Lade Inhalt...

Birgt interdisziplinäre Frühförderung die Gefahr der Stigmatisierung?

Seminararbeit 2015 16 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung
2.1. Definition Frühförderung
2.2. Definition Interdisziplinarität

3. Frühförderung
3.1. Der Verlauf
3.2. Soziales Frühwarnsystem
3.3. Ein Fallbeispiel

4. Fragebogenerhebung zur Frühförderung
4.1. Fragestellung
4.2. Untersuchungsablauf
4.3. Fragebogen
4.4. Personenstichproben
4.5. Ergebnisse

5. Diskussion

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Interdisziplinäre Frühförderstellen (IFF) sind Einrichtungen, in denen „vorwiegend pädagogisch ausgebildete Fachpersonen Familien mit einem entwicklungsauffälligen oder behinderten Kind alltagsorientiert Beratung und eine gezielte (heilpädagogische) Förderung des Kindes anbieten können.1

Hierzu zählen Fördermaßnahmen wie z.B. Heilpädagogische-, Motopädische-, Logopädische- oder Physiotherapeutischeförderung.

Die Zahl der Kinder mit erhöhtem Förderbedarf, die solche Einrichtungen aufsuchen hat in den letzten Jahren stetig zugenommen.

Immer häufiger fällt auf, dass Eltern in der heutigen Zeit dieses Angebot ungern wahrnehmen möchten. Es herrscht eine große Angst der Stigmatisierung - Benachteiligung, besonders wenn es um den bevorstehenden Schuleintritt geht. Eltern befürchten, dass ihr Kind schon im Vorfeld einen schlechten Stand in der Schule haben wird und direkt „in eine Schublade gesteckt“ wird.

Ferner ist ihnen wichtig, ein positives Bild nach „außen“ zu wahren. Nachbarn oder Freunde könnten „schlecht“ über die Familie reden, es herrscht Angst, dass wahrgenommen wird, Eltern hätten einen Fehler in der Erziehung ihrer Kindern gemacht.

Ich möchte der Frage einer tatsächlichen Stigmatisierung nachgehen. Ist IFF eine momentane Modeerscheinung oder eine reelle Chance für Kinder, welche einen Unterstützungsbedarf haben?

Mein Ziel ist es, die obige Fragestellung nach Möglichkeit zu falsifizieren, um Familien die Vorteile und die Sinnhaftigkeit einer interdisziplinären Frühförderung darstellen zu können.

Im ersten Teil der Arbeit werden die Begriffe Frühförderung und Interdisziplinarität definiert und erläutert.

Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit der Frühförderung, hier wird der Verlauf einer klassischen Frühförderung dargestellt und im zweiten Schritt das soziale Frühwarnsystem näher in den Blick genommen. Abgeschlossen wird dieser Abschnitt mit einem Fallbeispiel aus der eigenen Arbeit.

Als letzter Punkt wird eine Fragebodenerhebung zur Frühförderung vorgestellt und ausgewertet.

Abgerundet wird die Arbeit mit einer Diskussion und letztendlich einem Fazit.

2. Begriffserklärung

2.1. Definition Frühförderung

„Frühförderung wird als umfassendes Hilfsangebot angesehen. Dieses Angebot richtet sich an Kinder von Geburt an bis zum Beginn des Schuleintritts, welche eine Behin- derung haben oder davon bedroht sind. Ferner umfasst es das gesamte System des Kindes.“2

Das System schließt alle Personen ein, die zum sozialen Kontext des Kindes gehören. Neben den Eltern gehören auch Geschwister, Großeltern und alle weiteren Familienangehörigen, die im nahen Kontakt zum Kind stehen, dazu. Ebenso in dieses System eingebunden sind beispielsweise die Kindertageseinrichtung (Kita) oder die Tagesmutter, im Grunde sein gesamtes soziales Umfeld.

Das Ziel der Frühförderung ist es „über eine Stärkung der kindlichen Persönlichkeit und der Ressourcen in seinem Lebensumfeld dazu beizutragen, die bestmöglichen Voraussetzungen für die kindliche Entwicklung zu gewährleisten. Dabei sind die Stärkung motorischer und kognitiver Fähigkeiten, die emotionale Stabilität und die Inklusion in soziale Netzwerke zentrale Parameter.“3

„Frühförderung findet seinen Ursprung in den 1970er Jahren, hier begann der systematische Aufbau. Erst Ende der 1980er Jahre erfolgte schließlich eine rechtliche Absicherung und eine Einbettung in das Sozialgesetzbuch (SGB).“4 Die rechtliche Absicherung ist zu finden im SGB IX, §30.

2.2. Definition Interdisziplinarität

Interdisziplinarität wird als Arbeitsprinzip der Frühförderung gesehen. „Funktionellbehandlungsorientierte und interaktions- und verstehensorientierte Konzepte sollen darin jeweils ihren Platz und ihre Geltung haben. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist an Frühförderstellen für die medizinisch-therapeutischen, psychologischen und pädagogischen Professionen gefordert.“5

Grundsätzlich ist damit gemeint, dass alle Fachkräfte, welche über Informationen zu dem entsprechenden Kind verfügen, regelmäßig zusammen kommen und sich austauschen. Somit können alle Fachkräfte aufgrund der gesammelten Informationen immer situationsorientiert arbeiten und dem Kind so eine bestmögliche Entwicklungsmöglichkeit geben.

Leyendecker (2008) schreibt in seinem Buch über die Fortentwicklung der Frühförderung von der Einzelbehandlung zur

- Disziplinarität (alleine planen - alleine handeln) zur
- Multidisziplinarität (nebeneinander planen - nebeneinander handeln) zur
- Interdisziplinarität (miteinander planen - nebeneinander handeln)6

3. Frühförderung

3.1. Der Verlauf

Die Frühförderung gliedert sich grundsätzlich in drei Phasen: die Eingangsphase, die Förderung oder Therapie und den Abschluss.

Die Eingangsphase ist einer der wichtigsten Punkte. Sie dient als Kontaktaufnahme zwischen einer Frühförderstelle und der Familie. Sie dient vor allem der Frühförderstelle als Orientierung für Familie und Kind. Ein weiteres Ziel ist der Aufbau der Arbeitsbeziehung zu dem Kind und den Eltern. In verschiedenen Gesprächen werden Vereinbarungen über die inhaltlichen Schwerpunkte und den formellen Rahmen der Therapie oder Förderung getroffen.

Während der Förderung oder Therapie wird dem Kind schwerpunktmäßig die verein- barte Unterstützung in therapeutischer, psychologischer oder pädagogischer Weise gegeben. Ferner ist es wichtig, die Eltern konsequent fachlich zu beraten und zu be- gleiten. Dies steht alles in einem vorher vereinbarten und interdisziplinär abgestimmten Förderplan.

„Im Prozess der Förderung ist es bedeutsam, die Schwerpunkte der Förderung nicht nur eng an der Entwicklung des Kindes auszurichten, sondern sie auch in enger Abstimmung mit den Eltern zu halten.“7

Der Abschluss umfasst drei wichtige Aufgaben. „Ersten muss die kommende Verän- derung rechtzeitig angekündigt, vorbereitet und besprochen werden. Der nächste wichtige Schritt ist es ein Resume der gesamten Förderung zu ziehen und sie somit abzurunden. Als letzter wichtiger Schritt steht der Abschied im Raum, in der letzten Förderstunde mit dem Kind und in einem Abschlussgespräch mit den Eltern.“ 8

3.2. Soziales Frühwarnsystem

Stöbe-Blossey (2008) schreibt in ihrem Beitrag „Frühe Erkennung, frühe Hilfen: Die Kindertageseinrichtung als Kern eines Netzwerks im Sozialen Frühwarnsystem“ vom sogenannten Sozialen Frühwarnsystem und bezieht in diesem Zusammenhang auch die Kindertageseinrichtungen mit ein. Entwicklungsauffälligkeiten in der frühen Kindheit verschwinden nicht einfach, sondern verstärken sich mit zunehmendem Alter. Umso wichtiger ist es, diese Kinder möglichst früh bedarfsbezogen zu fördern.

[...]


1 Armin Sohns: Frühförderung Ein Hilfesystem im Wandel, 2010, S. 1

2 Vgl. Martin Thurmair & Monika Naggl: Praxis der Frühförderung, 2010, S. 13

3 Sohns: Frühförderung, S.111

4 Vgl. Sohns: Frühförderung S. 17

5 Thurmair & Naggl: Praxis der Frühförderung S. 29-30

6 Christoph Leyendecker (Hg.) Gemeinsam Handeln statt Behandeln, Aufgaben und Perspektiven der Komplexleistung Frühförderung, 2008, S. 32

7 Thumair & Naggl: Praxis der Frühförderung S. S. 40

8 vgl. Thumair & Naggl: Praxis der Frühförderung S. 40

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668082403
ISBN (Buch)
9783668082410
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309775
Institution / Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,0
Schlagworte
birgt frühförderung gefahr stigmatisierung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Birgt interdisziplinäre Frühförderung die Gefahr der Stigmatisierung?