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Australische Jugendliteratur der 90er Jahre. Untersuchungen zu "Josy sucht Josy" von Melina Marchetta und "Bis dann, Simon" von David Hill

Seminararbeit 2000 18 Seiten

Germanistik - Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Themen der Arbeit

2. Melina Marchetta: „Josy sucht Josy“
2.1. Inhalt
2.2. Sprache und Erzählweise
2.3. Problemstellungen im Roman, die im Unterricht besprochen werden könnten
2.3.1. Probleme der Kinder, die nur von einem Elternteil groß-gezogen werden
2.3.2. Problematik einen Elternteil nicht zu kennen
2.3.3. Das Problem der sozialen Unterschiede
2.4. Eignung des Romans für den Unterricht

3. David Hill: „Bis dann, Simon“
3.1. Inhalt
3.2. Sprache und Erzählweise
3.3. Simon, die Verkörperung eines „Problems“ der heutigen Gesellschaft
3.4. Eignung des Romans für den Unterricht

Literaturverzeichnis

1. Themen der Arbeit

In der folgenden Arbeit stehen zwei Bücher der australischen Kinder- und Jugendliteratur der 90´er Jahre im Mittelpunkt. Das erste Buch wird „Josy sucht Josy“ von Melina Marchetta sein. Melina Marchetta wurde 1965 in Sydney geboren. „Josy sucht Josy“ ist ihr erster Roman überhaupt, der auch gleich mit zahlreichen australischen Jugendbuchpreisen ausgezeichnet wurde. Schließlich stand er auch auf der Auswahlliste für den deutschen Jugendliteraturpreis.

In dieser Arbeit werden, nachdem Inhalt und Erzählweise kurz angesprochen wurden, die einzelnen Problemstellungen im Buch untersucht. Besonders im Hinblick auf die Behandlung im Schulunterricht sollen diese durchleuchtet werden. Ausgehend von den Ergebnissen der Untersuchungen wird dann eine Eignung des Buches für den Unterricht formuliert.

Als zweites Buch wird „Bis dann, Simon“ von David Hill im Mittelpunkt stehen. Auch Hill stellt mit diesem Roman sein erstes Jugendbuch vor, nachdem er mehrere Bücher für Erwachsene veröffentlicht hat. Inhalt und Erzählweise im Roman werden wieder als erste Punkte behandelt. Daraufhin werden die im Buch bearbeiteten Themen Behinderung und Tod besprochen. Am Schluss wird wiederum die Eignung des Buches für den Schulunterricht behandelt.

2. Melina Marchetta: “Josy sucht Josy”

2.1. Inhalt

Josy, die Ich-Erzählerin des Romans, ist 17 Jahre alt und besucht im letzten Jahr eine Elitehighschool, an die sie durch ein Stipendium gekommen ist. Die bevorstehenden Prüfungen machen ihr ein wenig Sorgen, sind aber im Vergleich zu ihren sonstigen Erlebnissen während des Jahres Nebensache.

Als Halbitalienerin und uneheliches Kind muß Josy täglich den Spagat zwischen italienischer Tradition und australischer Moderne schaffen. Dass sie alleine mit ihrer Mutter Christina lebt, macht die Sache natürlich nicht leichter. Hinzu kommt auch noch das gespannte Verhältnis zu ihrer Großmutter Nonna Katia, deren übertriebene Fürsorge Josy oft zu viel ist.

Josy hat aber noch mehrere Hürden zu nehmen. Da ist zuerst ihre Unentschlossenheit in Sachen Jungs. Sie weiß nicht genau, für wen sie sich entscheiden soll. Soll sie lieber den gut erzogenen John Barton nehmen oder den coolen Jacob Coote? Trotz ihrer Bedenken, dass Jacob gar nicht den Vorstellungen ihrer Mutter und vor allem ihrer Großmutter entspricht, entscheidet sie sich für ihn. Die Beziehung verläuft komplizierter, als Josy es sich gedacht hat. Und als ob sie damit nicht schon genug zu kämpfen hätte, platzt auch noch plötzlich ihr Vater in ihr Leben, den sie noch nie zuvor gesehen hat.

Die Beziehungen zu ihren „neuen Männern“ verlaufen sehr unterschiedlich. Während die Sache mit Jacob in einer Trennung endet, kommt sie ihrem Vater trotz anfänglicher Schwierigkeiten immer näher.

Obwohl Josy mit den Situationen der ersten Liebe und der Begegnung mit ihrem Vater schon sehr viel zu verarbeiten hat, ereignen sich Dinge, die sie zusätzlich stark beeinflussen.

Sie muss mit der Situation fertig werden, dass John Barton Selbstmord begangen hat. John Barton war für Josy ein guter Freund, mit dem sie später zusammen studieren wollte.

Weiterhin muss sie erfahren, dass ihre Großmutter nicht die Frau ist, die sie vorgibt zu sein. Denn auch Josys Mutter ist ein uneheliches Kind, was Nonna Katia bisher immer verschwiegen hatte. Josy Welt wird zu einem Karussell. Alles scheint sich innerhalb eines Jahres zu verändern.

Aber Josy schafft es schließlich ihr Leben zu ordnen. Alle Geschehnisse bringen sie näher zu ihrem Ziel, zu erfahren, wer sie eigentlich ist.

2.2. Sprache und Erzählweise

Mit einem witzigen, lockeren Stil schafft es Melina Marchetta sprachlich den Charakter ihrer Hauptperson Josy zu unterstreichen. Hinzu kommen emotionale Dialoge, besonders zwischen Josy und ihrer Mutter, die nachhaltig das Temperament einer Italienerin und den „pubertären Egoismus“ einer 17-jährigen aufzeigen:

„Nein. Nein. Nein. Ich bin eine unverheiratete Frau, Josy. Es ist gesellschaftlich absolut akzeptabel, dass ich mit einem Mann ausgehe.“

„Scheiß auf Gesellschaft.[...]“

„Pass auf wie du redest, Josephine, und wenn du nichts Nettes zu sagen hast, dann verschwinde“

„Nein. Das hier ist mein Haus.“

[...]„Josy?“, rief sie und packte mich an der Schulter. „Ich habe Bedürfnisse wie andere Leute auch, und ab und zu möchte ich mal mit Leuten meines Alters zusammen sein.“

„Na super. Jetzt kommt auch noch raus, dass sie´s bereut, dass sie mich gekriegt hat, und dass ich sie daran gehindert hab, ein Mensch zu sein“, schrie ich.[...]

„Du bist ein egoistisches , anmaßendes Kind, Josephine. Eines Tages wirst du mich verstehen.“

„Verstehen! Verstehen! Scheiß drauf!“, brüllte ich und feuerte meine Bücher durchs Zimmer. [...] „ Ich hoffe, ich sterbe heute Nacht, und du bereust es für den Rest deines Lebens!“, schrie ich.[1]

In diesen Dialogen nimmt man es Melina Marchetta ab, daß dort eine Jugendliche und nicht sie selber spricht. Und diese Jugendliche redet vielen jugendlichen Lesern aus der Seele. Allerdings hält die Autorin diesen Stil nicht konsequent bei. Vielmehr findet man gerade nach solchen Streitgesprächen eine Josy wieder, die sich von der „naiven“ Verhaltensweise einer Jugendlichen abwendet und zu einer selbstkritischen, erwachsen wirkenden Person wird:

„Ich bin mit diesem Mann ausgegangen, Josy. Ich habe nicht vor ihn zu heiraten.“

Eine Woche war jetzt seit unserem Streit vergangen.

„Oh, Ma, darum geht´s nicht“, sagte ich und sah sie an. „Wie hältst du mich nur aus, wenn ich so ekelig zu dir bin?“

„Du meine Güte, ist das meine Tochter, die da spricht?“, fragte sie lachend.

„Nein, ich meine es ernst. Mein Gott, du verwendest dein ganzes Leben darauf, mich großzuziehen, vergeudest deine Jugend an ein egoistisches Geschöpf und beklagst dich nicht mal.“ [...] „Ich mag mich nicht mehr mit dir streiten. Ich brauche eine Ruhepause.“[2]

Im allgemeinen verfolgt die Autorin einen Sprachstil und eine Erzählweise, die gut nachzuvollziehen sind. Der Roman lässt sich flüssig lesen. Man braucht keine Zeit darauf zu verwenden komplizierte Zusammenhänge oder sprachliche Bilder zu entschlüsseln. Von daher ist dieses Buch für einen jungen Leser (11 – 13 Jahre) sicherlich gut geeignet. Für einen Jugendlichen (14 – 17 Jahre) aber stellt es keine große Herausforderung dar.

[...]


[1] Melina Marchetta: „Josy sucht Josy“, aus dem englischen von Cornelia Holfelder-von der Tann, Ravensburger Buchverlag 1995. S. 138f.

[2] Ebd. S. 152f.

Details

Seiten
18
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638321815
ISBN (Buch)
9783638761093
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v31069
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Germanistisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Australische Jugendliteratur Jahre Untersuchungen Josy Melina Marchetta Simon David Hill Seminar

Autor

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Titel: Australische Jugendliteratur der 90er Jahre. Untersuchungen zu "Josy sucht Josy" von Melina Marchetta und "Bis dann, Simon" von David Hill