "Kindertagespflege" soll an 160 Standorten bundesweit dazu beitragen, mehr Personal für die Tagespflege zu gewinnen und zu qualifizieren. Ziel hierbei ist es die Kindertagespflege zu einer Betreuungsform auszubauen, die der Betreuung in Tageseinrichtungen gleichkommt. So haben örtliche Jugendhilfeträger, die für die Erteilung der Pflegeerlaubnis zuständig sind, auch die Aufgabe für eine Grundqualifizierung der Tagesmütter und -väter Sorge zu tragen. Bundesweit sollen diese nach den fachlich anerkannten Mindeststandards von 160 Stunden nach dem Curriculum des Deutschen Jugendinstituts (DJI) bzw. vergleichbaren Lehrplänen unterrichtet werden (vgl. BMFSFJ, 2012).

Die Stadt Hilden beteiligt sich an diesem Projekt. Sozialpädagogin Edith Röder erzählt uns, dass in Hilden durch Telefon-Akquise und entsprechende Flyer-Werbung für die „Kindertagespflege“ als Betreuungsform und als neue berufliche Perspektive Werbung gemacht wird. Die Beratung und Vermittlung diesbezüglich für Eltern als auch für Personen die sich berufsbegleitend als Tagespflegeperson ausbilden möchten, sind kostenlos und unverbindlich.

II. Definition von „Kindertagespflege“

Die Kindertagespflege ist eine Leistung der Kinder- und Jugendhilfe. Neben der Erziehung, Bildung und Betreuung in Einrichtungen wie Kindergärten, Kinderhorte und anderen altersübergreifenden Einrichtungen ist sie im 3. Abs. des SGB VIII (§22 bis §26) eine beschriebene und gesetzlich anerkannte Form der Kindertagesbetreuung für Kinder im Alter unter drei Jahren. Sie kann aber auch als ergänzendes Betreuungsangebot für Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres gewährt werden. Die „Kindertagespflege wird von einer geeigneten Tagespflegeperson in ihrem Haushalt oder im Haushalt des Personensorgeberechtigten geleistet.“ So ist es in § 22 Abs. 1 SGB VIII bestimmt. Demnach kann die Kindertagespflege entweder im Haushalt der Personensorgeberechtigten, in der Regel der Eltern, oder im Haushalt der Kindertagespflegeperson, die im Volksmund als Tagesmutter oder Tagesvaters bezeichnet wird, erfolgen. Ob sie aber auch in anderen geeigneten Räumlichkeiten wie zum Beispiel in einer Großtagespflege erfolgen kann, regelt das jeweilige Landesrecht. Dem Förderauftrag des SGB VIII - Kinder- und Jugendhilfe entsprechend hat sie sich an die soziale, emotionale, körperliche und geistige Entwicklung eines jeden Kindes zu orientieren und ihn entsprechend zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu fördern. Im Bezug auf die Familie, soll sie mit den Eltern partnerschaftlich und vertrauenswürdig zusammen arbeiten und ihnen dabei helfen Beruf und Erziehung besser mit einander zu vereinbaren, indem sie die Erziehung innerhalb der Familie unterstützt und ergänzt. Somit hat die Kindertagespflege neben dem Betreuungsaufgaben auch einen Bildungs- und Erziehungsauftrag zu erfüllen. Weiterhin umfasst sie die Vermittlung eines Kindes zu einer Tagespflegeperson, die fachliche Beratung, Begleitung und Qualifizierung sowie die Gewährung eines Pflegegeldes an die Tagespflegeperson (vgl. BMFSFJ, SGB VIII, 2010).

Eine Vereinbarung zur Kindertagespflege wird schriftlich in Form eines eines Betreuungsvertrags niedergelegt erzählte uns Frau Röder. In diesem Betreuungsvertrag sollten alle Konditionen des Betreuungsverhältnisses wie Haftung und Versicherungsfragen, zeitliche Umfang und Ort der Betreuung, Urlaub und Krankheit der Tagespflegeperson, sowie das Verhalten der Tagespflegeperson bei Erkrankung und Verletzung des Kindes, Schweigepflicht, datenschutzrechtliche Bestimmungen, Konkretisierung des Zusammenarbeitsangebot und Regelungen zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses festgehalten werden.

III. Die Stadt Hilden - Standortbeschreibung

Die Gemeinde Hilden wurde am 18. November 1861 von König Wilhelm von Preußen zur Stadt erhoben. Die Stadt Hilden hat knapp 56.000 Einwohner und liegt am Fuß des Bergischen Landes im Bundesland Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Mettmann im Regierungsbezirk Düsseldorf. Im Jahre 1900 baute Hilden ein eigenes Rathaus und erhielt ein eigenes Wappenzeichen. Hauptamtierender Bürgermeister ist seit 2009 Horst Thiele von der SPD.

Das Stadtgebiet hat insgesamt eine Fläche von 25,95 qkm und ist in sechs Stadtteile unterteilt. Zum Zeitpunkt des Interviews verfügte Hilden laut einer Aufstellung von Frau Funke über 1.592 Kindergartenplätze. Diese Plätze waren wie folgt verteilt:

57 Plätze für Kinder unter 2 Jahre, 218 Plätze für Kinder zwischen 2 und 3 Jahren und 1.317 Plätze für Kinder ab 3 Jahren.

Hilden-Süd, auch Südstadt (4) genannt, hat eine Gesamtfläche von 3,6 qkm und 15.875 Einwohner, davon 1.388 Ausländer. 48,5 % dieser Einwohner sind verheiratet, 36 % sind ledig, nur 7,9 % sind geschieden und der Rest ist verwitwet. Die Altersstruktur der Einwohner in diesem Stadtteil (Stand 31.12.2010) weist eine Kinderanzahl in Höhe von 2.655 Kindern unter 18 Jahren auf. 1.183 Kinder sind unter zehn Jahren, wovon insgesamt 330 Kinder unter drei Jahren sind (vgl. Statistisches Jahrbuch Hilden, 2010).

Im Gespräch erfahren wir von Frau Funke, dass in der Südstadt die Einwohner über ein mittleres bis hohes Einkommen verfügen und die Arbeitslosenquote relativ gering sei. Ferner haben wir bei unserer kleinen Stadtbegehung den Eindruck gewonnen, dass Hilden-Süd mit seinem recht guten Infrastruktur und vielen Grünanlagen ein besonders beliebter Wohnort für Familien mit Kindern ist.

IV. Rechtliche Rahmenbedingungen zur Kindertagespflege und ihre Umsetzung in Hilden(-Süd)

Der Inhalt und Umfang der im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) geregelten Aufgaben und Leistungen für Kindertagespflege wird von den Landrecht bestimmt. In NRW sind die Bestimmungen für die Kindertagespflege im 1. AG-KJHG und im KiBiz, dem 4. AG-KJHG geregelt. Es folgen eine Menge rechtliche Grundlagen und die Beschreibung ihrer Umsetzungen in Hilden(-Süd). Im Anschluss werden wir dann kurz unsere Meinung dazu darlegen.

Erlaubnis zur Kindertagespflege

Da die individuelle Förderung eines Kindes eine anspruchsvolle und verantwortungsvolle Aufgabe darstellt, benötigt eine Kindertagespflegeperson seit dem 01.10.2005 gem. § 43, Abs. 1 bis Abs. 3 SGB VIII eine Erlaubnis des zuständigen örtlichen Trägers der Jugendhilfe (Jugendamt), wenn sie Kinder außerhalb des Haushalts des Erziehungsberechtigten mehr als fünfzehn Stunden wöchentlich und länger als drei Monate gegen Entgelt betreut. Die Erlaubnis zur Kindertagespflege (Pflegeerlaubnis) wird nach Überprüfung des schriftlichen Antrags und der Eignungsüberprüfung der Kindertagespflegeperson gem. des §§ 23 Abs. 2 SGB VIII erteilt. Als geeignet gelten kompetente Personen, die sich durch ihre Persönlichkeit und Kooperationsbereitschaft mit anderen auszeichnet und über kindergerechte Räumlichkeiten verfügen. Sofern es sich nicht um eine sozialpädagogische Fachkraft mit Praxiserfahrung in der Kinderbetreuung handelt, muss sie sich vertiefte Kenntnisse über die Anforderungen der Kindertagespflege aneignen und diese nachweisen. Als Grundlage für den Erwerb einer Qualifikation gelten in NRW gem. § 17 KiBiz ausschließlich wissenschaftlich entwickelte Lehrpläne, die dem Curriculum des Deutschen Jugendinstituts entsprechen.

Bei Eignung kann eine Kindertagespflegeperson laut § 43, Abs. 3 SGB VIII bis zu fünf gleichzeitig anwesende, fremde Kinder betreuen. Schließen sich mehrere Tagespersonen in einem Verbund zusammen (Großtagespflege), so können höchstens neun Kinder durch höchstens drei Tagespflegepersonen betreut werden. Jeder dieser Tagespflegepersonen bedarf einer eigenständigen Erlaubnis zur Tagespflege. Die Erlaubnis ist auf fünf Jahre befristet (vgl. BMFSFJ, SGB VIII, 2010; KiBiz, 2008).

Das Jugendamt übernimmt bei der Kindertagespflege die Kontroll- und Überwachungsrechte. Die Tagespflegeperson ist verpflichtet dem Jugendamt Auskunft über die Räume und die zu betreuenden Kinder zu erteilen. Bei Bedarf muss sie den Beschäftigten und Beauftragten des Jugendamtes Zutritt zu den Räumlichkeiten und den zu betreuenden Kindern gestatten. Das Jugendamt kann jeder Tagespflegeperson, die im Sinne des §§ 23, Abs. 3 SGB VIII nicht als Tagespflegeperson geeignet ist und trotzdem ohne Erlaubnis Kinder in der Tagespflege betreut, die weitere Betreuung untersagen (vgl. Kibiz, 2008).

Neben den örtlichen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe und der freien Jugendhilfe können auch privatgewerbliche Träger Tagespflegepersonen vermitteln, sobald diese die notwendige Qualifikation besitzen.

Pflegeerlaubnisverfahren in Hilfen(-Süd)

Das Amt für Jugend, Schule und Sport Hilden hält sich als örtlicher Träger an die vom Gesetz vorgegebenen Richtlinien zur Ausgestaltung der Tagespflege. Bei unserem Gespräch vor Ort wird uns erklärt, dass in Hilden insbesondere auf die Qualifizierung und Ausbildung der Tagesmütter und -väter großen Wert gelegt wird. In Hilden-Süd ist sogar die Ausbildungsstätte für Tagesmütter und -väter EEB (Evangelische Erwachsenenbildung Hilden) angesiedelt. Zweimal im Jahr werden hier ca. 20 Tagesmütter und -väter ausgebildet bzw. über 10 Wochen viermal wöchentlich insgesamt 160 Stunden nach dem Curriculum des Deutschen Jugendinstituts (DJI) unterrichtet. Die Teilnehmer/innen benötigen keine bestimmten Vorkenntnisse in Bezug auf die Arbeit mit Kindern. Es ist Voraussetzung, dass vor Teilnahme des Kurses eine Überprüfung der Räumlichkeiten und der persönlichen Qualifikationen der einzelnen Interessenten vorgenommen wird. D. h. die Beauftragten des Amtes für Jugend, Schule und Sport Hilden beraten in einem persönlichen Informationsgespräch die Teilnehmer/innen und überprüfen nach Abgabe der Bewerbungsunterlagen deren Wohnung/ Räumlichkeiten im Rahmen eines Hausbesuches. Von den Teilnehmer/innen wird zu dem zusätzlich die Führungs- und Gesundheitszeugnisse aller im Haushalt lebenden Personen über 18 Jahren abverlangt. Sie müssen eine Datenschutzentbindung unterzeichnen und das Einverständnis des Vermieters vorweisen. Ein Tagesmutter/-vater-Kurs über 160 Stunden nach dem Curriculum des Deutschen Jugendinstituts bei der EEB Hilden kostet 790,00 Euro. Die Kosten für diesen Kurs können von der Stadt Hilden zurück erstattet werden, wenn die Tagesmütter/-väter sich innerhalb 2 Jahre nach der Schulung verpflichten unter den unten genannten Konditionen und Regelungen (Richtlinien) für das Amt für Jugend, Schule und Sport Hilden mindestens ein Jahr tätig zu sein und in dieser Zeit ausschließlich von der Stadt Hilden vermittelte Kinder zu betreuen. Auch ein Erste-Hilfe-Kurs für Kinder ist vor Erlass einer Erlaubnis in Hilden zwingend erforderlich. Das Amt für Jugend, Schule uns Sport Hilden bietet nach der Ausbildung auch weitere Qualifizierungskurse und regelmäßige Fortbildungen an. Die Teilnahme an über die Qualifizierung hinaus erforderlichen Fortbildungen ist bei einer bestehenden Betreuungsvereinbarung zwischen der Tagespflegeperson und dem Amt für Jugend, Schule und Sport verpflichtend, jedoch kostenfrei. Auf fünf Jahre müssen die Tagesmütter/-väter 60 Stunden Fortbildung absolvieren.

Teamleiterin Frau Funke erzählt uns, dass Hilden derzeit insgesamt über ca. 100 ausgebildete Tagesmütter verfügt. 25 bis 30 davon arbeiten heute in eigenen Räumen oder auch in anderen Tageseinrichtungen im Hildener Süden. Bei Tagespflege, die in den Räumen der Tagespflegeperson stattfindet, ist es in Hilden gewünscht die Betreuung bei Tagesmütter/-väter auf maximal 2-3 fremde Kinder einzuschränken. Dadurch soll die Förderungsqualität der Kinder verbessert und ihr Wohlbefinden maximiert werden.

Um die Förderungsqualität innerhalb der Tagespflege gewährleisten zu können, wird die Arbeit der Tagesmütter/-väter von den Beauftragten und Beschäftigten des Amt für Jugend, Schule und Sport Hilden kontinuierlich überprüft. Neben Hausbesuchen und dem Ausfüllen eines Fragenkatalogs von den Tagesmüttern/-vätern, finden auch Rückfragen bei Kindeseltern statt, die sehr ernst genommen werden.

Wir gewinnen beim unserem Gespräch schnell den Eindruck, dass in Hilden großen Wert auf das Wohl des Kindes gelegt wird. Bei der Vermittlung von Tagesmütter und -vätern werden die Wünsche und Erziehungsvorstellungen der Eltern strikt beachtet. Man versucht stets eine geeignete/n passende/n Tagesmutter oder -vater zu finden, um den Bedürfnissen und Interessen des zu betreuenden Kindes gerecht zu werden. Die Tagespflege wird in Hilden ab einer Betreuungszeit von fünfzehn Stunden pro Woche bewilligt. Findet sie in Tageseinrichtungen statt, kann sie in begründeten Einzelfällen abweichen.

Geldleistungen an Tagespflegepersonen und ihre Festlegung in Hilden

Eine Tagespflegeperson kann selbständig oder angestellt sein. In beiden Fällen sind die Einnahmen aus der Tätigkeit von der Umsatzsteuer befreit.

Nach § 23 SGB VIII erhält eine Tagespflegeperson eine Geldleistung für die Förderung in der Tagespflege. Die Höhe der Geldleistung wird von den Träger der öffentlichen Jugendhilfe festgelegt und umfasst die Erstattung für Kosten, die durch Sachaufwendungen entstehen, einen Betrag für die Anerkennung für die Förderleistung, die Erstattung nachgewiesener Beiträge für die Unfallversicherung und für die Alters-, Kranken- und Pflegeversicherung wird auch die Hälfte erstattet. In vollem Umfang gelten diese Regelungen jedoch nur für Angestellte der Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Die Einnahmen aus ihrer Tätigkeit sind ab 400,00 Euro monatlich einkommenssteuerpflichtig (vgl. BMFSFJ, SGB VIII, 2010).

Als qualifiziert geltende Tagespflegepersonen die selbständig tätig sind, können laut § 24 SGB VIII Abs. 5 von diesem Recht Gebrauch machen, wenn die Vermittlung durch den Träger der öffentlichen Jugendhilfe erfolgt. Tagespflegepersonen entscheiden sich jedoch nach einer Ausbildung oft für die Selbstständigkeit, weil sie dadurch mehr Weisungsfreiheit in der Gestaltung ihrer Arbeitszeiten haben und den Stundenverdienst unter Berücksichtigung des Aspektes der Wirtschaftlichkeit selbst bestimmen können. Wichtig ist nur, dass Sie für ihre sozialversicherungspflichtigen Abgaben (z. B. Arbeitslosen-, Pflege-, Kranken und Berufshaftversicherung) Sorge tragen. Auch für die Eigenvermarktung und eine rechtzeitigen Vertretung bei Urlaub oder Krankheit sind sie selbst verantwortlich. Die Einnahmen aus ihrer Tätigkeit sind nach Abzug aller Betriebskosten ab 400,00 Euro einkommenssteuerpflichtig.

Die Stadt Hilden gewährt gem. § 23 SGB VIII eine laufende Geldleistung in Höhe von 4,40 Euro pro Stunde und pro Kind. In diesem Entgeltstundensatz ist 1, 88 Euro pro Betreuungsstunde als Sachkostenanteil enthalten (für Verpflegung, Mietanteil, anteilige Heiz und Strom­kosten usw.). Dieser Entgeltstundensatz wird jedoch gekürzt bzw. entfällt, wenn die Ta­gespflege im Haushalt der Erziehungsberechtigten erfolgt. Auch wenn die Tagesmutter/-vater über keine pädagogische Ausbildung und Qualifikation im Sinne des DJI-Curriculums verfügt, reduziert sich die Geldleistung auf 3,00 Euro pro Stunde pro Kind. In diesen Falle erteilt auch das Amt für Jugend, Schule und Sport Hilden nur eine vorläufige Pflegeerlaubnis.

Die folgende Tagespflegeberechnungstabelle* zeigt die Erstattungssätze pro Kind und zeitlichem Betreuungsumfang in Hilden:

* Tabelle dem Merkblatt „Richtlinien zur Ausgestaltung der Tagespflege…“ der Stadt Hilden (2011) entnommen und nachgestellt.

Tagesmütter/-väter die für das Amt für Jugend, Schule und Sport Hilden tätig sind, dürfen darüber hinaus in Hilden keine weiteren Zuzahlung durch die Eltern erhalten, ausgenommen die Pauschale für die Verpflegung (Essensgeld) der Kinder. Nachgewiesene Aufwendungen für Unfallversicherung gemäß § 2 Abs 1 Nr. des SGB VII, Alterssicherung (zur Hälfte), Kranken- und Pflegeversicherung (zur Hälfte) gemäß § 23, Abs. 2,4 des SGB VIII werden von der Stadt Hilden übernommen. Als Berechnungsgrundlage dieser Versicherungsarten gelten immer die Einnahmen aus der Tätigkeit nach den vorgegeben Richtlinien. Für eine freiwillige Kranken- und Pflegeversicherung wird zusätzlich auch das jährliche steuerliche Jahresbruttoeinkommen der Ehegatten, wenn vorhanden, berücksichtigt. Angestellten Tagesmüttern/-vätern wird eine Pflegesatz-Fortzahlung bei einer Unterbrechung für Urlaub oder Krankheit jährlich für insgesamt 30 Tage gewährt. Urlaubsregelungen müssen vorrangig zwischen Tagespflegeperson und den Erziehungsberechtigten der Kinder abgestimmt werden und dem Amt für Jugend, Schule und Sport Hilden gemeldet werden, damit bei Bedarf auch rechtzeitig für Ersatz bzw. Vertretung gesorgt werden kann.

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Details

Seiten
27
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668129269
ISBN (Buch)
9783668129276
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311996
Note
1,0
Schlagworte
Kindheit und Familie im Sozialraum Tagespflege U3 Ausbau pädagogische Rahmenbedingungen rechtliche Rahmenbedingungen Kooperation von Tagespflege und Tageseinrichtungen Grundlegende Aspekte bei der Entwicklung von Kleinkinder
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Titel: Kindertagespflege. Rechtliche und pädagogische Bestimmungen und Ausbau von U3-Kitaplätzen