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Systeme zur Bewertung von Sport und Karriereberatern in Deutschland. Kritische Analyse des Spielerberatergeschäfts

Studienarbeit 2015 55 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportökonomie, Sportmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Karriereberater im deutschen Fußball
2.1 Spielerberater im deutschen Fußball
2.2 Spielervermittler im deutschen Fußball
2.3 Zwischenergebnis

3 Rechtliche Grundlage bei der Spielervermittlung im modernen Fußball
3.1 Regelungen der Arbeitsvermittlungserlaubnis und der FIFA- Lizenz vom 01.03.2001 bis zu 01.04.2015
3.2 Neue Regelungen ab dem 01.04.2015
3.3 Zwischenergebnis

4 Kritische Analyse des Berufsbildes des Spielerberaters
4.1 Experten Interview mit dem ehemaligen Fußballprofi und Insider der gesamten Branche Ronald Maul
4.1.1 Teil 1: Ronald Maul über seinen eigenen Berater und die Branche im Allgemeinen
4.1.2 Teil 2: Ronald Maul über seine Erfahrung und Probleme mit Spielerberatern aus der Sicht eines Vereinsverantwortlichen
4.1.3 Teil 3: Ronald Maul über Systeme zur Bewertung von Spielerberatern und was der DFB verändern könnte
4.2 Weitere Betrachtungsweisen
4.3 Schlussfolgerung

5 Ausblick

Literatur und Quellenverzeichnis

Anhang

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Beratungsmodell eines Fußballspielers

Abbildung 2: Informationsübermittlung von Spielern, Vereinen und Spielervermittlern

Abbildung 3: Verbindungen auf dem Transfermarkt im Profifußball

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Sie haben zu Recht einen schlechten Ruf. Sie nehmen und haben zu viel Einfluss im Fußball-Geschäft.“1 Diese Worte stammen vom dem ehemaligen Fußballprofi Günther Netzer, der sich in einem Interview mit der Schweizer Handelszeitung zu den riesigen Transfersummen im Fußballgeschäft äußert. Er kritisiert, dass Spielerberater den Sportler im Hinblick auf seine Karriere beraten sollen, dies aber oft nicht der Fall ist. Aufgrund der immer weiter voran schreitenden Kommerzialisierung hat sich der Sport als Kulturgut immer mehr zu einem Wirtschaftsgut verlagert.2 Innerhalb von kürzester Zeit steigen Gehälter und Ablösesumme um ein Vielfaches. Von dieser Entwicklung profitieren nicht nur Spieler und Vereine, sondern im Besonderen Spielerberater und Spielerver- mittler. In den letzten Jahren sind die Ablösesummen, die von Vereinen für Fußballspieler ausgegeben wurden, in exorbitante höhen gestiegen. Immer öfter werden zusätzlich zu den Ablösesummen auch riesige Provisionen an Spielerbe- rater gezahlt. Dass Vereine oft gar nicht wissen, dass ihre Spieler bei anderen Vereinen zum verkauf angeboten werden, zeigt das Beispiel von Mario Götze, der 2013 für die damalige Rekordablöse von 37 Millionen Euro von Borussia Dortmund zum FC Bayern München wechselte.3 Die Verantwortlichen von Borussia Dortmund kritisierten damals vor allem das Verhalten vom FC Bayern München, die, ohne den BVB darüber in Kenntnis zu setzen, sich mit dem Bera- ter von Mario Götze, Volker Struth, getroffen haben und Vertragsmodalitäten ausgehandelt haben. Dadurch wurden sie vor vollendete Tatsachen gestellt und hatten keine Möglichkeit mehr zu reagieren. Dieses Bespiel zeigt einmal mehr, wie viel Macht Spielerberater im deutschen Profifußball haben und wie wichtig klare Regeln im Umgang mit Transfers und Vereinen sind. Entstand dieser Transfer ausschließlich im sportlichen Interesse des Spieler oder hatte sein Bera- ter Volker Struth vor allem seine eigenen finanziellen Interessen im Blick?

Diese Arbeit setzt sich im Allgemeinen mit den unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern von Spielervermittlern und Spielerberatern auseinander und erläutert die aktuelle Situation im Profifußball unter der Berücksichtigung der aktuellen Systemveränderungen. Zusätzlich setzt sie sich mit der Frage auseinander, wie beteiligte Akteure der Fußballbranche, egal ob Sportler oder Berater, die aktuellen Systeme und Strukturen bewerten und einschätzen. Ziel dieser Arbeit ist es, den Millionenmarkt Fußball so klar wie möglich zu differenzieren und die Schwachstellen aufzuzeigen. Anhand von vielen unterschiedlichen Meinungen soll kritisch aufgezeigt werden, wie sich die Situation im Profifußball momentan darstellt.

In die Arbeit soll ein Experteninterview einfließen, das beide Seiten des Berufsbildes „Spielerberater“ beleuchtet. Zum einen aus der Sicht des Sportlers, wie er die Tätigkeit des Spielerberaters einschätzt und wie sich deren Tätigkeitsbereich im Laufe der Internationalisierung des Fußballs verändert hat. Zum anderen aus der Sicht eines sportlichen Leiters, der im ständigen Austausch mit Spielerberatern steht. Diese Ansammlung an Informationen soll in der folgenden Analyse helfen, Vor- und Nachteile für alle Beteiligen herauszufiltern und anschließend zu bewerten. Des Weiteren beschäftigt sich die Arbeit auch mit Fragen wie: „Wie funktioniert der Beratermarkt“, „Wie ist die öffentliche Akzeptanz und Wahrnehmung?“ und „Welche Regularien und Lizenzen reglementieren den Markt?“

Nach der Erläuterung der oben genannten Themen, die dazu beitragen sollen einen Überblick über die gesamte Branche zu erhalten, beschäftigt sich die Arbeit noch mal explizit mit dem Tätigkeitsbereich eins Spielerberaters. Hier wird dargestellt wie komplex die Arbeit eines Beraters ist und wie stark sie sich von der eines Spielervermittlers unterscheidet.

Im Ausblick wird auf den Inhalt der vorherigen Kapitel eingegangen und erläutert, welche Maßnahmen der DFB in Zusammenarbeit mit der DFL beschließen müsste um die Entwicklung des Marktes mitgehen zu können. In der Schlussbetrachtung werden aufschlussreiche Aussagen zur Charakterisierung des deutschen Lizenzierungsverfahrens und zu zukünftige Marktentwicklungen unter Berücksichtigung der Aussagen von Verantwortlichen getroffen.

2 Karriereberater im deutschen Fußball

Laut einem Artikel aus der SPONSORs4, der sich auf Quellen der deutschen Fußballliga bezieht wurden in der Saison 2013/2014 erstmals über 100 Millionen Euro für die Beratungstätigkeiten von Spielerberatern gezahlt.5 Im Jahr zuvor waren es nur rund 70 Millionen Euro.6 Dese Zahlen zeigen eindeutig, dass der Markt für professionelle Fußballspieler stark gestiegen ist. Im modernen Fußball wechseln Spieler regelmäßig den Verein und werden oftmals im Zusammenhang mit zweistelligen Millionenbeträgen transferiert. Transfers in dieser Größenordnung sind ohne die Beteiligung von Spielervermittlern oder Spielerberatern kaum noch denkbar.7 In der öffentlichen Wahrnehmung werden die Tätigkeiten des Spielervermittlers und des Spielerberaters sehr oft gleichgesetzt und als das Gleiche betrachtet.8 Es ist jedoch festzustellen, dass es zwei völlig unterschiedliche Aufgabenfelder sind. Diese werden in den folgenden Punkten erläutert.

2.1 Spielerberater im deutschen Fußball

In der wissenschaftlichen Literatur ist keine genaue Definition zu dem Begriff „Spielerberater“ zu finden. In der Praxis ist es häufig so, dass Spieler auf der Suche nach guten Spielerberatern sind. Die Aufgaben eines Spielerberaters beziehen sich im Wesentlichen auf die gesamte Planung und Organisation der Karriere des Sportlers. Dabei ist es egal, ob er als Einzelperson agiert oder Teil einer Agentur ist.9 Sein Tätigkeitsfeld ist dabei sehr umfassend. Er ist für die Suche und Akquise von Sponsoren und Werbepartner zuständig und plant die komplette Vermarktung des Sportlers, egal mit welchem Instrument/Medium: digitale Medien, Rundfunk oder TV. Im Weiteren unterstützt er den Sportler in den Bereichen der Finanz-und Steuerberatung sowie bei Abschlüssen von diversen Verträgen, wie zum Beispiel beim Autoleasing, Wohnungs- oder Versicherungsverträgen.10

Der Spielerberater ist in der Fußball-Branche als persönlicher Manager des Spielers zu sehen. Er kümmert sich neben allen Vertragsangelegenheiten auch um die persönliche Betreuung des Spielers. Er hat zusätzlich zum Sport auch alle anderen Lebensbereiche des Athleten, wie die Berufsausbildung, Freizeit und die nachsportliche Karriere, im Blick. Ein guter Berater ist für einen Sportler deshalb so wichtig, weil sein Aufgabenbereich Karriere übergreifend ist. Für einen Profi- fußballer kommt im Laufe seiner Karriere irgendwann der Punkt, an dem er sich ausschließlich seiner sportlichen Leistung widmen muss. Tut er das nicht, kann er nur in seltenen Fällen seine absolute körperliche Höchstleistung erbringen.11 Abgesehen von den oben genannten Punkten ist es für einen Sportler zusätzlich wichtig, seine „nachsportliche“ Laufbahn schon während seiner aktiven Zeit im Auge zu haben. Aufgrund der starken Belastung für den Körper im kommerziellen Sportbereich, ist die professionelle Kariere zeitlich begrenzt. Deswegen sollte sich der Berater schon während der laufenden Karriere um ein Anschlusskonzept sowie langfristige Finanzierungsformen für den Sportler Gedanken machen. Dies wird immer mehr durch die Komplexität und Internationalität im Profisport erschwert. Immer häufiger schließen sich einzelne Berater großen Agenturen an und verbinden so ihr gesamtes Netzwerk sowie ihre gesammelten Erfahrungen und Fähigkeiten. In dieser Verbindung sind sie in der Lage, top-spezialisierte Dienstleistungen für den Sportler anzubieten und so mit den Vereinen, die sich zu professionalisierten Wirtschaftsunternehmen entwickelt haben, zu korrespon- dieren.12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Beratungsmodell eines Fußballspielers

Quelle: In enger Anlehnung an Plein (2001); S. 61.

Abbildung 1 zeigt die Komplexität der Arbeit eines Beraters. Es gibt viele unterschiedliche Bereiche, in denen er Fachwissen haben muss, um den Sportler so gut wie möglich zu Beraten. Sein Fachgebiet sollte genauso Werbe- verträge als auch Arbeitsverträge umfassen. Sollte er keine juristische Ausbil- dung haben, ist es unabdingbar einen externen Berater an seiner Seite zu haben, der sich mit Steuerrecht genauso gut in Bereichen wie Immobilienkauf, Vermietung, Eheverträge, Erbrecht und Persönlichkeitsrecht auskennt. Im modernen Sport, in dem der Sportler auch online präsent ist, sind Erfahrungen in der Vermarktung und Instandhaltung von Homepages sowie Sozialmedia-Seiten unabdingbar. Aufgrund der vielen Fachgebiete und der unterschiedlichen Themenbereiche ist es für einen Sportler in der aktuellen Zeit umso wichtiger den richtigen Berater für seine persönlichen und sportlichen Ziele zu finden. Findet er den passenden Berater, erleichtert das seinen Alltag ungemein. Der Spieler kann sich ausschließlich auf seine Leistung konzentrieren und ist so in der Lage seine Leistungsfähigkeit optimal abzurufen.

2.2 Spielervermittler im deutschen Fußball

Anhand der Unterlagen der FIFA aus dem Jahre 2008 wird der Beruf des Spielervermittlers wie folgt definiert: „Ein Spielervermittler ist eine natürliche Person, die gegen Entgelt Spieler bei einem Verein vorstellt, Arbeitsverträge aushandelt, oder neu verhandelt, oder im Hinblick auf den Abschluss eines Transfervertrages zwei Vereine einander vorstellt, und zwar jeweils unter Einhaltung der in diesem Reglement niedergelegten Bestimmungen“.13

In der Öffentlichkeit und auch bei Vereinen genießen Spielervermittler nicht den besten Ruf. Oft wird ihnen die soziale Verantwortung abgesprochen oder sie werden aufgrund ihrer hohen Honorare bei erfolgreichen Vermittlungen als Geldgierig bezeichnet.14 Der Ruf der gesamten Branche ist schlecht, jedoch sind Vereine sind auf die Fähigkeit von Vermittlern angewiesen. Ein Spielervermittler kann sowohl von einem Verein, als auch von einem Spieler direkt beauftragt werden.15 Vereine suchen global tätige Spieler, die die Qualität ihres gesamten Kaders erhöhen. Sie sind ständig auf der Suche nach jungen Talenten, aber auch erfahrenen Anführern. Beauftragt also ein Verein einen Spielervermittler direkt nach einem bestimmten Spieler zu suchen der die Anforderungen des Vereinsmanagers erfüllt, so bezeichnet man ihn als Makler.16 Ist ein Fußballspie- ler bei einem bestimmten Verein unglücklich oder im Moment Arbeitssuchend, kann er ebenfalls einen Spielervermittler beauftragen. Arbeitet der Vermittler also im Auftrag eins Spielers, so bezeichnet man ihn als Arbeitsvermittler.17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Informationsübermittlung von Spielern, Vereinen und Spielervermittlern

Quelle: In enger Anlehnung an Greitemann (2012); S. 25.

Abbildung 2 verdeutlicht die Informationswege und zeigt auf, wie der Markt funktioniert. Je nachdem, wer den Vermittler beauftragt, ändert sich wie oben beschrieben die Berufsbezeichnung des Vermittlers. Wichtig ist, dass ein Vermittler unabhängig ist und keine besondere Beziehung zu Verantwortlichen, wie sportliche Leiter, Vereinsführung etc., und Spieler hat. Nur wenn er unparteiisch ist, kann er rational für seinen Klienten nach dem richtigen Verein suchen und vermitteln. Ziel des Spielervermittlers ist es, ein Arbeitsverhältnis zwischen Verein und Spieler herbeizuführen. Der Spielervermittler steht sehr oft zwischen zwei Interessensgruppen und muss versuchen für alle Parteien eine faire Lösung zu finden. Dabei spielen seine eigenen Motive natürlich auch eine Rolle. Deswegen ist es für den Vermittler ungemein wichtig, Vertrauen zu den Parteien aufzubauen. Schafft er das nicht, werden Vereine sich neutrale Vermittler suchen und den Kontakt zu unseriösen Spielervermittlern versuchen zu vermeiden.

Das besondere an Spielervermittlern ist nicht nur ihr riesiges Insiderwissen, sondern auch das Gespür frühzeitig zu erkennen, welcher Verein zu welchem Zeitpunkt einen bestimmten Spieler sucht bzw. anbietet. Durch ihre weit verzweigten Kontakte sind sie immer auf dem neusten Informationsstand und wissen genau was ein Spieler gerade Wert ist, oder wie zufrieden beziehungsweise unzufrieden der Verein oder der Spieler mit seiner aktuellen Situation ist.18 Einigen sich ein Spieler und ein Spielervermittler auf eine Zusammenarbeit, kann dieses Arbeitsverhältnis sogar soweit gehen, dass der Vermittler den Arbeitsvertrag zwischen dem Sportler und dem Klub selbstständig aushandelt und dieser nur noch unterschreiben muss. In seltenen Fällen vertraut der Sportler seinem Vermittler so sehr, dass er ihn mit einer Vollmacht ausstattet. Mit einer solchen ausgestattet, ist es dem Vermittler erlaubt im Namen des Sportlers den ausgehandelten Vertrag eigenhändig zu unterschreiben. Für ihre Tätigkeiten erhalten die Vermittler in den meisten Fällen 10% der Handgelder, Ablösesummen und Grundgehälter.19 Wie bereits oben beschreiben kann es auch sein, dass ein Vermittler für einen Verein arbeitet. Ist das der Fall, wird die Arbeit durch eine einmalige Vorabzahlung vergütet. Diese Art der Vermittlung ist in den FIFA Regularien klar und deutlich geregelt.20 In der Praxis kommt es häufig zu höheren Honorarzahlungen. Das passiert dann, wenn Spielervermittler kurz vor dem Abschluss des Vertrages noch einen zusätzlichen Vertrag mit der Vertragsgegenseite abschließen. Ihr Ziel ist es in diesem Fall, zusätzlich zu ihrem Honorar auch noch einen Vermittlungsvertrag abzuschließen. Arbeiten Vermittler nach diesem Schema können sie die oben beschriebenen FIFA Regularien umgehen.

2.3 Zwischenergebnis

Die beiden Berufsfelder des Spielervermittlers, beziehungsweise des Spielerberaters, lassen sich theoretisch sehr gut voneinander trennen. Aus juris- tischer Sicht ist der Spielervermittler ein Makler, welcher vom Spieler oder vom Verein beauftragt wird. Agiert er als Arbeitsvermittler, also aus der Sicht des Sportlers, ist er auf die Berufssportlervermittlung spezialisiert und arbeitet auch dem entsprechend.21

Dem gegenüber steht der Spielerberater. Er schließt mit dem Lizenzspieler einen umfassenden Beratungsvertrag ab und übernimmt in den meisten Fällen zusätzlich die Funktion als Spielervermittler. Im Gegensatz zum unparteiischen Spielervermittler handelt der Spielerberater immer im Interesse seiner Klienten und agiert somit viel mehr als Berufsberater und Manager.

Zusätzlich unterscheiden sich die beiden Tätigkeitsfelder stark voneinander. In Folge dessen kann ein Spielerberatungsvertrag mündlich abgeschlossen werden und ist hinsichtlich der vereinbarten Dienstleistung, die der Spielerberater erbringen soll, frei in der Vergütungsregelung und Vertragsgestaltung.22

Im Gegensatz dazu ist der Spielervermittler deutlich eingeschränkter, was die Vertragsgestaltung betrifft. Seine Tätigkeiten fallen ausschließlich in den Bereich der Arbeitsvermittlung und sind deswegen gesetzlich geregelt. Er ist dazu verpflichtet einen schriftlichen Vertrag inklusive aller Inhalte mit dem Auftrag gebenden Verein oder Lizenzspieler abzuschließen.23 Ein großer Vorteil ist allerdings, dass der Beruf des Spielervermittlers keine staatliche Ausbildung oder Studium vorrausetzt. Der Einstieg ist Prinzipiell Jedermann möglich.24

Abbildung 3 stellt die Verbindungen des Transfermarktes grafisch dar. In der Abbildung kann man erkennen wie die Marktteilnehmer (Vereine und Spieler) auf dem Markt wirken. Es gibt zum einen die Spielervermittler, die wie in Abbildung 2 beschrieben als Bindeglied zwischen den beiden Parteien vermitteln und dafür sorgen, dass ein Spieler den Verein wechselt, oder ein arbeitsloser Spieler einen neuen Verein findet. Die Spieler sind die entscheidenden „Produktionsfaktoren“ für die Entstehung des Produktes „professioneller Fußball“. Sie stehen im Mittel- punkt und können durch ihre Leistung dazu beitragen, ob ein Verein erfolgreich ist oder nicht. Vereine stehen den Spielern gegenüber und handeln in der Regel aus Nachfrager. Ambitionierte Vereine sind immer auf der Suche nach Spielern, die ihre Spielstärke verbessern und die Wahrscheinlichkeit des sportlichen Erfolges erhöhen. Hinzu kommen weitere Marktteilnehmer, die durch Gesetze und Regularien den Markt beeinflussen (z.B. Steuern und Arbeitsrecht) oder die Medien, die ihre Magazine und Internetseiten mit Redaktionellen Inhalten über den Sport füllen möchten. Das Zusammenspiel aller Teilnehmer ist wichtig für die Sportart und sorgt dafür, dass Millionen von Menschen Inhalte nachfragen. In dem Modell finden Fans und andere Interessensgruppe keine weitere

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Verbindungen auf dem Transfermarkt im Profifußball

Quelle: In enger Anlehnend an Nicolas Heidtke (2013); S. 96.

3 Rechtliche Grundlage bei der Spielervermittlung im modernen Fußball

Als die Verantwortlichen der FIFA im Jahre 2000 die Entwicklung des Fußballs in Europa betrachteten, fiel ihnen auf, dass der traditionelle Fußball, wie sie ihn kannten, vom kommerziellen Spitzensport abgelöst worden ist. Sie merkten, dass nicht nur Wirtschaftsunternehmen an den Sportlern interessiert waren, sondern auch sehr viele andere Interessensgruppen, darunter sehr viele Berater und Vermittler. Diese neuen Marktteilnehmer hatten nicht immer das Wohl der Sportler und Vereine im Auge, und so sahen sich die Nationalverbände zum Handeln gezwungen. Aufgrund dieser Problematik beschloss das FIFA Exekutivkomitee am 01.03.2001 ein völlig neu überarbeitetes Spielervermittlungs-Reglement zum Schutz der Spieler.25 In den folgenden Punkten wird das 2001 beschlossene Reglement und das 2015 in Kraft tretende Lizenzverfahren erläutert und anschließend kritisch bewertet.

3.1 Regelungen der Arbeitsvermittlungserlaubnis und der FIFA- Lizenz vom 01.03.2001 bis zu 01.04.2015

Wie im vorherigen Punkt beschreiben erließ die FIFA zum 01.03.2001 ein Lizenzierungsverfahren für Spielervermittler, um die unkontrollierbaren Zustände im Fußball-Business einzuschränken. Entwickelt wurden folgende Bedingungen und Anforderungen, die von dem jeweiligen Nationalverband überprüft werden mussten. In Deutschland ist der Deutsche Fußball-Bund, im weiteren DFB, dafür verantwortlich. Eingeführt wurden folgende Punkte:

- schriftlicher Multiple-Choice-Test mit 20 Fragen, die fünfzehn aus dem nationalen und fünf aus dem internationalen Bereich umfassen,
- die Ersetzung einer Bankgarantie in Höhe von CHF 200.000 durch die
Verpflichtung einer Berufshaftpflichtversicherung mit einer
Deckungssumme von 500.000 Euro,
- die Vorgabe eines standardisierten Vermittlungsvertrages, der von den Parteien unterschrieben bei dem jeweiligen Nationalverband einzureichen ist,
- die Verpflichtung seitens des Vermittlers auf einen Berufs-Ethik-Kodex, der zum Beispiel das Abwerben von Spielern untersagt,
- die Zuweisung der Entscheidungsgewalt in Streitfällen an die Nationalverbände, sofern die Streitigkeiten zwischen Spielern, Verein und national-lizenzierten Spielervermittlern sind.26

Die oben genannten Punkte sind Voraussetzung für das Erhalten der Spielervermittlungslizenz. Da in Deutschland der DFB als Nationalverband für die Vergabe der Lizenzen verantwortlich ist, muss jeder Teilnehmer der die Lizenz erhalten möchte, zusätzlich zu den oben genannten Punkten folgende Kriterien erfüllen:

- polizeiliches Führungszeugnis (nicht älter als sechs Monate)
- aktuelles Passbild (digital),

[...]


1 Tanda und Brouzos (2013); www.handelszeitung.ch; Internetquelle.

2 Vgl. Jungheim (2003); S.103.

3 Vgl. Focus (2013); www.focus.de; Internetquelle.

4 Vgl. Schilling (2015); www.sponsors.de; Internetquelle.

5 Vgl. Schmidt und Zimmermann (2010); Meldung vom Sport-Informations-Dienst.

6 Vgl. Mersch (2013); www.handelsbaltt.com; Internetquelle.

7 Vgl. Leonhardt (2014); S. 17.

8 Vgl. Heidtke (2013); S. 70. Vgl. dazu auch Scherrer (2003); S. 5 und vgl. auch Jungheim (2003); S. 147.

9 Vgl. Leonhardt (2014); S. 23.

10 Vgl. Jungheim (2003); S.150. Vgl. Dazu auch Scherrer (2003); S. 27.

11 Vgl. Scherrer (2003); S.146.

12 Vgl. Jungheim (2003); S. 151.

13 Siehe Anhang DFB-Reglement (2008); S. 43.

14 Vgl. Leonhardt (2014); S. 19.

15 Vgl. Jungheim (2003); S. 147.

16 Vgl. Jungheim (2003); S. 147f.

17 Vgl. Jungheim (2003); S.149. Dazu auch vgl. Modl (2003); S. 44.

18 Vgl. Leonhardt (2014); S. 24.

19 Vgl. Heidtke (2013); S. 49.

20 Siehe Anhang FIFA-Reglement (2008); S. 51.

21 Vgl. Jungheim (2003); S.161.

22 Vgl. Scherrer (2003); S. 32 f.

23 Vgl. Jungheim (2003); S. 159 f.

24 Vgl. Leonhardt (2014); S. 24.

25 Vgl. Helmholz (2006); S. 5.

26 Vgl. Scherrer (2003); S. 111.

Details

Seiten
55
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668085664
ISBN (Buch)
9783668085671
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309707
Institution / Hochschule
Internationale Berufsakademie der F+U Unternehmensgruppe gGmbH
Note
1,3
Schlagworte
Spielerberater Spielervermittler DFB FIFA Bewertungssysteme Regularien Deutscher Fußballbund

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Titel: Systeme zur Bewertung von Sport und Karriereberatern in Deutschland. Kritische Analyse des Spielerberatergeschäfts