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Filmanalyse der DEFA-Märchen „Die Geschichte vom kleinen Muck“ und „Das kalte Herz“

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Filmanalyse „Der kleine Muck“
2.1. Produktion
2.2. Historische Einordnung
2.3. Filmanalyse
2.4. Rezeption
2.5. Erzieherische Absichten des Films
2.6. Ist der Film auch kindgerecht?

3. Filmanalyse „Das kalte Herz“
3.1. Produktion
3.2. Historische Einordnung
3.3. Filmanalyse
3.4. Rezeption
3.5. Erzieherische Absichten des Films
3.6. Ist der Film auch kindgerecht?

4. Vergleich beider Märchenfilme

5. Zusammenfassung

6. Quellenverzeichnis

Anlage

1. Einleitung

Die DEFA - Kinderfilmproduktion hatte ihren Ursprung bereits Mitte des letzten Jahrhunderts. Bis heute haben die Filme Bestand und sind bei allen Generationen beliebt. Kinder,

Erwachsene und selbst diejenigen, die damals selbst Kind waren, sehen sich Filme wie „Moritz in der Litfasssäule“ und „Das singende klingende Bäumchen“ auch heute noch gerne an. Gerade die Filme, die nach dem Vorbild eines Märchens gedreht wurden, sind berühmt geworden und werden in vielen Ländern gerade zur Weihnachtszeit auch heute noch häufig ausgestrahlt.

Die ersten Filme dieser Art waren „Die Geschichte vom kleinen Muck“ und „Das kalte Herz“. Eigentlich waren diese Filme für ein erwachsenes Publikum gedacht[1], haben aber schon damals sowohl jung als auch alt angezogen. Sie gelten als Ursprung für die darauf folgenden Kinderfilme.

Kurz nach ihrem Entstehen wurde eine Kommission bei der DEFA eingerichtet (1953)[2], die speziell für Kinderfilme beauftragt wurde und diese kontrollieren sollte. Ziel dieser Kommission war es, dem Kinderpublikum bestimmte Wert zu vermitteln[3]. Gerade in der Nachkriegszeit des 2. Weltkrieges sollten dem Volk Werte wie Menschlichkeit, Fleiß und Arbeit nahe gebracht werden.

Wilhelm Hauff, der die Märchenvorlage für „Die Geschichte vom kleinen Muck“[4]und „Das kalte Herz“[5]lieferte, legte bereits in seinen Erzählungen großen Wert auf eine Moral[6]. Diese wurde durch die Filmemacher aufgegriffen und teilweise sogar erweitert und dem Publikum, also dem Volk der DDR, angepasst[7].

Wie oben bereits erwähnt, wurden beide Filme eigentlich für ein erwachsenes Publikum gedreht. Es gilt nun zu untersuchen, ob die erzieherischen Maßnahmen in beiden Filmen auch für Kinder geeignet sind. Obwohl beide Filme innerhalb eines kurzen Zeitraumes gedreht wurden („Die Geschichte vom kleinen Muck“ - 1953; „Das kalte Herz“ - 1950), unterscheiden sie sich in der Vermittlung der zu überbringenden Moral doch sehr.

Während „Die Geschichte vom kleinen Muck“ anhand eines Kinderdarstellers, Magie und bunten Kulissen einem allumfassenden Publikum (Erwachsene als auch Kinder)

Menschlichkeit lehren kann, ist „Das kalte Herz“ eine eher düstere Geschichte, die Fleiß und Bescheidenheit auf eine nahezu grausame Art vermittelt und für Kinder eher ungeeignet erscheint.

In dieser Arbeit sollen beide Filme einer Analyse unterzogen werden, um festzustellen, wie geeignet sie für ein Kinderpublikum sind. Hierbei wird unter Berücksichtigung der Produktion, der historischen Hintergründe und der Rezeption der erzieherische Aspekt des Films untersucht und auf die Eignung für ein Kinderpublikum geprüft. Im Anschluss erfolgt ein Vergleich der Untersuchungsergebnisse und die Darstellung in einer Zusammenfassung.

2. Filmanalyse „Die Geschichte vom kleinen Muck“

Auf Grundlage des Hauffschen Märchens „Die Geschichte vom kleinen Muck“ entstand der gleichnamige Spielfilm. In einer Rahmenerzählung schildert ein buckliger, zurückgezogen lebender, alter Mann von seiner Kindheit. Er wurde nach dem Tod seines Vaters von seinen Verwandten verstoßen und ging fort, um den Kaufmann, der das Glück verkauft, zu finden. In der Wüste begegnet er einer alten Frau, die ihm Arbeit gibt, ihn allerdings nicht bezahlt. Daraufhin läuft er mit einem Zauberstöckchen und einem Paar Pantoffeln, die seinen Träger zu einem sehr schnellen Läufer machen, davon. Er bekommt die Stelle des Oberleibläufers des Sultans, gewinnt die Freundschaft dessen Tochter Amarza und kann einen Krieg mit dem Nachbarreich verhindern. Durch die Magie seines Zauberstöckchens bekommt er eine noch höhere Position beim Sultan und verliert diese durch die Habgier anderer Ergebener wieder. Er wird erneut fortgejagt, kehrt aber verkleidet als alter Mann mit Feigen, die dem Sultan Eselsohren wachsen lassen, wieder zurück. So kann er sich sein Recht verschaffen. Seine Erzählung endet und er wird von den Kindern, die ihn vorher verspottet haben, von nun an respektiert.

2.1. Produktion

Die DEFA engagiert für den Dreh des Farbfilms den Regisseur Wolfgang Staudte („Der

Untertan“), der seinerseits für seine Realismusauffassung[8]und als Pazifist bekannt ist[9]. Dieser schreibt zusammen mit Peter Podehl auf der Grundlage des Märchens von Hauff das Drehbuch[10]. Für die Rolle des kleinen Muck wird nach langer Suche der Stiefsohn Peter Podehls, Thomas Schmidt, ausgewählt[11]. Die damals hoch gelobte Tricktechnik stammt von Ernst Kunstmann und die sehr fantasievollen und orientalisch bunten Bauten erstellt Erich Zander12.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[12] [13]

2.2. Historische Einordnung

In der Zeit des NS-Regimes erfährt die Bevölkerung Unmenschlichkeit, wenig Mitgefühl und die Verstoßung bzw. Ermordung/Euthanasie von u.a. Juden, Behinderten und alten Menschen. Die Wende kommt mit dem Ende des 2. Weltkriegs, der jedoch in der Teilung der Deutschen Reiches ausufert und daraus die DDR entsteht. Die NS-Zeit wird durch die Besetzung der Alliierten abgelöst und bringt keine Befreiung. Die Folgen sind Missmut, Hoffnungslosigkeit und Bedrückung.

Die DDR braucht einen Weckruf, der sie in der Hoffnung stützt, dass sich etwas ändern kann und wird. Hierbei wirkt die DEFA durch ihre Spielfilme unterstützend auf ihr Publikum ein, indem es Filme wie „Die Geschichte vom kleinen Muck“ produziert.

2.3. Filmanalyse

Die Macher des Films legten bei den Gestaltungsmitteln viel Wert auf die Authentizität und die Glaubwürdigkeit der orientalischen Bauten. So wurde das Filmstudio Babelsberg[14]zu einer orientalischen Stadt, umgeben von weiten Wüsten und einer Oase. Die bunten Kostüme sollten beim Publikum den Eindruck erwecken, mitten im Geschehen zu sein. Passend hierzu wurden orientalische Klänge zur musikalischen Untermalung genutzt. Um die magischen Elemente zu unterstützen, wurden passende Klänge gewählt. Das Hoch- und Herunterklappen der Schuhe und wenn Muck mit den Schuhen schnell läuft, haben jeweils eigene Tonspuren, die immer wiederkehren. Auch das Stöckchen, welches anfängt zu tanzen, wenn Gold in der Nähe ist, ist mit einem bestimmten Klang untermalt.

Um die Weite und Größe der Wüste darzustellen, wurden große Kameraeinstellungen[15]gewählt, die von Halbnahaufnahmen zu Weitaufnahmen vergrößert wurden. Der kleine Muck wird meist in der Aufsicht gezeigt, um seine kleine Körpergröße zu betonen.

Der Protagonist selbst wird zu Beginn des Films eingeführt und ist sofort als Haupthandelnder zu erkennen. Gerade in Märchenfilmen trifft man häufig genretypische Rollen an[16]. So ist der kleine Muck ein einsamer kleiner Junge, der niemanden mehr hat, und im Verlauf des Films zum Rächer wird. Er ist naiv, hat Mitgefühl und entwickelt im Handlungsverlauf aber auch die Fähigkeit, sich „durch [seine] Klugheit […] sein Recht“zu verschaffen und anerkannt zu werden[17].

Die Figuren neben dem Protagonisten werden oft funktional eingesetzt[18]. Aber gerade in Märchenfilmen spielen die Nebendarsteller auch genretypische Rollen[19]. So setzt die schöne Prinzessin Amarza mit ihrer Rolle die Menschlichkeit und die Verbindung zwischen unterschiedlichen Kulturen in Szene. Sie ist die gütige Tochter des Sultans und hilft dem kleinen Muck unter Anderem, einen Krieg zu verhindern. Frau Ahavzi, bei der der kleine Muck vorübergehend in den Dienst tritt, steht für die Magie und die Bösheit. Nur durch sie bekommt der Protagonist das Zauberstöckchen und die Pantoffeln, die den weiteren Handlungsverlauf bestimmen.

Der Sultan steht für Dummheit, Geldgier und Krieg. Er beabsichtigt, seine leeren Staatskassen mit einem Krieg gegen das Nachbarreich wieder aufzufüllen, lässt sich dann aber von seinem bestochenen Magier davon überzeugen, dass er verlieren wird. Prinz Mukrah, der die schöne Prinzessin Amarza heiraten möchte, verkörpert die Habgier, den Neid und die Bösheit. Er unterschlägt Geld aus den Staatskassen und lässt den kleinen Muck aus Neid durch einen Trick als Dieb auffliegen, obwohl dieser ihm nur helfen wollte.

Grundlegend lassen sich hier genretypische Motive wie der Gegensatz zwischen Arm und Reich; Gut und Böse herausarbeiten. Weitere Motive wie Magie, Liebe, Orient und Krieg spielen hierbei auch eine wichtige Rolle.

2.4. Rezeption

„Die Geschichte vom kleinen Muck“ gilt als „der größte Exportschlager der DEFA[20]und hat seit der Premiere am 23.12.1953 ca. 16 Millionen Zuschauer[21]in 60 Ländern angelockt. Im Jahr 1956 erhielt die Produktion eine ehrende Anerkennung auf dem 10. Internationalen Filmfestival in Edinbourgh und eine Urkunde auf dem S.O.D.R.E in Montevideo[22]. Die Kritiker sangen Loblieder:

[...]


[1]König, Wiedemann, Wolf: Zwischen Marx und Muck, S. 24.

[2]Ebd., S. 22.

[3]Ebd., S. 23.

[4]Bibliothek Deutscher Klassiker: Hauffs Werke, S. 79 - 98.

[5]Ebd., S. 264 - 399.

[6]Wührl, Paul-Wolfgang: Das deutsche Kunstmärchen. S. 197.

[7]Exner, Christian: 50 Kinderfilm-Klassiker, S. 86.

[8]Exner, Christian: 50 Kinderfilm-Klassiker, S. 85.

[9]König, Wiedemann, Wolf: Zwischen Marx und Muck, Seite 84.

[10]Exner, Christian: 50 Kinderfilm-Klassiker, S. 86.

[11]http://www.superillu.de/zeitvertreib/kinotv/schauspieler-thomas-schmidt-ich-war-der-kleine-muck-das-exklusiv-interview; letzter Aufruf am 26.03.2014, 11.52 Uhr 12 Exner, Christian: 50 Kinderfilm-Klassiker, S. 83.

[12]König, Wiedemann, Wolf: Zwischen Marx und Muck, Seite 83.

[13]http://www.superillu.de/zeitvertreib/kinotv/schauspieler-thomas-schmidt-ich-war-der-kleine-muck-das-exklusiv-interview; letzter Aufruf am 26.03.2014, 11.52 Uhr

[14]Ebd.

[15]Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse, S. 115 - 133.

[16]Ebd., S. 97 - 99.

[17]Exner, Christian: 50 Kinderfilm-Klassiker, S. 86.

[18]Faulstich, Werner: Grundkurs Filmanalyse, S. 97 - 99.

[19]Ebd., S. 97 - 99.

[20]Exner, Christian: 50 Kinderfilm-Klassiker, S. 85.

[21]Ebd., S. 85.

[22]Ebd., S. 85.

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668097599
ISBN (Buch)
9783668097605
Dateigröße
847 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311089
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Medienforschung
Note
2,0
Schlagworte
filmanalyse defa-märchen geschichte muck herz

Autor

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