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Historische Siedlungsentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 17 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Besiedlungsgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns von der Vorgeschichte bis heute ... 1

2. Entwicklung der Flurformen unter den spezifischen Gesellschaftsordnungen ... 7

3. Entwicklung der Ortsgrundrisse und typische Gebäudeformen der historischen Zeit einzelner Entwicklungsetappen ... 9
3.1 Bauernhäuser ... 10
3.2 Sakrale und profane Architektur ... 11
3.3 Backsteinarhitektur ... 12

Quellenverzeichnis ... 13

Glossar ... 14

1. Besiedlungsgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns von der Vorgeschichte bis heute

Mecklenburg-Vorpommerns Geschichte und Kultur sind einzigartig. Das heute als Mecklenburg Vorpommern bekannte Bundesland mit seinen wunderschönen Natur- und Küstengebieten, mit der Landeshauptstadt Schwerin, entstand im Jahre 1990 im Zuge der deutschen Wiedervereinigung.1 Das Gebiet wurde bereits in historischen Zeiten besiedelt. Seit Jahrtausenden haben die Menschen ihre Spuren hier hinterlassen und die Kulturlandschaft gestaltet. Die ältesten Zeugnisse menschlicher Besiedlung in Mecklenburg-Vorpommern stammen aus dem letzten Abschnitt der Altsteinzeit (vor etwa 10 000 bis 12 000 Jahren). Anfänglich wurden bevorzugt die tiefer liegende, wettergeschützte und daher wärmere Gebiete, also insbesondere Tal- und Muldenlagen besiedelt.2 Von den umherstreifenden Jägern dieser Zeit zeugen Funde und Stielspitzen aus Feuerstein besonders auf dem Fischland, im Gebiet östlich der Müritz, am Nordende des Schweriner Sees und im Uecker-Randow-Gebiet.3 Erst nach dem Abtauen der Gletscher können auch im Ostseeraum Menschen leben. Zunächst sind es nomadisierende Jäger und Sammler, die sich schließlich, begünstigt durch das milder werdende Klima, sesshaft machen und Ackerbau und Viehzucht betreiben.4 Mit dem Übergang zum Ackerbau begann die eigentliche Besiedlung- Es wurden leicht zu bearbeitende Böden bevorzugt.

Der Übergang zum Neolithikum (ca. 3500-1800 v.u.Z.) war mit einer für die Geschichte der Menschheit revolutionären Entwicklung der Produktivkräfte verbunden, auf deren Grundlage sich die agrarische Wirtschaftsweise mit weitgehender Sesshaftigkeit herausbildete. Die bäuerliche Lebensweise mit Großfamilie als Produktionsgemeinschaft setzte sich durch und bestimmte die künftige Entwicklung, die sich über Jahrhunderte vollzog und mit großen regionalen Unterschieden verbunden war.5 Von den Ackerbauern und Viehzüchtern dieser Zeit künden viele tausend archäologische Funde, wie Steinbeile und Steinäxte, Dolche und Messer aus Feuerstein, sowie Reste von Keramikgefäßen. Beeindruckende Denkmäler jener Kultur sind die Großsteingräber. Besonders sehenswerte Gruppen solcher urzeitlichen Grabanlagen findet man im mittleren Warnowgebiet, in der Recknitzregion zwischen Tessin und Bad Sülze, an der Schwinge nordöstlich von Demmin sowie auf der Insel Rügen.

In der Völkerwanderungszeit verließen die germanischen Stämme das heutige mecklenburg-vorpommersche Gebiet, und etwa ab dem Jahr 600 besiedelten slawische Stämme das fast menschenleere Land: im Westen die Obotriten, im Osten die Wilzen, und auf der Insel Rügen die Ranen.

Zur Römerzeit bildeten die Gebiete zwischen Wismar und dem Nordteil des Schweriner Sees, südlich um Wittenburg, der Trebel-Tollensee-Raum, das Seengebiet zwischen Plau und Neustrelitz und um Neubrandenburg, die Inseln Rügen und Usedom Siedlungsschwerpunkte; auch in slawischer Zeit, da die Slawen anfänglich diese Gebiete übernahmen.

MiMittelpunkt eines jeden Siedlungsbereiches war die Burg: Zufluchtsstätte bei kriegerischen Auseinandersetzungen, Markt und meist auch Standort des Heiligtums. Die Burgen gestalteten das Landschaftsbild durch Mauern und Türme, Zinnen, Tore und Zugbrücken, Wälle und Gräben, Wohngebäude, Stallungen, Burgfriede und teilweise noch Vorburgen. Vor allem bei Städten kamen oft mehrere und große Wälle und Graben hinzu (z.B. in Neubrandenburg).6 231 Burgwälle hat man in Mecklenburg-Vorpommern lokalisiert, häufig befinden sie sich in wasserreichen Niederungen am Rande von Flusstälern oder auf Inseln. Als sichtbare Zeugnisse dieser Zeit sind in Mecklenburg-Vorpommern noch 200 Burgwälle geblieben, die heutzutage lohnenswerte touristische Ziele sind. Zusammen mit den Türmen der Rathäuser, in der Regel mehrere Pfarr- (oder Stadt-) und Klosterkirchen, den Domen (Greifswald, Güstrow, Schwerin) und Kapellen zeigten die mittelalterlichen Stadtbilder im Aufriss eine turmreiche Silhouette, und somit ein sehr bewegtes Relief.

Grabungen erfolgten auf einer Insel im Teterower See und bei Behren-Lübhin. Dort hatte der morastige Boden die Eichenplanken über 1000 Jahre lang hervorragend konserviert, was den Wissenschaftlern eine Rekonstruktion der Anlagen bis ins Detail ermöglichte. In diese Burgen flüchteten die Slawen auch während der Eroberungszüge des deutschen Königs Heinrich I. (929) und Kaiser Ottos I. (955). Diese erste Ostexpansion des deutschen Reiches beendete ein großer Aufstand der Liutizen und Obotriten im Jahr 983, der den Slawen für eineinhalb Jahrhunderte ihre Unabhängigkeit sicherte und den deutschen Einflussbereich an die Elbe zurückdrängte.7 An die slawische Siedlungsperiode erinnern noch Ostnamen mit den Endungen –in, -ow, -itz, und -gast.

Neben dörflichen und klösterlichen Siedlungen brachten die deutschen Kolonisten auch das im 12. Jahrhundert in den alten Reichslanden entstandene Konzept der Stadt, eine wirtschaftlich-soziale Neubildung eigenen Rechts, nach Mecklenburg und Vorpommern, die territorial gesehen zur Zeit unabhängig voneinander waren.

Slawische und deutsche Fürsten förderten die Bildung von Städten, die je nach Region dem Fernhandel oder dem Bergbau dienten oder als regionales Marktzentrum für das umliegende Bauernland fungierten. Die Landesherren gewährten den Städten ein eigenes Recht, das meist die Markt-, Münz- und Zollhoheit sowie eine unabhängige Gerichtsbarkeit umfasste. Die Küstenstädte bekamen meist das Lübecker, die Binnenstädte das Magdeburger Stadtrecht.

Schwerin, die erste Stadtgründung auf mecklenburgischem Boden, erhielt bereits 1160 von Heinrich dem Löwen das Stadtrecht, sieben Jahre später würde sie auch Bischofssitz.8

Die von Heinrich dem Löwen eingeleitete deutsche Ostsiedlung setzte sich 1168 fort. Nachdem die einheimische Bevölkerung unterworfen und getauft worden war kamen immer mehr Siedler aus Niedersachsen, Westfalen, Flandern und anderen Gebietender alten Reichslande nach Mecklenburg und Vorpommern. Sie wurden nach deutschem Recht angesiedelt, das ihnen persönliche Freiheit, fast unbeschränktes Verfügungsrecht in Erb- und Eigentumsangelegenheiten, die Umwandlung von Dienstpflichten in Geldabgaben und ein eigenes Schultheißengericht verbürgte. Die deutschen Neuankömmlinge brachten fortgeschrittene Kenntnisse in der Landwirtschaft mit sich, z.B.: den eisernen Scharpflug und die Dreifeldwirtschaft mit Fruchtwechsel, rodeten Wälder und entwässerten das Sumpfland.

Treibende Kräfte der deutschen Besiedlung waren darüber hinaus Klöster und Städte. Das erste Kloster gründeten die Benediktiner in Stolpe (1153), es folgten die Prämonstratenser in Grobe (1156) und die Zisterzienser, die einen europaweiten Ruf als Landkultivatoren besaßen, in Doberan (1171) und Dargun (1172). Schon 1171 berichtet die Chronik Pfarrer Helmolds von Bossau am Plöner See, das ehemalige Slawenland sei in eine blühende Sachsenkolonie voller Städte, Dörfer und Kirchen verwandelt.9

Das 12./13. Jahrhundert, die zweite Hälfte des Hochmittelalters, brachte in der sogenannten Großen Ostkolonisation, vor allem des flachen Landes, einen gewissen Abschluss der Landnahme: Einwanderung deutscher Bürger und Bauern aus dem westelbischen Gebiet in die bis dahin slawisch besiedelten Regionen. Die neuen Siedler kamen aus allen altdeutschen Gebieten, vor allem jedoch aus dem heutigen Niedersachsen und Westfalen, aber auch aus Mitteldeutschland, Franken und vom Niederrhein. Gesiedelt wurde also teilweise neben slawischen Siedlungen. Bevorzugte Orte/Siedlungskerne wurden deutsche und slawische Burgen, Stadtgründungen und kirchliche Einrichtungen wie Feldkirchen und Klöster.10 Diese planmäßigen Gründungen kann man noch heute an ihrem rechtwinkligen Raster des Straßennetzes mit quadratischem Marktplatz im Zentrum erkennen, an dem das Rathaus und auf der gegenüberliegenden Seite die Kirche Platz finden. Besonders in Neubrandenburg lässt sich der mittelalterliche Stadtgrundriss (Abbildung 1) gut von den Aussichtsterassen des mitten in der Stadt liegenden Hauses der Kultur und Bildung überblicken.

[Abbildungen sind in dieser Leseprobe nicht enthalten.]
Abbildung 1: Stadtgrundriss Neubrandenburg 1248

[...]


1 Landesportal Mecklenburg-Vorpommerns: Landesgeschichte. Unter: http://www.mecklenburg-vorpommern.eu (eingesehen am 27.02.12 19:36)
2 Heckman, Herman (1991): Mecklenburg Vorpommern. Historische Landeskunde Mitteldeutschlands. Weidlich: Würzburg; S. 98
3 Artikel: Das Land-Geschichte: Mecklenburg-Vorpommern. Unter: http://www.m-vp.de (eingesehen am 28.02.12)
4 Heitz, Gerhard/ Rischer, Henning (1995): Geschichte in Daten – Mecklenburg-Vorpommern. Koehler und Amelang: München, Berlin; S. 152-154
5 Heitz, Gerhard/ Rischer, Henning (1995): Geschichte in Daten – Mecklenburg-Vorpommern. Koehler und Amelang: München, Berlin; S.8-11
6 Heckman, Herman (1991): Mecklenburg Vorpommern. Historische Landeskunde Mitteldeutschlands. Weidlich: Würzburg; S. 95-96
7 Wurlitzer, Bernd (2010): Mecklenburg-Vorpommern – von der Ostseeküste mit ihren Hansestädten und den Inseln Rügen und Usedom bis zur Seenplatte. Dumont Reiseverlag: Ostfildern; S.24
8 Wurlitzer, Bernd (2010): Mecklenburg-Vorpommern – von der Ostseeküste mit ihren Hansestädten und den Inseln Rügen und Usedom bis zur Seenplatte. Dumont Reiseverlag: Ostfildern; S. 26
9 Wurlitzer, Bernd (2010): Mecklenburg-Vorpommern – von der Ostseeküste mit ihren Hansestädten und den Inseln Rügen und Usedom bis zur Seenplatte. Dumont Reiseverlag: Ostfildern; S. 27-30
10 Heckman, Herman (1991): Mecklenburg Vorpommern. Historische Landeskunde Mitteldeutschlands. Weidlich: Würzburg; S. 100- 104

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668085978
ISBN (Buch)
9783668085985
Dateigröße
907 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309953
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Geographie
Note
2,3
Schlagworte
historische siedlungsentwicklung mecklenburg-vorpommern

Autor

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