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CLS: Continuous Linked Settlement. Minimierung der Erfüllungsrisiken im Devisenhandel

Diplomarbeit 2002 63 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Ausgangssituation
2.1 Quantifizierung der Risiken im FX-Handel
2.1.1 Risiken im Devisenhandel
2.1.2 Maßnahmen zur Bestimmung der Höhe und der Dauer des FX-Zahlungsrisikos
2.2 Abwicklungssysteme im Zahlungsverkehr
2.2.1 Bruttoabwicklungsverfahren und TARGET
2.2.2 Nettoabwicklungsysteme
2.2.2.1 Bilaterales Netting
2.2.2.2 Multilaterales Netting

3 Continuous Linked Settlement
3.1 Die CLS-Währungen
3.2 Verbindung zwischen der CLS-Bank und den nationalen Zentralbanken
3.2.1 Der Australische Dollar (AUD)
3.2.2 Das Britische Pfund (GBP)
3.2.3 Der Euro (EUR)
3.2.4 Der Japanische Yen (JPY)
3.2.5 Der Kanadischen Dollar (CAD)
3.2.6 Der Schweizer Franken (CHF)
3.2.7 Der US Dollar (USD)
3.3 Schaffung eines einheitlichen Zeitfensters

4 Einbindung von CLS in den Bankbetrieb
4.1 Teilnahme am CLS-System
4.1.1 Settlement Member und User Member
4.1.2 Third-Party
4.2 Tagesablauf eines Settlements bei CLS
4.3 Einfluss von CLS auf einzelne Bereiche und Prozesse
4.3.1 Liquiditätsaspekte von CLS
4.3.1.1 Zentralbanken
4.3.1.2 Inside/Outside Swaps
4.3.1.3 Cross-Border Cash and Collateral Pool (CCCP)
4.3.2 Veränderungen im Risk Management, Correspondent Banking und Back Office
4.4 Auf dem Weg zum „Go-Live“ im Jahr 2002
4.5 Verringerung der Settlementrisiken durch CLS und Auswirkungen auf die Bank
4.5.1 Zeitliche Risiko
4.5.2 Verbesserung des Liquititätsmanagement
4.5.3 Eliminierung des Zeitzoneneffektes
4.5.4 Erhöhung der Transparenz für die Banken
4.5.5 Kreditrisiko
4.5.6 Was passiert bei Systemausfällen?

5 Fazit

Literaturverzeichnis

INTERNETVERZEICHNIS

CD-ROM mit Internetquellen und Zusatzinformationen

Ehrenwörtliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Risikoarten im Devisenhandel

Abbildung 2: Nichterfüllung eines Devisengeschäftes

Abbildung 3: Abwicklung von Devisenhandelstransaktionen

Abbildung 4: Beispiel für Bruttoabwicklungsverfahren

Abbildung 5: Infrastruktur von TARGET

Abbildung 6: Beispiel für bilaterales Netting

Abbildung 7: Beispiel für multilaterales Netting

Abbildung 8: Die CLS Group Holding

Abbildung 9: Überschneidung der Öffnungszeiten der nationalen RTGS-Systeme

Abbildung 10: Zeitfenster der RTGS-Systeme Februar 1997

Abbildung 11: RTGS-Systeme mit einem einheitlichen Zeitfenster

Abbildung 12: Teilnahmemöglichkeiten bei CLS und ihre Zusammenhänge

Abbildung 13: Zusammenhang Settlement Member und User Member

Abbildung 14: Zusammenhänge zwischen den einzelnen Teilnahmemöglichkeiten

Abbildung 15: Abwicklung der Handelsgeschäfte einer Third Party ohne CLS

Abbildung 16: Abwicklung der Handelsgeschäfte einer Third Party mit CLS

Abbildung 17: Phasen des Settlements bei CLS

Abbildung 18: Kontinuierliche Prozess in der CLS-Bank

Abbildung 19: Zusammensetzung des In/Out Swaps

Abbildung 20: CCCP – Cross-border Cash and Collateral Pool

Abbildung 21: Phasen bis zum Go-Live

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: RTGS Systeme in der G10-Gruppe

Tabelle 2: Netting Systeme in der Zehnergruppe

Tabelle 3: Wachstum der Transaktionen im multilateralen Netting am Beispiel ECHO

Tabelle 4: Die 69 Shareholder der CLS-Bank (Stand März 2002)

Tabelle 5: Unterschiede zwischen einer Settlement und einer User Mitgliedschaft bei der CLS-Bank

1 Einleitung

Der Grundstein für die Überlegungen eines neuen privaten Settlement-Systems beruhen auf das „Herstatt-Risiko“ aus dem Jahr 1974. Im April diesen Jahres kam das kleine Kölner Bankhaus Herstatt durch Devisenspekulationen in einige Turbulenzen. Die Abteilung Devisenhandel war besetzt mit 6 jungen Mitarbeitern, die knapp über 20 Jahre waren. Die „Gold-Jungs“, wie sie genannt wurden, beherrschten dutzende Telefone mit Dauerschaltungen zu allen wichtigen ausländischen Devisenbörsen. Solange der Dollar stieg, brachten sie dem Bankhaus Herstatt viel Erfolg, mit ihren Spekulationen auf einen steigenden Dollar, ein. 1973 machte diese Devisenabteilung einen Umsatz von 63 Milliarden DM, was der Hälfte des damaligen Bundeshaushaltes der Bundesrepublik Deutschland entsprach. Zu Beginn des Jahres 1974 wurden die Dollarspekulationen auf ein Volumen von 8 Milliarden DM hinaufgetrieben. Bei 1 % Gewinn oder Verlust des Dollarpreises würde ein Gewinn bzw. Verlust von 80 Millionen DM entstehen. Hierbei ist zu beachten, dass das haftende Eigenkapital des Bankhauses Herstatt nur 77 Millionen DM betrug. Die Spekulationen über den steigenden Dollarpreis gingen aufgrund der Ölkrise nicht auf. Per 11.4.1974 hatte die Devisenabteilung einen Verlust von 400 Millionen DM erwirtschaftet, der nur durch 200 Millionen DM erwartete Termingewinne gedeckt war. Die Sanierungsversuche in den nächsten zwei Monaten schlugen fehl. Am 26.6.1974 nahm das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen dem Bankhaus Herstatt die Erlaubnis zum Betreiben von Bankgeschäften gemäß § 35 Abs. 2 Nr. 4 KWG zurück. Das hatte zur Folge, dass mit sofortiger Wirkung alle Schalter geschlossen und alle Zahlungen eingestellt wurden.[1]

Zu dieser Zeit hatte das Bankhaus Herstatt verschiedene Devisengeschäfte mit Banken in den USA zu laufen. Diese waren jedoch aufgrund der Zeitunterschiede „durchgeschnitten“. Die US-Banken hatten ihre DM-Obligationen während des deutschen Bankentages am 26.6.1974 schon gezahlt. Als das Bankhaus Herstatt 15:30 Uhr Frankfurter Zeit geschlossen wurde, war es in New York um 10:30 Uhr noch früher Bankenmorgen. Da die US-Korrespondenz vom Bankhaus Herstatt alle Zahlungen einstellen mußte, konnte sie die USD-Obligationen nicht mehr zahlen. Das hatte zur Folge, dass Herstatt’s Kontrahenten einen Komplettausfall in Höhe ihrer DM-Obligationen machten.[2]

In den folgenden Jahren gab es weitere Beispiele von FX-Zahlungsrisiken, wenn auch nicht in dem Ausmaße wie die Herstatt-Pleite. Die bekanntesten Ereignisse sind der Zusammenbruch von Drexel Burnham Lambert 1990, die Schließung von BCCI 1991, der Umsturzversuch in der ehemaligen UdSSR 1991 und die Barings Krise 1995.[3]

Werden die globalen Verflechtungen der internationalen Handelszentren und die täglichen Transaktionen in Höhe von 3,5 Billionen USD in die Betrachtung mit einbezogen, wird klar, dass das Risiko einer Nichterfüllung immer größer wird.[4] Hier tritt das neue Settlement-System CLS (Continuous Linked Settlement) in den Vordergrund. Das private Projekt von Continuous Linked Settlement, das durch die zwanzig größten Devisenhandelsbanken ins Leben gerufen worden ist, soll die zur Zeit bestehenden Settlementrisiken im Devisen-handelsverkehr eliminieren. Der Starttermin (Go-Live) für dieses System wurde immer wieder verschoben, da das IT-System, entwickelt von IBM, noch nicht den strengen Anforderungen der CLS Holding Group entsprochen hat. Zur Zeit wird der Starttermin auf das Ende des zweiten Quartals geschätzt.[5] Aufgrund dieses Starttermines kann diese Arbeit nicht den Anspruch erheben, dass CLS-System als vollständiges und komplettes System zu präsentieren, da die Praxiserfahrungen mit ihm fehlen. Desweiteren basiert diese Arbeit vorwiegend auf Internetquellen und kurzen Abhandlungen von Banken und Research-Unternehemen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Deshalb soll mit der vorliegenden Arbeit ein Einblick in den derzeitigen Stand des CLS-Systems gewonnen werden und zeigen, dass ein solches Projekt die Möglichkeit schafft, den Devisenhandelsmarkt zu revolutionieren. Folgende Ziele werden somit verfolgt:

- kurze Darstellung der aktuellen Situation im Devisenhandel mit Nennung der einzelnen Risiken
- Vorstellung des CLS-Systems mit seinen Währungen und Möglichkeiten
- Einordnung des Systems Continuous Linked Settlement in den Bankbetrieb
- Klärung der Frage, ob Teilnahme als Settlement Member oder Third Party
- Darstellung der Abwicklung bzw. Settlement-Phasen bei CLS
- Einfluss von CLS auf einzelne Abteilungen und Prozesse in der Bank
- Wie werden durch die o.g. Punkte die Risiken minimiert?

Um diesen Zielen gerecht zu werden, ist die Arbeit nach den angeführten Punkten gegliedert.

2 Ausgangssituation

Wie in der Einleitung beschrieben, bestehen erhebliche Probleme im Bereich des Devisenhandels. Die Aufsichtsbehörden und Zentralbanken der G10-Staaten zu denen Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Niederlande, Schweden, Schweiz, Großbritannien und USA gehören, beschäftigen sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Problem Erfüllungsrisiko im Fremdwährungshandel. Aus ihren Studien heraus ziehen sie Schlüsse wie die Risiken erkannt und verringert werden können. Eines der wichtigsten Publikationen zu diesem Thema ist der sogenannte ALLSOPP-Report, der im März 1996 unter dem Namen „Erfüllungsrisiken bei Devisenhandelstransaktionen“ erschienen ist. Dieser Report baut auf die anderen wichtigen Publikationen „Bericht über Netting-Systeme“ (Angell-Report, Februar 1989)[6], „Bericht des Ausschusses für Interbank-Netting-Systeme“ (Lamfalussy-Report, November 1990)[7] und „Zahlungsverkehrdienstleistungen der Zentral-banken für grenzüberschreitende und mehrere Währungen einbeziehende Transaktionen“ (Noël-Report, September 1993)[8] auf.[9]

Um das Thema Continuous Linked Settlement genau verstehen zu können, ist es wichtig die Erkenntnisse über Risiko, Risikomessung und Risikoverminderung aufzuzeigen. Im zweiten Teil dieses Kapitels werden die verschiedenen Möglichkeiten von Zahlungssystemen kurz dargestellt, um CLS genauer einzuordnen und seine Vorteile zu erkennen.

2.1 Quantifizierung der Risiken im FX-Handel

Der Ausschuss für Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme (CPSS)[10] befasst sich im ange-sprochenen ALLSOPP-Report mit den Risiken im Devisenhandelsgeschäft. Dieser Ausschuss setzte im Juni 1994 die „Arbeitsgruppe für das Erfüllungsrisiko bei Devisen-handelstransaktionen“ ein. Diese soll die Arbeiten von CPSS weiter- und zusammenführen und neue Strategien entwickeln, die zur Reduzierung des FX-Risikos beitragen. Hierbei befragte die Arbeitsgruppe 80 Banken in den G10-Staaten über ihr Risikomanagement im Bereich des Devisenhandels. Die Untersuchung ergab, welche Risiken die einzelnen Banken haben.[11]

2.1.1 Risiken im Devisenhandel

Im Bereich des Devisenhandels gibt es verschiedene Risiokoarten. Die folgende Grafik soll die wichtigsten Risikoarten darstellen und zeigen, wie das Erfüllungsrisiko einzuordnen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Risikoarten im Devisenhandel

Quelle: in Anlehnung an: Internetquelle 2

Im einfachsten Sinne ist die Erfüllung eines Devisenhandelsgeschäftes die Zahlung einer Währung und den Empfang einer anderen Währung. Das Geschäft ist aber erst abgeschlossen, wenn die Übertragung der einen Währung erfolgt ist und die endgültige Übertragung der andere Währung stattfindet. Es könnte passieren, dass eine Partei die von ihr verkaufte Währung zahlt, ohne die von ihr gekaufte Währung zu erhalten.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Nichterfüllung eines Devisengeschäftes

Quelle: in Anlehnung an: Internetquelle 2

Das Risiko des Nichterhaltes der gekauften Währung wird als Erfüllungsrisiko oder Risiko des wechselseitigen Ausgleichs in mehreren Währungen bezeichnet. Das Erfüllungsrisiko kann aus verschiedenen Gründen auftreten, da es Merkmale des Kreditrisikos und Merkmale des Liquditätsrisikos trägt.

Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass das Erfüllungsrisiko nicht allein ein Intraday-Risiko ist. Bei den derzeitigen Abwicklungspraktiken entstehen offene Positionen, die mindestens ein oder zwei Geschäftstage bestehen bleiben. Weitere ein bis zwei Geschäftstage können vergehen, um die Sicherheit zu haben, das die eine Partei die gekaufte Währung tätsächlich erhalten hat. Das Erfüllungsrisiko kann im Extremfall so hoch sein wie die erwar-teten Zahlungseingänge aus drei Handelstagen. Diese offenen Risikopositionen können das Eigenkapital einer Bank jederzeit übersteigen. Um diese Risikopositionen in Umfang und Dauer realistisch festzustellen, gab die Aufsichtsbehörde einen Vorschlag zur Bestimmung dieser Größen.[13]

2.1.2 Maßnahmen zur Bestimmung der Höhe und der Dauer des FX-Zahlungsrisikos

Der Ausschuss für Zahlungsverkehrs- und Abrechnungssysteme definiert den Umfang und die Dauer des Erfüllungsrisikos im Devisenhandel wie folgt:

„ Das tatsächliche Risiko einer Bank – der Risikobetrag – bei der Erfüllung eines Devisenhandelsgeschäfts entspricht dem Gesamtbetrag der gekauften Währung und dauert von dem Zeitpunkt, zu dem ein Zahlungsauftrag für einen Währungskauf nicht mehr einseitig widerrufen werden kann, bis zum endgültigen Erhalt der gekauften Währung.“[14]

Hierbei ist zu beachten, das diese Definition nichts aussagt über die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verlust tatsächlich eintritt. Weiterhin definiert diese Aussage nicht, ob eine Bank imstan-de ist, ihr Risiko zu einem bestimmten Zeitpunkt zu messen und zu steuern. Damit eine Bank ihr laufendes und zukünftiges Erfüllungsrisiko messen kann, wie es in der Definition be-schrieben wird, müßte sie sich dem sich ändernden Status jeder einzelnen Devisenhandels-transaktion während des Abwicklungsprozesses anpassen. Der Status einer Transaktion kann in fünf Hauptkategorien bezüglich des Erfüllungsrisikos eingeteilt werden, um somit ein Mindest- oder Höchstrisiko festzustellen.[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Abwicklung von Devisenhandelstransaktionen

Quelle: in Anlehnung an: Internetquelle 21

Um die einzelnen Geschäfte dem jeweiligen Status zuzuordnen, ist es wichtig, dass der Bank drei wichtige Zeitpunkte bekannt sind. Diese sind in der obigen Abbildung mit eins bis drei gekennzeichnet und von den Regelungen der jeweiligen Zahlungsverkehrssysteme, von den internen Abwicklungsverfahren und den Korrespondenzbankvereinbarungen der einzelnen Banken abhängig.[16]

Wenn eine Bank diese Zeitpunkte ermittelt und ihre Geschäftsabschlüsse dem richtigen Status zugeordnet hat, kann sie durch einfache Addition ihre aktuelle Risikoposition feststellen.

Bei Banken, die über Realtime-Informationen verfügen und den endgültigen Eingang oder Nichteingang der gekauften Währung sofort ermitteln kann, wird das Erfüllungsrisiko aus der Summe der Geschäftsabschlüsse des Status I und des Status F bestimmt. Diejenigen Banken, die ihre endgültigen Eingänge bzw. Nichteingänge nicht sofort ermitteln, können den Umfang des Risikos nicht genau feststellen. Dieser Aspekt rührt daher, dass sie nicht genau wissen, welche Abschlüsse aus Status U tatsächlich abgewickelt worden sind. Aufgrund dieser Unsicherheit sollten diese Banken ihren Mindest- bzw. Höchstumfang ihres Erfüllungsrisikos im Devisenhandel kennen. Das Mindestrisiko der Bank wird bestimmt, wie das Risiko bei den Banken mit Realtime-Informationen, aus der Summe des Status I und des Status F. Das Höchstrisiko beinhaltet die Unsicherheit der Zahlungseingänge der gekauften Währung und setzt sich aus der Summe der Geschäftsabschlüsse mit Status I, F und U zusammen.[17]

Wie in Kapitel 2.1.1 angesprochen ist die Dauer des Erfüllungsrisikos im Devisenhandel kein Intraday-Problem. Bezogen auf die drei Zeitpunkte, die bei der Abwicklung einer Devisen-handelstransaktion bekannt sind, besteht derzeit ein Risiko zwischen dem Schlusstermin für den einseitigen Widerruf und der Fälligkeit des endgültigen Eingangs der gekauften Währung. Das bedeutet, dass alle Geschäftsabschlüsse im Status I derzeit ein bis zwei Geschäftstage verharren und so ein Risiko darstellen. Bei vielen Banken dauert es weitere ein bis zwei Geschäftstage bis Gewissheit besteht, ob alle Transaktionen termingerecht eingegangen sind. Diese Zeitspanne beschreibt die Dauer des Status U. Somit kann ein Risiko mehr als drei Geschäftstage plus dazwischenliegende Wochenenden und Feiertage für eine Bank bestehen. Dabei ist es völlig unabhängig davon, welche Währung eine Bank kauft oder verkauft. Es kann vorkommen, dass der Schlusstermin, für den einseitigen Widerruf der Zahlung der verkauften Währung, der frühere ist. Das Erfüllungsrisiko der Bank, die gezwungen ist die verkaufte Währung auszuzahlen, besteht darin, dass sie die gekaufte Währung nicht erhalten wird.[18]

2.2 Abwicklungssysteme im Zahlungsverkehr

2.2.1 Bruttoabwicklungsverfahren und TARGET

Bei den einzelnen Bruttoabwicklungssystemen in den Ländern der G10-Gruppe erfolgt die Abwicklung und Übertragung gleichzeitig. Das bedeutet, dass die Übermittlung und Verarbei-tung in Echtzeit passiert. Die Kreditoren und Debitoren werden jedoch nicht miteinander auf-gerechnet, so das Transaktionen einzeln abgewickelt werden.[19] Die folgende Grafik soll als Beispiel dienen und die einzelnen Zahlungsströme verdeutlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Beispiel für Bruttoabwicklungsverfahren

Quelle: in Anlehnung an: Internetquelle 22

Wie in der Abbildung zu sehen, wird in diesen einzelnen Transaktionen ein Geldvolumen in Höhe von 450 transferiert.

Die wichtigsten Bruttoabwicklungssysteme sind EIL für Deutschland, TBF in Frankreich, TOP in den Niederlanden, FEDNET in den USA und BOJ-NET in Japan. Eine Übersicht liefert folgende Tabelle:[20]

Tabelle 1: RTGS Systeme in der G10-Gruppe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Internetquelle 3

Diese Systeme bilden die Grundlage für Delievery versus Payment (DvP) und Payment versus Payment (PvP). Ein Vorteil der Bruttoabwicklungssysteme ist die schnelle Abrechnung und Abwicklung. Dagegen ist der hohe Liquiditätsbedarf nachteilig zu sehen.[21]

Da jetzt die einzelnen Länder unterschiedliche RTGS-Systeme nutzen, benötigen diese eine Schnittstelle beim Austausch über nationale Grenzen hinaus. Dieses Verbindungsglied stellt in Europa das System TARGET (Trans-European Automated Real-Time G ross Settlement Express Transfer-System) dar.[22]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Infrastruktur von TARGET

Quelle: Internetquelle 22

Es wurde entwickelt, um einen sicheren und zuverlässigen Mechanismus für die Übertragung von Devisentransaktionen auf RTGS-Basis anzubieten. Desweiteren wird die Effizienz solcher Transaktionen im Euro-Raum erhöht. Zuletzt dient es den Belangen der Europäischen Zentralbank für ihre Geldpolitik.[23]

2.2.2 Nettoabwicklungsysteme

Nettoabwicklungssysteme bieten die Möglichkeit, dass nur noch die verhältnismäßig kleinen Nettobeträge abgerechnet werden müssen. Zwei oder mehr Banken können ihre Positionen oder Verpflichtungen gegeneinander aufrechnen und somit die bereitzuhaltenden Beträge verringern.[24] Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht über die Netting-Systeme der G-10 Staaten.

Tabelle 2: Netting Systeme in der Zehnergruppe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Internetquelle 3

Auch bei diesen Netting-Systemen liegt die Wertstellung einer Devisenzahlung ein oder zwei Tage nach dem Abschlußtag. Eine Effizienz des Nettings ist, dass die Abwicklung von Devisengeschäften mit ihren Transaktionskosten, einschließlich Spesen- und Übermittlungs-gebühren, verbunden sind. Des weiteren berücksichtigen die einzelnen Systeme, wie sich die einzelnen Netting-Vereinbarungen auf das Ausfallrisiko der Teilnehmer auswirken.[25]

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten des Nettings, die Positionenaufrechnung (position netting) sowie die Aufrechnung von Verpflichtungen (netting by novation). Bei der Posi-tionenaufrechnung vereinbaren zwei oder mehr Banken informell an jedem Erfüllungstag, wo mindestens zwei Beträge fällig sind, den Ausgleich durch eine einzige Zahlung des Differenzbetrages zu tätigen. Hierbei ist das Erfüllungsrisiko zu beachten, das sowohl Element des Bonitäts- als auch des Liquiditätsrisikos ist.[26] Das Bonitätsrisiko bleibt bei dieser Möglichkeit des Nettings unverändert, da die Bruttobeträge, die diesen Zahlungen zugrunde liegen, in voller Höhe haften. Es werden somit nur die Anzahl der Nachrichten und der Beträge verringert.[27]

Die zweite Möglichkeit besteht im Aufrechnen von Verpflichtungen. Sobald ein Devisen-kontrakt oder eine andere Verpflichtung kompensiert wird, gilt sie als erfüllt. Dieser Vorgang kann bis zum Buchungsschluß unendlich wiederholt werden. Das Bonitätsrisiko für jeden einzelnen Erfüllungstag besteht jetzt nur noch auf Nettobasis, statt wie bisher auf Bruttobasis.

Eine letzte Möglichkeit besteht beim Automatischem Netting bei Zahlungsunfähigkeit eines Teilnehmers (netting by close-out). Hier vereinbaren zwei oder mehr Parteien was passiert, wenn ein im voraus bestimmtes Ereignis, wie z.B. Bestellung eines Insolvenzverwalters, eintritt.[28] Das Netting by close-out soll im weiteren nicht näher dargestellt werden, da es im Rahmen dieser Arbeit eine untergeordnete und zu spezielle Sichtweise darstellt.[29]

[...]


[1] Vgl. Internetquelle 1.

[2] Vgl. Internetquelle 2.

[3] Vgl. Internetquelle 3 und Vgl. Internetquelle 2.

[4] Vgl. Internetquelle 3.

[5] Vgl. Lebert, Rolf (2002), S.20 und Internetquelle 12.

[6] Originaltitel: „Report on Netting Schemes“

[7] Originaltitel: „Report of the Committee on Interbank Netting Schemes of the Central Banks of the Group of Ten countries”

[8] Originaltitel: „Central Bank Payment and Settlement Services with respect to cross-border and multi-currency Transactions”; Alle drei Publikationen befinden sich als pdf-Datei auf der beiliegenden CD-Rom.

[9] Vgl. Internetquelle 2.

[10] CPSS – Committee on Payment and Settlement Systems.

[11] Vgl. Internetquelle 2.

[12] Vgl. Internetquelle2.

[13] Vgl. Ebenda.

[14] Internetquelle 2, S. 9.

[15] Vgl. Internetquelle 2.

[16] Vgl. Internetquelle 21.

[17] Vgl. Internetquelle 2.

[18] Vgl. Ebenda.

[19] Vgl. Internetquelle 3.

[20] Vgl. Ebenda.

[21] Vgl. Internetquelle 3.

[22] Vgl. Internetquelle 4.

[23] Vgl. Internetquelle 4.

[24] Vgl. Internetquelle 3.

[25] Vgl. Internetquelle 5.

[26] siehe Abbildung 1 in Kapitel 2.1.1.

[27] Vgl. Internetquelle 5.

[28] Zum Ausgleich anstehende Beträge werden abgezinst, um die an diesem Tag fälligen Beträge zu ermitteln. Diese werden in eine Grundwährung umgerechnet, so dass sich eine einzige Zahlung ergibt, die von der insolventen Bank noch zu leisten ist oder an sie geleistet werden muß. Der Insolvenzverwalter muß alle offenen Verplichtungen aus Geschäften zwischen den Banken erfüllen (Vgl. Internetquelle 5).

[29] Vgl. Internetquelle 5.

Details

Seiten
63
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638322171
ISBN (Buch)
9783638703475
Dateigröße
958 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v31114
Institution / Hochschule
Berufsakademie Berlin
Note
gut
Schlagworte
Minimierung Erfüllungsrisiken Devisenhandel Continuous Linked Settlement

Autor

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Titel: CLS: Continuous Linked Settlement. Minimierung der Erfüllungsrisiken im Devisenhandel