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Rassismus in Kinderbüchern

Bachelorarbeit 2014 56 Seiten

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Terminologie
2.1 Neger, Farbige, Schwarze
2.2 Afrodeutsche, Schwarze Deutsche, People of Color

3. Rassismus
3.1 Zum Begriff des Rassismus
3.2 Unterscheidungsformen von Rassismus
3.2.1 Direkter und Indirekter Rassismus
3.2.2 Personaler und Struktureller Rassismus
3.3 Gegensatzkonstruktion: Schwarzer Rassismus und Weiße Toleranz
3.4 Kritisches Weißsein

4. Rassismus in Kinderbüchern anhand exemplarisch gewählter Beispiele
4.1 Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren
4.1.1 Allgemeines
4.1.2 Rassistische Ausdrücke und ihre Verwendung
4.1.3 Kritische Analyse mithilfe des Kriterienkatalogs
4.2 Weiterführende Beispiele: Die kleine Hexe und Jim Knopf
4.2.1 Die kleine Hex e von Otfried Preußler
4.2.2 Jim Knopf von Michael Ende

5. Pädagogischer Umgang mit Kinderbüchern
5.1 Interkulturelle Erziehung
5.2 Rassismus in Kinderbüchern als kolonialrassistische Vorstellungen
5.3 Diskussion zu der rassistischen Sprache in Kinderbüchern

6. Literaturverzeichnis

Rassismus in Kinderbüchern

1. Einleitung

Der schwarze Kontinent, schwarz wie die Nacht, schwarz fahren, schwarzer Peter, schwarzer Tag und schwarzer Mann sind Redewendungen, die man alltäglich gebraucht. Aber sind diese nicht in ihren Grundzügen rassistisch? Oder sieht man deswegen gleich alles schwarz ? Sind wir Weißen bei der Thematik Rassismus schuldig gegenüber andersfarbigen Menschen? Haben wir Europäer und Europäerinnen wirklich eine weiße Weste an?

Fragt man nach ‚Assoziationen‘ zur Farbe schwarz, findet man: >dunkel<, >Nacht<, >böse<, >Afrika< (als schwarzer Kontinent), >Tod<, >Trauer<, >geheimnisvoll< und >gefährlich<. Gegenüber diesem steht die Frage nach ‚Assoziationen‘ zur Farbe weiß, so findet man: >Schnee<, >Winter<, >hell<, >Frieden<, >Freude<, >Hochzeit<, >Reinheit<, >Hoffnung< und >Unschuld<. Das Ziel dieser Arbeit ist es, Ausdrücke und ‚Assoziationen‘, die aufgrund der Hautfarbe erscheinen, zu hinterfragen. Der besondere Schwerpunkt liegt auf dem Rassismus in Kinderbüchern, vordergründig die Bände von Astrid Lindgren über Pippi Langstrumpf. In vielen Kinder- und Jugendbüchern findet man eine Vielzahl von rassistischen und diskriminierenden Äußerungen, die beim ersten Lesen nicht wahrgenommen werden. Liest man einen Text oder ein Buch innerhalb des Blickwinkels einer betroffenen Person, wie z. B. einer Dunkelhäutigen oder einem Dunkelhäutigen, sieht man bestimmte Äußerungen in einem anderen Licht. In der Zeit des Sprachwandels ist es wichtig, besonders aufmerksam zu sein, dass man bei der Verwendung der Sprache nicht in einen passiven Prozess verfällt. Die Erkenntnis, was einzelne Lexeme, und nicht nur Worte in einer zusammenhängenden sprachlichen Äußerung, alles beeinflussen können, ist dabei nämlich nicht ersichtlich. Es soll an dieser Stelle ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, sensibel auf rassistische Ausdrücke zu reagieren, diese anschließend zu analysieren und zu hinterfragen, ganz gleich zu welcher Meinung man letztlich kommt.

In dieser Arbeit wird zuerst die Terminologie, in der eine Auswahl der vielseitigen Ausdrücke, die für dunkelhäutige Menschen verwendet werden, aufgezeigt. Anschließend wird der Rassismus in seiner Struktur und seinen Unterscheidungsformen, sowie die Gegensatzkonstruktion Weiß- und Schwarzsein thematisiert; daraus resultiert eine Analyse zu dem kritischen Umgang des Weißseins. Es folgt die Analyse der Bücher Pippi Langstrumpf mit allen drei Bänden als Schwerpunkt. Schließlich folgt eine knappe Analyse zu den Kinderbüchern Die kleine Hexe und Jim Knopf, um weitere Beispiele für diese Thematik anzureißen. Diese Bücher bilden eine Grundlage für die Überprüfung der rassistischen Ausdrücke anhand eines selbsterstellten Kriterienkatalogs. Abschließend wird die Verwendung dieser Ausdrücke im pädagogischen Kontext erörtert und diskutiert. Eine Stellungnahme meinerseits rundet die Arbeit ab.

2. Terminologie

2.1 Neger, Farbige, Schwarze

Das Lexem Neger [1] geht auf lateinisch niger, spanisch und portugiesisch negro und französisch nègre zurück, was alles so viel heißt wie >schwarz<[2]. Der Begriff stammt aus der Zeit des Sklavenhandels, tauchte in Deutschland Anfang des 17. Jahrhunderts auf und bürgerte sich im darauffolgenden Jahrhundert, in der Zeit des Rassismus, ein. N* bezeichnet >schwarze Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und auch anderen identitätsprägenden Aspekten<.

Im 19. Jahrhundert erlangte das N-Wort mit dem „Aufkommen des europäischen Imperialismus und dem ‚wissenschaftlichen‘ Rassismus […] eine weite Verbreitung, sowohl in der Gelehrten- als auch in der Alltagssprache.“[3] Durch die moderne Rassentheorie kam N* auch in die deutsche Sprache, dient aber heute im Wesentlichen der Vulgär- und Umgangssprache. Dabei werden dem N * häufig bestimmte Eigenschaften, wie >naturnah<, >wenig intelligent<, >impulsiv< und >wild< zugesprochen. Diese Ansichten wurden in den Zeiten des Faschismus und des Zweiten Weltkrieges als Grundlage genommen, um die schwarzen Menschen als eine minderwertige Rasse zwangszusterilisieren und letztlich zu ermorden.[4]

Dabei werden vermeintlich die geistigen und kulturellen Eigenschaften mit den körperlichen Merkmalen verbunden, sodass die Sklaverei und der Kolonialismus ein einheitliches Denkmuster schafften, das die Hierarchien der Zeit bestimmte. Das N-Wort wird trotz des semantischen Gehalts grundsätzlich als Schimpfwort benutzt oder in negativ konfrontierten Zusammenhängen mit einer abwertenden Funktion aufgegriffen. Auch heute gibt es noch einzelne Vermerke wie z. B. im Duden zu dem N-Wort. Dort heißt es, das N-Wort „wird häufig als diskriminierend empfunden“ (Duden 2012, 880). Diese Erklärungen sind in der Literatur größtenteils sehr vage formuliert. So bleibt es nicht aus, dass bei der Benutzung des Wortes eine Abwertung bestehen bleibt, sodass die Erklärung eindeutig an Gehalt verliert.

Psychologisch gesehen werden mit dem Ausdruck des N* eine Vielzahl von stereotypischen, eurozentrischen und rassistischen Projektionen verbunden. So seien die N* z. B. den Weißen unterlegen (Inferiorität), schwach und werden als Opfer dargestellt (Viktimisierung) oder zum Kind gemacht (Infantilisierung). Außerdem werden sie in ihrer Sexualität übertrieben aufgezeigt (Triebhaftigkeit und Naturhaftigkeit) und ihre Kultur sowie der Beitrag Afrikas zur Zivilisation wird geleugnet (Kulturlosigkeit).[5] Auf diese Aspekte wird in der Unterscheidung der Formen von Rassismus noch näher eingegangen.[6]

Das Lexem Farbige kommt aus dem neuhochdeutschen farbicht und wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Anlehnung an das englische coloured auf Menschen angewendet. Dieser Ausdruck wurde besonders 1950/60 ins Leben gerufen, damit die rassistische Bezeichnung N* ersetzt werden konnte. Semantisch wird dieser Ausdruck nur auf ein einziges Kriterium, nämlich die Hautfarbe, reduziert, aber dennoch spielt er in der kulturellen und sozialen Konstruktion ein Anderssein wider. Dabei wird eine Abwertung unabdinglich mittransportiert (vgl. Arndt & Ofuatey-Alazard 2011, 18).

Anders ist es heute mit dem Ausdruck Schwarze, denn „ ‚Schwarz‘ ist die politisch korrekte und vor allem selbstgewählte Bezeichnung für Schwarze Menschen.“ (Arndt & Ofuatey-Alazard 2011, 608.) Weltweit hat sich dabei der englische Ausdruck Black als Bezeichnung durchgesetzt. Dieser bezieht sich sehr stark auf die Hautfarbe, semantisch meint er aber, da „Menschen im Kontext von Rassismus und Sozialisation zu Schwarzen gemacht werden. Um diese Ebene der kulturellen und sozialen Identität zu markieren, wird Black – ebenso wie der deutsche Analogiebegriff Schwarze – auch in adjektivischer Bedeutung groß geschrieben.“ (Ebd.)

Dennoch ist auch dieser Ausdruck in bestimmten Punkten kritisch anzusehen, denn es gibt einen wesentlichen Unterschied, wie man sich selbst bezeichnet oder wie man genannt wird. Denn Schwarz zu sein ist dabei keine Eigenschaft, sondern auch eine gesellschaftliche Position. Die Selbstbenennung Schwarz [7] ist als ein bestimmter gemeinsamer angelegter Erfahrungshorizont in einer weißdominierten Gesellschaft anzusehen. Denn Weiße können nicht bestimmen, wer Schwarz ist und wer nicht. Auf die Initiative von Kritikern und Organisationen, die Menschenrechte vertreten, entwickelten sich Afrodeutsche, Schwarze Deutsche und People of Color als Alternative (vgl. ebd.).

2.2 Afrodeutsche, Schwarze Deutsche, People of Color

1984 wurde in Berlin der Ausdruck afrodeutsch von der karibisch-afrikanischen-amerikanischen Aktivistin Audre Lorde[8] entwickelt. Er entstand in Anlehnung an den Begriff afroamerikanisch und kennzeichnet dabei die afrikanische Herkunft, die Sozialisation und die geschichtliche Zugehörigkeit Schwarzer Menschen in der deutschen Gesellschaft. Die Einführung dieses Ausdrucks führt zu einer Normalisierung des Weißseins, sodass zahlreiche Bewegungen von Schwarzen Aktivisten und Aktivistinnen gegen diese negativ besetzten Termini und Wörter kämpften. Sie forderten die Begründung eines neuen kollektiven Selbstverständnisses Schwarzer Subjekte.

Afrodeutsch hieß zunächst jemand, dessen Elternteile aus einem afrikanisch oder afrikanisch-amerikanischen Part und einem deutschen, weißen [9] Part bestand. Jedoch nahm anschließend die Zahl von Schwarzen Kindern mit zwei afrodeutschen oder zwei Schwarzen Elternteilen zu, sodass eine Bedeutungsverschiebung von dem Ausdruck des Afrodeutschen in die Bezeichnung zu Schwarze Deutsche begann. Demnach ist feststellbar, dass „‚Afrodeutsch‘ als Begriff die Paradoxie [birgt], zugleich Bezug auf (kritische) Differenz wie auch auf Gleichheit bzw. vielmehr Geteiltes (Commonality) [nimmt].“ (Arndt & Ofuatey-Alazard 2011, 578.)

Diese kritische Differenzpositionierung und die organisierte Schwarze Bewegung sollen den Mythos, dass Deutschsein und Schwarzsein sich gegenseitig ausschließt, angreifen und destabilisieren. Somit sollen konkrete Schwarze Subjekte als Mitglieder der deutschen Gegenwart gefördert werden (vgl. ebd.). Wie bereits erwähnt, entwickelte sich mit dem Ausdruck Afrodeutsch in den 1980er Jahren die Bezeichnung Schwarze Deutsche, woraufhin beide Termini in einem herrschenden weißen Referenzsystem eine spezifische Schwarze, deutsche Anwesenheit deutlich machten. Die vermeintliche Kongruenz von Weißsein und Deutschsein wird hierdurch gebrochen. Trotz ihres häufig synonymischen Gebrauchs, sind beide Begriffe nicht identisch zu betrachten.

Die People of Color – Politik als eine Identitätspolitik beruht auf der Gleichzeitigkeit von Identität und Differenz. Historisch geprägt haben sich verschiedene Rassismen herausgebildet, die zum Teil auch sehr unterschiedlich funktionieren. Demnach sehen die People of Color [10] eine minorisierte Positionsbestimmung vor und entziehen sich dabei jeglicher Vereinheitlichung. Der Vorteil dieser Identitätspolitik ist, dass sie strukturell selbstreflexiv und multiperspektivisch angelegt ist, und sich ihr somit alle PoC, gleichgültig aus welchen historischen oder kulturellen Kontexten sie stammen, dort einordnen können.

„Als politisches Konzept, das ohne Bezug auf Kultur und ‚ethnische‘ Zugehörigkeit auskommt, ist People of Color – Politik dazu geeignet, eine diskursive Lücke zu schließen, in die bisher viele derjenigen hineingefallen waren, die sich weder als Schwarzen Organisationen und Migrant_innen-Communities zugehörig fühlten.“ (Arndt & Ofuatey-Alazard 2011, 606.)

Dennoch ist zu beachten, dass jede Form der Identitätspolitik die Gefahr mit sich bringt, neue Leerstellen und Ausschlüsse zu produzieren. Denn es wird immer Personen geben, die ihre spezifischen Erfahrungen darin nicht repräsentiert finden. Demnach ist der Gedanke der entfernten Verbindungen sowie die gegenseitige Annäherung an diese präsenter denn je (vgl. ebd., 578). In dieser Arbeit wird nun im Folgenden der Begriff People of Color verwendet, da dieser eine allgemeine Einordnung aller Menschen, ungleich ihrer Kultur, Zugehörigkeit und Herkunft, mit einer farbigen Hautfarbe am ehesten zulässt. Ist dieser Begriff in dem erscheinenden Kontext nicht möglich, wird auf die politisch korrekte Form Schwarze Menschen (Black) zurückgegriffen, die jedoch, wie bereits erwähnt, keineswegs unkritisch erscheint.

3. Rassismus

3.1 Zum Begriff des Rassismus

Rassismus definiert sich nach dem deutschen Duden als eine

„(meist ideologischen Charakter tragende, zur Rechtfertigung von Rassendiskriminierung, Kolonialismus o. Ä. entwickelte) Lehre, Theorie, nach der Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen mit bestimmten biologischen Merkmalen hinsichtlich ihrer kulturellen Leistungsfähigkeit anderen von Natur aus über- bzw. unterlegen sein sollen.“[11]

Dabei wird dem Rassismus eine „entsprechende Einstellung, Denk- und Handlungsweise gegenüber Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen mit bestimmten biologischen Merkmalen“ zugeschrieben.[12]

Albert Memmi, ein französischer Soziologe, betrachtet den Rassismus, wie weitere Theoretiker, als ein gesellschaftliches Verhältnis, wobei er besonders das Kolonialverhältnis im Auge hat. Der Rassismus umfasst bei ihm immer die gelebte Erfahrung, bei der die gesellschaftliche Kategorisierung jedermanns Wahrnehmung bestimmt. So lautet seine Kurzdefinition:

„Der Rassismus besteht in der Hervorhebung von Unterschieden, in einer Wertung dieser Unterschiede und schließlich im Gebrauch dieser Wertung im Interesse und zugunsten des Anklägers.“ (Memmi 1992, 103.)

Darüber hinaus postuliert er:

„Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.“ (Ebd.)

Diese Ansicht von Memmi beschränkt sich dabei nicht auf rassenbiologisch begründete Rassismen, sondern stützen sich auf die Aussage, dass die „rassistische Anklage bald auf einen biologischen und bald auf einen kulturellen Unterschied [basieren]. Einmal geht sie von der Biologie, dann wieder von der Kultur aus, um daran anschließend allgemeine Rückschlüsse auf die Gesamtheit der Persönlichkeit, des Lebens und der Gruppe des Beschuldigten zu ziehen.“ (Ebd., 165f.)

Memmi betrachtet drei Elemente, denen auch in der aktuellen Rassismus-Forschung eine zentrale Bedeutung zukommt. Jedoch sei hervorzuheben, dass keines dieser Elemente für sich allein schon den Rassismus ausmache. Denn dieser entstehe erst durch die Verknüpfung (vgl. ebd., 44.)

Zumal als erstes Element die Differenz mit einer (Über-)Betonung oder Konstruktion tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zwischen Rassist und Opfer besteht. Die Benutzung des Unterschiedes sei zwar für die rassistische Argumentation unentbehrlich, „aber es ist nicht der Unterschied, der stets den Rassismus nach sich zieht, es ist vielmehr der Rassismus, der sich den Unterschied zunutze macht.“ (Ebd., 167.) Gleichgültig, ob der Unterschied dabei real oder reine Fiktion sei, für sich allein wichtig oder unbedeutend. „Wenn es keinen Unterschied gibt, dann wird er vom Rassisten erfunden; gibt es ihn hingegen, dann wird er von ihm zu seinem Vorteil interpretiert.“ (Ebd.)

Des Weiteren besteht die Wertung durch das bloße Aufzeigen einer Verschiedenheit zwischen zwei Individuen. Auch die Verwendung dieser Gegebenheit von der einen gegen die andere Seite spielt dabei eine Rolle. Die Hervorhebung von tatsächlichen oder eben auch eingebildeten Unterschieden ist für Memmi (1992, 98f.) ein „bequemes Werkzeug für etwas ganz anderes, nämlich die Infragestellung des Opfers.“ Als Konsequenz ergibt sich also, dass die Merkmale des anderen stets immer nur negativ zu betrachten sind, während die Merkmale des Rassisten immer nur positiv sind. So beschreibt er, dass „Der Rassist liebenswert [ist], weil sein Opfer verabscheuungswürdig ist. Die Welt des Rassisten ist die des Guten, die Welt seines Opfers die des Bösen.“ (Memmi 1992, 98f.)

Letztes Element ist die Verallgemeinerung, welche in zweifacher Hinsicht definiert wird. Einerseits drückt sie eine >Entindividualisierung< oder auch >Entpersönlichung< aus, die sowohl mit einer sogenannten Entmenschlichung einhergeht. Andererseits umfasst sie eine >Verabsolutierung< oder >Verewiglichung< (vgl. ebd., 114). Dabei wird das Individuum nicht mehr für sich betrachtet, sondern als Mitglied einer Gruppe. In dieser Gruppe gehen die persönlichen Eigenschaften verloren, sodass die Person entindividualisiert wird. Mit dem darauf entstehenden Verlust der Individualität geht ein heftiger Rückschlag der persönlichen und menschlichen Rechte und Würde einher. Der Mensch wird dabei nicht mehr differenziert betrachtet, sondern auf die Merkmale einer pseudoverwandtschaftlichen Gruppe beschränkt. Gleichzeitig findet eine Verurteilung aufgrund eines kollektiven Makels statt. Die zeitliche Unbegrenztheit der Beschuldigungen ist ebenfalls ein weiterführender Gedanke in diesem Element. Der Rassist möchte eine Endgültigkeit schaffen, damit die Ordnung der Dinge keinesfalls gefährdet ist (vgl. ebd.).

Nach Auernheimer sind Äußerungsformen des Rassismus einerseits „abwertender, oft völlig unreflektierter Sprachgebrauch, andererseits Gewaltakte wie Anschläge auf Asylbewerberheime.“[13] Des Weiteren beschreibt er, dass Rassismus „Machtungleicheit voraus [setzt] und ein strukturelles Gewaltverhältnis [impliziert].“[14] Das heißt, dass die rassistischen Zuschreibungen immer aus einer stärkeren Position erfolgen und auch dann sozial wirksam werden, wenn die Betroffenen leiden.

Als Gegenkonzept zum Rassismus versteht man den Antirassismus. Dieser soll den Rassismus beseitigen und mit seinen Zielen der Freiheit und Gleichberechtigung aller Menschen, ein Leben ohne Diskriminierung und Apartheid schaffen. Es gibt verschiedene Formen des Antirassismus, die auf unterschiedlichen Argumentationssträngen basieren. Eine ausführliche Erläuterung aller, würde an dieser Stelle zu weit führen. Wichtig für die weitere Arbeit sind aber vor allem drei Ansätze:

1) Der Interkulturelle Ansatz, dieser meint die Zunahme des gemeinsamen Lebens von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft.
2) Der Anti-imperialistische Ansatz, der sich mit den Auswirkungen von Imperialismus und Kolonialismus, der besonders in den Kinderbüchern aufgezeigt wird, befasst.
3) Der Autonome Ansatz, der erhebliche Kritik an Staat und Herrschaft von gesellschaftlichen institutionalisierten Formen des Rassismus ausübt, denn auch in vielen Schul-, Kinder- und Jugendbüchern sowie in den Medien, Rechten und Gesetzen sind Diskriminierungen und Rassismus wiederzufinden (vgl. Rösch 2000, 35ff.).

Antirassistische Erziehung soll neben dem Abbau von Vorurteilen und der Prävention rassistischer Gewalt auch zu einer Überwindung struktureller Ungerechtigkeiten, die Minderheitenangehörige benachteiligen, führen. Diese Ziele können durch die Vermittlung von Werten wie Toleranz und dem Erarbeiten von Handlungsweisen (z. B. Zivilcourage) unterstützen. Darüber hinaus fördert sie interkulturelle Kontakte. Das Aufdecken von rassistischer Propaganda und das Erkennen von rassistische Sprache soll analysiert und bewusster verstanden werden. Das Bewusstmachen von eigenen rassistischen Anteilen bei der Verwendung von Sprache, sowie das Stärken und Fördern von Minderheiten, sind elementare Schwerpunkte in der antirassistischen Erziehung.[15] Diese werden später bei Punkt der interkulturellen Erziehung noch einmal aufgegriffen.

3. 2 Unterscheidungsformen von Rassismus

3.2.1 Direkter und Indirekter Rassismus

Robinson Crusoe, Als die Raben noch bunt waren oder auch Die blaue Wolke sind Kinderbücher, in denen Rassismus augenscheinlich nicht direkt thematisiert wird, dennoch weisen sie indirekt rassistische Züge auf (vgl. Wollrad 2011, 383f.).

Daher unterscheidet man zwischen dem direkten und indirekten Rassismus. Der direkte Rassismus umfasst also rassistische Zeichen, Bilder, Beschreibungen und Sprache, während der indirekte Rassismus das seltene Auftreten von dunkelhäutigen Menschen meint. Und wenn sie doch auftreten, dann als Fremde oder Unbeteiligte im Hintergrund. Auch weiße Kinder als Retter dieser sind Merkmale des indirekten Rassismus.

3.2.2. Personaler und Struktureller Rassismus

Man unterscheidet zwischen dem personalen und dem strukturellen Rassismus. Der personale Rassismus umfasst beispielsweise den alltäglichen Rassismus und Rechtsextremismus, der in Vorurteilen oder Gewalt ausgedrückt wird. Vorurteile zeigen sich insbesondere durch die Hartnäckigkeit ihrer Resistenz gegenüber neuen unbekannten Informationen. Zwar ändert sich ihre spezifische Funktion aufgrund von historisch-geschichtlichen Veränderungen, sie bleiben aber trotzdem in ihrer Grundstruktur erhalten. Auch ihre allgemeine Funktion bleibt bestehen. Das Vorurteil bietet dabei für Individuen, sowie auch für gesellschaftliche Gruppen die Funktion, „komplex gewordene Realität nicht nur zu vereinfachen, sondern Realität selbst zu verändern. Indem das Vorurteil eine eigene Dynamik entwickelt, in dem der Vorurteilsträger das mit den Vorurteilen belegte Objekt dazu zwingt, sich in der Realität gemäß dem Vorurteil zu verhalten, wird das Vorurteil selbst zur Realität.“ (Becker 1997, 485).

So belegten Untersuchungen zu Eigenschaftsprofilen von Afro-Amerikanern, dass Vorurteile ihnen gegenüber zwar abgenommen, aber nicht vollkommen verschwunden sind. Bei den Befragungen in dem Untersuchungskorpus von Jörg Becker ging es um die Haupteigenschaften, die man den Afro-Amerikanern zuschreibt. Meistens wurden Studenten und Studentinnen sowie Kinder, also die Zukunft der damaligen Gesellschaft, befragt. Diese zwei Gruppen haben in diesem Zusammenhang nur Kenntnisse, die auf ihren Vorurteilen basieren. Denn höchstwahrscheinlich hatte sie noch nicht viel Erfahrung mit oder Kontakt zu einem PoC (vgl. Becker 1997, 485).

Im Jahre 1937 waren die häufigsten Antworten zu den Haupteigenschaften der Afro-Amerikaner >abergläubisch< mit 84%, >faul< mit 75% und >unwissend< mit 38%. Aber auch >sehr religiös< mit 24% und >naiv< mit 14% wurden als Charaktereigenschaft für Afro-Amerikaner genannt (vgl. ebd., 486). Einige Jahre später, im Jahre 1953, rutschte >abergläubisch< mit 48,9 % weiter nach hinten und neue Attribute, wie >gut gewachsen<, >treue Diener< und >sportlich< umfassten mit 56% die Hauptnennungen (vgl. ebd., 485).

An dieser Stelle kann man ganz deutlich erkennen, dass die PoC zu dieser Zeit sehr stark mit Vorurteilen ihrer Herkunft und vor allem der Sklaverei belastet wurden. Im Jahre 1959 und dann auch 1967 sind diese Attribute jedoch weitestgehend aus den Nennungen zu den Haupteigenschaften verschwunden. Eigenschaften wie >freundlich<, >bescheiden<, >hilfsbereit< und >intelligent< finden nun Einzug in die absoluten Nennungen. Auch >sportlich< gehört mit 66% zu den häufigeren Angaben. Dennoch ist zu dem Jahr 1967 herauszustellen, dass auch hier diskriminierende Nennungen, wie >unterwürfig< (32,5%), >schmutzig< (20,3%), >schlechtes Benehmen< (10,7%) und >heimtückisch< (9,5%) immer noch als Eigenschaften der PoC zu finden sind. Wie resistent diese Vorurteile gegenüber der PoC sind und wie wenig sie sich in der Zeit verändert haben, zeigt eindeutig, dass ein gewisses Bündel an Eigenschaften immer wieder auftaucht. Zwar wird die Quantität der Nennungen weniger, was aber nicht heißt, dass dieses Vorurteil abschwillt. Vielmehr wird deutlich, dass es zwar eine neue, überarbeitete und vor allem moderne Denkweise über die PoC gibt, aber die alten Vorurteile trotzdem nicht abgeschafft werden. Aus diesen Eigenschaften ergeben sich drei Vorurteilsbereiche, die nun, unter Betrachtung der Studie, genauer untersucht werden: Vorurteil und Autorität, Sexualität und Sentimentalität (vgl. ebd.).

Bei Vorurteil und Autorität ist das typische Denkmuster der Weißen: Wir sind hier oben und ihr seid dort unten. Ungeachtet dessen, wie in der Geschichte mit den PoC umgegangen wurde, bleibt das vorgefertigte Denkmuster, „daß farbige Menschen ‚unten‘, Weiße ‚oben‘ einordnet, […] konstant [und] zeigt sich lediglich in unterschiedlicher Verkleidung auf verschiedenen analytischen Ebenen.“ (Becker 1997, 490.) Dieses Denkmuster wird in vielen Büchern durch ihre Themenwahl und ihr gewähltes Eigenschaftsprofil ersichtlich. Auch über die Erzählstruktur und –perspektive wird das Muster Weiße-oben-Schwarze-unten vermittelt. Denn obwohl ein Buchtitel zwar Hinweise darauf geben könnte, dass es um Schwarze Menschen geht, sind es doch häufig die Entscheidungen und Impulse der Weißen, die den fiktiven Handlungsablauf bestimmen, so sind sie z. B. für einen plötzlichen Richtungswechsel verantwortlich. Beispielsweise gehen ein Weißes und Schwarzes Kind gemeinsam zur Schule. Nach vielen inneren Kämpfen entschließt sich das Weiße Kind mit dem Schwarzen Kind befreundet zu sein. Der Rassenkonflikt wird nicht durch eine Handlung des Schwarzen Kindes gelöst, sondern durch die Entscheidung des Weißen Kindes (vgl. ebd., 500).

Über Vorurteil und Sexualität ist erkennbar, das Rationalisierung, Projektion und Verdrängung wesentliche Strukturmerkmale von Vorurteilen darbieten. Nur wenige menschliche Erfahrungsbereiche sind so konfliktintensiv, aggressionserzeugend und neurotisch charakterisiert wie die Sexualität. Somit werden die Vorurteilsobjekte der out-group häufig mit sexuellen Vorurteilen belegt. Schon Sigmund Freud dementierte die frühkindliche Sexualität. Darüber hinaus „weisen eine Reihe von kritischen Kinderbuchanalysen darauf hin, daß die Art, wie Sexualität in KJL [Kinder- und Jugendliteratur] dargestellt wird, hochgradig sexistisch ist.“ (Ebd., 502.) So werden Schwarze Männer meistens in einem beiläufigen Satz mit einem Tier beschrieben, also Er schwimmt wie ein Schwertfisch oder Er ist stark wie ein Ochse, sodass eine Assoziationskette von >Schnelligkeit<, >Wildheit<, >Stärke< und >körperliche Gewandtheit< unvermeidlich folgt. Wesentliche Bildelemente führen dazu, dass in der Perzeption dem Schwarzen Mann eine gewisse Animalität und körperliche Stärke zugeschrieben werden. Den Schwarzen Frauen werden teilweise auch animalischer Zuschreibungen zu teil, dennoch werden diese häufiger als >hübsch und fremdartig<, >bildhübsch, attraktiv und begehrenswert< und >zart und dunkelbraun – wie Zartbitterschokolade< demonstriert. So erscheinen die Bilder der Schwarzen Männer und Frauen zwar als verlockend, sollen die Sexualität dieser aber als etwas Angsterregendes und Bedrohendes darstellen. Den Kindern, die dieses in der Literatur lesen, kommt frühzeitig eine Konditionierungsfunktion zu, sodass sie später ein kollektives Angstsyndrom bei dieser Thematik entwickeln. Das Motto bedrohlich-geil kommt als Wirkung auch häufig in der Werbung zum Einsatz, in der „ganz bewußt mit diesen rassistischen Vorurteilen gearbeitet wird. [Dies] zeigt u.a. die Konzeptionsuntersuchung eines Marktforschungsinstitutes, in der eine Werbekampagne für eine neue Zigarettenmarke getestet wurde, in der ein ‚Neger‘ Produktträger dieser neuen nikotinarmen Zigarette sein sollte.“ (Becker 1997, 521.)

Nach einer Befragung von weiblichen und männlichen weißen Versuchspersonen zu ihren Assoziationen zu dieser Werbung, spiegelt sich das bereits analysierte Bild wieder: „Während die weiße Frau auf den männlichen Farbigen stark sexuell anspricht, erblickt der weiße Mann in ihm eine Bedrohung und entwickelt Angst vor ihm.“ (Ebd., 513.)

Letzteres umfasst das Bild über Vorurteil und Sentimentalität, das durch die häufige Nennung der Eigenschaften >fröhlich< und >traurig< und die geringe Nennung von >Intelligenz< anzunehmen ist.

„Die dem Afro-Amerikaner unterstellte besondere Musikalität, seine ausgeprägte Gemüthaftigkeit, seine große Natürlichkeit oder seine tiefe, gleichsam kindliche, Unschuld bilden ein Gesamtbild, das von der Spannung zwischen extremer Fröhlichkeit und extremer Traurigkeit lebt.“ (Ebd., 514.)

Wie bereits erwähnt, wird die Opposition dieser affektiven Eigenschaften, also die >Intelligenz<, welche nur zu 5,4% im Eigenschaftsprofil enthalten ist, ihnen gegenübergesetzt, so erhält man ein eindeutiges, stereotypisches Bild: „Der Afro-Amerikaner denkt nicht, er fühlt.“ (Ebd.) Demzufolge erhält der schwarze Mensch in unserer weißen Gesellschaft den Stempel, dass er nur aus dem Affekt heraus lebt und nicht zu verantwortungsbewusstem Denken oder Handeln fähig ist. Er wäre derart unmündig, dass er in seinen Handlungen eine kognitive Beeinflussung eines Weißen benötige. Obendrein werden die erstmals affektiven positiven Eigenschaften später zu negativen Vorurteilen umgewandelt. So stellt sich heraus, dass „den farbigen Kindern zu Anfang ihres Lebens übertrieben wohlwollende Sympathie zuteil wird, die aber nach der Pubertät der farbigen Kinder, in bekannte, ablehnende Attitüden münden.“ (Ebd., 515.)

Zusätzlich wird dem sentimentalen Farbigen eine weitere Funktion zugeschrieben, und zwar die der Wahrnehmung des Selbstbildes von Weißen. Die Weißen wollen nämlich ihr verklemmtes Gefühlsleben positiv aufwerten, indem sie die Schwarzen als Naturmenschen, die nur ihren Trieben folgen, hinstellen. Wichtig ist dabei, dass die Kinder- und Jugendliteratur nicht gleich als vorurteilshaft erscheint, da sie einen gefühlvollen Schwarzen Menschen positioniert. Sie erweist sich dann als vorurteilshaft, wenn sie „dieses Bild ontologisch hinsetzt, weil sie damit die Ängste des Weißen abbildet und weil sie dieses Bild ideologisch derart funktionalisiert, daß es als Pazifizierungsinstrument gegenüber der materiellen und psychischen Ausbeutung der Schwarzen Anwendung findet.“ (Becker 1997, 522.)

Das heißt, dass der gefühlvolle Schwarze, als ein Abbild der Wirklichkeit, die negativen Ängste der Weißen zerstreuen soll, um so bei den Weißen ein friedliches Gewissen den Schwarzen gegenüber zu reproduzieren, welches die materielle und psychische Ausbeutung der Opfer, die Schwarzen, von den Tätern, den Weißen, vollends rechtfertigen soll.

Der strukturelle Rassismus oder auch institutionelle Rassismus meint den „Rassismus, der in den Strukturen öffentlicher und privater Institutionen verankert ist. Diese Strukturen haben sich aufgrund historischer und gesellschaftlicher Macht- und Gewaltverhältnisse entwickelt und in dem ökonomischen sowie kulturellen und politischen Aufbau einer Gesellschaft und deren Institutionen manifestiert (institutionalisiert). Unsichtbar in ihrer Wesensart beeinflussen diese Strukturen bewusst und unbewusst das Verhalten, die Sicht- und Denkweise der Individuen in Institutionen. Umgekehrt determinieren auch Individuen das Verhalten der Institutionen, in denen sie arbeiten.“[16]

Das heißt, dieser Rassismus geht eindeutig von Institutionen in der Gesellschaft aus, also von ihren Gesetzen, Normen und internen Denkschemata. Dabei spielt es keine Rolle, inwiefern die Akteure innerhalb der Institutionen absichtsvoll handeln oder nicht. Ferner erfahren Menschen den strukturellen Rassismus durch Ausgrenzung, Benachteiligung oder Herabsetzung in gesellschaftlichen Einrichtungen, wie beispielsweise bei der politischen Beteiligung durch Wahlrecht und fehlende Repräsentanz in politischen Einrichtungen. Auch im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt, auf dem Wohnungsmarkt und als Opfer von Racial Profiling [17], trifft man auf strukturellen Rassismus durch die jeweilige Benachteiligung.

Dem strukturellen Rassismus können unterschiedliche typische Argumentationsmuster zugeordnet werden, die in der Darstellung von Rassenkonflikten in Kinder- und Jugendliteratur häufig benutzt werden.

Das Vermeidungssyndrom geht dabei davon aus, dass es keine Rassenkonflikte gibt und es daher auch zu keiner Konfliktlösung in diesem Bereich kommen muss. Diese Ausblendung kennzeichnet eine konfliktscheue Perzeption von Wirklichkeit, die nur das wahrnehmen möchte, was sie will. Denn sind erst gar keine Rassenkonflikte vorhanden, so brauchen sie natürlich auch nicht gelöst zu werden. Diese Ausklammerung von gesellschaftlichen, persönlichen oder Kleingruppenkonflikten führt zu einer heilen, konfliktfreien Welt. Je nachdem mit welchem Blickwinkel man dieses Syndrom erfassen möchte, zeigt es einerseits ein Konstrukt, welches ein gleichberechtigtes Miteinander geschaffen hat, das vorhandene soziale, kulturelle, ethnische oder sprachliche Unterschiede ignoriert bzw. im allgemein-menschlichen Universalismus auflöst. Andererseits bringt es eine erhebliche Problematik mit sich, denn wer sich nicht im Rahmen von Kinder- und Jugendliteratur mit Rassismus auseinandersetzt, der kann Rassismus auch in der Realität nicht bewusst erkennen und dagegen handeln (vgl. Rösch 2000, 114).

Das Biologisierungssyndrom oder auch Kulturalisierungssyndrom führt in der Kinderliteratur dazu, dass Schwarze Personen nicht individuell charakterisiert werden. Vielmehr werden sie auf ihre äußerlichen und ethnischen Merkmale reduziert und / oder durch ihre Zugehörigkeit einer fremden Kultur, Religion oder Sprache beschrieben. So könnte es beispielsweise heißen: „Er hatte einen gut geformten Negerkopf.“ (Ebd., 114.)

[...]


[1] Im Folgenden nur noch als N-Wort oder N* abgeändert.

[2] Vgl. http://www.derbraunemob.info/shared/download/warum_nicht.pdf (20.05.2014).

[3] Ebd.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. http://www.derbraunemob.info/shared/download/warum_nicht.pdf (20.05.2014).

[6] Siehe Punkt 3.2.2. Personaler und Struktureller Rassismus.

[7] Im Folgenden meiner Arbeit werde ich den Ausdruck Schwarz großschreiben, um ihn in einer politisch korrekten Form anzuwenden. An dieser Stelle übernehme ich die Überzeugung, dass man die soziale Identität und kulturelle Ebene keinesfalls ausklammern darf, sodass man es auch in adjektivischer Bedeutung groß schreibt. Die kritische Verwendung des Ausdrucks ist dabei nicht außer Acht zu lassen, daher wird diese Form nur genutzt, wenn keine vergleichbare Alternative vorzufinden ist.

[8] Lebte von 1934 – 1992.

[9] Bei der Verwendung des Ausdrucks weiß werde ich weiterhin das Lexem als ein kleingeschriebenes Adjektiv beibehalten. Der Ausdruck weiß beinhaltet im Gegensatz zu dem Ausdruck Schwarz keinen negativ besetzten Terminus.

[10] Im Weiteren abgekürzt als PoC (People of Color).

[11] www.duden.de/rechtschreibung/rassismus (17.05.2014).

[12] Ebd.

[13] http://www.hf.uni-koeln.de/31371 (20.05.2014).

[14] Ebd.

[15] http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Antirassistische_Erziehung.html (24.05.2014).

[16] http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/afrikanische-diaspora/59470/rassismus-im-strafrechtssystem?p=all (20.05.2014).

[17] Als Racial Profiling definiert man das Handeln von Polizei-, Sicherheits-, Einwanderungs- und Zollbeamten, wenn dieses auf allgemeinen Kriterien wie Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, Religion und nationaler Herkunft einer Person basiert. Dabei sollten sich eigentliche Verdachtsmomente nur auf das Personenverhalten und auf objektive Beweise begründen (vgl. http://www.grundrechte-kampagne.de/aktuelles/ racial-profiling (25.05.2014)).

Details

Seiten
56
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668084605
ISBN (Buch)
9783668084612
Dateigröße
729 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310048
Schlagworte
rassismus kinderbüchern

Autor

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Titel: Rassismus in Kinderbüchern