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Ist der kategorische Imperativ eine geeignete Norm zur Einhaltung von Gesetzen? „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" von Immanuel Kant

Seminararbeit 2013 9 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffliche Unterscheidung der Imperative
2.1 Der hypothetische Imperativ
2.2 Der kategorische Imperativ

3. Beispiele zur Pflicht
3.1 Die Pflicht gegen(über) uns selbst
3.2 Die Pflicht gegen(über) anderen Menschen
3.3 Die vollkommene Pflicht
3.4 Die unvollkommene Pflicht

4. Zwischenfazit

5. Ausnahmen in Bezug auf die Pflicht

6. Kategorischer Imperativ a priori?

7. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Arbeit werde ich mich mit der Frage beschäftigen, ob ein kategorischer Imperativ (KI), nach Kant, eine passende Richtlinie zur Befolgung bzw. Einhaltung von Gesetzen ist. Zu aller erst möchte ich die Definition eines Imperativs geben: Imperative sind Gebote der Vernunft, die durch ein Sollen ausgedrückt werden.1 Der genaue Wortlaut des KI lautet: „handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.“2 Hierzu werde ich zunächst die Begriffe des hypothetischen und kategorischen Imperativs unterscheiden, und erklären, um eine klare Abtrennung zu schaffen. Um zu klären ob der KI zur allgemeinen Gesetzgebung geeignet ist muss man ebenfalls den Begriff der Pflicht nach Kant untersuchen, da er einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Begriffen herstellt. D.h. möchte man den KI interpretieren, so kann man den Begriff der Pflicht nicht außer Acht lassen. Kant bringt in diesem Abschnitt (GMS, AA 420,24 - 427,18) einige Beispiele an, in denen gezeigt werden soll, dass der KI etwas ist, von dem man wollen muss, dass er eingehalten wird bzw. dass es zwar Ausnahmen davon geben kann, jedoch handelt man dann gemäß seiner Neigung3. D.h. man handelt nicht als vernünftiges Wesen und somit greift der KI hier nicht, da die Vernunft4 eine Voraussetzung ist, nach diesem zu handeln bzw. sich nach ihm zu richten. Also kann man an dieser Stelle bereits feststellen, dass man ein vernunftbegabtes Wesen sein muss um dem KI zu folgen. Im nachfolgenden Text werde ich die Begriffe und Sachverhalte weiter ausführen und interpretieren um eine hoffentlich befriedigende Antwort zu bekommen.

2. Begriffliche Unterscheidung der Imperative

2.1 Der hypothetische Imperativ

„Wenn ich mir einen hypothetischen Imperativ überhaupt denke, so weiß ich nicht zum voraus, was er enthalten werde: bis mir die Bedingung gegeben ist.“5 Der Umstand, dass man die Bedingung kennen muss, um zu klären was er enthält unterscheidet den hypothetischen Imperativ vom KI. Eine Bedingung wäre z.B., dass man einen Zweck mit seiner Handlung verfolgt und das wäre dann kein KI, da die Handlung keinen moralischen Wert hätte, denn um moralisch wertvoll zu sein, muss die Handlung geschehen ohne einen Zweck befolgen zu wollen. Weiterhin könnte es auch sein, dass einem der Zweck der Handlung oder die Handlung selbst auferlegt wurde, also ist man Fremdbestimmt und kann somit nicht nach dem KI handeln, da dieser Selbstbestimmt sein muss, damit die Handlung moralisch wertvoll ist. Denn wer Fremdbestimmt handelt hat keinen freien Willen und dieser ist Voraussetzung um moralisch zu handeln.

2.2 Der kategorische Imperativ

Der Sinn im KI liegt darin moralisch zu handeln. Wie bereits o.g. muss die Handlung Selbstbestimmt sein um moralisch wertvoll zu sein.

„Und so sind kategorische Imperative möglich, dadurch, daß die Idee der Freiheit mich zu einem Gliede einer intelligiblen Welt macht, wodurch, wenn ich solches allein wäre, alle meine Handlungen der Autonomie des Willens jederzeit gemäß sein w ü rden, da ich mich aber zugleich als Glied der Sinnenwelt anschaue, gemäß sein sollen [...]“6.

D.h. man ist sowohl Teil der Verstandeswelt7, als auch der Sinnenwelt8 und erst dieses Wechselspiel der zwei Welten macht einen zu einem vernünftigen Wesen, welches in der Lage ist moralisch (also nach dem KI) zu handeln.

Wäre man nur Teil der Verstandeswelt, würde man nur gemäß der Autonomie9 handeln und wäre man nur Teil der Sinnenwelt würde man nur gemäß seinen Neigungen und Begierden handeln.

[...]


1 vgl. Kant (1785): Grundlegung der Metaphysik der Sitten (GMS; AA 413,9-15)

2 ebd. 421, 7f

3 vgl. ebd., Glossar: Neigung: Kant stellt sich Menschen, die ihren Neigungen als fremdbestimmt vor; D.h. man folgt nicht der Vernunft, sondern den Naturgesetzen (z.B. Instinkte)

4 vgl. ebd., Glossar: Vernunft: Nicht von Erfahrungen abhängig; Grundlage zum Erkenntnisgewinn

5 ebd. 420,24ff

6 ebd. 454,7ff

7 vgl. ebd., Glossar: Man nimmt die Dinge wahr, wie sie beschaffen sind; Gegenstück zur Sinnenwelt

8 vgl. ebd., Glossar: Subjektive Wahrnehmung; Gegenstück zur Verstandeswelt

9 vgl. ebd., Glossar: moralische Selbstgesetzgebung der praktischen Vernunft

Details

Seiten
9
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668110045
Dateigröße
977 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311957
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Philosophie
Note
2,0
Schlagworte
Kant Ethik Moralphilosophie kategorischer imperativ imperativ metaphysik der sitten gesetzestreue

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