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Handlungsorientierter Umgang mit einer Fabel: "Der Affe als Schiedsrichter" (Deutsch 6. Klasse Realschule)

Unterrichtsentwurf 2013 32 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Überlegungen zu den Lernvoraussetzungen
1.1 Äußere Bedingungen
1.2 Bedingungen der Lerngruppe

2. Didaktische Überlegungen
2.1 Bezug zum Bildungsplan
2.2 Didaktische Begründung
2.3 Stellung des Themas innerhalb der Unterrichtseinheit
2.4 Stundenziele

3. Sachanalyse
3.1 Fabel
3.2 Der Affe als Schiedsrichter

4. Methodische Überlegungen
4.1 Einstieg
4.2 Erarbeitung
4.3 Durchführung
4.4 Auswertung/Präsentation

5. Verlaufsplanung

Literaturverzeichnis

Bildquellen

Anhang

1. Überlegungen zu den Lernvoraussetzungen

1.1 Äußere Bedingungen

Die (Name der Schule) ist ca. 25 km von der Landeshauptstadt (xxx) entfernt. Allerdings ist die Region mit vielen kleineren Ortschaften eher ländlich geprägt. In der Schule werden derzeit 321 Schüler1 unterrichtet. Das Kollegium der Schule besteht aus 31 Lehrkräften. Die Grundschüler stammen vorwiegend aus (xxx), einige Werkrealschüler fahren aber auch aus den Einzugsgebieten (xxx) mit dem Bus zur Schule. Die Grundschule ist zweizügig. Die Werkrealschule hingegen ist, bis auf die 6. Klasse, einzügig.

Die Lehrprobe in Deutsch findet außerhalb des regulären Stundenplans statt: In der fünften Unterrichtsstunde haben die Schüler Religion. Da einige Schüler dieses Fach nicht belegen, haben sie normalerweise keinen Unterricht mehr.

1.2 Bedingungen der Lerngruppe

Die Klasse 6x setzt sich derzeit aus 17 Schülern zusammen, wovon neun Mädchen und acht Jungen sind. Somit ist das Geschlechterverhältnis ausgewogen. Insgesamt ist das soziale Klima in der Klasse harmonisch, die Schüler gehen freundlich miteinander um und sind hilfsbereit. Die Schüler zeigen sich sowohl gegenüber bekannten als auch neuen Unterrichtsinhalten aufgeschlossen. Die Hälfte der Lerngruppe hat einen Migrationshintergrund. Dies schlägt sich auch in der gesprochenen deutschen Sprache nieder: Diese Schüler haben oft Schwierigkeiten in ihrer Ausdrucksfähigkeit. Die Schülerleistungen in dieser Klasse können insgesamt als eher weniger stark bezeichnet werden.

(Schüler x) ist ein sehr aufgeweckter und intelligenter Junge, der sich aktiv am Unterricht beteiligt und durch seine qualitativ guten Beiträge die Unterrichtsinhalte bereichert. Allerdings ist er sehr ungeduldig und bricht oft die Klassenregeln: Wenn er sich beispielsweise meldet und nicht sofort aufgerufen wird, dann schreit er häufig raus, protestiert und fühlt sich ungerecht behandelt. In diesem Fall erinnere ich ihn an die Klassenregeln und wende die erste Stufe der Verwarnung an, indem ich seinen Namen an die Tafel schreibe. Ebenfalls schwierig ist es, diesen Schüler in den letzten Unterrichtsstunden zu motivieren. Er kann sich zu diesem Zeitpunkt oft nicht mehr konzentrieren und neigt dann speziell dazu, den Unterricht zu stören. Das Schauspielern in der Durchführungsphase kann ihn eventuell dazu bringen, seine Konzentration aufrecht zu erhalten und so motiviert zu arbeiten.

Auch (Schüler y) stört oft den Unterricht, weil seine Konzentration schnell nachlässt. Dann spricht er mit seinem Nachbarn über andere Themen oder lenkt seine Gruppenmitglieder ab. Bei ihm achte ich besonders darauf, dass er der Aufgabenstellung nach selbstständig einen Text verfasst, ohne dabei die anderen zu stören. Sollte er trotzdem die Gruppe am Arbeiten hindern, dann werde ich ihn wegsetzen.

(Schüler z) hat nahezu keine Freunde in der Klasse. Sie hat große Probleme sich in eine Gruppe zu integrieren. Da sie sehr sensibel und kaum kritikfähig ist, fühlt sie sich oft von ihren Mitschülern angegriffen. Sie bricht sehr schnell in Tränen aus. Ich habe sie letzte Woche zu einer anderen Gruppe gesetzt, in welcher sie sich besser zurechtfindet. Bei der Gruppenarbeit werde ich diese Schülerin verstärkt beobachten und darauf achten, dass sie sich mit einbringt.

2. Didaktische Überlegungen

2.1 Bezug zum Bildungsplan

Inhalte des Deutschunterrichts sollten - wenn möglich - anschlussfähig an die Lebenswelt der Schüler sein2. Somit ist auf die Auswahl entsprechender Literatur zu achten: Laut Bildungsplan eignen sich zum Einsatz in der Schule literarische Texte, welche Ä[…] an Erfahrungen und Vorwissen anknüpfen, Identifikationsfiguren anbieten, unterhaltsam, überschaubar und ansprechend gestaltet sind, aber auch neue Sichtweisen ermöglichen“3. All diese Kriterien treffen auf die Fabel zu. Notwendig ist nicht nur ein Wissen über bestimmte Gattungen, stattdessen sollen die Schüler in produktiver Weise mit den Kenntnissen umgehen und dabei auch eigene Deutungen einbringen4. Gemeint ist damit, Texte selbst zu verfassen und sich dabei an den Merkmalen der Gattung zu orientieren, wobei durchaus auch Spielraum für eigene Ideen zu schaffen ist. Generell sollte Literatur den Schülern als Gesprächspartner dienen und im Unterricht Lesefreude vermittelt werden5. Somit bietet der Literaturunterricht die Chance, Einfluss auf das freizeitliche Leseverhalten der Schüler zu nehmen und dieses anzuregen. Um Werthaltungen entwickeln zu können benötigen die Schüler die Fähigkeit zur Reflexion. Die neu entwickelten Ansichten können dann auf aktuelle Probleme bezogen werden6. Die Arbeit an und mit literarischen Texten kommt diesen Forderungen des Bildungsplans nach.

Die Schüler sollen am Ende von Klasse 6 verbindliche Kompetenzen erreicht haben. Für das Thema ‘ÄDer Affe als Schiedsrichter“ - Ein handlungs- und produktionsorientierter Umgang mit einer Fabel‘ strebe ich Kompetenzen aus zwei verschiedenen Arbeitsbereichen an:

SPRECHEN

Miteinander arbeiten und präsentieren

Die Schüler können

- Arbeitsaufträge in der Gruppe aufteilen.
- ihre Arbeit nach vorgegebenen Kriterien beurteilen.7

LESEN/ UMGANG MIT TEXTEN UND MEDIEN Texte verstehen

Die Schüler können

- wichtige Aussagen von Texten erkennen.  Arbeitsanweisungen lesen und umsetzen.

Texte und Medien nutzen

Die Schüler können

- Texte auf verschiedene Art - auch handlungsorientiert - umsetzen: Texte vertonen, Bilder zu Texten.8

Literatur als Gesprächspartner

Die Schüler können

- Literatur als etwas erfahren, das Gedanken, Gefühle und Erfahrungen von anderen enthält und so hilft, eigene Empfindungen wahrzunehmen und (sich) mitzuteilen.9

2.2 Didaktische Begründung

Fabeln sind auch - oder gerade besonders - heutzutage relevant für Schüler, da ÄEntscheidungen im Sinne eigener Verhaltensänderung bzw. in Bezug auf Veränderungen daraus abzuleiten“10 sind. Dazu müssen die Schüler in der Lage sein, das Gesagte auf das eigentlich Gemeinte deutend zu beziehen11. So wird eine Lehre ersichtlich, deren pädagogischer Gehalt sowohl für jetzige als auch zukünftige Alltagserfahrungen Bedeutung besitzt. Aus der Fabel ‚Der Affe als Schiedsrichter‘ lässt sich eine Lehre ableiten, die von der Gier der Menschen handelt. Da diese Thematik gesellschaftspolitische Brisanz besitzt, weist die Fabel Zukunftsrelevanz im Hinblick auf das spätere Handeln der Schüler auf. Der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht bietet Schülern die Möglichkeit Ä[…] mit einem Text etwas [zu] tun und über den Text nach[zu]denken […]“12. Auf diese Weise können die Schüler die Moral der Fabel durch den eigenständigen und aktiven Umgang mit dem Text selbst erschließen. Durch diese Vorgehensweise kann die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass die Schüler die Lehre als persönlich relevant, und literarische Texte im Allgemeinen als Bereicherung wahrnehmen. So kann vermieden werden, dass die Lehrperson durch moralisierende Belehrung den Zugang zum Text verstellen würde. Handlungs- und Produktionsorientierung bietet hier außerdem den Vorteil, dass der Unterricht so allen Begabungstypen gerecht werden kann: Auch beispielsweise kreativ begabten Schülern werden Ansatzpunkte an den Text geboten und Erfolgserlebnisse im Literaturunterricht ermöglicht.

2.3 Stellung des Themas innerhalb der Unterrichtseinheit

In dieser Unterrichtseinheit lernen die Schüler die Textgattung ‚Fabel‘ mithilfe der handlungs- und produktionsorientierten Verfahren kennen.

Der Aufbau dieser Einheit ist wie folgt geplant:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4 Stundenziele

Aus den genannten Kompetenzen des Bildungsplans leite ich folgende Stundenziele ab:

Die Schüler

- entwickeln einen inhaltlichen und emotionalen Zugang zu einer Fabel mithilfe von handlungs- und produktionsorientierten Verfahren.
- versetzen sich in Fabel-Figuren und deren gegenseitige Beziehungen hinein.
- leiten aus einer Fabel die Lehre ab und verstehen diese.

3. Sachanalyse

3.1 Fabel

Die Fabel wird zu den literarischen Kleinformen gezählt, welche der Epik angehören und einen eher geringen Umfang aufweisen13. Das Wort ‚Fabel‘ geht auf das lateinische Wort ‚fabula‘ zurück, das mit ‚Geschichte‘, ‚Erzählung‘ oder ‚Sage‘ übersetzt werden kann14.

Typischerweise sind Tiere die handelnden Figuren einer Fabel. Diesen werden Charaktereigenschaften der Menschen zugeschrieben, wobei bestimmten Tieren meist spezielle Wesenszüge zugeordnet werden: zum Beispiel dem Hund die Treue und Gutgläubigkeit. Darüber hinaus haben die Fabelfiguren keine eigenständigen Charakterzüge, sie sind also Ä[…] nicht Individuen, sondern Akteure in gedanklichen Modellspielen, Verkörperungen von abstrakten und gesellschaftlichen Funktionen“15. In Fabeln werden gesellschaftliche Probleme thematisiert, indem diese in verfremdeter Form durch Fabelfiguren verkörpert werden. Unterstützt wird dies durch eine implizit oder explizit enthaltene Lehre, welche anhand einer konkreten Sachlage thematisiert wird. Häufig bearbeitete Problemfelder der Fabel sind beispielsweise: Bosheit und Anstand, Gier und Beherrschung, Schläue und Dummheit u.v.m.16 Die Moral der Geschichte lässt sich vom Leser auf ganz verschiedene, alltägliche Erfahrungen übertragen.

Die Handlung einer Fabel lässt sich häufig in eine vierteilige Abfolge - Situation, Aktion (Handlung), Reaktion (Gegenhandlung), Ergebnis17 - gliedern. Durch die gesamte Abfolge zieht sich eine Haupthandlung, welche zahlreiche Aussparungen und Andeutungen enthält. Nebenhandlungen sind nicht enthalten. Auch die Sprache ist eher einfach und leicht verständlich.

3.2 Der Affe als Schiedsrichter

Die Fabel ‚Der Affe als Schiedsrichter‘ stammt aus Asien, der Autor ist nicht benannt. Zentral in der Geschichte ist ein Streit zwischen Hund und Fuchs (Situation, siehe oben), den der Affe vordergründig schlichten will (Aktion). Leitendes Motiv für die Handlungen aller drei Figuren ist die Gier, das Objekt des Verlangens ist eine Wurst. Über deren Verzehr richtet der Affe zu seinen Gunsten (Reaktion). Das Ende der Geschichte (Ergebnis) lässt den Affen als Gewinner und die beiden anderen Tiere als Verlierer erscheinen. Durch die beschriebene Dreieckskonstellation zwischen den Figuren bietet sich das Sprichwort ‚Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte‘ als Lehre an. Bei dieser Fabel muss die Lehre selbst erschlossen werden, da sie durch den Text nicht direkt vorgegeben wird.

4. Methodische Überlegungen

4.1 Einstieg

Ich beginne die Deutschstunde, indem ich die Schüler begrüße und den heutigen Besuch vorstelle. Danach bitte ich die Schüler in den Stuhlhalbkreis. In der Mitte ist eine Balkenwaage mit einem Tuch abgedeckt. Nun folgt ein stummer Impuls, bei dem ich die Waage enthülle. An der Balkenwaage ist ein Schild mit der Aufschrift ‚Waage der Gerechtigkeit‘ angebracht. Außerdem liegen eine Wurst und ein Messer vor der Waage. Ich habe mich für diese provokante Bezeichnung der Waage entschieden, da so zum Nachdenken angeregt wird: Gedanklich könnte hier also in Frage gestellt werden, ob eine Waage in jedem Fall gerecht ist bzw. ob so tatsächlich stets Gerechtigkeit hergestellt werden kann. Ich warte nun auf Kommentare der Schüler und lasse diese sich äußern. Dann werde ich dazu auffordern, die Waage doch einmal auszuprobieren. Ein Schüler wird nun durch Abwiegen versuchen, die Wurst in zwei genau gleich schwere Hälften aufzuteilen. Ob dies dem Schüler gelingt ist offen, da der Versuch in jedem Fall seinen Zweck erfüllt: Er bereitet auf die noch folgenden Fabel vor und regt erste Gedanken dazu an.

Alternativ hätte ich einen stummen Impuls auch mithilfe von angehefteten Tafelbildern eines Affen, Hundes und Fuchs setzen können. Die Tiere wären dann in Dreiecksform angeordnet, um so deren Beziehung zu symbolisieren. In der Mitte wäre eine Wurst auf einem Bild angebracht. Die Schüler würden sich dann zu den Bildern äußern und so auf eine Fabel schließen, da wir in den beiden Stunden davor deren Merkmale als Thema hatten. Da durch meinen Einstieg mehr Lerntypen als nur der visuelle angesprochen werden und das eigene Probieren für die Schüler motivierender ist, habe ich mich für das oben dargestellte Vorgehen entschieden. Die drei Tafelbilder der Tiere bieten sich eher für meine nächste Phase an:

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird die männliche Form für alle Personenbezeichnungen gewählt. Die weibliche Form wird dabei stets mit eingeschlossen.

2 vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg Bildungsplan Werkrealschule 2012, S.43

3 ebd., S.44

4 vgl. ebd., S.45

5 vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg Bildungsplan Werkrealschule 2012, S.43

6 vgl. ebd., S.42

7 vgl. ebd., S.46

8 vgl. ebd.,S.47

9 vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg Bildungsplan Werkrealschule 2012, S.47f.

10 Ziesenis 2003, S.575

11 vgl. ebd.

12 Haas / Menzel / Spinner 1994, S.20

13 vgl. Allkemper / Eke 2006, S.103f.

14 vgl. Esslinger-Hinz / Unseld u.a. 2007, S.112

15 Ziesenis 2003, S. 560

16 ebd., S.557

17 vgl. ebd., S.561

Details

Seiten
32
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668101807
ISBN (Buch)
9783668101814
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311139
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd
Note
1,0
Schlagworte
handlungsorientierter umgang fabel affe schiedsrichter deutsch klasse realschule

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