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Audiovisuelle Medien zur Förderung von Hör- und Sehverstehen im DaF-Unterricht

von Tim Prica

Hausarbeit 2014 15 Seiten

Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Fertigkeit Hör- und Sehverstehen

3. Potentiale Audiovisueller Medien – Bild, Ton und Verstehen
3.1 Verstehen
3.1.1 Authentizität
3.1.2 Das erleichterte Verstehen durch Mehrkanalität
3.2 Behalten
3.3 Didaktisch- methodische Potentiale
3.3.1 Motivation
3.3.2 Gesprächsstoff

4. Bedingungen für eine effektive praktische Anwendung
4.1. Zielformulierung und Lernervoraussetzungen
4.2 Sinnvolle Bezüge
4.3. Zeitliche Vorgaben und Wiederholungen

5. Exemplarische Lernsituationen

6. Abschließende Bemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Lesen, Schreiben, Hören, Sprechen – dies sind die klassischen vier Fertigkeiten, die im fremdsprachendidaktischen Kontext als allgemein anerkanntes Ordnungssystem etabliert sind. Bei genauerer Betrachtung von realistischen Kommunikationssituationen wird hingegen schnell klar, dass dieses System als Orientierung nicht ausreicht um etwa authentische Dialog vollständig zu beschreiben. Nehmen wir hierbei doch weitaus mehr wahr, als wir mit dem CD-Player vermittelt bekommen können. Etwa ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht lässt sich nicht ausschließlich auf die Komponente des Hörens reduzieren. Denn gleichzeitig zu den akustischen, offenbaren sich uns nonverbale und extraverbale Elemente, die wir schnellstmöglich effektiv einordnen und verarbeiten müssen. Ein Gespräch stimuliert mehrere unserer Sinne, deren Korrelation in besonderem Maße zum Verständnis der Konversation beitragen kann. Phänomene dieser Art beschreibt das bisweilen als die fünfte Fertigkeit genannte Hör- und Sehverstehen, das besonders jene Kompetenz des Verbindens von Hören und Sehen präsentiert.

In der vorliegenden Hausarbeit geht es um das Potential audiovisueller Medien, Hör- und Sehverstehen im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht[1] zu schulen und anhand dessen zu verdeutlichen, welche Möglichkeiten die Berücksichtigung dieser oftmals vernachlässigten Fertigkeit, sowie die generelle Einbeziehung audiovisueller Medien in den Lehralltag für Lernende hat.

2. Fertigkeit Hör- und Sehverstehen

Der wissenschaftliche Diskurs dieser Fertigkeit ist vergleichsweise jung, somit finden sich selbst in der fachspezifischen Forschungsliteratur diesbezüglich relativ wenige aussagekräftige Informationen in Bezug auf Studien oder speziell diesem Phänomen gewidmeten empirischen Untersuchungen. Grundlegend wird Hör- und Sehverstehen jedoch einheitlich als die Kompetenz verstanden, aus audiovisuellen Reizen Informationen bestmöglich wahrzunehmen und zu verarbeiten um kommunikative Situationen zu bewältigen. Es thematisiert somit die Anforderungen in einer authentischen Gesprächssituation. Hierbei geht es weniger darum jedes Wort zu begreifen, sondern vor allem trotz dieser ‚Lücken‘ aufmerksam zuzuhören und die sich aus dem Kontext ergebenden Informationen aller Art, sowohl visuell als auditiv, zur Deutung miteinzubeziehen um sie effektiv als Verstehenshilfen zu verwenden und so den Sinn der Äußerungen zu erschießen. Hierbei soll vor allem auf das eigene Weltwissen zurückgegriffen werden und assoziiert, bzw. stellenweise unbekannte Äußerungen klug erraten werden um diese in den Zusammenhang einzuordnen. Weiterhin ist es eine Zielformulierung des Hör- und Sehverstehens, Wissen in Bezug auf dialogische Sequenzen zu entwickeln. Diesbezügliche Schwerpunkte sind es, sich auf unterschiedliche Sprecher einzustellen, als auch den eigenen Wortschatz gewinnbringen einzubringen und zu erweitern. (vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen 29.03.2014, http://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/lehrplaene/tooltip.php?id=370).

3. Potentiale Audiovisueller Medien – Bild, Ton und Verstehen

„In der Fremdsprachendidaktik versteht man unter Medien zumeist Mittel, mit denen der Erwerb von Wissen und Fertigkeiten unterstützt werden kann“ (Rösler 2012, 50). Das Wesen Audiovisueller Medien ist für die vorliegende Hausarbeit besonders interessant, da es simultan sowohl akustische als auch visuelle Reize anspricht und somit durch die Informationsübermittlung aus der Verbindung von Ton und Bild größere Rezeptionsmöglichkeiten für Lernende bietet. Durch dieses Profil ist es geradezu maßgeschneidert um eine Schulung des Hör- und Sehverstehens zu ermöglichen. Aussprache, Intonation und Sprechrhythmus können gehört werden, gleichzeitig erfüllen Bilder die Funktion die akustisch wahrgenommenen Begriffe mit inhaltlichen Bildern und Situationen zu verbinden (vgl. Heyd 1990, 186). Das beschriebene Wesen dieser Zugangsart, die etwa in Form von Lehr- sowie Spielfilmen oder Fernsehserien präsentiert werden kann, bietet durch den möglichen Einsatz im DaF-Unterricht, im Sinne der oben präsentierten Mediendefinition, Potentiale und Impulse, die im Folgenden dargestellt und kritisch überprüft werden.

3.1 Verstehen

Das Betrachten von Filmsequenzen stellt an Lernende spezielle Anforderungen – Ton und bewegte Bilder sollen aufeinander bezogen, Dinge, Situationen oder Ereignisse in Verbindung gesetzt werden. Wie dieser Prozess vonstatten geht und wie uns das Verstehen erleichtert wird, wird in den folgenden Zeilen nähergebracht.

3.1.1 Authentizität

Naturgemäß wird Sprache im realen Kontext auf der Basis ganzheitlicher Empfindungen durch mehrere Sinne, besonders der Verbindung von Hören und Sehen, wahrgenommen und erworben – wir lernen hierbei schon von Kindesbeinen an in der Regel mit der Situation vor Augen. Das in dieser Hausarbeit behandelte Medium bietet somit einen idealen Zugang authentische kommunikative Situationen in ihrer Komplexität, d.h. in der audiovisuell wahrnehmbaren, wechselseitigen Verschränkung von Tätigkeitssituation, Umgebungssituation und sozialer Situation (w. HARTUNG 1974, 273 ff.) anzubieten und Verstehensfähigkeiten auszubilden, die den Anforderungen der Sprachwirklichkeit angemessen und auf diese orientiert sind (Biechele 1987, 229).

Hierbei bietet sich die Möglichkeit, gleichzeitig auf landeskundliche Aspekte, wie die Vermittlung kultureller Normen in der Zielsprache, einzugehen. Denn, so Heyd,:

Wenn […] wie immer wieder festgestellt wird, landeskundliche Informationen so wichtig für das Fremdsprachenlernen sind, dann wird man auch aus diesem Grund versuchen müssen, den Lerner so früh wie möglich an authentische Texte heranzuführen, denn nur sie können ihm die gewünschte Information geben (Heyd 1990, 108).

Besonders das ganzheitliche Erfassen der vorgestellten Sequenzen bietet hierbei ein bedeutendes Potential.

Das Wahrnehmen von Personen- und Verhaltensmerkmalen und die Fähigkeit, diese nichtsprachlichen Informationen zum Kommunikationsgegenstand und zur Situation in Beziehung setzen zu können, ermöglichen dem Lernenden Einsichten in sprachlich-kommunikatives Normverhalten, das als mehr oder weniger verbindliches Muster in bestimmten Kommunikationssituationen existiert (Biechele 1987, 237).

Ausgehend von diesen Grundgedanken und der Orientierung an der besonderen Eigenschaft audiovisueller Medien in Bezug auf ihre Konfrontation der Lernenden mit authentischen Sprachsituationen werden im Folgenden besonders die daraus resultierende Prozesse in Bezug auf die Erleichterung des Verständnisses alltagsrelevanter Kommunikation für Lernende präsentiert. Dies wird unter der Präsentation des psychophysiologischen Ablaufs des Verstehens verdeutlicht.

3.1.2 Das erleichterte Verstehen durch Mehrkanalität

Fremdsprachlicher Unterricht verfolgt das Ziel, auf Situationen vorzubereiten, die die Lernenden im Alltag bewältigen müssen. Fremdsprachendidaktische Vorgehensweisen wie der kommunikative Ansatz vertreten hierbei die Ansicht, dass es beispielsweise in Bezug auf vokabularische Aspekte zwar wünschenswert aber nicht zwingend notwendig ist, jedes einzelne Wort in Konversationen, sondern in erster Linie deren Sinn und das große Ganze dieser zu erfassen. Um diesem Anspruch zu genügen, ist es effektiv und sinnvoll mit audiovisuellen Medien, die eben jene authentischen Situationen simulieren, zu arbeiten und mit ihrer Hilfe Verstehensstrategien zu entwickeln um sich im realen fremdsprachlichen Alltag zurechtzufinden (vgl. Heyd 1990, 109).

Sobald wir mit audiovisuellen Sequenzen konfrontiert werden, reagieren wir bereits auf bestimmte Weise auf diese. In unseren Köpfen entstehen Vermutungen, die wir aufgrund von Bildindizien initiieren. Visuelle Reize stimulieren neuronale Erregungsmuster, die daraufhin eine Art Voraktivierung auslösen und die von der sprachlichen Eingabe eingeleitete Bahnung strebt, gemäß dem Prinzip des geringsten Widerstandes vorzugsweise in die solcherart voraktivierten Zonen. Unter der Voraussetzung, daß die von Bild und Sprache angelieferten Informationen nicht widersprüchlich sind, läßt der postulierte Mechanismus die Voraussage zu, daß das Bild – auch im Falle eines nur lockeren Bild-Text-Bezugs – die Aufnahme und Verarbeitung des sprachlichen Angebots verbessert (Scherer 1984, 39).

Mit anderen Worten: „Der Vorteil der audio-visuellen Bedeutungsvermittlung ist, daß er, falls über Gegenstände oder Personen gesprochen wird, diese sieht, bevor sie benannt werden“ (Schiffler 1973, 39). Bei der Konfrontation mit audiovisuellen Medien wird somit bereits eine Erwartungshaltung in Bezug auf das Kommende aktiviert, es erfolgt eine kommunikativ-situative Antizipation, mit deren Hilfe wir die auf uns einströmenden Informationen bewerten und interpretieren, um zu verstehen.

[...]


[1] Der Ausdruck „Deutsch als Fremdsprache“ wird im Folgenden durch „DaF“ ersetzt.

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668081307
ISBN (Buch)
9783668081314
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309414
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,3
Schlagworte
Medien Audiovisuelle Medien Deutsch-als-Fremdsprache

Autor

  • Tim Prica

    2 Titel veröffentlicht

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Titel: Audiovisuelle Medien zur Förderung von Hör- und Sehverstehen im DaF-Unterricht