Lade Inhalt...

Die Pionierleistungen der Musikerin Maria Theresia Paradis (1759-1824). Blindheit als Chance?

Masterarbeit 2015 86 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Blindsein als Künstlerin: Belastung oder Chance?

Quellenlage und Literatur

I. Maria Theresia Paradis
Herkunft und Eltern
Erblindung

II. Gescheiterte Versuche einer Heilung
Franz Anton Mesmer
Mesmers neuartige Heilungsmethoden
Mesmers post-Wien-Ära
Blindheit als Chance?

III. Leben als Blinde
Bildung und Ausbildung
Eine Europatournee
Eine Blinde komponiert
Musikschulgründung

Resümee: Maria Theresia Paradis als Pionierin

Anhang

Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Internet und Medien

Kurzfassung

Die Pianistin, Komponistin und Pädagogin Maria Theresia Paradis erblindete in frühester Kindheit. Durch ihre teilweise erfolgreiche und der Gesellschaft der damaligen Zeit suspekte Behandlung durch den Arzt Franz Anton Mesmer erreichte sie großes Aufsehen und wurde so nicht nur durch ihre musikalischen Aktivitäten, u.a. als reisende Pianistin, europaweit bekannt. Welche Errungenschaften machen diese Musikerin aber zu einer Pionierin ihrer Zeit und was hat ihre Blindheit damit zu tun? Hat sie diese zu ihrem Vorteil wenden können und darf man die Frage wagen, ob sie als Sehende genauso viel Erfolg gehabt hätte? Es lässt sich jedenfalls ohne Zweifel feststellen, dass die Leistungen dieser Künstlerin nicht auf die Quantität oder Qualität ihres kompositorischen Schaffens beschränkt werden dürfen, da ihr Handlungsspektrum weit größer war und so im Sinne des kulturellen Handelns zu diskutieren ist. Außerordentliche Maßstäbe konnte sie als Pionierin vor allem in der Bildung blinder Menschen und allgemein einflussnehmend im kulturellen Geschehen der Gesellschaft setzen.

Abstract

Maria Theresia Paradis, pianist, composer and pedagogue, lost her sight very early in childhood. Through a partially successful, though for the times, suspect treatment by the physician Franz Anton Mesmer, she caused a great sensation and became known all over Europe, not only for her musical activities and as a touring pianist. But what achievements make this musician a pioneer of her times and what does her blindness have to do with it? Was she able to turn the blindness round to her advantage? And dare we even pose the question whether or not she would have had just as much success if she had been able to see? In any case it can be established without a doubt that the achievements of this artist should not be limited to the quality or quantity of her compositional creations since her scope of activity was much greater and ought to be discussed in the sense of cultural behaviour. As a pioneer she was able to set extraordinary standards, above all in the education of the blind and she was generally influential in the cultural events of the society of her times.

Vorwort

Maria Theresia Paradis ist mir noch nicht lange bekannt, erst eine Radiosendung machte mich kürzlich auf die Künstlerin aufmerksam. Eine eher unbekannte Komponistin als Themenschwerpunkt für meine wissenschaftliche Masterarbeit zu wählen – als Komponistin wird sie meistens präsentiert – erschien mir äußerst spannend. Die Tatsache, dass sie blind war und zugleich vor etwa zweihundertfünfzig gelebt hat, war außerdem ein großer Anreiz, über diese Frau gründlicher nachzuforschen. Wie sich im Verlauf des Schreibens herausstellte, war Maria Theresia Paradis weniger Komponistin, sondern viel mehr Virtuosin und vor allem aber Lehrerin. Sie war mitverantwortlich für die Entwicklung der musikalischen und allgemeinen Bildung blinder Menschen, aber auch für das kulturelle Geschehen in der ganzen Gesellschaft; sie als Pionierin zu bezeichnen, wird ihrem Wirken allemal gerecht. Als Blinde Blinde zu unterrichten mag zwar naheliegend sein, gleichzeitig aber auch eine große Herausforderung, wenn man näher darüber nachdenkt. Umso mehr stellt sich die Frage, ob körperliche Einschränkungen und Musizieren bzw. künstlerische Tätigkeiten allgemein, einen unüberbrückbaren Gegensatz darstellen oder eben auch eine Chance? Die Aspekte der Blindheit und alle Fragen in diesem Zusammenhang sollen deshalb in der vorliegenden Arbeit in den Vordergrund gerückt werden.

Blindsein als Künstlerin: Belastung oder Chance?

Maria Theresia Paradis, eine von der heutigen Musikwissenschaft als Zeitgenossin Mozarts durchaus wahrgenommene und oft erwähnte Komponistin, war von früher Kindheit an blind. Blindheit war zur damaligen Zeit sicherlich ein noch schwereres Schicksal als heute, wo mit diversen Hilfsmitteln und gesetzlich verordneten Unterstützungsmaßnahmen den blinden Menschen die Integration in die „Normalgesellschaft“ erleichtert wird. Maria Theresia Paradis war zu ihrer Zeit eine berühmte und erfolgreiche Künstlerin. Dies erlaubt die Frage, ob ihre Blindheit sie nicht nur behindert, sondern ihr vielleicht sogar genützt hat. Eine gewagte These? Was sind Maria Theresia Paradis‘ Leistungen, was waren ihre Errungenschaften, wofür bleibt sie uns in Erinnerung? Warum sind ihre Kompositionen heute wenig bekannt und erklingen kaum im Konzertsaal? War sie die einzige blinde Künstlerin ihrer Zeit? War sie eine Ausnahmeerscheinung? Vor allem: Welche Leistungen im Sinne des kulturellen Handelns von Frauen im Kulturleben von Wien sind Maria Theresia Paradis zuzuschreiben? Ich will versuchen, einige dieser Fragen in dieser Arbeit zu beantworten.

Quellenlage und Literatur

Maria Theresia Paradis mag heute nicht im unmittelbaren Blickpunkt der musikinteressierten Öffentlichkeit stehen, doch vergessen war sie nie. Die erste Biografie erschien bereits 1876 von Ludwig August Frankl und ist vollständig erhalten. Für einen sehr gut dokumentierten Lebensabschnitt sorgt das Krankenprotokoll des sie behandelnden Arztes Franz Anton Mesmer (1734-1815), eine Primärquelle, die ebenso vollständig erhalten ist. Der Wiener Musikforscher Hermann Josef Ullrich hinterlässt uns aus den 1960er Jahren etliche wertvolle Artikel verstreut in diversen Zeitschriften, mit denen er einst vorhatte, eine Monographie über die Künstlerin zu verfassen, zu der es aber nie kam. In einem Sonderdruck der Mozart Gemeinde Wien erzählt er, dass„…bisher elf Kapitel in der ÖMZ, in Musikerziehung, in Music & Letters (London), im Jahrbuch des Bonner Heimat- und Geschichtsvereines Bd. 15, im Jahrbuch des Vereines für Geschichte der Stadt Wien Bd. 1962 und in den Beiträgen zur Musikwissenschaft (Heft 2/1963) erschienen sind“[1]. Auch wenn unvollständig, leistete Ullrich Pionierarbeit, räumte mit vielen Gerüchten und Unklarheiten auf und lieferte wissenschaftlich fundierte Beiträge, die für die heutige Paradis-Forschung von hoher Relevanz sind.[2]

Die ersten wirklich allumfassenden Arbeiten über Maria Theresia Paradis erschienen dann circa zeitgleich zu Beginn der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts, einerseits von Ernst Ramsauer im Zuge seiner Diplomarbeit an der Musikuniversität in Wien im Jahre 1991,[3]und andererseits von Hidemi Matsushita als Dissertation im Jahr 1989 an der Brigham Young University in Utah, USA.[4]Matsushita ist zum Verfassungszeitpunkt meiner Arbeit als Musik-Professor am Arapahoe Community College in Colorado angestellt.[5]Ramsauers Arbeit findet sich in Österreich in der Nationalbibliothek, in der Universitätsbibliothek Wien und in der Bibliothek der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Seine Arbeit hebt sich insbesondere dadurch hervor, dass er es geschafft hat, mehrere bisher unbekannte Quellen auszuforschen.[6]Matsushitas Arbeit liegt in Österreich zum Verfassungszeitpunkt meiner Arbeit in vier Exemplaren vor, in Buch-Form in der Präsenzbibliothek Bibliotheca Mozartiana Salzburg[7], jeweils in Form eines Mikrofiches in der Fachbibliothek für Musikwissenschaften der Universitätsbibliothek Wien und in der Österreichischen Nationalbibliothek, und in elektronischer Form seit dem Verfassen meiner Arbeit nun auch an der Kunstuniversität Graz. Weiters findet sich eine Kopie in Buchform in der Bibliothek des Arapahoe Community College[8], am Brigham Young University Dept. of Music, und ist zu diversen Preisen in jeglicher Form (PDF, gebunden, ungebunden, Mikrofilm/Microfiche) beim Verlag University Microfilms International[9]bestellbar. Hidemi Matsushita hat weiters noch andere Arbeiten über Paradis verfasst, beispielsweise eine kritische Ausgabe der „Zwölf Lieder auf ihre Reise in Musik gesetzt“[10], oder der „Overture toDer Schulkandidat[11], beide erschienen im ClarNan Editions-Verlag. Außerdem hat er im Sammelband des Symposiums zum Wiener Mozartjahr 2006, herausgegeben von Elena Ostleitner, den Beitrag zu Maria Theresia Paradis verfasst.[12]Matsushitas Dissertation befasst sich sehr ausführlich mit den Werken von Maria Theresia Paradis und setzt sich mit ihnen teilweise recht kritisch auseinander, wobei hingegen seine biografische Darstellung recht rudimentär gehalten ist. Matsushita beruft sich wegen mangelnder Deutschkenntnisse hauptsächlich auf englischsprachige Quellen. So behauptet er beispielsweise, kein Heiratsdatum der Eltern von Paradis gefunden zu haben, wobei zum Verfassungszeitpunkt seiner Arbeit die recht offensichtliche Information von Hermann Ullrich schon vorlag.[13]Auch berichtet er, von der amerikanischen Journalistin und Mesmer-Biografin Margaret Goldsmith gelesen zu haben, dass Paradis gut Schach spielen hätte können, wobei sie sich die Züge des Gegners merkte. Von dieser Fähigkeit, deren Beherrschung beachtenswert gewesen wäre, kann man in den von mir eingesehenen Quellen jedoch nicht lesen.[14]

2005 veröffentlichte der Böhlau Verlag eine äußerst umfangreiche Biografie der Maria Theresia Paradis von Marion Fürst.[15]Das Buch ist ein Band in der ReiheEuropäische Komponistinnen, herausgegeben von Annette Kreutziger-Herr und Melanie Unseld. Marion Fürst legt in ihrem Buch den Schwerpunkt besonders auf Paradis’ Europatournee, widmet sich aber außerdem auf über 100 Seiten den Quellen und gibt uns eine sehr umfangreiche Literaturliste. Das Werk liefert eine gute Grundlage für die Paradis-Forschung und darf als sehr seriös angesehen werden, auch wenn der Wiener Musikwissenschaftler Dr. Michael Lorenz heftige Kritik an ihrem Quellenstudium übt.[16]Weitere neuere Literatur liegt in elektronischer Form auf den Webseiten von Musik und Gender im Internet (MUGI)[17](2007) und des Sophie Drinker Instituts[18](2012) vor, hinzu kommen weitere Lexikonartikel.[19]

Durch die heutige Verfügbarkeit der originalen Quellen im Internet war es mir möglich diese neu zu lesen und in meiner Masterarbeit dem Aspekt der Blindheit größere Aufmerksamkeit zu widmen, mit dem Ziel, im Fall von Paradis die zwei Seiten ihres Blindseins einerseits, aber auch ihrer Leistungen im Musikleben Wiens, die z. T. gerade wegen ihrer Blindheit möglich waren, darzustellen. Gleichzeitig wird der Aspekt der körperlichen Einschränkung von Musikschaffenden verstärkt in den Vordergrund gerückt und damit ein Thema angesprochen, das auch heute aktuell ist.

I. Maria Theresia Paradis

Herkunft und Eltern

Maria Theresia Paradis wurde am 15. Mai 1759 in Wien als Tochter von Joseph Anton Paradis und Maria Rosalia[20]Paradis, geb. Levassori della Motta, geboren.[21]Die meisten Quellen sind sich über den 15. Mai als Geburtstermin einig, jedoch ist der 15. Mai, so wie Ernst Ramsauer herausgefunden hat, der Tag ihrer Taufe im Stephansdom in Wien und eventuell nicht der ihrer Geburt. Möglicherweise war ihre Geburt wie damals üblich bereits 2-3 Tage davor?[22]In den Tagebüchern von Matthias Perth, der Maria Theresia Paradis zu Lebzeiten gekannt hat, findet sich ein anderes Datum als Geburtstermin, nämlich der 23. Februar.[23]Der Abstand zur Taufe wäre bei diesem Datum für jene Zeit aber ungewöhnlich groß. Außerdem kommt Marion Fürst zu dem Schluss, dass es wohl doch der 15. Mai gewesen sein muss, nachdem sie uns den Text einer aus dem Stammbuch von Paradis erhaltenen Komposition vorlegt, in dem es heißt:„[…] Dem Geburtstagsfeste des Fräuleins Theresa von Paradis geweihet, | von ihren musikalischen Freunden. Am 15 t: May 1793“.[24]So hat man also im Jahre 1793 ihren 34. Geburtstag am 15. Mai mit einem Geburtstagsständchen gebührend gefeiert.

Einige ältere Quellen, wie Ernst Ludwig Gerber, der die Kaiserin Maria Theresia als„Taufpathin“[25]nennt[26], oder auch Constantin von Wurzbach, der schreibt, Maria Theresia Paradis wurde„[…] von der Kaiserin Maria Theresia aus der Taufe gehoben […]“[27], meinen, dass die Kaiserin sowohl Taufpatin, als auch für die Namensgebung verantwortlich war. Selbst Marlene Jantsch schreibt 1955,„[…] die Kaiserin Maria Theresia übernahm die Patenschaft des […] Kindes.“[28]. Man nimmt jedoch nach heutigem Forschungsstand an,[29]dass die Kaiserin nicht die Taufpatin war, denn das Taufprotokoll von St. Stefan listet eine gewisse Handelsfrau namens „Maria Theresia Meyer“ als Taufpatin.[30]Eventuell möglich ist, dass Paradis‘ Eltern die kaiserliche Taufpatin vorsätzlich ins Spiel gebracht haben, nachdem die Tochter mit der Zeit immer bekannter geworden war.[31]Auch nimmt man an, dass die Familie Paradis nicht von Adel war (obwohl die Kaiserin als Taufpatin hier passen würde), das „von Paradis“ also falsch ist, nicht zuletzt, da Marlene Jantsch die Verlassenschaftsakten beim Magistrat fand, und nicht wie damals üblich im Adelsarchiv.[32]Außerdem kommt der Name von Maria Theresias Vater weder in Adelslexika, Adelsverzeichnissen, oder adeligen und bürgerlichen Wappenbüchern vor, und zudem hätte es dieser„nicht verfehlt, sich [auch nur des geringfügigsten Adelsprädikats] zu bedienen“[33]hätte er es besessen, so wie Ullrich meint. Selbst Ludwig August Frankl forschte für seine Biografie aus dem Jahr 1876 im K&K österreichischen Adelsarchiv bereits nach, woher die Familie mit dem Namen „von Paradis“ stammt, kommt aber zu keinem sicheren Ergebnis.[34]

Gewohnt hat die Familie Paradis im Jahre 1759 wohl in der Kärntnerstraße, im „Bockischen Haus“, so wie es der K&K Staats- und Standeskalender von 1760 listet. Der K&K Staats- und Standeskalender aus dem Jahre 1759 ist jedoch nicht mehr vorhanden.[35]

Maria Theresias Vater, Joseph Anton Paradis, der am 24.10.1733 in der Schottenpfarre zu Wien getauft wurde, war Sohn des Claudius Paradis und dessen Frau Maria Anna Catharina und wird im Taufprotokoll eigentlich unter dem Namen „Joseph Johann Nepomuk Franz“ angeführt. Ullrich findet an dieser Tatsache aber nichts Ungewöhnliches, und führt es auf den Usus der Zeit zurück. Zusätzlich waren im Taufprotokoll namentlich sowohl Vater als Mutter angeführt, also lässt sich jeglicher Zweifel aus der Welt räumen.[36]

Joseph Anton studierte Philosophie[37]und Jus (Fürst, Ramsauer und Frankl, sowie die meisten anderen Quellen wissen nichts von Philosophie, lediglich Jantsch führt dieses Studium an) und war danach bis 1754 drei Jahre lang als Praktikant beim Staats- und Landesgericht in Wien beschäftigt, ohne sein Studium je abgeschlossen zu haben. 1754-1755 zog er aus finanziellen Gründen nach Temeschwar (Timișoara, heute Rumänien) – klimatische und dadurch gesundheitliche Gründe mögen eher das Gegenteil empfohlen haben, wie uns Fürst sogar aus einem amtsärztlichen Zeugnis belegt – und war dort Staats- und Landgerichtsbeisitzer. Am 9. November 1755 heiratete er dann in der Stephanskirche in Wien Maria Rosalia Levassori della Motta, bis 1759 war das Ehepaar aufgrund der guten Verdienstmöglichkeiten jedoch noch weiterhin in Temeschwar, wo er als Banater Landgerichtsassessor arbeitete. Aus gesundheitlichen Überlegungen zogen die beiden dann aber wieder nach Wien zurück.[38]Joseph Anton war Konzipist beim „…Directorium in publicis et cameralibus…“, bis die Institution aufgelöst wurde und er in die böhmisch-österreichische Hofkanzlei wechselte, bei der er bis 1765 blieb. Er wurde zum „Hofsekretär zur Kommerzhofstelle“ ernannt und hatte dort ein recht ansehnliches Einkommen.[39]Als das Aus der Kommerzhofstelle folgte, trat er in die böhmisch-österreichische Hofkanzlei, und wurde dort von Joseph II. zum „Regierungsrat des gelehrten Standes“ erhoben. Bis 1795 war er im Amt, danach folgte die Pensionierung. Paradis‘ Vater war also ein recht fleißiger und engagierter Beamter, sein„Arbeitseifer [wurde] immer wieder in den Personalakten hervorgehoben“[40]. Ullrich weist darauf hin, dass er über die Fürsorge für seine Frau und die blinde Tochter hinaus schon fast von Geldgier besessen war und„eine an Starrsinn und Hartnäckigkeit grenzende Beharrlichkeit“[41]hatte, Charakterzüge, die sich im Umgang mit dem Arzt Mesmer widerspiegeln, sowie in weiterer Folge auch in seinem Einsatz und Bemühen um die beste Ausbildung seiner Tochter. Ob er selbst ein Instrument gespielt hat, ist ungewiss, jedenfalls gab er ab den 1790er Jahren gemeinsam mit seiner Tochter Hauskonzerte, so wie es zu jener Zeit durchaus üblich war.

Über Maria Theresias Mutter, Maria Rosalia Paradis, geboren 1739 als Maria Rosalia Levassori della Motta, ist uns eher wenig bekannt; als einzige Quelle liefert uns Hermann Ullrich in einem weiteren von ihm erschienenen, relativ gut recherchierten Artikel[42]neben ihrer Herkunft ein paar wenig stichhaltige Details über ihre Person. Maria Rosalia war die Tochter des am Hofe des Kaisers tätigen Tanzmeisters Thomas Cajetan Levassori della Motta (gestorben am 7.2.1757 in Prag) und Maria Anna Phil(l)ebois (1716-1782). Thomas Cajetan wurde im Hof- und Ehrenkalender als „Hoftänzer und Tanzlehrer der Edelknaben“ angeführt und hatte zumindest noch zwei Söhne, Christoph und Joseph, die beide Offiziere waren. Rosalias Vorfahren mütterlicherseits waren ebenso im Tanzbereich tätig und am Hofe angestellt. Der vermutliche Bruder von Maria Anna, Franz Anton (1712-1753), also Rosalias Onkel, schuf„Choreografien mythologischen Inhalts“[43], sowie Ballette, seine Frau Maria Theresia war noch bis 1756 nachweislich als Tänzerin am Burgtheater beschäftigt. Ullrich führt auch noch Details zu deren Kindern auf, auf die ich hier aber nicht weiter eingehen werde. Franz Antons Vater, Alexander Philipp Preuß (1675-1744) war jedenfalls auch schon Hoftanzmeister. Auch wenn Maria Rosalia keinerlei musikalische Bildung oder Ausbildung genossen hat, kann man aber annehmen, dass sie sehr wohl im Umfeld künstlerischen Milieus und mit Bezug zu Musik und Rhythmus aufgewachsen sein dürfte und mit der künstlerischen Förderung ihrer Tochter sehr wohl eine große Liebe zur Musik besessen haben musste. Ihre Bildung entsprach dem für bürgerliche Mädchen angestrebten Niveau. Auch wenn zu jener Zeit noch keine genauen Rechtschreibnormen vergleichbar den unseren herrschten, nennt Ullrich, der aus der Perspektive des 20. Jahrhundert urteilt, ihre Rechtschreibung aufgrund eines Briefes an Basler Freunde„sehr kraus, ihre Ausdrucksweise primitiv“[44]. Die Erwähnung eines eher labilen, hysterischen,„durch ihren Gatten leicht beeinflussbaren Gemütszustands“ihrerseits, sowie die Nennung eines„gewalttätigen Benehmens gegen den […] Arzt [Mesmer]“widerspricht meiner Meinung der Aussage, dass sie auf Fremde laut Stammbuch der Tochter einen„günstigen Eindruck“[45]gemacht hat, wie auch ihre als sehr positiv überlieferte Fähigkeit, die Tochter bei ihrer mehrjährigen Konzertreise fürsorglich zu unterstützen. Aussagen über ihre Persönlichkeit dürfen also nur mit Vorsicht beurteilt werden.

Rosalia starb am 25. Mai 1794 im Alter von 55 Jahren im Kurort Baden„am Lungenbrand“[46], Frankl nennt als Sterbeort das„Hause der Stadt Baden [bei Wien] Nr. 73“.[47]

Zu den Wohnadressen der Familie Paradis gibt es relativ genaue Angaben, da der „k. k. Staats- und Standeskalender; Hof- und Staatsschematismus“ Jahr für Jahr die Wohnadressen des Vaters auflistet. Ramsauer ist den Adressen in seiner Arbeit ziemlich genau nachgegangen. Er gibt uns relativ viele Adressen an, was auf einen häufigen Wohnungswechsel schließen lässt: So war Josef Anton Paradis‘ Wohnadresse unter anderem in der Kärntnerstraße, auf der Landstraße, in der Rotenturmstraße, am Franziskanerplatz, am Kohlmarkt, in der Pressgasse und in der Weihburggasse. Am längsten soll die Familie eine Wohnung in der Landstraße gehabt haben, zu der Ramsauer auch eine detaillierte Darstellung der Räumlichkeiten anführt: Es gab ein blaues Zimmer, ein Schlafzimmer, ein mittleres Zimmer, ein weiteres Schlafzimmer, ein Vorzimmer, ein Bedientenzimmer und ein Dienstmädchenzimmer; genug Raum also, um musikalische Veranstaltungen durchzuführen, wie Ramsauer meint.[48]

Wenn es stimmt, was Michael Lorenz in seiner Rezension des Buches von Marion Fürst schreibt, dann war Maria Theresia Paradis keinesfalls ein Einzelkind, so wie Fürst (fälschlicherweise) behauptet,[49]sondern hatte eine ältere Schwester namens Maria Theresia Clotildis, die kein ganzes Jahr alt wurde (3.6.1758-17.3.1759), Zwillingsschwestern namens Josepha und Elisabeth und„zahlreiche[n] weitere[n] Geschwister beiderlei Geschlechts“[50].

Erblindung

Es ist erwiesen, dass die sehend geborene Maria Theresia Paradis noch im Kleinkindalter, vermutlich im vierten Lebensjahr, erblindete. Die vorliegenden Quellen differieren stark in Bezug auf das Datum ihrer Erblindung, sie nennen einen Zeitraum vom zweiten bis zum fünften Lebensjahr.[51]Auch Ullrich beschreibt einige Quellen, die diesen Zeitraum belegen,[52]führt für das zweite Lebensjahr allerdings lediglich die Ausgabe Nr. 34 derAllgemeinen musikalischen Zeitungvon 1817 an, die meinen Recherchen nach aber eine andere Information liefert:

Sie kam mit unverletzten Sehorganen auf die Welt, und hatte grosse, helle, braune Augen. Erst mit dritthalb Jahren bemerkte die Mutter einige Spuren an dem Kinde, und seither war sie trotz aller Verwendung der Ärzte wirklich vollends blind.[53]

DieAllgemeine musikalische ZeitungNr. 32 aus dem Jahr 1813 berichtet hingegen, dass Paradis„schon im zweiten Jahre ihres Alters das Augenlicht“[54]verlor, womöglich hat Ullrich die beiden Ausgaben hier einfach vertauscht. Eine weitere Quelle, die Ullrich angibt, nennt das dritte Jahr als Zeitpunkt ihrer Erblindung: Ein zu ihren Lebzeiten im LondonerGentlemen’s Magazineerschienener Artikel von Charles Burney[55]berichtet:„At the age of two years and eight months she was suddenly deprived of sight by paralytic stroke, or palsy in the optic nerves.”[56]. Diese Information verwirft der Autor allerdings recht bald mit der Begründung, dass diese nur direkt von den Eltern stammen könne, von denen er offenbar schon Fehlinformationen zur Patenschaft des Kindes bekommen hat.[57]

Des weiteren nennt Gerber die Erblindung„in dem Alter von 4 Jahren und 8 Monaten“[58], die Deutsche Bibliografie[59], sowohl Ernst Florey[60]und Stefan Zweig[61], als auch der Zeitgenosse Ignaz de Luca[62], nennen das vierte Lebensjahr als Datum. Wurzbach meint, sie erblindet„im Alter von kaum drei Jahren“[63]und Frankl schreibt, dass sie„schon vor Ende ihres dritten Lebensjahres“[64]erblindet. Marlene Jantsch und Carl Wilhelm Otto August von Schindel meinen beide, es sei im Alter von„2 Jahren und 11 Monaten“[65]gewesen. Alles in allem gibt es hierzu also recht vielfältige und verwirrende Angaben.

Fürst nimmt die Vielzahl an verschiedenen, unbelegten Datumsangaben nicht auf, sondern zitiert die Krankengeschichte des Vaters, die durch ihren berühmtesten Arzt Johann Anton Mesmer überliefert ist. Hier gibt es ein genaues Datum: Die kleine Maria Theresia erwacht vom 8. auf den 9. Dezember 1762 blind.[66]Im Wortlaut heißt es hier:

Marie Therese Paradis, einige Tochter des Kays. Königl. Secretars, Herrn Paradis, wurde den 15 May 1759. in Wien, mit vollkommenen gesunden Augen, gebohren. Den 9ten Decemb. 1762. entdeckte man, bey ihrem Aufstehen, daß sie nicht mehr sahe.[67]

Ullrich erwähnt dieBerliner Privilegierte ZeitungNr. 55 vom 6. Mai 1777, die das Datum der Erblindung vom 9. zum 10.12.1762 angibt,[68]ebenso zitiert Helmut Siefert mit einer originalen Mitteilung des Vaters (ebenso aus derVossischen Zeitung,allerdings vom 9. März 1777) ein genaues Datum:

Sie kam mit vollkommen gesunden und wohlgestalteten Augen auf die Welt. Sie genoß aber des Glückes ihres Augenlichts nicht länger als bis in ihr viertes Jahr. Am 9. Dezember 1762 ward sie noch hellsehend zu Bette gebracht, und des Morgens beym Erwachen fand sie sich stockblind.[69]

Ullrichs Quelle konnte ich nicht verifizieren. Man muss aber feststellen, dass diese Berichte des Vaters wohl die zuverlässigsten Quellen darstellen und auch von der meisten Sekundärliteratur übernommen wurden[70], nämlich dass sie drei Jahre und fast sieben Monate alt war, als sie im vierten Lebensjahr blind erwachte. Somit wären die Aussagen von Gerber, Wurzbach, Frankl, Jantsch und Schindel, sowie auch Charles Burney zu widerlegen. Wer nun mit dem sich um einen Tag unterscheidenden Datum richtig liegt, lässt sich nicht feststellen.

II. Gescheiterte Versuche einer Heilung

Maria Theresia, die sehend geboren wurde, ist zweifelsfrei in frühester Kindheit erblindet. Warum ist es aber dazu gekommen? Und wie? War es tatsächlich von einem Tag auf den anderen, so wie der Vater berichtet? Haben die Ärzte ihr helfen können? Trotz der Überlieferung einiger Berichte muss gesagt werden, dass eine eindeutige Ursache weitgehend ungeklärt bleibt und die medizinische Diagnose einer Patientin, deren Geburtsjahr mehr als 250 Jahre zurückliegt – eine Zeit, die mit dem Stand heutiger medizinischer Forschung nicht verglichen werden kann – nur erahnt werden kann. Vor allem aber die Tatsache, dass die überlieferten Berichte weitgehend divergieren, verschiedenste Ursachen nennen und dadurch den Anschein geben, dass in damaliger Zeit schon ein Rätselraten betrieben wurde, schwächt die Hoffnung, eine zuverlässige Diagnose stellen zu können.

Gerber sowie Wurzbach nennen in ihren Lexika einen„gichtartigen Schlagfluß des Gesichts“[71], zweiterer zudem auch einen„plötzlichen Schrecke[n]“[72]als Ursache für Maria Theresias Erblindung. Frankl vereint beides und schreibt in seiner Biografie, dass sie„in Folge eines plötzlichen Schreckens das traurige Geschick zu erleben“hatte, vom„unheilbaren schwarzen Staar befallen“[73]zu sein, eine im heutigen medizinischen Gebrauch nur mehr selten zu findende Bezeichnung, die dem des„gichtartigen Schlagflußes“laut Ullrich gleichzusetzen ist.[74]Auch zitiert Frankl die Zeitgenossin Caroline Pichler (geb. Greiner), von der in ihren Memoiren überliefert ist, dass sie den Grund der Erblindung in einer„zweckwidrigen Behandlung eines Hautübels“[75]sah.Der Sammler, ein Wiener Unterhaltungsblatt von 1810, schreibt, dass die Ursache eine auf ihren Kopf gestrichene„Mercurial-Salbe“[76]war, was Pichlers Aussage eventuell ergänzen könnte. Johann Wilhelm Klein, ein Pionier in der Bildung Blinder und Begründer des ersten Blindeninstituts im deutschsprachigen Raum, schreibt in seiner„Anleitung, blinden Kindern […] die nöthige Bildung […] zu verschaffen. […]“von 1844, Maria Theresia„verlor […] das Gesicht durch einen Nervenschlag so plötzlich und unvermerkt, daß die Ältern selbst eine Zeitlang darüber in Zweifel waren.“[77].

Im Jahr 1813 schreibt dieWiener Allgemeine musikalische Zeitungin einer„biografische[n] Skizze“[78]des„Fräulein[s] Marie Therese Paradis“[79]Folgendes:

[Paradis erblindete] ohne daß ihre Aeltern die Ursache dieses Unglücks, welches sie ganz ohne vorhergegangener Krankheit traf, auch nur errathen konnten; es läßt sich nicht einmal der Tag genau bestimmen, welche es über sie brachte; denn nach und nach bemerkte man erst dadurch, daß sie sich überall anstieß, wenn sie ging, und daß sie alles, was man ihr zeigte, betasten mußte, um es zu erkennen, daß sie das Gesicht verloren hatte.[80]

Auch wenn Ullrich ein paar Quellen des 19. Jahrhunderts anführt, die von einer„allmählichen Erblindung“[81]sprechen, oder auch der von mir ausgeforschte, eben abgedruckte Bericht derWiener allgemeinen musikalischen Zeitungvon 1813, so ist ein von Karl Wilhelm Otto August von Schindel überlieferter und von Fürst zitierter Bericht doch sehr anschaulich. Es heißt hier:

Sie war erst 2 Jahre 11 Monate alt, als sie in einer Nacht, sey es nun durch einen gichtischen Schlagfluß, oder in Folge eines plötzlichen Schrecks, ihres Gesichts gänzlich beraubt wurde; -- man erzählt nämlich, es sey im Hause ihres Vaters des Nachts ein entsetzliches Geschrei „Feuer, Diebe, Mörder!“ erhoben worden, worauf der Vater Mutter und Kind in der höchsten Bestürzung verlassen und nach Degen und Pistolen gegriffen habe; der Schreck aber habe das schwächliche Kind zugleich erblindet.[82]

Der oft gefundene Hinweis auf einen „Schrecken“ mag sehr wohl auf eine psychologische Ursache hindeuten, so wie sie der Medizinhistoriker Helmut Siefert verfolgt: Er meint, dass Maria Theresia einer„massiven dramatischen Situation ausgesetzt gewesen sein“[83]muss, da die plötzlich eingesetzte Blindheit über 14 Jahre anhielt, sowie auch die anderen Symptome, die beobachtet wurden. Als eventuelle Interpretation führt er Siegmund Freuds Rückschluss solcher traumatischer Erlebnisse auf die so genannte „Urszene“ an, auf die„beobachtete oder fantasierte sexuelle Beziehung zwischen den Eltern“, die sich auf das Kind in einer„väterliche[n] Aggression“[84]überträgt. Interessant sind hierbei die im FilmMesmervon 2004 angedeuteten sexuellen Übergriffe des Vaters auf die Tochter,[85]auch wenn diese laut Fürst jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren.[86]

Siefert sowie Fürst zitieren wiederum die Krankengeschichte des Vaters, die von Mesmer überliefert ist. Diese berichtet:

Es war vielleicht vollkommener Staar, der vermuthlich, durch eine zurückgeschlagene Feuchtigkeit oder Erkältung entstanden, in dem das Kind, in der nemlichen Nacht, durch einen, vor seiner Kammerthüre entstandenen Lärmen vielleicht veranlasset worden, sich derselben auszusetzen.[87]

Und weiter:

Ihre untröstliche Eltern, wandten den Augenblick, alles an, was man nur für das dienlichste hielte, diesen Zufall zu heben, z. E. Blasenpflaster, Blutigel und Fontanelle. Ja man trieb das erste Mittel so weit, daß in Zeit von zween Monaten der ganze Kopf mit einem einigen Pflaster bedeckt war, welches eine ununterbrochene Eiterung unterhielte.[88]Hiermit verband man mehrere Jahre den Gebrauch abführend und eröfnender Mittel, wie auch der Pulsatille[89]und Baldrian Wurzel. Aber alle diese Mittel halfen nichts, die Kranke bekam Gichter in den Augen und den Augenliedern die auf das Gehirn und hierdurch ein Rasen wirkten, welches eine völlige Verrückung besorgen ließ. Die Augen fiengen an zum Kopf heraus zu stehen und waren so verdreht, daß man oft nichts als das Weiße davon sahe, welches alles, mit den Gichtern verbunden, einen scheußlichen fast unausstehlichen Anblick verursachte. Vor einem Jahr, nahm man seine Zuflucht zur Elektricität, welche an ihren Augen mit mehr als 3000 Erschütterungen, oft 100 nach einander, angebracht wurde. Aber diß letzte Mittel hatte traurige Würkungen. Es vermehrte ihre Reizbarkeit und Gichter dermassen, daß man nur durch oft wiederholtes Aderlassen vorbeugen konnte.[90]

Maria Theresia musste einige Qualen auf sich nehmen, auch mit „künstlich hervorgerufenen eitrigen Geschwüren, Blutegeln, Ziehpflastern, Baldrianwurzeln und Leydener Flaschen, die schwache elektrische Ströme aussandten und auf die Augen gelegt wurden“[91]versuchte man die Heilung, leider alles ohne Erfolg. Bekannteste Ärzte Wiens, wie der Starstecher Professor Josef Barth, der Hofrat, Professor und erste Leibarzt der Kaiserin Anton Freiherr von Störck, der Augenarzt Michael Johann Baron von Wenzel oder der Arzt und Chemiker Johann Ingenhousz konnten keine Erfolge verzeichnen.[92]Wie Stefan Zweig meint, war hier die Schulmedizin am Ende, und„gewisse Anzeichen[93](konvulsivisches Zucken in den Augen, die dann immer aus den Höhlen hervortraten, ein Milz- und Leberleiden, das irrsinnsähnliche Anfälle hervorrief) lassen vermuten, dass die Blindheit des Fräuleins Paradies nicht auf einer Zerstörung des Sehnervs beruhte, sondern bloß auf einer seelisch bedingten Verstörung.“[94]. Diese Folgerung wird durch die Tatsache bestärkt, dass einzig und allein die Behandlung des damals umstrittenen Arztes Johann Anton Mesmer, wenn auch bedingt, Auswirkungen und Erfolge zeigte. Dies allerdings erst, als Maria Theresia bereits 18 Jahre alt war.[95]

[...]


[1]Hermann Josef Ullrich, W. A. Mozart Begegnungen mit der blinden Musikerin M. Th. Paradis, in:Mozartgemeinde Wien 1913-1963, Wien 1964, S. 72.

[2]Für eine umfangreiche Aufstellung der Ullrich-Artikel verweise ich neben meinem eigenen Literaturverzeichnis auf das von Marion Fürst. Vgl. Marion Fürst, Maria Theresia Paradis – Mozarts berühmte Zeitgenossin, =Europäische Komponistinnen, Band 4, Köln 2005, S. 368-394.

[3]Ernst Ramsauer,Maria Theresia Paradis – Eine biografische Darstellung mit besonderer Berücksichtigung ihrer Rolle als Pianistin, Komponistin und Pädagogin, Diplomarbeit Musikuniversität Wien, Wien 1991.

[4]Hidemi Matsushita,The musical career and compositions of Maria Theresia von Paradis (1759-1824), Dissertation Brigham Young University Provo, Provo 1989.

[5]URL: http://www.arapahoe.edu/about-acc/employee-directory#m, 19.09.2014.

[6]Vgl. Ramsauer, S. 3ff.

[7]URL: http://www.mozarteum.at/wissenschaft/bibliothek/bibliotheca-mozartiana.html, 19.09.2014.

[8]URL: http://www.arapahoe.edu/student-resources/library, 19.09.2014.

[9]URL: http://dissexpress.umi.com/dxweb/search.html, 19.09.2014.

[10]Hidemi Matsushita: Maria Theresia von Paradis,Zwölf Lieder auf ihrer Reise in Musik gesetzt, bearbeitet von Hidemi Matsushita, in:Lieder by Woman Composers of the Classic Era, Bd. II, Fayetteville, Arkansas 1987.

[11]Hidemi Matsushita, Maria Theresia von Paradis,Overture to “Der Schulkandidat”, bearbeitet von Hidemi Matsushita, Fayetteville, Arkansas 1992.

[12]Hidemi Matsushita, The blind composer Maria Theresia Paradis – Facts, Fictions, and Speculations, in: Elena Ostleitner und Gabriele Dorffner (Hg.), „Ein unerschöpflicher Reichtum an Ideen …“ – Komponistinnen zur Zeit Mozarts, =Musikschriftenreihe Frauentöne 6, Strasshof/Wien/Bad Aibling 2006, S. 29-39.

[13]Vgl. Matsushita 1989 (S. 4) und Hermann Ullrich, Maria Theresia Paradis und Dr. Franz Anton Mesmer, in:Jahrbuch des Vereines für Geschichte der Stadt Wien, Bd. 17/18, Wien 1961/1962, S. 149-188 (hier S. 153).

[14]Vgl. Matsushita 1989, S. 6ff.

[15]Fürst 2005.

[16]Michael Lorenz,Marion Fürst: Maria Theresia Paradis [Rezension], in:Mozart-Jahrbuch 2007/2008, Kassel 2011, S. 189-193, URL: http://homepage.univie.ac.at/michael.lorenz/fuerst_paradis [19.03.2015].

[17]Marion Fürst, Maria Theresia (von) Paradis, in: Beatrix Borchard (Hg.),MUGI.Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, Hamburg, 2003ff. Stand vom 6.7.2007, URL: http://mugi.hfmt-hamburg.de/Artikel/Maria_Theresia_(von)_Paradis [12.03.2015].

[18]Marion Fürst, Paradis, „Paradies“, (Maria) Theresia, in: Freia Hoffmann (Hg.),Instrumentalistinnen-Lexikon des Sophie Drinker Institut für musikwissenschaftliche Frauen- und Geschlechterforschung, Bremen, Stand 2012, URL: http://www.sophie-drinker-institut.de/cms/index.php/paradis-theresia [19.09.2015]

[19]Vgl. auch Rudolph Angermüller, et al.,Paradis, Maria Theresia, in:Grove Music Online. Oxford Music Online.Oxford University Press 2007-2015 [URL: http://www.oxfordmusiconline.com/subscriber/article/grove/music/20868, 18.11.2015] und Ingeborg Harer,Paradis, Maria Theresia, in:MGG, Personenteil Band 13, Kassel 2005, Sp. 103-106.

[20]Laut Michael Lorenz ist die richtige Anordnung der Vornamen von Paradis’ Mutter „Maria Rosalia“, entgegen der in den meisten Quellen übernommenen Schreibweise „Rosalia Maria“, die auch Fürst übernimmt. Vgl. Lorenz.

[21]Für grundlegende Einzelheiten zu Maria Theresia Paradis‘ Leben vergleiche man die Schriften von Fürst 2005, Ramsauer, Ullrich 1961/1962 oder den Eintrag im MUGI-Lexikon.

[22]Vgl. Ramsauer, S. 7.

[23]Matthias Perth, Tagebuch, Bd. XXXVI, Wien 1823, S. 11. Zitat nach: Ramsauer, S. 8.

[24]Stammbuch der Maria Theresia Paradis, Wien, o. S. Zitat nach: Fürst 2005, S. 18.

[25]Ernst Ludwig Gerber, Paradis (Maria Theresia), in:Historisch-Biografisches Lexicon der Tonkünstler, welches Nachrichten von dem Leben und Werken musikalischer Schriftsteller, berühmter Componisten, Sänger, Meister auf Instrument, Dilettanten, Orgel-und Instrumentenmacher, enthält, Leipzig 1790, Sp. 76.

[26]Fürst (2005) schreibt hier fälschlicherweise, dass Gerber oder Wurzbach nichts von einer angeblichen Patenschaft wissen.

[27]Constantin von Wurzbach, Paradis, auch, jedoch unrichtig Paradies, Maria Theresia von, in: Constantin von Wurzbach,Biografisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Wien 1870, Bd. 21, S. 287.

[28]Marlene Jantsch, Das Leben der Maria Theresia Paradis und seine Bedeutung für die Blindenbildung, in:Wiener Medizinische WochenschriftNr. 47, 105. Jahrgang 1955, Wien 1955, S. 979-982, hier S. 2.

[29]Ullrich listet sehr detailliert auf, welche der Quellen, die bis 1961/62, also dem Erscheinungsjahr seines Artikels zur Verfügung standen, die Kaiserin als Taufpatin angeben und welche nicht, und welche die wahrscheinlich falsche Tatsache wohl in Umlauf gebracht haben.

[30]Vgl. Ullrich 1961/1962, S. 159-160.

[31]Vgl. Fürst 2005, S. 21.

[32]Jantsch, S. 1.

[33]Ullrich 1961/1962, S. 154.

[34]Vgl. Ludwig August Frankl,Maria Theresia von Paradis’ Biographie, Linz 1876, S. 8.

[35]Ramsauer, S. 13.

[36]Ullrich 1961/1962, S. 154.

[37]Jantsch, S. 1.

[38]Fürst 2005, S. 20.

[39]Vgl. Fürst 2005, S.20.

[40]Ullrich 1961/1962, S. 158-159.

[41]Ebd.

[42]Vgl. Ullrich 1961/1962, S. 149-188.

[43]Ebd., S. 152.

[44]Ebd., S. 153.

[45]Ebd.

[46]Mitteilung des Pfarramtes St. Stefan, Baden bei Wien, vom 27.10.1959, in: Ullrich 1961/1962, S. 153.

[47]Frankl, S. 23.

[48]Ramsauer, S. 12 ff.

[49]Vgl. Fürst 2005, S. 354.

[50]Lorenz.

[51]Vgl. Elena Ostleitner, Neue Forschungsergebnisse über Maria Theresia Paradis. Ein Beitrag zur Mozart-Forschung, in: Vjera Katalinić (Hg.),Off-Mozart: Glazbena kultura i „mali majstori“ srednje Europe 1750.-1820. / Musical Culture and the „Kleinmeister“ of Central Europe 1750-1820, Zagreb 1995, S. 79.

[52]Ullrich 1961/1962, S. 160.

[53]Die vorzüglichsten gesichtslosen Musik-Virtuosen neuerer Zeit. (Fortsetzung.), in:Allgemeine musikalische Zeitung, mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen KaiserstaatNr. 34, 22.08.1817, Sp. 288-290, hier Sp. 288.

[54]Ignaz Franz Ritter von Schönholz (Hg.),Wiener allgemeine musikalische ZeitungNr. 32, Wien 1813, Sp. 484.

[55]Den Namen des Autors konnte ich in der Originalquelle nicht finden, allerdings wird dieser bei Fürst (Fürst 2005, S. 371) oder auch Matsushita (Matsushita 2006, S. 37) so zitiert.

[56]Charles Burney, An Account of Mademoiselle “Theresa Paradis”, of Vienna, the celebrated Blind Performer on the Piano Forte, in:The Gentlemen’s Magazine: And Historical ChronicleNr. 55, London 1785, S. 175.

[57]Vgl. Ullrich 1961/1962, S. 160-161.

[58]Gerber 1790, Sp. 76.

[59]Robert Eitner,Paradies, Fräulein Marie Therese, in:Allgemeine Deutsche Biographie25, Leipzig 1887, S. 166-167.

[60]Ernst Florey,Ars Magnetica: Franz Anton Mesmer 1734-1815, Magier vom Bodensee, Konstanz 1995, S. 101.

[61]Stefan Zweig,Die Heilung durch den Geist. Mesmer – Mary Baker Eddy – Freud, Leipzig 1931.

[62]Ignaz de Luca,Das gelehrte Österreich. Ein Versuch, Bd. 2, Wien 1778, S. 336.

[63]Wurzbach, S. 287.

[64]Frankl, S. 9.

[65]Jantsch, S. 2; Carl Wilhelm Otto August von Schindel,Die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts. Zweiter Theil. M-Z., Leipzig 1825, S. 75.

[66]Fürst 2005, S. 23.

[67]Franz Anton Mesmer,Abhandlung über die Entdeckung des thierischen Magnetismus, Karlsruhe 1781, S. 56

[68]Ullrich 1961/1962, S. 160.

[69]Vgl. Helmut Siefert, Mesmer und die „Jungfrau Paradis“: Überlegungen zum Abbruch einer Psychotherapie aus heutiger Sicht, in: Heinz Schott (Hg.),Franz Anton Mesmer und die Geschichte des Mesmerismus, Stuttgart 1985, S. 176. Die Originalquelle aus derVossischen Zeitungvom 9. März 1777 ist im Anhang bei Tischner/Bittel (Rudolf Tischer/Karl Bittel,Mesmer und sein Problem, Magnetismus – Suggestion – Hypnose, Stuttgart 1941, S. 195-205) vollständig abgedruckt. Ein minimaler Unterschied in der Schreibweise zur Wiedergabe in Helmut Sieferts Bericht lässt sich feststellen: bei Tischner/Bittel heißt es„Am neunten Dezember 1762. ward sie […]“(S. 195).

[70]Eine sehr interessante Tatsache lässt sich hierbei bei Tischner/Bittel finden: Obwohl diese den originalen Bericht des Vaters im Ganzen abdrucken (siehe vorherige Fußnote), und wohl auch Maria Theresias Geburtsdatum wissen, machen sie in ihrem KapitelDie Heilung der blinden Jungfer Paradisdie sich widersprechende Aussage,„[…] Paradis […] war ohne bekannten Grund als zweieinhalb Jahre altes Kind plötzlich in der Nacht zum 10. Dezember 1762 stockblind geworden.“(Tischner/Bittel, S. 73).

[71]Gerber, S. 76.

[72]Wurzbach, S. 287.

[73]Frankl, S. 9.

[74]Ullrich 1961/1962, S. 161.

[75]Frankl, S. 9.

[76]Der Sammler: Ein Unterhaltungsblatt, Wien 1831, S. 60. Zitat nach: Ramsauer S. 20.

[77]Johann Wilhelm Klein,Anleitung, blinden Kindern ohne sie in einem Blinden-Institute unterzubringen, die nöthige Bildung in den Schulen ihres Wohnortes und in dem Kreise ihrer Familien zu verschaffen. Wodurch einer weit größeren Anzahl von Blinden, mit geringern Kosten als bisher, die Wohlthat einer zweckmäßigen Bildung zu Theil wird., Wien 1844, S. 42ff.

[78]Ignaz Franz Ritter von Schönholz (Hg.),Wiener allgemeine musikalische ZeitungNr. 32, Wien 1813, Sp. 463-489, hier Sp. 484.

[79]Ebd.

[80]Ebd.

[81]Ullrich 1961/1962. S. 161.

[82]Schindel, S. 75.

[83]Siefert, S. 177.

[84]Ebd.

[85]Mesmer(1994), Regie: Roger Spottiswoode, Drehbuch: Dennis Potter.

[86]Vgl. Fürst 2005, S. 222.

[87]Mesmer 1781, S. 56ff.

[88]Vgl. Tischner/Bittel, S. 196:„Es wurden ihr die Haare abgeschnitten, und der glatt beschorne ganze Kopf mit einem Zugpflaster beleget.“.

[89]Vgl. Tischner/Bittel, S. 196:„Durch lange Zeit nahm sie die Pulver von schwarzer Küchenschelle (pulsatilla nigricans) […]“.

[90]Mesmer 1781, S. 57ff.

[91]Else R. Landon,In der Gunst der Kaiserin: Karrieren unter Maria Theresia, Wien 1997, S. 238ff.

[92]Vgl. Ullrich 1961/1962, S. 161ff.

[93]Mesmer selbst berichtet von Melancholie und„Verstopfungen der Milz und Leber, die ihr öfters solche Anfälle von Wahnsinn und Wuth zu sorgen, daß man sie beinahe gänzlich toll halten mußte.“,Mesmer, S. 33.

[94]Zweig 1931, Kapitel 8 [online verfügbar; URL: http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-heilung-durch-den-geist-6857/1, 22.11.2015].

[95]Aus heutiger medizinischer Sicht wird hier wohl ein Zustand beschrieben, der auf zerebrale Anfälle hinweisen könnte (Epilepsie). Auch Hinweise für chronische Schwermetall-Vergiftungen lassen sich eventuell herauszulesen.

Details

Seiten
86
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668111837
ISBN (Buch)
9783668111844
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311620
Institution / Hochschule
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz – Institut 15: Alte Musik und Aufführungspraxis
Note
1,0
Schlagworte
Paradis Mesmer blind Blindheit Pionier Komponistin Pädagogin Vituosin

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Pionierleistungen der Musikerin Maria Theresia Paradis (1759-1824). Blindheit als Chance?