Lade Inhalt...

Heckhausens Selbstbewertungsmodell. Entwicklung, Bedeutung und Bewertung

Seminararbeit 2015 18 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Chronologische Entwicklung der wichtigsten Komponenten des Selbstbewertungsmodells und Zusammenführung im Selbstbewertungsmodell
2.1 Autorvorstellung und Definitionen
2.2 Entwicklung des persönlichkeitstheoretischen Forschungsstrangs innerhalb der Motivationsforschung
2.3 Das Risikowahl-Modell als eine Entwicklung in der motivationspsychologischen Linie innerhalb des persönlichkeitstheoretischen Problemstrangs
2.4 Der Thematische Apperzeptionstest zur Messung des Leistungsmotivs
2.5 Entwicklungen der kognitionspsychologischen Linie innerhalb des persönlichkeitstheoretischen Problemstrangs mit der Kausalattribuierungstheorie nach Weiner
2.6 Integration der attribuierungstheoretischen Ansätze und der Leistungsmotivationsforschung durch Heckhausen in seinem Selbstbewertungsmodell der Leistungsmotivation

3 Bedeutung und Bewertung des Selbstbewertungsmodells von Heckhausen
3.1 Folgen der Misserfolgsmotivation und Intervention im Praxisbezug
3.2 Kritik

4 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Erfolgsmotivation als Selbstbekräftigungssystem …7

1 Einleitung

Die Arbeit behandelt das Selbstbewertungsmodell von Heinz Heckhausen. Heckhausen verbindet in seinem Modell die unterschiedlichen Befunde aus der Leistungsmotivationsforschung und stellt die zwei verschiedenen, über die Zeit stabilen, Verhaltenstendenzen von erfolgs- und misserfolgsmotivierten Personen in den Fokus. Gegliedert ist diese wissenschaftliche Arbeit in zwei grundlegende Abschnitte. Das Lehrbuch „Motivation und Handeln“ von Heinz Heckhausen, neu aufgelegt von Jutta Heckhausen, stellt eine elementare Literatur im ersten Abschnitt dar. Heckhausen unterscheidet hier innerhalb des persönlichkeitstheoretischen Problemstrangs zwischen der motivationspsychologischen Linie und der kognitionspsychologischen Linie. Diese zwei Linien markieren den Hintergrund dieser Arbeit. Heckhausen verbindet in seinem Selbstbewertungsmodell diese zwei Forschungslinien zur Leistungsmotivation. Zur Verständlichkeit des Modells und seiner integrierten Teilaspekte werden die vorangegangenen elementaren Forschungsergebnisse aufgeführt. In diesem Zusammenhang werden einflussreiche Personen, die die heutige „klassische“ Motivationsforschung geprägt haben, genannt. Dazu gehören McClelland und Atkinson, die ihrerseits von Freud, Lewin, Murray und der empirisch-experimentellen Forschung Ideen aufgegriffen haben und von diesen beeinflusst wurden (Rheinberg, 2006, 59). Im zweiten Abschnitt wird der Praxisbezug hergestellt. Da diese Arbeit im betriebswirtschaftlichen Kontext steht, wird dies vor allem bezugnehmend auf die Unternehmenswelt veranschaulicht. Anschließend wird das Selbstbewertungsmodell analysiert und kritisiert. So werden auch bezüglich des anwendungsorientierten Teilabschnittes die Vor- und Nachteile des Modells aufgezeigt.

Der Leser soll anhand dieser Arbeit die verschiedenen Forschungen zur Leistungsmotivation kennenlernen. Zum einen bietet das Selbstbewertungsmodell von Heckhausen einen guten Überblick über wichtige Forschungsarbeiten und wie sie wechselseitige Beziehungen eingehen, zum anderen stellt es eine gute Basis für die angewandte Motivationspsychologie dar. Wie schon Nerdinger (2001, 350-351) erwähnte, bedeutet Motivierung im Kontext der Personalführung, die Menschen auf Handlungsziele auszurichten und die Bedingungen des Handelns so zu gestalten, dass sie diese Ziele erreichen können. Gleichermaßen bedeutet es, sich in andere einzufühlen und ein Umfeld zu formen, indem eine selbstbestimmte Zielverfolgung stattfinden kann. Beides setzt ein Wissen um die grundlegenden Prozesse und die wichtigsten Theorien der Motivation voraus.

2 Chronologische Entwicklung der wichtigsten Komponenten des Selbstbewertungsmodells und Zusammenführung im Selbstbewertungsmodell

2.1 Autorvorstellung und Definitionen

Heinz Heckhausen, der von 1926 bis 1988 lebte und internationalen Bekanntheitsgrad erreichte, war Professor und Begründer des psychologischen Instituts an der Ruhr-Universität in Bochum und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Außerdem war er Herausgeber einiger Schriften, darunter, für diese Arbeit wichtig zu nennen, die Habilitationsschrift zum Thema „Leistungsmotivation, Hoffnung auf Erfolg und Furcht vor Misserfolg“ von 1962 und das Lehrbuch für Motivationspsychologie „Motivation und Handeln“, das 1980 erstmals erschienen ist. Er erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Oslo und ihm wurde das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Forschungsschwerpunkte lagen in der Leistungsmotivation, Motivation und Volition im Handlungsverlauf, Motivationsentwicklung, Motivmessung und Ursachenzuschreibung von Handlungsergebnissen (Heckhausen, 2006, 497). Die Motivation einer Person, ein Ziel anzustreben, wird nach Heckhausen (2006, 3) geprägt von personenbezogenen und situationsbezogenen Einflüssen, einschließlich deren Folgen und Wechselwirkungen. Motivation wird im persönlichkeitstheoretischen Problemstrang als ein Prozess dargestellt, der aktuelles Verhalten auch hinsichtlich der individuellen Handlungsunterschiede erklären soll (Heckhausen, 2006, 21).

Leistungsmotivation gilt als die am besten erforschte Klasse von Person-Umwelt-Bezügen, also der „ständigen Interaktion von Person- und Situationsfaktoren“ (Scheffer/Heckhausen, 2006, 55). Kern ist laut McClelland et al. die „Auseinandersetzung mit einem Gütemaßstab“ (in Rheinberg, 2006, 60). Leistungsmotivation wird häufig als ein Bestreben definiert, die eigene Tüchtigkeit in jenen Tätigkeiten zu steigern oder möglichst hoch zu halten, in denen man einen Gütemaßstab für verbindlich hält und deren Ausführung deshalb gelingen oder misslingen kann (Brunstein/Heckhausen, 2006, 143). Umgebungen, in denen leistungsthematische Handlungen überwiegen, sind z.B. Schule und Berufswelt. Die Leistungsmotivationsforschung ist für unsere heutige Gesellschaft, in unserem kulturellen Kreis, von großer Präsenz und Wichtigkeit (vgl. Scheffer/Heckhausen, 2006, 57).

2.2 Entwicklung des persönlichkeitstheoretischen Forschungsstrangs innerhalb der Motivationsforschung

Hier ist zuallererst Kurt Lewin als einer der wichtigsten Forscher zu nennen. Laut Rudolph (2003, 82) formulierte Lewin als erster mit seiner Feldtheorie ein Konzept der Wechselwirkungen zwischen Person und Situation. Spätere Arbeiten Hoppes, unter Anleitung von Lewin, stellten die Basis dar für die Theorie der resultierenden Valenz. Dieser entwickelte Grundgedanke ist bis heute in allen Erwartungs-x-Wert-Theorien enthalten geblieben (Rudolph, 2009, 25). Beckmann und Heckhausen (2006, 128) zufolge untersuchte Hoppe die Tatsache, inwiefern ein individuelles Leistungsergebnis als Erfolg oder Misserfolg erlebt wird. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass Erfolg oder Misserfolg von dem objektiv definierten Schwierigkeitsgrad und dem zuvor gesetzten Anspruchsniveau abhängig ist. Definiert ist das Anspruchsniveau von Beckmann und Heckhausen (2006, 128) als ein für ein Individuum charakteristischer Gütegrad bezogen auf die erreichte Leistungsfähigkeit, der für die Selbstbewertung eines erzielten Handlungsergebnisses entscheidend ist. Wenn das Anspruchsniveau in der Leistung unterschritten wird, erlebt man Misserfolg. Wird das Anspruchsniveau überschritten, erlebt man Erfolg. Erfolg und Misserfolg haben dann Auswirkung auf die nächste Anspruchsniveausetzung (Beckmann/Heckhausen, 2006, 129). Außerdem stellt das Modell eine Basis dar zur Vorhersage der individuellen Aufgabenwahl. Laut Rudolph (2009, 26) zeigen die Arbeiten Hoppes, dass aus verschiedenen Handlungsalternativen diejenige gewählt wird, bei der die resultierende Valenz, also das Produkt aus Erwartung und Wert, am größten ist. Demnach werden viele Personen mittelschwere Aufgaben bevorzugen. Nach Beckmann und Heckhausen (2006, 130) hat die positive Valenz des Erfolgs allerdings eine obere Grenze und steigt bis zu dieser mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad an, da Erfolg umso wertvoller ist, je schwieriger die Aufgabe war. Die Valenz steigt so lange an, bis die Schwierigkeit außer Reichweite der eigenen Fähigkeitssteigerung liegt. Die negative Valenz des Misserfolgs steigt mit abnehmendem Schwierigkeitsgrad bis zu einer unteren Grenze an, bei der die Aufgaben so leicht sind, dass Misserfolg nur durch unglückliche Umstände hätte verursacht werden können. Die Wertigkeit des Misserfolgs steigt mit sinkendem Schwierigkeitsgrad der Aufgabe, da Misserfolg umso peinlicher ist, je leichter die Aufgabe war.

2.3 Das Risikowahl-Modell als eine Entwicklung in der motivationspsychologischen Linie innerhalb des persönlichkeitstheoretischen Problemstrangs

Das Risikowahl-Modell (1957, 1964) von John W. Atkinson ist eine konsequente Fortentwicklung der Theorie der resultierenden Valenz und wurde zu einem der einflussreichsten Modelle der Motivationsforschung (Beckmann/Keller, 2009, 120). Zur Vorhersage von individuell bevorzugter Aufgabenschwierigkeit stellte Atkinson die Personenkomponente den Situationskomponenten gegenüber (Beckmann/Heckhausen, 2006, 130). Die Valenz des Erfolgs und die Erfolgserwartung werden zur Situationskomponente gezählt. Das individuelle Motiv in Unterteilung zwischen Erfolgsmotiv und Misserfolgsmotiv ist der Personenkomponente zugehörig (vgl. Beckmann/Heckhausen, 2006, 130; Neugebauer, 1997, 99). Die zentralen Annahmen des Risikowahlmodells sind nach Rudolph (2003, 124-125):

1. Die Merkmale der Person und die Merkmale der Situation bestimmen das Verhalten einer Person in einer gegebenen Situation sowie die Wahl einer Handlungsalternative.
2. Merkmale der Situation und der Person sind nach Atkinson der Wert des anzustrebenden Ziels sowie die subjektive Erfolgserwartung.
3. Emotionale Dispositionen, also überdauernde Persönlichkeitsmerkmale, die an emotionalen Zuständen beteiligt sind, sind von besonderer Bedeutung für das Leistungsverhalten.
4. Es liegt ein Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt vor. Das mögliche Erreichen eines Ziels wirkt positiv und übt eine Annäherungstendenz aus. Ein möglicher Misserfolg wirkt dagegen abschreckend und folglich liegt eine Vermeidungstendenz vor.

Dieses Modell des leistungsorientierten Verhaltens gilt für den Fall, wenn keine anderen Motive angeregt sind und die Aufgabenwahl keine anderen Folgen für den Handelnden hat, außer dessen unmittelbarer Selbstbewertungsreaktion auf Erfolg oder Misserfolg. Der Anreiz zum Leistungshandeln besteht ausschließlich in der Vorwegnahme einer affektiven Selbstbewertung. Atkinson spricht hier von Stolz bzw. Beschämung (Beckmann/Heckhausen, 2006, 130 ff.). Diese gelten als typische leistungsbezogene Emotionen (Schlag, 2012, 85). Das Zustandekommen unterschiedlich hoher Zielsetzungen lässt sich mit Hilfe des Risikowahl-Modells erklären (Kleinbeck, 2009, 351). Atkinson konnte zeigen, dass erfolgszuversichtliche Personen Aufgaben mit mittlerer subjektiver Erfolgswahrscheinlichkeit wählen, während Personen, bei denen das Misserfolgsmotiv überwiegt, auf Aufgaben mit geringen Erfolgsaussichten oder mit geringem Schwierigkeitsgrad ausweichen (Beckmann/Heckhausen, 2006, 133). Durch dieses Ausweichen stellen sie sicher, dass keine Beschämungssituation eintritt: Bei sehr leichten Aufgaben besteht die Gewissheit, dass sich Erfolg einstellt, und bei sehr schweren Aufgaben kann der sehr wahrscheinliche Misserfolg der Schwierigkeit der Aufgabe zugeschrieben werden und nicht den eigenen Fähigkeiten (Schüler, 2009, 136).

2.4 Der Thematische Apperzeptionstest zur Messung des Leistungsmotivs

Henry Murray entwickelte 1938 den Thematischen Apperzeptionstest (im Folgenden: TAT), der als eines der wichtigsten Forschungsinstrumente der Motivationspsychologie gilt (Scheffer/Heckhausen, 2006, 56). Da der TAT nach Brunstein und Heckhausen (2006, 145) zu den projektiven Verfahren gehört, ist hier der Einfluss Sigmund Freuds als Pionier des persönlichkeitstheoretischen Problemstrangs mit seiner Erkenntnis des Unterbewusstseins nicht zu übersehen. Auf mehrdeutigen Bildvorlagen, die dem Zweck dienen, eine bestimmte Motivthematik anzusprechen, sind meistens eine oder mehrere Personen abgebildet. Anhand dieser Personen sollen die Testpersonen spontan eine möglichst dramatische Geschichte niederschreiben, was den Eindruck einer Fantasiemessung erwecken soll (Schweizer, 2006, 233). Diese Geschichten werden dann nach inhaltlichen Gesichtspunkten ausgewertet. Es wird angenommen, dass die Testpersonen dabei eigene Impulse, Wünsche, Bedürfnisse, Motive und Gefühle in die Geschichten projizieren (Stiensmeier-Pelster/Rheinberg, 2002, 90). Nach Stiensmeier-Pelster und Rheinberg (2002, 92-93) wurde von McClelland und seinen Mitarbeitern der TAT ab Ende 1940 zur Messung von überdauernden Motiven eingesetzt. Es gelang ihnen einen weitgehend objektiven Schlüssel zur Verrechnung von TAT-Geschichten zu entwickeln. Sie erbrachten zudem den empirischen Nachweis, dass die so gewonnenen Kennwerte auch das Verhalten von Personen in leistungsthematischen Situationen vorhersagen können. Ausgehend von den Forschungsansätzen von McClelland und Atkinson, die als die „Urheber der Leistungsmotivation“ gelten (Rheinberg, 2006, 59), entwickelte Heckhausen 1963 einen TAT, mit dem sich sowohl „Hoffnung auf Erfolg“ (im Folgenden: HE) als auch „Furcht vor Misserfolg“ (im Folgenden: FM) in Bilder-Geschichten messen lässt. Der bisherige TAT unterschied nicht zwischen diesen zwei unterschiedlichen leistungsbezogenen Tendenzen. Dies erschwerte die richtige Interpretation der Testergebnisse, da Testpersonen, die unmotiviert waren, nicht von denen mit FM unterschieden werden konnten (Zelick, 2007, 27). Das Kodierungssystem in Heckhausens TAT beinhaltet vier verschiedene Maße: HE und FM, die Summe aus den zwei Tendenzen als Gesamtmotivation, und der aus der Differenz von HE und FM ermittelte „Netto-Erfolg“ (McClelland, 1987, 225). Dieser Netto-Erfolg gibt an, ob die Motivation mehr erfolgsorientiert oder mehr misserfolgsorientiert ist (Brunstein/Heckhausen, 2006, 150). Nach Stiensmeier-Pelster und Rheinberg (2002, 99) wird für HE das Bedürfnis nach Leistung und Erfolg, Erfolgserwartungen, instrumentelle Tätigkeiten zur Zielerreichung, Lob, positiver Gefühlszustand und Erfolgsthema verrechnet. Entsprechend dazu gilt für FM das Bedürfnis nach Misserfolgsvermeidung und darauf gerichtete Tätigkeiten, Misserfolgserwartung, Tadel, negativer Gefühlszustand und Misserfolgsthema.

2.5 Entwicklungen der kognitionspsychologischen Linie innerhalb des persönlichkeitstheoretischen Problemstrangs mit der Kausalattribuierungstheorie nach Weiner

Wie auch die motivationspsychologische Ebene basiert die kognitionspsychologische Ebene auf den Arbeiten Lewins. Fritz Heider ist an dieser Stelle zu erwähnen, der die Attribuierungstheorie 1958 entwickelte. Er gilt als erster Psychologe, der die Bedeutung der Ursachenzuschreibungen mit ihrem Zustandekommen und ihren Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten erkannte (Rudolph, 2003, 145). Die Ursachenzuschreibung hat gravierende Konsequenzen für das Erleben und Verhalten in alltäglichen, sozialen Situationen und in Leistungssituationen. Es gibt einen großen Unterschied, ob wir das Fehlschlagen einer Tätigkeit auf Mängel an eigener Fähigkeit oder mangelnder Anstrengung zurückführen (Rudolph, 2003, 167).

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668082977
ISBN (Buch)
9783668082984
Dateigröße
630 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309835
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,0
Schlagworte
heckhausens selbstbewertungsmodell entwicklung bedeutung bewertung

Autor

Zurück

Titel: Heckhausens Selbstbewertungsmodell. Entwicklung, Bedeutung und Bewertung