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Arbeitslosigkeit in Deutschland. Ein Überblick

Hausarbeit 2015 14 Seiten

VWL - Arbeitsmarktökonomik

Leseprobe

1 Einleitung

Arbeitslosigkeit ist eines der Themen die ständig und immer wieder in den deutschen Medienberichten auftauchen. Aber es ist auch eine große Herausforderung des Staates diese zu reduzieren. Aktuellen Quellen zu Folge, hat der Staat es nun geschafft Vollbeschäftigung in Deutschland zu erreichen. Denn mit einer Arbeitslosenzahl von nur 2.772.642 (Stand: Juli 2015) (Bundesagentur für Arbeit), wurden bis jetzt die besten Werte wie schon lange nicht mehr erreicht. Allerdings gibt es Kritiker, die einerseits diese Zahl in Frage stellen und andererseits behaupten, dass der Staat gar kein Interesse daran hat, das jeder einer Beschäftigung nachgeht (DIE LINKE.).

Deshalb soll mit Hilfe der literaturbasierten Analyse in dieser Arbeit die These „Der Staat hat die Arbeitslosenzahlen ins positive verändert, um vor seinen Bürger besser da zu stehen, aber hat eigentlich kein Interesse daran, das Vollbeschäftigung herrscht.“ genauer untersucht werden.

Dazu wird zum Beginn der Arbeit der Begriff der Arbeitslosigkeit eingegrenzt werden, da es hierfür keine exakte Definition gibt. Anschließend soll der theoretische Arbeitsmarkt beschrieben werden, um eine Grundlage für die späteren Inhalte zu bilden. Damit ein besserer Überblick gegeben werden kann, werden anschließend die verschiedenen Formen der Arbeitslosigkeit vorgestellt mit ihren Ursachen. Um die These am Ende beantworten zu können, werden nachfolgend die Folgen der Arbeitslosigkeit für den Staat aufgezählt und welche Wege der Staat unternommen hat, um die Arbeitslosigkeit zu mindern. Ein Fazit soll die wichtigsten Inhalte der Arbeit zum Schluss noch einmal aufgreifen. Zudem sollte noch genannt werden, dass diese Arbeit nicht ausreichend ist, um einen vollständigen Einblick in das politische Geflecht der Arbeitslosenzahlen zu gewährleisten. Ziel soll demnach lediglich sein, einen Überblick zu schaffen und Interesse zu wecken sich mit dem Thema noch weiter zu beschäftigen.

2 Definition des Begriffs Arbeitslosigkeit

In den folgenden Abschnitten soll es darum gehen, den Begriff Arbeitslosigkeit zu umschreiben. Dabei wird deutlich, dass es keine eindeutige Definition dafür gibt, denn es kommt darauf an welche Kriterien die Grundlage der Berechnung für die Arbeitslosenzahlen bilden. In dieser Arbeit werden einige Definitionen vorgestellt.

Allgemein wird die Arbeitslosigkeit in der Wirtschaftswissenschaft definiert. Dort liegt Arbeitslosigkeit vor, wenn zu den herrschenden Bedingungen das Arbeitsangebot die Arbeitsnachfrage auf dem Arbeitsmarkt übersteigt, das bedeutet, das vorhandene Arbeitskräftepotenzial kann nicht vollständig zur Produktion von Waren und Dienstleistungen genutzt (Woll 2000: 38).

Die Grundlage der Arbeit bezieht sich auf die Aussage von der Bundesagentur für Arbeit (2012) welche sich auf das Arbeitsförderungsgesetz (§16 SGB ǀǀǀ) stützt, um die monatlichen Arbeitslosenzahlen zu ermitteln. Demnach gilt jeder Arbeitsnehmer als arbeitslos, wenn er keine bezahlte Arbeit hat, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht und Arbeit sucht (Bundesagentur für Arbeit). Genauer ist die Arbeitslosigkeit im Sozialgesetzbuch (SGB) §16 Absatz 1 SGB ǀǀǀ definiert. Gemäß SGB ǀǀǀ sind „Arbeitslose […] Personen, die […] vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen und sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben.“ Der zweite Absatz schließt jedoch jene Arbeitslosen aus, welche zum Beispiel an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik teilnehmen, auch wenn sie während dessen keiner bezahlten Tätigkeit nach gehen. Auch andere Arbeitnehmer werden von der Bundesagentur für Arbeit nicht mit betrachtet. So beträgt die tatsächliche Zahl 3.524.695 Arbeitslose nach einer Zählung durch die Linke Fraktion im Juli 2015.

3 Theoretische Fundierung des Arbeitsmarktes

Um die Frage nach der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu beantworten, muss erst einmal dargestellt werden, wie der Arbeitsmarkt funktioniert. Dazu gibt es in der Literatur einige Ansätze, welche auch die Ursachen für die Arbeitslosigkeit zum Teil erklären können. Im Folgenden sollen nun die zwei berühmtesten Erklärungen mit den wichtigsten Annahmen erläutert werden.

3.1 Neoklassischer Arbeitsmarkt

Eines der Hauptannahmen der Neoklassische Arbeitsmarkttheorie, geht von einem voll flexiblen Preissystem, mit flexiblen Preisen und Löhnen aus. Die Preise, für Arbeit, ergeben sich durch Angebot und Nachfrage. Außerdem herrscht vollkommene Konkurrenz zwischen den Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt (Fassmann 1997:47).

Des Weiteren gehen die Neoklassiker davon aus, dass das Arbeitsangebot und die Arbeitsnachfrage von der Höhe des Reallohns abhängen. Dies bedeutet, das Arbeitsangebot steigt mit höherem Reallohn und die Arbeitsnachfrage sinkt mit steigendem Reallohn. Der Reallohn gibt den Wert des Warenkorbes an, der in einer Stunde verdient worden ist, entspricht also der tatsächlichen Kaufkraft des verdienten Geldes (Gabler Wirtschaftslexikon). Wenn sich das Arbeitsangebot und die Arbeitsnachfrage im Gleichgewicht befinden, wird von Vollbeschäftigung gesprochen (Friedrich/Wiedemeyer 1994:73-74).

Die Neoklassiker gehen davon aus, dass wenn ein Arbeitnehmer bereit ist, zum herrschenden Reallohn Arbeit anzubieten, dann findet dieser auch einen Arbeitsplatz. Für Unternehmen wird es günstiger zu produzieren, wenn der Reallohn sinkt. Und solange es für die Unternehmer profitabler ist Arbeit einzusetzen anstatt Kapital (Maschinen), werden für die Produktion Arbeitnehmer eingestellt. Niedrigere Löhne senken die Lohnkosten, dass heißt Güter können billiger angeboten werden, der Absatz nimmt dadurch zu und mehr Arbeitnehmer werden eingestellt, um noch mehr zu produzieren. Dabei gehen die Neoklassiker davon aus, das alles was produziert wird, auch abgenommen wird (Friedrich/Wiedemeyer 1994:71, Brinkmann 1999:178).

Kritisiert wird an der Theorie die uneingeschränkte Möglichkeit der Lohnsenkungen, denn diese induziert eine verminderte Konsumbereitschaft bei den Arbeitnehmern. Dieses Phänomen führt zu weniger Absatz bei den Unternehmen, was einen Anstieg der Arbeitslosen bewirken würde. Des Weiteren kann der Reallohn nicht unbegrenzt gesenkt werden, da aufgrund von Tarifverträgen und Mindestlöhnen Einschränkungen vorliegen. Mit weniger Kritik belastet ist die keynsianische Arbeitsmarkttheorie (Eberhard 1998:72,73,77).

3.2 Keynsianischer Arbeitsmarkt

Keynes kritisierte die vorherrschende neoklassische Sichtweise des Arbeitsmarktes und verfasste seine eigenen Gedanken zur Beschäftigung in seinem Buch „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“, welches 1936 veröffentlicht wurde. Denn Keynes war der Meinung, dass durch verschiedene, zum Teil gegenläufige Effekte (zum Beispiel Verteilungs-, Geldmarkt-, Außenhandels- und Bestandseffekte) keine Beschäftigungsvorhersage getroffen werden können.

Einer seiner Hauptannahmen war, dass je höher die Güternachfrage ist, desto mehr wird produziert, desto mehr Arbeitgeber stellen Arbeitnehmer ein, bis Vollbeschäftigung herrscht. Demnach bestimmt die effektive Nachfrage die Beschäftigung und nicht das Angebot, wie in der Neoklassischen Sichtweise. Veränderungen dieser aggregierten Nachfrage haben Auswirkungen auf den Output, also dem was Unternehmen produzieren. Um diese Nachfrage zu bestimmen, betreiben die Unternehmen Marktforschung und treffen so Voraussagen über den zukünftigen Absatz ihrer Produkte bzw. Nachfrage an Güter und Dienstleistungen. Nach dieser Vorhersage stimmen sie ihre Produktionsplanung ab und stellen je nach dem Arbeitnehmer ein oder entlassen sie. Keynes geht nun davon aus, dass wenn die Arbeitnehmer aufgrund von einer negativen Vorhersage entlassen werden oder weniger Lohn bekommen, dass verfügbare Einkommen national reduziert wird. Dies würde nach Keynes zu einer Abwärtsspirale führen, da die Arbeitnehmer in ihrer Konsumbereitschaft behindert werden und so noch weniger Güter bzw. Dienstleistungen nachgefragt werden können (Friedrich/Wiedemeyer 1994:59-60).

Keynes geht außerdem von einer Starrheit des Reallohns aus, denn er ist der Meinung, dass Löhne kurz- bis mittelfristig nicht flexibel sind. Demnach kann nach Keynes die Wirtschaft auch nicht damit angekurbelt werden, indem die Unternehmen die Reallöhne rapide senken, wie es die Neoklassiker beschreiben. (ebenda 1994:S.60).

Als Lösung bietet Keynes an, dass die Investitionsschwankungen nicht nur durch die privaten Haushalte aufgefangen werden sollten, sondern konjunkturpolitisch anhand von Staatseinnahmen bzw. ausgaben ausgeglichen werden. Das heißt, der Staat soll mit seinen Investitionen indirekt die Konsumnachfragen beziehungsweise -angebote steuern. Demnach wird die Arbeitslosigkeit nach Keynes nicht durch einen rigiden Reallohn bestimmt, sondern durch eine unzureichende Güternachfrage. Deshalb sollte nach Keynes mithilfe von Beschäftigungspolitik nach einer Erhöhung der Güternachfrage gestrebt werden, um die Arbeitslosigkeit zu senken (Eberhart 1998:29-31).

4 Formen der Arbeitslosigkeit und deren Ursachen

Nachdem die Funktionsweise eines Arbeitsmarktes theoretisch beschrieben wurde, werden jetzt die Formen der Arbeitslosigkeit vorgestellt und ihre Ursachen.

Einleitend kann gesagt werden, dass keine generelle Arbeitslosigkeit existiert, sondern verschiedene Ausführungen davon. Auf eine ausführliche und vollständige Behandlung wird hier verzichtet, da hier der Rahmen nicht ausreichend ist. Es sei deshalb auf das Statistische Bundesamt verwiesen (DESTATIS Statistisches Bundesamt).

Grundsätzlich kann die Arbeitslosigkeit in freiwilliger und unfreiwilliger, vorübergehender und dauerhafter, sowie registrierter und nicht registrierter Arbeitslosigkeit eingeteilt werden. Bei den Ursachen werden die Wichtigsten vorgestellt, die konjunkturelle, strukturelle, saisonale und die friktionelle Arbeitslosigkeit.

4.1 Konjunkturelle Arbeitslosigkeit

Wenn Schwankungen im Wirtschaftsablauf innerhalb einer Marktwirtschaft auftreten resultiert daraus meistens die konjunkturelle Arbeitslosigkeit. Nachfolgend sollen vier Ursachen für diese Form erläutert werden.

In der Aufschwungsphase einer Wirtschaft, also in der Expansion, werden mehr Arbeitskräfte benötigt, weil eine gestiegene Nachfrage aus dem In- und Ausland vorliegt. Das Arbeitsplatzangebot nimmt immer mehr zu, da die Unternehmen ihren erhofften Absatz erreichen wollen und dazu Arbeitnehmer benötigen. Die Unternehmer unter einander stehen im Wettbewerb, wodurch auch das Lohnniveau erheblich angehoben wird und so der Konsum der Arbeitnehmer ebenfalls weiter ansteigt. Die Zahl der Arbeitslosen geht langsam zurück.

Die Hochkonjunktur bedeutet für die Wirtschaft die Vollauslastung der Produktionskapazitäten. Eine annähernde Vollbeschäftigung wurde erreicht und eine Knappheit an Arbeitskräften in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen und Berufsgruppen ist die Folge. Daraus resultiert, dass offene Stellen nicht besetzt werden können. Dies ist nach heutigem Zeitungsstand die aktuelle Situation in Deutschland. Es kommt daher zu einer Überbeschäftigung, was Überstunden und Wochenendarbeit zur Folge hat, welche die Produktionskosten mehr als die Produktivität steigern lässt. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt gegen Null. Dies ist nach heutigem Zeitungsstand die aktuelle Situation in Deutschland.

In der Phase der Rezession geht die Nachfrage nach Gütern langsam zurück. Das hat zur Folge, dass auch die Produktion von den Unternehmen heruntergefahren wird. Die gesamte wirtschaftliche Aktivität geht langsam zurück. Demnach sinkt nicht nur die effektive Nachfrage und die Produktion, sondern auch die Beschäftigung, da Arbeitnehmer entlassen werden. Die Zahl der Arbeitslosen steigt wieder an.

In der letzten Phase, die Phase der Depression, hat die Wirtschaft ihren Tiefpunkt erreicht. Es kommt zu einem stockenden Absatz. Viele Betriebe werden vorübergehend stillgelegt, was zu einer Massenarbeitslosigkeit führt (DESTATIS Statistisches Bundesamt).

4.2 Strukturelle Arbeitslosigkeit

Ursache für die strukturelle Arbeitslosigkeit ist der wirtschaftliche Wachstumsprozess.

Die Hauptursache für diese Arbeitslosigkeit ist die fehlende Mobilität und die Flexibilität der Arbeitnehmer. Unterschieden wird sie in die sektorale Arbeitslosigkeit und die regionale Arbeitslosigkeit.

Die sektorale Arbeitslosigkeit tritt auf, wenn der Arbeitnehmer gezwungen ist durch technologischen Fortschritt im Unternehmen, Umschulungen und Weiterbildung in Kauf zu nehmen oder den Arbeitsplatz zu wechseln. Auch Branchen die generell unter langfristigen Anpassungsschwierigkeiten leiden sind stark von der strukturellen Arbeitslosigkeit betroffen. Demnach ist der Fortschritt der Technologie in den Unternehmen negativ für die Beschäftigungslage.

Die Arbeitslosigkeit die durch räumliche Immobilität der Arbeitskräfte auftritt, wird regionale Arbeitslosigkeit genannt. Der Arbeitnehmer hat hier zwar die richtige Ausbildung, aber er befindet sich am falschen Standort, das heißt seine Arbeitskraft wird dort nicht benötigt. Die zweite Möglichkeit ist, dass die Infrastruktur den Arbeitnehmer in seiner Berufswahl einschränkt, sodass er seinen erlernten Beruf nicht produktiv ausüben kann.

Diese beiden Formen der Arbeitslosigkeit treten oft auch zusammen auf. In der Literatur werden diese Arten passend als Folge der Verschiebung des Arbeitsplatzangebotes beschrieben (Kromphardt 1987:44).

4.3 Saisonale Arbeitslosigkeit

Die Ursache der Saisonalen Arbeitslosigkeit liegt bei den jahreszeitlichen Änderungen des Arbeitsangebotes seitens der Unternehmen beziehungsweise der Arbeitsnachfrage bei den Arbeitnehmern. So ist zum Beispiel die Nachfrage nach Bauleistung in den Sommermonaten wegen der günstigen Wetterlagen höher als in den Wintermonaten. Demnach handelt es sich um jedes Jahr wiederkehrende Beschäftigungsschwankungen in Branchen, die besonders Wetter gebunden sind oder von sonstigen jahreszeitlichen Einflüssen abhängig sind (DESTATIS Statistisches Bundesamt).

4.4 Friktionelle Arbeitslosigkeit

Die Friktionelle Arbeitslosigkeit entsteht, weil selbst zu Zeiten der Vollbeschäftigung das Arbeitsangebot und die Arbeitsnachfrag nie völlig reibungslos ineinandergreifen.

Sie beschreibt demnach den Zeitraum in dem der Arbeitnehmer zwischen der Aufgabe der alten Tätigkeit und der Aufnahme einer neuen Beschäftigung steht. Diese Form der Arbeitslosigkeit kann freiwillig sein, zum Beispiel durch Eigenkündigung oder auch unfreiwillig durch Arbeitsgeberkündigung (Kromphardt 1987:40-41).

5 Finanzielle Folgen der Arbeitslosigkeit

Um auf einen Teil der These „Der Staat hat kein Interesse daran, die Arbeitslosigkeit abzuschaffen“ eingehen zu können, werden in den nächsten Abschnitten die finanziellen Folgen der Arbeitslosigkeit für den Staat aufgezeigt.

Wenn Arbeitslosigkeit herrscht, dann bedeutet das für die Wirtschaft und somit auch für den Staat, dass das Produktionspotenzial des Landes nicht optimal ausgelastet ist (Kromphardt 1998:22). Dies führt zu Unkosten, die der Staat tragen muss.

Ein Kurzbericht der IAB legt offen, welche Kosten der Staat durch die Arbeitslosigkeit tragen muss. Wenn der Staat durch die Arbeitslosigkeit eine Reduzierung der Einnahmen und ein Ansteigen der Ausgaben zu verzeichnen hat, dann führt das zu einer hohen Belastung des öffentlichen Haushaltes. Die Finanzierung der Arbeitslosigkeit beeinträchtigt nicht nur die Haushaltskasse des Staates, sondern auch das Rentensystem und viele andere Sozialsysteme, wie zum Beispiel die Krankenversicherung und die Pflegeversicherung. Grob können die Kosten in direkte Kosten und in indirekte Kosten eingeteilt werden (Brinkmann 1999:201).

Die direkten Kosten beschreiben die Beträge die der Staat direkt an die Bürger auszahlt, um den Bürger entweder direkt zu einer neuen Tätigkeit zu verhelfen, oder ein Einkommen zu schaffen für die Zeit zwischen zwei Tätigkeiten. Dazu gehören Arbeitslosengeld 1 und 2 (inkl. Sozialhilfe, Wohngeld, Arbeitslosenhilfe für alle erwerbsfähigen Personen), aktive Arbeitsmarktpolitik des Staates (Leistung für Arbeitsförderung, Weiterbildungsmaßnahmen, Trainingsmaßnahmen, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Vermittlungsleistungen) und Verwaltungsaufwendungen (IAB 1998:8).

Als indirekten Kosten, werden die Kosten bezeichnet, die dadurch entstehen, dass die Bürger, die arbeitslos sind, kein eigenes Einkommen haben. Dadurch entfallen für den Staat Einnahmen, wie der Einkommenssteuer, indirekter Steuern, Beiträge zur Sozialversicherung (wie Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, Krankenversicherung und Pflegeversicherung).

Es gibt noch weitere Nachteile für den Staat. Diese werden hier unter sonstige Nachteile zusammengefasst. Dazu zählen zum Beispiel die Sozialkosten, wie die Beratung und Betreuung von Arbeitslosen, welche medizinische und psychologische Hilfe benötigen. Zusätzlich die Kosten, die entstehen, um die soziale Sicherheit zu gewährleisten (Bach/Spitznagel 2003:o.S.). Denn die IAB bestätigte in einer Studie den realen Zusammenhang zwischen der Arbeitslosigkeit und der Kriminalitätsrate (Friedrich/Wiedemeyer 1994:45-48).

6 Der Weg aus der Arbeitslosigkeit

Die finanziellen Folgen waren ausschlaggebend für den Staat gegen die Arbeitslosigkeit zu handeln. Aus dem Grund wird im Folgenden das Hartz-Konzept vorgestellt, welches von der Kommission „Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ 2002 entwickelt wurde, um die Arbeitsmarktpolitik zu reformieren. Anschließend wird die Hausarbeit aufzeigen, welche Folgen das Konzept langfristig in Deutschland hatte und wie es zu der positiven Entwicklung der Beschäftigungslage gekommen ist und ob diese am Ende auch als positiv gewertet werden kann.

6.1 Hartz-Konzept

Das Hartz-Konzept hatte zum Ziel die damaligen Strukturen der Bundesanstalt für Arbeit zu erneuern, denn dieser wurde berechtigte Manipulation der Vermittlungsstatistik vorgeworfen. Die Bundesanstalt für Arbeit hatte jahrelang die Daten gefälscht, um eine positivere Statistik ausweisen zu können. Weiterhin sollte mit Hilfe des Hartz-Konzeptes innerhalb der nächsten vier Jahre die Arbeitslosenzahl von damals viel Millionen um die Hälfte reduziert werden.

Das sollte mit dreizehn Modulen erreicht werden. Die Vorschläge der Kommission beliefen sich auf die Senkung der durchschnittlichen Vermittlungsdauer, Zusammenführung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe, finanzielle Anreize für Unternehmen die eine positive Beschäftigungsbilanz aufweisen können, die Erhöhung der Arbeitsanreize durch striktere Zumutbarkeitsregelungen, Integration von schwer vermittelbaren Arbeitslosen durch Personalserviceagenturen, spezielle Integrationsprogramme für Jugendliche und ältere Arbeitnehmer, Anreize zur Schaffung von Arbeitsplätzen und den Abbau von Schwarzarbeit durch sogenannte Mini-Jobs und die Gründung von Familien-AG´s und Ich-AG´s, sowie die Steigerung und Umgestaltung der Effizient der Arbeitsämter (Kommission 2002:19-33). Aufgrund der begrenzten Möglichkeiten dieser Arbeit, können weiter Informationen zu den einzelnen Modulen leider nicht gegeben werden. Daher sei noch einmal auf die Kommission 2002 verwiesen, in der die einzelnen Module näher erläutert werden.

6.2 Kritik am Hartz-Konzept

Das Ziel der Kommission ist nach aktuellen Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit nicht erreicht worden. Dennoch ist die Zahl der Arbeitslosen nach dieser Quelle rapide gesunken und wird aller Wahrscheinlichkeit nach, wenn auch mit weniger großen Sprüngen, weiter sinken (Kommission 2002:19-33). Allerdings treten nun durch die Maßnahmen der Kommission andere Probleme auf. Die Linke Fraktion vertritt die Meinung, dass zwar die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist, aber zum großen Teil nur weil Unternehmen jetzt die Chance haben Arbeitnehmer in prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu drängen. Als Prekäre Beschäftigungen, werden Arbeitsverhältnisse bezeichnet, welche schlecht entlohnt werden, die kaum Arbeitnehmerschutz bieten und wenig berufliche Perspektiven bereit halten. Immer weniger Arbeitnehmer können ein unbefristetes Arbeitsverhältnis erwarten. Vor 25 Jahren war nur jeder fünfte in einer solchen Erwerbstätigkeit, heute ist es jeder dritte. Denn die derzeitige Regierung fördert diese atypische Art der Beschäftigung, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Die Linke ist der Meinung, dass die Arbeitslosigkeit allein dadurch reduziert werden kann, wenn alle Unternehmen ihre Gewinne auch in die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und in der Verbesserung der Arbeitsbedingungen fließen lassen. Denn dauerhaft wird eine solche Strategie zu leistungsfähigeren Arbeitnehmer führen, welche durch ein höheres Einkommen auch eine größere Nachfrage auf dem Markt generieren würden. Langfristig wird diese Vorgehensweise dann auch wieder den Unternehmen mehr Absatz bringen, so die theoretische Überlegung (Die LINKE. Im Bundestag).

7 Fazit

Abschließend sollen noch einmal alle relevanten Aspekte der Arbeit genannt werden, um die These „Der Staat hat die Arbeitslosenzahlen ins positive verändert, um vor seinen Bürger besser da zu stehen, aber hat eigentlich kein Interesse daran, das Vollbeschäftigung herrscht.“ ausreichend beantworten zu können.

Zum ersten Teil der These lassen sich relativ schnell Quellen finden, welche bestätigen, dass die Berechnung der Arbeitslosenzahlen auf verschiedenste Weise durchgeführt werden kann. So kommt es auch dazu, dass unterschiedliche Anzahlen genannt werden können, je nachdem welche Definition von Arbeitslosigkeit der Anwender bei der Berechnung genutzt hat.

Das die Bundesagentur für Arbeit eine wesentlich niedrigere Zahl im Juli 2015 (2.772.642) veröffentlicht hat, als die Linke Fraktion (3.524.696) liegt daran, dass die Bundesagentur für Arbeit solche Personengruppen nicht als Arbeitslos zählt, welche zum Beispiel einen Ein-Euro-Job nachgehen oder gerade an Maßnahmen zur aktiven Förderung von Arbeitsverhältnissen teilnehmen. Obwohl diese Personengruppen nicht ausreichend oder gar kein Geld bekommen, um damit ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Um den zweiten Teil der These beantworten zu können, mussten vergleichsweise viele Quellen herangezogen werden. Die Arbeitslosigkeit belastet die öffentlichen Haushalte, sowohl finanziell, als auch bürokratisch und schmälert nicht nur die öffentliche Nachfrage, sondern auch die private Nachfrage extrem. Des Weiteren führt eine hohe Arbeitslosigkeit nicht nur bei den Betroffenen zu finanziellen und persönlichen Schäden, sondern auch unter den derzeit Beschäftigten führt dies zu Berufs Verlustangst. Dadurch nimmt zum Beispiel ein Kurzzeit Arbeitsloser auch zu prekären Bedingungen einen Job an, nur um den Schäden der Langzeit Arbeitslosigkeit zu entkommen. Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass der Staat einige Nachteile durch die Arbeitslosigkeit hat, aber er erhält dadurch auch ein Druckmittel für die Beschäftigten und kurzfristig schafft er so den Unternehmen auch die Möglichkeit Arbeitnehmer in ein prekäres Arbeitsverhältnis zu drängen.

Letzt endlich sei gesagt, dass die Bewältigung der Arbeitslosigkeit durch eine einzige Interessengruppe nahezu unmöglich zu bewerkstelligen ist. Denn diese Aufgabe wird von vielen Faktoren bestimmt. Im Klartext bedeutet das, dass Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Gewerkschaften und Politiker langfristig zusammen arbeiten müssen, um auch langfristig Wirtschaftswachstum zu erlangen und die Arbeitslosigkeit zu beenden.

Anhang

1. Bibliografie

Bach, Hans-Uwe / Spitznagel, Eugen (2003): Gesamtfiskalische Modellrechnungen: Was kostet uns die Arbeitslosigkeit? IAB Kurzbericht 10; Nürnberg. verfügbar unter http://doku.iab.de/kurzber/2003/kb1003.pdf

Brinkmann, Gerhard: Einführung in die Arbeitsökonomie, München 1999

Bundesagentur für Arbeit (Hrsg): Umfassende Arbeitsmarktstatistik, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung (07.2015), verfügbar unter http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Unterbeschaeftigung-Schaubild.pdf

Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Arbeitslosigkeit, Grundlagen für die Arbeitslosenstatistik ist die Definition der Arbeitslosigkeit im Sozialgesetzbuch (2012), verfügbar unter http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Grundlagen/Arbeitslosigkeit-Unterbeschaeftigung/Arbeitslosigkeit-Nav.html; [19.08.2015]

DESTATIS Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Arten der Arbeitslosigkeit, verfügbar unter https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Arbeitsmarkt/Methoden/Begriffe/ArbeitslosigkeitArten.html; [20.08.2015]

DIE LINKE. (Hrsg.): Tatsächliche Arbeitslosigkeit, verfügbar unter http://www.die-linke.de/politik/positionen/arbeitsmarkt-und-mindestlohn/tatsaechliche-arbeitslosigkeit/; [20.08.2015]

DIE LINKE. Im Bundestag (Hrsg.): Prekäre Beschäftigung, verfügbar unter http://www.linksfraktion.de/themen/prekaere-beschaeftigung/; [20.08.2015]

Eberhard, David: Massenarbeitslosigkeit und Neoliberalismus, Ein wirtschaftspolitisches Konzept auf dem Prüfstand, Stuttgart 1998

Fassmann, Heinz; Peter Meusburger: Arbeitsmarktgeografie, Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit im räumlichen Kontext, Stuttgart 1997

Friedrich, Horst; Michael Wiedemeyer: Arbeitslosigkeit – Ein Dauerproblem im vereinten Deutschland? Dimensionen, Ursachen, Strategien, Ein problemorientierter Lehrtext, Opladen 1994, 2. Auflage 1994

Geigant, Friedrich; Franz Haslinger, Dieter Sobatka u.a.: Lexikon der Volkswirtschaft, Landsberg/Lech 1994, 14. Auflage

IAB (Hrsg.): Zahlen-Fibel, Ergebnisse der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in

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Kommission für Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt: Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt, Vorschläge der Kommission zum Abbau der Arbeitslosigkeit und zur Umstrukturierung der Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg 2002

Kromphardt, Jürgen: Arbeitslosigkeit und Inflation: Eine Einführung in makroökonomische

Kontroversen, Göttingen 1997; 1998, 2. Auflage

Sozialgesetzbuch Drittes Buch

Springer Gabler Verlag (Hrsg.), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Reallohn, verfügbar unter http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/15548/reallohn-v8.html; [20.08.2015]

Woll, Artur: Wirtschaftslexikon, München 2000, 9. Auflage

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668083493
ISBN (Buch)
9783668083509
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309997
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
2,0
Schlagworte
Arbeitslosigkeit in Deutschland Neoklassischer Arbeitsmarkt Keynsianischer Arbeitsmarkt konjunktuelle Arbeitslosigkeit strukturelle Arbeitslosigkeit Saisonale Arbeitslosigkeit Friktionelle Arbeitslosigkeit Finanzielle Arbeitslosigkeit Der Weg aus der Arbeitslosigkeit Hartz-Konzept Kritik am Hartz-Konzept
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Titel: Arbeitslosigkeit in Deutschland. Ein Überblick