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Der Begriff Willensfreiheit bei Aristoteles und im Islam

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 13 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Willensfreiheit bei Aristoteles
2.1 Drittes Buch 1.-3. Das Gewollte
2.2 Drittes Buch 4.-6. Das Vorsätzliche
2.3 Drittes Buch 7. Wir sind für unsere Tugenden und Laster verantwortlich
2.4 Definitionsversuch der Willensfreiheit nach Aristoteles

3. Willensfreiheit im Islam
3.1 Willensfreiheit in den Überlieferungen „hadith“
3.2 Willensfreiheit im Koran

4. Vergleich

5. Schluss

1. Einleitung

Wenn man dem, durch die Medien oft negativ dargestelltem Bild des Islam oder der Muslime Glauben schenken darf existiert so etwas wie Willensfreiheit im Islam wohl nicht. Was man mitbekommt, sofern man sich nicht einschlägig mit dem Thema beschäftigt, ist ein Bild der unterdrückten muslimischen Frau und dem Mann als vorherrschender Bote Allahs, sprich auch die Männer haben in diesem Bild des Islam keinen freien Willen, sondern handeln nach dem Willen und dem Auftrag Allahs. Zumindest kommt es mir so vor, als wäre dies die allgemeine Anschauung vieler Nicht-Muslime. Vielleicht entspricht das der Wahrheit, vielleicht aber auch nicht. Dies zu klären ist nun meine Aufgabe in dieser Arbeit. Ich werde versuchen den Begriff der Willensfreiheit im Islam darzustellen und zu definieren. Eine Hilfestellung soll mir hierbei das Buch Nikomachische Ethik von Aristoteles sein. Im Folgenden werde ich versuchen zunächst den Begriff der Willensfreiheit nach Aristoteles zu definieren um ihn dann mit der Begrifflichkeit nach dem Islam zu vergleichen um ein klareres Verständnis zu schaffen. Der Grund warum ich denke, dass gerade dieses philosophische Werk mir dabei helfen kann, ist der, dass ich denke Aristoteles definiert den Begriff nach westlichem Verständnis und so wie unsere Gesellschaft, in der wir leben, ihn auch definieren würde. Doch dieser Behauptung fehlt es noch an genauerer Untersuchung, die jedoch in den nächsten Punkten erfolgen wird. Ich hoffe, dass man sich nach dem lesen dieser Arbeit eine fundierte Meinung zu diesem (ich möchte es heikel nennen) Thema machen kann. Denn nichts ist schlimmer als eine, durch wen auch immer, vorgegebene Meinung, ohne sich über Hintergründe zu informieren, zu übernehmen und somit beispielsweise einer Weltreligion ein schlechtes Ansehen zu verleihen. Um noch einmal klar meine, an mich gestellte Aufgabe zu formulieren: ich möchte einen nach westlicher Kultur definierten Begriff der Willensfreiheit, sprich Aristoteles, mit einem nach östlicher Kultur definierten Begriff, sprich Islam, einzeln Untersuchen, um sie schließlich miteinander zu vergleichen, um Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten festzustellen, die dazu dienen sollen einen tieferen Einblick in die Religion Islam zu bekommen und mit eventuellen Vorurteilen, in Zusammenhang mit der Willensfreiheit aufzuräumen.

2. Willensfreiheit bei Aristoteles

Wie in der Einleitung bereits erwähnt behelfe ich mir mit dem Werk „Nikomachische Ethik“ von Aristoteles um seine Begrifflichkeit der Willensfreiheit zu definieren.

2.1 Drittes Buch 1.-3. Das Gewollte

Am Anfang des dritten Buches grenzt Aristoteles zunächst das Gewollte und das Ungewollte voneinander ab. Dabei beschreibt er das Gewollte als ein Handeln aus dem Lob und Tadel hervorgeht (vgl. Aristoteles, Nikomachische Ethik, 2011; Buch III, 1109b 32). Weiterhin beschreibt er das Ungewollte, als das was durch Zwang (bia) oder wegen Unwissenheit (agnoia) geschieht (vgl. ebd. 1109b 35). Etwa wenn die Bewegursache (arch é ) von außen kommt, d.h. wenn z.B. „der Handelnde [...] nichts beiträgt, etwa wenn jemanden der Wind irgendwohin trägt [...]“ (ebd. 1110a 38-40). Aristoteles nennt hier zwei Fallbeispiele an denen man erkennen soll ob der Handelnde dies Ungewollt oder Gewollt tut. Der erste Fall beschreibt die Lage eines Handelnden der einen Befehl von einem Tyrannen erhält, etwas Niedriges (aischron) zu tun, während dieser die Familie des Handelnden in der Gewalt hat und ihnen Schlimmes antun würde wenn der Befehl nicht ausgeführt wird (vgl. ebd. 1110a, 4-9). Der zweite Fall beschreibt die Situation eines Sturms auf hoher See, bei dem Güter über Bord geworfen werden müssen um Leben zu retten (vgl. ebd. 1110a, 11-15). Nun stellt sich die Frage ob die Handlungen in diesen beiden Fällen Gewollt oder Ungewollt sind. Einerseits sind sie zwar erzwungen und müssten demnach als ungewollt eingestuft werden, jedoch sind sie als gewollt zu sehen, da der Ursprung solch beschriebener Handlungen im Handelnden selbst liegen d.h. er hätte immer noch die Wahl zu Handeln oder es eben nicht zu tun.

„ Es ist allerdings manchmal schwierig zu beurteilen, was man um welcher Dinge willen w ä hlen und was um welcher Dinge ertragen muss; [ ... ] . Denn meistens ist das, was man erwartet, unangenehm, und das, wozu man gezwungen wird niedrig (aischron), sodass Lob oder Tadel danach verteilt werden, ob man dem Zwang erlegen oder ihm nicht erlegen ist “ (ebd. 1110a, 29- 35).

Dieses Zitat soll verdeutlichen, dass man sich zu einigen Handlungen nicht zwingen lassen sollte, sondern eher, wie Aristoteles es ausdrückt das Schlimmste ertragen und den Tod auf sich nehmen soll. Nun wissen wir welches Handeln als erzwungen und doch gewollt gesehen werden muss. Doch welches Handeln gilt denn nun als erzwungen und ungewollt? Ich denke die Antwort kann nur darin liegen, dass der Betroffene gar nichts zu der Handlung beiträgt und auch nicht ihr Ursprung ist, z.B. ein Mensch der wie o.g. vom Wind irgendwohin geweht wird. In diesem Beispiel wäre er, vom Wind gezwungen und er hätte nicht die Wahl sich bewusst dagegen oder dafür zu entscheiden. Bei äußeren Bedingungen die zu Zwang führen schließt Aristoteles das Angenehme (h é dy) und das Werthafte (kalon) aus, denn dann wären alle Handlungen des Menschen erzwungen. „Denn diesen beiden Dingen zuliebe tun alle Menschen alles, was sie tun“ (ebd. 1110b, 11-13). Denn die Menschen, die aufgrund des Werthaften und Angenehmen handeln, tun dies mit Lust. Auch die Unwissenheit (di ’ agnoian) über eine Handlung spielt eine Rolle. Aristoteles unterscheidet hier in Handlung gegen das Wollen und ohne das Wollen. Also man kann in Unwissenheit gegen sein Wollen handeln und die Folge wäre dann Bedauern oder Unlust. Handelt man allerdings in Unwissenheit ohne sein Wollen, so empfindet man kein Bedauern. Aristoteles nennt hier die verschiedenen Bedingungen unter denen man handelt:

„ wer (tis) handelt, was (ti) er tut, in Bezug auf was (per ti) und in welchem Bereich (en tini) er handelt, manchmal auch womit (tini) er handelt (zum Beispiel: mit welchem Werkzeug), zu welchem Zweck (heneka tinos) (zum Beispiel: um der Rettung willen) und wie (p ó s) er es tut (zum Beispiel: ob sanft oder heftig) “ (ebd. 1111a, 7-12).

Dazu meint er, dass es wohl Niemanden geben kann, der in Unwissenheit aller dieser Bedingungen ist. Außer er ist vielleicht Wahnsinnig. Man könnte in Unwissenheit darin sein was man tut, d.h. „[m]an gibt jemandem einen Schluck zu trinken, um ihn zu retten, tötet ihn aber damit“ (ebd. 1111a, 11f). Somit würde man in Unwissenheit handeln, da man schließlich in Unkenntnis ist, dass das Getränk dem Sterbenden schaden könnte obwohl man meint es würde ihn retten. Außerdem wird ein Handeln in Unwissen einer dieser Bedingungen als Handeln gegen sein Wollen bezeichnet.

Also muss man damit eine Handlung als Gewollt gilt, alle der genannten Bedingungen kennen und der Ursprung der Handlung muss im Handelnden selbst liegen.

2.2 Drittes Buch 4.-6. Das Vorsätzliche

In diesem Abschnitt wird nun, nachdem das gewollte und ungewollte Handeln definiert wurde, der Vorsatz (prohairesis) einer Handlung untersucht. Zunächst wird untersucht was der Vorsatz nicht ist: nämlich Begierde, Erregung, Wunsch und Meinung. Man würde meinen, dass der Vorsatz einer gewollten Handlung gleicht jedoch geht der Vorsatz noch etwas weiter. „Denn am Gewollten haben sowohl Kinder wie die anderen Tiere teil, am Vorsätzlichen aber nicht, und Handlungen die wir aus einer Augenblickslaune tun, nennen wir zwar gewollt, aber nicht vorsätzlich“ (ebd. 1111b, 11-14).

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668110021
ISBN (Buch)
9783668110038
Dateigröße
1021 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311965
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Philosophie
Note
3,0
Schlagworte
Aristoteles Islam willensfreiheit freier wille

Autor

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Titel: Der Begriff Willensfreiheit bei Aristoteles und im Islam