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Die Bedeutung von Kirche und Religion in der Gesellschaft

Eine Untersuchung der religiösen Lebenswelt

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Religiosität und Glaube

III. Theoretische Grundlagen
a. Die Kirche als Institution
b. Die Kirche als Kommunikation

IV. Von der Praxis in der Gesellschaft
a. Über die Religion
b. Über die Kirche
c. Über den Glauben

V. Schlusswort

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Was christliche Spiritualität und christlicher Glaube sein können, sollte nicht mehr nur von der Geschichte her bestimmt werden, sondern auch durch das, was Menschen umtreibt, die in und mit ihrer Religion handeln.“[1] [2]

In den theologischen Wissenschaftszweigen erfahren die Begriffe Religion, Glaube und Kirche eine alltägliche Verwendung. Weiterhin sind sie nicht nur Begrifflichkeiten, sondern fungieren zusätzlich als Teil des Gegenstands der Theologie und haben ganz eigene Funktionen, die sie ausführen. Auch sind mit ihnen spezielle Symboliken verbunden, was sich auf die Gesellschaft auswirkt.

Eben diese symbolischen Bedeutungen von Religion, Kirche und Glaube sollen die Grundlage dieser wissenschaftlichen Ausarbeitung sein. Die Begriffe werden im Folgenden nicht nur definiert und erklärt, sondern auch und vor allem auf ihre praktische Anwendung in der Gesellschaft untersucht und verstanden. Die Grundfrage, welche Bedeutung die Kirche auf der einen und die Religion auf der anderen Seite in der Gesellschaft haben, soll demnach beantwortet werden.

Dies geschieht hauptsächlich auf der Grundlage des Werks Religiöse Signaturen heute, 2003 veröffentlicht von Hans-Georg Ziebertz, Boris Kalbheim und anderen Autoren. Auch verschiedene Texte zur Religionssoziologie in Religion und Gesellschaft – aus dem Jahr 2004 – von Karl Gabriel und Hans-Richard Reuter finden hier Verwendung. Weiterhin wird der Versuch unternommen, eine intradisziplinäre Brücke zu schlagen, indem diverse weitere theologische und soziologische Arbeiten herangezogen werden.

Ziel dieser Arbeit ist es, ein Bild der Beziehungen zwischen Kirche, Glaube und Religion nachzuzeichnen, wobei dies auf einer abstrakten Ebene der Beobachtung und Schlussfolgerung geschieht. Die normativ erarbeiteten Erkenntnisse dienen demnach als ein Idealtypus der religiösen Lebenswelt. Um ein möglichst umfassendes Verständnis dieser komplexen Thematik zu generieren, soll im ersten Kapitel definiert werden, was gemeinhin als religiöse Praxis verstanden wird. Religiosität und Glaube werden also näher untersucht und in Bezug auf ihre jeweilige Bedeutung erklärt. Im nächsten Abschnitt erfolgt die Beleuchtung der Kirche zum einen aus soziologischer Sicht und zum anderen aus theologischer Sicht. Bis hierhin werden also alle theoretisch-relevanten Grundlagen geschaffen, um schließlich in Kapitel vier die Auswirkungen des Untersuchten auf die Gesellschaft zu verstehen. Dies geschieht auf drei Ebenen:

Dem Makro-Niveau in Bezug auf die Religion, dem Meso-Niveau in Form der Kirche sowie auf dem Mikro-Niveau, indem Religiosität bzw. der Glaube erklärt wird. Das Ergebnis dieser Vorgehensweise ist das Erkennen von Beziehungen zwischen diesen Ebenen und das Verstehen der Auswirkungen von Religion, Glaube und Kirche auf die Gesellschaft. Die gesammelten Erkenntnisse werden daraufhin in einem Schlusswort noch einmal diskursiv eingebettet.

Um den Begriff Religion weiterhin gebrauchen zu können, ist eine Definition von Nöten. So erklärt Andreas Prokopf dazu: „ Religion kann einerseits als eine historisch gewachsene, aus einer göttlichen Offenbarung stammende, organisierte Form von Weltanschauung gefasst werden, die sich an Traditionen und Lehren zurück bindet sowie mit einer institutionellen Form ausgestattet ist “ (2006, Seite 11ff). Religion meint demnach also eine bestimmte Lebensführung, gerichtet nach christlichen Wert- und Normvorstellungen. Sie fungiert als eigene Kultur in der Gesellschaft und symbolisiert gleichzeitig eine spezifische Orientierung und Auslebung im Alltag.

Der Begriff der Religion setzt sich also aus intersubjektiv geteilten Vorstellungen zusammen, die aus dem kulturellen Kontext heraus entstehen. Religion besitzt somit auch eine anthropologische Sphäre, die sich in dem spezifischen Charakter der jeweiligen Kultur ausdrückt. Sie ist als eine Wirklichkeit zu verstehen, die sozial konstruiert wurde und sowohl wahrnehmbar als auch auslebbar ist (vgl. Gabriel/Reuter, 2004: Seite 17).

Nach dieser Definition lassen sich bereits erste Anzeichen erkennen, dass die Grenze zwischen den Begriffen Religion und Religiosität nur schwer zu bestimmen ist. Eben durch die anthropologische Sphäre kommt es zu unterschiedlichen Auffassungen von Religion sowie zu differenzierten Auslebungen in Bezug auf religiöse Normen. Religion soll im Weiteren als ein konstant-omnipotentes Ergebnis explizit geteilter kultureller Vorstellungen religiös-symbolischer Inhalte verstanden werden.

II. Religiosität und Glaube

„Individualisierung und gesellschaftliche Pluralität gehören zusammen, so auch individuelle Religionsstile und religiöser Pluralismus.“[3]

Um die theoretischen Grundlagen bzw. die Begriffsklärung weiterzuführen, die für das Verstehen der Thematik benötigt werden, soll im folgenden Abschnitt eine Erläuterung der theologisch und soziologisch relevanten Begrifflichkeit Religiosität bzw. Glaube unternommen werden. Ohne auf die Problematik einzugehen, ob nun Religiosität als säkularisiert oder pluralisiert gilt, ist hier der Glaube dennoch als eine Konstruktion individueller Weltanschauungsbezüge zu definieren. So wird es auch im Werk Religiöse Signaturen heute von den Autoren (2003: Seite 34) belegt. Ziebertz, Kalbheim und Riegel verweisen hierbei auf die Tatsache, dass die weltanschauliche religiöse Pluralität ihr Pendant in einer Multiplikation individueller Überzeugungen und Glaubensbekenntnissen gefunden hat.

Diese individuellen Formen des Glaubens dürfen jedoch nicht als ein sich ständig verändernder Atomismus gesehen werden. Vielmehr ist die individuelle Glaubensauslebung als eine strukturelle Komponente der Gesellschaft zu verstehen. (vgl. Ziebertz/Kalbheim/Riegel, 2003: Seite 35f) Da sich ein Mensch nicht nur innerhalb einer strukturellen Sphäre der Gesellschaft bewegt, spielen mehrere Funktionsbereiche auf die Bildung individueller Religiosität eine Rolle. Das bewusst und unbewusst Erlebte im Alltag kann die eigene Lebensführung und somit auch jede Auslebung und Wahrnehmung von Glauben beeinflussen.

Religiosität erfolgt demnach im Gegensatz zur Religion implizit. Der Glaube ist hierdurch als die individuell-subjektive Wahrnehmung und Auslebung religiöser Glaubensinhalte zu verstehen. Ein Mensch in der Gesellschaft bedient sich spezifisch an den gegebenen religiösen Möglichkeiten. Dieses Bedienen erfolgt durch subjektive Wahrnehmung, bedingt durch vorangegangene Sozialisation. Das Ausleben dieser Inhalte erfolgt angepasst an die kulturellen Gegebenheiten und wird durch individuelle Erfahrungen beeinflusst.

[...]


[1] Ziebertz, Vorwort, in: Ziebertz, Praktische Theologie – empirisch, 2011: Seite 3.

[2] Alle Zitate dieser Form dienen als Einstieg und Umrandung für das darauffolgende Kapitel.

[3] Ziebertz/Kalbheim/Riegel,2003: Seite 65.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668080386
ISBN (Buch)
9783668080393
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309761
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Katholisch-Theologische Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
Religion Kirche Glaube Religionspädagogik empirische Wissenschaft Religion und Lebenswelt Glaube und Gesellschaft Politikwissenschaft

Autor

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