Lade Inhalt...

Nachhaltige Entwicklung und ihre Förderung im Sachunterricht

Hausarbeit 2012 26 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bildungspolitische Definition von Nachhaltigkeit und nachhaltigen Kompetenzen
2.1 Das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung
2.2 Kompetenzen einer nachhaltigen Entwicklung – Ein Bezug zu dem Teilrahmenplan Sachunterricht Rheinland-Pfalz

3 Lernvoraussetzungen zur Entstehung einer umweltbezogenen Grundeinstellungen

4 Die Wahrnehmung der Umwelt aus Sicht der Kinder

5 Verknüpfung zwischen bildungspolitischen Absichten und der „Realität“

6 Fazit

7 Anhang
7.1 Bild der unberührten Natur als stummer Impuls und zur Anregung der Phantasie der Kinder (Gliederungspunkt 4)
7.2 Anmerkungen und Erläuterungen der verwendeten Symbole innerhalb der Transkription der Schülergespräche in Gliederungspunkt 4.

8 Literaturangaben

1 Einleitung

Die Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Themenbereich der nachhaltigen Entwicklung und der dazugehörigen wissenschaftlichen Fragestellung Fördert der Sachunterricht allgemeine Kompetenzen einer nachhaltigen Grundeinstellung?, welche als Schwerpunkt dieser Ausarbeitung anzusehen ist. Der Bereich der Nachhaltigkeit erfährt in unserer derzeitigen Lebenswelt mehr als je zuvor eine Aktualität und Prägnanz in sämtlichen Bereichen der sozialen Umwelt: Politik, Medien und Didaktik beschäftigen sich ausgiebig in diesem Bereich mit der Intention, die Gesellschaft langfristig zu sensibilisieren und um ein Verständnis in den Köpfen der Menschen zu wecken, damit die Umwelt unter den anthropogenen Einflüssen weiterhin beständig bleibt. Ein Umdenken in einer Gesellschaft zu erlangen ist erfahrungsgemäß nicht einfach und daher sollte diese Sensibilisierung weitaus früher einsetzen: Welcher Ort eignet sich dafür besser wie die Grundschule – Dort wo an Heranwachsende die Grundwerte und Normen für ihr weiteres Leben herangetragen werden sollen und sich Ansichten festigen können? Auf diesem Grundgedanken baut diese Ausarbeitung auf. Schafft es der Sachunterricht in der Grundschule der Aktualität des Themas gerecht zu werden und werden Schüler[1] genügend Erfahrungsmöglichkeiten geboten, damit ihre nachhaltige Entwicklung positiv verläuft?

Um dieser Fragestellung gerecht zu werden, muss zu Beginn eine Begriffsdefinition von Nachhaltigkeit aufgeführt werden. Im Gliederungspunkt zwei wird demnach eine Bildungspolitische Definition von Nachhaltigkeit und von nachhaltigen Kompetenzen dargestellt. Nach einer kurzen Einführung über den Aktualitätsbezug der Nachhaltigkeit und der Darstellung von prägnanten Daten und Fakten wird im ersten Unterpunkt das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung beschrieben. Dieses baut auf den Aussagen den Landes Rheinland-Pfalz auf, welches auf seinem Bildungsserver ausführliche Gedanken und Leitideen zu dem Thema Nachhaltigkeit veröffentlicht hat. Ergänzend dazu werden die Aussagen mit der Fachdidaktik gekoppelt, da immer wieder Bezüge zu der Fachdidaktikerin Ute Stoltenberg (2002) hergestellt werden. In dem zweiten Unterpunkt des Kapitels konkretisiert sich die Thematik: Der Teilrahmenplan Sachunterricht Rheinland-Pfalz wird vorgestellt und auf die Kompetenzen einer nachhaltigen Entwicklung überprüft und untersucht. Welche Kompetenzen brauchen Kinder, um sich nachhaltig zu entwickeln und woran sollen sich Lehrer orientieren?

Im dritten Gliederungspunkt werden aus gegebenem Anlass die Lernvoraussetzungen zur Entstehung einer umweltbezogenen Grundeinstellung betrachtet. Der Zusammenhang zu dem Teilrahmenplan Sachunterricht ergibt sich im Verlauf des Hauptteils und wird an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt, um folgende Erkenntnissen nicht vorwegzugreifen.

Das vierte Kapitel liefert den praktischen Teil dieser wissenschaftlichen Arbeit. Ich habe Kleingruppen einer vierten Jahrgangsstufe zu dem Thema Umwelt befragt, um einen Einblick in die Wahrnehmung der Umwelt aus Sicht der Kinder zu erlangen. Das Gespräch findet sich in Form einer Transkription in dem Gliederungspunkt wieder und ist an dieser Stelle weder analysiert noch gefiltert.

Dies geschieht innerhalb des fünften und abschließenden Kapitels, denn es wird eine Verknüpfung zwischen den bildungspolitischen Absichten und der „Realität“ hergestellt. Kompetenzerwartungen des Landes Rheinland-Pfalz werden mit den Ansichten der Viertklässler abgeglichen und auf deren Erfolg und Misserfolg überprüft.

Demzufolge bleibt zu Beginn dieser Ausführungen offen, ob der Sachunterricht die Kompetenzen einer nachhaltigen Grundeinstellung erfolgreich fördert. Deren Beantwortung wird innerhalb des Fazits versucht gerecht zu werden.

2 Bildungspolitische Definition von Nachhaltigkeit und nachhaltigen Kompetenzen

Der thematische Bereich der Nachhaltigkeit erlangt aktuell in dem Bewusstsein der Menschen immer mehr an Bedeutung. Erkennen kann man dies durch die zunehmenden politischen Diskussionen um eine nachhaltige Lebensweise und ein zukunftsbewusstes Handeln. Innerhalb der Politik hat man erstmals 1992 global über den Bereich der Nachhaltigkeit und Möglichkeiten zur aktiven Bewahrung unseres Lebensraums gesprochen. Damals trafen sich 178 Staaten in Rio de Janeiro, um den ersten Weltgipfel der UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung abzuhalten. (Vgl. Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz 2010) Die Absicht hinter diesem Zusammenkommen vieler Nationen war es, „[…] die Weichen für eine weltweite, nachhaltige Entwicklung zu stellen. Dabei war insbesondere die Abhängigkeit des Menschen von seiner Umwelt und die Rückkopplung weltweiter Umweltveränderungen auf sein Verhalten bzw. seine Handlungsmöglichkeiten zu berücksichtigen.“ (Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz 2010)

Die Zielsetzung der Konferenz von Rio 1992 wird global und international beschrieben und ist daher weniger konkret. Ob, und wenn ja wie, sich diese allgemeinen Ziele direkt auf den Bereich der Schule und dem Lernen mit Kindern anwenden lassen, soll im folgendem Abschnitt betrachtet werden.

2.1 Das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung

Der Zuständigkeitsbereich der Bildung fällt in Deutschland in die Hände jedes einzelnen Bundeslandes separat und ist daher Ländersache. Um erschließen zu können, was von Kindern erwartet wird und wie sie an eine nachhaltige Grundeinstellung gelangen sollen, ist es primär von Bedeutung das Anforderungsprofil des Landes in den Fokus zu nehmen. Im Verlauf dieser Arbeit wird ausschließlich das Land Rheinland-Pfalz und dessen Leitbilder einer nachhaltigen Entwicklung betrachtet.

Das Land Rheinland-Pfalz veröffentlicht innerhalb eines eigenen Bildungsservers Zukunft denken Nachhaltig handeln sein Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung, welches sich primär auf das Drei-Säulen-Modell stützt. Die Spuren dieses Modells lassen sich in vielen Ausführungen von Fachliteratur zu dieser Thematik nachverfolgen: Auch Ute Stoltenberg (2002) und Gerhard de Haan (2008) nehmen dieses als Grundlage ihrer Ausführungen und ergänzen ihre eigenen Standpunkte.

Im Folgenden geht es um die drei Säulen der Nachhaltigkeit. Die erste Säule Ökonomie bezieht sich auf die Lebensweise und Lebensqualität der Gesellschaft, vor allem wirtschaftlich gesehen. Es geht um den Umgang mit Ressourcen und unserem Ökosystem. Dazu sollen wirtschaftliche und technologische Innovationen eingeleitet und umgesetzt werden. Konkret geht es um die Bewahrung und Erhaltung unseres Lebensraumes und deren Beeinflussung durch rücksichtslose Lebensstandards. Der Raum soll folglich so genutzt werden, dass ihn nachkommende Generationen ebenso Nutzen können. (Vgl. Stoltenberg 2002, S. 16f)

Die zweite Säule Ökologie verweist auf den natürlichen Raum und deren Funktion als Lebensgrundlage eines intakten Ökosystems. „Dabei werden die Erhaltung der Artenvielfalt und die Sicherung der Regenerationsfähigkeit der natürlichen Lebensgrundlagen wie Boden, Wasser, Luft, Flora und Fauna zu zentralen Kriterien bzw. Indikatoren.“ (Stoltenberg 2002, S. 17) Die Nutzung des Raumes sollte nach diesem Prinzip nur insofern durchgeführt werden, wie sich der Raum auch wieder erholen kann. (Vgl. Aachener Stiftung Kathy Beys 2012)

Die dritte und letzte Säule Soziales beschreibt die gerechte Gleichverteilung der Ressourcen und Entwicklung in unserer globalen Gesellschaft. Unterpunkte sind in diesem Zusammenhang sowohl der gerechte Welthandel als auch der Ausbau und die Förderung von benachteiligten Regionen. Ungerechtigkeit und Armut führen folglich zu einer Unzufriedenheit und politischen Auseinandersetzungen. Diese Voraussetzungen würden ein nachhaltiges Denkmuster hemmen. (Vgl. Stoltenberg 2002, S.17f)

Die Metapher der Säulen ist bewusst gewählt, da im Sinne dieses Modells keiner der drei Punkte alleine stehen oder gelten kann und ein Zusammenspiel der drei Faktoren unbedingt von Nöten ist. Diese Gleichgewichtung wird teilweise als kritisch betrachtet. Die Kritik nehme ich in meinen Ausführungen an, denn die Grundlage einer gerechten Ressourcenverteilung und eines ethischen Bewusstseins gegenüber der Bewahrung des Raums kann nur dann durchgeführt werden, wenn die Umwelt geschützt und somit erhalten wird.

Die drei Säulen beschreiben nur sehr grob und allgemein inhaltliche Kompetenzen, die eine nachhaltige Entwicklung beinhalten. Wie oder wo konkretisieren sich solche Inhalte, damit sie für den Sachunterricht und die Entwicklung greifbar werden? Naheliegend ist es, einen Erklärungsansatz innerhalb des Teilrahmenplans Sachunterricht aus dem Land Rheinland-Pfalz einzufordern. Im nächsten Unterkapitel wird dieser auf die Kompetenzbeschreibung für eine nachhaltige Entwicklung betrachtet und untersucht.

2.2 Kompetenzen einer nachhaltigen Entwicklung – Ein Bezug zu dem Teilrahmenplan Sachunterricht Rheinland-Pfalz

Der Teilrahmenplan Sachunterricht wurde 2006 veröffentlicht und wird seit 2008 als Orientierungshilfe und Richtlinie für den praktizierenden Sachunterricht in der Grundschule angesehen. In den folgenden Ausführungen wird der Teilrahmenplan alleine auf die inhaltlichen Schwerpunkte der Nachhaltigkeit untersucht und reduziert, andere Inhalte sind für diese wissenschaftliche Arbeit nicht von Bedeutung.

In dem ersten Kapitel des Rahmenplans wird das Leistungsprofil Sachunterricht beschrieben, worin die Leistungen von Kindern am Ende ihrer Grundschulzeit thematisiert werden. Dem Bereich der Nachhaltigkeit wird innerhalb diesem Gliederungspunktes folgender Platz eingeräumt: „Sie kennen und beachten die Erfordernisse von Naturschutz und Nachhaltigkeit.“ (Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend 2006, S.8)

Innerhalb des Gliederungspunktes Wissens- und Kompetenzentwicklung wird der Sachunterricht in Erfahrungsbereiche und Perspektiven unterteilt, die es dem Schüler ermöglichen sollen, sich in ihren Vorstellungen und Erfahrungen angemessen zu entfalten. Dazu werden verschiedene Kompetenzbereiche angesprochen. Die nachhaltige Entwicklung von Grundschulkindern soll in dem Erfahrungsbereich „natürliche Phänomene und Gegebenheiten“ - Perspektive Natur Beachtung finden. Als Kompetenzerwartung kann man nachlesen, dass Schüler einen respektvollen Umgang mit der Natur anstreben. Dazu sollen sie folgende Punkte verinnerlichen:

- Naturressourcen lassen sich nicht beliebig regenerieren.
- Artenvielfalt stellt eine wichtige Qualität der Umwelt dar.
- Lebewesen richten unterschiedliche Bedürfnisse an ihre Umwelt.
- Eingriffe in Naturvorgänge haben kurz-, mittel- und langfristig unerwünschte Folgen.

Zudem ist die Kompetenz des achtsamen Umgehens mit Lebewesen als separater Punkt aufgeführt, der jedoch in seiner Bedeutungsintuition nicht weiter erläutert wird. (Vgl. Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend 2006, S.8)

Diese Leitlinien vom Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend beziehen sich zwar genau auf den Themenbereich der nachhaltigen Entwicklung von Grundschulkindern, sind jedoch ebenso wenig punktiert und konkret, wie die Ausführungen zum Leitbild der Nachhaltigkeit. Die Greifbarkeit dieser Thematik für den Sachunterricht wurde noch nicht erfüllt, findet aber zum Ende des Teilrahmenplan Sachunterricht einen gelungen Ansatz. Dort werden unter dem Unterpunkt Orientierungsrahmen neben fachlichen Kompetenzen auch Konkretisierungsbeispiele benannt:

Um die Abhängigkeit des Menschen von der Natur zu erkennen schlägt das Ministerium Themenbereiche, wie Nahrung, Artenvielfalt, Klima oder Wasser vor. Der sinnhafte Schutz von Biotopen und der reinliche und verantwortungsbewusste Umgang mit Wasser und Luft soll über die Bereiche saurer Regen, Müllvermeidung oder Mülltrennung verstanden werden. Zudem sollen die Schüler die Natur als Energiequelle kennen lernen, durch die Heranführung an Wasserkraft oder Windradenergie. Letztlich sind Schüler, laut des Orientierungsrahmens, kompetent, wenn sie Bedürfnisse von Menschen, Pflanzen und Tieren kennen und beachten, indem sie über deren Schutz, Nahrung, Pflege, Lebensraum und die ideale Art der Zuwendung informiert werden.

All dies soll den Kindern die Kompetenz des respektvollen Umgangs mit der Natur verleihen und dazu führen, dass sie sich Lebewesen gegenüber achtsam und respektvoll verhalten, doch durch eine reine Wissensvermittlung dieser Themenbereiche ist die Realisierung im Unterricht kaum vorstellbar. Wo muss die Lehrperson ansetzen, um einen schülergerechten Zugang zu diesen naturwissenschaftlichen Bereichen zu finden und wie wird der Unterricht effizient? Um dieser Frage gerecht zu werden, ist es unumgänglich einen Exkurs in die Entwicklungs- und Lernpsychologie von Grundschulkindern zu machen.

[...]


[1] Der Begriff Schüler steht im weiteren Verlauf der Arbeit inhaltlich gleichzeitig für beide Geschlechtergruppen. Daher werden die Schülerinnen nicht differenziert aufgeführt.

Details

Seiten
26
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668086777
ISBN (Buch)
9783668086784
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309910
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Grundschulpädagogik
Note
1,7
Schlagworte
nachhaltige entwicklung förderung sachunterricht

Teilen

Zurück

Titel: Nachhaltige Entwicklung und ihre Förderung im Sachunterricht