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Hilarius von Poitiers und sein Kampf um die Orthodoxie

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Theologie - Religion als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Quellenlage

3. Biographie Hilarius von Poitiers

4. Geschichtlicher Hintergrund
4.1 Die Lehre der Arianer
4.2 Ausbruch des arianischen Streits
4.3 Das Konzil von Nicaea und seine Ergebnisse

5. Hilarius von Poitiers und die Irrelehren
5.1 Was sind Häresien?
5.2 Die rechte Lehre
5.2 Herausforderung und Sieg der Kirche

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Hilarius von Poitiers muss man als einen eher unbekannteren Kirchenlehrer bezeichnen. Die meisten Menschen werden den Namen des Bischofs aus Poitiers wahrscheinlich noch nie gehört haben. Dennoch ist dieser Name unverkennbar mit dem engagierten Eintreten für den einzig wahren Glauben verbunden. Hilarius von Poitiers, der auch als „Athanasius des Westens“ bezeichnet wurde, war für die Kirche eine tragende Figur des 4. Jahrhunderts1. Diese bedeutende Rolle soll in der folgenden Arbeit näher beleuchtet werden. Vor allem wird dabei auf die herausragenden Errungenschaften des Hilarius von Poitiers im Kampf um die rechte Lehre eingegangen. Hier wird zunächst deutlich gemacht was eine Häresie eigentlich bedeutet, wie der Kampf des Hilarius gegen die damaligen Irrlehren aussah und welchen Nutzen die Kirche daraus ziehen konnte. Gerade die Bedeutung des Versuchs von Hilarius durch den Kampf gegen die damaligen Häretikern und ihre Irrlehren die Einheit der Kirche zu bewahren soll in der vorliegenden Arbeit deutlich gemacht werden. Dabei muss allerdings auch besonders auf den geschichtlichen Hintergrund der Zeit des Hilarius eingegangen werden. Das Konzil von Nicaea und die heftig geführte Glaubensdiskussion um die Irrlehre des Arianismus sind tragende Ereignisse, die das Lebenswerk des Hilarius prägten. Die geschichtliche Situation muss als äußerst bedeutend für den Werdegang des Hilarius bezeichnet werden, daher ist ein genauer historischer Überblick unverzichtbar. Dabei wird vor allem auf die damalige Lehre des Arius, den Arianismus, eingegangen. Auch der Ausbruch dieses arianischen Streites und das Konzil von Nicaea mit seinen Beschlüssen werden in diesem Zusammenhang näher beleuchtet.

2. Die Quellenlage

Hilarius von Poitiers ist ein Kirchenlehrer des christlichen Altertums über dessen Leben so wenig bekannt ist, wie über kaum einen anderen.2 Dies spiegelt sich vor allem auch in der Quellenlage des Bischofs wider. Die dogmatischen und historischen Werke sind fast ausschließlich in Latein vorhanden, in der sie auch verfasst wurden. Auch die Anzahl der Sekundärliteratur, die über Hilarius von Poitiers verfasst wurde ist eher dürftig. Der Bischof von Poitiers wird hauptsächlich in Lexikaartikeln und im Zusammenhang mit den damaligen historischen Ereignissen erwähnt. Daher ist lediglich „das Kirchenverständnis des Hilarius von Poitiers“ von Michael Figura, im Zusammenhang des Kampfes um die rechte Lehre des Hilarius für die vorliegende Arbeit als bedeutende Grundlage zu betrachten.

3. Biographie Hilarius von Poitiers

Hilarius von Poitiers ist zwischen 310 und 320 n.Chr. in Limonum bei Poitiers oder direkt in Poitiers geboren worden. Er starb wahrscheinlich am 1. November 367 n. Chr. Bemerkenswert ist, dass man aus den 50 oder 60 Lebensjahren des Hilarius von Poitiers lediglich nur 12 Jahre genauer erfassen kann.

Der Geburtsort von Hilarius von Poitiers, der zu der römischen Provinz Aquitanien gehörte, war eines der geistigen Zentren des römischen Reiches. Er stammte aus einer wohlhabenden, wahrscheinlich heidnischen, aquitanischen Familie von Großgrundbesitzern. Man kann davon ausgehen das Hilarius von Poitiers ein bequemes und sorgenfreies Leben in seiner Jugend verbrachte, da er später im Psalmenkommentar durch seine eigenen Erfahrungen vor weltlichem Reichtum warnte. Das Hilarius von Poitiers eine hervorragende Ausbildung in Rhetorik und Grammatik erhielt ist schon in seinen ersten Werken, wie beispielsweise dem Matthäuskommentar, erkennbar. Er erhielt seine Ausbildung wahrscheinlich in Bordeaux. Neben seinen hervorragenden Grammatik, Rhetorik und Lateinkenntnissen war seine Ausbildung in der griechischen Sprache eher minder ausgeprägt, da er die griechische Sprache in seinen ersten Werken weitestgehend vermied. Erst im Laufe der Zeit entwickelte Hilarius von Poitiers eine genauere Kenntnis der griechischen Sprache. Hilarius von Poitiers befasste sich ebenfalls mit philosophischen Fragen, allerdings konnte er zu diesem Gebiet keine echte Beziehung entwickeln.3 Zu seinem Glauben gelangte Hilarius relativ spät. Erst das Lesen in der Heiligen Schrift, während er auf der Suche nach dem Sinn des Lebens war, brachte Hilarius auf seinen weiteren Lebensweg. 345 ließ er sich zusammen mit seiner Frau und Tochter taufen. Das Hilarius verheiratet war und Vater einer Tochter war, ist wohl auf eine regionale Tradition dieser Zeit zurückzuführen . Um 350 wurde er dann wahrscheinlich zum ersten Bischof der jungen Christengemeinde von Poitiers gewählt.

Hilarius von Poitiers kam im Jahre 355 zum ersten Mal in Kontakt mit dem Nicaenum, für dessen Interessen er sich in den folgenden Jahren massiv einsetzte. Es folgte danach im Jahre 356 ein entscheidender Einschnitt im Leben des Hilarius von Poitiers. Er wurde in den arianischen Streit verwickelt und infolge dessen unter einer falschen Anklage, durch verfälschte Berichte, direkt ins Exil nach Phrygien in Kleinasien verbannt. Ein bestimmter Aufenthaltsort wurde ihm wohl nicht zugeteilt, da er sich in mehreren asiatischen Provinzen aufhielt und so weite Teile des Orient kennenlernte. 359 nahm Hilarius an der Synode von Seleukia und Rimini auf der Seite der Homöusianer teil und wandte sich dort gegen die Erhebung des Arianismus zur Staatsreligion. Während der gesamten Zeit der Verbannung stand Hilarius von Poitiers in ständigem Briefwechsel mit gallischen Bischöfen. Da er seine Zeit hauptsächlich mit Studien verbrachte eignete er sich immer mehr theologische und kirchenpolitische Kenntnisse an. Die wichtigste Erkenntnis für Hilarius, die er durch den intensiven Kontakt mit dem andersdenkenden Volk erlangte, war jedoch das nicht alle Orientalen gleichzeitig Arianer sein müssen. Ab diesem Zeitpunkt war das Handeln des Hilarius von Poitiers klar auf die Aussöhnung zwischen den homousianischen Abendländern und den homöusianischen Orientalen ausgerichtet. 360 kehrte Hilarius von Poitiers ohne ausdrückliche Genehmigung nach Gallien aus der Verbannung zurück, nachdem er sich zuvor vergeblich um eine Audienz beim Kaiser in Konstantinopel bemüht hatte. Eine der letzten bedeutenden Aktivitäten des Bischofs von Poitiers war der gemeinsame Versuch mit Eusebs von Vercelli den homöischen Mailänder Bischof Auxentius 364 durch Valentinian abzusetzen. Sie wollten damit gegen die Ergebnisse von Rimini wirken, was ihnen allerdings nicht gelang. Hilarius von Poitiers war in seinen letzten Lebensjahren lediglich noch literarisch tätig, bis er 367 oder 368 in Poitiers gestorben ist.4

4. Geschichtlicher Hintergrund

4.1 Die Lehre der Arianer

Verantwortlich für den großen Streit, der in die Kirchengeschichte einging, war der Presbyter Arius. Er war Seelsorger an der katholischen Kirche im alexandrinischen Stadtteil Baukalis. Arius selbst stammte allerdings aus Lybien. Man sagte Arius eine streng asketische Lebensführung und eine hohe Allgemeinbildung nach. Sein Spezialgebiet war das der „Dialektik“.

Arius der als eifriger Theologe galt begann ab 318 seine eigene Theologie zu entwickeln. Hauptgrundlage war das Verhältnis von Vater und Sohn. Er ging von der absoluten Unveränderlichkeit und Unwandelbarkeit Gottes aus. Arius stellte klar heraus das allein Gott der ungewordene Vater sei und der Sohn Jesus auf die Seite der Geschöpfe zuzuordnen ist.5 Er begründete seine Zuordnung damit, dass Jesus nicht ewig sei mit den Worten: „Es gab eine Zeit, in der er (der Logos) nicht war“.6 Für Arius ist Jesus durch den Status des Erstgeborenen lediglich Vermittler und Instrument des absoluten Gottes in seinem Schöpfungswerk. Jesus kann höchstens im übertragenen Sinne als Gott bezeichnet werden, da er das Erste und Vorzüglichste aller Wesen darstellt. Arius fand für seine Auffassung vor allem bei gottgeweihten Jungfrauen und in seiner Gemeinde erheblichen Anhang. Allerdings stieß Arius auch auf massiven Widerstand, der sich zum arianischen Streit ausdehnte.7

4.2 Ausbruch des arianischen Streits

Zunächst wurde die Haltung des Presbyters Arius als Sondermeinung abgetan, da die Tragweite seiner Auffassung noch niemand erahnen konnte. Auch in einem persönlichen Gespräch mit dem Bischof Alexander von Alexandrien blieb Arius standhaft bei seiner Auffassung, dass es eine Zeit ohne den Sohn Gottes gab und er daher nicht ewig und vollkommen göttlich sein kann, da er genauso aufnahmefähig für das Böse sei wie alle anderen geschaffenen Wesen auch. Nachdem Bischof Alexander Arius nahelegte seine bisherige Haltung zu überdenken und der Presbyter dies entschieden zurückwies, war der Frieden der alexandrinischen Kirche auch wegen der verbreiteten Anhängerschaft seiner Auffassung ernsthaft bedroht. Daraufhin schloss Bischof Alexander 318 oder 319 den Presbyter Arius mit seinen Anhängern aus der alexandrinischen Kirche aus. Da gerade in dieser Frage, die Arius zum Streitthema machte, auch außerhalb Ägyptens keine einheitliche Meinung herrschte, konnte er sich weiterhin berechtigte Hoffnungen machen seine Auffassungen durchsetzen zu können. Seine lokale Begrenzung verlor der Streit endgültig nachdem der einflussreiche Bischof der Reichshauptstadt, Eusebios von Nikomedien, von den Unruhen in Alexandrien erfahren hat. Der arianische Streit, der sich zu einem alexandrinischen Streit ausdehnte, wurde immer weiter auch in die östlichen Regionen getragen. Es folgte im Jahre 320 eine Synode in Bithynien unter Führung des Bischofs Eusebius von Nikomedien, der sich klar für Arius aussprach, in der die Wiederaufnahme in die alexandrinische Kirche von Arius und seinen Anhängern gefordert wurde. Arius schrieb ein Glaubensbekenntnis in dem es hieß es sei nur der Vater ewig, er allein ohne Anfang, der Sohn aber sei Gottes vollkommenes Geschöpf, er besitze nicht zugleich mit dem Vater das Sein, da der Vater vor dem Sohn existierte. Obwohl Alexander von vielen Seiten bedrängt wurde, das Urteil über Arius zu überdenken, stellte dieser klar heraus das der Presbyter unter Missachtung aller apostolischen Überlieferungen einen Kampf gegen Christus führt und seine Gottheit leugnet. In dieser Situation in der die Kluft zwischen beiden Lagern nicht hätte größer sein können, griff Kaiser Konstantin in die Situation ein und versuchte sie zu beruhigen. Hauptziel seiner Religionspolitik war es die volle Eintracht unter den Dienern Gottes herzustellen. Außerdem hing von diesem Ziel auch die Zukunft des Staates ab. Da Alexander den Streit als unnötige Diskussion um eine belanglose Frage bezeichnete, erkennt man wie wenig der Kaiser von der theologischen Bedeutung des Streites ahnte. Die Diskussion hatte sich nämlich bis dahin zu einer Auseinandersetzung um fundamentale Fragen der christlichen Theologie ausgeweitet. Daraufhin stand ihm Bischof Ossius von Cordoba als theologischer Berater und Vermittler zur Seite. In einer weiteren Synode zwischen 324 und 325 in Antiochien unter der Leitung von Bischof Ossius sprachen sich die Teilnehmer erneut für Alexander und die Verurteilung des Arius aus.8

[...]


1 Figura, Michael: Das Kirchenverständnis des Hilarius von Poitiers, Herder, Freiburg, Basel und Wien 1984, S.13.

2 Ebd., S.14.

3 Ebd. S.13-19.

4 Brennecke, Hanns Christof: [Art.] Hilarius von Poitiers, In: TRE, Bd. 15, Berlin, New York 1986, S.315-317.; auch in Durst, Michael: [Art.] Hilarius von Poitiers, In: LThK, Bd. 5, Freiburg, Basel, Rom Wien 1996, Sp. 100f.; desweiteren in Greschat, Martin: Alte Kirche 1, W. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln und Mainz 1993, S. 251-255.

5 Baus, Karl und Ewig, Eugen: Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen, Erster Halbband: Die Kirche von Nikaia bis Chalkedon, Herder, Freiburg, Basel, Wien 1973, S. 18.; ebenso in Frank, Karl Suso: Lehrbuch der Geschichte der Alten Kirche, Ferdinand Schöningh, Paderborn, München, Wien, Zürich 1996, S. 243f.

6 Frank, Karl Suso: Lehrbuch der Geschichte der Alten Kirche, S.244.

7 Baus, Karl und Ewig, Eugen: Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen, Erster Halbband: Die Kirche von Nikaia bis Chalkedon, S. 18-19.; ebenso in Frank, Karl Suso: Lehrbuch der Geschichte der Alten Kirche, S. 244.

8 Baus, Karl und Ewig, Eugen: Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen, Erster Halbband: Die Kirche von Nikaia bis Chalkedon, S. 19-21.; ebenso in Frank, Karl Suso: Lehrbuch der Geschichte der Alten Kirche, S. 244f.; desweiteren in Norbert Brox, Odilo Engels, Georg Kretschmar, Kurt Meier, Heribert Smolinsky: Die Geschichte des Christentums: Religion, Politik, Kultur, Bd. 2, Das Entstehen der einen Christenheit (250-430), Herder, Freiburg, Basel und Wien 1992, S. 302-305.

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668082878
ISBN (Buch)
9783668082885
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309911
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Katholische Theologie
Note
2,0
Schlagworte
hilarius poitiers kampf orthodoxie

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