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Die Auswirkung sozialer Netzwerke auf die allgemeine Lebenszufriedenheit

Eine Analyse ausgewählter Einflussfaktoren anhand des Deutschen Alterssurveys (DEAS) 2008

Hausarbeit 2015 35 Seiten

Soziologie - Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Einbettung
2.1 Definitionen
2.2 Theorie und Forschungsstand
2.3 Hypothesenableitung

3. Daten, Variablen, Methoden
3.1 Daten
3.2 Variablen & Methoden

4. Empirische Analyse

5. Diskussion

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang
7.1 SPSS-Syntax
7.2 Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

Das Maß der allgemeinen Lebenszufriedenheit ist von einer Vielzahl an Einflussfaktoren abhängig, die wiederum von weiteren Faktoren beeinflusst werden können. Neben dem Alter und dem Geschlecht stellen vor allem das subjektive Wohlbefinden und der Gesundheitszustand relevante Einflussfaktoren dar. In Bezug auf das Gesundheitsverhalten hält Weyer (vgl. 2008: 262f.) die Auswirkungen sozialer Beziehungen in Form des Modells sozialer Vergleichsprozesse und des Modells der soziokulturellen Benachteiligung fest. Des Weiteren verweist Pfaff (vgl. 1989: 34ff.) auf die Auswirkungen sozialer Unterstützung auf das Wohlbefinden sowie die Gesundheit und erklärt diese anhand der Präventions-, der Direkteffekt- und der Pufferthese. Auch Wagner und Wolf (vgl. 2001: 543) weisen einen Zusammenhang zwischen der Gesundheit und der Netzwerkgröße nach. Die Konzepte der sozialen Unterstützung, der sozialen Beziehungen und der Netzwerkgröße stellen demnach Einflussfaktoren für die Gesundheit und das Wohlbefinden dar. Da die allgemeine Lebenszufriedenheit eine umfängliche Bewertung der derzeitigen Lebenssituation darstellt, die auch die Gesundheit und das subjektive Wohlbefinden miteinbezieht, sollen im Folgenden die Auswirkungen sozialer Netzwerke auf die allgemeine Lebenszufriedenheit untersucht werden.

Einerseits ergibt sich die gesellschaftliche Relevanz der Analyse der Auswirkungen sozialer Netzwerke auf die allgemeine Lebenszufriedenheit, aus der Wirkungsweise sozialer Netzwerke: Das Konzept des sozialen Netzwerks kann als Ressource dienen um Stress (vgl. Niepel 1994: 41ff.) und alltägliche Probleme (vgl. Huxhold et al. 2010: 215) zu bewältigen, welche sich auf die allgemeine Lebenszufriedenheit auswirken können. Andererseits nehmen Diewald und Lüdicke (vgl. 2001: 23) eine generell entlastende Funktion sozialen Kapitals an. Aufgrund dessen ist eine Erhöhung der allgemeinen Lebenszufriedenheit durch soziale Netzwerke vorstellbar.

Um diese Fragestellung zu untersuchen werden im nachfolgenden die verschiedenen Konzepte sozialer Unterstützung von sozialen und persönlichen Netzwerken abgegrenzt (2.1) bevor die Erklärungsansätze des Netzwerkkonzepts erläutert werden (2.2). Anschließend erfolgt auf dieser Grundlage die Ableitung der für die Untersuchung relevanten Hypothesen (2.3).

Nach einer Erläuterung des zugrundeliegenden Datensatzes (3.1) sowie der genutzten Variablen und Methoden (3.2), erfolgt die Darstellung der Ergebnisse der empirischen Analyse (4). In der abschließenden Diskussion (5) werden die Ergebnisse der empirischen Analyse mit den theoretischen Vorannahmen verglichen.

2. Theoretische Einbettung

2.1 Definitionen

Um die Fragestellung nach einem möglichen Einfluss sozialer Netzwerke auf die allgemeine Lebenszufriedenheit zu untersuchen, wird zuvor das Konzept des sozialen Netzwerks erläutert.

Niepel (vgl. 1994: 38) orientiert sich in der Charakterisierung sozialer Netzwerke an einer dreifachen Differenzierung. Einerseits weisen soziale Netzwerke einen strukturellen Charakter auf, welcher Merkmale wie die Größe und Dichte des jeweiligen sozialen Netzwerks beschreibt. Mit dem Charakter der Verbindung sollen u.a. die Dimensionsvielfalt, die Dauer und die Kontakthäufigkeit des entsprechenden Netzwerks dargestellt werden. Als dritter Aspekt wird der normative Kontext des sozialen Netzwerks aufgeführt, wodurch die Zusammensetzung des Netzwerks mit Personen aus verschiedenen Bekanntenkreisen (z.B. Nachbarschaft, Familie, Freundeskreis) erläutert werden kann.

Eine feingliederigere Charakterisierung nimmt Paulus (vgl. 997: 177f.) vor, indem sozialen Netzwerken relationale, funktionale und morphologische Aspekte zugesprochen werden. Der relationale Aspekt erfasst u.a. die Intensität der Bindung, die Kontakthäufigkeit und Kontaktdichte sowie die Stabilität, Reziprozität, Homogenität und die Dimensionalität des entsprechenden Netzwerks. Aufgrund des funktionalen Aspekts kann das soziale Netzwerk im Hinblick auf die Konzepte der sozialen Unterstützung und der sozialen Kontrolle untersucht werden. Diese Konzepte werden später genauer erläutert. Unter dem morphologischen Aspekt sind, ähnlich zu Niepels struktureller Charakterisierung, strukturelle Faktoren wie Größe, Dichte, Erreichbarkeit und Zentralität, zu verstehen. In einem weiteren Schritt differenziert Paulus (vgl. 1997: 179) soziale Netzwerke nach dem Grad der Strukturiertheit. Familiäre und freundschaftliche

Netzwerke weisen demnach eine geringe Form der Strukturiertheit auf und können somit als primär strukturierte Netzwerke bezeichnet werden. Dagegen weisen berufliche Netzwerke und z.B. Netzwerke während des Studiums einen geringen bis starken Organisationscharakter auf, weswegen sie als sekundär strukturierte Netzwerke dargestellt werden könnten. Der höchste Grad an Strukturiertheit (tertiär) wird sozialen Netzwerken innerhalb von Organisationen und Arbeitskreisen zugesprochen.

Auch wenn für die nachfolgende Analyse keine weitere Unterteilung des Netzwerkkonzepts vorgenommen wird, sei hier darauf hingewiesen, dass Nestmann (vgl. 1991: 31) eine Differenzierung in soziale und persönliche Netzwerke vornimmt. Demnach kann von persönlichen Netzwerken gesprochen werden, wenn die Beziehungen zwischen der Bezugsperson und z.B. einzelnen oder mehreren Familienmitgliedern, Freunden oder Nachbarn betrachtet wird. Soziale Netzwerke bezeichnen hingegen die Betrachtung der Verhältnisse zwischen der Bezugsperson und Systemen, wie der Nachbarschaft oder dem Freundeskreis.

Neben dem Konzept der sozialen Netzwerke, wurde bereits das Konzept der sozialen Unterstützung und das der sozialen Kontrolle erwähnt. Mit Paulus (vgl. 1997: 177f.) wurden diese Konzepte bereits dem funktionalen Aspekt der Charakterisierung sozialer Netzwerke zugeordnet. Auch Niepel (vgl. 1994: 37) hält fest, dass das Netzwerkkonzept den Konzepten der sozialen Unterstützung, und dem Konzept der sozialen Kontrolle, vorausgeht. Soziale Unterstützung kann emotionaler, materieller oder informationeller Art sein (vgl. Paulus 1997: 180). Huxhold et al. (vgl. 2010: 216) ordnen die verschiedenen Arten sozialer Unterstützung anhand der sozio-emotionalen Selektivitätstheorie verschiedenen Altersgruppen zu. Da jüngere Personen eine ausgedehnte Zukunftsperspektive haben, weisen deren soziale Netzwerke eine hohe Größe auf und sind häufig informationeller Art. Die Zukunftsperspektive älterer Personen hingegen wird als eingeschränkter betrachtet, was eine geringere Netzwerkgröße und eine eher emotionale Art der sozialen Unterstützung nach sich zieht. Herz (vgl. 2012: 142ff.) führt eine erhöhte soziale Kontrolle auf die bereits bekannten strukturellen Merkmale der Multiplexität (Unterhaltung vieler mehrdimensionaler Beziehungen der Bezugsperson) und Dichte (leichtere Erreichbarkeit innerhalb des sozialen Netzwerkes) zurück. Mit steigender Netzwerkgröße besteht somit einerseits die Möglichkeit der verbesserten sozialen Unterstützung, andererseits steigt jedoch auch die potentielle soziale Kontrolle. Demnach ist für die Betrachtung der Fragestellung nach dem Einfluss sozialer Netzwerke auf die allgemeine Lebenszufriedenheit zu beachten, dass soziale Netzwerke sowohl unterstützend als auch belastend wirken können (vgl. Paulus 1997: 179 und Huxhold et al. 2010: 215 und Nestmann 1991: 40).

Abschließend sei festgehalten, dass sich nicht nur die sozialen Netzwerke, in Form sozialer Unterstützung und/oder Kontrolle, auf die allgemeine Lebenszufriedenheit auswirken können, sondern dass sich auch u.a. die allgemeine Zufriedenheit auf die Wahrnehmung potentieller sozialer Unterstützung auswirken kann (vgl. Wagner/Wolf 2001: 543). Die Darstellung der daraus folgenden Thesen zur Wirkungsweise sozialer Netzwerke auf die allgemeine Lebenszufriedenheit ist Inhalt des nächsten Kapitels.

2.2 Theorie und Forschungsstand

Durch die vorherige Differenzierung des Konzepts der sozialen Unterstützung bzw. der sozialen Kontrolle vom allgemeinen Konzept sozialer Netzwerke sollte deutlich werden, dass sich soziale Netzwerke durch Formen der sozialen Unterstützung z.B. auf die allgemeine Lebenszufriedenheit auswirken.

Nach Pfaff (vgl. 1989: 34) stellt die Präventionsthese den zentralen Ansatz zur Erklärung der Wirkung sozialer Netzwerke dar. Demnach sind soziale Netzwerke durch Formen sozialer Unterstützung in der Lage verschiedene Belastungsarten zu vermeiden oder zu verhindern. Soziale Unterstützung wirkt sich dabei nicht unmittelbar auf die allgemeine Lebenszufriedenheit aus. Die Wirkung erfolgt beispielsweise in der Verminderung von Stress durch soziale Unterstützung, was sich positiv auf die Gesundheit bzw. das subjektive Wohlbefinden auswirkt und dadurch auch die allgemeine Lebenszufriedenheit erhöht. Nun sind für die präventive Wirkung sozialer Unterstützung zwei Wirkungsweisen denkbar. Dazu unterteilt Pfaff (vgl. 1989: 34ff.) die Präventionsthese wiederum in die Direkteffekt- und die Pufferthese. Mit der Pufferthese wird die Wirkung sozialer Unterstützung als belastungsspezifisch aktivierbar verstanden. Die Aktivierung erfolgt dabei nicht nur aktiv seitens der zu entlastenden Bezugsperson, sondern auch aktiv seitens des sozialen Netzwerks (vgl. Pfaff 1989: 124). Die entlastenden Puffereffekte sozialer Unterstützung treten dabei sowohl zeitlich vor (präventiv), als auch während (kurativ) und nach (rehabilitativ) der entsprechenden Belastungssituation auf (vgl. Nestmann 1991: 41). Dadurch wird deutlich, dass der Effekt sozialer Unterstützung nicht darin besteht Belastungssituationen zu verhindern, sondern darin, die Auswirkungen der Belastungssituationen durch entsprechend entlastende Hilfeleistungen zu vermindern.

Im Gegensatz zu den belastungsspezifischen Unterstützungseffekten der Pufferthese, setzt die Direkteffektthese unabhängig vom Ausmaß der Belastung wirkende Effekte sozialer Unterstützung voraus (vgl. Nestmann 1991: 41). Die bei der Pufferthese vorausgehende Aktivierung der Unterstützungsfunktion sozialer Netzwerke durch die Bezugsperson oder das soziale Netzwerk selbst entfällt demnach durch die Annahme der Direkteffektthese. Die unterstützenden Effekte wirken sich nicht wie die Puffereffekte indirekt, sondern direkt förderlich auf die Gesundheit bzw. das Wohlbefinden der Bezugsperson aus (vgl. Pfaff 1989: 37). Nach Diewald und Lüdicke (vgl. 2001: 13f.) sind soziale Netzwerke unter der Annahme der Direkteffektthese zwar als Normalität anzusehen, deutlicher wird dies jedoch durch die Erläuterungen Nestmanns (vgl. 1991: 42). Dieser stellt der Direkteffektthese die Annahme voraus, dass soziale Netzwerke weniger aus ökologischen Gründen eingegangen und erhalten werden, als vielmehr aus Gründen, die aus dem subjektiven Wohlbefinden, dem Zugehörigkeitsgefühl sowie der Möglichkeit zur Rückmeldung durch Dritte bestehen. Da sich mit dem Entstehen sozialer Netzwerke die Unterstützungseffekte der Direkteffektthese manifestieren, ist die Pufferthese sowie deren Effekte sozialer Unterstützung nicht als Ersatz der Direkteffektthese sondern als Ergänzung zu verstehen.

Soziale Netzwerke weisen in Form sozialer Unterstützung somit einen direkten oder puffernden Entlastungseffekt auf. Da soziale Netzwerke sowohl in ihrer Zusammensetzung, als auch in ihrer Größe (und weiteren Charakteristika) wandelbar sind, ist im Folgenden von Interesse, wie (z.B. altersbedingte) Netzwerkveränderungen kompensiert werden, um die entsprechenden Unterstützungsleistungen aufrechtzuerhalten. Huxhold et al. (vgl. 2010: 218) verweisen dazu einerseits auf die These der hierarchischen Kompensation und anderseits auf die These der funktionalen Spezifizität. Ist die Form der sozialen Unterstützung nicht an konkrete Personen oder Gruppen (z.B. Freunde, Familie) des sozialen Netzwerks gebunden, geht die These der hierarchischen Kompensation davon aus, dass mögliche entfallende Unterstützungsleistungen durch andere Personen oder Gruppen des sozialen Netzwerks kompensiert werden. In der sich bildenden Kompensationshierarchie nimmt der Partner den ersten Platz ein, gefolgt von den Kindern sowie Freunden und Nachbarn. Im Gegensatz dazu knüpft die These der funktionalen Spezifizität bestimmte Formen sozialer Unterstützung an konkrete Personen oder Gruppen des sozialen Netzwerks. Demnach übernimmt die Familie den, insbesondere im höheren Alter, bedeutsamen Unterstützungsbereich der Pflege während der Freundeskreis vorwiegender Ansprechpartner in problematischen Situationen ist. Eine unmittelbare Kompensation wie nach der These der hierarchischen Kompensation ist somit nicht möglich. Benötigte Unterstützungsleistungen können jedoch durch Dienstleistungen außenstehender Personen (z.B. Pflegepersonal) kompensiert werden.

Wie im vorherigen Abschnitt erwähnt, sind soziale Netzwerke wandelbar. Nun soll abschließend erläutert werden, von welchen Faktoren die Stabilität sozialer Netzwerke abhängig ist. Wagner und Wolf (vgl. 2001: 536f) differenzieren dazu in lebenslaufspezifische Merkmale und lebenslaufunspezifische Merkmale. Einerseits können soziale Netzwerke in ihren charakteristischen Merkmalen (Größe, Dichte, Kontakthäufigkeit, Zusammensetzung etc.) durch das Alter der Bezugsperson, und damit lebenslaufspezifisch, verändert werden. Andererseits beeinflussen Merkmale wie die Bildung und das Geschlecht der Bezugsperson die Charakteristika des sozialen Netzwerks. Dieser Prozess kann mit dem Modell des sozialen Konvois festgehalten werden (vgl. Nestmann 1991: 39). Das Modell verdeutlicht die lebenszeitspezifischen Strukturveränderungen der sozialen Netzwerke der Bezugsperson. Während Familien- und Verwandtschaftsstrukturen eher konstant bleiben, unterliegen Freundschafts-, Arbeits- und Nachbarschaftsstrukturen einem stärkeren Wandel, der insbesondere in umbrechenden Lebensphasen an Bedeutung gewinnt. Durch den Wechsel des Wohnorts, den Eintritt ins Berufsleben, eine neue Partnerschaft usw. verändern sich die genannten Netzwerkstrukturen, sodass die Strukturen zur Inanspruchnahme sozialer Unterstützung erneut aktiv aufgebaut werden müssen. Besonders für ältere Personen verdeutlicht dieses Modell, dass mit dem Eintritt ins Rentenalter oder dem Verlust des Partners sowie weiteren Familienmitgliedern Umbrüche stattfinden, die keine Erneuerung der sozialen Netzwerke, sondern eine Verringerung dieser nach sich ziehen können.

2.3 Hypothesenableitung

Ziel dieses Kapitels ist die Entwicklung der Hypothesen für die Untersuchung der allgemeinen Lebenszufriedenheit in Abhängigkeit des sozialen Netzwerks der Bezugsperson sowie möglichen Netzwerkcharakteristika aus den zuvor erläuterten theoretischen Annahmen und ggf. weiteren Ergebnissen anderer Studien.

Im vorhergehenden Kapitel wurde die präventive Wirkung sozialer Unterstützung als Funktion sozialer Netzwerke in Form der Direkteffekt- und Pufferthese dargestellt. Auch wenn Wagner und Wolf (vgl. 2001: 532f.) die Möglichkeit hervorheben, dass soziale Netzwerke für die Bezugsperson belastende Auswirkungen haben können, lautet die erste Hypothese für die nachfolgende Analyse: Je größer das soziale Netzwerk, desto höher ist die allgemeine Lebenszufriedenheit. Neben dem morphologischen Charakteristikum der Netzwerkgröße, ist auch das relationale Charakteristikum der Netzwerkqualität für die Wirkung sozialer Netzwerke in Bezug auf die allgemeine Lebenszufriedenheit von Bedeutung (vgl. Paulus 1997: 177f.). In Verbindung mit der Konkretisierung des vorherigen Einwands durch Schilling und Wahl (vgl. 2002: 305), dass insbesondere konfliktbehaftete und pflichtbasierte familiäre Netzwerke negative Auswirkungen haben, soll in der zweiten Hypothese geprüft werden, ob sich positiv bewertete Netzwerkstrukturen auch positiv auf die Bewertung der allgemeinen Lebenszufriedenheit auswirken. Die Hypothese lautet: Je besser das Verhältnis zu Freunden/Bekannten, desto höher ist die allgemeine Lebenszufriedenheit.

Da sich soziale Netzwerke in Form sozialer Unterstützung auf die Allgemeine Lebenszufriedenheit auswirken und die Möglichkeiten sozialer Unterstützung zum Teil mit der Netzwerkgröße verknüpft sind, wird für die dritte Hypothese die zuvor erläuterte These der funktionalen Spezifizität (vgl. Huxhold et al. 2010: 218) angenommen. Ausgehend von der daraus folgenden Annahme, dass die mit sinkender Netzwerkgröße entfallenden Hilfeleistungen nicht unmittelbar kompensiert werden können, stellt die folgende Hypothese in gewisser Hinsicht eine Umkehrung der ersten Hypothese dar: Je höher die Einsamkeit, desto schlechter ist die allgemeine Lebenszufriedenheit. Zu beachten ist hier jedoch, dass Einsamkeit über die einfache Messung der Netzwerkgröße hinaus geht und bereits eine negative Bewertung dieser darstellen kann. Hieran angelehnt untersucht die vierte Hypothese die allgemeine Lebenszufriedenheit in Abhängigkeit vom Alter der Befragten: Mit zunehmendem Alter sinkt die allgemeine Lebenszufriedenheit. Nach Wagner und Wolf (vgl. 2001: 538) nimmt die soziale Isolation mit steigendem Alter zu, wodurch die allgemeine Lebenszufriedenheit wiederum sinken kann. Des Weiteren kann von zwei Ansätzen ausgegangen werden: Aus positiver Perspektive nimmt die freie Zeit mit steigendem Alter zu, während soziale und berufliche Verpflichtungen abnehmen und familiäre soziale Netzwerke zu großen Teilen erhalten bleiben. Demnach könnte die allgemeine Lebenszufriedenheit mit zunehmendem Alter ebenfalls ansteigen. Aus negativer Perspektive betrachtet, nehmen sowohl Anzahl als auch Qualität der sozialen Beziehungen ab (vgl. Wagner / Wolf 2001: 530), wodurch das Maß der allgemeinen Lebenszufriedenheit im Alter sinken kann.

Mit der fünften Hypothese soll der Frage nach geschlechtsspezifischen Unterschieden in Bezug auf die allgemeine Lebenszufriedenheit nachgegangen werden. Unter der Annahme, dass Frauen in sozialen Netzwerken häufiger die Geberrolle sozialer Unterstützung einnehmen und damit durch soziale Netzwerke eher Kosten als Nutzen erfahren (vgl. Niepel 1994: 48) lautet die fünfte Hypothese: Männer bewerten ihre allgemeine Lebenszufriedenheit besser als Frauen.

Die letzte Hypothese ist angelehnt an die Ergebnisse der Studie von TeschRömer et al. (vgl. 2010: 272f.) welche ein höheres Maß an allgemeiner Lebenszufriedenheit auf höhere Bildung zurückführen. Des Weiteren konnten Wagner und Wolf (vgl. 2001: 541) positive Auswirkungen hoher Bildung auf die Netzwerkgröße zurückführen.

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Details

Seiten
35
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668101975
ISBN (Buch)
9783668101982
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311539
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Soziologie und Demographie
Note
1,3
Schlagworte
Lebenszufriedenheit allgemeine Lebenszufriedenheit soziale Netzwerke DEAS DEAS 2008 Soziologie

Autor

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Titel: Die Auswirkung sozialer Netzwerke auf die allgemeine Lebenszufriedenheit