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Nichts als Unwahrheiten? Zeitzeugenbefragungen in der Geschichtswissenschaft und im Schulunterricht zum Kriegsende 1945

Examensarbeit 2010 91 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung

Teil I
3 Oral History in der Geschichtswissenschaft
3.1 Entstehung und Entwicklung der Oral History
3.1.1 Die Anfänge der Oral History
3.1.2 Legitimation
3.1.3 Nutzung
3.1.4 Etablierung in der Wissenschaft
3.2 Kritik an der Oral History
3.2.1 Kritik am Gedächtnis
3.2.2 Kritik an der Interviewpraxis
3.2.3 Fazit
3.3 Ziele der Oral History
3.4 Die Praxis der Oral History
3.5 Ergebnisse des Zeitzeugengespräches

Teil II
4 Gedächtnis und Erinnerungen
4.1 Das Gedächtnis
4.1.1 Grundlagen und Voraussetzungen für die Bildung von Erinnerungen
4.1.2 Das episodische Gedächtnis
4.1.3 Gedächtnis und Emotionen
4.2 Individuelle Erinnerungen
4.2.1 Einfluss auf Wahrnehmung und Enkodierung
4.2.2 Einfluss auf Dekodierung
4.2.3 Verfälschte Erinnerungen
Exkurs: Medialität des Gedächtnisses
4.3 Die Tradierung von Erinnerungen in der Gesellschaft
4.4 Zusammenfassung: Ergebnisse für die geschichtswissenschaftliche Praxis
Exkurs: Erinnerungen an das Kriegsende 1945

Teil III
5 Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht
5.1 Warum Zeitzeugenbefragungen im Geschichtsunterricht?
5.2 Didaktische Überlegung zur Planung und Vorbereitung, Durchführung und Auswertung einer Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht
5.2.1 Planung und Vorbereitung der Zeitzeugenbefragung
5.2.2 Die Durchführung der Zeitzeugenbefragung
5.2.3 Die Auswertung einer Zeitzeugenbefragung
5.3 Probleme bei der Zeitzeugenbefragung
5.4 Zusammenfassung: Chancen durch Zeitzeugenbefragungen im Geschichtsunterricht

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Zeitzeugenbefragungen im Geschichtsunterricht durchzuführen wird zwar in den Lehrplänen vieler Bundesländer empfohlen[1], doch kann sich diese Methode nur schwer an den Schulen etablieren. Gründe dafür sind nicht nur ein erheblicher Mehraufwand an Zeit und Arbeit, sowohl für Lehrer[2] als auch für Schüler, welcher für die Vorbereitung, Durchführung und Organisation einer Zeitzeugenbefragung benötigt wird, sondern auch die Vorbehalte gegenüber den Erzählungen von Zeitzeugen und deren authentisch Darstellung der Vergangenheit.

Die Kritiken gegenüber der Methode der Oral History - wie sie in der Geschichts wissenschaft genannt wird - betreffen vor allem das menschliche Gedächtnis und dessen Unzuverlässigkeit. Andererseits erfreuen sich Zeitzeugenberichte und Autobiographien in den zeitgenössischen Medien immer größerer Beliebtheit. Stehen demnach die Kritiker der Methode der Oral History konträr zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Erzählungen aus der Vergangenheit? Und welche Position müssen die Geschichtslehrer in dieser Diskussion beziehen?

In der vorliegenden Staatsexamensarbeit werden diese Punkte thematisiert. Die Arbeit ist in drei große Teile gegliedert. Im ersten Teil wird auf die Methode der Oral History eingegangen (Teil I: Oral History in der Geschichtswissenschaft), deren Ursprünge, die Argumente der Kritiker und die Praxis des Zeitzeugengespräches (Punkte 3.1 bis 3.5). In einem zweiten großer Teil wird sich mit dem Hauptargument der Kritiker der Methode der Oral History: dem scheinbar unzuverlässigen Gedächtnis (Teil II: Gedächtnis und Erinnerungen) auseinandergesetzt. Es werden die Grundlagen des Gedächtnisses, die Eigenschaften individueller Erinnerungen und die wichtigsten Einflussfaktoren aufgezeigt (Punkte 4.1 bis 4.4). In einem darin enthaltenden Exkurs wird die Medialität des Gedächtnisses thematisiert.

Ein abschließender dritter Teil wird die Umsetzung der Methode der Oral History im Geschichtsunterricht als eine Zeitzeugenbefragung mit den dazugehörigen didaktischen Überlegungen verdeutlichen (Teil III: Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht; Punkte 5.1 bis 5.4).

Ein abschließendes Fazit bergründet, inwieweit eine Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht dem wissenschaftlichen Anspruch der Methode der Oral History gerecht werden kann.

2 Begriffsklärung

Bei der Oral History handelt es sich um eine Methode der historischen, nicht aber zwingend universitären Erkenntnisgewinnung. In dieser Arbeit wird daher der Begriff der Methode der Oral History verwendet, welche den Einsatz von Zeitzeugen beschreibt. Die Beteiligten an einem Zeitzeugengespräch sind für gewöhnlich ein Zeitzeuge und ein Historiker. Auch wenn die Methode der Oral History ihren Ursprung außerhalb der Universitäten hat, wird sie doch meist von Historikern, was ja in diesem Fall auch Archivare, Museumsmitarbeiter, Mitarbeiter von Geschichtswerkstätten, Lehrer und natürlich auch Dozenten an den Universitäten sein können, betrieben. Grund hierfür ist das Vorhandensein von im Laufe eines geschichtswissenschaftlichen Studiums erlangten Grundkompetenzen zum Betrachten der Vergangenheit und dem Umgang mit ihren Darstellungsformen.

Da die Bedingungen im Geschichtsunterricht - vor allem die Form der sozialen Interaktion zwischen den Beteiligten - sich stark von denen des Zeitzeugen gespräches unterscheiden, wird in diesem Fall der Begriff der Zeitzeugen befragung verwendet.

Die Literatur bezüglich der Methode der Oral History besteht zumeist aus Überblicksdarstellungen zur Entwicklung und Etablierung der Methode in der Geschichtswissenschaft. Mithilfe von Erfahrungsberichten werden Vorschläge zur Praxis der Methode unterbreitet, es gibt jedoch keine systematisch ausgearbeitete Methode zur Durchführung von Zeitzeugengesprächen. Vor allem Lutz Niethammer und Alexander von Plato bemühen sich schon seit mehr als 20 Jahren um die Etablierung der Methode der Oral History in der Geschichtswissenschaft und geben in ihren Erfahrungsberichten wichtige Hinweise für die Durchführung von Zeitzeugengesprächen. Hans J. Markowitsch versucht, die Erkenntnisse aus der Neurobiologie den Vertretern der Methode der Oral History näher zu bringen. Herwart Vorländer hat mit seinem Buch Oral History mehrere richtungsweisende Aufsätze verschiedener Fachbereiche zum Thema gesammelt. Diese Vielfalt an Literatur erlaubt es, die Methode der Oral History aus vielen verschiedenen Perspektiven zu betrachten, historisch, psychologisch, didaktisch etc. und weist auf einen Charakter der Methode der Oral History hin: ihrer ausgeprägten Interdisziplinarität.

Die Zeitzeugenbefragung im Geschichtsunterricht hingegen ist überhaupt nicht erforscht. Es gibt nur wenige didaktische und methodische Überlegungen oder grundlegenden Erkenntnisse, an denen sich Lehramtsstudenten oder auch Geschichtslehrer orientieren könnten. Ein Großteil der Literatur setzt sich zusammen aus meist positiven Erfahrungsberichten von Geschichtslehrern.

Die Befürworter der Methode der Oral History sind sich bewusst, dass das Gedächtnis Erfahrungen auf eine unzuverlässige Art und Weise im Gedächtnis abspeichert und auch wieder abruft. Deshalb erklären sie, dass mit Hilfe der Methode der Oral History oder einer Zeitzeugenbefragung kein historisches Faktenwissen erarbeitet werden kann. In Artikeln und Büchern wird hauptsächlich versucht, das Ziel, welches mit dem Durchführen von Zeitzeugengesprächen verfolgt wird, darzustellen und Vorschläge zu unterbreiten, mit welchen Techniken die Unzuverlässigkeit des Gedächtnisses aufgedeckt werden kann. Schnell wird deutlich, dass die Vertretet der Methode der Oral History andere Ziele mit ihrer Geschichtsschreibung verfolgen. Welche das sind und wie sie umgesetzt werden wird nun im ersten Teil der Arbeit dargestellt.

Teil I

3 Oral History in der Geschichtswissenschaft

Die Methode der Oral History hat die Erforschung der Vergangenheit um ein vielfaches bereichert. Das folgende Kapitel verdeutlicht, wie die Methode der Oral History Eingang in die Geschichtswissenschaft fand, wofür sie kritisiert wurde (und auch immer noch wird), welche Ziele ihre Vertreter verfolgen und auf welche Art und Weise sie mit den Zeitzeugen arbeiten. Zunächst soll der Blick jedoch auf den Beginn und die Entwicklung der Oral History gerichtet werden.

3.1 Entstehung und Entwicklung der Oral History

3.1.1 Die Anfänge der Oral History

Mündliche Überlieferungen zum Weitergeben von Erfahrungen und Unterrichten der Nachkommen prägten und prägen nicht nur die Menschen, sondern auch viele andere Lebewesen, und sichern deren Fortbestehen. Neben der Vermittlung von Fähigkeiten befragten die Menschen, wie Herwart Vorländer schreibt, ihre Vorfahren zur Entdeckung der eigenen Vergangenheit und hielten - je nach Alphabetisierung - deren wichtigste Aussagen in schriftlicher Form fest.[3] Doch spätestens seit der Aufklärung, den sich immer weiter entwickelnden Wissenschaften und der damit einhergehenden Kenntnisse der Unzuverlässigkeit des Gedächtnisses, galten die Berichte von Zeitzeugen als minderwertige Zeugnisse und sollten daher stets durch das Heranziehen weiterer schriftlicher Quellen korrigiert werden.[4]

Ein verstärktes Interesse an dem alltäglichen Leben der Zeitgenossen und deren Berichte über dieses kam erstmals in den Vereinigten Staaten von Amerika während der 1950er Jahre auf. Statt sich wie gewohnt für die politischen und wirtschaftlichen Führungspersönlichkeiten zu interessieren, wurde der Blick auf die nachgeordneten Eliten, wie zum Beispiel Manager, Beamte, Experten und Funktionäre, und deren Handeln gerichtet. Viel attraktiver schien es jedoch bald, diese bezüglich ihres Alltagslebens zu befragen. In das Blickfeld der Wissen schaftler waren nun an Stelle der Staaten- und Politikgeschichte die Gesellschaftstrukturen, die Mentalitäten und das Bewusstsein vereinzelter Gruppen gerückt. Die Vertreter dieser Methode der Oral History wollten, laut Christin Platt und Mihran Dabag, das Geschichte-derMächtigen -Konzept aufbrechen - und das bereits von Anfang an.[5]

In Deutschland wurde das Aufkommen der Oral History als Methode der Geschichtswissenschaft stark von der ebenfalls neu entstehenden Alltagsgeschichte, auch Mikrogeschichte genannt, unterstützt. Zu Beginn der 80er Jahre wurde die Kritik laut, dass die geschichtswissenschaftliche Forschung lediglich die politisch und wirtschaftlich mächtigen Menschen und deren berufliche Aktivitäten untersuche. Ein Interesse an den kleinen Leuten, an den unteren Gesellschaftsschichten und deren Alltag sei nicht vorhanden, jedoch wichtig, um die Geschichte in ihrer Gesamtheit zu verstehen. Die Vertreter der Alltagsgeschichte haben daher begonnen, sich mit den Arbeits- und Lebensverhältnissen der breiten Bevölkerungsschichten zu befassen und die Wohnbedingungen, das gemeinsame Leben in der Familie oder auch die Freizeitgestaltung zu thematisieren. Problematisch war von Beginn an die Quellenlage bezüglich dieser Themen, so dass den Vertretern der Alltagsgeschichte die Methode der Oral History, welche jedem Menschen durch die Befragung eine Stimme geben[6] wollte, als geeignete Methode zur Erkenntnisgewinnung schien.

Die Historiker bemühten sich, die geführten und ausgewerteten mündlichen Geschichten (oral histories) durch andere Quellen, zum Beispiel mit Dokumenten aus Firmen oder von Ämtern, zu ergänzen, um ihre Erkenntnisse auch für andere Historiker nachvollziehbar zu gestalten.[7] Doch auch wenn die Forderung nach einer Geschichte von unten immer lauter wurde, beteiligten sich in den seltensten Fällen die Historiker der Universitäten an den Diskussionen um die Nutzung der Oral History als Methode in der Geschichtswissenschaft. Sie hatten laut Marcus Sandl wissenschaftstheoretische Vorbehalte aus Angst vor der Popularisierung des Geschichtsbildes.[8] Ein Großteil der Historiker an den Universitäten kritisierte diese Methode, so dass sie schnell in den alltäglichen Bereich der Geschichtsschreibung (siehe Punkt 3.1.2 Nutzung) gelangte und dort zur bestimmenden Methode wurde.[9]

Die Kritik an der aufkommenden neuen Methode von der Seite der Universitäten ist durchaus verständlich. Wie unten beschrieben wird, beriefen sich die Vertreter der universitären Geschichtswissenschaft auf eine möglichst objektive Quellenlehre. Dass nun die Zeitzeugen und ihre subjektiven Erinnerungen mit all ihren Emotionen, Eindrücken und ganz individuellen Deutungen der Vergangenheit zum Untersuchungsgegenstand werden sollte, muss Skepsis bei einem Großteil der Historiker hervorgerufen haben.

Neben dem Aufkommen der Alltagsgeschichte verstärkte sich das Interesse an Erzählungen von Zeitzeugen auch in anderen Humanwissenschaften. Die Zweifel an der wissenschaftlichen Methode wurden auch hier immer stärker. Der Blick sollte sich mehr auf die Menschen, deren individuelle Wahrnehmung der Gegenwart sowie Verarbeitung der Vergangenheit, richten. Das verstärkte Interesse an den Menschen, deren Gedächtnis, deren Erinnerungen und deren Lebensgeschichten bezeichnet Marcus Sandl als eine kulturwissenschaftliche Wende mit einer methodischen und theoretischen Neuorientierung. Neue Erkenntnisinteressen, neue Interpretationsmuster und andere wissenschaftliche Gegenstände prägten diese Wende: „Wir beginnen uns vielmehr für uns selbst und für die Herkunft der eigenen Lebensbedingungen, Verhaltensweisen, Deutungsmuster und Handlungsmöglichkeiten zu interessieren [...].[10] “ Die Methode der Oral History war ein wichtiger Teil dieser Neuorientierung. Statt einer chronologischen Abfolge der Geschichte interessierten sich ihre Vertreter für die Brüche, Widersprüche und Diskontinuitäten im Leben und der Vergangenheit der Menschen.[11] Diese völlig neuen Interessensgebiete im Zusammenhang mit einer anderen, vermeidlich unwissenschaftlichen Methode, welche die vorher, möglichst objektiv praktizierte Methode in Frage stellte und konträr zu dieser die Subjekte der Vergangenheit in den Mittelpunkt rückte, bedeutete sowohl für die die Vertreter, als auch für die Kritiker der Methode der Oral History eine gleichsam vollkommen neue Herangehensweise an die Erforschung der Vergangenheit jüngerer Geschichte.

Mit der Ausweitung der Methode der Oral History und dem Anstieg der Akzeptanz unter den Historikern begann auch die universitäre Geschichtsforschung vereinzelt, auf die Aussagen von Zeitzeugen zurück zu greifen. Ein wichtiges Moment zur der Etablierung der Oral History sowohl in der außeruniversitären, als auch in der universitären Geschichtsforschung war und ist die Erforschung des Nationalsozialismus.

3.1.2 Legitimation

Die Kritik der Vertreter der Alltagsgeschichte und der Methode der Oral History richtete sich vor allem gegen die akademischen Spezialisten. Mit dem Argument, sie würden Geschichte nicht mit der Teilnahme der Betroffenen historischer Prozesse gestalten, legitimieren sie den Einsatz eben dieser Betroffenen. Denn „Ein historisches Verstehen [...] ist gänzlich unmöglich, wenn die Stimmen der Opfer nicht in Betracht gezogen werden [...][12] “, so James E. Young.[13]

Als für die Geschichtswissenschaft besonders geeignet angesehen wird die Methode der Oral History, da sie den Umständen der Zeit entspricht. Die Forschung kann sich nicht mehr lediglich auf die Untersuchung von Aktenbeständen beschränken, da sich die Quellenlage in den vergangenen fünf Jahrzehnten stark verändert hat. Weiterhin vermehren sich die Aktenbestände, verbessern sich aber nicht, da viele und auch wichtige Sachverhalte immer mehr über andere, zum Teil im Nachhinein nicht mehr zugängliche Wege der Kommunikation (Telefon, E-Mail usw.) besprochen und abgewickelt werden. Auch die gesamte Organisation von Staat und Gesellschaft hat sich dahingehend verändert, dass die Verantwortung für Staat, Politik und Gesellschaft nicht mehr in den Händen einiger weniger Führungspersonen liegt, sondern viel mehr breite Führungsschichten für die Abwicklung dieser Geschäfte zuständig sind. Die Arbeit dieser breiten Führungsschicht und deren Ergebnisse können nicht ausschließlich durch die Untersuchung schriftlicher Dokumente abgedeckt werden.[14]

Diese zwei Argumente sprechen eindeutig für die Anwendung der Methode der Oral History in der Geschichtswissenschaft. In den letzten 20 Jahren hat sich gerade hinsichtlich der Organisation sowohl des privaten Alltagslebens, als auch der politischen und wirtschaftliche Aktivitäten vor allem in der Art und Weise der Kommunikation der Menschen untereinander vieles verändert. Während die private Kommunikation mit E-Mails, SMS und in Netzwerken immer mehr Menschen schriftliche, wenn auch nicht immer langlebige Dokumente verfassen lässt, nimmt die Anzahl eben dieser schriftlichen Dokumente im öffentlichen Leben stark ab und wird durch digitalisierte, weniger langlebige Schriftstücke ersetzt. Diesem Umstand muss bei der Erforschung der Vergangenheit gerecht werden, indem eben nicht mehr nur öffentliche Akten als Untersuchungsgegenstände herangezogen werden. Der Blick der Geschichtswissenschaft muss sich für den in seiner Gesamtheit wesentlich schwieriger zu erfassenden Lebensbereich der elektronischen Kommunikation öffnen. Hierfür bedarf es neue Interessenslagen und Methoden, unter denen die die Methode der Oral History eine unter sicherlich mehreren Möglichkeiten darstellt.

Wie bereits angedeutet, übernahm die Methode der Oral History eine wichtige Funktion bei der Erforschung des Nationalsozialismus. Um diesen Abschnitt der Vergangenheit möglichst in all seinen Facetten zu ergründen, begannen auch Historiker an Universitäten auf die Methode der Oral History zurückzugreifen. Clemens Wischermann begründet dies:

Die alles dominierende Katastrophe war und ist der Holocaust, den vor dem Vergessen zu bewahren, forciert durch das Streben der Zeitzeugen, zum dringendsten Anliegen seiner Berichterstatter und Erforscher wurde.[15]

Die Interessen vieler Historiker an den Universitäten verschoben sich dahingehend, dass nicht mehr nur die Staats- und Politikgeschichte erfasst werden sollte, sondern auch die Erfahrungsund Mentalitätsgeschichte der Bevölkerung, „[...] die das Verständnis für die Durchsetzung des und die Strukturen im Nationalsozialismus stark verbreiterte.[16] “.[17] Weder den Historikern an den Universitäten, noch der Bevölkerung schienen die Erkenntnisse einer objektiv aufgearbeiteten Vergangenheit zu genügen. Die neue Methode der Oral History traf demnach in der Geschichtsforschung auf ein sozial- und zeitgeschichtliches Bedürfnis.[18] Ein weiterer Kritikpunkt, der der willkürlichen und nicht nachzuvollziehenden Quellenproduktion, wurde im Laufe der Jahrzehnte durch die ständigen technischen Neuerungen mehr und mehr entkräftet. Mit dem Verwenden von Tonband- und/oder Kassettengeräten ab den 1950er Jahren wurden die Produkte der Methode der Oral History leichter zugänglich und so auch durch andere Historiker überprüfbar. Die Einführung der Kopiertechnologie in den 1960er Jahren ermöglichte eine erleichterte Vervielfältigung und Archivierung der während den Gesprächen entstandenen Produkte. Mit der Verwendung der Videokameras (1980er Jahre) wurde eine neue Dimension der Zeitzeugengespräche sichtbar, da es zu einer Professionalisierung der Zeitzeugeninterviews (genauere Analyse von Gestik, Mimik und Umgebung) führte. Ein großer Einschnitt nicht nur für die Historiker und der sich neu ergebenden Quellenlage, sondern auch für die Entwicklung der Methode der Oral History, war die Erfindung und rasante Verbreitung von Computer und Internet, da die aufgenommenen Interviews jedem zugänglich gemacht werden, aber auch auf eine ganz andere Art und Weise archiviert werden konnten.[19] Unter den Vertretern der Methode der Oral History bedeutet die bessere Überprüfung und Zugänglichkeit der bei den Zeitzeugengesprächen entstandenen Produkte eine Vielzahl an Dokumenten, welche sie mit ihren eigenen oder auch untereinander vergleichen können, um so ein möglichst vielfältiges Bild von der Vergangenheit zu erhalten. Je mehr Dokumente es gibt und je vielfältiger ihre Herkunft ist, desto komplexer wird das Bild der Vergangenheit und desto näher rückt es an die tatsächlichen Verhältnisse in der Vergangenheit heran, welche nicht weniger komplex ist als die Gegenwart. Das so entstehende richtige Bild von der Vergangenheit legitimiert die Methode der Oral History im Kreis ihrer Vertreter und auch darüber hinaus. wichtiger Impuls für die Methode der Oral History gewesen ist: „[...]in Deutschland [ist] die Auseinandersetzung um die Nachwirkungen des Holocaust in der zweiten Generation (anfangs der Opfer und in den letzten Jahren auch der Täter) ausschlaggebend dafür gewesen, daß nicht die Vergangenheit selbst, sondern ihre lebensgeschichtliche Verarbeitung in die Mitte des Interesses an Geschichte rückte.“ Wischermann: „Eigene Vergangenheit“, S.12. Auslassung und Einfügung: AJ; Vgl.: Wischermann, Clemens: „Geschichte als Wissen, Gedächtnis oder Erinnerung? Bedeutsamkeit und Sinnlosigkeit in Vergangenheitskonzeptionen der Wissenschaften vom Menschen“, in: Wischermann, Clemens (Hg.): Die Legitimität der Erinnerung und die Geschichtswissenschaft, Stuttgart (Steiner) 1996, S.78. Im Folgenden: Wischermann: “Vergangenheitskonzeptionen der Wissenschaft“.

3.1.3 Nutzung

Wegen der schon mehrmals erwähnten Unzuverlässigkeit des Gedächtnisses wurden Erinnerungen und dokumentierte Lebensgeschichten von Historikern ursprünglich lediglich als Belege für Thesen, kaum jedoch als eigenständige Quellen genutzt. Nur selten wurden vor dem Aufkommen der Alltagsgeschichte spezifische Fragestellungen an die Menschen bezüglich ihrer subjektiven Verarbeitung der historischen Vergangenheit gerichtet. Bei schlechter Quellenlage griffen Historiker zuweilen auf lebensgeschichtliche Interviews zurück, nutzten sich jedoch meist als Ergänzung zu den wenigen anderen Quellen. Mit der Zeit wurden die Erinnerungen selbst auch als Quelle angesehen, vor allem, wenn es keine weiteren Quellen gab.[20]

Schnell wurde den Befürwortern dieser außergewöhnlichen Quellen bewusst, dass es eine ganz andere Herangehensweise verlangt, um die Zeitzeugengespräche für die Geschichtswissenschaft nutzbar zu machen. So begannen sie, sich an Wissenschaftlern anderer humanwissenschaftlicher Disziplinen zu orientieren. Vor allem waren es die Erkenntnisse der ebenfalls neu aufgekommenen Gedächtnisforschung, welche für die wissenschaftliche Auswertung von Zeitzeugengesprächen nützlich waren.[21] Im Jahr 1993 schrieben Detlef Briesen und Rüdiger Gans, dass „Der beste Weg zur Lösung des Problems Oral History [..] mithin die intensive interdisziplinäre Annäherung an Psychologie und Sozialpsychologie[22] “ wäre. Diese Interdisziplinarität bildete sich schnell heraus und wurde zu einem weiteren Charakteristikum der Methode der Oral History. Andere Humanwissenschaften wiederum schöpften ebenfalls aus den Erkenntnissen der sich nun schnell weiterentwickelnden Herangehensweise der Historiker an die Erinnerungen von Zeitgenossen, denn es schien deutlich geworden zu sein, dass historische Vorgänge und deren Interpretation eine prägende Rolle für das menschliche Gedächtnis spielten[23]:

Die disziplinären und gegenstandsbezogenen Grenzen werden angesichts der Komplexität der Erfahrungen und der Durchdringung von Vergangenheit und Gegenwart fließend; fast nichts liegt hier in einem den Historikern vorbehaltenen Schutzbereich, aber fast überall werden die historischen Mitprägungen unübersehbar.[24]

Für die Vertreter der Alltagsgeschichte kamen die Erkenntnisse der verschiedenen Disziplinen sehr gelegen. Durch diese und die stets wachsende Akzeptanz des Einsatzes der Methode der Oral History kamen sie ihrem Ziel, eine Geschichte der kleinen Leute, welche selbst keine schriftlichen oder bis dahin beachtenswerten Quellen produzierten, zu schreiben, immer näher.

Neben dem zeit- und sozialgeschichtlichen Bedürfnis ist es auch dem Einfluss der modernen Kommunikationsmittel zu verdanken, dass die Methode der Oral History heutzutage hauptsächlich zur Erforschung der Zeitgeschichte genutzt wird. Durch die Organisation der Zeitzeugen untereinander (siehe Punkt 3.4 Die Praxis der Oral History) und unkomplizierten Wegen, zu Zeitzeugen Kontakt aufzunehmen, wird die Arbeit mit der Methode der Oral History erheblich erleichtert. Viele Zeitzeugen wissen bereits durch schon gesehene oder gehörte Projekte, was sie bei einem Zeitzeugengespräch erwartet, so dass die Berührungsängste sowohl auf Seiten der Zeitzeugen, als auch auf der der Historiker zurück gegangen sind (siehe Punkt 3.1.4 Etablierung). [25]

Genutzt wird die Methode der Oral History in vier Bereichen der Geschichtswissenschaft:

Zum Ersten gelten die produzierten Quellen durchaus als Ersatzüberlieferungen, um geschichtliche Ereignisse oder auch ganze Abläufe zu rekonstruieren. Zum Zweiten, und hier wird schon der Einfluss der Vertreter der Alltagsgeschichte bemerkbar, wird mit den Zeitzeugengesprächen das subjektive Element bestimmt. Durch die Befragung von Zeitzeugen haben die Historiker die Möglichkeit, einen Zugang zur Geschichte von Menschen, welche mit der großen Politik nichts zu tun haben, zu finden. Mit Hilfe der Zeitzeugenspräche wird zum Dritten versucht, die Menschen und ihre unterschiedlichen Entscheidungsoptionen zu verstehen. Daraus erhofft man sich, die Nachwirkungen früherer historischer Situationen besser untersuchen zu können. Zum letzten bilden die Zeitzeugengespräche in der Zeitgeschichtsforschung die Grundlage für die Analyse des kollektiven Gedächtnisses und zur Bestimmung des Einflusses dessen für die historische Entwicklung. Als einen weiteren Punkt nennt Linde Apel noch eine fünften Bereich: den der Erforschung der Erfahrung der Menschen.[26]

Jedes lebensgeschichtliche Interview enthält eine Verbindung zwischen Gegenwärtigem und Vergangenem. Diese Verbindung zu entschlüsseln, die Erfahrungssynthese zu analysieren und zu interpretieren, darin liegt das Potenzial der Oral History.[27]

Die vielfältigen Anwendungsbereiche der Methode der Oral History zeigen, dass sie weitestgehend akzeptiert zu sein scheint. Auch wenn nach wie vor Kritik an der Methode geübt wird, entwickelt sie sich stetig voran und erweitert ihre Verwendungsmöglichkeiten. Dank der gro ßen Akzeptanz wird sie abwechslungsreich und viel genutzt, nach wie vor hauptsächlich im außeruniversitären Bereich, zunehmend aber auch im universitären.

3.1.4 Etablierung in der Wissenschaft

Noch 1985 schriebt Ronald J. Grele, dass die historische Zunft der Meinung sei, die Methode der Oral History sei keine anerkannte Praxis der Geschichtswissenschaft[28], gleichzeitig jedoch behaupten Daniel Bertaux und Isabelle Bertaux-Wiame, dass „Es [..] tatsächlich immer mehr Historiker [gibt], die Erfahrungsberichte zur Anreicherung von Darstellungen dieses oder jenes historischen Ereignisses heranziehen wollen [...].[29] “ Dieses Bild dürfte in den letzten zwei Jahrzehnten weiterhin gestärkt worden sein. Durch vom Einfluss der Alltagsgeschichte bestimmte neue Interessenslagen und die immer umfangreicheren Erkenntnisse der historiographischen Gedächtnisforschung, welche die Kritik der Gegner mehr und mehr entkräfteten und auch immer noch entkräften, hat sich die Methode der Oral History vor allem bei der Erforschung der Zeitgeschichte als eine von vielen Methoden etabliert. Stark beeinflusst wurde dieser Prozess der Etablierung in der Geschichtswissenschaft von der immer breiteren Akzeptanz der Methode von den Vertretern der Alltagsgeschichte. Sie haben die Methode der Oral History um viele Ideen bereichert und vielfach umgeändert, so dass sie immer mehr auch wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht wurde. Natürlich war die Etablierung der Methode der Oral History in der Geschichtswissenschaft mit öffentlich artikuliertem Unbehagen oder sogar offenem Widerspruch führender Historiker verbunden, doch durch die zunehmende Konzentration auf die Subjektivität auch von Seiten der Geschichtswissenschaftler an den Universitäten nutzten und nutzen immer mehr Historiker die Möglichkeit, Zeitzeugen zu befragen und deren Äußerungen in die eigenen Forschungsergebnisse einzubeziehen. Das gesteigerte Interesse an der Subjektivität und den Mentalitäten wird in der Geschichtswissenschaft nicht mehr als Problem angesehen, sondern als eine legitime Möglichkeit, zu historischer Erkenntnis zu gelangen.[30]

Nach der deutschen Wiedervereinigung sind die Erinnerungen von Menschen in den Mittelpunkt der Medien gerückt. Biografische Veröffentlichungen in Zeitschriften, Romane und Autobiografien prägen das Bild der zeitgenössischen Literaturlandschaft.[31] Dem Erfragen und Untersuchen von Erfahrungen und Lebensgeschichten der Menschen widmeten sich auch nach wie vor noch zahlreiche außeruniversitäre Einrichtungen, wie zum Beispiel der „Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten“, Schulen, Gedenkstätten und auch Gemeinden. Alexander von Plato resümiert: „Inzwischen gibt es kaum ein Thema des 20.Jahrhunderts, auch der Nachkriegszeit das nicht unter erfahrungsgeschichtlicher Perspektive bearbeitet wurde.[32] “ Diese Feststellung zeigt, dass sich sowohl das Interesse an den Subjekten der Geschichte, als auch das Bedürfnis der Betroffenen, sich zu äußern, in der Gesellschaft durchgesetzt und etabliert hat.

Bereits 1985 früher plädiert Alexander von Plato in einem Artikel, die Erinnerungen der Menschen in die Geschichtswissenschaft einfließen zu lassen:

Die Verarbeitung von Geschichte, das kollektive Gedächtnis oder auch kollektive Mythen über die Vergangenheit, die Beziehung zwischen großer Politik bzw. politisch-gesellschaftlicher historischer Veränderung und Lebenslauf bzw. Lebensgeschichte oder biographische (Neu)Konstruktionen sind die großen Felder, in denen subjektive Erinnerungszeugnisse und besonders die mündliche Befragung (auch quantitativer Art wie in der Lebenslauf-Forschung) eine notwendige Rolle spielen müssen.[33]

Genau in den von Alexander von Plato benannten Bereichen (Verarbeitung von Geschichte, kollektives Gedächtnis, Beziehungen zu Lebensgeschichten) spielt die Methode der Oral History heutzutage eine große Rolle und findet großen Anklang sowohl außerhalb der Universitäten, als mittlerweile an den Universitäten selbst in deh unterschiedlichen Humanwissenschaftlichen Disziplinen.

Heutzutage wissen die Geschichtswissenschaftler um die Konstruktivität der Vergangenheit und die Rekonstruktion der Erinnerungen (siehe Teil III: Erinnerung und Gedächtnis). Der wissenschaftsgerechte Umgang mit Zeitzeugen ist weitgehend bekannt, wenn auch längst noch nicht vollkommen ausgereift. Die Berührungsängste zwischen Geschichtswissenschaftlern und der Methode der Oral History werden immer geringer, und die Methode wird, wie Linde Apel schreibt, „[...] heute also unaufgeregter betrieben und ist wesentlich weniger ideologisch aufgeladen als vor 20 Jahren. Man muss sich nicht mehr rechtfertigen, wenn man Zeitzeugen interviewt.[34]

Die Erfahrungen der Historiker an den Universitäten und auch die der außeruniversitären Einrichtungen greifen immer weiter ineinander. Während immer mehr Historiker an den Universitäten die subjektiven Aspekte der Geschichte in ihre Forschung einfließen lassen, werden die Vertreter der Methode der Oral History bei der Interpretation ihrer entstandenen Quellen wissenschaftlichen Ansprüchen immer gerechter.

3.2 Kritik an der Oral History

Die Argumente der Kritiker an der Methode der Oral History sind sehr vielfältig. Auf die Gründe für diese Zurückhaltung gegenüber der neuen Methode weisen Detlef Briesen und Rüdiger Gans hin.

Laut ihnen liegt der Grund in der Tradition der deutschen Geschichtswissenschaft und dem Selbstverständnis der deutschen Historiker, welche sich auf die Quellenlehre von Leopold von Ranke (1795-1886) und Johann Gustav Droysen (1808-1884) beziehen. Diese Quellenlehre bekämpfe laut Detlef Briesen und Rüdiger Gans genau diejenigen Elemente, welche für die Methode der Oral History konstitutiv sind, denn deren Ziel sei eben nicht das menschliche Subjekt, wie es bei der Methode der Oral History der Fall ist, sondern die historische Totalität.

Im Folgenden sollen nun die zwei Hauptpunkte der Kritik an der Methode der Oral History vorgestellt werden. Zum Einen handelt es sich um die Zweifel an der Zuverlässigkeit des Gedächtnisses, zum Anderen um Kritik an der Praxis und der historischen Methode. Eine Bewertung der Kritikpunkte wird im anschließenden Fazit vorgenommen.

3.2.1 Kritik am Gedächtnis

Ein wesentlicher Kritikpunkt gilt der Unzuverlässigkeit des Gedächtnisses und der daraus angeblich resultierenden Verfälschung des gesamten Forschungsergebnisses. Schließlich ist die Unzuverlässigkeit des Gedächtnisses hinreichend bekannt, weshalb Zeitzeugen zuweilen auch als natürliche Feinde des Historikers bezeichnet werden.[35]

Durch den physischen Verfall des Gedächtnisses können die Erinnerungen der Zeitzeugen durch äußere und auch innere Einflüsse verfälschen (siehe Teil III: Erinnerung und Gedächtnis).

Die Berichtenden erinnern sich in den wenigsten Fällen an ihre eigenen Erlebnisse, vielmehr jedoch an die Darstellungen der Zeit zum Zeitpunkt der Befragung, hauptsächlich, wie sie durch die Medien vermittelt oder in der Gesellschaft tradiert werden (siehe unter Punkt 4.2 den Exkurs: Medialität des Gedächtnisses). Daraus resultiert eine mangelnde Glaubhaftigkeit und Lügenhaftigkeit, wie sie für eine möglichst objektive geschichtswissenschaftliche Untersuchungen nicht zu gebrauchen ist.[36]

An dem tatsächlichen Erlebnis wird die Vergangenheit während des Erzählens meist an der Lebensgeschichte vorbei konstruiert, da die berichtenden Personen Zwängen unterliegen, die die Geschichte erst plausibel, rational und überhaupt er erzählenswert werden lässt. Dadurch können Widersprüche, Unsicherheiten und Unklarheiten aus den Erinnerungen verschwinden. Auch die soziale Interaktion während des Erzählens zwischen dem Erzählendem und dem Historiker hat einen großen Einfluss auf die Dekodierung der Erinnerungen. So wird nicht immer alles geäußert, woran man sich gerade erinnert, da nicht alle Aspekte den Historiker zu interessieren scheinen oder unverständlich sind, peinlich sind, den kulturellen Standards nicht entsprechen oder mit der Zeit verleugnet, beziehungsweise verdrängt worden sind. Dafür können aber wiederrum andere Gesichtspunkte mit einbezogen werden, die nicht zur jeweiligen Erinnerung gehören, weil sie die Erzählung logischer oder vernünftiger erscheinen lassen. Diese fremden Bestandteile können einerseits eigene Erinnerungen sein, die jedoch in einen anderen Kontext gehören, andererseits greifen Zeitzeugen unter Umständen auch auf überlieferte Erinnerungen zurück, welche sie teilweise auch unbewusst von Erzählungen anderer oder auch aus den Medien aufgegriffen haben können.[37]

Doch nicht nur die Erinnerung verändernde innere Einflüsse, wie oben kurz skizziert und in Teil II weiter ausgeführt, bilden einen Angriffspunkt für die Kritiker der Methode der Oral History. Schon bei der Wahrnehmung werden auch durch äußere Bedingungen nur Ausschnitte der Wirklichkeit erfasst. Erinnerungen seien aufgrund dieser zahlreichen Einflüsse also äußerst vieldeutig und daher nicht authentisch.

Die Kritiker verlangen also, dass einerseits das Gedächtnis und seine Inhalte und andererseits die Darstellung der Vergangenheit von Seiten der Historiker zwei unterschiedliche, miteinander konkurrierende Formen des Umgangs mit Vergangenheit seien.[38]

3.2.2 Kritik an der Interviewpraxis

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Vorgehensweise bei der Befragung selbst. Da die Initiative beim Historiker liege, „[...] bastele [er] sich seine Quellen selbst, um sie später beliebig zu interpretieren [...].[39] “ So sei er von Beginn an bei der Entstehung der Quelle beteiligt, suche sich seine Zeitzeugen selbst aus (und könne so auf uninteressante Gesprächspartner verzichten), wähle selbst die (suggestiven) Fragen aus, beeinflusse den Zeitzeugen allein durch seine Anwesenheit sowie sein Verhalten und schreibe ungenaue Transkripte. Aus diesem Vorwurf resultiert auch die Hauptkritik: jener der Beliebigkeit und der mangelnden Überprüfbarkeit der entstandenen Quellen.[40] Auch Rebekka Göpfert gesteht diese Schwäche der Methode der Oral History ein: „ In der leicht möglichen bzw. schwer überprüfbaren Manipulierbarkeit der Ergebnisse, deren Ausmaß den Autoren häufig selbst nicht bewußt ist, liegt meines Erachtens auch die am ehesten angreifbare Schwäche von Oral History.[41]

Daher wird das Zeitzeugengespräch von den Kritikern nicht als eigenständige Quelle angesehen. Wenn überhaupt, sei es eine Traditionsquelle minderer Qualität, „[...] da es aufgrund seiner Erhebung in der Gegenwart immer in maximaler zeitlicher Distanz zum erinnerten Geschehen steht, das es zu rekonstruieren gilt. [42] “ Detlef Briesen und Rüdiger Gans zitieren Helmut Seiffert aus dem Jahr 1983:

Die Stärke einer geschichtlichen ‚Quelle‘ im strengen Wortsinn besteht immer darin, daß sie tatsächlich zu der Zeit entstanden ist, über die sie berichtet - auch und gerade dann, wenn sie dies unbeabsichtigt tut. Diese Authentizität, dieses Zeitgenössischsein ist durch kein nachträgliches Interview zu erreichen. Für den methodisch strengen Historiker gilt ganz klar: Besser eine schriftliche Quelle aus der Zeit selbst als eine noch so interessante und detailreiche nachträgliche Erzählung.[43]

Gute Quellen würden demnach nur aus der unmittelbaren Zeit des zu untersuchenden Ereignisses stammen. Denn Ereignisse, bei denen man als Handelnder oder Zeuge anwesend war, könnten später nicht mehr ihrem Tatsachengehalt entsprechend erinnert werden. Die Methode der Oral History könne also keine Geschichtsquellen liefern, sondern lediglich Interpretationen, welche im Nachhinein zu Stande kamen.[44]

3.2.3 Fazit

Die Hauptursache für die Kritik an der Praxis der Oral History liegt laut Rebekka Göpfert in der Angst vor der Subjektivität und der mittlerweile neuartigen Sichtweise auf Geschichte. Doch sei die angeblich objektive Arbeit der kritischen Historiker mit schriftlichen Quellen auch durchaus subjektiv, da auch diese Historiker ihre Quellen selbst aussuchten. Auch diese Ergebnisse ihrer vermeidlich objektiven Arbeit seien keineswegs allgemeingültig. Die Vorstellung von einer objektiven, unverrückbaren und durch Rekonstruktion von Historikern produzierten Wahrheit sei nicht mehr stabil. Denn auch Historiker hätten bei der Benutzung ihrer schriftlichen Quellen das Problem der Genauigkeit.[45]

Diesen Punkt entgegnen viele Vertreter der Methode der Oral History den Kritikern. Auch wenn der Historiker bei der Arbeit versucht, ein möglichst objektives Bild der Vergangenheit zu schaffen, kann er diesem Anspruch wegen der oben angeführten Gründe niemals gerecht werden. Diese Ansicht setzt sich nach und nach auch an den Universitäten durch. Historiker bemühen sich nicht mehr um ein objektives Geschichtsbild, vielmehr geht es ihnen darum, ein möglichst breit gefächertes Bild zu erstellen, in dem unterschiedliche Gesellschaftsschichten, Gruppen und Mentalitäten Beachtung finden. Dass die Kritik an der Subjektivität des mit Hilfe der Methode der Oral History entstehenden Geschichtsbildes immer weiter verstummt, zeigt die oben genannte, immer vielfältigere Nutzung von Zeitzeugengesprächen in der geschichtswissenschaftlichen Praxis.

Detlef Briesen und Rüdiger Gans führen einen weiteren möglichen Grund für die Skepsis vieler Historiker gegenüber der Methode der Oral History an: „Mitunter scheint in den Einstellung gegenüber der mündlichen Geschichte noch immer die Angst der Historiker mitzuspielen, die Vergangenheit zu verlieren, die Wissenschaftlichkeit einzubüßen.[46]

Auch Linde Apel nimmt an, dass die Historiker befürchten, „[...] nun würde die Alternativbewegung auch noch die bürgerliche Ruhe der Geschichtswissenschaft aufstören [...].[47]

Diese Sorge der Historiker ist durchaus berechtigt. Die Erforschung der Vergangenheit erstreckt sich längst nicht mehr bloß auf die universitäre Forschung. Die Medien sind voller Dokumentationen, Spielfilme, Autobiographien und Historischen Romanen. Dabei ist es unvermeidlich, dass vor allem im Fernsehen und Rundfunk die Darstellungen sehr oberflächlich bleiben und viele Aspekte aufgrund ihrer Komplexität nicht berücksichtigt werden können. Desweiteren greifen eben genau diese Darstellungen auf andere Zeugnisse der Vergangenheit, wie beispielsweise Fotos, Filme, Zeitzeugen oder auch von Schauspielern nachgestellte Szenen, zurück, um die Anschaulichkeit für das Publikum zu erhöhen. Zwar wird die Geschichte auf diese Art und Weise für die breite Bevölkerung verständlicher und interessanter, doch der wissenschaftliche Anspruch der Multiperspektivität leidet darunter. Trotzdem ist nicht davon auszugehen, dass die universitäre Geschichtswissenschaft ihre Wissenschaftlichkeit verliert. Wie oben erwähnt, bemühen sich die Vertreter der Methode der Oral History um immer mehr Wissenschaftlichkeit bei der Interpretation ihrer dokumentierten Zeitzeugengespräche. Die meist vereinfachten Darstellungen in den Medien basieren oftmals auf geschichtswissenschaftlichen Untersuchungen, ohne diese die Darstellungen nicht möglich wären. Bevor also die Geschichtswissenschaft ihre Wissenschaftlichkeit verliert, gewinnt sie außeruniversitäre Forschung hinzu.

Allgemein ist festzustellen, dass die Kritiker der Methode der Oral History an die entstehenden Produkte der Gespräche sowie den Umgang mit ihnen dieselben wissenschaftlichen Ansprüche stellen wie an ihre schriftlichen Dokumente. Sie wollen mit ihren Quellen eine chronologische Abfolge der Geschichte rekonstruieren und so ein objektives Geschichtsbild formen. Dies aber ist nicht die Absicht der Vertreter der Methode der Oral History. Sowohl der Erwerb ihrer Quellen als auch der Umgang mit ihnen unterscheiden sich noch immer von denen der traditionellen Geschichtsschreibung. Sie streben danach, mit den Subjekten der Geschichte zu arbeiten und so eine subjektive Geschichte zu schreiben. Ihre Ziele und auch ihre Arbeitsweise sollen im folgenden Abschnitt erläutert werden.

[...]


[1] Vgl.: Punkt 5.1 Warum Zeitzeugenbefragungen im Geschichtsunterricht?, Anmerkung 389.

[2] Grammatisch maskuline Personenbezeichnungen in dieser Arbeit gelten gleichermaßen für Personen weiblichen und männlichen Geschlechts.

[3] Vgl.: Vorländer, Herwart (Hg.): Oral History. Mündlich erfragte Geschichte, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1990, S.5. Im Folgenden: Vorländer: Oral History.

[4] Vgl.: Lucian Hölscher: „Geschichte als ›Erinnerungskultur‹“, in Platt, Kristin/ Dabag, Mihiran (Hgg.): Generation und Gedächtnis. Erinnerungen und kollektive Identitäten, Opladen (Leske + Budrich) 1995, S.153 f. Im Folgenden: Hölscher: „Erinnerungskultur“.

[5] Alistair Thomson spricht von einem ersten organisierten Projekt im Jahr 1948 von Allan Nevis an der Columbia University in New York. Vgl.: Thomson, Alistair: „Eine Reise durch das Gedächtnis der Bewegung: Vier paradigmatische Revolutionen in der Oral History“, in: BIOS. Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen. Sonderheft: Kritische Erfahrungsberichte und grenzüberschreitende Zusammenarbeit: The Network oft Oral History, 20 (2007), S.22. Im Folgenden: Thomson: “Paradigmatische Revolutionen“; Wierling, Dorothee: „Oral History“, in: Bergmann, Klaus u.a. (Hgg.): Handbuch der Geschichtsdidaktik, SeelzeVelber (Kallmeyer) 1997, 5., überarb. Auflage, S.236. Im Folgenden: Wierling: „Oral History“; Platt, Kristin/ Dabag, Mihiran (Hgg.): Generation und Gedächtnis. Erinnerungen und kollektive Identitäten, Opladen (Leske + Budrich) 1995, S.14. Im Folgenden: Platt/ Dabag: Generation und Gedächtnis; Niethammer, Lutz: „Fragen Antworten - Fragen. Methodische Erfahrungen und Erwägungen zu Oral History“, in: Niethammer, Lutz/ von Plato, Alexander (Hgg.): “Wir kriegen jetzt andere Zeiten“: Auf der Suche nach der Erfahrung des Volkes in nachfaschistischen Ländern, aus der Reihe Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930 - 1960, Band III, Berlin, Bonn (Dietz) 1985, S.420 f. Im Folgenden: Niethammer: „Frage - Antworten - Fragen“; Vgl.: Vorländer, Herwart: „Mündliches Erfragen von Geschichte“, in: Vorländer, Herwart (Hg.): Oral History. Mündlich erfragte Geschichte, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1990, S.10. Im Folgenden: Vorländer: „Mündliches Erfragen“.

[6] Vgl.: Apel, Linde: „Zeitzeugeninterviews in der zeithistorischen Forschung“, Manuskript des Vortrages vom

14.September 2007 beim Tagesseminar ZeitzeugInneninterviews im Archiv. Strategien zur Bewahrung erinnerter Geschichte, Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich-Böll-Stiftung 2007, gefunden auf: www.thueraz.de, URL: http://www.thueraz.de/uploads/media/beitr_apel.pdf (Zugriff am 14.12.2009), S.4. Im Folgenden: Apel: „Zeitzeugeninterviews“.

[7] Vgl.: Hölscher: „Erinnerungskultur“, S.154.

[8] Vgl.: Sandl, Marcus: „Historizität der Erinnerung/ Reflexivität des Historischen. Die Herausforderung der Geschichtswissenschaft durch die kulturwissenschaftliche Gedächtnisforschung“, in: Oesterle, Günther (Hg.): Erinnerung, Gedächtnis, Wissen. Studien zur kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2005, S.95 f. Im Folgenden: Sandl: „Historizität/ Reflexivität“.

[9] Vgl.: Polkinghorne, Donald E.: „Narrative Psychologie und Geschichtsbewußtsein“, in: Straub, Jürgen (Hg.): Erzählung, Identität und historisches Bewußtsein: die psychologische Konstruktion von Zeit und Geschichte, Frankfurt a.Main (Suhrkamp) 1998, S.15. Im Folgenden: Polkinghorne: „Narrative Psychologie“; Thomson: “Paradigmatische Revolutionen“, S.22.

[10] Niethammer, Lutz (Hg.): Lebenserfahrung und kollektives Gedächtnis. Die Praxis der ‚oral history‘, Frankfurt a.Main (Suhrkamp) 1985, S.9f.; Auslassung: Annegret Jahn (AJ). Im Folgenden: Niethammer: Praxis.

[11] Vgl.: Sandl: „Historizität/ Reflexivität“, S.89 f., 93.

[12] Young, James E: „Zwischen Geschichte und Erinnerung. Über die Wiedereinführung der Stimme der Erinnerung in die historische Erzählung“, in: Welzer, Harald (Hg.): Das soziale Gedächtnis: Geschichte, Erinnerung, Tradierung, Hamburg (Hamburger Ed.) 2001, S.52; Auslassungen: AJ. Im Folgenden: Young: „Zwischen Geschichte und Erinnerung“.

[13] Donald E. Polkinghorne beschreibt, dass die Vertreter der postmodernen Geschichtstheorie die Vorstellung bezweifelten, dass die Geschichtswissenschaft korrekte Darstellungen vergangener Begebenheiten entwickle. Stattdessen plädierten die Vertreter dafür, dass das Geschichtsbewusstsein durch und durch in narrative Konstruktionen eingehüllt sei, die wiederum in der Gegenwart gebildet würden und auch von ihr abhängig seien. Vgl.: Polkinghorne: „Narrative Psychologie“, S.41; Young: „Zwischen Geschichte und Erinnerung“, S.58; Niethammer: Praxis, S.8

[14] Lutz Niethammer sieht das Problem einer objektiven Geschichtsschreibung nicht nur in der Verwendung von ausschließlich schriftlichen Quellen, sondern auch im Historiker selbst. So könne sich der Geschichtswissenschaftler seine Aktenwirklichkeit zurechtstutzen und laufe dadurch Gefahr, die Subjekte der Geschichte zu vernachlässigen. Entgegen einer objektiven Geschichtschreibung steht laut ihm auch das Argument, dass nahezu alle Quellen der Historiographie subjektiv seien und auch die Akten von Subjekten erstellt worden seien, der Historiker diese Schriftstücke aber als objektive Zeugnisse der Geschichte erkennt. Vgl.: Niethammer: Praxis, S.9; von Plato, Alexander: „Zeitzeugen und die historische Zunft. Erinnerung, kommunikative Tradierung und kollektives Gedächtnis in der qualitativen Geschichtswissenschaft - ein Problemaufriss“, in: BIOS. Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen, 13 (2000) 1, S.25. Im Folgenden: von Plato: „Historische Zunft“; Vorländer: Oral History, S.5.

[15] Wischermann: „Eigene Vergangenheit“, S.11.

[16] Apel: „Zeitzeugeninterviews“, S.10.

[17] Auch Clemens Wischermann bestätigt, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Deutschland ein

[18] Vgl.: Niethammer: Praxis S.9.

[19] Vgl.: Niethammer: Praxis, S.8.

[20] Vgl.: von Plato: „Historische Zunft“, S.26; Hölscher: „Erinnerungskultur“, S.154; Thomson: “Paradigmatische Revolutionen“, S.22; Wierling: „Oral History“, S.236.

[21] Vgl.: Briesen, Detlef/ Gans, Rüdiger: „Über den Wert von Zeitzeugen in der deutschen Historik. Zur Geschichte einer Ausgrenzung“, in: BIOS. Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen, 6 (1993), S.28. Im Folgenden: Briesen/Gans: „Über den Wert von Zeitzeugen“.

[22] Briesen/Gans: „Über den Wert von Zeitzeugen“, S.28; Auslassung: AJ.

[23] Thomson: “Paradigmatische Revolutionen“, S.25.

[24] Niethammer: Praxis, S.19.

[25] Vgl.: Hölscher: „Erinnerungskultur“, S.155; Vorländer: „Mündliches Erfragen“, S.12; Apel: „Zeitzeugeninterviews“, S.6 f.

[26] Vgl.: Apel: „Zeitzeugeninterviews“, S.8f.

[27] Apel: „Zeitzeugeninterviews“, S.8f.

[28] Vgl.: Grele, Ronald J.: „Ziellose Bewegung. Methodologische und theoretische Probleme der Oral History“ in: Niethammer, Lutz (Hg.): Lebenserfahrung und kollektives Gedächtnis. Die Praxis der ‚oral history‘, Frankfurt a. Main (Suhrkamp) 1985, S.144. Im Folgenden: Grele: „Ziellose Bewegungen“.

[29] Bertaux, Daniel/ Bertaux-Wiame, Isabelle: „Autobiographische Erinnerungen und kollektives Gedächtnis“, in: Niethammer, Lutz (Hg.): Lebenserfahrung und kollektives Gedächtnis. Die Praxis der ‚oral history‘, Frankfurt a. Main (Suhrkamp) 1985, S.120; Auslassungen und Einfügung: AJ. Im Folgenden: Bertaux/ Bertaux-Wiame: „Autobiographische Erinnerungen“.

[30] Vgl.: Briesen/ Gans: „Über den Wert von Zeitzeugen“, S.1, 24; Hölscher: „Erinnerungskultur“, S.154; Sandl: „Historizität/ Reflexivität“, S.98 f.; Vorländer: „Mündliches Erfragen“, S.12; von Plato, Alexander: „Geschichte und Psychologie - Oral History und Psychoanalyse. Problemaufriß und Literaturüberblick“, in: BIOS. Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen, 11 (1998) 2, S.178. Im Folgenden: von Plato: „Psychoanalyse“.

[31] Vgl.: von Plato: „Psychoanalyse“, S.179; Wischermann: „Eigene Vergangenheit“, S.10.

[32] von Plato: „Psychoanalyse“, S.179; Auslassung: AJ.

[33] von Plato: „Historische Zunft“, S.26.

[34] Apel: „Zeitzeugeninterviews“, S.7.

[35] Vgl.: von Plato: „Historische Zunft“, S.5, 7; Assmann, Aleida: „Wie wahr sind Erinnerungen?“, in: Welzer, Harald (Hg.): Das soziale Gedächtnis: Geschichte, Erinnerung, Tradierung, Hamburg (Hamburger Ed.) 2001, S.103. Im Folgenden: Assmann, A.: „Wie wahr sind Erinnerungen?“

[36] Vgl.: Niethammer: „Fragen - Antworten - Fragen“, S.399; von Plato, Alexander: „Medialität und Erinnerung. Darstellung und „Verwendung“ von Zeitzeugen in Ton, Bild und Film“, in: BIOS. Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen, 21 (2008) 1, S.80. Im Folgenden: von Plato: „Medialität und Erinnerungen“.

[37] Vgl.: Rosenthal, Gabriele: Erlebte und erzählte Lebensgeschichte. Gestalt und Struktur biographischer Selbstbeschreibungen, Frankfurt a. Main; New York (Campus) 1995, S.88, 90. Im Folgenden: Rosenthal: Erlebte und erzählte Lebensgeschichte.

[38] Vgl.: Vgl.: Fried, Johannes: Schleier der Erinnerung: Grundzüge einer historischen Memorik; München (Beck) 2004, S.16. Im Folgenden: Fried: Schleier der Erinnerung; Sandl: „Historizität/ Reflexivität“, S.97.

[39] Briesen/Gans: „Über den Wert von Zeitzeugen“, S.22; Auslassung und Einfügung: AJ.

[40] Vgl.: Briesen/Gans: „Über den Wert von Zeitzeugen“, S.22; von Plato: „Historische Zunft“, S.15; Göpfert, Rebekka: „Oral History: Über die Zusammensetzung individueller Erinnerungen im Interview“, in: Wischermann, Clemens (Hg.): Die Legitimität der Erinnerung und die Geschichtswissenschaft, Stuttgart (Steiner) 1996, S.104. Im Folgenden: Göpfert: „Individuelle Erinnerungen im Interview“.

[41] Göpfert: „Individuelle Erinnerungen im Interview“, S.104.

[42] Vgl.: Briesen/Gans: „Über den Wert von Zeitzeugen“, S.22.

[43] Seiffert, Helmut: Einführung in die Wissenschaftstheorie, Bd.2 „Geisteswissenschaftliche Methoden“ Phänomenologie, Hermeneutik und historische Methode, Dialektik, München (C.H.Beck)[11] 2006, S.102f. Im Folgenden: Seiffert: Einführung in die Wissenschaftstheorie.

[44] Vgl.: Briesen/Gans: „Über den Wert von Zeitzeugen“, S.23; Seiffert: Einführung in die Wissenschaftstheorie S.102; von Plato: „Historische Zunft“, S.15.

[45] Vgl.: Göpfert: „Individuelle Erinnerungen im Interview“, S.101; Grele: „Ziellose Bewegungen“, S.147.

[46] Briesen/Gans: „Über den Wert von Zeitzeugen“, S.16.

[47] Apel: „Zeitzeugeninterviews“, S.5; Auslassungen: AJ. 18

Details

Seiten
91
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668093744
ISBN (Buch)
9783668093751
Dateigröße
862 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310401
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
nichts unwahrheiten zeitzeugenbefragungen geschichtswissenschaft schulunterricht kriegsende

Autor

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Titel: Nichts als Unwahrheiten? Zeitzeugenbefragungen in der Geschichtswissenschaft und im Schulunterricht zum Kriegsende 1945