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Entstehung des südafrikanischen Rechtsextremismus

Hausarbeit 2013 15 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung des südafrikanischen Rechtsextremismus
2.1 Burischer Nationalismus
2.1.1 Herkunft und Besiedlung
2.1.2 Abgrenzung von den Briten
2.1.3 Ausgrenzung der Dunkelhäutigen
2.2 Christlicher Fundamentalismus
2.2.1 Kalvinistischer Einfluss
2.2.2 Rolle der niederländisch-reformierten Kirche

3. Zuspitzung des südafrikanischen Rechtsextremismus in der Apartheid
3.1 Verschränkung von Politik und Religion
3.2 Rassistische Gesetzgebung

4. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Südafrika weist bei näherer Betrachtung der Geschichte seiner Bevölkerung diverse Parallelen zu den zwei großen Auswandererländern Nordamerikas auf. Auch dort ließ sich zunächst nur eine relativ kleine weiße Gruppe von Siedlern in der Umgebung küstennaher Handelsposten nieder. Erst während der europäischen Wanderungsbewegung im 19. und 20. Jahrhundert wurden die Länder weiterreichend erschlossen. Es lassen sich aber auch grundlegende Unterschiede bei der nationalen Vielschichtigkeit der eingewanderten Gruppen und deren Einfluss auf die spätere Entwicklung der Gesellschaft feststellen. So entstand in den Vereinigten Staaten von Amerika ein multikultureller Schmelztiegel, wohingegen sich in Südafrika und Kanada die weiße, vorwiegend europäischstämmige Bevölkerung in zwei homogene Gruppen aufspaltete, die sich in Südafrika zusätzlich von den andersfarbigen Einwohnern separierten.[1] Die Entstehung dieser Separation als Spielart des Rechtsextremismus soll im Folgenden näher betrachtet werden. Die zentrale Fragestellung der Hausarbeit ist, aufgrund welcher Gegebenheiten und unter welchen Einflüssen sich der südafrikanische Rechtsextremismus bis hin zur Apartheid entwickelt hat. Wichtigstes Augenmerk liegt hierbei auf der Herausbildung des burischen Nationalismus, weshalb das Volk der Buren als exklusive Gruppe und deren Nationenbildung im Zusammenhang mit der Abgrenzung von der britischen Kolonialmacht und Ausgrenzung der schwarzen Einheimischen im ersten Teil der Arbeit bearbeitet wird. Anschließend soll die enge Verknüpfung mit dem Kalvinismus näher in Augenschein genommen werden, da dieser die Legitimationsgrundlage für die Rassentrennung lieferte. Die Betrachtung der Rolle der niederländisch-reformierten Kirche bildet dann die Überleitung zum dritten Teil des Textes, in dem die Verschränkung von Politik und Kirche und einige Beispiele für rassistische Gesetzgebung einen partikulären Einblick in die Apartheid als rechtsextremistisches Staatssystem liefern sollen. Zu Ende wird ein zusammenfassendes Fazit die bearbeitete Fragestellung abschließend beantworten. Die verwendete Materialiensammlung besteht primär aus Monographien zum Thema Rassismus, Apartheid und Zusammenhang zwischen Religion und Rassenfrage, aber auch aus einigen Zeitungsartikeln und den Unterlagen aus dem vorangegangenen Seminar.

2. Entstehung des südafrikanischen Rechtsextremismus

2.1 Burischer Nationalismus

Das burische Nationalgefühl begründet sich in einer vielschichtigen und komplexen Identität „mit einer tiefen Verbundenheit zu Afrika, aber auch starken Banden zu Europa; mit einer Geschichte als Unterdrückte und Unterdrücker; mit einem starken Freiheitswillen aber auch einem ausgeprägten Hang zur Gruppensolidarität (...)”[2] Die Entstehung dieser Volksgruppe vollzog sich im Laufe der südafrikanischen Geschichte und ist eng damit verknüpft. Ausschlaggebend für die burische Identität waren dabei der europäische Ursprung, die Besiedlung des Kaps und der Umgang mit britischen Kolonialherren und dunkelhäutigen Einheimischen.

2.1.1 Herkunft und Besiedlung

Die heutige Bevölkerungsgruppe der Buren besteht hauptsächlich aus Nachfahren holländischer, deutscher und französischer Auswanderer, die seit 1652 das Kap dauerhaft besiedelten und sich während des 19. Jahrhunderts immer mehr vermischten.[3] Als erste Siedler erreichten die Niederländer das südliche Afrika, um dort einen Stützpunkt der holländischen Ostindien-Kompanie (HOC) zu errichten. Die Südspitze Afrikas sollte der HOC als Handels- und Versorgungslager für ihre Schiffe auf dem Seeweg von Amsterdam nach Indien dienen. Als im 17. Jahrhundert die europäischen Konfessionskriege in Frankreich 1685 in der Aufhebung des Edit de Nantes gipfelten, kamen auch immer mehr Franzosen ans Kap. Das Edit hatte den Calvinisten die gleichen Rechte wie den Katholiken zugesagt, weshalb sein Widerruf zehntausende Glaubensflüchtlinge zum Auswandern zwang. Ungefähr 150 dieser Flüchtigen entschieden sich für ein neues Leben im ohnehin calvinistischen Südafrika.[4] Auch deutsche Emigranten hatten das Kap zum Ziel. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts forderte die einsetzende Industrialisierung einen gesellschaftlichen Umbruch, bei dem nicht alle mitziehen konnten. Bevölkerungswachstum und technischer Fortschritt durch die Erfindung von Dampfmaschine und elektrischem Webstuhl verursachte eine Steigerung der Arbeitslosigkeit[5], vor allem im Agrarsektor und im Kleinhandwerk.[6] Einen Beitrag zu den steigenden Auswanderungszahlen leisteten auch die Agenturen, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts für einen Neubeginn mit eigenem Grundbesitz und staatlicher Zuwendung in Übersee warben und den Bauern und Handwerkern, die gerade ihre Besitztümer verloren hatten damit einen rentablen Ausweg anboten.[7] Zu Beginn herrschte zwischen den verschiedenen eingewanderten Volksgruppen nur ein sehr loser Zusammenhalt, der sich lediglich auf der gemeinsamen europäischen Herkunft[8] und der Abgrenzung von der einheimischen dunkelhäutigen Bevölkerung begründete.[9] Innerhalb ihrer Siedlungen lebten die Immigranten jedoch voneinander abgegrenzt in patriarchalischen Familienverbänden.[10] Die Angst vor den schwarzen Einheimischen führte schon früh zu einer rassistischen Unterwerfung in Form von Sklavenwirtschaft, worauf aber später genauer eingegangen wird.

2.1.2 Abgrenzung von den Briten

Im Jahre 1795 unternahm Großbritannien einen Präventivschlag, um sich den Seeweg nach Indien zu sichern, woraufhin die HOC die Kolonie kampflos übergab. Ohne die Absicht der Briten, dauerhaft zu bleiben, gelangte das Kap bereits 1803 wieder in niederländischen Besitz. Die Batavische Republik, ein mit Hilfe des revolutionären Frankreichs gegründeter niederländischer Staat, übernahm die Macht von den Briten. Dieser unabhängige Staat blieb allerdings nur solange bestehen, bis Unstimmigkeiten mit Frankreich die Briten 1806 zur erneuten Besetzung der Kolonie veranlassten.[11] Somit war die Kap-Provinz seitdem dauerhaft britisch besetzt und ab 1814 sogar britische Kronkolonie.[12] Die neue Regierung behielt das vorgefundene System zwar weitestgehend bei, mit der Abschaffung der Sklaverei 1834[13] griffen sie jedoch so weit in die Lebenswelt der Buren (diese nannten sich selbst inzwischen Afrikaaner, um sich von den britischen Kolonialherren abzugrenzen[14] ; der Begriff Bure galt eher als abwertend[15] ) ein, dass diese beschlossen, aus dem Wirkungskreis der Kolonialmacht herauszutreten. 1838 begingen rund 10.000 Siedler den großen Treck in Richtung Norden und gründeten dort die zwei Burenrepubliken Oranje-Freistaat und Transvaal[16], welche sich 1857 zur Südafrikanischen Republik (ZAR) zusammenschlossen.[17] Der Treck hatte die Siedler zu einer neuen Bevölkerungsgruppe zusammenwachsen lassen, die ihre Zusammengehörigkeit auch durch die mit der Zeit entstandene Sprache Afrikaans, die einzige weiße Sprache der Neuzeit[18], ausdrücken konnte. Trotz dieser Einigkeit wurde die Beständigkeit der ZAR schon seit ihrer Gründung bedroht: Zum Einen wollten die einheimischen Stämme die Einverleibung ihres Landbesitzes nicht ohne Weiteres hinnehmen, zum Anderen expandierten nun auch die Briten in Richtung Norden, um sich ihre Vormachtstellung als einzige Ordnungsmacht im Land zu sichern. Zusätzlich lockten die Gold- und Diamantenfunde seit 1867 immer mehr europäische Siedler ins Land[19], woraufhin die ZAR 1890 ihre Einbürgerungsbestimmungen verschärfte, sodass man nunmehr erst nach 14 Jahren in den Besitz der vollen Bürgerrechte kommen konnte.[20] Zusammen mit den benachteiligten Neuzuwanderern unternahmen die Briten einen Putsch-Versuch, der jedoch fehlschlug und so indirekt den Burenkrieg auslöste.[21] 1899 erklärte die ZAR der zahlenmäßig weit überlegenen britischen Kolonialmacht den Krieg. Drei Jahre lang hielten die Buren trotz Unterlegenheit durch, mussten sich dann letztendlich aber geschlagen geben. Ausschlaggebend für den erzwungenen Frieden war vor allem der Tod von ungefähr 26.000 vor allem weiblichen und minderjährigen Buren, die von den Briten in Konzentrationslager verschleppt wurden und dort an Unterernährung und Krankheit starben.[22] Trotz des Verlustes ihrer Unabhängigkeit blieb Afrikaans als Amtssprache in der ZAR anerkannt[23], bevor sie 1910 mit der Kapkolonie zur Südafrikanischen Union vereint wurde.[24]

[...]


[1] vgl. Steffen Böhnert: Deutsche Siedler und Missionsgesellschaften in Südafrika bis 1910. Standorte, Veränderungen und Bedeutung für die Landesentwicklung, S. 97.

[2] Wolfgang Drechsler: Südafrika - Jenseits von Bibel und Gewehr, abgerufen unter http://www.tagesspiegel.de/politik/suedafrika-jenseits-von-bibel-und-gewehr/1786482.html (Stand: 20.02.2013)

[3] vgl. ebd.

[4] vgl. Sven Felix Kellerhof: Die Buren hatten schon immer Probleme mit Fremden, abgerufen unter http://www.welt.de/kultur/article7070070/Buren-hatten-schon-immer-Probleme-mit-Fremden.html (Stand: 20.02.2013).

[5] vgl. Steffen Böhnert: Deutsche Siedler und Missionsgesellschaften in Südafrika bis 1910. Standorte, S. 11.

[6] vgl. ebd., S. 13.

[7] vgl. ebd., S. 12.

[8] vgl. Wolfgang Drechsler: Südafrika - Jenseits von Bibel und Gewehr.

[9] vgl. Gerhard Beckers: Religiöse Faktoren in der Entwicklung der südafrikanischen Rassenfrage, S. 139.

[10] vgl. ebd., S. 129.

[11] vgl. Christoph Marx: Südafrika. Geschichte und Gegenwart, S. 53.

[12] vgl. Sven Felix Kellerhof: Die Buren hatten schon immer Probleme mit Fremden.

[13] vgl. Christoph Marx: Südafrika, S. 104.

[14] vgl. Sven Felix Kellerhof: Die Buren hatten schon immer Probleme mit Fremden.

[15] vgl. Wolfgang Drechsler: Südafrika - Jenseits von Bibel und Gewehr.

[16] vgl. ebd.

[17] vgl. Sven Felix Kellerhof: Die Buren hatten schon immer Probleme mit Fremden.

[18] vgl. ebd.

[19] vgl. ebd.

[20] vgl. Steffen Böhnert: Deutsche Siedler und Missionsgesellschaften in Südafrika bis 1910, S. 43.

[21] vgl. Sven Felix Kellerhof: Die Buren hatten schon immer Probleme mit Fremden.

[22] vgl. Steffen Böhnert: Deutsche Siedler und Missionsgesellschaften in Südafrika bis 1910, S. 45.

[23] vgl. Sven Felix Kellerhof: Die Buren hatten schon immer Probleme mit Fremden.

[24] vgl. Artikel: Der Burenkrieg, abgerufen am 20.02.2013 unter http://www.deutschlanddokumente.de/aulBurenkrieg.php, (Stand: 27.02.2013).

Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668107779
ISBN (Buch)
9783668107786
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311863
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Schlagworte
Südafrika Rechtsextremismus Buren politisches System außereuropäische Region Fundamentalismus politische Religion

Autor

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