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Postsozialistische Stadtentwicklung Prags. Entindustrialisierung, Citybildung und Suburbanisierung

Seminararbeit 2015 32 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Stadtentwicklung vor
2.1. Prager Stadtentwicklung vor dem 20. Jahrhundert
2.2. Prag zu Beginn des 20. Jahrhunderts
2.3. Prag zwischen 1945 und

3. Postsozialistische Stadtentwicklung
3.1. Entindustrialisierung und Tertiärisierung
3.2. Wohnungsmarktsituation
3.3. Citybildung
3.4. Suburbanisierung
3.5. Beispiele
3.5.1. Das Stadtteilzentrum Pankrac
3.5.2. Das Stadtteilzentrum Budejovicka
3.5.3. Der Verwaltungsbezirk Prag
3.5.4. Der Stadtteil Smichov
3.5.5. Das Projekt „River City Prag“

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„[Prag] ist eine Stadt, in der ich niemals zu Hause war

und in der ich jeden Augenblick zu Hause sein kann.

Man braucht in Prag nicht »verwurzelt « zu sein.

Es ist eine Heimat für Heimatlose.“

Joseph Roth [1]

Die Stadt Prag, auch die „Goldene Stadt“[2] genannt, hat seit ihrer Gründung eine einzigartige Geschichte beschrieben. In dieser Seminararbeit soll die Entwicklung der Stadt von Ihrer Entstehung, über Ihren Aufschwung zur kulturellen und politischen Machtmetropole Mitteleuropas, bis hin zur Moderne beleuchtet werden. Der Schwerpunkt soll hierbei auf den postsozialistischen Stadtentwicklungsprozessen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs liegen.

Zu Beginn dieser Arbeit wird die Entstehungsgeschichte Prags von seiner ersten Besiedelung an beschrieben. Dabei sollen vor allem die Höhepunkte in den einzelnen Jahrhunderten detailliert herausgestellt werden, die maßgebend Einfluss auf das politische, wirtschaftliche, kulturelle, soziale sowie städtebauliche Geschehen in Prag genommen haben. Die Einteilung der Kapitel beschreibt, aufgrund der Fülle an Ereignissen und der Schwerpunktsetzung, die Stadtgeschichte einerseits vor dem 20. Jahrhunderts und andererseits von Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges sowie von der Nachkriegszeit bis zur Samtenen Revolution und der damit verbundenen Ablösung des kommunistischen Regimes.

Die Darstellung der Prager Stadtentwicklung bis zu diesem Zeitpunkt sollen dazu dienen einen klaren Ausgangspunkt für die daran anschließenden Entwicklungen in der postsozialistischen Zeit der Transformation zu skizzieren. Auf dieser Basis werden die wichtigsten Prozesse seit Beginn der 1990er Jahre, wie die Entindustrialisierung der Prager Wirtschaft, die allgemeine Citybildung des Innenstadtbereiches, die Wohnungsmarktsituation für die Prager Bevölkerung und die Suburbanisierung in die Peripherie der Stadt und damit einhergehende Gentrifizierungstendenzen im Detail erörtert.

Im Anschluss an die Beschreibung der postsozialistischen Stadtentwicklungen sollen die genannten Phänomene mit Hilfe von ausgewählten Beispielen gestützt und deren Tragweite für die Stadt weiter verdeutlicht werden. Abschließend möchte diese Seminararbeit ein kritisches Fazit über die vergangen Entwicklungen des Postsozialismus ziehen und einen möglichen Ausblick auf künftige Stadtentwicklungsprozesse geben.

Aus Gründen der Textökonomie werden in der vorliegenden Arbeit weibliche Formen nicht explizit angeführt. Die weibliche Form ist in dieser Seminararbeit der männlichen Form gleichgestellt; lediglich aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wurde die männliche Form gewählt.

2. Stadtentwicklung vor 1990

2.1. Prager Stadtentwicklung vor dem 20. Jahrhundert

Die Entstehungsgeschichte Prags reicht zurück bis in die Altsteinzeit. Eine der ersten befestigten und damit bedeutsamsten Siedlungsanlagen stammt jedoch aus dem 1. Jhd. v. Chr. und befand sich im südlichen Stadtteil des heutigen Prags, genannt Zavist. Innerhalb dieses sogenannten Oppidums fanden bis ins 2. Jhd. v. Chr. fortwährend zwischen 1.000 und 3.500 Einwohner Lebensraum und Schutz durch Wälle, Gräben und Palisaden. Ab dem 5. Jhd. n. Chr. siedelten zunehmend Slawen im Prager Becken und es entstanden zu jener Zeit auch im Norden Prags mehrere Siedlungen entlang des westlichen Moldauufers. Die Besiedelung verdichtete sich im 8./9. Jhd. n. Chr. vor allem im südwestlichen und nördlichen Teil des Prager Beckens, als erste Burgwälle in Butovice und Zamka bei Bohnice errichtet wurden. Im 9. Jhd. n.Chr. wurde die Prager Burg auf dem Hradschin Berg erbaut. Innerhalb des Burgareals entstand eine Siedlung mit einer Marienkirche. Durch seine prädestinierte Lage entwickelte sich Prag bereits zu jener Zeit zu einem kulturellen, politischen und auch ökonomischen Zentrum in Böhmen, da es einen Knotenpunkt wichtiger Handelsstraßen darstellte. Außerdem konnte hier, im Prager Becken, die Moldau bei niedrigem Wasserstand durchquert werden.

Mit der kirchlichen und wirtschaftlichen Entfaltung Prags im 10. Jhd. entstand eine weitere Burganlage im Süden des heutigen Stadtgebietes, am östlichen Moldauufer. Die sogenannte Vysehrad besaß innerhalb ihrer Mauer eine Münzstätte, den Kirchenstift St. Peter & Paul, einen Palast sowie weitere Gotteshäuser.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 St. Peter und Paul Kathedrale auf dem Vysehrad (2 Perspektiven)[3]

Geschützt durch die beiden Burgen, Hradschin und Vysehrad, entstanden im 11. sowie 12. Jhd. weitere Siedlungskerne entlang der Moldau, welche mit den Jahren zu Stadtgebilden zusammenwuchsen. Neben einheimischen Handwerkern und Menschen italienischer Herkunft ließen sich auch vermehrt jüdische und deutsche Händler im nördlichen Bereich der heutigen Altstadt nieder. Kleinere Friedhofs- und Pfarrkirchen sowie eine Synagoge erweiterten das damalige Stadtbild. Auch der Hradschin expandierte in jener Zeit. Aus der einstigen Veitsrotunde in der Mitte der Burganlage entstand mit Hilfe eines Erweiterungsbaus im Umfang dreier Kirchenschiffe eine Bischofskirche. Im Jahre 1172 wurde nach 14-jähriger Bauzeit in Prag die erste steinerne Brücke über die Moldau fertiggestellt. Mit dieser sogenannten Judith-Brücke war erstmals eine ganzjährige Überquerung der Moldau, unabhängig von Hoch- und Niedrigwasserständen, möglich, was die Stadt und ihre Handelswege für Kaufleute noch attraktiver machte.

Die städtebauliche Struktur der Prager Siedlungen zu jener Zeit bestand vorrangig aus ein- bis zweistöckigen Steinhäusern mit darunter befindlichen Kellergewölben. Die romanischen Fassaden unterlagen häufig italienischen Einflüssen. Die größte der Siedlungen auf der westlichen Moldauseite gegenüber des Hradschins – die heutige Altstadt – bekam durch König Wenzel I. im Jahr 1232 das Stadtrecht verliehen und damit verbunden eine Stadtmauer, die teilweise einstige Siedlungskerne voneinander trennte, andererseits aber auch bislang unbebaute Gebiete mit einbezog, die nunmehr neu bebaut wurden. Mittelpunkt der Altstadt wurde der Altmarkt, später Altstädter Ring genannt. Auf der westlichen Moldauseite südlich der Burg gründete der König Premysl Ottokar II. etwa 25 Jahre später die erste Prager Neustadt, heute Kleinseite genannt. Auch hier bildete ein rechteckiger Marktplatz den Mittelpunkt der mit Mauern befestigten Stadtanlage, die anfangs vorrangig von norddeutschen Kolonisten bevölkert war.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Prag zur Zeit Karl IV.[5]

Unter König Karl IV. bekam Prag im 14. Jhd. zwei der bedeutendsten Bauwerke, die bis in die heutige Zeit Bestand haben. Einerseits beschloss er den Neubau des St. Veitsdoms auf dem Gelände des Hradschins, nachdem durch einen Brand Teile der Burg und die darin befindliche Bischofskirche zerstört waren. Andererseits wurde durch ihn die Prager Karlsbrücke mit ihren Brückentürmen errichtet. Darüber hinaus gründete er 1348 die erste Prager Universität.[6] Zur gleichen Zeit bildeten sich in der Prager Neustadt, auf der östlichen Moldauseite, drei neue gesellschaftliche Zentren heraus. Der Rossmarkt – heute Wenzelsplatz –, der Heumarkt und der Viehmarkt – heute Karlsplatz – entstanden; radial zur Altstadt ausgerichtet und mit breiten Straßen untereinander verbunden. In der Nähe dieser Märkte entstanden weitere Klöster. Zum administrativen Zentrum wurde der Viehmarkt, da hier das Neustädter Rathaus erbaut wurde. In den folgenden Jahrhunderten wurde Prag vorrangig von religiösen Auseinandersetzungen geprägt. Diese Spannungen gipfelten um 1620/1621 in der Schlacht am Weißen Berg sowie in der anschließenden Vertreibung von Protestanten und in einer erzwungenen Rekatholisierung der Bevölkerung. Nachdem die Stadt den Dreißigjährigen Krieg, den Schlesischen Krieg sowie den Siebenjährigen Krieg mit ihren Belagerungen und Einmärschen überstanden hatte, erlebte sie im Jahr 1784 eine große strukturelle Entwicklung. Die bis dahin administrativ unabhängigen vier Prager Städte Hradschin, Kleinseite, Altstadt und Neustadt schlossen sich unter einer gemeinsamen Verwaltung zusammen, wodurch Prag zur königlichen Hauptstadt wurde.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Karlsbrücke mit der Burganlage auf dem Hradschin im Hintergrund[8]

Mit der einsetzenden industriellen Revolution begann auch in Prag in der zweiten Hälfte des 18. Jhds. bis ins 19. Jhd. hinein ein wirtschaftlicher Aufschwung. Aus den einstigen Manufakturen entstanden über das gesamte Stadtgebiet verteilt Fabriken aus dem Textilgewerbe, der Papierverarbeitung, der Porzellanherstellung oder dem Maschinenbau. Auch neue Zuckerfabriken, Brauereien und andere Lebensmittelbetriebe sowie der städtische Eisenbahnbau sorgten dafür, dass immer mehr Arbeitskräfte aus dem Prager Umland notwendig wurden und eine neue Arbeiterklasse entstand.[9] Zusammen mit den kapitalintensiven Fabrikneubauten entwickelte sich in Prag ebenso ein Banken- und Versicherungssektor. Weiterhin kamen zur Entlastung der Karlsbrücke neue Moldaubrücken flussaufwärts hinzu, damit verbunden wurde auch das bis dahin rechtwinklig gestaltete Prager Verkehrssystem erweitert, damit eine bessere Zulieferung sowie ein besserer Abtransport der Waren möglich war. Durch das Entfernen der alten Stadtmauern und Festungsanlagen um 1874 gelang es Prag über die Stadtgrenzen hinauszuwachsen und verschiedene Vororte einzugliedern. Auch innerhalb des Stadtgebietes kam es zu Sanierungsarbeiten. So wurde beispielsweise die sogenannte Josephstadt, ein kleinteilig strukturiertes und verwinkeltes jüdisches Viertel in der Prager Altstadt, mit einer Trinkwasserversorgung und einer Kanalisation ausgestattet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Zugang zum jüdischen Friedhof mit jüdischer Zeremonienhalle in der Prager Josephstadt[10]

Auch alte Bürgerhäuser mussten im Zuge der Stadtmodernisierung, zu Gunsten von Mietshäusern oder neuen Straßenzügen, weichen. Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung gewann Prag bis 1900 auch immer mehr an intellektueller und kultureller Bedeutung. Viele deutsch und tschechisch sprachige Literaten, aber auch Architekten, Künstler, Komponisten und Bildhauer zogen nach Prag und prägten auf ihre Weise das kulturelle Leben der Stadt.[11]

2.2. Prag zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Mit dem Zerfall von Österreich-Ungarn gegen Ende des Ersten Weltkrieges 1918 wird Prag zur neuen Hauptstadt der Tschechoslowakischen Republik mit Regierungssitz in der Prager Burg auf dem Hradschin. Zu jener Zeit wurden aus dem Stadtbild die Mehrheit aller Monarchie-Symboliken, wie Denkmäler und Statuen, entfernt. Um 1922 kam es zur Eingemeindung von 37 weiteren Dörfern aus dem Prager Umfeld, um eine einheitliche Entwicklung des Prager Ballungsgebietes zu bewirken.

Tabelle 1 Prager Bevölkerungsentwicklung[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Sozialräumliche Übersicht zu Prag um 1930[13]

Überschattet wurde die städtische Entwicklung jedoch von der Wirtschaftskrise, die sich wiederum stark auf die Wohnungssituation in Prag ausübte. Im Innenstadtgebiet entstanden vermehrt Mietshäuser mit elektrischen Anschlüssen um den Komfortanforderungen der Zeit gerecht zu werden. Jedoch reichten diese Häuser quantitativ nicht aus, um die Nachfrage der mittleren- und oberen Gesellschaftschicht zu decken, weshalb abseits der Innenstadt zusätzlich noble Gartenstadt- und Villenviertel gebaut wurden. Für die von der Krise am meisten betroffenen Bevölkerungsschichten wurden vermehrt Einzimmerwohnungen geschaffen, damit die Bewohner sich diese leisten konnten.[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Gartenstadt in Prag 5 (2 Perspektiven)[15]

Zu dieser Zeit überschritt Prag die Marke von über eine Millionen Einwohnern. Sowohl der Staat und die Stadt selbst als auch Unternehmen und private Bauherren prägten, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Architekten der Strömungen des Konstruktivismus, Kubismus und Funktionalismus, das neugeschaffene Stadtbild durch weitreichende Modernisierungsarbeiten in der Zwischenkriegszeit. Im Zuge dieses, aus künstlerischer Sicht, florierenden architektonischen Pluralismus wurde unter anderem auch die Prager Burg zu jener Zeit saniert und der darin befindliche Veitsdom bekam sein bis heute erhaltenes neogotisches Aussehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7 Veitsdom auf dem Hradschin[16]

In der Zeit des Zweiten Weltkrieges war Prag eine der prädestinierten Zufluchtsorte für antifaschistische Exilanten, darunter viele deutschsprachige Schriftsteller und Intellektuelle.[17] Jedoch wurde Prag wie auch der Rest der Tschechoslowakischen Republik 1939 von Nazi-Deutschland besetzt, was zur rassistischen Verfolgung, Verhaftung und Deportation vieler Systemkritiker und vor allem Prager Juden sowie Sinti und Roma führte.[18] Trotz diverser Bombenangriffe auf das besetzte Prag, bei denen einige Industrieanlagen, Kloster, Synagogen und Häuser im Stadtzentrum zerstört wurden, überstand der meiste Teil der Stadt den Zweiten Weltkrieg weitestgehend unbeschadet - vermutlich auch, weil in der Stadt vergleichsweise wenige militärische Ziele vorhanden waren - bis die gesamte Stadt schließlich am 8. Mai 1945 von der Roten Armee befreit werden konnte.[19]

2.3. Prag zwischen 1945 und 1989

Durch die Machtübernahme der Kommunistischen Partei und der damit verbundenen Einführung einer Planwirtschaft begann für Prag eine neue städtebauliche Ära. Das kommunistische Regime begann anfangs mit der Enteignung ehemaligen Nazibesitzes, darunter Gebäude oder auch, von den Deutschen zu Waffenfabriken umfunktionierte, Industriebetriebe im Stadtgebiet. Im Anschluss daran gingen nach und nach der gesamte Wohnungsbau, die Wirtschaft und die Bodenpolitik in staatliche Hand über. Erneut wurde auch das Stadtgebiet in mehreren Wellen durch weitere Eingemeindungen erweitert, um genügend Ausweichfläche für das geplante Stadtwachstum und für die Ausweitung der Industrie zur Verfügung zu haben. Dem gegenüber wurde jedoch in Sachen privater Wohnraum auf eine funktionale Minimierungspolitik gesetzt.[20] In und um Prag wurden große Plattenbausiedlungen errichtet, wodurch der Staat seiner Sozialpolitik nachkam, jedem eine staatliche Mietwohnung mit niedrigen Mieten zukommen zu lassen. Sowohl die neugeschaffenen Wohnräume in den Plattenbauten als auch die Altbauwohnungen des Innenstadtgebiets, welche vom staatlichen Wohnungsbauprogramm vernachlässigt wurden, unterlagen jedoch einer Zuteilungsbehörde.[21]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8 Großwohnsiedlung in Prag 13[22]

Da auch der Handel unter staatlicher Kontrolle stand, stellten die staatlichen Großbetriebe eine zu große Konkurrenz für den kleinbetrieblichen privaten Einzelhandel dar, weshalb dieser nahezu aus dem Innenstadtbild verschwand. Sowohl im Wohnungsmarkt als auch im Handel entwickelte sich dadurch ein Schwarz- bzw. Tauschmarkt in der Bevölkerung, der durch politische Eingriffe nicht unterbunden werden konnte. Aufgrund des gestiegenen öffentlichen sowie Individualverkehrs wurde zwischen 1974 und 1990 ein U-Bahnsystem unter der Moldau hinweg errichtet und das Straßennetz um Schnellstraßen und anfängliche Züge einer Stadtautobahn erweitert.[23]

In der sozialistischen Zeit kam es auch im Bereich Wirtschaft zu einem weiteren überproportionalen Ausbau und einer vermehrten Konzentration der Betriebe. Dies bedeutete, dass viele kleinindustrielle Betriebe verdrängt wurden und die großen staatlichen Industriebetriebe, vor allem im Bereich Maschinenbau, immer mehr Beschäftigte bekamen und somit weiter in ihrer monopolistischen Stellung wuchsen. In etwa die Hälfte der Prager Bevölkerung arbeitet in den 1970er Jahren im verarbeitenden Gewerbe.[24] Aufgrund dieser anhaltenden Industrialisierung und des mangelnden Platzangebotes im Prager Innenstadtgebiet, wurden für die einzelnen Betriebe verschiedene Standorte neu geschaffen und weiter in das Außengebiet der Stadt verlegt, um gleichzeitig eine bessere Verkehrsanbindung zu schaffen. Für den Innenstadtbereich hatte die Verkehrspolitik drei Leitmotive. Einerseits sollte eine Verkehrsberuhigung mittels Parkbeschränkungen geschaffen werden. Andererseits stand die Schaffung von fußgängerfreundlichen Zonen im Vordergrund. Und Drittens sollte es eine Verlagerung von Individualverkehr auf den öffentlichen Personennahverkehr geben, verbunden mit einem Ausbau des Tram, Bus und U-Bahnnetzes. Hingegen haben in der Prager City keine sozialistischen Großbauprojekte oder speziell angelegte Schaustraßen bzw. -plätze ins Stadtbild Einzug gehalten. Trotz der vielen staatlichen Ministerien und Einrichtungen in der Prager Innenstadt blieb das städtebauliche historische Erbe weitestgehend erhalten.[25]

Tabelle 2 Entwicklung der Stadtfläche[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dem wachsenden Unmut über das sozialistische Regime machte sich unter anderem die Prager Bevölkerung Ende 1989 Luft, indem sie zu friedlichen Protesten gegen das System, der so genannten Samtenen Revolution, aufrief und dadurch einen totalen Umsturz des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herrschaftsgefüges einleitete.[27]

3. Postsozialistische Stadtentwicklung

Nach 1989 begann für alle so genannten ehemaligen Ostblockstaaten die Zeit der Transformation. Dies bedeutete unter anderem auch für die Tschechoslowakische Republik und insbesondere für deren Hauptstadt Prag einen beginnenden Prozess der Umstrukturierung.[28] In der Politik vollzog sich eine Umwandlung des kommunistischen Einparteiensystem zu einem demokratischen Mehrparteiensystem. Aber auch in der Wirtschaft galt es den Wechsel von der zentral beherrschten Planwirtschaft in eine dezentrale sich selbstregulierende Marktwirtschaft mittels geeigneter Maßnahmen zu vollbringen.[29] Dieser Umstand drückte sich auch in der Stadtentwicklung in Prag aus, da zu Beginn der 90er Jahre alle Transformationsländer von einer Anpassungsrezession betroffen waren, die sich erst in den folgenden Jahren wieder erholte.[30] Eine wichtige Antriebsfeder für die Prager Wirtschaft stellte der Massentourismus dar, der auch in den Jahren nach dem Fall des kommunistischen Regimes unaufhörlich in die Stadt strömte und somit stets für genügend Arbeitsplätze sorgte.[31] Verwaltungstechnisch wurde Prag nach 1989 in 22 neue Verwaltungsbezirke eingeteilt, denen wiederum die eigentlichen unterschiedlich großen 57 Prager Stadtteile zugeordnet wurden, welche unabhängig voreinander autonome Stadtentwicklungs-politik betreiben können.[32]

Die folgenden Abschnitte gehen systematisch auf die einzelnen Faktoren der postsozialistischen Stadtentwicklung in Prag ein.

3.1. Entindustrialisierung und Tertiärisierung

Die Struktur der Prager Wirtschaft unterlag seit dem Übergang von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft besonderen Veränderungen. Dieser Wandel ist vorrangig durch den massiven Schrumpfungsprozess innerhalb des sekundären Wirtschaftssektors zu sehen. Die industrielle Produktion, die zur Zeit des Kommunismus fortwährend an Bedeutung gewann, verlor mit der einsetzenden Privatisierung in der postsozialistischen Zeit im Vergleich zum Dienstleistungssektor relativ stark an Bedeutung. Die Beschäftigungszahlen im verarbeitenden Gewerbe sowie in der Baubranche gingen zurück, was sich auf den Prager Arbeitsmarkt auswirkte. Ein großer Teil der Beschäftigten konnte jedoch vom tertiären Wirtschaftssektor aufgefangen werden. In manchen Bereichen wurde das Arbeitskräfteangebot sogar überkompensiert, weshalb die Arbeitslosenquote in Prag verhältnismäßig niedrig blieb.[33]

Innerhalb des Dienstleistungssektors erlebte neben dem EDV-Wesen, der Telekommunikations-branche und der Rechtsberatung, vor allem der Finanzsektor einen großen Aufschwung. Da für die Restaurierung und den Wiederaufbau der städtischen Bausubstanz finanzielle Mittel benötigt wurden und die Banken eine prestigeträchtige Innenstadtlage präferierten, gehörten deren Filialen und Bürogebäude immer mehr zum Stadtbild Prags dazu. Bis zum Jahr 2000 waren im unmittelbaren Stadtkern von Prag 51 verschiedene Bankniederlassungen verzeichnet.[34]

Wegen seiner guten Dynamik lassen sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen sowie die politischen Transformationsprozesse in Bereich des Einzelhandels gut erfassen. Ein wichtiger Faktor, der den Einzelhandel wesentlich beeinflusste, war die Privatisierung des selbigen. Im Zuge der sogenannten „Kleinen Privatisierung“ zwischen 1991 und 1993 wurden anfänglich durch Direktverkäufe oder Auktionen Einzelhandelsgeschäfte veräußert.[35] Bevorzugt wurden dabei Mitglieder der ehemaligen Belegschaft sowie der Geschäftsleitung. Internationale Handelsketten hatten hierbei kaum Chancen sich durchzusetzen. Im späteren Verlauf folgte dann die „Große Privatisierung“, bei der ebenso größere Kaufhäuser entstaatlicht wurden. Darüber hinaus gab es einen Boom an Neugründungen im Einzelhandelsgewerbe, zumeist in kleineren Ladengeschäften.[36]

Auf Basis der Transformationsgesetze nach 1989 kam es zu einer Internationalisierung der Stadtwirtschaft und damit verbunden auch zu einer Liberalisierung des Außenhandels. Bis zum Jahr 1996 waren bereits über 30% der in Prag registrierten Unternehmen in ausländischem Besitz oder im Gemeinschaftsbesitz inländischer und ausländischer Unternehmer. Im Stadtkern entstanden zunehmend internationale und auf Tourismus ausgelegte Modeboutiquen, Schnellimbissketten, Supermärkte und große Einkaufszentren sowie Souvenirläden. Problematisch gestaltete sich in diesem Zusammenhang das Unterangebot an Parkmöglichkeiten und das hohe Verkehrsaufkommen durch Zulieferung in die Innenstadt. Außerdem entwickelte sich seit Mitte der 90er Jahre ein Expansionstrend der etablierten Firmen im Stadtkern, bei gleichzeitigem Rückgang von Einzelhandelsneugründungen. Da der Stadtkern auf Grund baulicher Gegebenheiten diesen Platzbedarf nicht decken konnte, verlagerten sich die Firmen auf zentrumsnahe Gebiete bzw. den Stadtrand. In den Randgebieten Prags siedelten sich somit vor allem diejenigen Unternehmen, wie Großhandelsketten, Bau- oder Möbelmärkte sowie große Supermarktketten, an, die ihrerseits von den verhältnismäßig günstigen Grundstücksmieten, den hohen Platzangebot sowie der Anbindung an beispielsweise U-Bahnstationen oder die Stadtautobahn profitierten.[37] Sowohl im Innenstadtbereich als auch am Stadtrand wurden durch den Bau von Shopping Malls Einzelhandelsflächen geschaffen, weshalb der Einfluss dieser Malls an der wirtschaftlichen Struktur der Stadt seit 1989 bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts stetig stieg, so dass sie bis zu diesem Zeitpunkt den überwiegenden Anteil an Einzelhandelsfläche in der gesamten Stadt ausmachten.[38] Der Dienstleistungssektor wuchs in der ganzen Tschechischen Republik bis zum Jahr 1999 auf 55% von Bruttoinlandsprodukt an.[39]

3.2. Wohnungsmarktsituation

Der Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft bedeutete in Prag auch für den Wohnungsmarkt eine grundlegende Umstrukturierung. Zwei wichtige und miteinander im engen Zusammenhang stehende Prozesse bildeten für diese Umstrukturierung die notwendige Basis. Einerseits implizierte eine umfassende Privatisierung eine Neuordnung für die privaten Eigentumsverhältnisse. In diesen Zusammenhang wurden beispielsweise in den Jahren 1991/92 ca. 70% des Häuserbestandes im Verwaltungsbezirk Prag 1 rückübereignet.[40] Auf der anderen Seite bewirkten Entstaatlichungsprozesse im Wohnungsmarkt eine Liberalisierung, da nun nicht mehr der Staat, sondern vorrangig der Markt für einen Ausgleich im Bezug auf Angebot, Finanzierung und Allokation von Wohnraum verantwortlich war. Insgesamt wurden mit der Privatisierung verschiedene Ziele verfolgt. Die wirtschaftliche Zielsetzung bezweckte eine Effizienzsteigerung des Wohnsektors zu erreichen. Gleichzeitig sollten dem Staatshaushalt auf diese Weise Ausgaben erspart werden, die für andere staatliche Aufgaben zur Verfügung stehen sollten. Die funktionalen Ziele der Privatisierung sahen eine Verteilung des Wohneigentums sowie der Investitionsbestrebungen vor, um den Grundstein für den kapitalistischen Markt des Wohnsektors zu legen. Die dritte Zielsetzung war normativer Art und beabsichtigte Wohneigentum, als bedeutendes soziales Gut, aus Gründen der Gerechtigkeit und Wiedergutmachung in private Hand zurückzugeben. Das letzte Ziel, welches mit der Privatisierung verfolgt wurde, war von politisch-legitimatorischer Natur und sah vor mit Hilfe der Verteilung des Wohneigentums das Partizipieren verschiedener sozialer Bevölkerungsschichten an der Gesamtwohlfahrt zu erreichen und damit den sozialen Frieden zu wahren.[41]

Nach der politischen Wende begann sich die Regierung mittels der Rückübereignung der, innerhalb der sozialistischen Zeit, verstaatlichten Immobilien zu entlasten. Sämtlicher Wohnraum, der nicht an die ehemaligen Eigentümer bzw. deren Erben zurücküberschrieben werden konnte, wurde im Zuge der Restitution an die Stadt Prag selbst oder an umliegende Kommunen im Randbereich der Stadt übereignet. Die Bestrebungen der Stadt sahen allerdings vor den Bestand an Wohnungen in städtischem Besitz auf 20% zu verringern. Mit dieser Form der Privatisierung hebt sich Prag von anderen Transformationsstädten in der postsozialistischen Zeit ab. Vor allem die mehrgeschossigen Plattenbauten der sozialistischen Zeit gingen während dieser Phase in städtischen Besitz über. Sie bildeten somit nach wie vor bevorzugte Quartiere der bürgerlichen Mittelschicht, die sich infolge ungenügender Kaufkraft kaum andere Wohnungen bezüglich Lage und Qualität leisten konnten.

Bis zu 70% der Prager Altbauten konnten im Zuge der Privatisierung zurückübertragen werden. Vor allem im innerstädtischen Bereich brachte dies jedoch auch zunehmend Verdrängungseffekte mit sich. Die Mietpreisregelungen der 90er Jahre wirkten sich in Prag nur auf Wohnräume von Inländern wirklich regulierend aus. Kommerziell genutzte Mietfläche für Ladengeschäfte oder Büros sowie Wohnungen, die an Migranten vermietet wurden, unterlagen hingegen keiner gesetzlichen Regulierung und konnten somit frei gehandelt werden. In diesem Zusammenhang waren die nunmehr privaten Vermieter bestrebt, Wohnungsmietverträge mit inländischen Mietern zu kündigen, um ihre Immobilien Ausländern oder Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise konnte eine bis zu 50-mal höhere Miete erzielt werden. Eine weitere Auswirkung der Mietregulierung besteht im Rückgang bzw. in der Stagnation von Neubautätigkeiten von Wohnungen im Stadtgebiet. Die verhältnismäßig geringen Mieten halten die potentiellen Investoren davon ab in neue Wohnimmobilien zu investieren, da in anderen Bereichen mehr Gewinn erzielt werden kann. Die wohnungsbaulichen Tätigkeiten des privatwirtschaftlichen Sektors beschränkten sich somit auf den vorstädtischen Einfamilienhausbau, den Ausbau von innerstädtischen Eigentumswohnungen sowie der Instandsetzung und Restaurierung von Gebäuden in prestigeträchtigen Lagen, wie den gründerzeitlichen Villenvierteln, dem geschichtsträchtigem Zentrum oder den einstigen Gartenstadtanlagen.[42]

Mit dem Rückgang des staatlichen Wohnungsbaus gingen auch die Instandhaltungsaktivitäten in den Plattenbausiedlungen zurück. Diese mehrgeschossigen Wohneinheiten aus der kommunistischen Zeit befinden sich ringsherum um die innenliegenden Prager Stadtgebiete. Ursprünglich sind die Wohnungen in jenen Plattenbauten an junge Menschen der bürgerlichen Mittelschicht vermietet worden. Aus diesem Grund befanden sich diese Menschen auch in der Zeit nach 1989 noch im arbeitsfähigen Alter und waren entsprechend gut ausgebildet, wenn auch die Beschäftigung zunehmend im Dienstleistungssektor stattfand.[43] Strukturell sind die einzelnen Siedlungen über die Jahre sehr unterschiedlich an das bestehende Verkehrsnetz sowie an Einzelhandelsgeschäfte oder Dienstleistungsunternehmen angebunden worden, weshalb der Verfall der Plattenbauten ebenfalls unterschiedlich voranschritt. Aufgrund der schlechten Verhältnisse im Wohnungsmarkt findet eine Abwanderung aus diesen Siedlungen, trotz teilweise mangelnder Instandhaltung, jedoch nicht im großen Stil statt, da es für die Bevölkerung mit durchschnittlichen Einkommen schwer ist, neue bezahlbare Mietwohnungen zu finden. Dadurch blieben eine Ghettoisierung dieser Wohngebiete aus und ein sozial durchmischtes Umfeld erhalten.[44]

Der Wohnungsmangel in der Nachwendezeit in Prag setzte sich somit aus mehreren Faktoren zusammen. Einerseits kam es zu einer Verdrängung von Wohnraum durch die kommerzielle Nutzung von Wohnflächen als Geschäftsräume im historischen Stadtkern.[45] Andererseits vollzog sich ein Rückgang des Wohnungsbaus sowohl auf öffentlicher als auch auf privater Seite. Auch der genossenschaftliche Wohnungsbau wurde zunehmend unattraktiv, da hierfür immer weniger Subventionen zur Verfügung gestellt wurden. Weiterhin rückten unaufhörlich Generationen neuer potentieller Mieter aus den Plattenbausiedlungen des sozialistischen Wohnungsbaus nach, die wiederum ihre Anforderungen an Wohnraum am kapitalistischen System ausrichteten. Das bedeutete, dass die Haushalte zwar kleiner wurden, da der Trend zu immer weniger Kindern pro Familie tendierte, wobei in Prag der Anteil an Singlehaushalten in der gesamten Tschechischen Republik am höchsten ist. Dennoch sollte, von Seiten der Bevölkerung her, pro Kopf mehr Wohnraum zur Verfügung stehen, der wiederum, im Vergleich zu Prags hohem Bestand an überalterter Wohnungsbausubstanz, qualitativ hochwertig renoviert sein sollte. Die Wohnungsknappheit spitze sich zum Teil soweit zu, dass es in Prag vakante Arbeitsplätze gab, die nicht vergeben werden konnten, weil es keine freien Wohnungen für die Arbeitnehmer aus den umliegenden Landesteilen gab. Dies wirkte sich rückkoppelnd auf die Wirtschaftskraft Prags aus, die somit ausgebremst wurde.[46] Abgefangen wurden die Wohnungsengpässe teilweise von den Stadtrandgebieten.

3.3. Citybildung

Im Zuge der fortschreitenden Tertiärisierung der tschechischen Wirtschaft in den 1990er Jahren, kam es auch in Prag zu einer enormen Nachfrage nach Geschäfts- und Büroflächen in Zentrumsnähe. Sowohl einheimische, aber vor allem auch ausländische Firmen suchten nach innerstädtischen Räumlichkeiten, was für die Funktionen der Prager Innenstadt verschiedene Auswirkungen hatte.[47]

Die Wohnfunktion der Prager City, im engeren Sinne, ist zunehmend abgelöst worden. Vor allem im Stadtteil „Prag 1“ auf der östlichen Seite der Moldau stieg die Konzentration an Dienstleistungs- und Einzelhandelsunternehmen auf den höchsten Wert in der gesamten Stadt an. Neben Bürogebäuden entstanden in diesem Gebiet auch Hotels, Bank- und Regierungsgebäude. Industrieanlagen oder Baulücken im Stadtbild wurden auf diese Weise durch neue Immobilien ersetzt bzw. geschlossen. Da die Mietpreisregelung nicht für gewerblich genutzte Flächen galt, stiegen die Mieten, wie auch die Grundstückspreise, in diesem Bereich um ein Vielfaches an. Dies begünstigte eine Internationalisierung des städtischen Kerns, da sich international agierende Großunternehmen einen Firmensitz in der prestigeträchtigen City eher leisten konnten. Zusammen mit dieser Entwicklung geht eine hohe Verkehrsbelastung des Innenstadtgebiets einher. Weiterhin erfolgte teilweise eine Abänderung des historischen Stadtbildes, durch Sanierung, Abriss und Neugestaltung historischer Bausubstanzen sowie den Bau von Hochhäusern im Cityerweiterungsgebiet.[48] Da die Flächen im Stadtkern Prags begrenzt sind und um der Entvölkerung der Innenstadt entgegenzuwirken, wurden die Cityfunktionen dezentral auf verschiedene Stadtteilzentren, sogenannte neue Downtowns, im Cityergänzungsgebiet verteilt. Durch die Anbindung an das bestehende U-Bahnnetz suggerierten die Stadtteilzentren Innenstadtnähe. Aufgrund der Entindustrialisierung boten die neuen Downtowns oft lukrative Standorte in mittelbarer Nähe zur City. Sowohl der Einzelhandel als auch Büros und Freizeiteinrichtungen konzertierten sich an diesen Stadtteilzentren. Auf Grund dieser Entwicklung wurden nun auch diese Gebiete für diejenigen Investoren attraktiv, die sowohl Innenstadtnähe als auch viel Platz bevorzugten. Zumal die Mieten und Grundstückspreise hier zumeist günstiger waren. Aus dem Blickwinkel der Stadtentwicklung bedeutete dieser Prozess der Vitalisierung polyzentrischer Stadtkerne für den eigentlichen Stadtkern einerseits eine Entlastung des Verkehrsnetzes und des historischen Gebäudebestands. Andererseits erhielt das Stadtzentrum auf diese Weise seine touristische Attraktivität und sein prestigeträchtiges Image mit Denkmalfunktion.[49]

[...]


[1] Roth, J. (2013), S. 59.

[2] Lüdeke, C. (2010), S. 1.

[3] Eigene Aufnahme, 2015.

[4] Vgl. Weger, T. (2011), S. 11-27.

[5] Lichtenberger, E. (1993), S. 36.

[6] Vgl. Pleticha, H./Müller, W. (2001), S. 142-144.

[7] Vgl. Lichtenberger, E. (1993), S. 34-50.

[8] Eigene Aufnahme, 2015.

[9] Vgl. Lanik, J. (1996), S. 46-55.

[10] Eigene Aufnahme, 2015.

[11] Vgl. Weger, T. (2011), S. 84-103.

[12] Eigene Darstellung in Anlehnung an * Vorauer, K. (1999), S. 2, (Schätzungen), ** Vorauer, K. (1999), S. 2, *** Lichtenberger, E. (1993), S. 97 und **** Regional Office of the Czech Statistical (2015), S. 2.

[13] Lichtenberger, E. (1993), S. 89.

[14] Vgl. Lichtenberger, E. (1993), S. 82-88.

[15] Eigene Aufnahme, 2015.

[16] Eigene Aufnahme, 2015.

[17] Vgl. Weger, T. (2011), S. 115-131.

[18] Vgl. Demetz, P. (2007), S. 35-40.

[19] Vgl. Bock, K. (2004), S. 1-3.

[20] Vgl. Posova, D./ Sykora, L. (2011), S. 185-188.

[21] Vgl. Kovacs, Z. (2000), S. 181-182.

[22] Eigene Aufnahme, 2015.

[23] Vgl. Lichtenberger, E. (1993), S. 93-103.

[24] Vgl. Schaft, F./Maier, J. (2002), S. 12-13.

[25] Vgl. Lichtenberger, E. (1993), S. 115-127.

[26] Eigene Darstellung in Anlehnung an *Vorauer, K. (1999), S. 2, (Schätzung), **Vorauer, K. (1999), S. 2, ***Regional Office of the Czech Statistical (2015), S. 2.

[27] Vgl. Schneider, E. (1994), S. 153-163.

[28] Vgl. Deckers, B. (2003), S. 22-23.

[29] Vgl. Fassmann, H. (1998), S. 15-16.

[30] Vgl. Kirelli, S. (1997), S. 164.

[31] Vgl. Seibt, F. (1997), S. 190.

[32] Vgl. Schaft, F./Maier, J. (2002), S. 15.

[33] Vgl. Sykora, L. (2005), S. 50.

[34] Vgl. Deiters, J. (2000), S. 200.

[35] Vgl. Standl, H. (1998), S. 3-4.

[36] Vgl. Kruth, O./Sandhaus, K./Stapenhorst, T. (2001), S. 35-65.

[37] Vgl. Vorauer, K. (1999), S. 6-8.

[38] Vgl. Koch, F. (2009), S. 137.

[39] Vgl. Segert, D. (2002), S. 4.

[40] Vgl. Sykora, L. (1994), S. 1156.

[41] Vgl. Steinführer, A. (2004), S. 45-47.

[42] Vgl. Vorauer, K. (1999), S. 4-5.

[43] Vgl. Sykora, L. (1999b), S. 20-21.

[44] Vgl. Sykora, L. (1999c), S. 695-698.

[45] Vgl. Sykora, L./Bouzarovski, S. (2012), S. 48.

[46] Vgl. Hamm, W. (1997), S. 86-115.

[47] Vgl. Kronabel, A./Raffel, O./Schmitz, A. (2001), S. 15-17.

[48] Vgl. ebenda, S. 19-29.

[49] Vgl. Polivka, J. (2005), S. 7-9.

Details

Seiten
32
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668090149
ISBN (Buch)
9783668090156
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310227
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Insitut für Europäische Studien
Note
1,3
Schlagworte
Prag Transformation Ostmitteleuropa Tschechische Republik Stadtentwicklung Postsozialismus Entindustrialisierung Citybildung Suburbanisierung Pankrac Budejovicka Prag 13 Smichov River City Prag Tertiärisierung

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Titel: Postsozialistische Stadtentwicklung Prags. Entindustrialisierung, Citybildung und Suburbanisierung