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Das Phänomen Shitstorm. Eine systemtheoretische Betrachtung nach Niklas Luhmann

Masterarbeit 2015 104 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Shitstorm: Erste Eingrenzung des Phänomens
2.1 Bekannte Beispiele
2.1.1 Nestlé
2.1.2 Deutsche Bahn
2.1.3 Pril
2.1.4 Amazon
2.1.5 Guido Barilla
2.2 Merkmale eines Shitstorms

3. Allgemeine Einführung in die Systemtheorie Luhmanns
3.1 Theorie sozialer Systeme
3.2 Kommunikation als dreistelliger Selektionsprozess
3.3 Funktional differenzierte Gesellschaft: Das Funktionssystem der Massenmedien

4. Der Shitstorm als Protestbewegung?
4.1 Definition Protest(-bewegungen)
4.2 Protestkommunikation im Shitstorm

5. Kommunikationsmedium Internet versus Massenmedien: Der Shitstorm als Social Media-Phänomen
5.1 Social Media und Interaktion
5.1.1 Allgemeine Definition von Web 2.0 und Social Media
5.1.2 Definition Interaktion
5.1.3 Social Media als Interaktionssystem
5.2 Medienbedingte Implikationen für das Phänomen Shitstorm
5.2.1 Fehlende Kontaktunterbrechung und neue Form von Öffentlichkeit
5.2.2 Niedrige Zugangsschwelle und Feedback in Echtzeit
5.3 Verhältnis von Shitstorm und Massenmedien
5.3.1 Massenmediale Inszenierung als Ausgangspunkt für Shitstorms
5.3.2 „Digitaler Spillover“: Shitstorms in der Berichterstattung der Massenmedien

6. Wenn das Interaktionssystem in Konflikt gerät: Der Shitstorm als Konflikt?
6.1 Definition Konflikt
6.2 Der Shitstorm: Konflikt als Gegnerschaft
6.3 Wenn der Konflikt eskaliert: Moralkommunikation im Shitstorm
6.3.1 Definition Moral
6.3.2 Eskalation auf persönlicher Ebene
6.4 Der Shitstorm als Immunsystem?

7. Der Shitstorm als digitaler Skandal?
7.1 Die Mechanismen der Skandalisierung nach Kepplinger
7.2 Shitstorm versus Skandal: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
7.2.1 Die Rolle des Kommunikationsmediums
7.2.2 Die Rolle der Moral

8. Fazit und Ausblick

9. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

„Schlampe“, „Sollte man verbrennen.“, „Faschistenschwein!“, „Feuern! Sofort!“ – alles Kommentare, die während des Shitstorms gegen Barbara Eggert, eine freie Autorin der regionalen Tageszeitung Westfalen-Blatt, auf Facebook am 19.05.2015 gepostet wurden, nachdem sie in einer Ratgeberkolumne einen Vater darin bestärkt hatte, seine Kinder nicht zur Hochzeit seines homosexuellen Bruders mitzunehmen.[1] Unter anderen berichtete Ronja von Rönne für die Online-Zeitung Die Welt über den Eggert-Shitstorm. Sie appellierte mit ihrem Artikel an den Anstand der Menschen und richtete sich damit gegen das „menschenverachtende“ Phänomen Shitstorm.[2] Wenige Tage später ist es die Autorin und Bloggerin von Rönne selbst, die in einen „Sturm der Entrüstung“ gerät – Auslöser ist ein Artikel von ihr „Warum mich der Feminismus anekelt“[3].[4] Die Beispiele zeigen: Shitstorms sind ein aktuelles Phänomen – keiner scheint vor der Wut der Masse sicher. Doch was genau verbirgt sich hinter der Bezeichnung Shitstorm?

Der Begriff Shitstorm ist eine relativ neue Erscheinung im deutschen Sprachraum – seit 2010 taucht er in den Printmedien auf.[5] Vermutlich nahm die Verwendung des Wortes nach dem Vortrag des Bloggers Sascha Lobo auf der Web-2.0-Konferenz re:publica im April 2010 zu.[6] Der 2011 zum Anglizismus des Jahres gewählte Begriff wird im Duden als „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“[7] definiert. Geläufige Übersetzungen sind auch „Proteststurm“ oder „Empörungs-“ bzw. „Erregungswelle“.

Die Existenz zahlreicher Analysemodelle und Publikationen zum Thema Krisenmanagement für Unternehmen in den sozialen Medien lässt darauf schließen, dass Shitstorms vor allem Social Media-Consultants als Einnahmequelle dienen.[8] Behandelt werden in der Literatur vornehmlich mögliche Strategien zur Abwehr und zum Umgang mit Shitstorms auf Seiten der Unternehmen. Wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit der Entstehung, den Merkmalen und der Dynamik von Shitstorms abseits der Consulting-Literatur beschäftigen, sind hingegen selten.[9] Diese Forschungslücke zu verkleinern und das Phänomen Shitstorm aus einer neuen, medientheoretischen Perspektive zu betrachten, ist Ziel der vorliegenden Arbeit.

Herangezogen wird dafür die Systemtheorie Niklas Luhmanns, einem der bedeutendsten Vertreter der Soziologie. Luhmann untersucht die Gesellschaft und ihre Teilbereiche als soziale Systeme, die sich ausschließlich aus Kommunikation zusammensetzen. Dabei ist es Luhmann selbst, der den Universalitätsanspruch seiner funktionalistischen Theorie sozialer Systeme betont und damit eine universelle Anwendbarkeit.[10] Im Rahmen von Luhmanns Theorie soll nicht nur definiert werden, was genau ein Shitstorm ist bzw. was ihn auszeichnet, sondern vor allem die gesellschaftliche Funktion desselben herausgearbeitet werden. Warum entsteht dieses neue Phänomen Shitstorm? Können wir es mit etwas anderem vergleichen?

Grundlage der Untersuchung bilden zum einen Luhmanns Ausführungen zum Thema Protest bzw. soziale Bewegungen. Hier steht zur Diskussion, ob ein Shitstorm mit einer Protestbewegung im Sinne Luhmanns gleichzusetzen ist, bzw. ob ein Shitstorm Merkmale mit einer Protestbewegung teilt. Da der Shitstorm ein Internet-Phänomen ist, liegt ein weiterer Schwerpunkt auf den Kommunikationsmedien. Wie unterscheidet sich das Medium Internet in seinen Kommunikationsgegebenheiten von anderen Medien – speziell den Massenmedien? Ändert sich durch das Internet der Protest? Zum anderen wird die Art der Kommunikation eines Shitstorms genauer untersucht. Die Tatsache, dass sich die Kritik während eines Shitstorms in Richtung Beschimpfung, Beleidigung und Missachtung verschiebt, rückt den Shitstorm in den Bereich der Moralkommunikation. In diesem Zusammenhang wird Luhmanns Moralbegriff herangezogen, sowie sein Konfliktbegriff. Außerdem wird die These diskutiert, dass es sich bei einem Shitstorm um einen digitalen Skandal[11] handelt oder anders ausgedrückt: um eine durch die Kommunikationsrealitäten des Internet bedingte, aktualisierte Version des medialen Skandals. Der klassische Medienskandal als komplexes Kommunikationsverfahren zeichnet sich dadurch aus, dass eine moralische Verfehlung einer Person die Grundlage für die kollektive Empörung des Publikums bildet.[12] Inwiefern diese Definition auf den Shitstorm zu übertragen ist, wird im Verlauf der Arbeit zu klären sein.

Ausgeklammert wird das Verhältnis zu anderen Systemen, die evtl. von einem Shitstorm irritiert werden bzw. in denen weitere Kommunikation angestoßen wird. Der Fokus der Arbeit liegt auf der Definition des Phänomens Shitstorm und seiner Funktion in der bzw. für die Gesellschaft und nicht auf den möglichen Auswirkungen und Folgen.

Für die Definition des Shitstorms werden bekannte Beispiele herangezogen, die in den Massenmedien als ein solches Phänomen bezeichnet werden. Auf eine eigene empirische Analyse wird verzichtet. Mithilfe der Beispiele sollen die Merkmale des Shitstorms herausgearbeitet und anschließend vor dem theoretischen Hintergrund Luhmanns eingeordnet und diskutiert werden. Im Mittelpunkt steht somit die theoretische Erörterung des Phänomens.

2.Der Shitstorm: Erste Eingrenzung des Phänomens

Seit der Verbreitung des Begriffs Shitstorm[13] durch den Blogger Sascha Lobo auf der Web-2.0-Konferenz re:publica im April 2010 taucht das Wort immer wieder in den Massenmedien auf. Fast wöchentlich breitet sich demnach ein neuer „Sturm der Entrüstung“ über das Internet aus. Um dem Phänomen näher zu kommen, werden im Folgenden fünf große, bekannte Shitstorms vorgestellt, die in den Massenmedien ausführlich behandelt wurden. Anschließend werden diese auf ihre gemeinsamen Merkmale hin analysiert, um das Phänomen Shitstorm – unter Zuhilfenahme existierender Definitionen – einzugrenzen. Aus diesem Blickwinkel erscheint der Shitstorm als Semantik, mit der die Gesellschaft bestimmte Phänomene beschreibt.

2.1 Bekannte Beispiele

Bei der Auswahl wurde darauf geachtet, dass eine gewisse Bandbreite an Shitstorms vertreten ist, sowohl in Bezug auf den Anlass als auch auf den Verlauf. Am Ende jedes Kapitels wird zudem auf ähnliche Shitstorms verwiesen . Dennoch wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Selektion nicht repräsentativ ist. Die Beispiele werden für die anschließende erste definitorische Eingrenzung des Phänomens und darüber hinaus im theoretischen Teil der Arbeit immer wieder für die Argumentation herangezogen.

2.1.1 Nestlé

Am 17.03.2010 lancierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace eine (Social Media-)Kampagne gegen den weltgrößten Nahrungsmittelkonzern Nestlé „ Ask Nestlé to give rainforests a break“.[14] Der Vorwurf lautete, dass Nestlé für die Produktion seines Schokoriegels „KitKat“ Palmöl verwende. Für die Palmölgewinnung würde Regenwald in Indonesien abgeholzt und damit einer der letzten Lebensräume von Orang-Utans zerstört. Dieser Zusammenhang wurde mithilfe eines provokanten Videos demonstriert: Ein Büromitarbeiter schreddert Unterlagen und gönnt sich eine Pause – Have a Break, Have a KitKat – in der er einen Schokoriegel gedankenverloren auspackt. Nur die anderen Büromitarbeiter im Video und der Zuschauer sehen, dass es sich bei der vermeintlichen Süßigkeit um einen behaarten Finger eines Affen handelt. Als der Mitarbeiter abbeißt, fließt ihm Blut aus dem Mund und spritzt auf die Tastatur seines Rechners: „ Give the Orang-utang a Break.“[15] Das Video wurde auf YouTube online gestellt und war gleichzeitig auf der Internetseite und der Facebook-Seite von Greenpeace abrufbar mit der Aufforderung, das Video via Facebook und Twitter zu verbreiten. Am Abend desselben Tages, unmittelbar nach Beginn der Kampagne, veranlasste das Unternehmen die Sperrung des Videos auf dem englischsprachigen YouTube-Kanal. Zahlreiche Internetnutzer luden daraufhin das Video erneut hoch – das Video verbreitete sich nun viral. In der Folge gingen auf der Facebook-Seite von Nestlé tausende Protest-Kommentare ein: „Ich finde schade, dass sich Nestlé scheinbar nicht ernsthaft mit der Palmöl-Problematik auseinandersetzt – Kitkat ist für mich gestorben!“[16], „Urwald zerstören, Menschen vertreiben, Tiere umbringen – da schmeckt kein Riegel mehr.“[17] Einen Tag später verkündete das Unternehmen Nestlé, dass es die Verträge mit der Zuliefererfirma gekündigt habe und durch einen anderen zertifizierten, nachhaltigen Palmölproduzenten ersetze. Doch der Protest in den sozialen Netzwerken weitete sich aus, es kam zu Boykottaufrufen und auch die Massenmedien nahmen sich des Themas an. Es kam zu einer regelrechten „Unterwanderung“ der Facebook-Fanseiten von Nestlé und KitKat durch instruierte Aktivisten und Empörte.[18] Gleichzeitig begannen einige Fans auf Facebook veränderte Versionen des Nestlé-Logos bzw. der Produkt-Logos als Profilbild zu verwenden – so wurde zum Beispiel aus dem KitKat-Logo ein „Killer“-Logo. Die Reaktion der Administratoren kam prompt: „Die werden gelöscht“. Kritik an diesem Vorgehen wies Nestlé mit den Worten zurück, dass es ihre Facebook-Seite sei und sie die Regeln machen würden.[19] Die Fans begannen das Unternehmen immer heftiger zu beschimpfen: „#Nestlé, für mich schon immer ein Dreckskonzern, ünterstützt nicht nur Gentechnik sondern auch Regenwaldabholzung [sic!].“[20] Zwei Tage nach Kampagnenbeginn verschwand die englischsprachige KitKat-Seite auf Facebook mit über 750.000 Fans für kurze Zeit komplett.[21] Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Kommentare und Einträge in den sozialen Medien zum Thema Palmöl verachtfacht.[22] Zwei weitere Tage später lag die Anzahl an Nachrichtenartikeln zum Thema bereits über zweihundert. Berichtet wurde weltweit, so zum Beispiel auch in The Times.[23]

Insgesamt konzentrierte sich der Shitstorm am stärksten auf den Mikroblogging-Dienst Twitter.[24] Sechs Tage nach Beginn des Shitstorms beruhigte sich der „Sturm der Entrüstung“, der seinen Höhepunkt vom 17.03.2010 bis zum 22.03.2010 hatte und nach zwei Wochen komplett überstanden war.[25]

Ein ähnlicher Shitstorm ereignete sich im November 2012, als Tierschützer auf Facebook einen Shitstorm gegen EM-Sponsoren anzettelten. Der Vorwurf lautete, dass die Ukraine im Vorfeld des Großereignisses streunende Hunde und Katzen brutal getötet habe. Die Facebook-Nutzer griffen vor allem Adidas an und forderten das Unternehmen auf, sich als Sponsor zurückzuziehen. Es kam zu wütenden Kommentaren und Boykott-Aufrufen.[26]

Auch der Tierschutzverein Vier Pfoten e.V. nutzte die Empörung der Masse und löste im Juli 2013 mit einem YouTube-Video eines illegalen Bärenkampfes, bei dem es Pokale mit dem Logo der Tierfutter-Marke Royal Canin zu gewinnen gab, einen internationalen Shitstorm gegen den französischen Hersteller und Vertreiber von Hunde- und Katzenfutter aus. Der Vorwurf: Royal Canin sponsert illegale Bärenkämpfe in der Ukraine. In den sozialen Netzwerken kam es daraufhin zu zahlreichen Boykottaufrufen und Drohungen gegen die Firma und seine Mitarbeiter.[27]

2.1.2 Deutsche Bahn

Auslöser des Shitstorms war eine Werbeaktion der Deutschen Bahn (DB) auf Facebook: Für 25,00 Euro quer durch Deutschland mit dem „Chef-Ticket“. Die am 18.10.2010 eigens für den Verkauf des Tickets eröffnete Facebook-Seite hatte binnen kürzester Zeit 8.000 Fans. Allerdings nutzten viele Internetnutzer den Dienst ganz anders – die Seite wurde zu einer Art Beschwerde-Plattform. Gründe für die Unzufriedenheit mit dem Service der Deutschen Bahn gab es viele: der laufende Streik der DB-Mitarbeiter, Verspätungen, ausgefallene Züge, Stuttgart 21, schmutzige Züge oder mangelhafte Technik. Die Moderatoren der Facebook-Seite reagierten auf Kommentare zum Streik mit automatischen Antworten: „Details zur aktuellen Situation sind über die kostenlose Servicehotline 08000 996633 erhältlich.“ Bei kritischen Fragen blieb eine Antwort meist ganz aus – lediglich die Fragen zum Chefticket wurden zügig beantwortet. Kommentare wie „Scheiß Deutsche Bahn“ zeigen die Entrüstung der Kunden.[28] [29] Die Resonanz der Online-Nachrichtendienste war eher verhalten, allerdings berichteten viele Blogger und Magazine über den Shitstorm. Nach drei Tagen war der Shitstorm fast überstanden. Auf befriedigende Antworten warteten die Nutzer bis zum Schluss vergeblich. Die DB löschte drei Wochen später kommentarlos die Pinnwandeinträge auf der Fanpage und erklärte damit die Chefticket-Kampagne für beendet.[30]

Auch O2[31], die Telekom[32] und Vodafone[33] gerieten in einen Shitstorm, weil sich die Kunden aufgrund falscher oder überzogener Werbeversprechen bzw. schlechtem Service betrogen fühlten.

2.1.3 Pril

Unter dem Motto „Mein Pril - Mein Stil“ startete das Unternehmen Henkel am 01.04.2011 auf seiner Pril-Facebook-Seite eine Mitmach-Aktion für eine neue Design-Edition der Spülmittelflasche. Jeder Fan der Seite konnte mit seinem eigenen kreativen Designvorschlag an dem Wettbewerb teilnehmen und seine Meinung in Form von Likes oder Kommentaren kommunizieren. Mehr als 50.000 Entwürfe wurden eingereicht – meist Bilder von Schmetterlingen und Blumenwiesen. Vereinzelt gab es jedoch auch Designs mit Monstergesicht, Bratwurst oder Nasenbrille. Die Community durfte anschließend ihre Favoriten wählen – am Ende sollte eine vierköpfige Pril-Jury abstimmen. Ein krakeliges Grillhähnchen mit dem Spruch „Schmeckt lecker nach Hähnchen!“ entwickelte sich schnell zum mit Abstand beliebtesten Entwurf. Daraufhin reagierten die Verantwortlichen der Social Media-Kampagne mit einer Verschärfung der Teilnahmebedingungen: Von nun an wurden die Designs überprüft, bevor sie online gehen durften. Zudem wurden „die Votes der Top-Designs bereinigt“[34], indem angeblich gefälschte Stimmen vom Pril-Team gelöscht wurden. Die verschärften Bedingungen kamen bei den Teilnehmern nicht gut an: „Wer seine ‚Fans‘ auf die Art und Weise verarscht, verarscht den Konsumenten vlt. mit der Leistung des Produktes? Wenn ich demnächst mal wieder viel will, spül [sic!] ich mit Palmolive & Co. Prost.“[35] Die Kommentare der Internetnutzer wurden aggressiver. Pril forderte die Community auf, sachlich zu bleiben.[36] Doch kurz darauf löschten die Verantwortlichen einige Kommentare, was die Empörung der Community weiter anheizte: „Pril löscht wohl fleißig alles, was sie nicht gern hören wollen! Nie wieder Pril!“[37] Als die Jury dann die Gewinner-Designs verkündete – bereinigt von Favoriten wie dem „Hähnchen-Design“[38], denn man müsse eben auch „Akzeptanz im Handel“ finden – war die Wut der Nutzer groß. Manipulation! – so lautete der Vorwurf.[39] Mittlerweile hatte sich der Shitstorm auch auf Twitter ausgebreitet: „Um es nochmal zu sagen #Pril und #Henkel sind scheiße!!!!!“[40] Unter anderen berichteten der Focus[41] und Der Spiegel[42] über den Shitstorm.

Der Shitstorm entwickelte sich am 17.05.2011 mit Bekanntgabe der verschärften Teilnahmebedingungen und erreichte seinen Höhepunkt mit der Verkündung der Gewinner-Designs am 19.05.2011. Noch bis Anfang Juni gab es immer wieder vereinzelte Kommentare, die gegen das Unternehmen gerichtet waren.

2.1.4 Amazon

„Nie wieder Amazon! Menschenverachtende Firmenpolitik!!!!! Schämt euch!!!!!“[43], „Faschisten, Abzocker, Menschenhändler“[44], „Solche Machenschaften kann man nur mit Boykott ahnden“[45]. Kommentare dieser Art wurden am 13.02.2013 und den darauffolgenden Tagen zu Tausenden auf der Facebook-Seite des weltweit marktführenden Online-Versandhändlers Amazon gepostet. Auslöser war eine Dokumentation über die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern bei Amazon – Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon[46] – die am 13.02.2013 vom deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD ausgestrahlt wurde.[47] Was folgte, war eine Flut des Protestes, vor allem in den sozialen Netzwerken – bei Twitter, in Blogs und bei Facebook. Schon Stunden vor der Ausstrahlung der Dokumentation wurden zahlreiche wütende Kommentare auf der Facebook-Seite von amazon.de hinterlassen: „sklaverei bei amazon ! heute Tv Bericht :ARD..22.45 UHr [sic!] !!!“.[48] [49] Im Laufe der Ausstrahlung der Reportage[50] „explodierten die Beiträge auf der deutschen Amazon-Facebookseite“[51]: „Account wird beseitigt, ekelhaft“[52], „Was ich auf ARD gesehen habe ist erschreckend, [sic!] und menschenunwürdig. Werde nie wieder was über Amazon Bestellen [sic!] und ich hoffe [sic!] ihr werdet das gleiche tun.“[53] Die Kommentare der Facebook-Nutzer wurden mit der Zeit immer aggressiver: „Lohnsklaverei und Ausbeutung? Pfui Teufel!“[54], „Sklavenhändler + Neonazis = Amazon!“[55].[56] Unmittelbar nach der Ausstrahlung wurde auf der Amazon-Facebook-Seite der Link zu einer selbst erstellten Protestseite eines Facebook-Mitgliedes mit dem Titel „amazon? Nein Danke“ gepostet, bei der die Nutzer durch einen Klick auf „Gefällt mir“ ihre Zustimmung signalisieren, Links zum Thema veröffentlichen und Kommentare schreiben konnten.[57] 17 Stunden nach der Gründung hatte die Seite mehr als 300 Likes.[58] Schon nach kurzer Zeit verbreitete sich das Thema über weitere soziale Kanäle. So war der Hashtag # amazon fast 2 Tage unter den Top 10 der Trending topics in Deutschland.[59]

Auch die Reaktionen der Presse und Online-Medien ließen nicht lange auf sich warten. Der Focus titelte am nächsten Tag: „Amazon-Reportage empört Facebook-User. Shitstorm gegen Versandhändler – jetzt droht ein Boykott“[60]. Die anderen deutschen (Online-)Leitmedien zogen schnell nach, von der FAZ[61], der SZ[62] über Der Spiegel[63] und Die Welt[64]. Die Berichterstattung schwappte sogar ins Ausland, so erschienen Artikel zum „Amazon-Skandal“ unter anderen in den britischen Medien The Independent[65] und Financial Times[66], sowie in der New York Times[67] und in der chinesischen Tageszeitung Global Times[68]. Die Reaktion Amazons ließ jedoch auf sich warten. Erst am 18.02.2013 wurde eine Stellungnahme auf Facebook veröffentlicht, in der das Unternehmen erklärte, dass es die „Vorwürfe bezüglich der Situation im Seepark Ost während der Weihnachtszeit“[69] sehr ernst nehme.[70]

Seit der Ausstrahlung der Reportage wurden laut Nico Pliquett – Gründer und Geschäftsführer der socialBench GmbH, die sich mit der Auswertung und Analyse von Social Media (Marken-)Profilen beschäftigt – auf der Facebook-Seite von amazon.de in knapp 14 Tagen 3.819 Beiträge von Facebook-Mitgliedern veröffentlicht und 18.103 Kommentare gepostet. Im gesamten Jahr 2012 waren es 4.989 Beiträge und 17.651 Kommentare. Nach zwei Wochen wütenden Protestes auf Facebook und anderen sozialen Plattformen war der Shitstorm laut Pliquett am Ausklingen.[71]

Ganz ähnlich erging es dem Online-Versandhändler für Schuhe und Mode Zalando im April 2014. Auch hier war es eine Fernseh-Reportage über die Arbeitsbedingungen innerhalb des Unternehmens, die den Zorn der Internetgemeinde heraufbeschwor – aus Zalando wurde „Sklavando“.[72]

2.1.5 Guido Barilla

„Wir werden keine Werbung mit Homosexuellen schalten, weil wir die traditionelle Familie unterstützen. Wenn Homosexuellen das nicht gefällt, können sie Pasta eines anderen Herstellers essen.“[73], so äußerte sich Guido Barilla, Vorstandsvorsitzender der Barilla-Gruppe, in einem Interview mit dem italienischen Sender Radio24 am 26.09.2013. Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken ließen nicht lange auf sich warten. Bereits einen Tag später riefen zahlreiche Internetnutzer auf Twitter und Facebook zum Boykott von Barilla-Pasta auf: „Barilla? Nie wieder!“[74]. Unter dem Motto „dem seine [sic!] Nudel nehme ich nicht mehr in den Mund“ entsorgten homosexuelle Kunden ihre Barilla-Produkte im Müll und dokumentierten dies mit Fotos auf den verschiedenen Social Media-Plattformen. Innerhalb weniger Stunden wurde der Hashtag # boicottabarilla auf Twitter zu einem Trending Topic. Nicht nur in Deutschland war die Empörung groß – international kam es zu Protesten in den sozialen Netzwerken, vor allem in Italien, dem Hauptsitz der Barilla-Gruppe.[75] Auch die Massenmedien berichteten noch am selben Tag, so titelte Die Welt „Wo es Homophobie gibt, gibt es Barilla“[76] und in der WirtschaftsWoche hieß es „Boykott-Aufrufe. Barilla-Chef löst Shitstorm mit Bemerkung über Homosexuelle aus“[77]. Einen Tag später folgte die Entschuldigung von Barilla auf Facebook und Twitter: Es tue ihm leid, wenn er Gefühle verletzt habe.[78] Bis zu diesem Zeitpunkt herrschten in den Social Media schon Kommentare dieser Art vor: „find ich ganz praktisch die aussagen von diesem hirni. ich bin eh immer überfordert von all der Auswahl vorm nudel-regal… #BoycottBarilla [sic!]“[79], „Fickt Euch !!! Keiner will homophobe Nudeln. Fresst sie selber!“[80], oder „Möge ihm die Nudel abfaulen“[81].

Der Shitstorm erreichte am 27.09.2013 seinen Höhepunkt und war zwei Tage später bereits wieder am Ausklingen. Vier Tage nach Barillas Aussage lag die Anzahl der Kommentare in den sozialen Netzwerken bei 150.000, wobei 3.000 der Beiträge auf der deutschen Facebook-Seite von Barilla gepostet wurden. Insgesamt spielte sich der Shitstorm vornehmlich auf Twitter ab.[82]

Hier lässt sich auch der Shitstorm gegen Barbara Eggert einordnen, der in Folge eines von der Internetcommunity als homophob aufgefassten Ratschlags der Kolumnistin in einer regionalen Zeitung ausbrach.[83]

Was eine politisch unkorrekte Äußerung für Auswirkungen haben kann, bekam auch eine PR-Managerin aus New York zu spüren. Kurz vor ihrem Abflug nach Südafrika am 20.12.2013 twitterte sie: „ Going to Africa. Hope I don't get AIDS. Just kidding. I'm white!”. Bei Twitter folgten ihr lediglich um die zweihundert Personen, dennoch hatte sich der Tweet wenige Stunden später rasend schnell verbreitet – vor allem dank eines Twitter-Nutzers mit rund 15.000 Abonnenten, der zufällig auf den Tweet aufmerksam wurde. Der Vorwurf: Rassismus und das auch noch in der Position einer professionellen Medienfachfrau. Die Empörung war groß, es blieb nicht nur bei Hasskommentaren – „ So that bitch just got fired.. . LOL! [sic!] She ain't even land yet?![84], „ She is a terrible fucking person[85] – sondern es kam sogar zu Morddrohungen gegen Sacco in den sozialen Medien. Am Ende wurde der Hashtag # HasJustineLandedYet weltweit zu einem der meistgenutzten bei Twitter.[86]

2.2 Merkmale eines Shitstorms

„Als Shitstorm soll hier der Prozess bezeichnet werden, wenn in kurzem Zeitraum eine subjektiv große Anzahl von kritischen Äusserungen [sic!] getätigt wird, von denen sich zumindest ein Teil vom ursprünglichen Thema ablöst und stattdessen aggressiv, beleidigend, bedrohend oder anders attackierend geführt wird.“[87]

So definierte Sascha Lobo das Phänomen Shitstorm auf der re:publica 2010. Legt man diese Definition den zuvor beschriebenen Shitstorms zugrunde, so fügen sich die Beispiele in die Darstellung ein: Keiner der Shitstorms dauerte länger als zwei Wochen, wobei sich der Großteil der Beiträge stets auf wenige Tage konzentrierte. So war der DB-Shitstorm bereits nach drei Tagen überstanden, während der internationale Nestlé-Shitstorm sechs Tage intensiv wütete und erst nach zwei Wochen am Abklingen war. Die Anzahl der Kommentare variiert von Shitstorm zu Shitstorm, jedoch kann festgehalten werden, dass es zu einem messbaren Anstieg der Kommunikationsbeiträge in den sozialen Medien im Vergleich zu Zeiten ohne Shitstorm kommt – hier scheinen die Verbreitung des Shitstorms und die Bekanntheit des Unternehmens eine Rolle zu spielen. Hervorzuheben ist der Amazon-Shitstorm, bei dem in knapp zwei Wochen mehr Kommentare von Facebook-Mitgliedern gepostet wurden als im gesamten Vorjahr. Aggressive, beleidigende Äußerungen sind bei allen Shitstorms zu verzeichnen, wobei es im Fall von Justine Sacco sogar zu Morddrohungen kam.

Was in der Definition Sascha Lobos allerdings fehlt, ist der wichtige Punkt, dass Shitstorms in den sozialen Netzwerken stattfinden. Während der Amazon-Shitstorm auf der Facebook-Seite von Amazon seinen Lauf nahm, spielte sich der Barilla-Shitstorm vornehmlich auf Twitter ab, wohingegen sich der DB-Shitstorm vollständig auf die Chefticket-Seite der Deutschen Bahn auf Facebook konzentrierte. Es sind die Kommunikationsgegebenheiten des Internets, die maßgeblich zur Entwicklung von Shitstorms beitragen. Dieser Umstand wurde in der Begründung der Jury zur Wahl des Wortes Shitstorm zum Anglizismus des Jahres berücksichtigt:

„Das Wort bezeichnet eine unvorhergesehene, anhaltende, über soziale Netzwerke und Blogs transportierte Welle der Entrüstung über das Verhalten öffentlicher Personen oder Institutionen, die sich schnell verselbstständigt und vom sachlichen Kern entfernt und häufig auch in die traditionellen Medien hinüber schwappt.“[88]

Welche Rolle das Internet bzw. die sozialen Medien für das Phänomen spielen, wird ausführlich im Kapitel fünf diskutiert. Hier wird auch das Verhältnis zu den klassischen Massenmedien beleuchtet .

Ein Blick auf die Anlässe der beschriebenen Shitstorms offenbart große Unterschiede: War es bei Amazon eine Reportage des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders ARD über die schlechten Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern im Unternehmen, die eine Flut an kritischen Kommentaren mit teils beleidigenden Beiträgen auslöste, so waren es bei der DB Kundenbeschwerden über den Service der Bahn, die Anlass für einen „Sturm der Entrüstung“ gaben. Bei Pril war es dagegen die Manipulation einer Internetumfrage, welche die Facebook-Fans aufbrachte und bei Guido Barilla wiederum ist es eine politisch unkorrekte Äußerung über Homosexuelle, die ausschlaggebend für den Shitstorm war. Nestlé geriet im Rahmen einer Kampagne von Greenpeace zum Thema Palmöl in einen Shitstorm. Ob unter diesen unterschiedlichen Anlässen eine gemeinsame Basis auszumachen ist, wird im Verlauf der Arbeit zu klären sein (vgl. vor allem 7.2.2).

Fasst man die an diesem Punkt der Arbeit herausgearbeiteten Merkmale zusammen, so ergibt sich folgendes, vorläufiges Bild vom Phänomen Shitstorm: Es handelt sich um eine temporäre, häufig beleidigende Kommunikation von Massen, die durch Social Media generiert wird.

3.Allgemeine Einführung in die Systemtheorie Luhmanns

Um die herausgearbeiteten Merkmale des Shitstorms vor dem Hintergrund der Luhmannschen Systemtheorie einzuordnen und zu bewerten, muss sein Theoriegebäude in den Grundzügen bekannt sein. Die Definitionen verschiedener gesellschaftlicher Bereiche und Phänomene – wie Protestbewegungen, Massenmedien oder Moral – werden erst auf der Grundlage von Luhmanns Theorie sozialer Systeme verständlich.

3.1 Theorie sozialer Systeme

Luhmann ist Systemtheoretiker und Konstruktivist. Für ihn ist Gesellschaftstheorie die „Theorie des umfassenden sozialen Systems, das alle anderen sozialen Systeme in sich einschließt.“[89] Wirtschaft, Politik, Massenmedien, aber auch Familien und jegliche soziale Kontakte sind für Luhmann soziale Systeme.[90] Diese bestehen bzw. konstituieren sich wiederum ausschließlich aus Kommunikationen[91], wobei nur soziale Systeme kommunizieren können und nicht Menschen: „ Nur die Kommunikation kann kommunizieren.“[92] So unterscheidet Luhmann drei[93] autopoietische Systemtypen: biologische, psychische und soziale Systeme. Unter den ersten Systemtypus fallen lebende Organismen, Zellen, Nervensysteme und Immunsysteme, unter den zweiten das menschliche Bewusstsein und unter den letzten – wie schon beschrieben – Kommunikationen.[94] Der Mensch ist demnach kein System, sondern es finden sich am Menschen eine Vielzahl von eigenständigen Systemen, wie das organische oder psychische System. Der Mensch ist somit kein systemtheoretischer Begriff und bleibt in der Folge in Luhmanns Theorie außen vor.[95] [96] Deshalb wird Luhmanns Ansatz auch als „anti-humanistisch“ bezeichnet.[97]

Systeme sind autopoietisch, das heißt, sie erzeugen sich selbst. Dabei ist die autopoietische Basisoperation immer gleich: Sie müssen operieren, also im Fall von sozialen Systemen kommunizieren[98], sodass sich weitere Operationen bzw. Kommunikationen anschließen können. Kommunikationen bewirken ständig neue Anschlusskommunikationen. Dies ist die Konsequenz aus ihrer operationalen Schließung, also dem Umstand, dass nichts von außen in das System eindringt.[99] Die System/Umwelt-Differenz ist ein weiteres konstitutives Merkmal von Systemen: Soziale Systeme ermöglichen durch die Abgrenzung des Systems von der Umwelt die Komplexität der Welt[100] zu reduzieren:

„[…] die Welt ist ein unermeßliches Potential für Überraschungen, ist virtuelle Information, die aber Systeme benötigt, um Information zu erzeugen, oder genauer: um ausgewählten Irritationen den Sinn von Information zu geben.“[101]

Die Umwelt eines Systems ist also immer die ganze Welt ohne das System selbst – dazu zählen auch andere soziale Systeme, die allerdings für das System als Systeme weder erkennbar noch zugänglich sind.[102] Dennoch gibt es die Möglichkeit des gegenseitigen Einflusses von System und Umwelt und zwar durch „Irritationen“[103]. Diese Form der „Umweltoffenheit“ widerspricht dabei nicht der These der operativen Geschlossenheit autopoietischer Systeme. So betont Luhmann, dass mit Geschlossenheit nicht „thermo-dynamische Abgeschlossenheit“ gemeint sei, sondern nur die Tatsache, dass Systeme ihre Elemente in einem rekursiven Prozess selbst herstellen, sich also selbst produzieren und reproduzieren.[104] Im Fall sozialer Systeme bedeutet dies: Kommunikation folgt auf Kommunikation, usw.

Neben dem Operieren, also Kommunizieren, besteht die Grundoperation jedes (sozialen) Systems im Beobachten. Beobachten ist eine besondere Operationsweise: „Beobachten heißt […] Unterscheiden und Bezeichnen.“[105] [106] Allerdings ist auch diese Operation vor dem Hintergrund der operativen Geschlossenheit des Systems zu verstehen: Beobachtung ist eine systeminterne Operation ohne unmittelbaren Kontakt zur (jeweiligen) Umwelt.[107] Und an dieser Stelle kommt der Konstruktivismus ins Spiel, eine Kognitionstheorie mit der Grundannahme, dass jegliche Erkenntnis bzw. alle Realitätsbeschreibungen Konstruktionen sind. Dabei bestreitet Luhmann nicht, dass es Realität gibt – er postuliert lediglich, dass diese unerreichbar sei.[108] „Und deshalb bleibt keine andere Möglichkeit als: Realität zu konstruieren und eventuell: Beobachter zu beobachten, wie sie die Welt konstruieren.“[109] [110] Erkenntnisse sind also keine Abbildungen, sondern lediglich Beobachtungen der Realität. Diese Konstrukte beruhen auf Beobachtungen mithilfe von Unterscheidungen[111], die je nach Beobachter anders ausfallen können, also in der Realität so nicht vorhanden sind.[112] Dabei kann zwischen Umwelt- und Selbstbeobachtung unterschieden werden, wobei alle Umweltbeobachtung Selbstbeobachtung stimuliert.[113] Das Paradoxe an jeder gesellschaftlichen (Selbst-) Beobachtung bleibt jedoch, dass alle Beobachter Teil der Gesellschaft sind und sich selbst bzw. ihre Operation des Beobachtens nicht beobachten können. Luhmann prägt hierfür den Begriff des „blinden Flecks“.[114]

3.2 Kommunikation als dreistelliger Selektionsprozess

Zurück zur Kommunikation als zentraler Kategorie der Luhmannschen Gesellschaftstheorie. Kommunikation ist eine „Synthese aus drei Selektionen“[115]: Information, Mitteilung und Verstehen.[116] Selektion bedeutet, dass die Kommunikation zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen muss, wobei jede Selektionsentscheidung „kontingent“, also auch immer anders möglich ist.[117]

Information wird durch einen Beobachter konstituiert, der eine Unterscheidung trifft (vgl. 3.1) – hier findet also die erste Selektion auf Seiten des Mitteilenden bzw. Alters statt: Was ist informativ? Mitteilung steht für die Selektion der Intention bzw. Absicht: Welche von den vielen Informationen teilt der Beobachter bzw. Alter anderen mit? Es entsteht also zwangsläufig eine Differenz von Information und Mitteilung. Verstehen, die dritte Selektion, erfolgt erst, wenn diese Differenz von Information und Mitteilung vom Adressaten oder wie Luhmann formuliert Ego[118], verstanden wird – erst mit Abschluss im Verstehen kommt Kommunikation zustande.[119] [120] Die Annahme bzw. Ablehnung der Kommunikation entspricht der vierten Art von Selektion, die an jede Kommunikation anschließt. Nach dem Akt des Verstehens, dass etwas mitgeteilt wurde, folgt die Anschlusskommunikation bzw. der Anschlussakt des Entscheidens: Nimmt Ego die Selektion als „Prämisse eigenen Verhaltens“[121] an oder lehnt er sie ab?[122] Nach Luhmann ist es genau diese eben beschriebene prinzipielle Kontingenz, also die Beliebigkeit der Selektionen bzw. die gleichzeitige Kombination aller drei kontingenten Selektionen, die Kommunikation hochgradig unwahrscheinlich macht.[123] Luhmann führt hier den Begriff der doppelten Kontingenz ein, der ausdrücken soll, dass mit Ego und Alter immer zwei Instanzen beteiligt sind, die ihre Selektionen wechselseitig als kontingent beobachten.[124]

Es sind die Medien, die Kommunikation dennoch möglich bzw. wahrscheinlich machen: „Diejenigen evolutionären Errungenschaften, die an jenen Bruchstellen der Kommunikation ansetzen und funktionsgenau dazu dienen, Unwahrscheinliches in Wahrscheinliches zu transformieren, wollen wir Medien nennen.“[125] Medien sind dabei nicht mit Massenmedien gleichzusetzen, sondern sie sind dadurch definiert, dass sie den Selektionsspielraum begrenzen.[126] Dazu zählen Sprache als Medium der Kommunikation, Sinn als Universalmedium[127], aber auch Geld, Liebe, Wahrheit oder die elektronischen Medien als Medien der Verbreitung von Kommunikation[128].[129] So stellt das Medium Sprache einen begrenzten Wortschatz und eine begrenzte Grammatik zur Verfügung, in deren Rahmen Sätze gebildet werden können. Sinn wiederum stellt eine weitere Begrenzung für die Sprache dar: Alles Geäußerte unterliegt dem Sinnzwang.[130] Bei den genannten Medien Geld, Liebe und Wahrheit handelt es sich um „Spezialmedien“, um „symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien“, die weit über den konventionellen Kommunikationsbegriff hinaus gehen. Diese Einrichtungen der modernen Gesellschaft dienen der „Einschränkung von Kontingenz durch Verknüpfung von Konditionierung und Motivierung“[131]. Beispielsweise ist Geld die Voraussetzung dafür, dass Menschen arbeiten oder eigene Güter abgeben. Geld dient hier als Motivationsmittel zur Annahme des Kommunikationsangebots und damit für den Erfolg der Kommunikation.[132] Letztere, die symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien, sind an spezielle gesellschaftliche Funktionsfelder wie Wirtschaft, Politik oder Wissenschaft gebunden.

3.3 Funktional differenzierte Gesellschaft: Das Funktionssystem der Massenmedien

Aufgrund der steigenden Komplexität der Welt sowohl in räumlichen als auch in zeitlichen Dimensionen entstehen neue Situationen, auf die sich die Kommunikation einstellen muss.[133]

„Die Gesellschaft hilft sich […] einerseits mit Systemdifferenzierungen, andererseits mit der Ausbildung von Spezialmedien […], eben den symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien, wobei die Differenzierung dieser Medien zugleich die Systemdifferenzierung vorantreibt, nämlich den Anlaß bildet für die Ausdifferenzierung wichtiger gesellschaftlicher Funktionssysteme.“[134]

Nach Luhmann zerfällt die moderne Gesellschaft in verschiedene soziale Teilsysteme, was er mit dem Begriff „funktional differenzierte Gesellschaft“[135] beschreibt.[136] Beispiele für solche autopoietischen, operativ geschlossenen Funktionssysteme sind Wirtschaft, Recht, Politik und die Massenmedien. Letzteres soll etwas genauer betrachtet werden, da es für das Phänomen Shitstorm eine wichtige Rolle spielt.

„Mit dem Begriff der Massenmedien sollen […] alle Einrichtungen der Gesellschaft erfaßt werden, die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen.“[137] Luhmann nennt als Beispiele Bücher, Zeitungen und Kopierverfahren jeder Art, wobei die definitorische Einschränkung darin liegt, dass sie „Produkte in großer Zahl mit noch unbestimmten Adressaten“ erzeugen und „ daß keine Interaktion unter Anwesenden zwischen Sender und Empfänger stattfinden kann[138]. Die Interaktion wird durch die zwischen Sender und Empfänger geschaltete Technik verhindert – Massenkommunikation gelingt nur durch „Kontaktunterbrechung“.[139] Erst damit kommt es zur operativen Schließung des Systems, was wiederum zur Folge hat, dass das System die eigenen Operationen aus sich heraus produziert (vgl. 3.1). Ein Funktionssystem operiert unter Verwendung einer Leitdifferenz, anders ausgedrückt unter einem funktionsspezifischen binären Code, durch den das System Unabhängigkeit von anderen Systemen gewinnt.[140] Der Code als interne Grenze des Systems der Massenmedien ist Information/Nichtinformation, wobei mit dem positiven Wert Information operiert wird, da nur dieser anschlussfähig ist.[141] Diese Grundunterscheidung leitet die Beobachtungen des Systems. Alles wird mit dieser Form der Unterscheidung erfasst und fällt damit dem einen oder dem anderen Wert zu – etwas Drittes gibt es nicht.[142] Um zwischen Information und Nichtinformation zu unterscheiden, bildet das System „Entscheidungsregeln“[143] aus, sogenannte Programme. Der Einheit des invarianten Codes entspricht eine Pluralität der Programme: Nachrichten und Berichte[144], Werbung und Unterhaltung sind die drei Selektions- bzw. Programmbereiche, die Luhmann für das System der Massenmedien ausmacht.[145] Dabei impliziert Information als Leitdifferenz ein besonderes Verhältnis zu der Zeit:

„Informationen lassen sich nicht wiederholen; sie werden, sobald sie Ereignis werden, zur Nichtinformation. […] Insofern bewirken Massenmedien gesellschaftsweite soziale Redundanz, also den unmittelbar anschließenden Bedarf für neue Information.“[146]

Über die Themen der Kommunikation[147] sind die Massenmedien mit anderen Gesellschaftsbereichen bzw. Funktionssystemen „strukturell gekoppelt“.[148] Dahinter steht die Annahme, dass sich verschiedene autonome Systeme[149] gegenseitig zwar nicht instruieren, aber irritieren können und dort, wo sich an Grenzstellen dauerhafte Beziehungen herausbilden, spricht Luhmann von „struktureller Kopplung“[150].[151]

Die Operationsweise wirft die Frage nach der Funktion der Massenmedien für die Gesellschaft auf.[152] Allen Funktionssystemen gemeinsam ist, wie der Name schon sagt, dass sie für die Gesellschaft eine spezifische Funktion übernehmen, indem sie für ein bestimmtes Problem zuständig sind, dass von gesamtgesellschaftlicher Relevanz ist.[153] Funktionssysteme betrachten Gesellschaft unter einem bestimmten Gesichtspunkt – gemäß ihrer funktionsspezifischen Codierung: „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“[154] Die Massenmedien beobachten und beschreiben also die Realität für die Gesellschaft – anders ausgedrückt sie konstruieren sie (vgl. 3.1). Das System erfasst die Realität aus seiner Perspektive mit den ihm eigenen Unterscheidungen, wobei die System/Umwelt-Differenz als Schema der Beobachtung bzw. Berichterstattung fungiert. Die Welt zerfällt damit in distinkte, teilsystemspezifische Beobachtungsverhältnisse, was dazu führt, dass es keine zentrale Instanz mehr gibt, keinen Punkt, von dem eine wahre Beschreibung der Welt möglich wäre – die Welt als „Einheitsformel aller Unterscheidungen“ wird zur „unbeobachtbaren Einheit“[155].[156] Dem Pluralismus der Funktionen entspricht die Pluralität der Gesellschaftsbeschreibungen der Systeme.[157] So ist auch die Systemtheorie nur eine Beobachtung unter vielen.[158] Daher ist es erstaunlich, dass die Gesellschaft die „konstruierte Realität“ der Massenmedien als die wirkliche Realität akzeptiert.[159] Dabei werden von den Massenmedien allein die Themen vorgegeben als ein für die Gesellschaft verbindliches Hintergrundwissen, das in der weiteren Kommunikation vorausgesetzt werden kann – jeder Mensch hat die Freiheit eigene Einstellungen, Meinungen und Bewertungen zum jeweiligen Thema zu entwickeln: „Die jeweils behandelten Realitätsausschnitte (Themen) werden so durch eine zweite, nicht konsenspflichtige Realität überlagert.“[160] Dieser Umstand – die „Doppelstruktur von Thema und Meinung, Begrenzung und Offenheit“[161] – ist auch charakteristisch für das Medium „öffentliche Meinung“[162], welches im System der Massenmedien „geformt“ wird. Der Begriff öffentliche Meinung bezieht sich auf das politische System, das von den Massenmedien von außen beobachtet wird und dieses „Beobachtet-Werden“ wiederum reflektiert.[163] Dabei handelt es sich um eine Beobachtung zweiter Ordnung: Die Politik beobachtet die öffentliche Meinung, die wiederum nichts anderes als eine Beobachtung der Politik (vor allem) durch die Massenmedien darstellt. Es ist genau diese Grundoperation der Beobachtung zweiter Ordnung, also die Beobachtung von Beobachtern[164], welche zur vorherrschenden Art, Welt wahrzunehmen, geworden ist – und zwar in allen Funktionssystemen.[165] „Die Realität der Massenmedien, das ist die Realität der Beobachtung zweiter Ordnung.“[166] Indem wir Zeitung lesen, beobachten wir wiederum, was die Presse schreibt, also die Beobachtungen der Presse.[167] [168] „Die Funktion der Massenmedien liegt […] im Dirigieren der Selbstbeobachtung des Gesellschaftsystems […].“[169] Die Beobachtungen des Funktionssystems der Massenmedien ermöglichen es, „in der Gesellschaft zwar nicht mit der Gesellschaft aber über die Gesellschaft zu kommunizieren“[170].[171] Was der modernen Gesellschaft jedoch fehlt, ist eine einheitliche Selbstbeschreibung , weil jede

[...]


[1] Vgl. von Rönne, Ronja: Schreibt diese Frau gerade „homophobe Schlampe“?, in: Die Welt vom 25.05.2015 (http://www.welt.de/kultur/article141461694/Schreibt-diese-Frau-gerade-homophobe-Schlampe.html am 11.07.2015).; Konersmann, Paula: Shitstorm wegen Homophobie zeigt Wirkung. „Westfalen-Blatt“ trennt sich von Autorin Barbara Eggert, in: tagesspiegel.de vom 21.05.2015 (http://www.tagesspiegel.de/medien/shitstorm-wegen-homophobie-zeigt-wirkung-westfalen-blatt-trennt-sich-von-autorin-barbara-eggert/11807518.html am 11.07.2015).

[2] Vgl. von Rönne, Schreibt diese Frau gerade „homophobe Schlampe“?, Die Welt vom 25.05.2015.

[3] von Rönne, Ronja: Warum mich der Feminismus anekelt, in: Die Welt vom 08.04.2015 (http://www.welt.de/kultur/article139269797/Warum-mich-der-Feminismus-anekelt.html am 11.07.2015).

[4] Vgl. Ferderl, Fabian: Shitstorm für Feminismus-Kritik. Ronja von Rönne und der einkalkulierte Skandal, in: tagesspiegel.de vom 01.06.2015 (http://www.tagesspiegel.de/kultur/shitstorm-fuer-feminismus-kritik-ronja-von-roenne-und-der-einkalkulierte-skandal/11852152.html am 11.07.2015).; Schneeberger, Ruth: Netz-Debatte um Ronja von Rönne und Feminismus. Empört euch nicht so, in: SZ.de vom 02.06.2015 (http://www.sueddeutsche.de/kultur/netz-debatte-um-ronja-von-roenne-und-feminismus-empoert-euch-nicht-so-1.2504005 am 11.07.2015).

[5] Vgl. Flach, Susanne: Kandidat II: Shitstorm [Blogeintrag am 17.01.2011], in: extraflach [Blog der Anglistin Susanne Flach] (http://www.extraflach.de/blog/2011/01/17/kandidat-ii-shitstorm/ am 05.04.2015).; Hier ein Beispiel: Böger, Frauke: Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. „Shitstorm“ über NRW, in: taz.de vom 02.12.2010 (http://www.taz.de/!62180/ am 11.07.2015).

[6] Vgl. Flach, Kandidat II: Shitstorm, Blogeintrag am 17.01.2011.

[7] Duden, Stichwort Shitstorm (http://www.duden.de/rechtschreibung/Shitstorm am 11.07.2015).

[8] Hier eine Auswahl: Steinke, Lorenz: Bedienungsanleitung für den Shitstorm. Wie gute Kommunikation die Wut der Masse bricht, Wiesbaden: Springer Gabler 2014.; Kleineberg, Christoph: Shitstorm-Attacken. Krisenmanagement für Unternehmen in Social-Media, Saarbrücken: AV Akademikerverlag 2012.; Adda, Lukas: Face to Face. Erfolgreiches Facebook-Marketing, Bonn: Galileo Computing 2012.; Köster, Andreas: Das Phänomen „Shitstorm“, vom 04.06.2012 (http://www.big-social-media.de/news_publikationen/meldungen/2012_06_04_Shitstorm.php am 11.07.2015).

[9] Es existiert eine Diplomarbeit aus dem Bereich International Economics und Marketing, die sich unter anderem mit den Entstehungsbedingungen von Shitstorms beschäftigt. (Ebner, Tim: Sind wir nicht alle ein bisschen Shitstorm? Welche unserer Werte von Marken geachtet werden müssen [Blogeintrag am 27.11.2012], in: Primus Inter Pares [Public Relations Blog] (http://www.pr-ip.de/social-weblinks/sind-wir-nicht-alle-ein-bisschen-shitstorm-welche-unserer-werte-von-marken-geachtet-werden-muessen am 11.07.2015).) Eine Doktorarbeit des Medienwissenschaftlers Christian Salzborn zum Phänomen Shitstorm wurde noch nicht veröffentlicht (Mozart, Franziska: Shitstorm-Dissertation. „Es passiert jeden Tag im Social Web“, in: W&V vom 16.05.2013 (http://www.wuv.de/digital/shitstorm_dissertation_es_passiert_jeden_tag_im_social_web am 11.07.2015).

[10] Vgl. Luhmann, Niklas: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag 1987, S. 10, 33.

[11] Diese These findet sich in einer Studie des IfM. Shitstorms seien „Skandale, die sich in der digitalen Welt abspielen“. (Siri, Jasmin/ Seßler, Katharina: Twitterpolitik. Politische Inszenierungen in einem neuen Medium, hrsg. vom Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, Berlin/Köln 2013, http://medienpolitik.eu/cms/media/pdf/Twitterpolitik.pdf am 11.07.2015, S. 9.)

[12] Vgl. Kepplinger, Hans Mathias: Die Mechanismen der Skandalisierung. Die Macht der Medien und die Möglichkeiten der Betroffenen, 2., aktualisierte Aufl., München: Olzog 2005, S. 7.; Burkhardt, Steffen: Skandal, medialisierter Skandal, Medienskandal: Eine Typologie öffentlicher Empörung, in: Bulkow, Kristin/ Petersen, Christer (Hrsg.): Skandale. Strukturen und Strategien öffentlicher Aufmerksamkeitserzeugung, Wiesbaden: Springer VS 2011, S. 143.

[13] Das Wort Shitstorm kommt aus dem Englischen: Laut Oxford English Dictionary bezeichnet es dort a frenetic or disastrous event; a commotion, a tumult. Gemeint ist also ein chaotisches oder desaströses Ereignis, ein Aufruhr, ein Tumult. Damit weist das Wort im Englischen eine breitere Konnotation – ohne expliziten Medienbezug – auf als im Deutschen. (Vgl. Stefanowitsch, Anatol: And the winner is: Shitstorm! [Blogeintrag am 13.02.2012], in: SciLogs [Sprachblog] (http://www.scilogs.de/sprachlog/and-the-winner-is-shitstorm/ am 12.07.2015).)

[14] Die Kampagne war sowohl online als auch offline. So wurden unter anderem zahlreiche Flugblätter verteilt, KitKat-Schokoriegel mit Aufklebern von einem um Hilfe schreienden Orang-Utan versehen, Kundgebungen abgehalten und es kam zu Protesten von Greenpeace-Aktivisten vor dem indonesischen Firmensitz in Jakarta. (Vgl. Pörksen, Bernhard/ Detel, Hanne: Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter, Köln: Herbert von Halem 2012, S. 203, 208 f.) Für die vorliegende Arbeit sind jedoch nur die Social Media-Aktivitäten von Interesse.

[15] Das Video findet man immer noch im Internet, zum Beispiel hier: Leichsenring, Hansjörg: Fünf berühmte Social Media Shitstorms [Blogeintrag am 13.05.2013], in: Der Bank Blog [Blog eines Unternehmensberaters] (http://www.der-bank-blog.de/fuenf-beruehmte-social-media-shitstorms/social-media/9504/ am 12.07.2015).

[16] Grether, Julia: Ich finde schade, dass sich Nestlé scheinbar nicht ernsthaft mit der Palmöl-Problematik auseinandersetzt [Facebook-Kommentar], veröffentlicht am 18.03.2010 um 20:19 Uhr auf: facebook.com/kitkatde [Deutsche KitKat-Fanseite] (https://www.facebook.com/kitkatde?fref=ts am 12.07.2015).

[17] Green, Lena: Urwald zerstören, Menschen vertreiben, Tiere umbringen [Facebook-Kommentar], veröffentlicht am 07.05.2010 um 12:05 Uhr auf: facebook.com/kitkatde [Deutsche KitKat-Fanseite] (https://www.facebook.com/kitkatde?fref=ts am 12.07.2015).

[18] Vgl. Hillenbrand, Tom: Unternehmen im sozialen Netz. Die Facebook-Falle, in: Spiegel Online vom 16.04.2010 (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/unternehmen-im-sozialen-netz-die-facebook-falle-a-688975.html am 12.07.2015).; Pörksen/ Detel, Der entfesselte Skandal, S. 207 f.

[19] Vgl. Hillenbrand, Unternehmen im sozialen Netz, Spiegel Online vom 16.04.2010.

[20] Fluff: #Nestlé, für mich schon immer ein Dreckskonzern, ünterstützt nicht nur Gentechnik sondern auch Regenwaldabholzung [Tweet], veröffentlicht am 19.03.2010 um 06:03 Uhr (https://twitter.com/photofluff/status/10721178467 am 12.07.2015).

[21] Vgl. Pörksen/ Detel, Der entfesselte Skandal, S. 202-211.; Hutter, Thomas: Facebook. Wenn Fanpages zum Kriegsschauplatz werden [Blogeintrag am 21.03.2010], in: Thomas Hutter [Blog eines Unternehmensberaters] (http://www.thomashutter.com/index.php/2010/03/facebook-wenn-fanpages-kriegsschauplatz-werden/ am 12.07.2015).

[22] Vgl. O.V.: Der Fall Nestlé. Angriff aus dem Social Web, in: Spiegel Online vom 16.04.2010 (http://www.spiegel.de/fotostrecke/der-fall-nestle-angriff-aus-dem-social-web-fotostrecke-53876-7.html am 12.07.2015).

[23] Vgl. Hutter, Facebook, Blogeintrag am 21.03.2010.

[24] Vgl. O.V., Der Fall Nestlé, Spiegel Online vom 16.04.2010.

[25] Vgl. ebd.; Hillenbrand, Unternehmen im sozialen Netz, Spiegel Online vom 16.04.2010.

[26] Vgl. Busch, Uli: Tierschützer zetteln auf Facebook Shitstorm gegen EM-Sponsoren an, in: W&V vom 22.11.2011 (http://www.wuv.de/digital/tierschuetzer_zetteln_auf_facebook_shitstorm_gegen_em_sponsoren_an am 12.07.2015).; Liller, Tapio: Tierschützer machen mobil gegen EM-Sponsoren. Eine Analyse, in: t3n vom 25.11.2011 (http://t3n.de/news/tierschutzer-mobil-gegen-em-sponsoren-analyse-346053/ am 12.07.2015).

[27] Hortig, Julia/ Nagel, Till Simon: Royal Canin sponserte Bärenkämpfe. Wütender Protest gegen Tierfutter-Produzenten, in: Handelsblatt vom 24.07.2013 (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/royal-canin-sponserte-baerenkaempfe-wuetender-protest-gegen-tierfutter-produzenten/8541148.html am 12.07.2015).; Gohlke, Pirkko: Tierschutz. Nach Bärenkampf übt sich Royal Canin in Schadensbegrenzung, in: WAZ.de vom 05.08.2013 (http://www.derwesten.de/panorama/nach-baerenkampf-uebt-sich-royal-canin-in-schadensbegrenzung-id8279297.html#plx976416390 am 12.07.2015).

[28] Vgl. Disselhoff, Felix: Die Bahn rast in die Facebook-Falle, in: Meedia vom 26.10.2010 (http://meedia.de/2010/10/26/die-bahn-rast-in-die-facebook-falle/ am 12.07.2015).; Scherg, Christian: Shitstorm Beispiele [Blogeintrag am 01.09.2013], in: Rings Kommunikation [Blog eines PR-Managers] http://www.christianscherg.com/christian-scherg-blog/item/shitstorm-beispiele#comments am 12.07.2015).; Söhler, Maik: Deutsche Bahn auf Facebook. Chef-Ticket? Anfänger-Ticket!, in: taz.de vom 19.10.2010 (http://www.taz.de/!5133785/ am 12.07.2015).

[29] Die Inhalte der betroffenen Facebook-Seite „www.facebook.com/chefticket“ der DB wurden leider entfernt, sodass keine Kommentare mehr zu finden sind.

[30] Vgl. Söhler, Deutsche Bahn auf Facebook, taz.de vom 19.10.2010.; Mozart, Franziska: Was vom Shitstorm bleibt, in: W&V vom 02.01.2014 (http://www.wuv.de/digital/was_vom_shitstorm_bleibt am 12.07.2015).; Hutter, Thomas: Facebook. Deutsche Bahn fragt nach dem „wie weiter?“, [Blogeintrag am 09.11.2010], in: Thomas Hutter [Blog eines Unternehmensberaters] (http://www.thomashutter.com/index.php/2010/11/facebook-deutsche-bahn-fragt-nach-dem-wie-weiter/ am 12.07.2015).

[31] Vgl. Rings, Holger: Best Practise o2. Social Media im #o2Einzelfall [Blogeintrag am 16.11.2011], in: Rings Kommunikation [Blog einer Online-Serviceagentur] (https://www.rings-kommunikation.de/2011/11/best-practise-o2-social-media-im-o2einzelfall/ am 12.07.2015).; Floemer, Andreas: „Wir sind Einzelfall“. O2 übt sich in Kundennähe, Telekom in Häme, in: t3n vom 01.12.2011 (http://t3n.de/news/einzelfall-o2-ubt-kundennahe-telekom-hame-347716/ am 12.07.2015).

[32] Vgl. Busch, Uli: Gedrosselte DSL-Flat? Telekom bringt Kunden in Rage, in: W&V vom 22.03.2013 (http://www.wuv.de/digital/gedrosselte_dsl_flat_telekom_bringt_kunden_in_rage am 12.07.2015).; O.V.: Shitstorm gegen Tempo-Bremse. Telekom sucht die Kraftprobe, in: n-tv.de vom 29.04.2013 (http://www.n-tv.de/technik/Telekom-sucht-die-Kraftprobe-article10561486.html am 12.07.2015).

[33] Vgl. Schobelt, Frauke: Tausende kommentieren Frust-Post einer Kundin. Wie Vodafone mit dem Shitstorm umgeht, in: W&V vom 01.08.12 (http://www.wuv.de/marketing/tausende_kommentieren_frust_post_einer_kundin_wie_vodafone_mit_dem_shitstorm_umgeht am 12.07.2015).; Wocher, Martin: Vodafone-Shitstorm. Anni verzweifelt gesucht, in: Handelsblatt vom 01.08.2012 (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/vodafone-shitstorm-anni-verzweifelt-gesucht/6948072.html am 12.07.2015).

[34] Pril: Jetzt wird es spannend. Die Votes der Top-Designs wurden bereinigt [Facebook-Post], veröffentlicht am 17.05.2011 auf: facebook.com/PrilDeutschland [Deutsche Pril-Fanseite] (https://www.facebook.com/PrilDeutschland?fref=ts am 13.07.2015).

[35] Dehmön, Michael: Wer seine ‚Fans‘ auf die Art und Weise verarscht, verarscht den Konsumenten vlt. mit der Leistung des Produktes? [Facebook-Kommentar], veröffentlicht am 19.05.2011 um 17:12 Uhr auf: facebook.com/PrilDeutschland [Deutsche Pril-Fanseite] (https://www.facebook.com/PrilDeutschland?fref=ts am 13.07.2015).

[36] Pril: Liebe Freunde, wir diskutieren gerne mit euch, aber bitte bleibt sachlich. [Facebook-Post], veröffentlicht am 17.05.2011 auf: facebook.com/PrilDeutschland [Deutsche Pril-Fanseite] (https://www.facebook.com/PrilDeutschland?fref=ts am 13.07.2015).

[37] Knoblich, Denise: Pril löscht wohl fleißig alles, was sie nicht gern hören wollen! [Facebook-Kommentar], veröffentlicht am 18.05.2011 um 09:02 Uhr auf: facebook.com/PrilDeutschland [Deutsche Pril-Fanseite] (https://www.facebook.com/PrilDeutschland?fref=ts am 13.07.2015).

[38] Das „Hähnchen-Design“ wurde vom Teilnehmer selbst zurückgezogen, nachdem er „den Shitstorm auf Pril zurollen sah“. (Vgl. Breithut, Jörg: Soziale Netzwerke. Pril-Wettbewerb endet im PR-Debakel, in: Spiegel Online vom 20.05.2011 (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/soziale-netzwerke-pril-wettbewerb-endet-im-pr-debakel-a-763808.html am 13.07.2015).

[39] Vgl. ebd.; Frickel, Claudia: Facebook. Aufstand gegen Pril-Wettbewerb, in Focus Online vom 19.05.2011 (http://www.focus.de/digital/internet/facebook/facebook-aufstand-gegen-pril-wettbewerb_aid_628554.html am 13.07.2015).

[40] Soeren1101: Um es nochmal zu sagen #Pril und #Henkel sind scheiße!!!!! [Tweet], veröffentlicht am 20.05.2011 um 02:13 Uhr (https://twitter.com/soeren1101/status/71503774086201344 am 13.07.2015).

[41] Frickel, Aufstand gegen Pril-Wettbewerb, Focus Online vom 19.05.2011.

[42] Breithut, Soziale Netzwerke, Spiegel Online vom 20.05.2011.

[43] El Cativa: Nie wieder Amazon! [Facebook-Kommentar], veröffentlicht am 13.02.2013 um 23:31 Uhr auf: facebook.com/Amazon.de [Deutsche Amazon-Fanseite] (https://www.facebook.com/Amazon.de?fref=ts am 05.04.2013).

[44] Sab Rina: Faschisten, Abzocker, Menschenhändler [Facebook-Kommentar], veröffentlicht am 14.02.2013 um 01:58 Uhr auf: facebook.com/Amazon.de [Deutsche Amazon-Fanseite] (https://www.facebook.com/Amazon.de?fref=ts am 05.04.2013).

[45] O.V.: Amazon-Reportage empört Facebook-User. Shitstorm gegen Versandhändler – jetzt droht ein Boykott, in: Focus Online vom 14.02.2013 (http://www.focus.de/kultur/medien/amazon-reportage-empoert-facebook-user-shitstorm-gegen-versandhaendler-jetzt-droht-ein-boykott_aid_919785.html am 13.07.2015).

[46] Die Dokumentation ist weiterhin unter http://www.youtube.com/watch?v=xdrkY_NpgrY abzurufen.

[47] In düsteren Bildern – fast immer ist es dunkel, windig und kalt – und dezent mit melancholischer Musik unterlegt, wird die Protagonistin Silvina Cerrada, eine arbeitslose Kunstlehrerin aus Spanien, die nach Bad Hersfeld gekommen ist, um als Aushilfe im Lager Geld zu verdienen, von den Journalisten begleitet. Gezeigt werden die beengten Verhältnisse, in denen die Leiharbeiter unterkommen, die überfüllten Busse, die nur einmal pro Schicht fahren und die ständige Präsenz eines Sicherheitsunternehmens – mit rechtsradikalem Hintergrund wie in der Dokumentation aufgedeckt wird – in der Unterkunft der Arbeiter, teilweise mit versteckter Kamera. Berichtet wird von Verhaltensregeln, Einkaufs- und Essenszeiten für die Arbeiter und von ständigen Kontrollen durch das Sicherheitspersonal. Die Wortwahl in der Dokumentation unterstützt die bedrückenden Bilder. So werden die Arbeiter laut Sprecher in Bussen „angekarrt für das große Weihnachtsgeschäft“, sie leben in „runtergekommenen Motels“ oder „winzigen Ferienhäusern“, werden „mit falschen Versprechungen gelockt“ und sind „faktisch rechtlos“, ständig unter „Druck“ und in „Angst“. In der Mitte der Dokumentation fällt der Begriff „moderner Sklavenhandel“. (Vgl. Löbl, Diana/ Onneken, Peter: Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon [Fernseh-Dokumentation], ARD, 13.02.2013, 22:45 Uhr, (http://www.youtube.com/watch?v=xdrkY_NpgrY am 13.07.2015.)

[48] Thomas B.: sklaverei bei amazon ! [Facebook-Kommentar], veröffentlicht am 13.02.2013 um 16:17 Uhr auf: facebook.com/Amazon.de [Deutsche Amazon-Fanseite] (https://www.facebook.com/Amazon.de?fref=ts am 05.04.2013).

[49] Ein Facebook-Mitglied verbreitete einen Link zu einem Beitrag auf tagesschau.de, der im nachtmagazin um 01:06 Uhr lief und eine kurze Zusammenfassung der noch am selben Tag laufenden Reportage darstellt: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/amazon136.html am 05.04.2013. Außerdem gab es eine Vorab-Rezension der Dokumentation auf Spiegel-Online mit der Überschrift „ARD-Dokumentation: Wie Amazon Leiharbeiter kaserniert“, die vor Beginn der Ausstrahlung erschien und auch von Facebook-Mitgliedern in Umlauf gebracht wurde. (Kwasniewski, Nicolai: ARD-Dokumentation. Wie Amazon Leiharbeiter kaserniert, in: Spiegel Online vom 13.02.2013, http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ard-reportage-dokumentiert-missstaende-in-der-leiharbeit-bei-amazon-a-883156.html am 13.07.2015.)

[50] Laut Angaben der ARD verfolgten im Durchschnitt zwei Millionen Zuschauer die Ausstrahlung der Dokumentation im Fernsehen. Über die Mediatheken der ARD wurde das Video in den darauffolgenden Tagen sogar mehr als zwei Millionen Mal gesehen und damit häufiger als jeder Beitrag der ARD zuvor. (Vgl. Langenau, Lars: „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“. HR gewinnt Rechtsstreit, in: Süddeutsche.de vom 13.06.2013 (http://www.sueddeutsche.de/medien/doku-ausgeliefert-leiharbeiter-bei-amazon-hr-gewinnt-rechtsstreit-1.1695828 am 13.07.2015.)

[51] Langbehn, Katharina: Nach ARD-Reportage. Amazon will Vorwürfe wegen Leiharbeiter-Beschäftigung prüfen, in: tagesspiegel.de vom 14.02.2013 (http://www.tagesspiegel.de/medien/nach-ard-reportage-amazon-will-vorwuerfe-wegen-leiharbeiter-beschaeftigung-pruefen/7784076.html am 13.07.2015).

[52] Hgb Ckone: Account wird beseitigt, ekelhaft [Facebook-Kommentar], veröffentlicht am 13.02.2013 um 23:11 Uhr auf: facebook.com/Amazon.de [Deutsche Amazon-Fanseite] (https://www.facebook.com/Amazon.de?fref=ts am 05.04.2013).

[53] O.V., Amazon-Reportage empört Facebook-User, Focus Online vom 14.02.2013.

[54] Meier, Steffen: Lohnsklaverei und Ausbeutung? Pfui Teufel! [Facebook-Kommentar], veröffentlicht am 14.02.2013 um 07:41 Uhr auf: facebook.com/Amazon.de [Deutsche Amazon-Fanseite] (https://www.facebook.com/Amazon.de?fref=ts am 05.04.2013).

[55] Nie Mand: Sklavenhändler + Neonazis = Amazon! [Facebook-Kommentar], veröffentlicht am 15.02.2013 um 23:06 Uhr auf: facebook.com/Amazon.de [Deutsche Amazon-Fanseite] (https://www.facebook.com/Amazon.de?fref=ts am 05.04.2013).

[56] Der Begriff „Sklavenhandel“ wird in der Dokumentation verwendet, um die Situation der Leiharbeiter zu beschreiben. Er tauchte in teilweise leicht abgewandelter Form in zahlreichen Kommentaren auf Facebook auf.

[57] O.V.: amazon? Nein Danke. Aufgrund des Beitrages heute Abend in der ARD, werden wir euch hier in Zukunft über die Machenschaften von amazon informieren. Schön wäre es, wenn ihr die Seite liked, und weiter teilt. Frei nach dem Motto: 100.000 Menschen gegen amazon.de. [Facebook-Post], veröffentlicht am 13.02.2013 auf: facebook.com/AmazonNeinDanke [Protestseite auf Facebook] (https://www.facebook.com/AmazonNeinDanke am 05.04.2013).

[58] Vgl. Hahn, Alexander: ARD blickt hinter die Kulissen. Was Sie noch nicht über Amazon wussten, in: bild.de vom 14.02.2013 (http://www.bild.de/geld/wirtschaft/amazon/dokumentation-ard-was-sie-noch-nicht-wussten-28523568.bild.html am 13.07.2015).

[59] Vgl. Jungfer, Martin: Fast nur positive Reaktionen auf ARD-Recherchen zu Amazon, in: Südkurier vom 14.02.2013 (http://www.suedkurier.de/nachrichten/wirtschaft/Fast-nur-positive-Reaktionen-auf-ARD-Recherchen-zu-Amazon;art416,5908004 am 13.07.2015).

[60] O.V., Amazon-Reportage empört Facebook-User, Focus Online vom 14.02.2013.

[61] Lübberding, Frank: FAZ.net-Fernsehkritik: Leiharbeiter bei Amazon. Made in China, in: Faz.net vom 14.02.2013 (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/faz-net-fruehkritik/faz-net-fernsehkritik-leiharbeiter-bei-amazon-made-in-china-12080064.html am 13.07.2015).

[62] Langenau, ARD-Dokumentation über Leiharbeiter, Süddeutsche.de vom 14.02.2013.

[63] Kwasniewski, ARD-Dokumentation, Spiegel Online vom 13.02.2013.

[64] Fuest, Benedikt: Saisonarbeiter. Die dunkle Seite des Erfolgsmodells Amazon, in: Welt.de vom 16.02.2013 (http://www.welt.de/wirtschaft/article113680813/Die-dunkle-Seite-des-Erfolgsmodells-Amazon.html am 05.04.2013).

[65] Paterson, Tony: Amazon 'used neo-Nazi guards to keep immigrant workforce under control' in Germany, in: The Independent vom 14.02.2013 (http://www.independent.co.uk/news/world/europe/amazon-used-neonazi-guards-to-keep-immigrant-workforce-under-control-in-germany-8495843.html am 13.07.2015).

[66] O’Connor, Sarah: Amazon unpacked, in: FT Magazine vom 08.02.2013 (http://www.ft.com/intl/cms/s/2/ed6a985c-70bd-11e2-85d0-00144feab49a.html#slide0 am 13.07.2015).

[67] Eddy, Melissa: Amazon to Investigate Claims of Worker Intimidation at Distributor in Germany, in nytimes.com vom 15.02.2013 (http://www.nytimes.com/2013/02/16/world/europe/amazon-to-investigate-claims-of-worker-intimidation-at-german-centers.html?_r=2& am 13.07.2015).

[68] O.V.: Germany to probe claims of staff abuse, in: Global Times vom 17.02.2013 (http://www.globaltimes.cn/content/762083.shtml am 05.04.2013).

[69] Amazon: Amazon nimmt die Vorwürfe bezüglich der Situation im Seepark Ost während der Weihnachtszeit sehr ernst. [Facebook-Post], veröffentlicht am 18.02.2013 auf: facebook.com/Amazon.de [Deutsche Amazon-Fanseite] (https://www.facebook.com/Amazon.de?fref=ts am 05.04.2013).

[70] Amazon hatte allerdings zuvor schon mit einer Pressemittelung Stellung zu den Vorwürfen genommen. (Vgl. O.V.: Stellungnahme von Amazon zum Bericht über Leiharbeiter. „Wir nehmen das Wohlergehen unserer Mitarbeiter sehr ernst“, in: buchreport.de vom 14.02.2013, http://www.buchreport.de/nachrichten/online/online_nachricht/datum/2013/02/14/wir-nehmen-das-wohlergehen-unserer-mitarbeiter-sehr-ernst.htm am 16.07.2015.)

[71] Vgl. Pliquett, Nico: Amazon.de nach dem Shitstorm. Fans bleiben treu, trotz herber Kritik, in: netzpiloten.de vom 28.02.2013 (http://www.netzpiloten.de/amazon-de-nach-dem-shitstorm-fans-bleiben-treu-trotz-herber-kritik/ am 13.07.2015).

[72] Vgl. Fuchs, Jochen G.: Zalando im Shitstorm. So reagiert der Fashion-Gigant auf die RTL Dokumentation, in: t3n vom 15.04.2014 (http://t3n.de/news/rtl-doku-stellt-zalando-540117/ am 13.07.2015).; Mozart, Franziska: Zalando. Shitstorm wie aus dem Lehrbuch, in: W&V vom 22.04.2014 (http://www.wuv.de/digital/zalando_shitstorm_wie_aus_dem_lehrbuch am 13.07.2015).

[73] O.V.: „Sollen sie eben andere Nudeln essen“. Barilla-Chef: Keine Werbung für Homosexuelle, in: Focus Money Online vom 27.09.2013 (http://www.focus.de/finanzen/news/dann-sollen-sie-eben-andere-nudeln-essen-shitstorm-gegen-barilla-keine-pasta-fuer-homosexuelle_aid_1113949.html am 14.07.2015).

[74] Budke, Marcus: Barilla? Nie wieder! [Facebook-Kommentar], veröffentlicht am 27.09.2013 um 01:51 Uhr auf: facebook.com/BarillaDeutschland [Deutsche Barilla-Fanseite] (https://www.facebook.com/BarillaDeutschland?fref=ts am 12.07.2015).

[75] Vgl. Peeck, Sven-Olaf: Die Reaktion auf Barilla und Homophobie im Ländervergleich [YouTube-Video], crowdmedia GmbH, veröffentlicht am 10.10.2013 (https://www.youtube.com/watch?v=YlVhxG8R3G8 am 14.07.2015).

[76] Valensise, Livia: Pasta-Boykott. „Wo es Homophobie gibt, gibt es Barilla“, in: Die Welt vom 27.09.2013 (http://www.welt.de/vermischtes/article120442794/Wo-es-Homophobie-gibt-gibt-es-Barilla.html am 14.07.2015).

[77] O.V.: Boykott-Aufrufe. Barilla-Chef löst Shitstorm mit Bemerkung über Homosexuelle aus, in: Wiwo.de vom 27.09.2013 (http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/boykott-aufrufe-barilla-chef-loest-shitstorm-mit-bemerkung-ueber-homosexuelle-aus/8856518.html am 14.07.2015).

[78] Vgl. O.V., Pasta-Boykott, Die Welt vom 27.09.2013.; Scherg, Shitstorm Beispiele, Blogeintrag am 01.09.2013.

[79] Stefan-Tibor: find ich ganz praktisch die aussagen von diesem hirni. [Tweet], veröffentlicht am 26.09.2013 um 13:00 Uhr (https://twitter.com/stefherl/status/383320201858936832vam 12.07.2015).

[80] Lorenz, Klaus: Fickt Euch !!! Keiner will homophobe Nudeln. [Facebook-Kommentar], veröffentlicht am 26.09.2013 um 21:20 Uhr auf: facebook.com/kitkatde [Deutsche Barilla-Fanseite] (https://www.facebook.com/BarillaDeutschland?fref=ts am 12.07.2015).

[81] O.V.: Vernudelt. Shitstorm gegen Barilla, in: BZ Online vom 27.09.2013 (http://www.bz-berlin.de/artikel-archiv/vernudelt-shitstorm-gegen-barilla am 14.07.2015).

[82] Vgl. Peeck, Die Reaktion auf Barilla und Homophobie im Ländervergleich, [YouTube-Video], veröffentlicht am 10.10.2013.

[83] Vgl. Konersmann, Shitstorm wegen Homophobie zeigt Wirkung, tagesspiegel.de vom 21.05.2015.; von Rönne, Die Welt, 25.05.2015.

[84] XolaniN22: So that bitch just got fired…LOL [Tweet], veröffentlicht am 20.12.2013 um 14:05 Uhr (https://twitter.com/XolaniN22/status/414154545384935424 am 12.07.2015).

[85] Action Hank: She is a terrible fucking person [Tweet], veröffentlicht am 21.12.2013 um 08:40 Uhr (https://twitter.com/CplxSimplicity/status/414435216468746240 am 12.07.2015).

[86] Vgl. Wrusch, Paul: Rassistischer Tweet einer PR-Managerin. Selbstzerstörung in vier Sätzen, in: taz.de vom 22.12.2013 (http://www.taz.de/!5052158/ am 12.07.2015).; Noffke, Oliver: Rassistischer Tweet. In 64 Zeichen zur meistgehassten Frau des Internets, in: stern.de vom 21.12.2013 (http://www.stern.de/digital/online/rassistischer-tweet-in-64-zeichen-zur-meistgehassten-frau-des-internets-3642070.html am 14.07.2015).; Friedrich, Jörg: Schwarm, Shitstorm und Communities. Der Fall Justine Sacco, in: heise.de vom 19.06.2015 http://www.heise.de/tp/artikel/45/45188/1.html am 14.07.2015).

[87] Lobo, Sascha: How to survive a shit storm [YouTube-Video], Vortrag auf der re:publica 2010, veröffentlicht am 21.04.2010 (http://www.youtube.com/watch?v=-OzJdA-JY84 am 14.07.15).

[88] O.V.: „Shitstorm“ ist Anglizismus des Jahres 2011, Pressemitteilung vom 13.02.2012 (http://www.anglizismusdesjahres.de/wp-content/uploads/2012/02/adj2011-pressemitteilung.pdf am 14.07.15).

[89] Luhmann, Niklas: Die Gesellschaft der Gesellschaft, Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag 1997, S. 78.

[90] Luhmann unterscheidet drei Formen von sozialen Systemen: Interaktionen als soziale Kontakte unter Anwesenden, Organisationen als an Mitgliedschaftsbedingungen geknüpfte soziale Systeme und Gesellschaft als das umfassendste Sozialsystem als Gesamtheit aller Kommunikationen. (Vgl. Luhmann, Soziale Systeme, S. 16.; Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 812-847.)

[91] Im Umkehrschluss ist alles, was Kommunikation ist, Gesellschaft. (Vgl. Luhmann, Soziale Systeme, S. 555.)

[92] Luhmann, Niklas: Was ist Kommunikation?, in: Soziologische Aufklärung 6. Die Soziologie und der Mensch, Opladen: Westdeutscher Verlag 1995 (1987), S. 113.

[93] In seinem Werk „Soziale Systeme“ unterscheidet Luhmann vier Systeme, wobei der vierte Systemtyp die Maschinen sind. (Vgl. Luhmann, Soziale Systeme, S. 16.) Es wird hier jedoch nur kurz auf die drei Haupttypen eingegangen, da letzterer für die vorliegende Arbeit nicht von Interesse ist.

[94] Vgl. ebd., S. 16; Berghaus, Margot: Luhmann leicht gemacht, 3., überarb. u. erg. Aufl., Köln [u.a]: Böhlau 2011., S. 32.

[95] Vgl. Luhmann, Soziale Systeme, S. 67 f.

[96] Was nicht bedeutet, dass nicht einzelne Systeme des Menschen wie sein Bewusstseinssystem in Luhmanns Systemtheorie eine Rolle spielen, jedoch nicht im Rahmen von sozialen Systemen, die ausschließlich als Kommunikationssysteme behandelt werden – Leib und Psyche gehören nicht in die Definition von Gesellschaft.

[97] Luhmann selbst beschreibt seinen Ansatz als „radikal antihumanistisch“. (Vgl. Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 34 f.)

[98] Alle Systeme bestehen, wie beschrieben, aus Operationen. Dabei operiert jedes System auf eine bestimmte, charakteristische Weise: Bei biologischen Systemen ist die Operation Leben, bei psychischen Systemen Bewusstsein bzw. Wahrnehmung und bei sozialen Systemen Kommunikation. (Vgl. Luhmann, Soziale Systeme, S. 296 f.)

[99] Vgl. Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 92-97.

[100] Luhmann beschreibt die Welt als „letztlich unbestimmte Komplexität“, als „Gesamtheit möglicher Ereignisse“. (Luhmann, Niklas: Komplexität, in: Soziologische Aufklärung 2. Aufsätze zur Theorie der Gesellschaft, 6. Aufl., Wiesbaden: VS Verlag 2009, S. 265.) Komplexität ist gegeben, sobald etwas mindestens zwei Zustände annehmen kann. Sie steigt mit der Zahl der Ereignisse und der damit ansteigenden Zahl möglicher Relationen. (Vgl. Luhmann, Komplexität, S. 257; Luhmann, Soziale Systeme, S. 46; Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 136 f.; Kneer, Georg/ Nassehi, Armin: Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme. Eine Einführung, 4. unv. Aufl., München: Fink 2000, S. 40.)

[101] Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 46.

[102] „Umwelt ist immer nur ‚systemrelativ‘. Also auch für jedes System etwas anderes, nämlich jeweils das außerhalb des Systems Bestehende aus Sicht des Systems selbst.“ (Berghaus, Luhmann leicht gemacht, S. 41.)

[103] Dazu ist anzumerken, dass es sich bei Irritation auch um ein systemeigenes Konstrukt handelt. Es gibt also keinen Transfer von Irritation aus der Umwelt in das System. Vielmehr ist Irritation nach Luhmann immer „Selbstirritation“, jedoch aus Anlass von Umwelteinwirkungen. (Vgl. Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 118.)

[104] Vgl. Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 94.

[105] Ebd., S. 69.

[106] Luhmann orientiert sich in seiner Definition von Beobachtung an Spencer Browns Aufforderung „draw a distinction“. (Vgl. Luhmann, Soziale Systeme, S. 100.)

[107] „Auch für beobachtende Systeme gibt es auf der Ebene ihres Operierens keinen Umweltkontakt. Alle Umweltbeobachtung muß im System selbst als interne Aktivität mit Hilfe eigener Unterscheidungen (für die es in der Umwelt keine Entsprechung gibt) durchgeführt werden.“ (Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 92.)

[108] Vgl. Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien, 4. Aufl., Wiesbaden: VS Verlag 2009 (1995), S. 14 f.

[109] Ebd., S. 15.

[110] Hier verweist Luhmann auf die Beobachtung zweiter Ordnung, die für unsere moderne Gesellschaft grundlegend ist. (Vgl. 3.3.)

[111] Ein Beispiel für eine Unterscheidung mit der man die Welt beobachten kann, ist die Unterscheidung Recht/ Unrecht oder wahr/unwahr. Mit einer bestimmten Unterscheidung geht auch immer eine bestimmte Beobachtungsperspektive einher. (Vgl. auch 3.3.)

[112] Vgl. Luhmann, Niklas: Das Erkenntnisprogramm des Konstruktivismus und die unbekannt bleibende Realität, in: Soziologische Aufklärung 5. Konstruktivistische Perspektiven, Opladen: Westdeutscher Verlag 1990, S. 40, 50.

[113] Vgl. Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 92 f.

[114] Vgl. Luhmann, Die Realität der Massenmedien, S. 116 f.; Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 1061.

[115] Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 190.

[116] Damit wendet sich Luhmann gegen die Definition von Kommunikation als Übertragung von Information von einem Sender zu einem Empfänger. (Vgl Luhmann, Soziale Systeme, S. 193; Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 194.)

[117] Vgl. Luhmann, Soziale Systeme, S. 194; ; Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 190 f., 750.

[118] Luhmann gibt folgende Begründung für die Wahl der Begriffe Alter und Ego und ihre Zuordnung zu den jeweiligen Selektionen: „Entscheidend ist, daß die dritte Selektion sich auf eine Unterscheidung stützen kann, nämlich auf die Unterscheidung der Information von ihrer Mitteilung. Da dies entscheidend ist und Kommunikation nur von hier aus verstanden werden kann, nennen wir (etwas ungewöhnlich) den Adressaten Ego und den Mitteilenden Alter.“ (Luhmann, Soziale Systeme, S. 195.) Alter entspricht im konventionellen Kommunikationsmodell demzufolge dem Sender und Ego dem Empfänger.

[119] Vgl. Luhmann, Soziale Systeme, S. 194; Luhmann, Was ist Kommunikation?, S. 115.; Berghaus, Luhmann leicht gemacht, S. 78-82.

[120] An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass nicht der Mensch kommuniziert, sondern nur die Kommunikation. (Vgl. 3.1.) Außerdem ist zu betonen, dass es bei der dritten Selektion, dem Verstehen, nicht darum geht, den Inhalt der Mitteilung richtig zu verstehen, sondern allein, dass es sich um eine Mitteilung handelt.

[121] Luhmann, Soziale Systeme, S. 203.

[122] Dabei ist hervorzuheben, dass die Anschlusskommunikation zu einer neuen Kommunikationseinheit wird. Somit entspricht Luhmanns vierte Art von Selektion der ersten Selektion der anschließenden, wieder dreistelligen, Kommunikationseinheit – Ego wechselt in die Rolle von Alter. (Vgl. ebd., S. 203 f.; Berghaus, Luhmann leicht gemacht, S. 101.)

[123] Vgl. Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 190 f.

[124] Vgl. ebd., S. 332 f.

[125] Luhmann, Soziale Systeme, S. 220.

[126] Vgl. Luhmann, Soziale Systeme, S. 220 ff.

[127] Sinn ist ein Universalmedium in dem Sinn, dass sowohl psychische als auch soziale Systeme ausnahmslos sinnvoll operieren bzw. wahrnehmen und kommunizieren. (Vgl. Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 51.)

[128] Die sogenannten Verbreitungsmedien erweitern den Empfängerkreis einer Kommunikation immens. Neben den elektronischen Medien bzw. Funk zählen Schrift und Druck dazu. (Vgl. Luhmann, Soziale Systeme, S. 221.)

[129] An dieser Stelle ist erneut zu betonen, dass auch Medien Konstruktionen von beobachtenden Systemen sind.

[130] „Sprachliche Kommunikation ist also zunächst: Prozessieren von Sinn im Medium der Lautlichkeit.“ (Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 213.)

[131] Ebd., S. 205.

[132] Vgl. ebd., S. 204.

[133] Vgl. Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 204.

[134] Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 204 f.

[135] Ebd., S. 743.

[136] Luhmann unterscheidet drei Differenzierungsformen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben: Die segmentären bzw. archaischen Gesellschaften, die sich mit Beginn der Sprache gebildet haben und durch Interaktion (also auf Kommunikation unter Anwesenden) begrenzt waren, die stratifikatorischen Gesellschaften, die aus ungleichen sozialen Schichten mit klarer hierarchischer Ordnung bestehen und sich mit der Schrift ausbildeten und zuletzt mit dem Übergang zum Buchdruck und den Verbreitungsmedien die funktionale gesellschaftliche Ausdifferenzierung. (Vgl. ausführlich dazu Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 634-662, 678-706, 707-776.)

[137] Luhmann, Die Realität der Massenmedien, S. 10.

[138] Ebd.

[139] Vgl. ebd.

[140] Vgl. Luhmann, Die Realität der Massenmedien, S. 36.

[141] Der negative Wert ist der Reflexionswert, dient also der Kontrolle und stellt den Kontext her. (Vgl. Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 363.)

[142] Vgl. Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 753.

[143] Ebd., S. 750.

[144] Im Programmbereich Nachrichten und Berichte werden Informationen nach den folgenden Selektionskriterien ausgewählt: Neuheit, Konflikt, Quantitäten, lokaler Bezug, Normverstöße, Moralisieren von Weltsachverhalten, Personalisierung, Rekursivität und Medienereignisse. (Vgl. Luhmann, Die Realität der Massenmedien, S. 39 -50.)

[145] Vgl. ebd., S. 26-35.

[146] Ebd., S. 31 f.

[147] Themen sind immer gemacht, liegen also nicht in der Außenwelt vor. Themen sind beispielsweise Aids, Klimaerwärmung, der Afghanistan-Krieg oder das Wetter. (Vgl. Luhmann, Die Realität der Massenmedien, S. 21 f.; Berghaus, Luhmann leicht gemacht, S. 244 f.)

[148] Vgl. Luhmann, Die Realität der Massenmedien, S. 22.

[149] Operative Geschlossenheit impliziert die Autonomie eines sozialen Systems, genauer die Autonomie auf operativer Ebene. (Vgl. Hellmann, Kai-Uwe: Systemtheorie und neue soziale Bewegungen. Identitätsprobleme in der Risikogesellschaft, Opladen: Westdeutscher Verlag 1996, S. 80.)

[150] Ein Beispiel ist die strukturelle Kopplung des Programmbereichs Nachrichten an das politische System. Voraussetzung für Kommunikation ist die strukturelle Kopplung an Bewusstsein: „Kommunikation ist total (in jeder Operation) auf Bewußtsein angewiesen […].“ (Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 103.)

[151] Vgl. ebd., S. 778 ff.

[152] „Funktionale Differenzierung besagt, daß der Gesichtspunkt der Einheit, unter dem eine Differenz von System und Umwelt ausdifferenziert ist, die Funktion ist, die das ausdifferenzierte System (also nicht: dessen Umwelt) für das Gesamtsystem erfüllt.“ (Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 745 f.)

[153] „Die Funktion liegt in Bezug auf ein Problem der Gesellschaft, nicht im Selbstbezug oder in der Selbsterhaltung des Funktionssystems.“ (Ebd., S. 746.) Funktionsorientierung geht mit der Fähigkeit zu hoher „Problemspezifikation“ einher. (Vgl. Luhmann, Soziale Systeme, S. 84.) „Deshalb erweist sich eine funktional differenzierte Gesellschaft auch als überdurchschnittlich leistungsfähig, da sich jedes Funktionssystem nur noch mit einem spezifischen Ausschnitt gesamtgesellschaftlicher Komplexität auseinandersetzen muß, dafür aber universelle Autorität genießt.“ (Hellmann, Systemtheorie und neue soziale Bewegungen, S. 42.)

[154] Luhmann, Die Realität der Massenmedien, S. 9.

[155] Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 152.

[156] In der stratifikatorischen, hierarchisch geordneten Gesellschaft war dies noch anders. Hier war die Welt „für alle Beobachter dieselbe Welt“ und „durch Beobachtung bestimmbar“. „Der restliche Problemzustand wurde dann der Religion überlassen, die die Transformation von Unbestimmbarkeit in Bestimmbarkeit zu erklären hatte.“ (Ebd., S. 154 f.)

[157] Hier ein Bespiel für die Pluralität der Perspektiven in der modernen Gesellschaft: „Die Religion etwa kann im Problem der Zerstörung der natürlichen Umwelt einen Eingriff in Gottes Schöpfung oder womöglich einen Eingriff Gottes in die Schöpfung als Sündenlohn sehen; die Wirtschaft dagegen sieht nur einen künftigen Investitionsnachteil oder auch -vorteil; die Politik sieht einen entscheidenden Faktor bei der Mobilisierung von Wählerstimmen; Erziehung kapriziert sich auf ökologische Bildungsprogramme, da sie das Problem individuellen Fehlhandlungen zurechnet; und die Kunst entdeckt ein neues Thema zur künstlerischen Beschreibung der Welt.“ (Kneer/ Nassehi, Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme, S. 146.)

[158] Vgl. Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 151 f., 157.

[159] Vgl. Berghaus, Luhmann leicht gemacht, S. 196.

[160] Luhmann, Die Realität der Massenmedien, S. 83.

[161] Berghaus, Luhmann leicht gemacht, S. 266.

[162] „[…] sie [die öffentliche Meinung] formuliert keinen Konsens darüber, was die Gesellschaft ist oder sein soll.“ (Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 1098 f.) Laut Berghaus müsste öffentliche Meinung eigentlich „öffentliche Themen mit vielen möglichen, auch ganz privaten Meinungen“ heißen. (Berghaus, Luhmann leicht gemacht, S. 265.)

[163] Vgl. Luhmann, Die Realität der Massenmedien, S. 126.; Luhmann, Niklas: Soziologie des Risikos, Berlin [u.a.]: de Gruyter 1991, S. 244.

[164] „Zu einer Beobachtung zweiter Ordnung kommt es erst, wenn man einen Beobachter als Beobachter beobachtet. ‚Als Beobachter‘ heißt: im Hinblick auf die Art und Weise, wie er beobachtet. Und das wiederum heißt: im Hinblick auf die Unterscheidung, die er zur Bezeichnung der einen (und nicht der anderen) Seite verwendet.“ (Luhmann, Soziologie des Risikos, S. 239 f.)

[165] Vgl. Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 766.

[166] Luhmann, Die Realität der Massenmedien, S. 105.

[167] Ein anderes Beispiel ist die Wissenschaft: Das Wissenschaftssystem produziert Publikationen, die wiederum (für die Wissenschaft) beobachtbar machen, wie die Wissenschaft beobachtet. (Vgl. Luhmann, Soziologie des Risikos, S. 244.)

[168] Auch hier sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Luhmann Funktionssysteme nur nach Kommunikationen unterscheidet und nicht nach Organisationen oder Handlungsträgern – in diesem Fall also weder nach Zeitungsverlagen und Rundfunk- bzw. Fernsehanstalten noch nach Journalisten, Redakteuren und Moderatoren oder Ähnlichem.

[169] Luhmann, Die Realität der Massenmedien, S. 118.

[170] Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 867.

[171] Dabei wird deutlich, dass diese Art der Weltwahrnehmung vor allem durch die Drucktechnik und durch die elektronischen Medien ermöglicht bzw. forciert wird.

Details

Seiten
104
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668087613
ISBN (Buch)
9783668087620
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310291
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – Institut für Sprache und Kommunikation
Note
1,3
Schlagworte
Shitstorm Proteststurm Protest Luhmann Medientheorie Amazon Nestle Greenpeace Barilla Deutsche Bahn Pril Soziale Systeme Kommunikation Social Media Interaktion Moral Konflikt Skandal Kepplinger Skandaltheorie Eskalation Erregungswelle Soziale Medien Internet Massenmedien Medien

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Titel: Das Phänomen Shitstorm. Eine systemtheoretische Betrachtung nach Niklas Luhmann