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Qualität von Hochschulen. Bewertungsansätze von Hochschulrankings im Überblick

Bachelorarbeit 2015 44 Seiten

VWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkiirzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Qualitat von Hochschulen
2.1.1 Qualitatskonzepte
2.1.2 Programme der Qualitatsbewertung im Uberblick
2.2 Indikator - Begriffserklarung und Kategorien
2.2.1 Einteilung von Indikatoren - eine Ubersicht
2.2.2 Framework zur Analyse von Rankings
2.3 Hochschulrankings - Einfuhrung in Funktionsweise und Auswirkungen ...

3 Bedeutende Hochschulrankings
3.1 Klassische Rankings
3.1.1 Academic Ranking of World Universities
3.1.2 THE World University Ranking
3.2 CHE Hochschulranking - ein multidimensionales Ranking

4 Indikatoren im IJberblick
4.1 Anfangseigenschaften
4.2 Lehre Inputs - Ressourcen
4.3 Lehre Inputs - Personal
4.4 Lehre Outputs
4.5 Endergebnis
4.6 Forschung
4.7 Reputation

5 Fazit

Literaturverzeichnis

A Anhang A - Berlin Principles

B Anhang B - CHE Indikatoren

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Visualisierung des Framework zur Analyse von Rankings

Tabellenverzeichnis

Tab. 1 ARWU - Gewichtung der Indikatoren

Tab. 2 ARWU 2014 - Platze 1-10

Tab. 3 THE 2014 - Internationale Ausrichtung

Tab. 4 THE 2014 - Forschung

Tab. 5 THE 2014 - Lehre

Tab. 6 THE 2014 - Platze 1-10

Tab. 7 THE: Platzierungen von ETH Zurich, Harvard University, Karlsruhe, KIT und University of Oxford - 2011-2015

1 Einleitung

Bildungsausgaben stellen einen grofien Teil des offentlichen Budgets dar. Allein im Rah- men der Exzellenz-Initiative von Bund und Lander werden seit dem Jahr 2012 FOrder- mittel fur Hochschulen in Hohe von 2,7 Milliarden Euro bereitgestellt[1]. Zusatzlich gibt es auch viele private Institutionen, Unternehmen und Stiftungen, die Universitaten finan- ziell unterstutzen. Wahrend man sich generell einig ist, dass Forschung und Bildung in der heutigen Wissensgesellschaft zuktinftiges Wirtschaftswachstum garantieren, gehen die Meinungen daruber, wie die Qualitat solcher Einrichtungen zu messen ist, auseinander (vgl. Hazelkorn, 2013, S.12). Jedoch sollen Finanzmittel nur an die Hochschule verteilt werden, die nachweislich gute Arbeit liefern. Neben diesem Wettbewerb um offentliche und private Zuschusse existiert ebenfalls ein solcher um gute Studierende. Zwar spielt bei der Studienortwahl in Deutschland vor allem die Nahe zum Heimatort und die Facher- wahl eine Rolle, viele Studienanfanger orientieren sich jedoch ebenso am Renommee einer Hochschule (vgl. Hachmeister u. Hennings, 2007, S.5). Gerade auf internationalem Niveau ermoglicht eine hohe Mobilitat den Studierenden die besten Universitaten der Welt bei der Auswahl zu berucksichtigen. So hat z.B. die global hoch angesehene ,,University of Oxford” einen Anteil internationaler Studierender von 17%[2].

Dies sind nur zwei Beispiele, die zu einem hohen Interesse an der Bewertung der Qualitat von Hochschulen fuhren. Eine Art, Hochschulen zu bewerten, sind Hochschul-Rankings. Sie ermdglichen es, Unterschiede zwischen den Institutionen sichtbar zu machen. Zwar gibt es Kritik wegen methodischer Mangel, sie bieten aber dennoch eine Ubersicht uber vorhandene Kriterien zur Messung von Qualitat. Anhand von drei verschiedenen Ran­kings, dem Academic Ranking of World Universityies (ARWU), dem World University Ranking der Times Higher Education (THE) und dem Hochschulranking des Centrum fur Hochschulentwicklung (CHE), wird in dieser Arbeit auf unterschiedliche Ansatze und Ansichten hinsichtlich der Bewertung von Hochschulen eingegangen. Dabei wird eine Ein- teilung in klassische und multidimensionale Rankings vorgenommen. Sie sind das Ergebnis verschiedener Sichtweisen auf die Definition von Qualitat.

Auf Basis der vorgestellten Rankings wird ein Uberblick uber Indikatoren der Qualitats- messung im Hochschulbereich erstellt. In den beiden Bereichen der Hochschule, Lehre und Forschung, gibt es jeweils unterschiedliche Kennzahlen, die die Qualitat erfassen sollen. Im folgenden Kapitel werden zunachst einige Grundlagen bzgl. Qualitat und Hochschule er- klart. Danach wird der Begriff des Indikators und Mdglichkeiten zu deren Kategorisierung beschrieben. Zum Schluss wird die Funktionsweise von Hochschulrankings eingefuhrt.

2 Grundlagen

Nachfolgend werden drei Begriffe erklart, die der Arbeit als Grundlage dienen. Als Er- stes werden die Definitionen von Qualitat an Hochschulen vorgestellt, sowie ein kurzer Uberblick uber gangige Programme zu deren Messung. Dabei wird auch auf Probleme hinsichtlich der Formulierung allgemeiner Qualitatsmafistabe eingegangen. Danach folgt eine kurze Erklarung des Begriffs ,,Indikator” und mbgliche Alternativen der Einteilung in verschiedene Kategorien. Zuletzt wird die Funktionsweise von Hochschul-Rankings darge- stellt. Hierbei wird zwischen klassischen und multidimensionalen Rankings unterschieden, sowie zwischen fachbezogenen und institutionellen.

2.1 Qualitat von Hochschulen

Nach Pasternack (2006, S.86) beschreibt Qualitat die Gute einer Sache bzw. Leistung. Der Begriff entstammt dem lateinischen ,,qualitas” und bedeutet Beschaffenheit. Laut Duden steht das Wort ,,Gute” u.a. fur den ,,[Grad der guten] Beschaffenheit eines Erzeugnisses, einer Leistung o.A.”[3]. Dabei ist die Gate selbst nur mittels Vergleich messbar. Das Fest- stellen von Gate bzw. Qualitat erfolgt mit Bezug auf ein Objekt oder einen Mafistab (vgl. Pasternack, 2006, S.87).

Die Bezugspunkte unterscheiden sich je nach Perspektive. Trifft eine Sache oder eine Leistung die selbst gesetzten Anspriiche und Mafistabe, so spricht man dieser Qualitat zu (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.17). Studenten, Wissenschaftler, Arbeitgeber, Staat und sonstige Akteure von Hochschulen haben somit verschiedene Anforderungen an die Qualitaat einer Hochschule. Jm einen Ja berblick uaber die Vielseitigkeit der Definitionen zu geben, werden im folgenden funf verschiedene Verstandnisse von Qualitat vorgestellt: Qualitat als Ausnahme, als Perfektion, als Zweckmafiigkeit, als adaquater Gegenwert oder als Transformation (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.18).

2.1.1 Qualitatskonzepte

Nach dem ersten Verstandnis wird Qualitat als eine Ausnahme konzipiert. Dabei ist sie nach der traditionellen Vorstellung fast unerreichbar. Die wenigen Institutionen, die als qualitativ hochwertig angesehen werden, abertragen ihren Status auf die Studierenden und Mitarbeiter (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.19). So wird ein Absolvent einer Elite- Universitat, wie Oxford oder Cambridge, im Allgemeinen schon durch den renommier- ten Studienort hervorgehoben. Andere Hochschulen kannen diesen Status nicht oder nur schwer erlangen. Nach dieser Ansicht ist Qualitat exklusiv (vgl. Pfeffer u. Coote, 1991, S.4).

Eine etwas abgeschwachte Vorstellung, in Bezug auf die Exklusivitat, sieht Qualitat als das Ubertreffen von Hohen Standards. Durch die Angabe von Standards wird, im Ge- gensatz zur traditionellen Sichtweise, angegeben, was unter Qualitat zu verstehen ist. Die Exklusivitat bleibt aber weiterhin bestehen, da die Standards so gewahlt werden, dass sie quasi unerreichbar fur die meisten Institutionen sind (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.19). Nach einer weiteren Variation wird Qualitat durch das Einhalten von erreichbaren Standards, sogenannten ,,Minimalstandards”, erreicht. Durch das Erhohen der Standards steigt wiederum die Qualitat (vgl. Church, 1988, S.27). Nach dieser Logik, kann ein, als qualitativ hochwertig eingestufter Abschluss seinen Status halten, selbst wenn die Anzahl der Studierenden steigt. Im Gegensatz zum traditionellen Ansatz verlieren sie ihren Wert nicht, solange sie die Standards erfullen.

Das zweite Verstandnis, Qualitat als Perfektion, beobachtet die Prozesse, und beurteilt diese nach deren Auswirkungen auf die Qualitat. Im Gegensatz zu Qualitat als Ausnahme soll das untersuchte Objekt auf das Erfullen von vorher definierten Anforderungen gepriift werden (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.22). Eine Hochschule, die ihre Anforderungen feh- lerfrei erfullt, erlangt Perfektion und somit Qualitat. Es wird also wahrend des Prozesses darauf geachtet, dass keine Fehler auftreten, anstatt erst durch nachtragliche Kontrollen die Fehlerursache zu analysieren (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.22).

Eine andere Moglichkeit Perfektion zu erlangen, stellt die Schaffung einer Kultur der Qua­litat dar. Jedes Mitglied der Organisation gilt dabei als wichtiges, die Qualitat beeinflus- sendes Element. Die Kontrolle der Ergebnisse ist aus dieser Sicht nicht mehr erforderlich. Die am Prozess Beteiligten achten eigenstandig auf eine fehlerlose Durchftihrung (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.23).

Im Rahmen von Qualitat als Zweckmafiigkeit erlangt eine Institution nur dann Qualitat, wenn sie ihren Zweck erfullt (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.23f). Qualitat ist in diesem Sinne fur jede Hochschule erreichbar, solange sie ihre Aufgaben erfullt. Allerdings lasst sich nicht einfach bestimmen, wie dieser Zweck definiert ist. Um dem naher zu kommen, unterscheidet man zwischen zwei alternativen Standpunkten, dem des Konsumenten und dem des Produzenten (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.24). Nach Ersterem werden Kunden- bedurfnisse erhoben und danach gestrebt, diese zu bedienen. Dabei stehen, im Unterschied zu Qualitat als Perfektion, Ergebnisse im Vordergrund. Eine Universitat hat also Qua­litat, wenn sie die Anforderungen der Kunden erfullt (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.24). Jedoch gibt es im Bildungsbereich verschiedene Gruppen (u.a. Studierende, Arbeitgeber, Wissenschaftler oder die Regierung), die als Kunden gesehen werden kbnnen. Je nach Gruppe werden u.U. unterschiedliche Erwartungen an eine Hochschule gestellt (vgl. Har­vey u. Green, 2000, S.25). Ein weiteres Problem ist, dass der Kunde oft nicht im Stande ist, auszudrucken, was seine Anforderungen sind (vgl. Elton, 1993, S.135). So sind Absol- venten mbglicherweise erst Jahre nach ihrer Ausbildung in der Lage zu beurteilen, welche Aspekte wahrend des Studiums gut, schlecht oder notwendig waren. Zusatzlich wird die- se Bewertung von individuellen Charakteristika bestimmt (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.26).

Definiert sich der Produzent, in diesem Fall die Universitat, selbst die Anforderungen, wird dieses Problem umgangen. Von Qualitat ist dann die Rede, wenn die Institution ihre eigenen Ziele erreicht (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.26). Sie sind dadurch in der Lage, ihr eigenes Profil durch das Setzen von Schwerpunkten zu entwickeln. Wird dieser eigene Zweck erfullt, wurdigen das auch die Kunden. Trotzdem besteht weiterhin die Problema- tik, den Zweck von Hochschulbildung eindeutig zu definieren (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.28).

Eine andere Position sieht Qualitat, als Relation zwischen Investition und adaquatem Ge- genwert. Es wird auch als ,,value-for-money” Konzept bezeichnet (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.28f). Es sollen hohe Standards bei niedrigen Kosten erreicht werden. Hochschulen mussen als offentliche Institutionen ihre Ausgaben gegenuber ihren Geldgebern, u.a. der Regierung, verantworten (vgl. Pollitt, 1990, S.443). Sind diese mit der erreichten Qualitat unzufrieden, werden Finanzmittel abgezogen. Insofern entscheidet der Markt, welche Uni­versitat gute oder schlechte Qualitat reprasentiert (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.29).

Wird Qualitat als Transformation verstanden, riickt die Entwicklung des Konsumen- ten, in diesem Fall des Studierenden, in den Vordergrund. Hierbei wird Bildung nicht als mdglichst zufriedenstellende Dienstleistung wahrgenommen, sondern als Prozess, der einen Wandel am Studierenden vollzieht. Dabei kann zwischen Weiterentwicklung im Sin- ne von Wertsteigerung und Ermachtigung unterschieden werden (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.31).

Bei Ersterem gilt die Annahme, dass eine gute Universitat die Fahigkeiten und das Wissen eines Studierenden starker verbessern, als eine schlechte. Man versucht also Anfangs- und Endqualifikation zu vergleichen (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.31). Im zweiten Fall wird Qualitat anhand der Freiheit gemessen, die die Teilnehmer geniefien. Die Ermachtigung der Studierenden, wichtige Entscheidungen im Bildungsprozess zu beeinflussen, fuhrt da- zu, dass er selbstbestimmt handeln kann und sein Vertrauen in die Institution wachst (vgl. Harvey u. Green, 2000, S.32). Ermachtigung kann in verschiedener Form erteilt werden. Maglichkeiten sind z.B. Evaluation durch die Studierenden oder eine Garantie von Mini- malstandards, sowie dem Zugestehen von Kontrolle uber Zusammensetzung und Verlauf des Lehrplans. Aufierdem kann die Universitat die Lernenden zu kritischem Denken er- ziehen, um ihnen zu ermaglichen Einstellungen zu hinterfragen. Wiggins (1992, S.3) sieht sogar ,,a moral obligation to disturb students intellectually”.

Um die Qualitat von Hochschulen zu bestimmen, sollte entschieden werden, welcher Sicht- weise gefolgt wird, bzw. welcher die Adressaten der Bestimmung folgen. Es sollten die Interessengruppe, fur die sie untersucht werden, definiert sein. Die Wahrnehmung von

Qualitat einer Hochschule kann, wie beschrieben, zwischen verschiedenen Perspektiven variieren.

Im Folgenden wird eine Auswahl existierender Programme zur Bewertung von Qualitat vorgestellt.

2.1.2 Programme der Qualitatsbewertung im Uberblick

Um Qualitat an Hochschulen zu bewerten wurden unterschiedliche Programme entwickelt. Sie unterscheiden sich in der Regel in Ziel und Aufgabe. Die benutzten Instrumente und Indikatoren zum Messen der Qualitat sind teilweise die Selben (vgl. Pasternack, 2006, S.416). Um einen kurzen Uberblick uber die gangigen Anwendungen von Qualitatsbewer- tungen zu geben, werden im folgenden die Programme systemische Gutachtung, Bericht- systeme, Monitoring, Evaluation, Akkreditierung, Qualitatsaudit, Zertifizierung, Bench­marking, Qualitatspreise und Rankings vorgestellt(vgl. Pasternack 2006, S.416-442). Die Funktionsweise von Rankings wird im folgenden uabersprungen. Sie werden in Abschnitt 2.3 detailliert erklart.

Im Rahmen einer systemischen Gutachtung bewerten externe Gutachter im Auftrag eines Forderers, wie z.B. der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), kunftige Forschungs- vorhaben. An der Forderung interessierte Wissenschaftler stellen einen ausftihrlichen An- trag, in dem sie ihr Vorhaben darlegen. Je nach Ergebnis der Begutachtung werden Dritt- mittel an die jeweiligen Institute vergeben. Da die Hohe der Drittmittel als ein Indikator fur die Qualitat der Forschung gilt (vgl. Abschnitt 4.6), spielen Gutachtungen eine wich- tige Rolle in der Bewertung von Hochschulen.

Berichtsysteme sind den Universitaten in der Regel von offentlichen Institutionen vor- geschrieben. Sie werden aber von ihnen selbst realisiert. Dabei sollen regelmafiig intern erhobene Daten analysiert und aufbereitet werden. Solche Berichte sind z.B. der jahrliche Haushaltsabschluss, Forschungsberichte, oder Berichte, die die Leistung der Hochschule thematisieren.

Bei Monitoring werden bestimmte Bezugsgrbfien uber langere Zeit beobachtet. Haupt- bestandteil ist dabei die Datenerhebung. Je nach Ziel werden unterschiedliche Informa- tionen tiberwacht. Eingesetzt wird Monitoring z.B, um den Erfolg von Forderprogrammen zu kontrollieren.

Evaluationen dienen der systematischen Bewertung einer Hochschule. Das Ziel ist dabei, sie mbglichst detailliert zu analysieren. Somit werden nicht nur Zustande als Ergebnis geliefert, sondern es besteht die Moglichkeit Begrandungen fur das erfullen oder nicht erftillen von Zielen zu formulieren. Grundlage sind Befragungen und Gesprache. Im Rah- men einer internen Evaluation der Lehre fuahren Hochschulen Studierendenbefragungen durch und suchen die Diskussion mit Studierenden und Lehrenden. Bei externen Evalua- tionen bewerten auswartige Experten die Hochschule. Sie fuhren Gesprachsrunden mit Mitgliedern der unterschiedlichen Gruppen (u.a. Studierende und Professoren), sowie ver- trauliche Gesprache mit Einzelnen.

Im Rahmen einer Akkreditierung erfolgt die formelle Anerkennung der Eignung der Hoch­schule, eine bestimmte Leistung zu erbringen. Hierfur wird das Erfullen von Standards gepruft. Angewendet wird ein solches Programm, um die Qualitat von Bachelor- und Ma- sterstudiengangen zu garantieren.

Ein Qualitatsaudit stellt eine systematische, unabhangige Untersuchung dar. Dabei soll gepruft werden, ob qualitatsbezogene Tatigkeiten und deren Ergebnisse den geplanten Anordnungen entsprechen. Es wird also der Fortschritt bei der Umsetzung der Ziele ge- messen. Diese Art von Programm wird im Rahmen von Zertifizierungen verwendet.

Bei Zertifizierungen wird festgestellt, ob eine Hochschule die Anforderungen eines be- stimmten Zertifikats erfullt. Dabei werden regelmafiig Audits durchgefuhrt, um die Ein- haltung der Bedingungen zu uaberwachen. In der Regel werden standardisierte Prozesse der Organisation bewertet.

Im Rahmen von Benchmarking wird versucht die besten Methoden und Verfahren zu finden. Dies geschieht im Vergleich des zu untersuchenden Bereichs mit anderen Univer- sitaten. Mit Hilfe des Benchmarking konnen Grande fur das eigene Nichterreichen der Bestleistung ermittelt werden.

Qualitdtsprei.se dienen der symbolischen Anerkennung fur die Erfullung oder Steigerung eines bestimmten Qualitatsanliegen.

2.2 Indikator - Begriffserklarung und Kategorien

Um Qualitat zu messen und Hochschulen miteinander zu vergleichen, werden haufig so- genannte Indikatoren verwendet. Nach Herfurth (2008, S.46) sind Indikatoren ,,Bezeich- nungen fur quantitative Informationen uber Leistungen, Produkte und Strukturen einer Einrichtung, um die Leistungsfahigkeit und den Grad der Zielerreichung zu beurteilen”. Sie werden stets vor dem Hintergrund einer Zielvorstellung, Aufgabe oder Fragestellung formuliert und sollen die Realitaat in wenigen Zahlenwerten abbilden. Sie sind Instrumente der wissenschaftlichen Forschung.

Dabei sollen Indikatoren die drei methodischen Voraussetzungen Objektivitat, Reliabilitat und Konstruktvaliditat erfullen. Objektivitat garantiert die Unabhangigkeit der Messer- gebnisse von demjenigen, der die Messung vornimmt. Erfullt der Indikator die Bedingung der Reliabilitat, unter der Annahme, dass die Grunddaten nicht geandert werden, fuhren wiederholtes Durchfiihren der Messung zu gleichen Ergebnissen. Die Messung ist also frei von Zufallsfehlern. Als Drittes soll Konstruktvaliditat bestehen. Dies bedeutet, dass der Indikator nur das misst, was gemessen werden soll (vgl. Homburg u. Krohmer, 2009, S.62f).

Indikatoren fordern die Transparenz, ermoglichen den Vergleich zwischen Institutionen und machen Veranderungen uber die Zeit sichtbar. Nachteile bei der Verwendung ent- stehen meistens durch die Missachtung von Konstruktvaliditat und das Erstellen von Indikatoren, aufgrund der Maglichkeit bestimmte Daten zu erheben, obwohl diese nicht zum Ziel fuhren. Kritiker furchten aufierdem, dass das Erheben von Indikatoren, Hoch- schulen dazu verleiten, in deren Sinne zu handeln (vgl. Green, 1994, S.21). Ein Beispiel ware ein Senken der Prufungsstandards, um die Bestehensrate zu erhohen. Zwar wurde dadurch womoglich eine hohere Bewertung erzielt, vermutlich aber keine Steigerung der Qualitat.

2.2.1 Einteilung von Indikatoren - eine Ubersicht

Zum besseren Verstandnis von Rankings werden deren Indikatoren kategorisiert. Mehrere Rankings sollen ubersichtlich nebeneinander dargestellt werden. Durch die Hinzunahme der Gewichtungen der Indikatoren werden die Schwerpunkte der einzelnen Rankings sicht­bar. Dabei gibt es verschiedene Vorgehensweisen, von denen vier anschliefiend vorgestellt werden.

Eine magliche Einteilung von Indikatoren erfolgt in die vier Prozessebenen Input, Through­put, Output und Outcome. Dabei beinhalten Input-Indikatoren personelle, finanzielle und sachliche Ressourcen. Throughput-Indikatoren bilden Prozesse und Strukturen ab, mit de- nen auf Grundlage des Inputs die angestrebte Leistung erstellt wird. Output-Indikatoren stellen Produkte und Ergebnisse der Leistungserstellung dar. Schliefilich werden in der Outcome-Ebene die Auswirkungen der erzielten Ergebnisse untersucht (vgl. Herfurth, 2008, S.48).

Dill and Soo (2005) erweitern die drei Prozessebenen Input, Troughput und Output um Reputation als eigenstandige Kategorie[4]. Innerhalb der ersten drei Kategorien werden die Indikatoren verschiedenen Bereichen zugeordnet. Die Kategorie Input enthalt Indikatoren uber die Zusammensetzung der Lehrstuhle, finanzielle Ressourcen, und die Studierenden- qualitat und -struktur. Als Throughput-Indikatoren zahlen Indikatoren, die unmittelbar mit der Lehre zu tun haben, wie z.B. die Grofie der Kurse. Output-Indikatoren wer- den unterschieden in Zufriedenheit der Studierenden, Studienabschlussrate, Messung des ,,Wertzuwachs”, Lernfortschritt und Arbeitsmarktfahigkeit[5].

Federkeil (2013, S.40) verwendet im Gegensatz zu den oben genannten, nicht die Eintei- lung in Prozessebenen, sondern ordnet die Indikatoren den Bereichen Forschung, Lehre, Reputation und Internationale Ausrichtung zu. Fur Indikatoren, die keine dieser Gruppen zurechenbar sind, gibt es eine Rubrik ,,Sonstiges”[6].

Die Ubersicht der Indikatoren in Kapitel 4 orientiert sich am Framework von Usher u. Savino (2006). Dieses wird im folgenden Abschnitt vorgestellt.

2.2.2 Framework zur Analyse von Rankings

Das Framework von Usher u. Savino (2006) besteht aus sieben Kategorien. Es ist eine Weiterentwicklung des Konzepts von Finnie u. Usher (2005) zur Messung von Qualitat von akademischer Bildung. In diesem werden vier Grundelemente vorgeschlagen: Anfangsei- genschaften, Lehre Inputs, Lehre Outputs und Endergebnis. Erweitert wurde dieser Ansatz einerseits durch die Unterteilung von Lehre Inputs in eine Ressourcen und eine Personal Kategorie, und andererseits durch die Einfuhrung der Kategorien Forschung und Repu­tation (vgl. Usher u. Savino, 2006, S.14).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Visualisierung des Framework zur Analyse von Rankings
Quelle: Usher u. Savino (2006)

- Anfangseigenschaften (beginning characteristics) beinhaltet Indikatoren, die die Stu- dierenden einer Hochschule zu Beginn ihres Studiums beschreiben.
- Lehre Inputs - Ressourcen (learning inputs: resources) enthalt Details zu Finanzen und Material, die Studierenden und Fakultaten fur die Lehre bereitstehen.
- Lehre Inputs - Personal (learning inputs: staff), neben Anzahl und Struktur der Mitarbeiter gehoren auch Art und Umfeld der Lehre in diese Kategorie, z.B. wie viel Kontakt zwischen Studierenden und Dozenten besteht.
- Lehre Outputs (learning outputs) beschreibt die Eigenschaften, die Studierende wahrend ihres Studiums dazugewinnen, somit das direkte Ergebnis der durchgefuhrten Lehre.
- Endergebnis (final outcomes) reprasentiert den Einfluss der erhaltenen Bildung auf den individuellen Lebensweg der Studierenden, sowie auf die Gesellschaft. Arbeits- marktfahigkeit gehort in diese Kategorie, und ebenso Aspekte des offentlichen Le- bens, z.B. ob die Studierende ,,gute Burger” werden.
- Forschung (research) enthalt Indikatoren, die In- und Outputs im Bereich Forschung messen.
- Reputation (reputation) umfasst die Befragungen verschiedener Akteure im Bereich Hochschulbildung, wie Professoren und Arbeitgeber.

2.3 Hochschulrankings - Einfuhrung in Funktionsweise und Aus- wirkungen

Hochschulrankings sind ein Ansatz, die Qualitat von Hochschulen zu bewerten. Dabei wer­den die akademische Leistung und die Studienbedingungen verschiedener Universitaten mit Hilfe von Indikatoren miteinander verglichen (vgl. Hazelkorn, 2013, S.9)[7]. Der Ver- gleich wird in der Regel in Form einer Rangliste dargestellt, in der jeder Universitat ein Platz zugewiesen ist. Somit lasst sich ablesen, ob eine Hochschule besser oder schlechter ist als eine andere (vgl. Pasternack, 2006, S.430; Usher u. Medow, 2009, S.4). Als Basis dient hierftir eine Punktzahl, die uber die Gewichtung ausgewahlter Indikatoren gebildet wird (vgl. Federkeil, 2013, S.36)[8].

Im folgenden wird fur Rankings mit diesen Attributen der Begriff klassisches Ranking verwendet. Die Mehrheit der Rankings wird auf diese Art erstellt (vgl. Federkeil, 2013, S.37). Im Gegensatz dazu steht der Ansatz des CHE, Hochschulen multidimensional zu vergleichen. Hierbei wird keine Gesamtpunktzahl erstellt, sondern jeder Indikator einzeln betrachtet. Die Universitaaten werden je Indikator einer guten, mittleren oder schlechten Kategorie zugeteilt. Multidimensionale Rankings bieten in der Regel dem Betrachter die Mdglichkeit, die fur ihn relevanten Indikatoren auszuwahlen, und somit Hochschulen anhand seiner eigenen Definition von Qualitat zu beurteilen (vgl. Federkeil, 2013, S.39; Usher u. Savino, 2006, S.35).

Die Anzahl der eingesetzten Indikatoren variiert dabei stark. So besteht das ARWU aus iibersichtlichen sechs Indikatoren, wahrend im Rahmen des CHE-Rankings bis zu 34 je Studiengang erhoben werden. Bei klassischen Rankings wird das Ergebnis eines Indikators zur besseren Vergleichbarkeit mit einer Punktzahl dargestellt. Dabei erhalt die am besten abschneidende Universitat den Wert 100. Die nachfolgenden Hochschulen beziehen einen Wert abhangig von ihrer Entfernung zur Bestmarke (vgl. Usher u. Savino, 2006, S.8). Vergleicht man zum Beispiel die Anzahl der Bewerbungen von drei fiktiven Hochschulen, so bekommt die mit der hachsten Anzahl (z.B. 5000) 100 Punkte. Die zweite mit 4500 Be­werbungen erlangt 90 (4500/5000=0,9), und die Dritte mit 2000 Bewerbungen 40 Punkte (2000/5000=0,4).

Rankings lassen sich aufierdem in institutions- und fachbezogene Rankings unterschei- den (vgl. Federkeil, 2013, S.37; Usher u. Savino, 2006, S.6). Wahrend einige Rankings die Hochschule als eine Einheit betrachten, bilden andere Ranglisten je nach Fachbereich oder Studienfach. Letzteres ist vor dem Hintergrund unterschiedlicher Schwerpunkte von Universitaten sinnvoll. Trifft ein Studienanfanger seine Entscheidung fur eine Hochschule anhand eines institutionsbezogenen Rankings, lauft er Gefahr, unbeabsichtigt eine falsche zu treffen. Zwar studiert er an einer vermeintlich guten Universitat, sein Studiengang kann dort aber zu den schwacheren geharen.

Im Hinblick auf die Datenerhebung lassen sich drei Quellentypen unterscheiden. Sie stam- men von Unabhangigen Dritten, direkt von den zu bewerteten Hochschulen oder von Befragungen (vgl. Usher u. Savino, 2006, S.10). Die Daten Dritter entstammen haufig Re- gierungen oder Institutionen, die Zuschusse verteilen, und sind hauptsachlich finanzieller Natur. Sie haben in der Regel den Vorteil, dass sie objektiv erhoben werden. Trotzdem ist ihre Aussagekraft meistens beschrankt, da sie eher aufgrund der einfachen Erreichbarkeit gesammelt werden und nicht im Sinne eines speziellen Ziels (vgl. Usher u. Savino, 2006, S.10). Ein weiteres Beispiel fur ,,Dritte” als Datenlieferanten stellen digitale Literaturda- tenbanken, wie ,,Scopus” von Elsevier[9] oder ,,Web of Science” von Thomson Reuters[10], dar. Mit ihnen kann z.B. die Anzahl der Publikationen einer Universitat festgestellt wer­den. Ob diese Art von Daten jedoch eine Aussage tiber die Qualitat einer Hochschule treffen kann, wird kontrovers diskutiert (siehe Abschnitt 4.6).

Aus diesem Grund treten viele Rankingorganisationen in direkten Kontakt mit den Hoch­schulen. Diese konnen u.a. detaillierte Statistiken uber Anzahl und Verteilung von Mit- arbeitern und Studierenden liefern (vgl. Usher u. Savino, 2006, S.10). In den USA hat dies dazu gefuhrt, dass in manchen Hochschulen einzelne Mitarbeiter hauptsachlich mit der Zusammenstellung relevanter Daten beschaftigt sind. Allerdings besteht bei dieser Art von Quelle die Gefahr der Manipulation und des Boykotts, da Institutionen, die sich unfair bewertet sehen oder denen die Bereitstellung der Daten zu kostspielig ist, Daten beschanigen oder nicht weiter zur Verfugung stellen (vgl. Usher u. Medow, 2009, S.7). Als weiteres Mittel zur Datenerhebung werden Befragungen genutzt. Dabei werden Mei- nungen von Experten (u.a. Professoren und Arbeitgeber) uber bestimmte Aspekte einer Hochschule eingeholt oder mittels Studierendenbefragungen deren Zufriedenheit ermittelt (vgl. Usher u. Savino, 2006, S.10). In vielen Rankings dienen Befragungen der Feststellung von Reputationswerten.

Die Grunde fur das Erstellen von Rankings sind verschieden. Ein Grofiteil wird vor einem kommerziellen Hintergrund, von Medienunternehmen oder Informationsdienstleistern, er- stellt (vgl. Usher u. Savino, 2006, S.5). Die Publikation eines Hochschulrankings zieht in der Regel ein hohes Leseinteresse nach sich, da Studienanfanger Informationen liber mogliche Studienorte nachfragen (vgl. Zmas u. Pantazis, 2011, S.84). Rankings beein- flussen damit direkt den Wettbewerb um Studierende. Zusatzlich werden sie von staatli- chen Institutionen als Basis zur Verteilung von Finanzmitteln verwendet (vgl. Hornbostel, 2007, S.7; Zmas u. Pantazis, 2011, S.84). Eine hohe Platzierung sichert einer Hochschule staatliche und private Finanzierung, wahrend eine niedrige Geldgeber abziehen lasst. Die Transparenz und einfache Lesbarkeit einer Rangliste fardert diese Entwicklung, da im Speziellen die Verteilung der affentlichen Zuschusse vor den Burgern verteidigt werden muss (vgl. Kehm u. Stensaker, 2009, S.x).

Rankings kannen aufierdem vor dem Hintergrund der Globalisierung betrachtet werden. Sie schaffen Transparenz auf dem globalen Bildungsmarkt und helfen somit Studieren- den und Wissenschaftler bei der Studien- bzw. Arbeitsplatzwahl (vgl. Kehm u. Stensaker, 2009, S.x). Gleichzeitig unterstutzen Rankings Hochschulen bei der Bildung einer eigenen Identitat. Durch das Erreichen hoher Platzierungen in bestimmten Rankings sind sie in der Lage ihr Ansehen zu festigen (vgl. Kehm u. Stensaker, 2009, S.xi). Rankings lassen sich aufierdem als ein Phanomen der globalen ,,audit society” beschreiben. So sind Qua- litaatsvergleiche in der Gesellschaft beliebt und bedienen ein wachsendes Verlangen nach Informationen (vgl. Shore, 2008, S.282).

Durch die Auswahl bestimmter Indikatoren beeinflussen sie das Verstandnis von Qualitat in der Gesellschaft (vgl. Dill u. Soo, 2005, S.523). Ebenfalls definieren sie das affentliche Bild, was Merkmale erfolgreicher Wissenschaft sind (vgl. Kehm u. Stensaker, 2009, S.xii).

In Folge der vielseitigen Auswirkungen auf Hochschulen und die Bildungspolitik tragen die Verfasser von Rankings eine gewisse Verantwortung. Vor diesem Hintergrund hat die International Ranking Expert Group (IREG) eine Reihe von Richtlinien aufgestellt, die gute Rankings definieren - die sogenannten Berlin Principles on Ranking of Higher Educa­tion Institutions (vgl. CHE u. a., 2006)[11]. Die Vorgaben befassen sich mit den Zielen und

Funktionen von Rankings, der Konzeption und Gewichtung von Indikatoren, der Erhe- bung und Aufbereitung von Daten, sowie der Veroffentlichung von Ranking-Ergebnissen[12]. Obwohl die Mehrheit der Verfasser von Rankings Mitglieder der IREG sind, werden viele Prinzipien nicht angemessen verfolgt (vgl. Zmas u. Pantazis, 2011, S.87)[13].

In diesem Kapitel wurden Einblicke in die Funktionsweise und Hintergrtinde von Hoch- schulrankings geboten. Im folgenden werden das ARWU und das THE World University Ranking, zwei internationale und klassische Ansatze, und das CHE Hochschulranking, als multidimensionales Vorgehen, beschrieben. Durch die Vorstellung dieser drei Ran­kings sollen Unterschiede in den Methoden, sowie in den Ansichten liber die Qualitat von Hochschulen, deutlich werden.

3 Bedeutende Hochschulrankings

Allein die IREG zahlt ca. 40 teilnehmende Organisationen, die Rankings erstellen oder an der Bewertung von Hochschulen forschen. Die Vielfalt an nationalen oder internationalen Rankings ist dementsprechend grofi. Als besonders einflussreich gelten das ARWU, das THE World University Ranking und das QS World University Ranking (vgl. Federkeil, 2013, S.39). Sie folgen alle drei der Methodik klassischer Rankings und vergleichen Univer- sitaten auf globalem Niveau. Die ersten beiden werden im ersten Abschnitt beschrieben[14]. Im zweiten Abschnitt wird das CHE Hochschulranking als Vertreter multidimensionaler Rankings vorgestellt.

3.1 Klassische Rankings

3.1.1 Academic Ranking of World Universities

Das ARWU wird seit 2003 jahrlich veroffentlicht. Es wurde von Forschern der Shanghai Jiao Tong University im Auftrag der chinesischen Regierung entwickelt. Ursprunglich soll- te es dem Zweck dienen, die Qualitat von Forschung und Lehre chinesischer Universitaten im internationalen Vergleich einzuschatzen. Die Ergebnisse sollen dann fur Verbesserungs- prozesse genutzt werden (vgl. Kroth u. Daniel, 2008, S.544; Liu u. Cheng, 2005, S.127). Seit 2007 werden, neben dem institutionsbezogenen Ranking, auch Ranglisten nach Fach- gebieten und Studienfachern erstellt[15]. Die Methodik wird dabei nur geringfugig geandert.

Fur das ARWU werden sechs Indikatoren erhoben, welche in vier verschiedene Kategori- en aufgeteilt sind: Qualitat der Ausbildung, Qualitat der Lehrenden, Forschungsleistung und pro Kopf Leistung. Die Qualitaat der Ausbildung wird anhand der Anzahl der Alumni mit ,,Field Medal” oder ,,Nobelpreis” bestimmt[16]. Der Wert wird mit 10% gewichtet. Die Qualitat der Lehrenden wird mit zwei Indikatoren festgestellt: Anzahl der Mitarbeiter mit ,,Field Medal” oder ,,Nobelpreis” (Gewichtung: 20% - Award) und Anzahl der Mit­arbeiter, die als ,,Highly Cited Researchers” gefuhrt werden (Gewichtung: 20% - HiCi)[17]. Die Forschungsleistung wird anhand der veroffentlichten Artikel festgestellt. Relevant flir das ARWU sind Artikel in den Zeitschriften ,,Nature” und ,,Science” (Gewichtung: 20% -

NuS) und Artikel, die in ,,Science Citation Index-Expanded” oder ,,Social Science Citati­on Index” gelistet sind (Gewichtung: 20% - PUB). Um die pro Kopf Leistung zu messen, werden die gewichteten Werte der vorher genannten funf Indikatoren durch die Anzahl des akademischen Personals dividiert (Gewichtung: 10% - PCP). Nach der Bildung der Gesamtpunktzahl wird die Rangliste erstellt. Dabei werden die Range 1-100 exakt verge- ben. Universitaten mit einer niedrigeren Bewertung erhalten keine Platzierung, sondern werden in Gruppen von 50 oder 100 Rangen dargestellt. Insgesamt werden 500 Hochschu- len aufgelistet[18].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: ARWU - Gewichtung der Indikatoren Alumni Award HiCi NuS PUB PCP 10% 20% 20% 20% 20% 10%

Ein Kritikpunkt an der verwendeten Methodik ist die hohe Gewichtung bibliometrischer Daten und die damit einhergehenden Nachteile fuar Universitaaten, deren Schwerpunkte Sozial- oder Geisteswissenschaften sind. So sind in diesen Fachgebieten Publikationen we- niger ublich, als z.B. in den Naturwissenschaften oder der Medizin (vgl. Van Raan, 2005, S.134). Zusatzlich wird dieser Umstand durch die Fokussierung auf Artikel aus ,,Nature” und ,,Science” gefordert, in denen vorrangig Forschung zu letzteren Themen publiziert wird. Ebenfalls ist anzumerken, dass durch die Konzentration auf die Anzahl von Pu­blikationen, Zitationen und erfolgreichen Wissenschaftlern, grofie Universitaten bevorteilt werden. Der Indikator zur Bewertung der Pro-Kopf Leistung kann diesen Effekt nur ge- ringfugig ausgleichen (vgl. Marginson u. Van der Wende, 2007, S.311).

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Fehlen von geeigneten Indikatoren zum Messen der Qua- litat der Lehre (vgl. Kroth u. Daniel, 2008, S.550). Zwar wird erhoben, wie hoch die Anzahl der besonders produktiven Wissenschaftler an einer Universitaat ist und wie viele der Mitarbeiter bereits Preistrager sind. Ob diese jedoch auch gute Lehrende sind, kann nicht festgestellt werden (vgl. Hattie u. Marsh, 1996, S.533). Jedoch wird dem entge- gen gesetzt, dass es auf internationaler Ebene nahe zu unmoglich ist, vergleichbare Daten zu sammeln und die Lehre zu dem sehr unterschiedlich ist (vgl. Liu u. Cheng, 2005, S.133).

Wie in Tab. 2 zu sehen ist, sind die ersten zehn Platze, mit Ausnahme der britischen Universitaten aus Oxford und Cambridge, fest in amerikanischer Hand. Insgesamt sind unter den ersten Hundert Platzen 56 amerikanische Hochschulen (52 aus USA), 35 eu- ropaaische (davon vier aus Deutschland) und neun aus Asien.

[...]


[1] Nach Angaben der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG):

http://www.dfg.de/foerderung/programme/exzellenzinitiative/ (zugegriffen am 17.08.2015).

[2] Nach Angaben der Universitat: http://www.ox.ac.uk/admissions/undergraduate/international- students (zugegriffen am 17.08.2015).

[3] Formulierung stammt von http://www.duden.de/rechtschreibung/Guete (zugegriffen am 18.08.2015).

[4] In ihrer Arbeit vergleichen Dill u. Soo (2005) funf kommerzielle Rankings von privaten Herausgebern: The Good Universities Guide (Australien), The Maclean’s Guide to Canadian Universities, The Times Good University Guide (UK), The Guardian University Guide (UK) und US News & World Report, America’s Best Colleges

[5] Der ,,Wertzuwachs” (oder ,,value-added”) wird durch den Vergleich der Noten am Anfang des Stu­diums mit denen des Abschlusses festgestellt (vgl. Abschnitt 4.4).

[6] Untersucht werden die drei internationalen Rankings: ARWU, Quacquarelli Symonds (QS) World University Rankings und THE World University Rankings. ARWU und THE Ranking werden in Ab­schnitt 3.1 vorgestellt.

[7] Ein kommentierter Uberblick iiber verwendete Indikatoren befindet sich in Kapitel 4.

[8] In der englischsprachigen Literatur wird haufig der Ausdruck ,,composite indicator” verwendet.

[9] Webadresse von Scopus: http://www.elsevier.com/solutions/scopus (zugegriffen am 15.08.2015)

[10] Webadresse von Web of Science: www.webofscience.com (zugegriffen am 15.08.2015)

[11] IREG wurde 2004 vom UNESCO European Centre for Higher Education (UNESCO-CEPERS) und vom Institute for Higher Education Policy (IHEP) gegrandet (vgl. CHE u. a., 2006).

[12] Die ,,Berlin Principles” befinden sich im Anhang A.

[13] Eine Auflistung der Mitglieder befindet sich auf http://ireg-observatory.org/en/index.php/members- list (zugegriffen am 12.08.2015).

[14] Das Ranking von QS ahnelt in der Methodik dem von THE und wird deshalb nicht gesondert behandelt.

[15] Unterschieden wird zwischen ,,Natural Sciences and Mathematics”, ,,Engeneering/Technology and Computer Sciences”, ,,Life and Agriculture Sciences”, ,,Clinical Medecine and Pharmacy” und ,,Soci- al Sciences”, sowie zwischen ,,Mathematics”, ,,Physics”, ,,Chemistry”, ,,Computer Science”, ,,Econo- mics/Business” (www.shanghairanking.com, zugegriffen am 13.08.2015).

[16]., Field Medal” und ,,Nobelpreis” sind Wissenschaftspreise, die herausragende Leistungen in ihrem Feld honorieren. Die ,,Field Medal” wird ausschliefilich an Mathematiker vergeben, die unter 40 Jahre alt sind. (http://www.mathunion.org/general/prizes/fields/details, zugegriffen am 13.08.2015)

[17]., Highly Cited Researchers” ist eine Auflistung von Thomson Reuters, die Wissenschaftler mit grofien Einfluss auf ihr Forschungsfeld angibt (http://highlycited.com/, zugegriffen am 13.08.2015).

[18] Die Methodik des Rankings ist, neben dem Artikel von (Liu u. Cheng, 2005), auf http://www.shanghairanking.com/ARWU-Methodology-2014.html zu finden (zugegriffen 13.08.2015).

Details

Seiten
44
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668094994
ISBN (Buch)
9783668095007
Dateigröße
786 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310829
Institution / Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON)
Note
1,7
Schlagworte
Hochschulrankings Hochschule Bewertung von Hochschulen Qualität von Hochschulen Qualitätsbewertung Internationale Hochschulrankings ARWU Academic Ranking of World Universities THE World University Ranking CHE Hochschulranking Indikatoren Qualitätsindikatoren

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Titel: Qualität von Hochschulen. Bewertungsansätze von Hochschulrankings im Überblick