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Fixes und flüssiges Kapital bei Karl Marx

Seminararbeit 2004 13 Seiten

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Thema der Arbeit

2. Bestimmung der Sphäre

3. Fixes Kapital

4. Flüssiges Kapital

5. Fixes und flüssiges Kapital

6. Der Grad der Fixität

7. Probleme bei der Bestimmung des fixen Kapitals

8. Fixes Kapital und Geld

9. Umschlagszeiten des fixen Kapitals

10. Fixes Kapital und Lebensdauer

11. Fußnoten

12. Bibliografie

1. Thema der Arbeit:

Im folgenden werde ich mich mit den Kategorien des flüssigen und des fixen Kapitals bei Karl Marx befassen. In Anlehnung an das Proseminar beziehe ich mich insbesondere auf den zweiten Band des „Kapital“. Besonderes Augenmerk soll hierbei in der klaren Begriffsbestimmung und der Abgrenzung von anderen Kategorien des Marxschen Wirtschaftsmodells liegen. Dabei sollen die Schwierigkeiten aufgezeigt werden, die eine unklare Definition der beiden Kategorien bei der weiterführenden Betrachtung der verschiedenen Existenzformen von Kapital mit sich bringt.

2. Bestimmung der Sphäre

Marx unterscheidet bei der Betrachtung des Kapitals zwei Sphären: die Zirkulations- und die Produktionssphäre. Fixes und flüssiges Kapital sind Kapitalformen, die bei Marx nur in der Produktionssphäre vorkommen, da für ihn die Unterscheidung nur im Bezug auf die kapitalistische Warenproduktion Sinn macht, und, wie noch zu zeigen ist, nicht auf eine bestimmte Kategorie von Gegenständen (Arbeitsmittel) anzuwenden ist, sondern sich allein aus ihrer Funktion im Arbeitsprozess ergibt. Ein, wenn auch nicht immer entscheidender, Parameter für die Definition als fixes oder flüssiges Kapital ist für Marx die Art und Weise wie Produktionsmittel ihren Wert abgeben. Fixes Kapital gibt dabei Wert an das Produkt (die Ware) ab, ohne stofflich in sie einzugehen.

Ein Teil des Kapitals ist in Form von konstantem Kapital, d.h. von Produktionsmitteln vorgeschossen worden, die nun als Faktoren des Arbeitsprozesses fungieren, solange die selbständige Gebrauchsgestalt ausdauert, mit der sie in desselben eintreten. 1

3. Fixes Kapital

Fixes Kapital verbleibt damit während seiner gesamten Lebensdauer im Produktionsprozess, ohne ihn je zu verlassen. Als Beispiel mag hier die Maschine dienen, die Stahlblech in die Form von Bratpfannen biegt. Das Stahlblech wird von der Maschine bearbeitet, sie geht jedoch nicht in die fertige Pfanne ein.

Die Arbeitsmittel dagegen verlassen nie die Produktionssphäre, nachdem sie einmal in dieselbe eingetreten sind. 2

Marx spricht dabei davon dass ein Teil des in einem Produktionsprozess investierten Kapitals durch die Funktion der Arbeitsmittel im Prozeß bestimmte Form fixiert3 ist, d.h. während seiner gesamten Lebensdauer in ihm gebunden ist.

Neben der oben genannten Maschine fallen in einer klassischen Fabrik auch die Gebäude und der Boden auf dem die Fabrik steht in die Kategorie des fixen Kapitals. In einigen Fällen können diese Kapitalteile aufgrund einer anderen Funktion im Produktionsprozess aber auch zu Warenkapital werden. Dazu jedoch später mehr. Zunächst noch einmal zurück zu unserem Beispiel. Sowohl die Maschine als auch Fabrikhalle und Grund und Boden sind selbst unbeweglich. Im Falle des Gebäudes und von Ländereien äußert sich dies schon in der Bezeichnung Immobilie. Wichtig für die Bestimmung als fixes Kapital ist jedoch allein ihre Aufgabe im Produktionsprozess, nicht jedoch ihre physikalische Beweglichkeit! Dazu ein weiteres Beispiel.

Für die Bahngesellschaft ist die Lokomotive fixes Kapital obwohl sie selbst mobil ist. Sie erbringt ihre Arbeit in Form von Bewegung ohne stofflich in irgendeiner Form in die Ware (das bewegte Gut) einzugehen. Über viele Jahre verrichtet diese Lokomotive ihren Dienst. Dabei verliert die Lokomotive beständig an Wert, bis sie schließlich so altersschwach geworden ist, dass sie schließlich durch ein neues Exemplar ersetzt werden muss. Zum Ende ihrer Lebensdauer ist die Lokomotive dem Wert nach in das Produkt eingegangen, nicht jedoch stofflich.

4. Flüssiges Kapital

Nach diesem kurzen Einblick in die Definition von fixem Kapital soll im folgenden sein Pendant im Produktionsprozess, das flüssige Kapital Gegenstand der Betrachtung sein. Ein erster, einfacher Zugriff auf die Bedeutung von flüssigem Kapital gibt Marx sehr prägnant ausgehend vom fixen Kapital selbst:

Alle andern stofflichen Bestandteile des im Produktionsprozess vorgeschossnen Kapitals dagegen bilden im Gegensatz dazu: Zirkulierendes und flüssiges Kapital

Ich werde im Rahmen der Arbeit nur den Begriff flüssiges Kapital und nicht den von Marx ebenfalls verwendeten Ausdruck „zirkulierendes Kapital“ verwenden, da ansonsten Verwechslungsgefahr mit der Zirkulationssphäre und den Vorgängen innerhalb derselben besteht.

Neben Maschinen und Gebäuden bilden die Roh- und Hilfsmaterialien weitere Stoffgruppen die innerhalb der Produktionssphäre vorkommen und kein fixes Kapital, damit also flüssiges sind. Die Eigenart des flüssiges Kapital liegt darin, ganz im Produktionsprozess verbraucht zu werden. Der Rohstoff, im Falle der Bratpfanne aus dem ersten Beispiel also Stahlblech, wird ausgestanzt, gebogen und mit einem Griff verschraubt; geht also stofflich in die Ware ein und wird dabei ganz verbraucht. Hilfsstoffe dagegen wären in unserem Beispiel die Kohlen, die in der Dampfmaschine verfeuert werden, um die Maschine zu betreiben. Sie gehen nicht stofflich sondern nur dem Wert nach in die Ware ein, d.h. sie werden im Produktionsprozess verbraucht. Die Menge Kohlen die nötig ist um eine Tagesproduktion von Bratpfannen herzustellen ist also am Abend verbraucht und muss vom Kapitalisten ersetzt werden, bevor ein neuerlicher Produktionstag beginnen kann. Ebenso das eingesetzte Stahlblech: Zwar bleiben Metallspäne vom Zuschneiden und Abgraten, diese taugen jedoch nicht zur Herstellung weiterer Pfannen sondern können gegebenenfalls in einem von der Pfannenherstellung völlig unterschiedlichen Produktions- bzw. Recyclingprozess weiterverwendet werden. Das vom Kapitalisten zur Produktion gekaufte Stahlblech existiert fortan nur noch als Pfanne und besagte Reststoffe; ist also in diese neue Form überführt worden.

5. Fixes und flüssiges Kapital

Entscheidend für die Einteilung in fixes und flüssiges Kapital ist also nicht die physische Beweglichkeit oder die stoffliche Integration des Produktionsmittels in die Ware, sondern allein Art und Dauer der Wertabgabe. Einen genauerer Blick sind hierbei auf einige besondere Hilfsstoffe nötig, die in der Landwirtschaft ebenfalls zu fixem Kapital werden können. Marx weißt dabei auf mehrjährig wirkende Dünger hin, die einmal ausgebracht über Jahre hinweg ihren Beitrag zur Fruchtbarkeit des Bodens leisten. Diese müssen dem fixen Kapital zugerechnet werden, da sie über einen längeren Zeitraum im Produktionsprozess gebunden und geben nach und nach wert ab, bis sie erneuert werden müssen.

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Details

Seiten
13
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638321112
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v30965
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2+
Schlagworte
Fixes Kapital Karl Marx Proseminar Lektürekurs

Autor

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