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Die Pluralisierung der Lebensformen: Von der bürgerlichen Kernfamilie zum Verlust der Vormachtstellung der Familie

Seminararbeit 2004 14 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Familie - als Beispiel für eine konventionelle Lebensform im Wandel der Zeit

3. Gründe für die Pluralisierung der Lebensformen
3.1. Bedeutungsverlust der Ehe
3.2. Individualisierung
3.3. Emanzipation
3.4. Wandel von Moral und Religion

4. Folgen
4.1. Geburtenrückgang
4.2. Scheidungsrate

5. Heutige Lebensformen – Nichtkonventionelle Lebensformen
5.1. Alleinlebende / Singles
5.2. Nichteheliche Lebensgemeinschaften
5.3. Kinderlose Ehen
5.4. Alleinerziehende / Einelternfamilien
5.5. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem Begriff Lebensformen werden abstrakt alle Konstellationen des Zusammenlebens bezeichnet. Diese Definition taucht in unserem alltäglichen Sprachgebrauch allerdings eher selten auf. Vielmehr sprechen wir von Ehen, Partnerschaften, Alleinerziehenden und Singles – wobei gerade die letztgenannte Bezeichnung im Alltag sehr unterschiedlich verwendet wird. In der Literatur findet sich häufig die grundlegende Unterscheidung zwischen den konventionellen Lebensformen, zu denen die Familie und die Ehe gehören, und den nichtkonventionellen Lebensformen.

Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit der Familie als Lebensform. Davon ausgehend werden Gründe für die Vervielfachung der Lebensformen beschrieben und ihre Folgen erklärt. Der letzte Teil der Arbeit beschreibt die heutigen Lebensformen, die in der Bundesrepublik Deutschland vorherrschen.

2. Die Familie - als Beispiel für eine konventionelle Lebensform im Wandel der Zeit

Zu den konventionellen Lebensformen zählt in erster Linie die Familie. Startet man den Versuch den Begriff der Familie mit einer einzigen Definition zusammen zu fassen steht man gleich vor mehreren Schwierigkeiten: Zum einen leiten sich die unterschiedlichen Auffassungen von Familien aus den kulturellen Sichten ab. Zum anderen gehen die Meinungen auseinander, welche Mitglieder eine Familie haben muss und welche Voraussetzungen zu erfüllen sind.

Fehlte bei den Römern noch jegliche gefühlsmäßige Bindung der Familienmitglieder, weil damals auch Sklaven und Freie „dazu“ gehörten, so wird heute der Kreis der Familie auf wenige spezielle Personen eingegrenzt. Peuckert (2004: 29) definiert die Familie als eine „sozio-biologische Einheit, die durch die enge Verwandtschaftsbeziehungen – vorwiegend Eltern-Kind-Verhältnis – gekennzeichnet ist.“ Folgende Merkmale schreibt er der „Normalfamilie“ außerdem zu: „verheiratet, mit Kind/Kindern, zwei leibliche Eltern im Haushalt, lebenslange Ehe, Monogamie, Heterosexualität und den Mann als Haupternährer.“ (ders.) Dadurch wird eine Vielzahl der heute zu findenden Familienformen regelrecht ausgeschlossen. Der Mikrozensus, eine allgemeine jährlich im Frühjahr stattfindende amtliche Befragung von ca. 350.000 Haushalten, hat eine andere Definition gewählt. Hier zählen als Familien eng umgrenzte Personengemeinschaften innerhalb eines Privathaushaltes, die durch Ehe oder Abstammung bzw. das Sorgerecht verbunden sind.

Eine Familie übernimmt auch gewisse Aufgaben. Nachfolgend stelle ich die wichtigsten kurz vor.

Reproduktionsfunktion

Vereinfacht ausgedrückt, ist darunter die Funktion der Fortpflanzung zu verstehen. Aber es erwächst auch ein erweiterter Anspruch den gezeugten Kindern gegenüber. Zum einen auf materieller, also beispielsweise Kleidung und Ernährung, zum anderen auf sozialer Ebene, durch Liebe, Zuneigung und Erziehung.

Sozialisationsfunktion

Unter Sozialisation versteht man die Prägung, die ein Mensch durch die Gesellschaft erhält. Die Sozialisation verläuft im Gegensatz zur Erziehung unbewusst ab und endet niemals im Leben. Über die Sozialisation integriert sich ein Mensch in das gesellschaftliche System.

Produktion und Konsumtion

Die Produktionsfunktion der Familie hat sich seit der vorindustriellen Zeit sehr stark verändert. Heutige Familien müssen nicht mehr auf Feld und Hof für ihren Lebensunterhalt sorgen. Der Bereich der Konsumtion hat heute die wesentlich wichtigere Funktion übernommen

Die Familie hat sich allerdings im Laufe der Zeit sehr gewandelt. Schaut man sich die vorindustrielle Familie an, so entdeckt man, dass sie als soziale, rechtliche, politische und auch wirtschaftliche Einheit existierte. Die am weitesten verbreitete Lebensform war das so genannte „ganze Haus“, das in der Regel aus den drei Generationen Großeltern, Eltern und Kinder bestand. Hinzu kamen die Mägde und Knechte bei den Bauern, die Gesellen und Lehrlinge in den Handwerksbetrieben und die Dienstbotenschaft im Adelsstand. Sie stellten zur damaligen Zeit eine Produktionsgemeinschaft dar. Für die Bauern war es beispielsweise gar nicht möglich, die meist großen Höfe allein zu bewirtschaften. Für die Mägde und Knechte brachte das „ganze Haus“ die Einbindung in eine Familie mit sich, da für sie ein Heiratsverbot bestand.

Gewandelt haben sich diese recht starren Strukturen während der Industriellen Revolution. Die industrielle Familie ist geprägt durch die Verstädterung. Die Familien zogen vom Land in die Stadt, um dort in Fabriken zu arbeiten. Als weitere Besonderheit kam hinzu, dass neben dem Mann auch die Frau und eventuell sogar die Kinder für den Lebensunterhalt arbeiten gehen mussten. Dadurch geriet auch das ursprüngliche Bild Familie mehr und mehr in den Hintergrund. Durch die Ausgliederung von Verwandten, die hohe Kindersterblichkeit und die schlechte materielle Lage dieser Zeit schrumpfte auch die Familiengröße.

Mit der weiteren technischen Entwicklung verbesserte sich auch die Lage der Familien wieder. Es entwickelte sich die „moderne Familie“. Durch das hohe Maß an Reichtum und sozialer Absicherung wurde die Familie als solches nicht mehr gebraucht. Außerdem bestand die Möglichkeit, nach reiner Zweckrationalität die bevorzugte Lebensform selbst zu wählen, was durch die Rahmenbedingungen der postindustriellen Gesellschaft erst möglich gemacht wurde. Die „moderne Familie“ ist zwar heute auch noch die vorherrschende Familienform ist, aber nicht mehr die einzige.

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638322713
ISBN (Buch)
9783638760942
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v31195
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Schlagworte
Pluralisierung Lebensformen Kernfamilie Verlust Vormachtstellung Familie

Autor

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Titel: Die Pluralisierung der Lebensformen: Von der bürgerlichen Kernfamilie zum Verlust der Vormachtstellung der Familie