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Cromwells Konzept der 'liberty of conscience' im Konflikt mit den Zeitgenossen

Hausarbeit 2012 13 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Gruppen der Revolution
2.1 Presbyterianer
2.2 Independents
2.3 Das Verhältnis der Gruppierungen zueinander

3 Oliver Cromwell
3.1 Cromwells Bedeutung als politischer und militärischer Anführer
3.2 Cromwells religiöse Ansichten
3.3 Cromwells Begriff des 'liberty of conscience'

4 Bedeutung für die Republik

Literatur

1. Einleitung

„Cromwellian England was a haven of religious freedom“1.

Sollte man den religiösen Teilaspekt in Cowards gelungener Biographie auf eines seiner Zitate herunterbrechen, so wäre dieses die Kernessenz seiner Betrachtungen. Oliver Cromwell, geboren Ende des 16. Jahrhunderts, aufgewachsen in einer adligen Familie und an der Universität Cambridge puritanisch sozialisiert, wurde in einer Zeit politisch aktiv, die nicht für ihre religiöse Toleranz bekannt war. Auf dem Kontinent brach, unter dem Deckmantel der Religion, der 30jährige Krieg aus, und in England zog der König Karl I. bereits früh den Zorn des Parlaments aufgrund seiner Eheschließung mit einer Katholikin auf sich. Die englische Gesellschaft war durchwachsen von religiösen Fanatikern und vielen Sektenanhängern, welche keine religiöse Toleranz zeigten und auch im Parlament wurde Religion immer wieder zum Anlass für Konflikte genommen.

Der Hauptaugenmerk dieser Schrift liegt nicht auf dem Verhältnis Cromwells zum Parlament, sondern auf seinem Begriff der 'liberty of conscience'2. Diese Freiheit war seine republikanische Karriere lang von zentraler Bedeutung und produzierte häufig Konflikte mit dem Parlament oder Militärs, für Cromwell jedoch so wichtig, dass er sie nicht aufzugeben vermochte. Um die Gewissensfreiheit hinreichend ausleuchten zu können, ist es notwendig, Cromwells politische und religiöse Bedeutung bzw. Intention und den parlamentarischen Kontext, in welchem er sich bewegte, zu betrachten. Dabei wird vor allem auf die wichtigsten Gruppierungen zur Protektoratszeit, die Independents und die Presbyterianer, eingegangen und deren Verhältnis zueinander erläutert, um zu verstehen, warum Cromwell, laut Coward, eine Ausnahme des 17. Jahrhunderts ist3 und sich dennoch diese Aussagen nicht widersprechen. Im Anschluss an diese Betrachtung soll der Versuch eines Fazits gezogen werden, in welchem die Bedeutung für die englische Republik im Vordergrund steht.

2 Die Gruppen der Revolution

2.1 Presbyterianer

Die Gruppe der Presbyterianer hatte das Ziel der Ablösung einer episkopalen Staatskirche mit einem Bischof als höchstem Würdenträger. Sie sahen die Organisation der Kirche in der Hand von Gemeindeältesten ebenfalls hierarchisch, aber weniger zentralisiert, als es der Episkopalismus forderte. Da die Schotten presbyterianisch waren, die Engländer jedoch episkopal, führte dies zu einem Dauerkonflikt der beiden Länder. Im Januar des Jahres 1645 jedoch fand eine Transformation der Englischen Kirche auf presbyterianischer Basis statt, welche eine Entwicklung eines neuen Katechismus' nach sich zieht. Trotz dieser Annäherung bestand dennoch eine Differenz zwischen dem englischem und dem schottischem Presbyterianismus, wie Firth4 es ausführt, nämlich der, dass die englische Form weiterhin vom Parlament abhängig war, die schottische jedoch nicht. Die Schotten hatten in den frühen 40er-Jahren Bestrebungen, England mit ihrer Form des Presbyterianismus zu beeinflussen5. Ab den Zeitpunkt der Kirchentransformation begann der Konflikt zwischen den Presbyterianern und den Independents zu schwelen, da die Schotten ihre Ziele auch über den Weg der Erhaltung der Monarchie gegangen wären. Diese Einstellung führte jedoch zu erheblichen Problemen mit der Gruppe der Independents

2.2 Independents

Die Independents brachen nämlich mit der presbyterianischen Vorstellung eines organisierten Kirchenstaates6. Für sie war vielmehr die Kontrolle in die Hände der Gemeinden zu legen, um eine Beeinflussung von oben zu stoppen. Die Parole 'no bishop, no king' war zu dieser Zeit eine gängige und zeigt deutlich die Ablehnungshaltung gegenüber jeglicher Kontrolle einer einzelnen Person. Bereits 1643 war die Verbindung der Independents zu der Kriegspartei, welche sich im Bürgerkrieg entwickelte, sehr stark. Wie bereits erwähnt, verstärkte sich der Konflikt zwischen den Schotten und den Engländern und aufgrund dessen wuchs die Gruppe der Independents deutlich an, da die Angst vor den Schotten die feindliche Haltung in der Gesellschaft potenzierte7. Dieser Prozess wuchs im Laufe der Jahre immer exponentieller und so wurden die Independents eins mit der frühen Kriegspartei, da das Militär ebenso radikale Ansichten hatte. Mit Blick auf den späteren Verlauf lässt sich Reay zitieren, welcher den Wandel der religiösen Ansichten in der Bevölkerung folgendermaßen zusammenfasst: „the strenght of Independency and more radical sectarian forms was an essential ingredient in the failure of Presbyterianism in England“8.

2.3 Das Verhältnis der Gruppierungen zueinander

Bei Underdown9 lässt sich gut nachlesen, dass, zur Zeit der Monarchie, die Friedenspartei, welche sich ungefähr mit den Presbyterianern gleichsetzen lässt, für Reformen und eine Stärkung des Parlaments plädierte, während die Kriegspartei, welche sich zu sehr hohen Anteilen aus dem Militär rekrutierte, eine Abschaffung der Monarchie und die Neuorganisation von Kirche und Staat forderte. In der späteren Entwicklung wird das Parlament vorwiegend presbyterianisch dominiert und die Armee von den Independents, allerdings ist dabei zu beachten, dass keine der Gruppierungen homogener Natur war. Im Verlauf des Bürgerkriegs jedoch wurde eine Einigung erzielt, dass religiöse Debatten während des Krieges vermieden werden sollten, um die Kriegsziele nicht zu behindern10. Des Weiteren wurde Ende der 1640er-Jahre von den Independents verkündet, dass die presbyterianischen Ansätze zur Kirchengestaltung ihren näher lagen als die episkopalen, sodass die Koalition fortgeführt werden könne11. Doch auch nach dem Ende des Bürgerkrieges kam es vermehrt zu Konflikten zwischen dem Parlament und der Armee. Im Dezember 1648 fand der Pride's Purge statt, in dessen Verlauf Colonel Pride militärische Überlegenheit dem Parlament gegenüber zeigen wollte. Die Besetzung des Parlamentsgebäudes zwang die Parlamentarier dazu, mehrere Nächte unter schlechten Bedingungen in dem o.g. Haus zu kampieren. Dieser problematische und sehr aggressive Akt hatte jedoch eine negative Wirkung: „These continued reminders of military power produced more indignation in the house“12. Der Grund für diesen Streich, welcher, auf lange Sicht betrachtet, dem Verhältnis beider Parteien sehr schadete, wurde durchgeführt, um die 'godly reformation'13, auf welche ich im späteren Verlauf noch zu sprechen komme, voranzutreiben.

Besonders während diverser Schlachten und Kriege machten sich Konflikte bemerkbar. So hat sich nach der Schlacht bei Worcester, in welcher Karl II. unterlag und fliehen musste, die Beziehung der Gruppen verschlechtert, da Karl II. sich schottischer Truppen bediente und die Schotten damit endgültig ihre Bestrebungen, in England aktiv eingreifen zu können, aufgeben mussten. Aufgrund dessen brach die Macht der Presbyterianer auf der britischen Insel endgültig und führte zu einer Schwächung selbiger.

Als im Jahre aufgrund des Navigation Act der Krieg zwischen der Republik der Niederlande und der Republik von England ausbrach, schwelte wieder ein Konflikt, da die Presbyterianer ähnliche Vorstellungen wie die niederländische Herrschaftsklasse bzgl. einer Kirchenregierung hatte. „The war against the presbyterian Durch brought a renewed sense of eschatological drama“14. An diesen Beispielen lassen sich deutlich die Wurzeln der Flügel erkennen, denn die Themen Krieg und Frieden wurden häufig ein Aufhänger für parlamentarische Spannungen.

Ein Punkt sei nur vorweggenommen: Weder die Independents, noch die Presbyterianer konnten Cromwells Einsatz für die Wichtigkeit der Gewissensfreiheit teilen, da dieses Thema meist marginalisiert wurde. Sogar als 1654 das Grand Committee for Religion einberufen wurde, welches viele Artikel zu religiösen Fragen debattierte, wurde das Thema Gewissensfreiheit nicht angesprochen15.

Worden schreibt, dass die Armeeführung das erste Parlament als intrigant und korrupt ansah und diese somit niemals Gott gerecht werden könnten16. Die Gegenseite jedoch ging ebenso kritisch mit der Armee um. Als Beispiel nennt ebenfalls Worden den August 1652, als die Armee viele Petitionen im Unterhaus einbringt und Whitelocke, ein Presbyterianer, an Cromwell schreibt: „this way of their petitioning ...with their swords in their hands“17. Als im Jahre 1654 das erste Parlament gewählt wurde, bestand die Mehrheit aus Presbyterianern und moderaten Independents18. Dennoch gab es in jedem englischen Parlament unter Cromwell eine große Masse von Bürgern, deren Haltung nicht bekannt war und die sich keiner der beiden Gruppierungen zuschrieben.

3. Oliver Cromwell

3.1 Cromwells Bedeutung als politischer und militärischer Anführer

Drake meint, gleich zu Beginn seines Aufsatzes, dass Cromwell der Gruppe der Independents zugehörte19. Doch diese Auffassung ist nur zu einem Teil konsistent. Zu Beginn seiner politischen Karriere ist er durchaus dieser Gruppe zuzuordnen, allerdings hat er dies selbst nie getan. Davis schreibt, dass er sich nie einer Gruppe zugehörig fühlte20, und dieser Aussage ist beizupflichten, da er viele Schriften hinterließ, aber keine Zeugnisse, die Aufschluss über seine religiös-politische Einstellung geben; oder um es mit Davis zu sagen: „Cromwell left no programmatic statements, no credos on which we can base a description of his faith“21. Cromwell war überzeugt, dass er das Monopol auf religiöse Wahrheiten hatte und argumentierte häufig mit seiner persönlichen Einstellung. Er benutzte die Religion, um politische Motive zu verdecken. Als bekanntestes Beispiel ist hier der Krieg mit Spanien zu nennen, in welchem „he used the Religious aversion between the English and Spanish to justify the war“22. Keineswegs war seine religiöse Argumentation nur ein Schein. Cromwell war ein bibelfester Puritaner, welcher zwar der Überzeugung war, dass er vom Heiligen Geist beseelt sei und seine Taten die Gottes sind23, allerdings ist daraus kein Singularitätsanspruch heraus abzuleiten. Das Parlament war für ihn kein Mittel zum Zweck, sondern der Vermittler zwischen Gott und der Nation24. Diese Ansicht ist essentiell, da das dem Parlament kritisch gesinnte Militär keinen Rückhalt bei Cromwell fand, umgekehrt jedoch schon. „Cromwell was potentially the Rump's strongest ally“25. Durch den häufigen Wechsel der Parlamente jedoch, auf den ich gleich noch einmal kurz zu sprechen komme, führte die Enttäuschung zu einer Frustration Cromwells und daraus resultierte eine nur noch stärkere Machtzentrierung in seinem Amt als Lord Protektor26.

Cromwell sprach sich mehrfach gegen den Krieg gegen die Niederländer aus und nahm diesen Grund zum Anlass, das Rumpfparlament aufzulösen und das sog. Barebone's Parlament einzuberufen. Diese jedoch standen dem Krieg ebenfalls positiv gegenüber, was auf Seiten Cromwells zu einer Desillusionierung führte, welche den oben genannten Prozess der Machtkonzentration verschärfte. Auch das erste gewählte Parlament war eine herbe Enttäuschung für ihn, da alle diese Parlamente nicht seine religiösen Ansichten teilten.

3.2 Cromwells religiöse Ansichten

Für Cromwell gab es noch zwei weitere Spannungsmomente, aufgrund derer er das Barebone's Parlament auflöste: Die religiöse Intoleranz und die anti-militärischen Ansichten.27 Das Parlament wurde auch 'Parliament of Saints'28 genannt, also eine Gruppe von religiös motivierten Parlamentariern. Davon versprach sich Cromwell die Umsetzung seiner Ansichten in Bezug auf Religion, jedoch wurden seine toleranten Meinungen ebenfalls von diesem Parlament nicht vertreten. Des Weiteren vertraten weite Teile der Mitglieder Standpunkte, welche eine Schwächung des Militärs zur Folge gehabt hätten. Cromwell jedoch, welcher nach wie vor der oberste Militär in England war, nahm diese Faktoren zum Anlass, um dieses Parlament aufzulösen. Doch um auf Cromwells religiöse Ansichten zurückzukommen, lässt sich hier aus Drakes herausragendem Aufsatz zitieren: „There can be no doubt that Cromwell's theological position led him to believe that he had a very close liaison with the Divinity. He thought of himself as a special instrument of God's will“29. Genau aus diesem Grund war die Niederlage im Krieg mit Spanien ein tiefer Einschnitt in die Karriere Cromwells, nicht nur, weil dies sein erstes militärisches Fiasko war, sondern auch, weil er vorher keinen Anlass sah, an seinen Taten zu zweifeln, da er sie über den Erfolg definierte30.

„Toleration, then, is another hallmark of Cromwell's puritanism“31. Toleranz, wie sie unter heutigem Verständnis ausgelegt wird, ist jedoch nicht deckungsgleich mit der Cromwells. Der Feldzug gegen die Iren 1649 endete mit vielen Toten und Massakern gegen die römisch-katholische Bevölkerung, aber v.a. gegen die Prediger. Eine anti-irische Einstellung war durchaus en vogue zu dieser Zeit in England, aber Cromwell war tief durchdrungen von einer Abneigung gegen jegliche Katholiken, da der Römische Katholizismus als das System des Antichristen angesehen wurde32. Diese Haltung lässt sich jedoch gut begründen, da bspw. Underdown schreibt, „Oliver Cromwell was a religious independent“33, weil Cromwell ein Antiformalist war. Für ihn war der vorherrschende Formalismus eine vom Menschen gemachte Norm, welche nicht göttlicher Natur sein konnte. Diese Haltung befreite ihn von jeglicher radikalen Position, denn daraus ergibt sich u.a. auch der Begriff der Toleranz bei ihm.34 Allerdings ist diese Toleranz sehr beschränkt. In der Humble Petition and Advice schützt diese nur „True, Reformed, Protestant, Christian, Religion“35 und keineswegs die Katholiken oder radikale Splittergruppen. Besonders das Wort 'True'36 deutet an, in welche Richtung das Bestreben steuert.

Die Komplexität der Cromwellschen Religion ist schwer zu erfassen, da die bereits kurz angerissene 'godly reformation' und all seine Meinungen zum Glauben, sowie der Begriff der Toleranz aus damaliger Sicht zu deuten sind. Cromwell führte eine Diktatur unter der Bibel37 und, wie bereits erwähnt, sah er sich durch den Heiligen Geist beseelt. Deswegen war seine Motivation die des Befreiers. Sein Ansatz dabei war die Transformation des englischen Volkes mit dem Israels. Cromwell sah sich dabei als Befreier an, welcher sein Volk in einen paradiesischen Ort verwandeln wollte38. Dieses Ziel war sein Antrieb für die göttliche Reformation, welche er England zukommen lassen wollte. Bei Coward steht jedoch Folgendes: Cromwell's godly reformation was not intended to bring about religious plurality“39. Die Protestanten sollten in einer nationalen Kirche vereinigt werden, welche den Rahmen für den Grad an Toleranz, welchen Cromwell anstrebte. Das Problem, welches Bennett40 dabei jedoch erkannte, war, dass Cromwell die Uneinigkeit der Protestanten in England übersah. Dennoch ist dieser Aspekt einer der Pfeiler, auf welche Cromwell seine Theologie stützt. Sein zweites, religiöses Ziel war die Schaffung einer Umwelt von Gewissensfreiheit41.

3.3 Cromwells Begriff des 'liberty of conscience'

Um den Begriff der Gewissensfreiheit bei Cromwell besser erläutern zu können, ist voranzustellen, dass Cromwell Mystiker war, also auf eine Verbindung des Gläubigen zu einer Gestalt der Dreieinigkeit vertraute42. Wie ich oben bereits kurz erklärt habe, lag der Kern des Glaubens nicht in der Institution, sondern im Geist, woraus folgt, dass daraus seine Gewissensfreiheit resultiert. Die Gewissensfreiheit war ein Grundrecht seiner Theologie und damit unanfechtbar, auch wenn sich viele Gruppen gegen diesen liberalen Begriff aussprachen. Besonders im Militär stand man dieser Freiheit sehr kritisch gegenüber, aber auch das Parlament hatte Probleme mit Cromwells Ansichten. Durch die Gewissensfreiheit würden auch Doktrine mit nicht-fundamentalen Wahrheiten zugelassen43, diese jedoch wurden vom Parlament geahndet und hart bestraft. Doch auch für Cromwell gab es Grenzen, welche Howell sehr klar ausdrückte: „For Cromwell, the line was essentially drawn at the point where liberty of conscience proved to be incompatible with the maintenance of law and order“44. Auch die Göttlichkeit Christi und andere biblische Fundamente seien unangreifbar für ihn gewesen, dennoch ließ er Freiheiten gewähren, welche sein Umfeld kritisch betrachtete.

In der Forschung ist man sich einig, dass sein oberstes Ziel die Einheit der reformierten Christenheit war, in welcher sich die Gewissensfreiheit entfalten konnte. Der Begriff der Toleranz spielt zwar eine wichtige Rolle, bei Drake wird sie sogar als oberstes Ziel gesetzt45, allerdings ist dabei keine moderne Schablone dieses Begriffes auszulegen, sondern es ist aus der historischen Perspektive zu betrachten. Das Thema Religion war ein hochpolitisches zu seiner Zeit und fast alle Gruppierungen in der Republik vertraten unterschiedliche Auffassungen von Religion und Kirche, sodass ein Konsens, wie Cromwell ihn vertrat, einen starken toleranten Einschlag aufweist. Doch, wie bereits erwähnt, bedeutet das nicht die Akzeptanz nichtfundamentaler Wahrheiten oder außerbiblischer Ansichten, sondern vielmehr einen Schutzmantel von Freiheiten, welche unter einer nationalen Kirche standen.

4. Bedeutung für die Republik

Um den Verweis Cowards aus der Einleitung noch einmal aufzugreifen, Cromwell sei mit seinen Ansichten eine Ausnahme des 17. Jahrhunderts gewesen, so ist dem nach dieser Betrachtung zuzustimmen. Seine Politik wurde nur bedingt von den wirkmächtigen Gruppen der Independents und Presbyterianer beeinflusst, da er über diesen Gruppen stand und außerhalb eines einzuordnenden Rasters agierte. Er bezog Ideen und Einflüsse von den Independents, zu welchen er noch am Beginn seiner Karriere gehörte, aber auch die Presbyterianer beeinflussten ihn, besonders im Hinblick auf moderatere Meinungen. Von größerer Relevanz jedoch ist seine Theologie, welche aus dem englischen Denken des 17. Jahrhunderts herausstach. Die Begriffe der Gewissensfreiheit und der Toleranz erhielten durch ihn eine neue Bedeutung, jedoch riefen sie auch viele Konflikte hervor. Sein Konzept von der Einheit der protestantischen Kirche lässt sich als konsensualisierte Meinung zwischen den vorherrschenden Gruppen deuten.

Als problematisch lässt sich jedoch das Fazit seiner Karriere ansehen. Bedingt durch Cromwells singulären Meinungen, gepaart mit dem festen Glauben an seine eigenen Handlungen und einem starken Willen, führte zu einer Instabilität der Republik. Die parlamentarischen Gruppen waren sich selten einig, aber durch das Beharren Cromwells auf seinen Prinzipien wurde ein kontraproduktiver Prozess angestoßen, welcher zu einer Lähmung der Republik führte. Die häufigen Wechsel der Parlamente zeugen von einer Unzufriedenheit Cromwells mit den Parlamentariern und zu einer Machtballung in seinem übermächtigen Amt. Doch trotz seiner Willkür vermochte er es nicht, seinen Willen gegen das Parlament durchzusetzen und den Staat und die Kirche nach seinen Vorstellungen zu formen. So klar seine religiösen Visionen auch sein mögen, in der politischen Realität lässt sich keine vorzeigbare Konsequenz der Cromwellschen Ära festmachen, sodass dann, nach seinem Tod, die englische Gesellschaft von der politischen Realität eingeholt wurde und zu einem Monarchen zurückkehren musste.

Literatur

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Worden, B. The Rump Parliament 1648-1653. Cambridge 1974.

[...]


1 Coward, B.: Oliver Cromwell. London 2000. Seite 111.

2 Gewissensfreiheit

3 Ders., S. 112

4 Vgl. Firth, C.: Oliver Cromwell and the Rule of the Puritans in England. Oxford 1900/1953. S. 141.

5 Vgl. Kaplan, L.: Presbyterians and Independents in 1643. In: The English Historical Review, Vol. 84. Oxford 1969. S. 250.

6 Drake, G. The Ideology of Oliver Cromwell. In: Church History. Studies in Christianity & Culture, Vol. 35, No. 3. Cambridge 1966. S. 259.

7 Vgl. Kaplan: Gruppierungen, S. 251f.

8 Reay, B.: Radicalism and Religion in the English Revolution. In: Radical Religion in the English Revolution. McGregor, J. F., Reay, B. (Hrsg.). Oxford 1984. S. 10.

9 Vgl. Underdown, D.: Pride's Purge. Politics in the Puritan Revolution. London 1985. S. 60f.

10 Vgl. Kaplan: Gruppierungen. S. 245.

11 Vgl. Ders. S. 255.

12 Underdown: Pride's Purge. S. 160)

13 Göttliche Reformation

14 Worden, B. The Rump Parliament 1648-1653. Cambridge 1974. S. 304

15 Hutton, W. H.: The English Church from the accession of Charles I. To the Death of Anne. In: A History of the English Church. London 1903. S. 86.

16 Vgl. Ders. S. 285.

17 Ders. S. 308.

18 Trevor-Roper, H. R.: Religion, the Reformation and Social Change. London 1967. S. 415.

19 Vgl. Drake: Ideology, S. 259.

20 Davis, C.: Cromwell's Religion. In: Cromwell and the Interregnum. Smith, D. L. (Hrsg.). Cornwall 2003. S. 184.

21 Ders. S. 182f.

22 Drake: Ideology. S. 272.

23 Vgl. Ders. S. 259.

24 Smith, D. L.: Oliver Cromwell, the First Protectorate Parliament and Religious Reform. In: Smith, D. L. (Hrsg.). Cornwall 2003. S. 167.

25 Worden: Rump, S. 286.

26 Vgl. Smith: Cromwell. S. 177.

27 Vgl. Coward: Cromwell, S. 96f.

28 Parlament der Heiligen

29 Drake: Ideology, S. 264.

30 Vgl. Paul, R. S.: The Lord Protector. Religion and Politics in the Life of Oliver Cromwell. London 1955. S. 271.

31 Drake: Ideology, S. 263.

32 Vgl. Paul: Lord Protector, S. 208.

33 Underdown: Pride's Purge, S. 65.

34 Davis: Cromwell's Religion, S. 201

35 Ders. S. 194.

36 wahr

37 Vgl. Paul: Lord Protector, S. 274.

38 Ders., S. 218.

39 Coward: Cromwell, S. 110.

40 Vgl. Bennett, M.: Oliver Cromwell. Oxon 2006. S. 174.

41 Vgl. Davis: Cromwell's Religion, S. 190.

42 Drake: Ideology, S. 263.

43 Vgl. Worden, B.: Toleration and the Cromwellian Protectorate. In: Studies in Church History. Persecution and Toleration. Sheils, W. J. (Hrsg.). London 1984. S. 211.

44 Howell, R.: Cromwell in English liberty. In: Freedom and the English Revolution. Essays in history and literature. Richardson, R. C., Ridden, G. M. (Hrsg.). Manchester 1986. S. 30.

45 Vgl. Drake: Ideology, S. 260.

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (Buch)
9783668100398
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311366
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Schlagworte
cromwells konzept konflikt zeitgenossen

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