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Hamburg und Altona im Zeitalter der Aufklärung

Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Städte im Hinblick auf Wissenschaft, Bildung und Pädagogik und die Rolle im Entfaltungsprozess der Aufklärung

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Überblick
2.1. Soziale und politische Situation in Hamburg und Altona in der Frühen Neuzeit
2.2. Die Anfänge der Aufklärung in Hamburg und Altona

3. Das Schulwesen in Hamburg und Altona
3.1. Geschichte und Grundstrukturen der Gelehrtenschulen
3.2. Zwischen Gymnasium und Universität - das Akademische Gymnasium in Hamburg

4. Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Entfaltung der Aufklärung in Hamburg und Altona. Schwerpunkt und Ziel ist es, herauszuarbeiten, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede die beiden in mehrerlei Hinsicht konkurrierenden Nachbarstädte bezüglich Wissenschaft, Bildung und Pädagogik in der Frühen Neuzeit aufweisen und inwieweit bestimmte Institutionen und Personen dieser drei Bereiche den Entfaltungsprozess der Aufklärung beeinflussten. Hierbei wird ebenfalls das Spannungsfeld zwischen religiösen und säkularen Ansätzen, insbesondere in der Schulbildung, beleuchtet sowie Unterschiede im Hinblick auf den jeweiligen gesellschaftlichen Status der Gelehrten in Hamburg und Altona herausgearbeitet.

Zunächst wird ein grober historischer Überblick über die politische und soziale Situa- tion beider Städte in der Frühen Neuzeit gegeben. Dieser soll dazu dienen, bestimmte später genannte Aspekte mit Blick auf den Gesamtkontext verständlicher zu machen. Im Folgenden werden dann die einzelnen, für die Fragestellung maßgeblichen Institu- tionen wie die Gelehrtenschule des Johanneums (Hamburg), das Christianeum (Al- tona) sowie das Akademische Gymnasium (Hamburg) vorgestellt und unter verschie- denen Aspekten miteinander verglichen. In dem sich anschließenden Fazit werden zum einen die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst, darüber hinaus wer- den die Erkenntnisse, die aus den Vergleichen gezogen werden können, verdeutlicht und auch im Hinblick auf die spätere Entwicklung von Wissenschaft, Bildung und Pädagogik untersucht. Insbesondere über das Altonaer Christianeum ist heutzutage sehr viel bekannt, unter anderem aufgrund des sehr umfangreichen Archivs. Auch über die beiden behandelten Hamburger Schulen sowie die Aufklärungsentfaltung in beiden Städten ist die Geschichtsforschung recht weit fortgeschritten. Verwendet wurde für die Arbeit insbesondere Literatur des Hamburger Historikers Franklin Kopitzsch so- wie einige Schriften zu den jeweiligen Schulen.

2. Historischer Überblick

2.1. Soziale und politische Situation in Hamburg und Altona in der Frühen Neuzeit

Betrachtet man die Städte Hamburg und Altona in der Frühen Neuzeit, so fallen mög- licherweise zuerst die unterschiedliche politische Zugehörigkeit und der damit auch einhergehende unterschiedliche politische Status auf. Während Hamburg seit Beginn des 16. Jahrhunderts den Status der freien Reichsstadt innehatte und somit keinem Reichsfürsten, sondern direkt dem Kaiser unterstand, gehörte Altona seit 1640 zum Herzogtum Holstein und damit zum Königreich Dänemark.1 Während es in Hamburg keinen städtischen Adel und kein Patriziat gab und die Bürger und Kaufleute die Stadt- entwicklung bestimmten, waren in Altona die Landesherren anstoß- und ausschlagge- bende Kräfte.2

Eine erste bedeutende Gemeinsamkeit stellt die Tatsache dar, dass beide Städte maß- geblich durch Handel und Schifffahrt geprägt waren und die Kaufleute eine wesentli- che Rolle spielten. Hierbei entstand schon früh ein Konkurrenzverhältnis zwischen Hamburg und seiner Nachbarstadt, die ihren Namen möglicherweise durch die Mei- nung in der Bevölkerung, die Stadt läge „all to nah“ bei Hamburg, erhalten hat. Wäh- rend in Hamburg nach vielen Einteilungsversuchen der sozialen Schichten bzw. Stände die Kaufleute stets die politische und wirtschaftliche Führungsschicht bilde- ten3, zählten in Altona auch gewerbliche Unternehmer, wie etwa Zuckerfabrikanten, dazu.4 Gelehrte gehörten dagegen nach diversen Einteilungsmodellen, unter anderem von Martin Reißmann und Hans-Dieter Loose, in Hamburg, im Gegensatz zu Altona, zur Führungsschicht. Diese Tatsache führt zu wesentlichen Unterschieden beim Ent- faltungsprozess der Aufklärung beider Städte.

Schon im 16. und 17. Jahrhundert zeigte sich Altona trotz seiner starken lutherischen Prägung als außerordentlich tolerant gegenüber nichtlutherischen religiösen Minder- heiten, was als eine Art Alleinstellungsmerkmal galt und wesentlichen Einfluss auf Hamburg ausübte, bei der Aufnahme Fremder (Reformierte, Katholiken, Juden etc.) größere Zugeständnisse zu machen und die genannten Minderheiten einzulassen.

2.2. Die Anfänge der Aufklärung in Hamburg und Altona

Sowohl in Hamburg als auch in Altona liegen die Anfänge der Aufklärung im ausgehenden 17. Jahrhundert. In beiden Städten entstanden Presse- und Theater- wesen, die es ermöglichten, aufklärerisch-fortschrittliche Gedanken einer Öf- fentlichkeit zugänglich zu machen. Noch stärker bzw. eindeutiger als Hamburg war Altona in den Anfängen der Aufklärung jedoch noch von Handel, Schiff- fahrt und Gewerbe geprägt, es gab kein Opernhaus als Anziehungspunkt für Au- toren, der Juristenstand, der in Hamburg recht groß war und in dem geistige In- teressen eine Rolle spielten, war in Altona vergleichsweise klein, ebenso der Kreis der selbstständig tätigen Akademiker; darüber hinaus fehlten Stätten der Gelehrsamkeit und Bildung.5 Das Pressewesen entwickelte sich in beiden Städ- ten im ausgehenden 17. Jahrhundert, was Altona, trotz der oben genannten Un- terschiede zur großen Nachbarstadt Hamburg, für den Hamburger Historiker Franklin Kopitzsch zum „Einfallstor“ der Aufklärung in Schleswig-Holstein, „neben und vor Kiel“ machte.

Durch die Herausbildung von Öffentlichkeit und Freizeit sowie unter anderem durch die Ende des 17. Jahrhunderts erbauten Kaffeehäuser, die für einen vergleichsweise großen Teil der Bevölkerung zum Ort des kritischen Diskurses wurden,6 wurde in Hamburg das von Jürgen Habermas benannte „öffentliche Räsonnement“7 zum neuen Medium.

3. Das Schulwesen in Hamburg und Altona

3.1. Geschichte und Grundstrukturen der Gelehrtenschulen

Ähnlich wie in anderen großen Städten Deutschlands war die Reformation in Hamburg, die nicht nur konfessionelle, sondern auch politische, soziale und wirtschaftliche Veränderungen mit sich brachte, ein wichtiger Wendepunkt hin- sichtlich der Neugründung und Neuordnung des Schul- und Bildungswesens. Dabei waren die inhaltlichen Veränderungen das Ergebnis einer seit Beginn des 16. Jahrhunderts sich stetig verbreitenden humanistischen Wissenschaftskon- zeption.8 So wurde im Zuge der neuen Kirchenordnung von Johannes Bugenha- gen 1529 die Gelehrtenschule des Johanneums gegründet. Die Festschrift zum 400-jährigen Jubiläum „Hamburg und sein Johanneum im Wandel der Jahrhun- derte 1529-1929“9 gibt einen recht eindrücklichen Einblick in das Unterrichts- geschehen und die vorherrschenden Strukturen und Prinzipien der Hamburger Gelehrtenschule in der Frühen Neuzeit. Deutlich wird der hohe Stellenwert der lateinischen Sprache, unter anderem zum Verständnis der klassischen Literatur der römischen Antike, wie etwa Terenz, Plautus, Vergil, Ovid oder Cicero. Zum Verständnis des Neuen Testaments wurde Griechisch gelehrt.10 Aus den Be- schreibungen Kelters geht hervor, dass das Geistliche, zumindest im 16. Jahr- hundert, im Johanneum noch im Vordergrund stand. Das alte kirchliche System sowie die scholastische Philosophie und Theologie waren zwar verhasst, den- noch blieb die Schule dem aufkommenden italienischen Humanismus noch län- ger fern. Bemerkenswert ist diesbezüglich Kelters folgende Charakterisierung der Lehrer: „Denn auch die an [der Gelehrtenschule des Johanneums] lehrten waren ja Kinder und Diener der Kirche, Männer, die den Schuldienst nur als lästiges Durchgangsstadium betrachteten und sich freuten, wenn sie das Kathe- der mit der Kanzel einer einträglichen Pfarre vertauschen konnten.“11. Dennoch wird in einem der Grundprinzipien der Gelehrtenschule ein wichtiger aufkläre- rischer Gedanke sehr deutlich erkennbar: Es gab das Bestreben, möglichst viele Bürgerkinder in die unterste Klasse der Lateinschule aufzunehmen, da es auch Handwerkern und anderen Menschen, die einen praktischen Beruf ausübten „freilich nie schadet, auch einmal einen Hauch wissenschaftlichen Geistes ver- spürt zu haben“.12 Es geht aus dem Text jedoch auch hervor, dass eine strenge Selektion stattfand. Der Abgang nicht Befähigter erfolgte auf Rat des Rektors mit zwölf Jahren, jene Schüler, die sich in erster Linie für praktische Berufe eig- neten, verließen die Schule mit sechzehn Jahren. Nur die besten Schüler sollten zum Studium zugelassen werden, „in den Künsten, wozu sie geneigt sind“.13 Der

[...]


1 Kopitzsch, Franklin: Grundzüge einer Sozialgeschichte der Aufklärung in Hamburg und Altona. In: Bei- träge zur Geschichte Hamburgs hg. vom Verein für Hamburgische Geschichte, Band 21, Hamburg 1990, Seite 219.

2 Vgl. dazu: Kopitzsch, Seite 217.

3 Kopitzsch, Seite 188-190.

4 Kopitzsch, Seite 228.

5 Vgl. dazu Kopitzsch: Seite 713.

6 Kopitzsch, Franklin: Zwischen Hauptrezeß und Franzosenzeit 1712-1806. Geistiger Aufbruch. Die Aufklärung, in: Hamburg. Die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner, hg. von Werner Jochmann und Hans-Dieter Loose, Hamburg 1982, Seite 378.

7 Habermas, Jürgen: Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft (Sammlung Luchterhand, Bd. 25), Darmstadt/Neuwied 1979, Seite 42.

8 Meyn, Boris: Die Entwicklungsgeschichte des Hamburger Schulbaus, (Schriften zur Kulturwissenschaft, Bd. 18), Hamburg 1998, Seite 14.

9 Kelter, Edmund: Hamburg und sein Johanneum im Wandel der Jahrhunderte 1529-1929. Ein Beitrag zur Geschichte unserer Vaterstadt, Hamburg 1928, Seite 13-18.

10 Kelter, Seite 14.

11 Kelter, Seite 15.

12 Kelter, Seite 17.

13 Kelter, Seite 17.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668083899
ISBN (Buch)
9783668083905
Dateigröße
641 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310092
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Hamburg Altona Aufklärung Geschichte Deutschland Europa Bildung Wissenschaft Pädagogik

Autor

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