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Kurze Geschichte Kroatiens (Croatia, Hrvatska)

Essay 2015 10 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Kurze Geschichte Kroatiens (Croatia, Hrvatska)

König Tomislav (ca. 910-928) gilt als erster kroatischer Herrscher, er schlug ein von Norden vorrückendes ungarisches Heer zurück und fügte den nach Kroatien eingedrungenen Truppen des bulgarischen Zaren Simeon eine schwere Niederlage zu. Dadurch festigte er seine Macht und auch der Papst nannte ihn „rex“, so wurde er 925auf einer feierlichen Versammlung in der Ebene von Duvno zum König gekrönt.

Die Christianisierung Kroatiens hatte schon um 800 begonnen, sowohl vom Frankenreich als auch von den dalmatinischen Küstenstädten ausgehend. Das erste Bistum auf kroatischem Boden wurde in Nin (nordwestlich von Zadar) unter Fürst Trpimir (845-864) gegründet. Das führte zur Verfestigung der kirchlichen Organisation, sodass Kroatien eine gewisse Selbständigkeit in geistlichen Angelegenheiten gewann. Deshalb ließ sich 866 der amtierende Niner Bischof Theodosius als Patriarch von Aquileia zugleich zum Erzbischof von Split weihen. Erst auf den Synoden von Split 925-928 wurde die Bildung einer von Rom abhängigen Kirchenprovinz beschlossen unter Teilnahme von 2 Legaten von Papst Johannes X., des Königs Tomislav und des Fürsten Michael von Zahumlje, dessen Land in die Kirchenprovinz mit eingeschlossen wurde. Während Dalmatien früher dem Patriarchen von Konstantinopel unterstand, gab jetzt Byzanz seine Zustimmung für eine Unterstellung unter Rom. Und Split wurde Metropole der Kirchenprovinz und Erzbistum.

Der spätere kroatische König Demetrius Zvonimir (1074-1089) unternahm zur Legitimierung seiner Herrschaft einen weiteren Schritt der Integration Kroatiens in die westkirchlichen Strukturen. Er wurde 1075 zum König von Dalmatien und Kroatien durch Papst Gregor VII. (1073-1085) gekrönt. Der Papst sah sich schon als Sieger des damaligen Investiturstreites, der es dem Papst erlauben sollte auch Könige ein- und abzusetzen, d.h. die Einheit von Kirche und Welt unter päpstliche Führung zu bringen. Der Lehnseid des Königs Zvonimir erwies sich auch als strenge Auflage christlicher Disziplinierung. Insgesamt hat diese Krönung jedoch zur Stärkung und Festigung der römisch-katholischen westlich orientierten Kultur in Kroatien beigetragen. Die Venezianer eroberten bald darauf die Städte an der Adriaküste für ihren Levantehandel. Die Kommunenbildung an der Adriaküste hatte die unmittelbarsten Gemeinsamkeiten mit den Städten Oberitaliens. Ziel der Kommunen war Friedens- und Rechtssicherung nach innen und Sicherheitsgewährung nach außen durch massive Festungsanlagen. Die Dominikaner errichteten 1396 ein „studium theologiae“ in Zadar in ihrem Kloster, aus dem 1495 das „studium generale“ für Theologie und Philosophie wurde, welches als Anfang der Universitätsgeschichte Kroatiens gilt.

Die Verflechtung kroatischer und ungarischer Geschichte setzte im 11. Jh. ein, als Reitervölker aus dem Steppenraum wie Hunnen (5. Jh.) und Awaren (6.-8. Jh.) in der pannonischen Ebene sesshaft geworden waren. Der ungarische König Ladislaus I. (1077-95) schloß die sogenannte „Pacta conventa“ mit 12 kroatischen Adelsfamilien ab, die dadurch weitestgehende Befreiung von Verpflichtungen gegenüber dem ungarischen Herrscher erhielten. Sein Nachfolger Koloman (1095-1114) wurde, nachdem er den kroatischen Adel für sich gewonnen hatte, 1102 zum kroatischen König in Biograd bei Zadar gekrönt. Das war der Gründungsakt der bis 1918 erhaltenen ungarisch-kroatischen Personalunion. Die politischen Verbindungen zwischen Kroatien-Dalmatien und Slawonien wurden im 13. Jh. enger, da häufig ein Sohn oder Bruder des ungarischen Königs die Herrschaft als „dux“ (Herzog) über beide Territorien ausübte. Seit dem 14. Jh. wurde immer öfter der Ban (Statthalter) für Kroatien, Dalmatien und Slawonien in einer Person vereinigt. Ab 1476 wurde die Ämterverbindung festgeschrieben. Durch den Sieg des ungarisch-kroatischen Königs Ludwig von Anjou 1358 (Frieden von Zadar) gegen die Venezianer wurde auch Dubrovnik in den ungarisch-kroatischen Herrschaftsverband gebracht. Ladislaus von Neapel wurde 1403 in Zadar zum ungarisch-kroatischer König gekrönt. Doch konnte er seinen Herrschaftsanspruch gegen die Machtbestrebungen König Sigismunds nicht durchsetzen und verkaufte 1409 gegen 100 000 Dukaten die ihn noch anerkennenden Gebiete an der Küste an Venedig und auch sämtliche Rechte auf Dalmatien. Bis 1420 gelangte nun fast die gesamte Küste wieder in venezianischen Besitz, dazu die Bucht von Kotor, das später so genannte „Venezianisch Albanien“. Die venezianische Herrschaft über die Städte der Adriaküste blieb bis 1797 unangetastet. Seit 1400 bezeichnete sich Dubrovnik als Republik. Als Symbol der Stadtfreiheit diente die 1419 vor der Stadtkirche St. Blasius errichtete Rolandsäule, der Orlando. Die aristokratische spätmittelalterliche Verfassungsform, die sich auf einen geschlossenen Kreis von Patrizierfamilien stützte, blieb bis 1808 unverändert erhalten. Dubrovnik erreichte jetzt den Höhepunkt seiner Macht als Vermittlerin in Handel und Politik zwischen Osmanischem Reich und den christlichen Mächten. Es musste jedoch bis 1526 an den ungarisch-roatischen König und seit 1458 an den türkischen Sultan einen jährlichen Tribut entrichten. 1667 wurde es durch ein Erdbeben stark zerstört, danach folgte für das 17. und 18. Jh. eine Zeit der Stagnation.

Am 31. Januar 1808 hat Napoleons Marschall Marmont die freie Republik Dubrovnik aufgehoben und sie kam vorübergehend unter französische Herrschaft.

Im nördlichen Küstengebiet Kroatiens trifft man auf eine Sonderstellung der europäischen Schriftkultur, die Glagoliza (die serbokroatische glagolitische Schrift). Die älteste von Kyrill und Method vor 862 geschaffene kirchenslawische Schrift, in der die Mehrzahl der ältesten altkirchenslawischen Sprachdenkmäler geschrieben sind. Sie wurde seit dem 10.Jh. von der offizielleren Kyrilliza zurückgedrängt. Blieb aber in Küstenkroatien und auf den dalmatinischen Inseln bis ins 20.Jh. im Kirchendienst in Gebrauch. In Kroatien erfolgten die Korrespondenzen der bäuerlichen Gemeinden mit den Grundherren und Behörden in Laienschrift auf Kroatisch, der Schriftverkehr zwischen Grundherren der kroatischen und ungarischen Landesbehörden auf Lateinisch und die Behörden der Militärgrenze schrieben auf Deutsch.

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Details

Seiten
10
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668085473
ISBN (Buch)
9783668085480
Dateigröße
992 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310073
Note
Schlagworte
Kroatien Tito Mittelalter Neuzeit Geschichte

Autor

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