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"Sonntagskind" von Gudrun Mebs. Analyse und Interpretation

Seminararbeit 2013 14 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Analyse
1.1 Erzähltextanalyse
1.1.1 Geschichte (Was wird erzählt?)
1.1.2 Erzähler (Wer erzählt?)
1.1.3 Diskurs (Wie wird erzählt?)
1.2 Handlungsanalyse
1.3 Darstellungsanalyse

2. Interpretation

3. Literaturverzeichnis

1. Analyse

1.1 Erzähltextanalyse

1.1.1 Geschichte (Was wird erzählt?)

Das Thema der vorliegenden Seminararbeit ist das Buch „Sonntagskind“ von Gudrun Mebs. Betrachtet man vorerst das Buchcover von 1984 erkennt man ein Mädchen. Dieses lässt darauf schließen, dass es sich um eine weibliche Hauptfigur handelt, die womöglich aus irgendeinem Grund ein Sonntagskind ist, eins kennenlernt oder über eins erzählt. Ferner sitzt dieses Mädchen auf einer Bank in einem Raum. Die Tür zu diesem Raum ist einen Spalt weit geöffnet und ein Lichtstrahl fällt durch ihn in den Raum. Neben der Bank ist ein kleiner Tisch mit einem Telefon, während an der Wand eine Uhr hängt, es ist dort zehn nach neun Uhr. Die Wände sind überwiegend blau, jedoch ist ein Teil der Wand, dort wo die Bank steht, weiß. Dieser ist zusätzlich mit bunten Punkten bedeckt. Der Bodenbelag ist ausgestattet mit blauen und weißen Fliesen. Alles in diesem Raum deutet auf ein Wartezimmer oder eine Wartehalle hin. Möglicherweise auch auf einen größeren Flur. Das Mädchen auf der Bank scheint um die acht oder neun Jahre zu sein. Sie hat mittellange braune Haare mit einem Pony, der ihr tief über die Augen hängt. Sie trägt eine rosafarbene Strickjacke mit einer blauen Hose und braunen Halbschuhen, aus denen gelbe Socken hinausgucken. Das Mädchen guckt sehr gespannt auf den Spalt der Tür und scheint sehr erwartungsvoll zugucken. Vermutlich erwartet sie jemanden. Die Stimmung, die dieses Cover hervorruft, ist eher eine bedrückende, traurige. Die kühlen Farben sind nicht sehr kräftig. Man hat das Gefühl, es ist ein sehr trostloses Buch, vermeintlich sogar weitgegriffen eine Gruselgeschichte. Blättert man nun eine Seite weiter, ist das Mädchen nochmals fokussiert auf einer Seite aufzufinden. Sie ist zentral auf der Seite und der Illustration zu sehen. Sie steht auf einer Wiese oder einem Platz, etwas weiter entfernt vor einem Haus. Ebenfalls sind im Hintergrund ein Zaun und zwei Bäume zu sehen. Das Mädchen steht dort mit einem Kuscheltier in der Hand, wirkt alleingelassen. Dieses ist womöglich ein Hase, der ein Kleid an hat. Das Mädchen trägt eine Strickjacke und eine Hose, die gepunktet erscheinen. Durch den schwarz-weißen Druck sind keine Farben zu erkennen. Der Paratext dieses Buches ist „Sonntagskind“. Es gibt weder einen Untertitel, noch einen Hinweis auf die Gattung des Romans. Es wird lediglich die Illustratorin genannt. Auf der nächsten Seite beginnt bereits der Fließtext. Es gibt keine Überschrift. Dieses nimmt eine gewisse Strukturierung des Buches und führt den Leser (bei diesem Substantiv werden im Folgenden immer Leser und Leserinnen zusammengefasst) ohne Vorwissen in das Geschehen.

Im Januar 2008 erschien vom „Carlsen“ Verlag eine Neuerscheinung. Diese ist als Taschenbuch mit einem neuen Bildcover veröffentlicht worden. Jene steht gewissermaßen in einem Kontrast mit dem älteren Bildcover. In diesem steht das Mädchen an einem Fenster und telefoniert. Ihr Kuscheltier sitzt neben ihr auf dem Boden und sieht ähnlich aus, wie das vorherige. Der Boden ist grau-bräunlich und die Wände gelb gestreift. Betrachtet man den Himmel durch das Fenster scheint es ein schöner, freundlicher Frühlings- oder Sommertag zu sein. Der tiefblaue Himmel ist mit wenigen weißen Wolken geschmückt. Das Telefon, mit dem das Mädchen telefoniert, steht auf der Fensterbank, sowie ein Kaktus. Mit der anderen Hand hält sie den Knauf des Fensters fest, welches sie womöglich öffnen möchte.

Alles in allem erweckt dieses Cover eine weitaus fröhlichere Stimmung. Die Farben sind wärmer und kindgerechter. Auch die Schrift ist in bunten Buchstaben und in einer „verspielten“ Weise deutlich ansprechender. Diesmal erwartet das Mädchen nicht jemanden, sondern telefoniert bereits mit jemandem. Ihr Gesichtsausdruck wirkt fröhlich. Möglicherweise lockt ein solches Bildcover mehr interessierte Leser, vielleicht wirkt aber auch diese Stimmung authentischer zum darauf folgenden Text. An dieser Stelle ist der Paratext auch nur mit dem Titel „Sonntagskind“ gestaltet. Des Weiteren erhält man die Information, dass die Illustrierungen von Rotraut Susanne Berner erfolgten. Blättert man auch hier eine Seite weiter, bekommt der Leser einige Informationen über die Autorin Gudrun Mebs. Daraufhin folgt erneut der Titel und Namen der Autorin, sowie der Illustratorin. Auch hier findet sich die bereits bekannte schwarz-weiß Illustration, die auch in dem Buch von 1984 erschien. Diese wurde vermutlich lediglich übernommen, da sie bereits den Ausdruck eines glücklichen, aber dennoch etwas vereinsamten Mädchens widerspiegelt. Eine weitere Seite informiert den Leser über Daten und Fakten des Verlags. Anschließend beginnt auch hier die Geschichte ohne Überschrift.

Die Gattung des Buches ist in ein realistisches Kinderbuch bzw. ein psychologischer Kinderroman einzuordnen. Dieses Buch handelt von Kindern, die in einem Heim leben und dort ihre Kindheit verbringen. Im Bereich der Kinderliteratur ist es stilistisch, dass heißt es ist neutral, normal sprachlich, aber auch teilweise umgangssprachlich geschrieben, wie zum Beispiel „[…] weil`s halt so langweilig ist, sonntags im Heim.“ (S.5, Z.8 ).

Das Thema des Buches „Sonntagskind“ von Gudrun Mebs umfasst das Leben eines kleinen Mädchens, das in einem Heim lebt. Es erzählt in dem Erzählanfang, dass es das Sonntagskind ist, da es an einem Sonntag geboren wurde. Außerdem geht es im Weiteren um ihre Stimmung, weil es sonntags immer langweilig im Heim ist. Sie erwähnt, dass sie gerne turnt und nicht so gerne in Schule geht, außer sonntags. Ferner erklärt sie, dass ihre Eltern sie weggeben haben, da anscheinend gewisse Umstände nicht geeignet waren, so wurde es ihr zumindest erzählt. In diesem Buch kommen zwei Themen vor. Zum einen das Ich- Thema und zum anderen das Du- Thema. Das Ich- Thema beinhaltet Fragen der Innenwelt und psychische Konflikte, was bereits zum Anfang sehr deutlich wird: „Sonntagskinder haben immer viel Glück, hab’ ich gehört. Das kann ich aber nicht finden.“ (S.5, Z. 2).

Das Du- Thema bezieht sich auf die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt, also die Auseinandersetzung des Sonntagskindes mit seiner Umwelt.

Das Motiv der Autorin diese Geschichte aufzuschreiben, liegt womöglich daran, den Lesern einen Einblick in das Leben eines Heimkindes zu gewähren. Es ist fast unvorstellbar und nicht nachzuvollziehen, wie sich die Kinder dort fühlen. Besonders in so einer schwierigen Phase der Selbstfindung.

Die Hauptfigur ist unschwer erkennbar das Mädchen als Sonntagskind. Im Erzählanfang werden keine weiteren Figuren, außer den Eltern, erwähnt. Ob die Eltern im weiteren Verlauf noch eine Rolle spielen, ist unklar. Die bisherige Figurenkonstellation beschränkt sich demnach auf das Mädchen. Desweitern ist sie eine „runde“ Figur mit einer impliziten Charakterisierung. Das bedeutet, dass kein allwissender Erzähler die Figur beschreibt, sondern dass der Leser die Persönlichkeit aus ihrem Handeln, Denken und Äußerungen erschließen muss. Der dargebotene Figurentypus ist eindeutig ein Kind, dass sich ohne Eltern durch das Leben „schlägt“, wie viele weitere Kinderhelden, beispielsweise Harry Potter, Peter Pan oder Pippi Langstrumpf. Hinsichtlich der Modulation steht das Heim möglicherweise als ein Symbol der Langeweile oder eines traurigen Ortes, wie das Bildcover von 1984 bereits vermittelt. Das Kaufhaus oder der Akt des Spazierengehens symbolisieren eher einen gewissen Freiheitsstatus, denn hier kann das Mädchen nach anderen Leuten Ausschau halten und sich womöglich mehr entfalten.

Bezüglich der Quantität des Raums entdeckt man einerseits den gestimmten Raum und andererseits den Anschauungsraum. Der gestimmte Raum wird zu Beginn mit der Mitsicht der Gefühle gegeben. Das Mädchen befindet sich im Heim, dass eher bedrückend und dunkel, aber ihr sicher und vertraut ist. Der Raum der Schule wird erst negativ geschildert, doch im Zusammenhang mit dem Wochentag Sonntag, ist sie eher im positiveren Gefühlsniveau ersichtlich. Dieses geht nach dem Motto „Lieber sonntags in die Schule als Langeweile“. Der Anschauungsraum wird ab Zeile 16 mit der Analepse (wird im Folgenden noch genauer geschildert) integriert. Dort erscheint das Kaufhaus oder Spazierengehen als Ort, an dem sie ihre Eltern gesucht hat. Dieses wird aus ihrer Perspektive erläutert und auch kommentiert „Ich war damals noch ziemlich dumm“ (S.5, Z.21).

Eine gewisse Ungenauigkeit besteht bei der Bestimmung der zeitlichen Situierung. Es kommen keine genauen Zeitangaben, der Leser weiß lediglich, dass sie schon sehr „lange“ im Heim ist. Ferner kann man das Alter des Mädchens nur schätzen, wenn man das Bildcover in Betracht zieht. Ein weiterer unzureichender Faktor ist die zeitliche Eingrenzung der Analepse. Diese beginnt mit „Früher, als ich noch kleiner war […]“(S.5, Z. 17), das in diesem Fall auch nicht als Zeitpunkt genauer definiert ist. Es lässt sich nur spekulieren, dass es einer war, an den sich das Mädchen noch erinnern kann und daher vielleicht 2-3 Jahre zurückliegt. Auch ihr dazugehöriger Kommentar mit „damals“ deutet gewiss auf eine andere zeitliche Situierung, aber wie bereits erwähnt, kann diese nicht genau bestimmt werden. Hierbei sind unterschiedliche Tages-, Jahres- und Uhrzeiten, aufgrund des Raumwechsels bedingt. Das Bildcover zeigt die Uhrzeit zehn nach neun, da man aber nicht weiß, ob das Mädchen momentan auf dieser Bank sitzt, ist diese Angabe auch hinfällig. Der Zeitpunkt, der vom Bildcover aufgegriffen ist, ist nicht ersichtlich und somit im weiteren Verlauf der Geschichte möglich. Der Zeitraum ist demnach nur vage genannt, jedoch enthält er einige Anhaltspunkte, die zumindest eine Kategorisierung der Ereignisabfolge zulässt.

1.1.2 Erzähler (Wer erzählt?)

Die Darstellung des Erzählens ist die explizite mit einem offenen Erzähler. Denn man weiß sofort die Lebensphase (Kindheit, weiblich), Beruf (Schüler), Familienstand (Kind, unbekannte Eltern) und ihre Vorliebe (Turnen). Erzählen findet in einer mündlichen Form statt, der Erzähler sagt alles offen und ehrlich. So entsteht keine Distanz zum Leser. Im Weiteren ist eine ontologische Vereinbarkeit prüfbar mit einem homodiegetischen Erzähler. Denn dieser ist in diesem Roman ein Teil der erzählten Welt. Dennoch handelt es sich hier um den Sonderfall, der autodiegetischen Erzählung. Dies ist zurückzufolgern, auf den Titel „Sonntagkind“. Das Sonntagskind, die Hauptfigur, erscheint als Ich-Erzähler im ersten Satz. Betrachtet man den Erzähler auf der Erzählebene, ist auf einen extradiegetischen Erzähler, den sogenannten primären Erzähler, zu schließen, da der Erzählanfang in der Rahmenerzählung spielt. Erst ab Zeile 20 beginnt eine Binnenerzählung, eine Retrospektive. Es ist ein zeitraffendes Erzählen. Die Darstellung des Adressaten ist ersichtlich offen, denn hier spielt sich eine klare Erzähler-Adressaten-Beziehung in der Diegesis ab. Die mündliche Erzählweise bringt den Sender und Empfänger zur gleichen Zeit an den gleichen Ort.

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668088740
ISBN (Buch)
9783668088757
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310040
Note
2,3
Schlagworte
sonntagskind gudrun mebs interpretation analyse erzähltextanalyse werkanalyse

Autor

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