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Grundlagen und Praxisfelder der Differentiellen Psychologie und Persönlichkeitspsychologie

von Miriam Walchshäusl (Autor)

Hausarbeit 2015 19 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

2 Abkürzungsverzeichnis

3 Abbildungsverzeichnis

4 Aufgabenblock A
4.1 Eigenschaften, Gewohnheiten, Zustände
4.2 Intelligenz
4.3 Persönlichkeitstypologien vs. Dimensionale Ansätze

5 Literatur- und Quellenverzeichnis

2 Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: IQ-Normalverteilung

Abbildung 2: DISG-Modell

4 Aufgabenblock A

4.1 Eigenschaften, Gewohnheiten, Zustände

Die Differentielle Psychologie beschäftigt sich mit der Persönlichkeitsforschung und stellt ein Teilgebiet der Allgemeinen Psychologie dar. Gegenstand der For- schung sind interindividuelle Differenzen, die sich durch ein breitgefächertes Spektrum an individuell verhaltensbezogenen, kognitiven und emotionalen At- tributen zeigen, sowie deren Ursachen und Folgen.1 Die Allgemeine Psycholo- gie hingegen beschäftigt sich mit der Aufdeckung von generellen Gesetzmäßig- keiten des Erlebens und Verhaltens beim Durchschnitt der Menschen. Insofern stellt die Persönlichkeitspsychologie einen komplementären Bereich dazu dar.2

In der Differentiellen Psychologie versteht man unter Eigenschaften (engl. traits) verschiedene Verhaltensweisen, die der Mensch zeit- und situationsbeständig zeigt.3 Nicht das einmalige oder gelegentliche Auftreten, sondern die immer wiederkehrende, sich auch in unterschiedlichen Lebenssituationen zeigende Verhaltensart, ist damit gemeint. Lächelt Frau Meier beispielsweise häufig und pflegt einen offenen und warmherzigen Umgangston im Gespräch, egal ob abends zuhause auf dem Sofa, frühmorgens beim Bäcker, in der Rush-Hour auf dem Weg zur Arbeit oder bei Nachfragen eines Touristen auf der Straße, so kann man mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass eine Ei- genschaft von Frau Meier „Freundlichkeit“ ist.

Eigenschaften festzustellen ist keine einfache Aufgabe, da es sich um Attribute handelt, die über regelmäßige Verhaltensmuster erschlossen werden müssen. Indem man bestimmte Verhaltensweisen festlegt, z.B. warmherziger Umgangs- ton, Lächeln, und deren Auftretensstärke und -häufigkeit misst, kann man auf das Vorhandensein einer bestimmten Eigenschaft (in diesem Beispiel „Freund- lichkeit“) rückschließen.4 Gängige Persönlichkeitstest jedoch verlassen sich zumeist auf die Selbstevaluation des Teilnehmers, was häufig zu verzerrten Ergebnissen führt, da es viele Menschen gibt, die sich selbst nicht realistisch einschätzen können. Die Selbstwahrnehmung einer Person stimmt häufig nicht mit der Außenwahrnehmung dieses Menschen überein. Empirisch kann man nachprüfen, ob Eigenschaften zeit- und transsituativ stabil sind, indem man, nach längerfristiger Beobachtung, Korrelationen zur Quantifizierung heran- zieht.5

Im Gegensatz zu Eigenschaften handelt es sich bei Zuständen (engl. states) um zeitlich fluktuierende und nicht regelmäßig wiederkehrende, wechselnde Verhaltensweisen. Sie stehen in einem starken situativen Kontext und werden durch das momentane Fühlen und Erleben beeinflusst. Cattell und Scheier ent- wickeln das Konzept der situationsspezifischen Befindlichkeit ursprünglich nur für emotionale Zustände, wie z.B. Angst. Es ist aber durchaus auf andere Per- sönlichkeitszustände übertragbar.6 Im angewendeten Beispiel hat Frau Meier einen furchtbaren Tag. Nachdem ihre kleine Tochter am Morgen Frau Meiers neues Smartphone auf den Boden fallen lässt und es dabei zu Bruch geht, tritt sie auf dem Weg zur Garage mit ihren schicken Pumps in einen Hundehaufen. Obwohl sie einen wichtigen Termin hat, kommt sie zu spät da sie sehr lange im Stau stand. Mitten im wichtigen Meeting bekommt sie einen Anruf aus der KiTa dass die Tochter mit einem Magen-Darm-Infekt abgeholt werden muss. Frau Meiers Chef ist deutlich ungehalten. Als die abgehetzte Frau Meier in der KiTa ankommt, lächelt sie nicht und spricht auch nicht so offen und freundlich wie sonst mit der Erzieherin. Wer Frau Meier nicht kennt, hält sie an diesem Nach- mittag wohl eher nicht für einen Menschen mit der Eigenschaft „Freundlichkeit“, obwohl sie es eigentlich ist. Einzig und allein die Umstände und das Zusam- menspiel vieler negativer Vorkommnisse wirkten sich auf ihre Laune und damit ihr Verhalten aus.

Unter Gewohnheiten (engl. habits) versteht man in der Psychologie Verhal- tensmuster die automatisiert ablaufen. Häufig handelt es sich um unreflektiertes Verhalten, das durch ständige Wiederholung zur selbstverständlichen Gewohn- heit geworden ist. Nach C. Hull ist eine situationsspezifische Reaktion von ei- nem Trieb und der Gewohnheitsstärke abhängig. Es handelt sich bei Gewohn- heiten also um Reiz-Reaktions-Verbindungen, die erlernt und eingeübt und da- mit automatisiert werden.7 Frau Meier steht täglich zur selben Uhrzeit auf und hat im Bad ihre regelmäßige Morgenroutine. Zur Arbeit fährt sie immer den glei- chen Weg. All diese Gewohnheiten erfordern keine kognitive Leistung oder Ent- scheidungskraft. Ihr Verhalten wird durch ständige Wiederholung erlernt und verfestigt.

Wie an den Alltagsbeispielen von Frau Meier zu sehen ist, ist es zwingend notwendig, von Verhaltensweisen nicht sofort auf Charakterzüge oder Attribute zu schließen. Es erfordert eine längerfristige Beobachtung, ob Verhaltensmerkmale wiederkehrend sind und in verschiedenen Situationen auftreten oder ob sie einmalig und situationsgebunden-reaktiv erscheinen. Ein einmaliger Beobachter zieht ansonsten falsche Schlüsse und interpretiert Eigenschaften als Zustände oder Gewohnheiten, und vice versa.

Durch Aufstellungen von Adjektiven oder anhand von gestaffelten Skalen unter- sucht man in der Differentiellen Psychologie die situations- und zeitabhängigen Unterschiede im Verhalten von Personen. Besonders gut erforscht sind dabei die Merkmale Angst und Ärger, mit denen sich viele empirische Untersuchun- gen befasst haben. Die Unterscheidung ob es sich um einen grundsätzlich är- gerlichen Menschen (mit der Eigenschaft „Ärger“) oder nur um einen kurzfristi- gen und vorübergehenden Ärgerzustand handelt macht einen großen Unter- schied. Vertreter der eigenschaftsorientierten Theorien betrachten die Verhal- tensweisen einer Person als Folge ihrer individuell zugrundeliegenden Eigen- schaften.8 9

Walter Mischel löst 1968 mit seiner Veröffentlichung „Personality and Assess- ment“10 die „Person-Situation-Debatte“ aus, die auch unter dem Namen „Kon- sistenzparadox“ bekannt ist. Er hinterfragt die Kontinuität von Eigenschaften in Situationen und regt damit die Diskussion an, ob menschliches Verhalten wirk- lich von personen- oder von situationsbezogenen Faktoren abhängig ist. Nach Mischel gibt es nur wenige empirische Hinweise darauf, dass Verhaltensweisen über unterschiedliche Situationen hinweg stabil sind. Er gibt einen errechneten Persönlichkeitskoeffizient von 0,2 - 0,3 an, der eine sehr schwache Korrelation zwischen Eigenschaft und wirklichem Verhalten darstellt. Einerseits ist das menschliche Verhalten in ähnlichen Situationen häufig unterschiedlich (z.B.

Frau Meier ist immer nervös und angespannt-ängstlich wenn sie im Büro vor einigen wenigen Kollegen einen Vortrag halten soll. Hingegen übernimmt sie gerne im Fitnessstudio die Leitung eines Kurses mit bis zu 20 Teilnehmern, wenn ein Trainer ausfällt), andererseits gibt es, unabhängig von der Individuali- tät der Einzelpersonen, Umstände in denen die meisten Personen ähnliche Verhaltensmuster zeigen (z.B. Frau Meier ist ein eher ruhiger Typ. Trotzdem begleitet sie ihren Mann hin und wieder ins Fußballstadion und lässt sich dort, wie viele Tausende andere, vom Spiel mitreißen. Sie jubelt, schreit und singt laut mit.).11

In den folgenden Jahren entbrennt ein regelrechter Beweiskampf unter den sozial- und persönlichkeitspsychologischen Wissenschaftlern um Mischels Kritik zu entwerten.12

Diese beruhte allerdings auf einem Fehlschluss, der auch 1994 von Mischel selbst in einer Studie belegt wurde. Zwar können Verhaltensweisen stark situativ bedingt sein, sich gleichzeitig jedoch auch die dafür zugrundeliegende Eigenschaft transsituativ stabil zeigen. Dies ist dann wahr, wenn die Rangfolge der Individuen innerhalb aller Situationen gleich ausfällt und sich die grafischen Situationsprofile nicht überschneiden.13

Heute spielt die Konsistenzdebatte kaum noch eine Rolle in der Wissenschaft. Mischels Arbeit bewirkte aber deutliche Verbesserungen im Vorgehen der Persönlichkeitsforschung, da im Zuge der Diskussion etliche Wissenschaftler die Validität und Genauigkeit ihrer Messungen und Methoden zur Eigenschaftserfassung und -untersuchung hinterfragten und anpassten.14

Auch im beruflichen Kontext ist die Unterscheidung zwischen Eigenschaften, Zuständen und Gewohnheiten wichtig. Diesbezüglich soll im Folgenden auf den Bereich der Personalauswahl im Rahmen von Assessment Centern eingegan- gen werden:

[...]


1 Vgl. Weber H./Rammsayer T.: 2012, S. 19.

2 Vgl. Asendorpf J.B./Neyer F.J.: 2012, S. 25.

3 Vgl. Salewski C./Renner B.: 2009, S. 74f.

4 Vgl. Salewski C./Renner B.: 2009, S. 75.

5 Vgl. Asendorpf J. B. : 2015, S. 49.

6 Vgl. Steyer R./Schmitt M./Eid M.: 1999.

7 Vgl. Werner S.: 2013.

8 Vgl. Becker B.: 2014, S. 22.

9 Vgl. Maltby et al: 2011, S. 293.

10 Vgl. Walter M.: 2014.

11 Vgl. Salewski C./Renner B.: 2009, S. 103f.

12 Vgl. Maltby et al: 2011, S. 177.

13 Vgl. Asendorpf J. B.: 2015, S. 18f.

14 Vgl. Maltby et al: 2011, S. 183.

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668106536
ISBN (Buch)
9783668106543
Dateigröße
775 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311594
Institution / Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,0
Schlagworte
grundlagen praxisfelder differentiellen psychologie persönlichkeitspsychologie

Autor

  • Miriam Walchshäusl (Autor)

    18 Titel veröffentlicht

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Titel: Grundlagen und Praxisfelder der Differentiellen Psychologie und Persönlichkeitspsychologie