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John Rawls’ vernünftiger Pluralismus. Kritik und eigene Position

Hausarbeit 2014 9 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 John Rawls‘ vernünftiger Pluralismus
2.1 Aus „Politischer Liberalismus“
2.1.1 Die vernünftige Gesellschaft
2.1.2 Die Bürden des Urteilens
2.1.3 Vernünftige umfassende Lehren
2.2 Kritik und eigene Position

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Als Begriff der politischen Theorie bezeichnet der Pluralismus ein zentrales Leitbild moderner Demokratien, in dem die politische Ordnung und deren Legitimität auf der Anerkennung vielfältiger individueller Meinungen, Überzeugungen, Interessen und Zielen beruht. Keine Instanz, weder politisch, religiös, noch eine andere, darf in der Lage sein, anderen ihre Ansichten aufzuzwingen und dadurch die Offenheit pluralistischer Gesellschaften zu gefährden. Das pluralistische Prinzip der Vielfalt gilt daher als Grundlage des politischen und sozialen Zusammenlebens fortschrittlicher Gesellschaften.[1]

Auch Rawls‘ Überlegungen nehmen von folgender Beobachtung ihren Ausgang: „Die politische Kultur einer demokratischen Gesellschaft ist stets durch eine Vielfalt gegensätzlicher und einander ausschließender religiöser, philosophischer und moralischer Lehren gekennzeichnet.“[2] Über diese Beobachtung, dass liberale Gesellschaften historisch betrachtet immer pluralistisch verfasst sind, hinaus, hat er den Eindruck, dass „dieses Faktum zu akzeptieren“, Bürgern „nicht immer leicht“ falle, weswegen „die politische Philosophie […] sich bemühen [müsse], uns mit dieser Gegebenheit zu versöhnen, indem sie zeigt, was daran vernünftig und in politischer Hinsicht womöglich sogar heil- und nutzbringend ist.“[3]

In der vorliegenden Arbeit sollen Rawls‘ Faktum des vernünftigen Pluralismus, seine Bedeutung, Quellen und Konsequenzen näher betrachtet werden, wobei die Fragestellung „Wodurch entsteht vernünftiger Pluralismus und welche Konsequenzen hat er für eine Gesellschaft?“ lautet. Zunächst wird an verschiedenen Textteilen seines Werks „Politischer Liberalismus“ das Konzept einer vernünftigen Gesellschaft dargestellt, danach werde ich die Bürden des Urteilens als Quellen vernünftiger Meinungsverschiedenheiten bearbeiten und zum Abschluss des ersten Teils der Arbeit erläutere ich die vernünftigen umfassenden Lehren als Konsequenzen eines vernünftigen Pluralismus. Im zweiten Teil richte ich dann mein Augenmerk auf die Ansichten zwei anderer Autoren über die möglichen Konsequenzen von Rawls‘ vernünftigem Pluralismus und erschließe mir dazu eine eigene Meinung.

2 John Rawls‘ vernünftiger Pluralismus

2.1 Aus „Politischer Liberalismus“

2.1.1 Die vernünftige Gesellschaft

„Die vernünftige Gesellschaft ist weder eine Gesellschaft von Heiligen noch eine Gesellschaft von Egozentrikern.“[4] So überspitzt John Rawls seine Unterscheidung zwischen dem Vernünftigen und dem Rationalen. Als Rational bezeichnet er Menschen, die ihre Ziele auf intelligente Weise verfolgen.[5] „Das Rationale (…) bezieht sich auf einzelne (…) Individuen oder Körperschaften, die in der Lage sind, zu urteilen und zu überlegen, welche ihre ureigensten Zwecke und Interessen sind.“[6] Im Unterschied dazu bezeichnet er Menschen als vernünftig, „wenn sie (…) bereit sind, Grundsätze und Standards als faire Kooperationsbedingungen vorzuschlagen und ihnen freiwillig zu folgen, wenn sie sicher sein dürfen, dass andere ebenso handeln werden.“[7] Sie entscheiden sich dafür, ihre Handlungen von einem Prinzip leiten zu lassen, auf dessen Grundlage sie und andere gemeinsam argumentieren können. Außerdem berücksichtigen vernünftige Menschen die Konsequenzen ihres Handelns für das Wohlergehen anderer.[8] Das Vernünftige ist eng verknüpft mit der Idee der Reziprozität. Das heißt einerseits, dass eine soziale Welt um ihrer selbst willen erstrebt wird, altruistisch und auf das Allgemeinwohl zielend, andererseits geht es auch um die Verbesserung der sozialen Lage eines jeden im Verhältnis zu dessen gegenwärtiger oder zu erwartender zukünftiger Situation.[9] Für Rawls sind das Rationale und das Vernünftige zwei sich ergänzende Ideen, die nicht allein stehen können. Nur zusammen wird faire Kooperation für ihn vorstellbar,[10] nur so bildet sich eine vernünftige Gesellschaft: „In einer vernünftigen Gesellschaft (…) haben alle ihre rationalen Ziele, die sie zu erreichen hoffen, und sind alle bereit, faire Bedingungen vorzuschlagen, die vernünftigerweise erwarten lassen, dass andere sie akzeptieren, so dass alle einen Vorteil haben und jeder sich im Verhältnis zu dem, was er alleine zustande brächte, verbessert.“[11]

[...]


[1] Schubert/Klein, 2011.

[2] Rawls, 1998, 67.

[3] Rawls, 2003, 22f.

[4] Rawls, 1998, 127.

[5] Vgl. ebd., 121.

[6] Ebd., 123.

[7] Ebd., 121.

[8] Vgl. ebd., 121.

[9] Vgl. ebd., 122.

[10] Vgl. ebd., 125.

[11] Vgl. ebd., 127.

Details

Seiten
9
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668107755
ISBN (Buch)
9783668107762
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311862
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,3
Schlagworte
Rawls Pluralismus Theorie Katholizismus Bürden des Urteilens Politische Theorie

Autor

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