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Wettkampfangst bei Team- und Individualsportlern

Untersuchung des Persönlichkeitsmerkmals Wettkampf-Angst-Inventar-Trait (WAI-T)

Examensarbeit 2015 65 Seiten

Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 ANGST - GRUNDLAGEN
2.1 Zustandsangst und Ängstlichkeit
2.2 Angstformen
2.3 Angstentstehung

3 ANGSTMESSUNG
3.1 Allgemeine Angstdiagnostik
3.2 Sportspezifische Angstdiagnostik

4 WETTKAMPFANGST
4.1 Das Modell der Wettkampfangst nach Martens
4.2 Das interaktionale Stressmodell der Wettkampfsituation
4.3 Einflussfaktoren der Wettkampfangst
4.3.1 Persönliche Einflussfaktoren
4.3.2 Situative Einflussfaktoren
4.4 Wettkampfangst bei Team- und Individualsportlern
4.5 Fragestellung und Forschungshypothesen

5 METHODIK
5.1 Probandenstichprobe
5.2 Messinstrument
5.3 Untersuchungsverlauf
5.4 Datenverarbeitung
5.5 Statistische Verfahren

6 ERGEBNISSE
6.1 Einfluss von Kovariaten auf die Ausprägung der Wettkampfängstlichkeit
6.1.1 Einfluss der Wettkampferfahrung auf die Wettkampfängstlichkeit
6.1.2 Einfluss der Sportart auf die Wettkampfängstlichkeit
6.1.3 Einfluss des höchsten Bildungsabschlusses auf die Wettkampfängstlichkeit
6.2 Wettkampfängstlichkeit bei Team- und Individualsportlern unter Berücksichtigung der Kovariaten Wettkampferfahrung und höchster Bildungsabschluss

7 DISKUSSION
7.1 Somatische Wettkampfängstlichkeit bei Team- und Individualsportlern ..
7.2 Kognitive Wettkampfängstlichkeit bei Team- und Individualsportlern
7.3 Einfluss des Alters auf die Intensität der Wettkampfängstlichkeit
7.4 Einfluss der Wettkampferfahrung auf die Intensität der Wettkampfängstlichkeit
7.5 Einfluss des Bildungsabschlusses auf die Intensität der Wettkampfängstlichkeit
7.6 Limitationen der Studie

8 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

9 LITERATURVERZEICHNIS

10 ANHANG

Abstract

Im Rahmen der sportpsychologischen Angstforschung wird das Phänomen Wettkampf- angst als überdauerndes Persönlichkeitsmerkmal (Wettkampfängstlichkeit) und als akute Reaktion im Wettkampf (Zustandsangst) beschrieben. Das Gesamtkonstrukt Wettkampf- angst steht unter dem Einfluss persönlicher und situativer Faktoren. Das Hauptanliegen der Arbeit ist es, die Wettkampfängstlichkeit von Team- und Individualsportlern zu unter- suchen. Ferner soll der Einfluss der Faktoren Wettkampferfahrung, Alter, Bildungsab- schluss und Trainingshäufigkeit auf die Intensität der Wettkampfängstlichkeit diagnosti- ziert werden. Zu diesem Zweck bearbeiteten 171 männliche Sportler, davon 99 Team- und 72 Individualsportler, im Alter zwischen 18 und 36 Jahren (MW = 24,63; SD = 5,23), den Kurzfragebogen Wettkampfangst-Inventar-Trait (WAI-T) zur Erfassung der Wett- kampfängstlichkeit. Anhand der Ergebnisse können keine signifikanten Unterschiede für die allgemeine Wettkampfängstlichkeit von Team- und Individualsportlern belegt werden. Allerdings zeigen Individualsportler signifikant höhere Ausprägungen der Variable somati- sche Wettkampfängstlichkeit sowie geringere Ausprägungen der Variable Konzentrations- störungen. Ferner kann für die Faktoren Wettkampferfahrung und Bildungsabschluss je- weils ein signifikanter Haupteffekt diagnostiziert werden. Die Befunde zeigen also, dass die Intensität des Persönlichkeitsmerkmals Wettkampfängstlichkeit sowohl von der Sport- art (Team- und Individualsportart) als auch durch die Faktoren Wettkampferfahrung und Bildungsstand beeinflusst wird. Die Ergebnisse liefern damit einen Beitrag für das Ver- ständnis persönlicher und situativer Zusammenhänge, die es bei Interventionsmaßnah- men in der Betreuungspraxis zu berücksichtigen gilt.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1:Taxonomie der Ängste (Schwarzer, 1981, S. 93, zitiert nach Seipp,1989, S. 10)

Abbildung 2: Der sportliche Wettkampf nach Martens (1975)

Abbildung 3: Wettkampfängstlichkeit als Mediator zwischen Reiz und Reaktion (mod. nach Martens, 1995)

Abbildung 4: Das interaktionale Stressmodell der Wettkampfsituation (mod. nach Cerin et al., 2000)

Abbildung 5: Einflussfaktoren der Wettkampfangst (mod. nach Weinberg und Gould,2011)

Abbildung 6: Die höchsten Bildungsabschlüsse der Teilnehmer (n = 171)

Abbildung 7: Verteilung der Individualsportarten (n = 72)

Abbildung 8: Verteilung der Teamsportarten (n = 99)

Abbildung 9: Wettkampferfahrung der Sportler (n = 171)

Abbildung 10: Wettkampfängstlichkeit und Wettkampferfahrung

Abbildung 11: Wettkampferfahrung und somatische Angst

Abbildung 12: Wettkampferfahrung und Besorgnis

Abbildung 13: Wettkampferfahrung und Konzentrationsstörungen

Abbildung 14: Einfluss der Sportart auf die Ausprägung der somatischen Angst (1 = Boxen; 2 = Schwimmen; 3 = Leichtathletik; 4 = andere Individualsportarten; 5 = Fußball; 6 = Volleyball; 7 = andere Teamsportarten)

Abbildung 15: Einfluss des Bildungsstandes auf die Ausprägung der Wettkampfängstlichkeit (1 = Hauptschulabschluss; 2 = Realschulabschluss; 3 = Fachhochschulreife; 4 = Abitur; 5 = Hochschulabschluss)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Ausprägung der Wettkampfängstlichkeit bei Team- und Individualsportlern (MW, SD)

Tabelle 2: Vergleich der Angstdimensionen zwischen Team- und Individualsportlern (MW, SD)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In der Sportpsychologie nimmt die theoretische Auseinandersetzung mit Emotionen im Kontext sportlichen Handelns eine Schlüsselstellung ein. Besonders im Bereich des Spitzensports können in entscheidenden Situationen die Gefühlszustände des Sportlers ein auschlaggebendes Kriterium über Sieg oder Niederlage sein (Craft et al., 2003). Das Prinzip von Sieg und Niederlage ist ein wesentliches Element des Sports und Charakteristikum des sportlichen Wettkampfes (Cachay und Gahai, 1989). Der daraus resultierende Leistungsdruck wird durch die Erwartungen der Medien, Sponsoren, Trainer, Teamkameraden und Eltern weiter verstärkt und macht den sportlichen Wettkampf zu einem emotional stark behafteten Ereignis. Zuweilen können Sportler unter diesen Umständen ihre eigentliche Leistungsfähigkeit nicht abrufen. In diesem Zusammenhang ist das psychologische Konstrukt der Angst be- sonders hervorzuheben. Wie keine andere Emotion beeinflusst das Gefühl der Angst die sportliche Leistung (Hanin, 2007). Für den speziellen Fall der sportlichen Wettkampfsituation wird das Phänomen der Wettkampfangst beschrieben (Martens et al., 1990). Die Erfassung der Angst-Leistungs-Korrelation kann als Teilbereich der Sportpsychologie mit dem größten Forschungsinteresse beschrieben werden (Burton, 1998; Gould & Krane, 1992; Jones, 1995). Hierbei wird grundlegend ein negativer Effekt der Angst auf die sportliche Leistung postuliert (Burton, 1998; Mar- tens et al., 1990). Aus diesem Zusammenhang begründet sich die Wichtigkeit für die sportpsychologische Forschung als auch für die Wettkampf- und Trainingspraxis das Phänomen der Wettkampfangst in seinen verschiedenen Facetten zu diagnostizie- ren. Zu diesem Zweck existieren zahlreiche Messinstrumente, die die Intensität der Angstzustände im Wettkampf erfassen (Ehrlenspiel et al., 2009). Die Intensität der Angstzustände ist dabei das Resultat des Zusammenwirkens von persönlichen und situationsspezifischen Faktoren, die es ebenfalls zu erheben gilt (Cerin et al., 2000; Weinberg und Gould, 2003). Ein entscheidender persönlicher Einflussfaktor ist die Wettkampfängstlichkeit, d.h. die generelle Neigung des Sportlers, Wettkampfsituati- onen als bedrohlich wahrzunehmen (Ehrlenspiel et al., 2009; Martens et al., 1990). Des Weiteren werden in Publikationen zur Wettkampfangst die persönlichen Fakto- ren Alter, Geschlecht, Wettkampferfahrung, Selbstbewusstsein und Zielorientierung als wichtige Einflussgrößen diskutiert (Craft et al., 2003; Woodman und Hardy,2003). Als entscheidender situationsspezifischer Faktor wird die Sportart diskutiert (Craft et al., 2003; Hanton et al., 2008). Sowohl das physiologische als auch das psychologische Anforderungsprofil einer Sportart variiert von Disziplin zu Disziplin, sodass hinsichtlich der Sportart auch Unterschiede im Hinblick auf das Phänomen Angst postuliert werden können. Insbesondere die Einteilung in die Kategorien Team- und Individualsportart lässt unterschiedliche Ausprägungen der Wettkampf- angst vermuten (Craft et al., 2003; Martens et. al, 1990). Bereits frühe Befunde pos- tulieren grundlegende Unterschiede der Wettkampfangst bei Team- und Individual- sportlern (Martens et al., 1990). Darauf folgende Publikationen untersuchen sowohl die Unterschiede der akuten Angstzustände im Wettkampf als auch des Persönlich- keitsmerkmals Wettkampfängstlichkeit (Craft et al., 2003; Cruz et al., 2010; Fernan- dez, 2013; Han et al., 2006; Parnabas und Wahidah, 2014; Radzi et al., 2013).

Das Hauptanliegen der vorliegenden Arbeit ist es, den Einfluss der Sportart (Team- oder Individualsportart) auf die Ausprägung der Wettkampfängstlichkeit zu untersu- chen. Ferner sollen die Einflussfaktoren Wettkampferfahrung, Alter, Bildungsstand und Trainingshäufigkeit erfasst werden. Mit dem Ziel ein theoretisches Fundament für die Ergebnisinterpretation zu schaffen, werden im Theorieteil dieser Arbeit zu- nächst die Grundlagen des Phänomens Angst beschrieben (Kapitel 1). Vor dem Hin- tergrund, dass der Arbeit eine empirische Erfassung der Angst mittels Fragebogen zugrunde liegt, folgt in Kapitel 2 eine differenzierte Auseinandersetzung mit allge- meinen und sportartspezifischen Messinstrumenten der Angstdiagnostik. Um der grundlegenden Aufgabe dieser Arbeit, der Erfassung der Wettkampfängstlichkeit zwischen Team- und Individualsportlern gerecht zu werden, folgt in Kapitel 3.1 eine umfassende Beschreibung des theoretischen Konstrukts der Wettkampfangst sowie dessen Einflussfaktoren (Kapitel 3.2). Das Herzstück der theoretischen Bearbeitung bildet die detaillierte Darstellung des Forschungsstandes zur Wettkampfangst bei Team- und Individualsportlern in Kapitel 3.3 und der daraus abgeleiteten Fragestel- lung in Kapitel 3.4. Die darin formulierten Forschungshypothesen werden mithilfe des Angstinventars WAI-T überprüft. Die Darstellung der Stichprobe, des Messin- strumentes sowie des Untersuchungsverlaufes erfolgt im Methodenteil (Kapitel 4). Die statistischen Ergebnisse der Erhebung werden in Kapitel 5 beschrieben. Unter Berücksichtigung der theoretischen Grundlagen und des aktuellen Forschungsstan- des werden in Kapitel 6 die Ergebnisse hypothesengeleitet diskutiert.

2 Angst - Grundlagen

Im Forschungsfeld der Psychologie zeigt sich der Begriff Angst als ein uneinheitli- ches Phänomen (Sörensen, 1996). Es existiert eine Vielzahl verschiedener Definiti- onen und Konzeptionen des Angstbegriffes. In der psychologischen Emotionsfor- schung wird Angst als eine der sechs Basisemotionen (Ärger, Trauer, Freude, Ekel und Überraschung) beschrieben (Ekman, 1992). Plutchik (1984) definiert den Emo- tionsbegriff wie folgt:

"Eine Emotion ist eine erschlossene komplexe Abfolge von Reaktionen auf einen Reiz; sie umfa ß t kognitive Bewertungen, Ver ä nderungen im subjektiven Erleben, Aktivierung des autonomen und zentralen Nervensystems, Handlungsimpulse sowie Verhalten, wel- ches dazu bestimmt ist, auf denjenigen Reiz einzuwirken, der die komplexe Sequenz ausgel ö st hat" (S. 217)

In Analogie der Emotionsdefinition beschreibt Spielberger (1972) Angst als „… eine emoti onale Reaktion auf das Erkennen oder vermeintliche Erkennen einer Gefahr, unabh ä ngig davon, ob diese Gefahr auch objektiv gegeben ist “ (S. 482).

Hackfort & Schwenkmezger (1985, S. 19) liefern eine umfassende Angstdefinition, die ebenfalls zentrale Aspekte des Emotionsbegriffes aufgreift:

„ Angst ist eine kognitive, emotionale und k ö rperliche Reaktion auf eine Gefahrensitu ation bzw. auf die Erwartung einer Gefahren- oder Bedrohungssituation. Als kognitive Merkmale sind subjektive Bewertungsprozesse und auf die eigene Person bezogene Gedanken anzuf ü hren. ( … ) Emotionales Merkmal ist die als unangenehm erlebte Erre gung, die sich auch in physiologischen Ver ä nderungen manifestieren und mit Verhal tens ä nderungen einhergehen kann.

Wie auch bei Spielberger (1972) wird der auslösende Reiz durch die Wahrnehmung einer Gefahrensituation beschrieben. Jedoch nehmen Hackfort & Schwenkmezger (1985) eine entscheidende Erweiterung vor und ergänzen die Angstreaktion um eine physiologische und kognitive Komponente. Die dreidimensionale Auffassung der Angstreaktion eignet sich als definitorische Grundlage für die noch folgende Be- schreibung des Phänomens Wettkampfangst im Rahmen dieser Arbeit. Für ein um- fassendes Verständnis der Thematik folgt eine theoretische Abgrenzung der Angst als Zustand und Verhaltensdisposition (Ängstlichkeit), eine Beschreibung der Angst- formen sowie eine Skizzierung verschiedener Erklärungsmodelle zur Entstehung von Angst.

2.1 Zustandsangst und Ängstlichkeit

Die Differenzierung der Angst hinsichtlich ihrer Zeitstabilität bildet sowohl das theoretische Fundament dieser Arbeit als auch die Basis gängiger Erhebungsverfahren der Angstdiagnostik.

In seiner Trait-State-Angst-Hypothese formuliert Spielberger (1966), dass Angst nicht nur als Persönlichkeitsmerkmal psychologisch relevant ist, sondern auch als aktueller Zu- stand. Angst als Zustand (state-anxiety) beschreibt die aktuelle Reaktion auf die subjektiv wahrgenommene situative Bedrohung und die dadurch ausgelösten Angstreaktion. Die Angstreaktionen umfassen sowohl Empfindungen wie Nervosität, Anspannung und Be- sorgtheit als auch die Anpassungen des autonomen Nervensystems (ANS) wie eine ge- steigerte Herzfrequenz und Adrenalinfreisetzung (Hackfort und Schwenkmezger, 1985). Angst als Persönlichkeitsmerkmal (trait-anxiety) beschreibt die überdauernde Bereitschaft des Individuums auf Situationen, die als Bedrohung wahrgenommen werden, schneller und intensiver mit Angstzuständen zu reagieren (Krohne, 2010). Die State-Trait-Angst- Theorie von Spielberger (1972) umfasst die folgenden Annahmen (S. 42 ff.): (1) Als primä- re Ursache der Zustandsangst wird die Verarbeitung externer und interner Stimuli ange- führt. Die Bewertung dieser Stimuli als Bedrohung löst dabei den Angstzustand und die damit verbundenen Angstreaktionen aus. Externe Stimuli wirken dabei von außen auf das Individuum (z.B. eine Wettkampfsituation). Interne Stimuli umfassen die gedankliche Be- schäftigung der Person mit der bedrohlichen Situation (z.B. Gedanken über ein mögliches Versagen im Wettkampf); (2) je intensiver die Stimuli als Bedrohung wahrgenommen wer- den, desto höher ist die daraus resultierende Zustandsangst; (3) je länger die Bedrohung wahrgenommen wird, desto stabiler sind die Angstreaktionen; (4) es werden vor allem Si- tuationen als Bedrohung eingestuft, die eine potentielle Schädigung des Selbstwertgefühls darstellen. Personen mit dispositioneller Angst (Ängstlichkeit) empfinden eine große Bandbreite an Situationen als bedrohlich, die objektiv betrachtet weder physisch noch psychisch eine Gefahr darstellen. Laut Schwarzer (1993) sind leistungsrelevante Situatio- nen dafür charakteristisch. Dabei sind die Reaktionen in erster Linie von den bisherig ge- machten Erfahrungen und Bewältigungsstrategien abhängig. Aus lerntheoretischer Sicht ist die Ängstlichkeit vergleichbar mit einem Motiv, das durch vorangegangene Lernprozes- se erworben wird (Miller und Mowrer, 1969); (5) besonders hohe Ausprägungen der State- Angst können sich im Verhalten als Ängstlichkeit manifestieren; (6) ein hochfrequentes Auftreten der Zustandsangst kann zur Entwicklung individueller Bewältigungsstrategien führen, die dazu dienen die erlebten Angstzustände zu reduzieren. Eine Linderung der Angstzustände kann entweder durch die Beendigung der bedrohlichen Situation als auch durch eine Verhaltensänderung der Person erreicht werden, die sich in der Vergangenheit als geeignet erwiesen hat (Lazarus, 1991).

Die Trait-State-Angst-Hypothese von Spielberger wurde bereits in zahlreichen Untersuchungen bestätigt (Hodges und Spielberger, 1966; Lamb, 1973; Krohne, 2010). Laux & Glanzmann (1996) stellen jedoch in Frage, ob es sich bei der Zustandsangst und Ängstlichkeit um zwei qualitativ unterscheidbare Dimensionen der Angst handelt. Sie argumentieren, dass es vielmehr einen stufenlosen Übergang der zwei Angst Dimensionen gibt. Trotz jedweder Diskussion um die Trait-State-Angst-Theorie wurde bis dato kein Modell entwickelt, welches die Konzeption von Spielberger ersetzt.

2.2 Angstformen

Je nach Kontext werden in der Literatur verschiedene Angstformen unterschieden. Eine, in deutschen Publikationen populäre Taxonomie der Ängste liefert Schwarzer (1993). Er benennt drei Angstformen: (1) Existenzangst; (2) soziale Angst und (3) Leistungsangst (vgl. Abb. 1). Die Existenzangst beschreibt Situationen, bei denen sich die Bedrohung auf die körperliche Unversehrtheit richtet (z.B. Angst vor Verlet- zungen, Todesangst etc.). Soziale Ängste treten dagegen in zwischenmenschlichen Situationen auf, bei denen die sozialen Kompetenzen des Individuums als unzurei- chend eingeschätzt werden. Die Situation wird dabei als Selbstwertbedrohung ein- gestuft. Hierbei unterscheidet Schwarzer (1993) vier Ausdrucksformen: (1) Verle- genheit; (2) Scham; (3) Publikumsangst und (4) Schüchternheit. Leistungsangst de- finiert Schwarzer (1987) als „… die Besorgtheit und Aufgeregtheit angesichts von Leistungsanforderungen, die als selbstwertbedrohlich eingeschätzt werden“ (S. 84). Sportbezogene Ängste werden von Schwarzer (1981) als spezielle Variante der Leistungs- und Bewertungsangst kategorisiert (vgl. Abb. 1).

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Details

Seiten
65
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668116139
ISBN (Buch)
9783668116146
Dateigröße
1009 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310730
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Sportinstitut
Note
1,0
Schlagworte
Wettkampfangst WAIT Wettkampfängstlichkeit Teamsportler Individualsportler Interventionsmaßnahmen Angstdiagnostik Stressmodel Bildungsabschluss

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Titel: Wettkampfangst bei Team- und Individualsportlern