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Aufwandsschätzungen in Softwareentwicklungsprojekten

Function-Point-Analyse und Expertenschätzung im Vergleich

Seminararbeit 2015 23 Seiten

Informatik - Software

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

2 Grundlegende Prinzipien der Aufwandsschätzung in Softwareentwicklungsprojekten
2.1 Vollständigkeit
2.2 Systematische Vorgehensweise
2.3 Vorhersagekraft
2.4 Praktische Anwendbarkeit
2.5 Flexible Anwendungsmöglichkeiten

3 Verbreitete Verfahren der Aufwandsschätzung
3.1 Expertenschätzung
3.1.1 Allgemeine Grundregeln
3.1.2 Formen der Expertenschätzung
3.2 Function-Point-Analyse
3.2.1 Bestimmung der Unadjusted Function Points
3.2.2 Bestimmung der Adjusted Function Points
3.2.3 Ableitung des zu erwartenden Aufwands

4 Prüfung der Aufwandsschätzverfahren auf die Erfüllung der definierten Anforderungen
4.1 Vollständigkeit
4.2 Systematische Vorgehensweise
4.3 Vorhersagekraft
4.4 Praktische Anwendbarkeit
4.5 Flexible Anwendungsmöglichkeiten
4.6 Abschließende Bewertung

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Darstellungsverzeichnis

Darstellung 1: Übersicht Unadjusted Function Points

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vergleich Expertenschätzung und Function-Point-Analyse

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung und Problemstellung

„You can manage what you can measure.”1 Dieses Zitat nach Bundschuh & Fabry (2004) bewertet die Aufwandsschätzung als fundamentalen Baustein des Managements von Softwareentwicklungsprojekten.

Eine hohe Anzahl an Softwareentwicklungsprojekten, deren vorgegebenes Budget weit überschritten wird,2 lässt jedoch vermuten, dass eine Aufwandsschätzung in der Praxis nicht immer mit der nötigen Sorgfalt durchgeführt wird.

Natürlich spielen in diesem Zusammenhang auch weitere Faktoren eine Rolle: Oft wird eine Aufwandsschätzung zu einem Zeitpunkt benötigt, zu dem die geforderten Funktionalitäten der Software noch nicht ausreichend detailliert beschrieben sind.3 Oder aber im Verlaufe des Projektes kommen zusätzliche Anforderungen hinzu, die in der ursprünglichen Schätzung nicht berücksichtigt werden konnten.4 Da eine Aufwandsschätzung oft als Basis für die Wirtschaftlichkeitsberechnung eines Projektes dient,5 wird sie häufig aus politischen Gründen zu optimistisch berechnet, um die Durchführung des Projektes nicht zu gefährden.6 Oder aber sie wird gleich durch einen vom Management vorgegebenen Zielwert ersetzt.7

An dieser Stelle sei auch zu erwähnen, dass Software als immaterielles Gut nur schwer messbar ist8 und Softwareentwicklungsprojekte äußerst komplex sind.9 Erschwerend kommt hinzu, dass durch die rasante technologische Weiterentwicklung Aufwände nur bedingt aus Erfahrungswerten abgeleitet werden können.10 Häufig sind die eigentlichen Kostentreiber in einem Projekt nur rudimentär bekannt11 und fehlende Risikozuschläge können die Schätzgenauigkeit ebenfalls im negativen Sinne beeinflussen.12 Gerade deshalb ist die Wahl eines dieser Komplexität gerecht werdenden Aufwandsschätzverfahren von hoher Bedeutung.13

Mit dieser Problematik beschäftigt sich die vorliegende Arbeit, deren Ziel es ist, zwei in der Unternehmenspraxis weit verbreitete Verfahren der Aufwandsschätzung vorzustellen und miteinander zu vergleichen: Die Expertenschätzung und die Function-Point-Analyse (FPA). Zunächst werden dafür allgemeine Anforderungen an ein Aufwandsschätzverfahren definiert (Kapitel 2), um danach die bereits genannten Verfahren zu erläutern (Kapitel 3). Abschließend werden sie auf das Erfüllen der allgemeinen Kriterien geprüft (Kapitel 4).

2 Grundlegende Prinzipien der Aufwandsschätzung in Softwareentwicklungsprojekten

Aufwandsschätzungen im IT-Projektmanagement (IT = Informationstechnologie) dienen zum einen dazu, den benötigten Ressourcenbedarf zu planen. Stellt man dem prognostizierten Ressourcenbedarf den potenziellen Nutzen eines Projektes gegenüber, so erhält man daraus abgeleitet eine Einschätzung der Wirtschaftlichkeit, die oftmals über die Durchführung des Projektes entscheidet.14 Wird eine Software für einen externen Kunden programmiert, dient eine Aufwandsschätzung der Angebotserstellung.15 Ebenfalls werden die durch die Aufwandsschätzung gewonnenen Daten für ein internes IT-Projektcontrolling benötigt – zum Beispiel, um nach Projektabschluss eine Erfolgskontrolle durchführen zu können.16

Der geschätzte Aufwand wird in der Regel in Personenstunden oder -monaten angegeben.17 Kosten (in Euro) werden bei Aufwandsschätzungen zunächst nicht betrachtet. Sie lassen sich aber z.B. durch Multiplikation des errechneten Aufwandes mit einem mitarbeiterspezifischen Stundensatz errechnen.18 Es existiert eine sehr große Anzahl unterschiedlicher Aufwandsschätzverfahren und -methoden. Diese sollten bestimmten, allgemeinen Grundansprüchen genügen, die nachfolgend definiert werden.

2.1 Vollständigkeit

Eine Aufwandsschätzung sollte alle relevanten Aufwände abdecken. Ein Aufwand ist definiert als eine „Minderung […] des Erfolges durch den Verbrauch oder den Gebrauch von Gütern.“19 Im Rahmen von Softwareentwicklungsprojekten ist vor allem der Personalaufwand der zentrale Faktor.20 Hierunter fallen neben dem eigentlichen Entwicklungsaufwand auch Risikozuschläge und Aufwände für unterstützende Tätigkeiten (wie z.B. Projektmanagement-, Qualitätsmanagement- oder Dokumentationsaufwände).21 Auch sollten Abstimmungs- und Koordinationsaufwände bei größeren Projektteams keineswegs vernachlässigt werden.22

Insbesondere wenn errechnete Aufwände für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit eines Softwareentwicklungsprojektes herangezogen werden, sollten auch die nach der Installation der Software entstehenden Aufwände z.B. für Wartung und Betrieb mit einbezogen werden. Das Konzept der Betrachtung aller relevanten Aufwände – nicht nur der direkten Entwicklungsaufwände – wird in der Literatur als Total Cost of Ownership (TCO) bezeichnet.23

2.2 Systematische Vorgehensweise

Auch wenn sich dies für ein immaterielles Gut relativ schwierig gestaltet, sollte in einem Aufwandsschätzverfahren ein sinnvoller Indikator für den zu erwartenden Aufwand gefunden werden, anstatt einfach einen Wert zu „erraten“.24 Die Aufteilung des Projektes in kleinere Einheiten (wie z.B. Arbeitspakete) hilft hierbei.25 Das Vorgehen sollte einer gewissen Methodik folgen und systematisch dokumentiert werden, um eine Aufwandsschätzung auch Dritten gegenüber nachvollziehbar zu machen.26 Eine systematische Erfassung von Erfahrungswerten wird ebenfalls als Erfolgsfaktor einer Aufwandsschätzung angesehen; die Verfahren sollten auf unternehmensspezifische Gegebenheiten angepasst werden.27 Für die Umsetzung aller dieser Anforderungen ist möglichst ein IT-gestütztes System einzusetzen.28

2.3 Vorhersagekraft

Schätzungen sind definiert als „näherungsweise Prognosen einer ungewissen Zukunft, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreten können.“29 Dennoch sollte diese Prognose möglichst genau sein; das heißt, der vorhergesagte Aufwand soll sich auch in den realen Zahlen widerspiegeln, um weder unnötig Ressourcen zu blockieren, noch ungeplante finanzielle Verluste für das untersuchte Projekt zu generieren.30 In der Praxis wird eine Schätzung mit einer Abweichung von ± 10 Prozent zum realen Projektaufwand als eine sehr gute Aufwandsschätzung angesehen.31

[...]


1 Bundschuh, M., Fabry, A. (2004), S. 15.

2 Vgl. z.B. Standish Group (Hrsg.) (1995), S. 2 f.

3 Vgl. Bundschuh, M., Fabry, A. (2004), S. 25.

4 Vgl. Bundschuh, M., Fabry, A. (2004), S. 36 f.

5 Vgl. Mönkemeier, E. (2014), S. 44.

6 Vgl. Hobel, B., Schütte, S. (2006), S. 40.

7 Vgl. Hummel, O. (2011), S. 6.

8 Vgl. Hummel, O. (2011), S. 3.

9 Vgl. Jantzen, K. (2008), S. 35.

10 Vgl. Hummel, O. (2011), S. 3.

11 Vgl. Hürten, R. (2005), S. 2.

12 Vgl. Hobel, B., Schütte, S. (2006), S. 36.

13 Vgl. Jantzen, K. (2008), S. 35.

14 Vgl. Hobel, B., Schütte, S. (2006), S. 35.

15 Vgl. Gadatsch, A., Mayer, E. (2014), S. 219.

16 Vgl. Bundschuh, M., Fabry, A. (2004), S. 23.

17 Vgl. Jantzen, K. (2008), S. 35.

18 Vgl. Tiemeyer, E. (2013), S. 271.

19 Vahs, D., Schäfer-Kunz, J. (2007), S. 603.

20 Vgl. Hummel, O. (2011), S. 9.

21 Vgl. Jantzen, K. (2008), S. 35.

22 Vgl. Feyhl, A. W. (2004), S. 130 f.

23 Vgl. Herzwurm, G., Pietsch, W. (2009), S. 276 f.

24 Vgl. McConnell, S. (2006), S. 118 f.

25 Vgl. Geirhos, M. (2011), S. 111.

26 Vgl. Gadatsch, A., Mayer, E. (2014), S. 220.

27 Vgl. Feyhl, A. W. (2004), S. 129.

28 Vgl. Feyhl, A. W. (2004), S. 138.

29 Hummel, O. (2011), S. 9.

30 Vgl. Löbbert-Passing, U. (2004), S. 1.

31 Vgl. Hummel, O. (2011), S. 8.

Details

Seiten
23
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668079847
ISBN (Buch)
9783668079854
Dateigröße
687 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309564
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Bonn früher Fachhochschule
Note
1,0
Schlagworte
Aufwandschätzung Aufwandsschätzung Softwareentwicklung Function-Point-Analyse Expertenschätzung IT-Projektmanagement

Autor

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Titel: Aufwandsschätzungen in Softwareentwicklungsprojekten