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Beziehung zwischen Mann und Frau, ausgehend von Epheser 5. Eine theologische Betrachtung und ihre Relevanz für die Ehe

Bachelorarbeit 2013 49 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Exegetisch-theologisches Teil
II.1. Eigene Übersetzung von Eph 5,21-33
II.2. Analyse und Einordnung in den Gesamtkontext des Briefes
II.3. Probleme der Gemeinde in Epheser
II.4. Unterordnung in der Furcht Christi
II.5. Die Aufforderung an die Frau
II.6. Begründung der Unterordnung von der Frau
II.7. Aufforderung an den Mann, die eigene Frau zu lieben
II.8. Christologisch-ekklesiologische Begründung der Liebe des Mannes
II.9. Die Parallelität zwischen der Haustafel in Epheser 5 und Gen 2,18-25
II.9.1. Äein“ Fleisch
II.9.2. ÄBund“ - ÄAnhangen“
II.9.3. Gleichstellung oder Hierarchie?
II.10. Ein Geheimnis
II.11. Abschluss - Vers 33

III. 1 Kor 11 - Strukturierte Einheit

IV. Theologische Relevanz für die Ehe
IV.1. Beginn der Ehe in der Bibel
IV.2. Aktuelles Verständnis der Ehe
IV.3. Historischer Strukturwandel der Familie
IV.4. Individualismus
IV.5. Modernes/postmodernes Bild der Beziehung
IV.6. Die Realität der Tatsachen

V. Das Fundament der Ehe nach dem biblischen Befund

VI. Fazit

VII. Literaturliste
VII.1. Kommentare
VII.2. Monographien & Aufsätze
VII.3. Sekundärliteratur
VII.4. Hilfsmitteln

VIII. Anhang
1. Kultverein in Philadelphia
2. Einheit in Herrn
3. Scheidungsquote in Deutschland

I. Einleitung

In dieser Arbeit geht es um die innereheliche Beziehung zwischen dem Mann und der Frau. Grund der Abfassung dieser Arbeit ist die Wahrnehmung, dass die christlichen Ehen oft einen Mangel an den Werten des Ehelebens nach den Prinzipien Gottes haben. Oft wird die Scheidung als der einzige Ausweg gesehen, da man nicht weiß, wie das Problem gelöst werden soll und man kein sicheres Fundament der Ehe hat. Anhand der Eheperikope Eph 5,21-33 soll die Grundlage der Beziehung von Mann und Frau festgelegt werden, da diese die zwischenmenschliche Beziehung anhand der Christus-Gemeinde-Beziehung am besten darstellt. Die Ehe wird in der Parallelität zu der Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde betrachtet. Die Analogien werden exegetisch erarbeitet. Hierbei möchte ich nicht die einzelnen Analyseschritte der historisch-kritischen Methode gesondert darstellen, sondern sie in der Arbeit dort einfließen lassen, wo sie die Bedeutung und Intention des Textes für die Ehe erhellen. Die historische und sozio-kulturelle Situation der Abfassungszeit des Briefes soll dabei mit bedacht werden. Gleichzeitig werden die Konsequenzen für das heutige Verständnis der Ehe gezogen. Im letzten Teil der Arbeit soll die postmoderne Sicht der Ehe dargestellt werden, um das Denken der Menschen von heute besser zu verstehen und die Problematik des Verständnisses der Ehe nachvollziehen zu können. Anhand der erarbeiteten Ergebnisse werden die wichtigsten Grundlagen für die zwischenmenschliche Beziehung in der christlichen Ehe veranschaulicht. Die Arbeit soll eine Hilfestellung für die Menschen sein, die sich mit den umstrittenen Fragen des Rollenverständnissen (Unterordnung der Frau und das Hauptsein des Mannes) in der Familie eine theologisch begründete Antwort suchen. Mein Wunsch besteht darin, dass vor allem Christen erkennen, wie man eine Ehe auf der Grundlage der Bibel festlegen kann.

II. Exegetisch-theologischer Teil

II.1. Eigene Übersetzung von Eph 5,21-33

21. Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi,

22. Die Frauen den eigenen Männern, als dem Herrn,

23. Weil ein Mann ein Haupt der Frau ist, wie auch der Christus ein Haupt der Gemeinde, Er ist ein Heiland des Körpers.

24. Doch wie die Gemeinde sich dem Christus unterordnet, so auch die Frauen den

Männern in allem.

25. Ihr Männer, liebt die Frauen! Gleich wie der Christus die Gemeinde geliebt hat und sich selbst für sie hingab,

26. Damit sie ausgesondert und gereinigt durch das Wasserbad des Wortes sein kann.

27. Damit stellte er selbst sich die Gemeinde herrlich bereit, ohne einen Schmutzfleck, weder eine Falte noch etwas desgleichen und damit sie für Gott geweiht und tadellos lebte.

28. Ebenso sind auch die Männer verpflichtet ihre Frauen zu lieben, wie den eigenen Körper. Der, der der eigenen Frau Liebe erweist, liebt sich selbst.

29. Also niemand hat jemals den eigenen Körper gehasst, sondern ernährt[1] und pflegt[2] ihn, wie auch der Christus die Gemeinde,

30. Weil wir Glieder seines Körpers sind.

31. Anstelle dessen wird der Mensch den Vater und die Mutter verlassen und wird sich an seine Frau binden lassen, und die zwei werden in einem Leib leben.

32. Dieses Geheimnis ist groß. Ich deute es aber auf Christus und auf die Gemeinde hin.

33. Jedenfalls auch ihr, jeder einzelne von euch, liebt eure Frauen, wie sich selbst; die Frau aber, dass sie mit Ehrfurcht/Achtung dem Mann begegne.

II.2. Analyse und Einordnung in den Gesamtkontext des Briefes

Die Abfassungszeit ist etwa um 90 nach Christus zu datieren.[3] In der Wissenschaft ist die Verfasserschaft sowohl des Kolosser- als auch des Epheserbriefes umstritten. Das wichtigste Indiz für die Vermutung, dass der Epheserbrief nicht von Paulus persönlich, sondern höchstwahrscheinlich von einem seiner Schüller verfasst wurde, bezeugt die Tatsache, dass man Abweichungen im Schreibstil, Inhalt und der theologischen Intension aufweisen kann. Außerdem unterscheiden sich auch auf der sachlichen Ebene die paränetischen Abschnitte von dem, was Paulus sonst schreibt. Die Regeln und Weisungen sind bildlich dargestellt und sind nicht für eine bestimmte Gemeinde formuliert.[4] Betrachtet man den Kontext, kann man sagen, dass der Brief an die an Jesus Gläubigen gerichtet ist.

Jedoch vertritt nicht die eindeutige Mehrheit der Forscher die pseudographische Herkunft des Briefes. Dibelius führt deutlich auf, dass Paulus häufig seine Briefe mit einem paränetischen Teil abschließt (Röm 12.13; Gal 5,13ff.6; Kol 3.4; 1Thess 4.5). Die Unterscheidung der literarischen Gattung besitzt einen didaktischen Charakter. Sie weist auf einen Zusammenhang zwischen den Predigten des Paulus und seinen Mahnungen hin. Um die Grundgesätze eines christlichen Lebens in den neugegründeten Gemeinden einzuprägen, benutzt Paulus Wiederholungen (1Thess 4,1ff).[5] Persönlich bin ich eher der Meinung, dass der Verfasser tatsächlich Paulus ist, da er an mindestens zwei Stellen (1,1; 3,1) nachdrücklich davon schreibt. Obwohl der Adressat in der Einleitung fehlt, bezeugt die Überschrift des Briefes in allen wichtigen Handschriften, dass er an die Epheser geschrieben wurde.

Die zahlreichen Vergleiche, die Ähnlichkeit der Struktur und des Inhalts, lassen die Tatsache vermuten, dass der Kolosserbrief zuerst verfasst wurde.[6] Der Epheserbrief hat einen ungewöhnlich langen Briefanfang (Eph 1,1-23). Das Herz des Briefes besteht aus zwei Hauptteilen. Der erste lehrhafte Teil (2,1-3,21) umfasst die Erinnerung der Gemeindeglieder, dass sie[7] durch Christus verbunden sind. Der zweite paränetische Teil spricht von der Einheit aller Gläubigen im Geist. Paulus ruft zur Einheit auf. Die Gläubigen sollen sich mit Geduld und in Liebe ertragen.[8] Die Haustafel des Epheserbriefes ist in einer großen Perikope 5,21-6,9 dargestellt. An dieser Stelle beginnt der Verfasser die einzelnen Gemeindegruppen anzusprechen.[9] Die in Vers 21 aufgeführte Aufforderung richtet sich an alle Christen und bildet damit auch die Überschrift für die ganze Haustafel.[10] Der Abschnitt Eph 5,21-33 behandelt die Beziehung zwischen Mann und Frau. Die weiteren Verse (6,19) beleuchten das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern bzw. das Verhältnis zwischen den Sklaven und ihren Herren. Ich will mich jedoch auf die Beziehung zwischen dem Mann und der Frau konzentrieren.

Die Bezeichnung der Haustafel stammt von Martin Luther. In der älteren Literatur[11] geht man auf die stoische Pflichtenlehre zurück. Die neue Forschungslage[12] bezeugt allerdings, dass die Liste der Bezugspersonen und die Reziprozität der Pflichten mit der Haustafel nicht übereinstimmen.[13]

Zur Form der Haustafel äußert sich Sellin folgendermaßen: Das Schema der Haustafel von Kol 3,18+19 und Eph 5,21-33 sieht gleich aus (ähnelt sich?).[14] Nach der Aufforderung an die Frau folgt die Aufforderung an den Mann. Dieser Teil sieht Lindemann als einen Höhepunkt des gesamten Epheserbriefes, sowohl inhaltlich als auch in der formalen Gestaltung.[15] Die Perikope Eph 5,21-33 kann in drei Abschnitten unterteilt werden. Der erste Teil beschreibt die Anweisung an die Frauen (V.21-24), der zweite Teil (V. 25-28a) richtet sich an die Männer und der letzte Teilabschnitt (V. 28b-32) deutet auf die Beziehung von Christus zu seiner Gemeinde hin. Die gegenseitige Unterordnung der Christen in der Furcht Christi bildet einen Gesamtrahmen. Während Vers 21 in das Thema einleitet, bildet Vers 33 eine Inclusio.[16] Die Inclusio verstärkt die Aussage des gesamten Abschnitts, indem das Wichtigste wiederholt wird[17]. Die Beziehung von Christus zur Kirche muss als Schlüssel für das richtige Verhältnis von Mann und Frau verstanden werden.[18]

Der Briefschluss (6,10-24) bündelt die Paränese durch die Aufforderung (Waffenrüstung) zum konsequenten Leben.[19]

II.3. Probleme der Gemeinde in Ephesus

Durch eine missionarische Arbeit des Apostels Paulus entsteht die Gemeinde in Ephesus. Die Glieder sind zum großen Teil ehemalige Heiden (Eph 2,11-13) und bilden nun durch den gemeinsamen Glauben an Christus den Leib der Gemeinde. Apg 19,1-22 berichtet uns davon, dass Paulus zwei Jahre in Ephesus verbringt. Dort unterweist er die Gläubigen in der Lehre, heilt die Kranken und treibt böse Geister aus. Außerdem breitet sich mächtig das Wort Gottes durch den Geist Gottes (Vgl. Apg 19,20). Der Inhalt verrät dem Leser die Anliegen des Verfassers, die von der Abwendung, den heidnischen Traditionen und dem Äneuen“ Leben in Christus sprechen (Kap 2). Da der Brief an mehreren Stellen[20] zur Einheit und dem Leben in der Liebe Christi spricht, kann daraus geschlossen werden, dass die Christen in diesem Bereich aufgeklärt werden müssen. Im Vergleich zu den anderen Paulusbriefen fällt die Länge des paränetischen Teils (Kap 4-6) auf, was die Gewichtung der Perikope unterstreicht.[21] Die gegenseitige Unterordnung soll vor allem in der Furcht Christi geschehen. Das ist eine konkrete Weisung, wie man ein christliches Leben führen soll. Die Eheparänese betont das Verständnis der christlichen Familienführung. Der Verfasser wehrt sich gegen eine asketische Abwertung der Ehe.[22]

II.4. Unterordnung in der Furcht Christi

Die Aufforderung zur gegenseitigen Unterordnung bringt beide Ehepartner auf eine gemeinsame Ebene, indem sie auf eine christliche Norm hinweist (Eph 4,2; Mk 10,43f; Gal 5,13f; Phil 2,3f; Röm 12,3-21). Es wird nicht nur die Frau zur Unterordnung aufgefordert, sondern jeder Christ innerhalb der Gemeinde. Über den Charakter der gegenseitigen Unterordnung aller Christen kann man sagen, dass sie von Demut, Sanftmut, Geduld und Liebe in der Furcht Gottes geprägt ist und nicht vom despotischen einflößenden Schrecken dirigiert wird.[23] Lindemann ist der Meinung, dass Vers 21 die Überschrift über die ganze Haustafel ist. Er postuliert, dass der Verfasser das Verb Äunterordnen“ aus dem Kolosserbrief übernimmt. Außerdem betont er mehrmals in seinem Kommentar, dass der Kolosserbrief als Vorlage für den Epheserbrief dient.[24] Die Unterordnung der Frau dem Mann gegenüber soll im Zusammenhang mit der geforderten gegenseitigen Unterordnung aller Christen verstanden werden.[25] Pokorny fügt hinzu, dass das Verb Äunterordnen“ (gr. ὑποτάσσω) eine freiwillige Eingliederung in die gesellschaftlichen Strukturen bezeichnet.[26] Die Anweisungen der Haustafel sind keine Herrschaftsgebote, die den Mann zum Sklavenhalter über die Frau machen.[27] Stern sieht in der Ehe eine Verkörperung der Asymmetrie der Gebote.[28] Er ist der Meinung, dass es dem Mann schwer fällt seiner Liebe Ausdruck zu geben, sowie der Frau die Autorität des Mannes zu akzeptieren. Für die Männer ist der Maßstab der Liebe sehr hoch: Ä…so wie Christus die Gemeinde liebt, sollen die Ehemänner ihre Frauen lieben…“ (Vgl.V.25).

Die Eheleute sind berufen füreinander zu sorgen und nicht nur nach sich selbst zu schauen. Es ist eine Herausforderung, die das zum Ziel setzt, was einem schwer fällt. Die Männer können ihre Frauen nicht lieben und die Frauen können sich nicht ihrem Mann unterwerfen - so sollen sie es lernen.[29] Beide sollen zu dieser Herausforderung bereit sein, wenn beide in den biblischen Ordnungen leben wollen. Durch das Aufsehen auf Christus können so auch Schwierigkeiten überwunden werden.

Um den eigentlichen Kerngedanken der Paränese nachvollziehen zu können, will ich die zwei durchgehend prägende Wörter Unterordnung und Furcht Christi exegetisch näher betrachten.

ὑποταγήσομαι - unterordnen

Der Begriff ÄUnterordnung“ hat zwei Stoßrichtungen. Man kann sich Menschen und Gott unterordnen.

Im Vers 21 wird eine gegenseitige Unterordnung, die für jeden Gläubigen gilt, gefordert. Diese Unterordnung ist in den weiteren Versen auf das gesamte Verhältnis innerhalb der Familie konzentriert. Die Frau soll sich dem Mann unterordnen; vom Mann wird die Liebe zur Frau gefordert; Gehorsam wird von den Kindern zu ihren Eltern und von den Sklaven zu ihren Herren erwartet. Somit wird die Unterordnung mit anderen Begriffen umschrieben.[30]

Die Unterordnung fällt in den Bereich der weltlichen Ordnung, wird aber in der Paränese mit neuem Inhalt gefüllt.[31] Die traditionellen römischen Werte der Familie sind auf die Standartform, die sich seit Aristoteles herausgebildet hatten, gegründet. Der Mann sei eine absolute Autorität in der Familie. Diese Werte, so meinten die Römer, sind durch einflussnehmende christliche Ordnungen, die auf der gegenseitigen Liebe gegründet sind, gefährdet.[32] Paulus erörtert als erstes das Verhältnis zwischen Mann und Frau innerhalb der Ehe.[33] Er wendet sich an die Frau mit der Aufforderung, dem Mann untertan zu sein. An dieser Stelle ist noch wichtig anzumerken, dass das Verb Äunterordnen“ (gr. ὑποτάσσω) nicht mit dem im Kapitel 6,1.5 verwendeten Verb Ägehorchen“ (gr. ὑπακούω) gleichzusetzen ist. Es geht um die Anerkennung einer bestimmten Struktur, einer schon bereits vorhandenen sozialen Form.[34] An dieser Stelle will ich die Aussage von Lindemann ergänzen. Obwohl es in der antiken Kultur üblich ist, dass die Frau in vollem Gehorsam gegenüber ihrem Mann lebt, gründet sich die christliche Familien-Struktur auf der gegenseitigen Liebe und Hochachtung. Es wird nicht die Anerkennung, der schon vorhandenen Strukturen gefordert, sondern die Liebe zueinander, die das Verhältnis der Eheleute neu strukturieren lässt.

In der Antike wurde von der Frau, wegen des meist bis zu zehn Jahre hohen Altersunterschieds, ein absoluter Gehorsam gefordert. Der Altersunterschied verstärkte die Ungleichheit der Eheleute und wird als sinnvoll betrachtet. Keener behauptet, dass die Unterordnung der Frau lediglich ein Beispiel für die geforderte gegenseitige Unterordnung der Christen sei.[35]

In den allgemeinen Regeln des Neuen Testaments wird die Unterordnung als ein freiwilliger Verzicht dem eigenen Willen gegenüber verstanden, die zum Wohl des anderen dient.[36] Dies soll u.a. in der Liebe (gr. ἀγάπη) geschehen und nicht aus Angst vor dem Ehepartner. Das Vorbild für ein solches Verhältnis ist die Liebe Christi zu seiner Gemeinde. Die von Gott erwartete Antwort der Gemeinde auf die Liebe Christi, soll die Unterordnung sein.

Furcht Christi

Obwohl sich die Mahnung auf den ersten Blick an die Frauen wendet, schließt sie die Männer nicht aus. In seiner Forderung betont Paulus die Einigkeit, die auf der gegenseitigen Unterordnung basiert. Dies soll in der ÄFurcht Christi“ geschehen. Der Verfasser will nicht die schon bestehende antike Familienstruktur verstärken, in welcher die Schwächeren den Stärkeren unterliegen, sondern die Mahnung soll im paulinischen Sinn, nach Gal 5,13[37] ; Phil 2,1-5[38] verstanden werden.[39]

Schon in Eph 5,18 fordert Paulus die Leser auf, dass sie sich vom Geist erfüllen lassen sollen (πληροῦσθε ἐν πνεύματι)[40]. Die darauffolgenden Verse beschreiben, wie das geschehen soll. Man soll einander ermuntern, indem man Psalmen singt, spielt und Gott Danksagung bringt. Keener behauptet, dass die Paränese Äordnet euch einander unter in der Furcht Christi“ ein Ausdruck des Erfülltseins vom Geist Gottes bedeutet. Dieser Gedanke ist in allen paulinischen Briefen enthalten.[41] Preisker ist ebenfalls der Meinung, dass der christliche Wandel mit dem Geisterfülltsein gekennzeichnet und das Leben durch die Liebe Christi (gr. ἀγάπη) geprägt sein soll.[42] Die Liebe und Geisterfüllung gehen aus der lebendigen Beziehung mit Gott hervor. Die Ehrfurcht ist eine Reaktion des Menschen auf die Erkenntnis der Macht Gottes und eine gleichzeitige Anerkennung eigener Bedürftigkeit, die Auswirkung auf die zwischenmenschlichen Verhältnisse hat.

Das Wort φόβος kann man als Furcht, Angst, Ehrfurcht oder Achtung übersetzen.[43] Ehrfurcht ist nicht mit Angst gleichzusetzen und bedeutet an dieser Stelle viel mehr Hochachtung und Respekt. Die Redewendung Äφόβῳ Χριστοῦ“ ist nicht eindeutig bezeugt und kann auch als ÄFurch Gottes“[44] verstanden werden. Pokorny ist der Meinung, dass ÄFurcht Christi“ von der Furcht Gottes abgeleitet ist. Dafür sprechen folgende Verse: 2Kor 7,1; 1Petr 2,17. Außerdem drücken sie Ehrfurcht und Verantwortung vor Gott aus.[45] Gott fordert vom Mensch, dass er Ihn fürchten soll. In Dtn 10,12 heißt es, dass man Gott lieben, Ihm allein von ganzem Herzen und von ganzer Seele dienen soll. Die Gottesfurcht ist ein Gebot Gottes.[46] Es geht nicht darum, dass man Angst vor Gott haben soll, sondern eine Beziehung zwischen Mensch und Gott, die das Verhalten der Menschen sowohl gegenüber Gott als auch gegenüber den Mitmenschen bestimmt. Man stellt Gottes Maßstäbe höher als die eigenen. Ehrfurcht oder Hochachtung vor Gott bedeuten völlige Akzeptanz der Herrschaft Gottes gegenüber dem eigenen Leben. Man rechnet mit Gott, überlegt und prüft, ob die Entscheidungen, die man treffen muss, nach dem Willen Gottes getroffen werden. In Phil 2,1-5 ermahnt Paulus, dass man den anderen höher achten soll als sich selbst, was einer rechten Gemeinschaft in Jesus Christus entspricht.

Fleckenstein betont ebenfalls, dass Gottes Furcht nichts anderes bedeutet, als Gott volles Vertrauen zu schenken.[47]

II.5. Die Aufforderung an die Frau

Im Vers 22 wendet sich der Verfasser an die Frauen mit der Aufforderung, den eigenen Ehemännern wie dem Herrn untertan zu sein. Nachdem er die allgemeine, an alle Christen gerichtete Mahnung ausspricht, beginnt Paulus die Eheparänese.

Paulus schützt die Ehe Luz sieht in dieser Mahnung eine Reaktion des Verfassers auf die zunehmende asketische Abwertung der Ehe, die gerade in jüdischen Kreisen und in Kleinasien ausbrach.[48] Diese ist, nach seiner Meinung, auch teilweise in den paulinischen Briefen zu finden (1Kor 7,1f.6-8-26-32-38). Diese Tatsache ist ein Indiz, dass der Epheserbrief nicht von Paulus stammt. Jedoch sehe ich diese Position kritisch. Die Verfasserschaft kann an diesen Stellen nicht in Frage gestellt werden. Denn an oben erwähnten Korintherstellen legt Paulus einen Schwerpunkt auf den Vorrang geistlicher Interessen im Angesicht der kommenden Not oder erwarteter Äletzten Zeit“ (1Kor 7,26). Da die Eheleute Familiensorgen haben, können sie dementsprechend weniger Gott dienen, denn sie sollen für einander sorgen und sind dadurch geteilten Herzens (1Kor 7,33). Paulus rät deswegen nicht zu heiraten und wünscht sich, dass jeder wie er sei (1Kor 7,6). Doch Paulus ist nicht gegen die Ehe. Er warnt, dass Irrlehrer aufkommen werden, die den Menschen verbieten werden, zu heiraten (1Tim 4,3).

Einheit Der Kontext der Perikope spricht auch vom Aufruf zur Einheit (Eph 4). Deswegen bin ich der Meinung, dass die Eheparänese keine schützende Intention gegen den asketischen Angriff beansprucht. Sie ist vielmehr eine Veranschaulichung einer Einheit aller Christen, die sich in der Eheparänese auf die Ehe konzentriert.

[...]


[1] Weitere Bedeutungen: großziehen, erziehen.

[2] Weitere Bedeutung: versorgen.

[3] Vgl. Schnackenburg, EKK, 30; vgl. auch Gnilka, HThK, 20.

[4] Vgl. Dibelius, Formgeschichte, 239.

[5] Vgl. Dibelius, Formgeschichte, 239f. Im Rahmen meiner Arbeit kann ich beide Bereiche nicht ausführen.

[6] Vgl. Pokorny, Einleitung, 630ff.

[7] Juden und Heiden, ohne Unterschied.

[8] Siehe Eph 4,2 + 5,1f.

[9] Vgl. Lindemann, ZBK, 99.

[10] Vgl. Schnackenburg, EKK, 248.

[11] Dibelius, M.; Weidinger, K.

[12] In der traditionellen Gnomik finden sich zahlreiche Materialen zu den paränetischen Mahnungen. Sie erläutern bis ins Detail das Verhalten der Menschen. (Vgl. Berger, Formen, 197f) Siehe Anhang unter ÄKultverein in Philadelphia“.

[13] Vgl. Berger, Formen, 196f.

[14] Vgl. Sellin, Brief, 426.

[15] Vgl. Lindemann, ZBK, 100.

[16] Vgl. Schnackenburg, EKK, 250.

[17] Vgl. Lindemann, ZBK, 100.

[18] Vgl. Ebd.

[19] Vgl. Pokorny, Einleitung, 629.

[20] Eph 2,11-22; 4,1-16.

[21] Vgl. Luz, NTD, 107.

[22] Vgl. Luz, NTD, 171.

[23] Vgl. Fleckenstein, Ordnet, 212f.

[24] Vgl. Lindemann, ZBK, 102.

[25] Vgl. Lindemann, ZBK, 101.

[26] Vgl. Pokorny, ThHK, 221.

[27] Vgl. Lindemann, ZBK, 101.

[28] Vgl. Stern, Kommentar, 409.

[29] Vgl. Ebd.

[30] Vgl. Külling, Ordnung, 102.

[31] Vgl. Delling, ὑποτάσσω, 46

[32] Vgl. Keener, Umfeld, 405.

[33] Vgl. Lindemann, ZBK, 102.

[34] Vgl. Ebd.

[35] Vgl. Keener, Umfeld, 405f.

[36] Vgl. Delling, ὑποτάσσω, 46.

[37] Ädient einander durch die Liebe!“

[38] Vgl. den anderen höher als sich selbst achten.

[39] Vgl. Luz, NTD, 170f.

[40] Der Verfasser drückt die Formulierung imperativisch aus.

[41] Vgl. Keener, Umfeld, 405.

[42] Vgl. Priesker, μέθη, 553.

[43] Vgl. Bauer, Wörterbuch, 1721f.

[44] Die Handschriften von Ambrosius und Clemens bezeugen: Äφόβῳ θεου“ an dieser Stelle.

[45] Vgl. Pokorny, ThHK, 221.

[46] Siehe auch: Jos 24,14; Koh 12,13; Mt 10,28; 1Petr 1,17; 1Petr 2,17.

[47] Vgl. Fleckenstein, Ordnet, 213f.

[48] Luz, NTD, 171.

Details

Seiten
49
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668091436
ISBN (Buch)
9783668091443
Dateigröße
943 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310431
Institution / Hochschule
Internationale Hochschule Liebenzell – Theologisches Seminar der Liebenzeller Mission
Note
2
Schlagworte
beziehung mann frau epheser eine betrachtung relevanz

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Titel: Beziehung zwischen Mann und Frau, ausgehend von Epheser 5. Eine theologische Betrachtung und ihre Relevanz für die Ehe