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Wahrheit im außermoralischen Sinne bei Friedrich Nietzsche

Hausarbeit 2015 10 Seiten

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG
- Auswahl, Motivation und Fokus der Thematik

HAUPTTEIL

I. Kann es nach Friedrich Nietzsche überhaupt Wahrheit im
außermoralischen Sinne geben?

II. Der Trieb zur absoluten Wahrheit und zu allgemeingültigen Gesetzen

III. Bewertung und Einordnung von Dingen, die der Mensch als
Wahrheiten erkennt

SCHLUSSTEIL
- Welchen Einfluss hat ,,die Umwertung aller Werte“ Nietzsches
nachhaltig auf die Moral und Weltanschauung seiner Mitmenschen?

LITERATURVERZEICHNIS
- Primärliteratur
- Sekundärliteratur

EINLEITUNG

- Auswahl, Motivation und Fokus der Thematik

Im Rahmen des Seminars - Einführung in die theoretische Philosophie - habe ich mich für den Text ,, Ueber Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne“(UWuL)1 von Friedrich Nietzsche entschieden.

Seit Längerem stelle ich mir schon die Frage, ob Objektivität, ohne aus einer Per- spektive heraus, für sich und unabhängig von der subjektiven Wahrnehmung eines Menschen existiert und ob wir sie nur deshalb nicht finden, weil wir nicht aus unse- rer individuellen Perspektive oder Position heraustreten können oder weil es sie an sich gar nicht gibt und wir als menschliches Wesen nur den Wunsch haben, dass es diese Allgemeingültigkeit oder auch einen vom Menschen unabhängigen Maßstab gibt, die oder den wir uns von unserem allumfassenden Kosmos wünschen, damit wir uns darin und daran orientieren können.

In dem Essay von Friedrich Nietzsche fand ich Inspiration und Halt, mich mit mei- nen Fragen mehr auseinandersetzen zu können. Folglich kam mir sofort folgende Frage in den Sinn: Kann es nach Nietzsche ü berhaupt Wahrheit im au ß ermoralischen Sinne geben?

Ich werde versuchen, im folgenden Teil eine Antwort auf diese Frage zu finden, um mich danach der darauf aufbauende Fragestellung zu widmen: Warum haben wir trotzdem den ,,Trieb zur [absoluten] Wahrheit “ ( Vgl. UWuL, S.876 f.) oder zu allge- meingültigen Gesetzen? Anschließend möchte ich mich den Dingen zuwenden, die wir als Wahrheiten bezeichnen und mit unserem Intellekt auch zu erkennen glauben, um diese folglich daraus zu bewerten und einzuordnen. Wenn ich die Einordnung und Bewertung dieser Wahrheiten vorgenommen habe, dann werde Ich abschließend im Hauptteil den Wert eben dieser Wahrheiten abwägen, die für Nietzsche im Grunde nichts weiter als die Produkte einer Täuschung unseres Intellekts sind (Vgl. ebd., S.879 ).

Abschließend habe ich mir vorgenommen im Schlussteil, neben Zusammenfassendem auch kurz auf den Einfluss der durch Nietzsche entstandenen ,,Umwertung aller Werte“2 auf unsere Moral und Weltanschauung einzugehen, da er mein Weltbild sehr dominiert und geprägt hat.

HAUPTTEIL

I. Kann es nach Friedrich Nietzsche überhaupt Wahrheit im außermoralischen Sinne geben?

Um sich dieser Fragestellung zunächst einmal annähern zu können, möchte ich in erster Linie klären, um welche Art von Wahrheit handelt es sich, wenn man sie im außermoralischen Kontext sieht oder sehen sollte. Es stellt sich für mich als schwie- rig heraus nach dem Wahrheitsbegriff Nietzsches in dem Rahmen außerhalb des mo- ralischen Befindens der menschlichen Existenz zu fragen. Er selbst ist bei der Suche nach ihr, jedenfalls nach traditioneller Definition, tatsächlich nicht fündig geworden, sondern eher die Irrungen und die Fälschungen, auch in seinem Falle als ,,Lügen“, ,,Täuschung[en]“ oder ,,Illusionen“ bezeichnet ( Vgl. UWuL, S. 876) in den Fokus seiner Untersuchungen gerückt sind, welche im Laufe seiner Betrachtung unaufhörlich seine mentalen Wege kreuzten, wie das Hans Vaihinger in seinem Text ,,Nietz- sches ,Wille zum Schein'“3 beschreibt. Wenn wir aber die Wahrheit oder den Weg zu ihr durch die Erkenntnis im verbreiteten Sinne nach Platon oder Aristoteles sehen, dann steht das in Verbindung mit der ontologischen Erkenntnistheorie, die von der Anwesenheit der Dinge an sich spricht und sozusagen eine Idee oder einen Maßstab voraussetzen (Platon) oder diese in den Dingen miteinschließen (Aristoteles). Es gibt also eine Ordnung der Dinge und danach soll sich die sittliche Zielfindung bewahr- heiten4. Nietzsche nimmt vorwiegend auf Kant Bezug, besonders auf seinen Satz: ,,Der Verstand schöpft seine Gesetze nicht aus der Natur sondern schreibt ihr dieser vor“. Mit Kant sieht Nietzsche die ganze Metaphysik als eine Täuschung unse - res Intellekts an (Vgl. WzS, S.26). Im Essay, Ueber Wahrheit und Lüge im aussermo- ralischen Sinne“ verweist er darauf mit dem Beispiel: ,,Alle Gesetzmäßigkeiten, die uns im Sternenlauf und im chemischen Prozess so imponieren fällt im Grunde mit denen Eigenschaften zusammen, die wir selbst an die Dinge heranbringen, so dass wir damit uns selber imponieren“ ( UWuL, S. 886.).

In meiner Einleitung erwähnte ich bereits mein Interesse daran, warum es so schwer ist, eine absolute Wahrheit objektiv nachzuweisen und inwiefern die fixierte Perspek- tive eines individuellen Subjekts, wie der Mensch eines verkörpert, dabei hinderlich oder aufschlussreich ist. Hans Vaihinger fasst das in seinem Essay folgendermaßen zusammen: Bei Nietzsche hat diese Perspektive den Sinn einer Notwendigen Täu- schung, ,,das Perspektivische ist für ihn ,,die Grundbedingung alle[n] Lebens“, ,,ohne perspektivische Scheinbarkeiten“ kein organisches Leben. Und so wie Zeit, Raum und Kausalitäten nur Metaphern sind, die der Mensch selbst geschaffen hat ( Vgl. WzS, .S. 26). Ich schlussfolgere nun daraus, dass es nach Nietzsche, in dem Sinne auch keine ,,Wahrheit im aussermoralischen Sinne“ (Vgl. UWuL) geben kann, da diese nur ein Produkt jenes menschlichen Triebes zur Metapherbildung ist, auch von Nietzsche als ,,Fundamentaltrieb des Menschen“ bezeichnet (ebd. S.887), der gleich- zeitig denkt, dass seine ,,Weltperception“, die ,,richtige Perception“ im Vergleich zu anderen lebenden Spezien (bei Nietzsche Bsp. Vogel) ist und durch einen vorausge- setzten fiktiven Maßstab, den er als absolut gegeben sieht, unabhängig von seiner ei- genen eitlen Perspektive aus, eitel deshalb, weil er sich in seiner Ansicht bestätigt fühlt und von der Richtigkeit dessen überzeugt ist. Darüber hinaus stellt der Mensch eine Verbindung her zwischen den zwei unterschiedlichen Ebenen, dessen wie etwas zu sein scheint, unabhängig von einer bestimmten Perspektive, und dessen wie es gleichzeitig sein soll. Das zumindest verstehe ich unter einem objektiven Sachverhalt und dessen Verbindung mit etwas, das wir ,,Subjekt“ nennen, also etwas, das aus sei- ner Individualität spricht, perspektivisch und lebendig gesehen. Nietzsche glaubt, dass es ,,nicht wahr [ist], dass das Wesen der Dinge in der empirischen Welt er- scheint“, also auch der ,,adäquate Ausdruck eines Objekts im Subjekt - ein wider- spruchsvolles Ding ist“ (Vgl. ebd. S.884). Des Weiteren erklärt Nietzsche das Vermö- gen des Erkennens als eine Erfindung der ,,kluge[n] Thiere“. Dies vermag der Mensch mithilfe seines ,,menschlichen Intellekts“ zu ermöglichen, den er als ,,schat- tenhaft“, ,,zwecklos“ und ,,beliebig“ verurteilt. Wenn der Mensch nun die Erde wie- der verlässt, so Nietzsche, dann gibt es,, für jenen Intellekt keine weitere Mission die über das Menschenleben hinausführte“ (Vgl. ebd.,S. 1). Für mich bedeutet dies in der Endkonsequenz, dass es keine Wahrheit außerhalb des menschlichen Perzeptionsbe- reiches geben kann, weil der Mensch einzig und allein und soweit uns bekannt ist, den Anspruch und ,,Willen zur Wahrheit“ hat, wie ihn Karl Jaspers in seinem Essay ,,Die Frage nach der Wahrheit bei Nietzsche“ zitiert hat (FnW. S. 66)5. Und da- mit, so verstehe ich das, stirbt auch die Idee der Wahrheit, wenn der Mensch nicht mehr existiert.

Der Wille zur Wahrheit im Rahmen der menschlichen Existenz, aber es findet sich kein Zugang zu ihr. Dies begründet Nietzsche, indem er ihr die Eigenschaft der ,,Un- mitteilbarkeit“ zukommen lässt, sie,, gibt sich nur indirekt kund“ (Vgl. ebd.). Sicht- bar macht er das, indem er danach fragt: ,,Was der Mensch eigentlich von sich selbst weiß!“, […] Verschweigt die Natur ihm nicht das Allermeiste?“ (Vgl. UWuL, S. 877).

[...]


1 Nietzsche, Friedrich: Ueber Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne in Band 1 (KSA 1). Aus: Friedrich Nietzsche: Sämtliche Werke, Kritische Studienausgabe in 15 Einzelbän- den. Herausgegeben von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, 2. Auflage, München.1988. Kurztitel: UWuL.

2 Nietzsche, Friedrich: ,,Warum ich ein Schicksal bin“ in Band 2. Aus: Friedrich Nietzsche: Werke in drei Bänden.Herausgegeben von Karl Schlechta, München 1954. S. 1152

3 Vaihinger, Hans: Nietzsches ,, Wille zum Schein“. Aus: 100 Jahre philosophische Nietzsche Rezeption, Herausgegeben von Alfredo Guzzoni, Frankfurt am Main 1991, S. 26. Kurztitel: WzS

4 Lexikon der Ethik. Herausgegeben von Höffe, Otfried; Forschner, Maximilian; Schöpf, Alfred und Vossenkuhl, Wilhelm. Beck`scheReihe, Begriff: Wahrheit, 5. Auflage, München 1997. S. 324.

5 Jaspers, Karl: Die Frage nach der Wahrheit bei Nietzsche. Aus: 100 Jahre philosophische Nietzsche Rezeption. Herausgegeben von Alfredo Guzzoni, Frankfurt am Main 1991, S. 66. Kurztitel: FnW

Details

Seiten
10
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668092051
ISBN (Buch)
9783668092068
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310525
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Philosophie
Note
1,7
Schlagworte
wahrheit sinne friedrich nietzsche

Autor

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Titel: Wahrheit im außermoralischen Sinne bei Friedrich Nietzsche