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Die Entwicklung von Familienbeziehungen. Von der Paarbeziehung zur Elternschaft

von Tom Nachtigall (Autor)

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärung
2.1 Familie
2.2 Beziehung
2.3 Familienpsychologie

3 Familienentwicklung
3.1 Familienphasen und Entwicklungsaufgaben
3.2 Bewältigung von Belastungen

4 Paarbeziehungen
4.1 Phasen und Entwicklungsaufgaben
4.2 Faktoren für den Verlauf von Paarbeziehungen
4.3 Veränderungen durch Elternschaft

5 Eltern-Kind-Beziehungen
5.1 Interaktionen Eltern-Kind
5.2 Funktion der Erzieher

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

Die Thematik von Problemen innerhalb der Familie oder innerhalb einer Partnerschaft begleitet einen ständig im alltäglichen Leben. Man macht sich Gedanken darüber, was eine gute Erziehung der Kinder beinhaltet, wie man einen Streit mit dem Partner schlichtet, warum sich das Verhältnis zu den Eltern verändert hat, wie man eine Trennung bzw. Scheidung verarbeiten soll oder auch wie man mit dem Tod eines Angehörigen umgeht.

All diese Punkte sind nicht nur Bestandteil des alltäglichen Familienlebens, sondern auch Gegenstand der Forschung zu Familienbeziehungen, die ich in meiner Arbeit näher betrachten möchte. Dabei möchte ich zunächst in einer Begriffserklärung die beiden Begriffe Familie und Beziehung als einzelne betrachten und anschließend eine allgemeine Erklärung zum Gegenstandsbereich der Familienpsychologie geben. Danach werde ich auf zwei verschiedene Familienbeziehungsformen eingehen, die Paarbeziehungen und die Eltern-Kind-Beziehungen, wobei ich im Vorfeld ein paar allgemeine Punkte zum Thema der Familienentwicklung behandeln möchte. Darüber hinaus möchte ich auch speziell die Frage klären inwiefern sich einfache Paarbeziehungen durch die Geburt eines Kindes verändern können, welche zusätzlichen Belastungen dabei auf das Paar zukommen und auf der anderen Seite natürlich auch welche positiven Effekte der Übergang von der einfachen Paarbeziehung zur Elternschaft mit sich bringt.

2 Begriffserklärung

2.1 Familie

Aufgrund einer Vielzahl vorhandener Definitionsversuche aus verschiedenen

Betrachtungsweisen, wie z. B. aus biologischer, soziologischer, rechtlicher, psychologischer oder funktionaler Sicht, zur Thematik Familie, ist es sehr schwer sich dabei auf eine einheitliche und verbindliche Begriffserklärung zu verständigen. Im Folgenden möchte ich auf einige Definitionsversuche eingehen und im Anschluss eine zusammenfassende Begriffserklärung geben.

Eine gängige allgemeine Definition beschreibt, dass Familie als eine „biologisch-soziale Gruppe von Eltern mit ihren ledigen, leiblichen und/ oder adoptierten Kindern“ gesehen werden kann (Süßmuth, 1981, S. 137). Nach Schneewind (2008) lässt sich Familie zusätzlich nach Generationen einteilen, wobei die Kernfamilie zwei und die Großfamilie drei oder vier Generationen umfasst. Des Weiteren beschreiben sie Familien als offene Systeme, die sich entwickeln, selbst regulieren und Bezug zu anderen Systemen herstellen, wie z. B. andere Familien oder Nachbarn. Außerdem verweisen sie auf zusätzliche gegenwärtige Familienformen, wie Patchwork-Familien, bei denen Partner nach der Scheidung Kinder aus der aufgelösten bisherigen Familie in eine neue Lebensgemeinschaft bringen. Aus entwicklungspsychologischer Sicht bezeichnet Petzold (1999) Familie als soziale Beziehungseinheit, die sich durch Intimität und intergenerative Beziehungen auszeichnet.

In der Definition von Hofer, Wild und Noack wird zusammenfassend ein guter und leicht verständlicher Überblick zu dem Begriff Familie gegeben. Sie schreiben folgendes:

Familie ist eine Gruppe von Menschen, die durch nahe und dauerhafte Beziehungen miteinander verbunden sind, die sich auf eine nachfolgende Generation hin orientiert und die einen erzieherischen und sozialisatorischen Kontext für die Entwicklung der Mitglieder bereitstellt. (Hofer, Wild & Noack, 2002, S. 6)

2.2 Beziehung

Der Begriff der sozialen Beziehung beinhaltet das Erleben und Verhalten zwischen mindestens zwei Personen. Dabei sind eine gewisse Dauer, Interaktionen und gegenseitige Erwartungen und Gefühle wichtige Merkmale von Beziehungen. Außerdem lassen sie sich von zwei Seiten betrachten. Zum einen als soziale Interaktionen, bei denen sich zwei oder mehrere Personen in ihrem Handeln aufeinander beziehen. Ein Beispiel dafür wäre eine Hilfestellung eines Elternteils für das Kind beim Erledigen der Hausaufgaben. Zum anderen als kognitive Beziehungsschemata, die das innere Vorstellen über die Beziehung zu einer anderen Person beinhalten (Hofer et al., 2002). Es lassen sich eine Vielzahl von verschiedenen Beziehungstypen unterscheiden, wobei die wichtigsten die Paar-, Eltern-Kind-, Geschwister-, Freundschafts-, Berufs-, und Nachbarschaftsbeziehungen sind (Asendorpf & Banse, 2000).

Snyder und Stukas (1999) sehen drei Ursachen für die Entstehung von Beziehungen (zitiert nach Hofer et al., 2002):

Sie kommen durch verschiedene Ziele, die sich Personen von ihren jeweiligen Interaktionspartnern vorstellen, zustande. Durch die unterschiedlichen Vorstellungen der Partner entstehen dementsprechend auch unterschiedlich ablaufende Beziehungen. Ein bestimmender Faktor für eine Beziehung ist die Persönlichkeit der Beteiligten, z. B. deren Entwicklungsstand. Daher werden Familienbeziehungen durch die Individualität der einzelnen Interaktionspartner bestimmt und können somit auch variieren.

Des Weiteren sind Beziehungen auch geprägt durch ein bestimmtes Rollenverhalten und unterliegen dadurch auch wechselseitigen Rollenerwartungen. Somit entstehen Familienbeziehungen auch aus bestimmten vorgegebenen Rollenerwartungen von „Eltern“, „Kind“ und „Geschwistern“.

2.3 Familienpsychologie

Allgemein kann man das Verhalten und Erleben von Menschen, also Beziehungen, innerhalb der Familie als Interesse der Familienpsychologie sehen. Sie beschäftigt sich mit unterschiedlichen Themen aus verschiedenen eng angegliederten psychologischen Disziplinen: Entwicklungspsychologie, Sozialpsychologie, Klinische Psychologie, Medizin, Familienrecht und Familiensoziologie (Jungbauer, 2009).

In meiner Arbeit geht es hauptsächlich um die Betrachtung aus entwicklungspsychologischer Sicht, bei der Familie in einem Entwicklungsvorgang, mit besonderem Augenmerk auf die Kindheit und Jugend, betrachtet wird. Dabei wird dieser Entwicklungsprozess der Entstehung von Familie verständlich gemacht, indem die einzelnen interagierenden Personen in ihren sozialen und familiären Bezügen gesehen werden (Jungbauer, 2009).

3 Familienentwicklung

Die Entwicklung von Familienbeziehungen wird zum Großteil durch die Anzahl der Familienmitglieder bestimmt. Eine vierköpfige Familie würde somit aus sechs Dyaden, Beziehungen zwischen zwei Personen (z. B. Vater-Mutter, Mutter-Tochter, Vater-Sohn), vier Triaden, Beziehungen zwischen drei Personen (z. B. Vater-Mutter-Sohn) und einer Tetrade, Beziehungen zwischen vier Personen und in dem Fall die gesamte Familie (Vater-Mutter-SohnTochter), bestehen (Schneewind, 2008). Die einzelnen Familienmitglieder verändern sich im Laufe des Zusammenlebens, womit sich auch die einzelnen Familienbeziehungen verändern und neue Rollenverständnisse entstehen. Mit diesen Veränderungen beschäftigt sich die Familienentwicklungstheorie, bei der sich ähnliche Verhaltensmuster und Phasen innerhalb der Familien feststellen lassen (Jungbauer, 2009). Auf diese möchte ich im Folgenden näher eingehen.

3.1 Familienphasen und Entwicklungsaufgaben

Im Verlauf des Zusammenlebens innerhalb einer Familie müssen sich die Mitglieder in verschieden Phasen typischen Anforderungen stellen, die man als Familienentwicklungsaufgaben bezeichnet. Diese aufeinanderfolgenden Phasen mit ihren jeweiligen Entwicklungsaufgaben bezeichnet man zusammengefasst als Familienlebenszyklus. Dabei lassen sich nach Havighurst (1972) in Bezug auf die individuellen Entwicklungsaufgaben drei Quellen von Familienentwicklungsaufgaben unterscheiden (zitiert nach Jungbauer, 2009): Körperliche Veränderungen, z. B. Schwangerschaft, Pubertät oder Pflegebedürftigkeit, auf die sich innerhalb der Familie eingestellt werden muss;

Gesellschaftliche Veränderungen, z. B. individuelle Vorstellungen über die Elternrolle, Berufstätigkeit oder die Erziehung der Kinder;

Individuelle Ziele und Wünsche, z. B. die gerechte Aufgaben- bzw. Arbeitsteilung zwischen den einzelnen Familienmitgliedern.

Im wohl bekanntesten Familienentwicklungsmodell von Carter und McGoldrick (1989) wird der gesamte Familienlebenszyklus in sechs Phasen mit den jeweiligen Entwicklungsaufgaben unterschieden (zitiert nach Jungbauer, 2009). In der Tabelle 3.1 (s. Anhang, S.14) sind die einzelnen Phasen mit ihren Entwicklungsaufgaben dargestellt (Jungbauer, 2009, Tabelle 3.1). Dieses Modell ist am traditionellen Leitbild eines Ehepaars orientiert und beschreibt normative, an den typischen Anforderungen und Übergängen ausgerichtete Entwicklungsaufgaben. Darüber hinaus können sich auch nicht-normative Familienentwicklungsaufgaben ergeben, die durch atypische Umstände zustande kommen, z. B. bei allein erziehenden Eltern, Pflegefamilien, etc.. Auch diese Entwicklungsaufgaben haben Carter und McGoldrick (1989) betrachtet, allerdings geht es dabei nur um alleinerziehende, allein lebende (ohne Sorgerecht) und wiederverheiratete Elternteile(zitiert nach Jungbauer, 2009). Daher hat Jungbauer (2009) das Basismodell von Carter und McGoldrick (1989) um zusätzliche nicht-normative Entwicklungsaufgaben erweitert: Eltern nach Scheidung. Der alleinerziehende Elternteil muss ohne Unterstützung des anderen Kindererziehung und Berufstätigkeit bewältigen. Bei Eltern ohne Sorgerecht gilt außerdem eine positive Beziehung zum Kind aufzubauen, auch wenn sie eventuell nur alle zwei Wochen Besuchsrecht haben. Des Weiteren müssen die Eltern versuchen trotz der Trennung einen gemeinsamen Weg zu einer vernünftigen „Elternallianz“ zu finden.

Patchworkfamilien. Hierbei geht es bei erneuter Heirat nach Scheidung um die Integration des neuen Partners, dessen Kinder und eventuell weiterer Personen in das bestehende Familiensystem. Gemeinsam muss eine neue Form des Zusammenlebens gefunden werden mit der alle Beteiligten zufrieden sind.

Regenbogenfamilien. Dabei geht es um Gleichgeschlechtliche Eltern. Sie müssen eine Reihe von Schwierigkeiten überwinden, die rechtlicher und organisatorischer Art oder auch die praktische Realisierung des Kinderwunsches sein können. Dazu kommen häufig fehlende Unterstützung der Familie oder des sozialen Umfeldes. Dabei ist es nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kinder wichtig zu lernen mit Vorurteilen umzugehen.

Familien mit einem behinderten Kind. Bei einer geistigen oder körperlichen Behinderung des Kindes müssen die Eltern sich, je nach Grad der Behinderung, auf eine meist lebenslange Unterstützung, also eine permanente Elternschaft einstellen. Sie müssen ihren Familienalltag komplett neu erfinden, da sie meist nicht auf Vorbilder der eigenen Familie zurückgreifen können.

Familien mit einem psychisch kranken Elternteil. Dies kann zu einer enormen Belastung für die Partnerschaft und natürlich auch für die Kinder führen. Viele Aufgaben des erkrankten Elternteils müssen auf den Partner und die Kinder aufgeteilt werden, wodurch sich Beziehungen grundlegend verändern können. Außerdem ist es sehr schwer für die Kinder diese Erfahrungen zu verarbeiten und damit umzugehen.

Im nächsten Punkt soll es um die Bewältigung der Belastungen gehen, die im Laufe des Familienlebenszyklus entstehen.

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668092884
ISBN (Buch)
9783668092891
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310561
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Pädagogische Psychologie Rosa und David Katz
Note
2,0
Schlagworte
Entwicklungspsychologie Familienbeziehungen

Autor

  • Autor: undefined

    Tom Nachtigall (Autor)

    9 Titel veröffentlicht

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Titel: Die Entwicklung von Familienbeziehungen. Von der Paarbeziehung zur Elternschaft