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Averroes und Averroismus. Versuch einer Neuorientierung der Philosophie im Spanien des 12. Jahrhunderts

Referat (Ausarbeitung) 2015 6 Seiten

Philosophie - Philosophie des Mittelalters (ca. 500-1300)

Leseprobe

Inhalt

1 Biografica

2 Averroismus

2.1 Gott und Welt
2.2 Lehre von der „Doppelten Wahrheit“
2.3 Lehre vom einheitlichen, allumfassenden objektiven Intellekt

3 Sonstiges

Literatur

1 Biografica

Im Jahr 1195 bringt ein Schiff einen prominenten Gefangenen des Kalifen Al Mansur von Cordoba in Spanien nach Marrakesch in Nordafrika ins Exil . Der Gefangene ist 76 Jahre alt und lebt danach bis zu seinem Tod noch drei Jahre. (1126 – 1198).

Der Name dieses Gefangenen lautet auf Spanisch Averroes, auf Arabisch Mohammed ibn Rushd, ein hochgelehrter Mann in den Bereichen Jura, Medizin undTheologie, Kadi zunächst in Sevilla, dann in Cordoba, zudem noch Hofarzt und Vertrauter des Kalifen.Die Stadt Cordoba ist zu dieser Zeit ein Zentrum der maurisch-islamischen Kultur mit einem grossen Reichtum an Bibliotheken.

Inzwischen hat es sich der Gefangene Averroes allerdings mit der islamischen Orthodoxie verscherzt. Auf deren Wohlwollen ist aber der Kalif wegen der von Norden her vordrängenden Christenheere dringend angewiesen.

Neben medizinischen und juristischen Schriften ist Averroes Verfasser u.a.

- einer Kampfschrift gegen Al GazalisDie Vernichtung der Philosophen “ mit dem Titel „ Die Wiederlegung des Al Gazali “, in der er die Überlegenheit der Philosophie über Al Gazalis antiwissenschaftlichen Rückzug auf den Glauben attackiert - von berühmten Aristoteles-Kommentaren.

Da Averroes Aristoteles quasi als Vorbild, in dem die Natur die höchste Vollkommenheit zum Ausdruck bringen wollte, betrachtete, hielt er jegliche Verbesserung und Ergänzung des Aristoteles für obsolet und machte sich daran, dessen Lehre von Entstellungen zu säubern (wobei er allerdings selbst nicht bloss kommentierte, sondern s. E. wichtige Aspekte wie dessen materialistische Tendenz hervorhob).

2 Averroismus

Den „Averroismus“ charakterisieren Philosophische Lexika i.d.R. mit Wendungen wie „ pantheistische Aristotelesauslegung, für die kennzeichnend die Annahme der in allen Seelen einheitlichen wirkenden Gattungsvernunft und die Leugnung der individuellen Unsterblichkeit ist“[1] oder „A. wurde bekannt, weil er die Unsterblichkeit der individuellen Seele bestritt. Die Seele als die den Körper des Menschen formende Bestimmung muß, wenn der Körper vergeht, ebenfalls vergehen. Persönliche Bewusstseinselemente sind an die Materie, an den Leib gebunden und können nicht selbständig überleben. Nur Erkenntnisverfahren ohne individuellen Inhalt (z.B.Mathematik) sind unsterblich, aber eben für alle identisch“[2].

Präziser wird J.F.Maas: „ In Auseinandersetzung mit Philosophien in Augustinischer Tradition steht Averroismus häufig für eine 'Übersteigerung des Rationalismus' gegen Offenbarungstheologie, für die Diskussion des Materiebegriffs und der Sterblichkeit der Seele“.[3] Dies bedarf weiterer Erläuterung [4] :

2.1 Gott und Welt

Für Averroes ist die materielle Welt zeitlich ohne Anfang und Ende, räumlich jedoch begrenzt. Den Glaubenssatz von der göttlichen Schöpfung „aus dem Nichts“lehnt er ab und erklärt, Gott sei mit der Welt „gleichaltrig“. Insofern existiert die Zeit nur in der Bewegung, die ihrerseits in der „ewigen Materie“ als Möglichkeit vorhanden ist, und durch eine „wirkende Kraft“ zur Wirklichkeit gemacht wird; wir messen Zeit nur mit Hilfe der Veränderung.

Die Gottheit selbst ist für Averroes nicht personal, sondern das sich selbst denkende Denken, also ideelle „letzte Ursache“. Das göttliche Denken erstreckt sich aber nur auf den allgemeinen Verlauf des Geschehens, keinesfalls aber auf die Einzelheiten. Insofern glaubt Averroes auch nicht an Wunder, Göttliche Offenbarung oder die Kraft des Gebets, auch nicht an Strafe oder Belohnung nach diesem Leben.

2.2 Lehre von der „Doppelten Wahrheit“

Einerseits sieht Averroes von daher die „Urmaterie“ als „unentstanden und unvergänglich“ und erklärt Werden und Vergehen als „Akt“ der Materie, andererseits definiert er „Gott“ als ideelle „letzte Ursache“. Hier postuliert Averroes letztlich eine Verbindung von materialistischen und idealistischen Aspekten, ist jedoch nicht in der Lage, das Wesen dieser Verbindung näher zu fassen. Einen Versuch, der Lösung dieses Problems näherzukommen, stellt Averroes' „ Lehre von der Doppelten Wahrheit“ dar, die später äusserst populär wurde.

Nach dieser Lehre müssen Religion und Philosophie prinzipiell im Endergebnis zu ein und derselben Wahrheit gelangen.

Allerdings gründet sich die Religion auf Offenbarung und ist für die Breite Masse bestimmt, weshalb sie ihre Wahrheiten nur in eine bildhafte Form kleiden kann. Demgegenüber können die Wahrheiten der Philosophie, die nur für Wenige verständlich und bestimmt ist, auch durch „Reine Spekulation“ erschlossen werden. Averroes folgert daraus, dass man dem einfachen Volk den Glauben lassen muss, da es durch diesen im Zaum gehalten wird.

[...]


[1] (Metzke, S.43)

[2] Hügli/Lübke, S.68

[3], in: Prechtl/Burkhardt, S.58

[4] Die ab hier folgenden Erläuterungen basieren auf AdW (Hg.), S.210-212

Details

Seiten
6
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668100909
Dateigröße
361 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311413
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Philosophie
Note
unbenotet
Schlagworte
Aristoteles Materialismus Sterblichkeit/Unsterblichkeit der Seele Vereinbarkeit Philosophie/Theologie/Wissenschaft

Autor

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Titel: Averroes und Averroismus. Versuch einer Neuorientierung der Philosophie im Spanien des 12. Jahrhunderts