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Offener Stundenbeginn im Sportunterricht. 10 Minuten nachhaltig investiert

Examensarbeit 2015 30 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Darstellung des Forschungsgegenstandes
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Die Sportstunde
2.1. Stundenbegin
2.2. Offener und geschlossener Stundenbeginn im Vergleich
2.3. Variationen von Stundeneröffnungen
2.4. Legimitation

3. Metodische - inhaltliche Beschreibung des Forschungsvorgehens
3.1. Überlegung zur Datenerhebung
3.2. Dürchführung der Datenerhebung
3.3. Methodenkritische Reflexion

4. Auswertung
4.1. Auswertung des Videomaterials zum offenen Stundenbeginn
4.2. Auswertung des Schülerfragebogens
4.3. Auswirkungen des offenen Stundenbeginns auf den Unterrichtsverlauf

5. Fazit

6. Literatur

7. Abbildungsverzeichnis

8. Anhang
8.1. Einverständiserklärung
8.2. Evaluationsbogen

1. Einleitung

In der vorliegenden schriftlichen Arbeit werde ich den Forschungsgegenstand darstellen sowie meine Intention erläutern. Eine anschließende kurze Beschreibung der Inhalte soll den Aufbau der Arbeit skizzieren.

1.1. Darstellung des Forschungsgegenstandes

Seit etwa 25 Jahren wird in der sportdidaktischen Debatte das Thema „offener Sportunterricht“1 diskutiert. Die bestehende Forderung nach der Öffnung wird mittlerweile vielfältig ausgelegt und endet in zahlreichen, unterschiedlichen Ansätzen. Bis heute ist weder der Umfang der offenen Phase noch die Nachhaltigkeit für die Unterrichtspraxis evaluiert (vgl. Döhring, 2013, S. 11).

Dieser sportdidaktischen Forderung nach Öffnung möchte ich mit meinem Forschungsgegenstand nachkommen, indem ich einen offenen Stundenbeginn in meinem Sportunterricht, einer 7. Klasse, erprobe (s. Kap. 3.2, S. 8).

In Hospitationen als auch im eigenen Unterricht habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Schülerinnen und Schüler2 während ritualisierter Unterrichtseinstiege, wie z.B. dem Begrüßungskreis, unruhig und unaufmerksam sind (vgl. Söll; Kern, 2005, S. 18f.), so dass es zu Ermahnungen kommt, was eine Unterbrechung des Unterrichtseinstiegs bedeutet. Diese Störungen sind in den unteren Jahrgangsstufen häufig zu beobachten, da hier der Bewegungsdrang größer ist und Richtung höheren Klassenstufen abnimmt (vgl. ebd. 2005, S. 40). Mit einem offenen Stundenbeginn hätten die Schüler die Möglichkeit, ihren Interessen und Bedürfnissen nachzugehen und zum Beispiel ihren Bewegungsdrang zu stillen oder sich mit dem aktuellen Unterrichtsthema zu beschäftigen.

Es entwickelte sich daraus das Thema meiner vorliegenden schriftlichen Arbeit mit dem Titel:

Offener Stundenbeginn im Sportunterricht. 10 Minuten nachhaltig investiert.

Zu diesem Themenschwerpunkt möchte ich mögliche Stundeneröffnungen im Sportunterricht erproben. Dazu ergeben sich drei Leitfragen:

- Wie wirkt sich ein offener Stundenbeginn von circa 10 Minuten im Sportunterricht aus? (s. Kap. 4.3, S. 14)
- Nutzen die Schüler das Angebot effektiv oder geht kostbare Unterrichtszeit verloren? (s. Kap. 5, S. 15)
- Unterstützt ein offener Stundenbeginn nachhaltig das Schülerverhalten im Sportunterricht? (s. Kap. 4.3, S. 14)

Mit Hilfe eines Evaluationsbogens werde ich die Schülermeinungen zum offenen Stundenbeginn erfassen und auswerten (s. Kap. 4.2, S. 12). Zusätzlich wird auf Videoaufnahmen der Stundenbeginne zurückgegriffen. Die Erkenntnisse aus meinem Forschungsgegenstand möchte ich für meinen Sportunterricht nutzen.

1.2. Aufbau der Arbeit

Meine Arbeit ist so strukturiert, dass ich zu Beginn den Verlauf einer Sportstunde – vor allem den Stundenbeginn - darstelle und anschließend herausstelle, welche Kriterien ein offener Stundenbeginn beinhaltet.

Da der Fokus auf Offenheit des Stundenbeginns liegt, werde ich verschiedene Variationen einer Stundeneröffnung aufzeigen, welche in zwei Bereiche getrennt werden – geschlossener und offener Stundenbeginn. In der anschließenden Legitimation werde ich mein Vorhaben begründen.

Den Hauptteil der Arbeit bildet das methodische und inhaltliche Beschreiben meines Forschungsvorhabens. In diesem werde ich eine detaillierte Planung aufzeigen, wie ich mögliche offene Stundenbeginne gestaltet und durchgeführt habe.

Ergänzend zum Hauptteil stelle ich die Auswertung meiner erhobenen Daten dar. Zu Beginn wird das Videomaterial über fünf Stundenbeginne hinsichtlich der Stundeneröffnung ausgewertet. Des Weiteren werden die Schüleraussagen aus den Evaluationsbögen vertiefend interpretiert. Der Abschluss dieses Kapitels stellt die Auswirkungen von offenen Stundenbeginnen auf die anschließenden Unterrichtsphasen dar.

Abschließend werde ich ein persönliches Fazit ziehen.

2. Die Sportstunde

In diesem Kapitel wird zuerst der Beginn einer Sportstunde beschrieben. Anschließend werden offene und geschlossene Stundenbeginne verglichen und mögliche Variationen vorgestellt. Mit einer Legitimation von einem offenen Stundenbeginn wird das Kapitel beendet.

2.1. Stundenbeginn

Wann beginnt eine Sportstunde? Darauf würde man im Allgemein antworten: Wenn die Lehrkraft die Schüler versammelt und die Schüler gegrüßt hat – zum Beispiel im ritualisierten Begrüßungskreis – oder der Lehrer seine erste Anweisung gibt (s. Kap. 2.2, S. 4).

Die Sportpraxis besteht aus einem Anfang, einem Hauptteil (Arbeitsschwerpunkt) und einem Schluss. Der didaktische Sinn eines Unterrichtsanfangs besteht darin, die Teilnehmer auf das Thema der Unterrichtsstunde einzustimmen (s. Kap. 2.4, S. 6). Dabei sollte der Stundenanfang so gestaltet werden, dass die Schüler sich schnell aktiv bewegen können (vgl. Söll, 1998, S. 73). Döhring merkt an, dass „Lehrende, die zum Unterrichtsbeginn erst ein Spiel lang und breit erklären müssen bevor es losgeht, befinden sich nicht selten in einem Interessenkonflikt mit ihren Zuhören. Auch bringen jüngere [Teilnehmer] nicht die Ruhe und Konzentration mit, um erst einer langen Erklärung zu folgen“ (Döhring, 2011, S. 7.). Das Aufwärmen zum Beispiel durch ein Aufwärmspiel beeinflusst vor allem die körperbildende und konditionelle Vorbereitung der Schüler auf kommende sportliche Anforderungen. Da Aufwärmphasen insgesamt ein recht abwechslungsreiches, intensives und vor allem gemeinsames Üben ermöglichen, werden sie meistens zum Stundenbeginn durchgeführt, wodurch eine physiologische Aktivierung des Gesamtorganismus erreicht wird. In diesem Zusammenhang nennt Söll (1998, S. 124) drei Grundformen des Stundeneinstiegs:

a. „Aufwärmen“ und „einleitender Stundenteil“ sind identisch, z.B. vor Leistungsabnahmen und anspruchsvollen Lernprozessen.
b. Der einleitende Stundenteil übernimmt die generelle Funktion des Aufwärmens; ein spezielles „Warmmachen“ erübrigt sich.
c. Sowohl der einleitende Stundenteil als auch der Stundenhauptteil erfordern ein zwar entsprechend abgekürztes, aber auf die jeweiligen spezifischen Anforderungen ausgerichtetes Aufwärmen.

2.2. Offener und geschlossener Stundenbeginn im Vergleich

Durch Aufwärmspiele sollen die Schüler auf die Unterrichtspraxis eingestimmt werden. Häufig werden hierfür geschlossene Unterrichtseinstiege, wie z.B. Fang- oder Abwurfspiele gewählt. Dabei ist zu bedenken, dass in dieser Form des Unterrichtseinstiges nicht alle Schülerinteressen berücksichtigt werden und somit ein negatives Attraktivitätsgefälle entstehen kann (vgl. Söll, 1998, S. 123) (s. Kap. 2.4, S. 6; 4.3, S. 14).

Geschlossener Unterrichtsbeginn folgt der Struktur der Sache – vorbereitendes Aufwärmspiel auf einen thematischen Schwerpunkt – den es zu vermitteln gilt. Sofern die Lehrkraft diese Sachstruktur verfolgt, kann dieses als „lehrerzentriert“ bezeichnet werden (vgl. Bielefelder Sportpädagogen, 1998, S. 221) (s. Kap. 2.3, S. 5). Die entscheidenden Anstöße, sich eher der Idee des offenen Unterrichtsbeginns anzunähern, geben die Schüler, sofern sie ihren Bedürfnissen und Interessen nachgehen können. Offener Unterrichtsbeginn ist somit als „schülerorientiert“ zu verstehen (s. Kap. 2.3, S. 5).

In einem geschlossenen Stundenbeginn versammelt sich der Lehrer zunächst mit den Schülern in einem Begrüßungskreis und gibt dann den weiteren Stundenverlauf bekannt. Jedoch gibt es immer wieder die notorischen „Zuspätkommer“. Eine Möglichkeit, dieses den Schülern bewusst zu machen, ist, „daß man demonstrativ wartet, bis auch der letzte eingetrudelt ist“ (Söll, 1998, S. 52) (s. Kap. 2.3, S. 5).

Mit einem offenen Stundenbeginn könnte diese Situation so verändert werden, dass bewegungsfreudige Schüler die Möglichkeit haben die Zeit des Wartens effektiv zu nutzen bis alle Mitschüler in der Sporthalle versammelt sind (vgl. Döhring, 2011, S. 8) (s. Kap. 2.3, S. 5; 4.1, S. 11). Somit kann der Lehrer eine Unterrichtssituation schaffen, in der die Schüler möglichst überwiegend positive Bedingungen vorfinden, die zu sportlicher Aktivität aus eigenem Antrieb (ver-)führen (vgl. Bielefelder Sportpädagogen, 1998, S. 187). Mit einem offenen Stundenbeginn kann man die Interessen und die Motivation, sich einer Sache anzunehmen, stärken (vgl. Achtergarde, 2011, S. 30) (s. Kap. 2.3, S. 5). Für die Motivation setzt Söll Motive, innere Bewegungsgründe unseres Handelns, voraus. Der Schüler zeigt in bestimmten Situationen eine für ihn typische Disposition, Bereitschaft oder Tendenz sich zu verhalten (vgl. Söll, 1998, S. 46) (s. Kap. 4.1, S. 11).

Bei Söll (1998, S. 47) sind zwei Definitionen zur Motivation zu finden:

a. „Unter Motivation im engeren Sinne versteht man den aktuellen Vorgang der Anregung oder Aktivierung eines Motivs mit dem Ergebnis einer erhöhten Aktions- oder Handlungsbereitschaft.“
b. „Unter Motivation im weiteren Sinne ist der gesamte Prozeß der Aktivierung eines Menschen zu einer Handlung, des Erlebens während des Handelns und der abschließenden (Selbst-) Bewertung unter dem Aspekt eines bestimmen Motivs zu verstehen.“

Zu beachten ist, dass Motive nicht direkt beobachtbar sind, sondern sie lassen sich nur aus dem tatsächlichen Verhalten einer Person schließen. Somit kann eine Vermutung erstellt werden, warum ein und derselbe Mensch sich in verschiedenen Situationen zunehmend gleich, andere Personen in gleichgestellten Situationen aber unterschiedlich verhalten.

Bei jeder Person sind die Dimensionen Bewegung, Leistung, Freude und Normierung unterschiedlich ausgeprägt. In der Abb. 1 soll der Fokus auf die punktierte Linie (grau schattierter Bereich) gelegt werden. Mit einem offenen Stundenbeginn kann die Dimension der Freude verstärkt werden, weil die Schüler sich interessengeleitet z.B. zur Aufwärmung bewegen können (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium, 2007, S.7) (s. Kap. 4.2, S.12).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Dimensionen, innerhalb derer Sport erfasst werden kann (vgl. Voigt, 1992, S. 145)

Somit sollte die Dimension der Bewegung größer werden. Bei einem offenen Stundenbeginn werden den Polen der Leistung und Normierung keine große Bedeutung zugeschrieben. Durch einen offenen Stundenbeginn kann ein positives Unterrichtsklima entstehen (s. Kap. 4.2, S. 13). Achtergarde (2011, S. 39) konkretisiert dieses, indem er sagt: „Es ist darauf zu achten, eine lernförderliche, positive Arbeitsatmosphäre zu schaffen.“ Diese optimale Atmosphäre kann dadurch gekennzeichnet sein, dass der Lehrer weniger Ermahnungen an störende Schüler richten muss und somit der Unterricht störungsfreier ablaufen kann.

2.3. Variationen von Stundeneröffnungen

Eine Möglichkeit des Stundenbeginns besteht darin, dass Schüler, die in den Unterricht kommen, sich gleich in den Begrüßungskreis setzten und warten, bis alle Mitschüler anwesend sind (s. Kap. 2.2, S. 4). Dieses Warten macht das Problem der Unpünktlichkeit bewusst und die Situation kann genutzt werden, die auftretende Undiszipliniertheit zu thematisieren. Allerdings kann es vorkommen, dass die Schüler die Wartezeit verkürzen, indem sie sich den langsameren Schülern anschließen.

Eine andere Variante ist, dass die Schüler sich individuell mit der Thematik beschäftigen, die im Sportunterricht inhaltlich behandelt wird. Dieses kann ein sinnvoller Einstieg sein, da der Lehrer sich sehr schnell orientieren kann, wie die Schüler darauf reagieren, wozu sie tendieren und was sie schon können. Die möglichen Nachteile dieses Verfahrens sind im Grunde schon genannt: kein besonderer Anreiz für Unwillige und emotionale Probleme beim Übergang vom freiwilligen zum pflichtgemäßen Tun.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass Schüler, die die Halle betreten, sich damit beschäftigen, die Geräte aufzubauen oder die übrigen Vorrichtungen wahrzunehmen, die für die Stunde wichtig sind (vgl. Döhring, 2011, S. 9). Dieses kann für die Stunde entlastend sein, wenn ein umfangreicher Aufbau von Geräten oder Stationen bereitgestellt werden soll. Bereitwillige Schüler gibt es immer, die dieser Arbeit gerne nachgehen, jedoch warten viele Schüler auch gerne in den Umkleideräumen ab, bis diese Arbeit getan ist.

Auch ein offener Stundenbeginn kann als Einstieg gewählt werden. Er bietet den Schülern die Möglichkeit, sich interessengeleitet in der Sporthalle zu bewegen und sich somit individuell aufzuwärmen (s. Kap. 2.2, S. 4). Ein Problem, welches Söll (1998, S. 68) hier anspricht, ist: „Außerdem besteht jetzt für die am Sport uninteressierten Schüler kein spezieller Grund mehr sich zu beeilen: ´Die Anderen dürfen doch spielen!´.“

Zusammenfassend kann man sagen, dass geschlossene Aufwärmspiele vom Lehrer festgelegt sind und von der gesamten Klasse durchgeführt werden (s. Kap. 2.2, S. 3). Somit können zu den geschlossenen Unterrichtseinstiegen bspw. Mannschaftsspiele eines festgelegten Spiels, Spiele mit festem Regelwerk oder Laufspiele einer bestimmten Intention gezählt werden. Offene Aufwärmspiele werden nicht vom Lehrer festgelegt sondern werden von den Schülern selbst gestaltet durch zum Beispiel freies Bewegen, Zonenspiele oder mit Hilfe von Materialkisten (s. Kap. 2.2, S. 3).

In geschlossenen Stundeneröffnungen besteht die Schwierigkeit, die Interessen aller Schüler zu berücksichtigen und diese zu befriedigen. Somit gibt es immer wieder Schüler, die sich in einem Aufwärmspiel nur differenziert einbringen, da die Lust, an dem Spiel teilzunehmen, nicht vorhanden ist. In Spielsituationen bewegt sich nur ein Teil der Klasse aktiv oder schwächere Schüler werden nicht in das Spielgeschehen eingebunden. Die Motivation, sich zu bewegen, schwindet (s. Kap. 4.2, S. 12). Somit ist es wichtig, dass man verschiedene Stundeneröffnungen wählt und die jeweiligen Vorteile gezielt nutzt und die Nachteile versucht, so gering wie möglich zu halten. Die Auswahl hängt von der Heterogenität der Klasse, dem anstehenden Thema und den besonderen didaktisch-methodischen Absichten des Lehrers ab (vgl. Döhring, 2011, S. 8).

2.4. Legitimation

Während des Stundenbeginns sollen sich die Schüler auf die Sportstunde vorbereiten, indem der Körper aufgewärmt wird – Aktivierung des Herz-Kreislauf-Systems (s. Kap. 2.1, S. 3). Außerdem soll der Stundenbeginn die Schüler für den weiteren Unterrichtsverlauf motivieren (s. Kap. 2.2, S. 4). Döhring unterstützt dieses mit der Äußerung, dass individuelle Spiele zum Unterrichtsbeginn einen hinführenden Charakter auf den Hauptteil haben können (vgl. Döhring, 2011, S.7).

Durch die Öffnung des Stundenbeginns können die Schüler zur Selbstständigkeit erzogen werden, weil sie sich selber aktiv bewegen müssen, sei es alleine oder in verschiedenen große Gruppen (vgl. Achtergarde, 2011, S. 26). Das Niedersächsische Kultusministerium (1998, S. 14; 2007, S. 12) schreibt hierzu folgendes: „Im freien, erkundenden Spielen mit Sportgeräten oder Alltagsmaterialien erproben und lernen Schüler verschiedene Weisen des Umgangs mit Gegenständen und bringen spielend deren Eigenschaften in Erfahrung. Dies unterstützt den Erwerb von Bewegungserfahrungen sowie die Entwicklung und Ausdifferenzierung der Fähigkeiten zur sinnlichen Wahrnehmung. Durch das Bereitstellen von Geräten und Materialien, deren Nutzung Interaktion und Kooperation erfordert, werden auch vielfältige soziale Erfahrung möglich.“ (s. Kap. 4.1, S. 11)

Zu beachten ist, dass die Öffnung des Sportunterrichts nicht in einer Ziellosigkeit endet. Deswegen wird nur dem Stundenbeginn eine Öffnung zugeteilt, so dass der anschließende Unterricht in ein übergeordnetes Konzept eingebettet werden kann (vgl. Achtergarde, 2011, S. 35).

3. Methodische - inhaltliche Beschreibung des Forschungsvorgehens

Im folgenden Abschnitt werde ich meine beiden Verfahren zur Datenerhebung, die Videoaufzeichnung und den Evaluationsbogen, bezüglich meiner Überlegungen und Durchführung zur Datenerhebung darlegen. Abschließend werde ich eine methodenkritische Reflexion durchführen.

3.1. Überlegung zur Datenerhebung

Zu Beginn meiner Untersuchung zum Thema der Nachhaltigkeit vom offenen Stundenbeginn habe ich die Dokumentation mit Hilfe von Videoaufnahmen gewählt, da so gewährleistet werden kann, diese zum späteren Zeitpunkt auszuwerten. Während dieser Zeit agierte ich als Beobachter, so dass ich des Öfteren in der Anfangszeit der Unterrichtsstunde das Geschehen aus einer beobachtenden Position verfolgen konnte und mir Notizen zum Unterrichtsbeginn gemacht habe. Im weiteren Verlauf der Sportstunde habe ich die Notizen ergänzt und die Nachhaltigkeit auf meine Fragestellung bezogen.

Bei jeder Form der Datenerhebung ist es von großer Bedeutung, Beobachtungen zu integrieren, da jegliche empirische Methode auf Sinneserfahren beruht. Somit kann geschlussfolgert werden, dass jede Datenerhebung eigentlich auf Beobachtungen basiert (vgl. Bortz; Döring, 2009, S. 237). Von dieser muss jedoch die explizite Methode des Beobachters differenziert werden, da diese laut Laatz (1993, S. 169) folgend definiert wurde, dass es sich um eine Ansammlung von Erfahrungen handelt, welche in einem nicht kommunikativen Kontext gesammelt wird. Er betont den Unterschied zu Alltagsbeobachtungen, da es sich bei den methodischen Beobachtungen um stärker zielgerichtete und zugleich kontrollierte Wahrnehmung handelt (vgl. Altrichter; Posch, 2007, S. 138). Dabei ermögliche diese Methode über verschiedene Instrumente, die Grenzen der Wahrnehmung zu erweitern.

Mit Hilfe der Methode der teilnehmenden Beobachtung soll sichergestellt werden, dass die individuellen Eindrücke während des Beobachtens festgehalten werden und in einen Zusammenhang mit den Videoaufnahmen und Evaluationsbögen gesetzt werden können.

Wie oben erwähnt, sollen die Videoaufnahmen dazu dienen, Unterrichtsgeschehen zu einem späteren Zeitpunkt auswerten zu können (s. Kap. 3.2, S. 8). Außerdem kann man als Lehrperson nicht alle Interaktionen der Schüler überblicken. Mit Hilfe von Aufzeichnungen kann man diesem entgegenwirken, da die Situation beliebig oft abgespielt werden kann.

Mit dem abschließenden Evaluationsbogen sollen die Schüler die offenen Stundenbeginne bewerten und Aussagen über den weiteren Unterrichtsverlauf geben. In dieser Phase habe ich Interviews mit einer Auswahl von Schüler verworfen, da ich eine Vielzahl von Meinungen einholen wollte. Durch eine Evaluation bekommt man einen vielschichtigen Materialkorpus, der zur Auswertung meines Forschungsschwerpunktes herangezogen werden kann.

[...]


1 Offener Sportunterricht: Unter offenem Unterricht versteht man einen Unterricht, der im Hinblick auf das Lehrziel, den Inhalt und die Lehrmethode nicht festgelegt ist. Unterrichtsverlauf und –inhalt werden vornehmlich von den Interessenslagen und den Fähigkeiten der einzelnen Schüler bestimmt. Da diese in einer Schulklasse sehr verschiedenen sein können, wird die Jahrgangsklasse meist aufgelöst zugunsten eines Gruppenunterrichts, wobei sich die Schüler den einzelnen Gruppen nach eigenem Ermessen zuordnen können. […] (Döhring, 2013, S. 246f.)

2 Um die Lesbarkeit nicht zu beeinträchtigen verzichte ich auf Verwendung von Binnen-I oder der Aufzählung männlicher und weiblicher Formen. Auch wenn die männliche Form im Text auftritt, meine ich auch immer die weibliche Form, bzw. gemischte Gruppen.

Details

Seiten
30
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668077287
ISBN (Buch)
9783668077294
Dateigröße
941 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309501
Note
2,5
Schlagworte
Offener Stundenbeginn Möglichkeiten von offenen Stundenbeginnen Anfänge von Sportunterricht Freie Bewegung im Sportunterricht Sportpädagogik Nachhaltigkeit von offenen Stundenbeginnen Stundenvariationen Materialkiste Stundeneröffnung

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