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Integration durch Fußball. Der DFB als Akteur sozialer und gesellschaftlicher Verantwortungspolitik

Seminararbeit 2015 15 Seiten

Sport - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Von der Migration zur Integration - Das Integrationskonzept des Deutschen Fußball-Bundes
1.1 Maßnahmen zur Verbesserung der Integration
1.2 Hürden im Fußball für ausländische Jugendliche
1.3 Kritische Auseinandersetzung mit Integrationspolitik
1.3.1 Der Kreisligist BV Altenessen II – Ein Beispiel Missglückter Integrationsarbeit im Amateurfußball
1.3.2 Sami Khedira, Miroslav Klose, Mesut Özil, Jérôme Boateng – Vorbilder der Integrationspolitik

2 Fazit und Ausblick

I Literaturverzeichnis II

1 Von der Migration zur Integration - Das Integrationskonzept des Deutschen Fußball-Bundes

„Fußball ist Zukunft“: So lautete der Slogan des ersten Nachhaltigkeitsberichts des Deutschen Fußball Bundes, der im Jahr 2013 veröffentlicht wurde. Der mit gut 6,9 Millionen[1] Mitgliedern größte Sportverband Deutschlands berichtet seit diesem Zeitpunkt nach GRI[2] -Standards über seine soziale Entwicklung und versucht damit auch neben dem Fußballplatz nachhaltige Aspekte in die Ausrichtung des Vereins einfließen zu lassen. Mit gut 80.000 wöchentlichen Spielen gehört der DFB zu den wichtigsten Strukturgrößen des Landes. Fußball ist ein fester Bestandteil der Kultur – in Deutschland und in der gesamten Welt.[3] Er ist das „Mikroskop der komplexen Verflechtung des Sozialen.“[4] Fußball ist Passion. Die Leidenschaft und Identifikation fördert und fordert Fußball. Er ist ein internationales Ereignis ohne Grenzen, welches Raum für Interaktion und Integration schafft. Fußball ist nicht bloß ein Bewegungsspiel, sondern vielmehr eine Repräsentations- und Projektionsfläche, bei denen individuelle Wünsche und Ziele eines jeden Einzelnen verfolgt werden können. Der DFB Präsident Wolfgang Niersbach spricht dem Fußball eine wichtige Bedeutung bei der gesellschaftlichen Entwicklung bei: „Der Fußball trägt zur Charakterbildung ebenso wie zur Integration bei. Er mobilisiert beim Kampf gegen Diskriminierung (…) und vermittelt Kompetenzen, die auch außerhalb des Sportplatzes im schulischen und beruflichen Alltag verstanden werden.“[5] In einem eigenen Bericht widmet sich der DFB Präsident dem Thema Integration und erklärt, dass der Fußball auch auf der Integrationsebene aktiv sei. „Es spielt keine Rolle, ob jemand Mesut, Sami oder Miroslav heißt. Es geht nicht darum, ob er türkische, tunesische oder polnische Wurzeln hat. Es zählt alleine das Team. Der Zusammenhalt. Die Leidenschaft.“.[6] Da sich der DFB seiner tragenden Rolle in Bezug auf die Integration bewusst ist, hat dieser eine Initiative des deutschen Integrationspreises mit dem Partner Mercedes-Benz ins Leben gerufen, welcher in den Bereichen ‚Fußballverein‘, ‚Schule‘ und ‚Freie kommunale Träger‘ verliehen wird. Somit ist der DFB auch außerhalb des Fußballs aktiv und belohnt Integrationstätigkeiten unterschiedlicher Vereine.

Wie bereits angedeutet, fällt der Prozess der Integration vielen Migranten in ein fremdes/unbekanntes gesellschaftliches und soziales Bezugssystem, sehr schwer. Die Sprachbarrieren, die Aufgabe sozialer und kultureller Stellungen, sowie der eigentliche Prozess der Wanderung können zu unterschiedlichen psychischen und physischen Beeinträchtigungen führen. Diese Entwurzelung kann außerdem zu einer persönlichen Entfremdung, einer Unsicherheit und Orientierungsstörungen führen, die letzten Endes zu einer existenziellen Instabilität führen kann.[7] Die Folgen solcher existenziellen Unsicherheiten sind bekannt: Der Anschluss vieler Jugendliche an radikale Gruppen, der Rückzug in Gleichsprachige Gruppen, Arbeitslosigkeit sowie das Abrutschen in die Kriminalität können Folgen einer fehlgeschlagenen Integrationspolitik sein.

Um genau dieser Entwicklung entgegen zu wirken, hat der DFB ein Konzept entwickelt, um die Integration von Migranten in das deutsche Wertesystem zu unterstützen. Denn da wo die klassische Integrationsarbeit des Staates aufhört, beginnt die mögliche Interaktion mit dem Fußball. Dass dieses Konzept funktionieren kann, zeigen die größten Fußballnationen in Europa. „Speziell in Ländern wie Deutschland, Frankreich und den Niederlanden stehen Spieler auf dem Platz, deren Eltern einst zugewandert sind.“[8] Seit 2006 ist Gül Keskinler ehrenamtliche Integrationsbeauftragte des DFB. Sie charakterisiert den Integrationsansatz des DFB‘s auf einer Ebene, die auf einer Werte- und Normenordnung basiert und einen pluralistischen Charakter besitzt. Arbeit und Bildung stellen einen zentralen und unerlässlichen Grundsatz zur Verfügung. Ohne die Bereitstellung von Bildungsangeboten und Qualifikationsmaßnahmen, kann keine Integration stattfinden. Da überscheiden sich die Meinungen des Staates über Integrationspolitik mit der des DFB. Allerdings unterscheidet sich die Meinung grundlegend zum Thema der Assimilation der Kultur in Deutschland. Während der deutsche Staat eine totale Assimilation der Kultur, der Lebensform und Lebensweise fordert, „bekennt sich der DFB zu einem Integrationsverständnis auf der Basis der kulturellen Vielfalt bei Anerkennung der Verfassung und der Gesetze des Aufnahmelandes.“[9]

Der Sport bietet für Angehörige unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen Möglichkeiten der Begegnung, der Gesundheitsvorsorge, der Erlangung sozialer Anerkennung, die Möglichkeit Vertrauen zu schaffen und kulturellen Austausch zu ermöglichen. Ebenso lehrt er die Selbstbehauptung und die Einhaltung von Fairness und die Achtung sportlicher Regeln. Besondere Förderung während des Integrationsprozesses braucht dabei die Interaktion und die Identifikation mit dem Fußballsport. Diese Förderung kann durch die aktive Teilnahme, die Partizipation und die gemeinsame Gestaltung des Zusammenlebens gefördert werden.[10] Fußball ist die Sportart Nummer eins für Migranten, sowie für Menschen ohne Migrationshintergrund. Aus diesem Grund sieht sich der DFB in der Pflicht, die Integrationsarbeit aktiv zu gestalten. Dieses Konzept beruht auf zwei Säulen:

- Informations- und Bildungsangebote für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.
- Entwicklung von Strukturen und Netzwerken, die Integration und organisatorisch begleiten und unterstützen.[11]

Somit zielen die Integrationsmaßnahmen des DFB darauf ab, die Identifikation und die gleichberechtigte Teilhabe und Verantwortung zu fördern und ein sensibles Bewusstsein für Strukturen und Konflikte der Abgrenzung zu schärfen.

Doch nicht nur die Integrationsarbeit des DFB ist zu einer wichtigen Stütze des Staates geworden, der Profifußball ist längst auch zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor, Arbeitgeber und Steuerzahler geworden. Mehr als 850 Mio. Euro Steuern und Abgaben entrichtete der Lizenzfußball in der Saison 2012/2013, der mehr als 45.000 Menschen in Deutschland direkt oder indirekt bedienstet.[12] Viele dieser Gelder fließen dann direkt wieder in Bildungseinrichtungen und die Förderung der Integration.

1.1 Maßnahmen zur Verbesserung der Integration

„Jeder zweite Nationalspieler dürfte bei der WM 2030 einen Migrationshintergrund haben.“[13] Das macht eine sehr intensive Betreuung der Menschen mit Migrationshintergrund unersetzlich. Das enorme Potential, welches sich im Sport in Bezug auf die Integration ergibt, wird durch den DFB mit Hilfe verschiedener Instrumente aktiv genutzt. Im Jahr 2008 wurde die Kommission Integration gegründet. Sie besteht aus Experten, die das Integrationskonzept des DFB ständig verbessert und an die Umwelt anpasst (aktuell viele Syrische Flüchtlinge[14] ). Zudem werden Netzwerke aufgebaut, die Integrationsbeauftragte in den Landesverbänden integriert, die auch andere Sportvereine mit in ihre Arbeit mit einbeziehen sollen. Ein weiteres Highlight ist der seit 2007 verliehene und mit 150.000 Euro dotierte Integrationspreis. Er wird, wie bereits erwähnt, in den Kategorien ‚Schule‘, ‚Verein‘, sowie ‚Sonderpreis‘ vergeben. Hierbei ist es möglich, durch die Organisation von Vereinspartnerschaften, Straßenfußballturnieren oder etwa die Entwicklung neuer Integrationsstrategien diesen Integrationspreis zu gewinnen.[15] Dazu begleiten noch diverse weitere Maßnahmen die Integrationsarbeit des DFB, wie die soziale Integration von Mädchen durch Fußball. Erfolgreiche Studien in den Pilotstätten Berlin, Hannover und Duisburg bestätigen die Arbeit. Gestützt wird das Projekt durch das Nachhaltigkeitsprogramm der Frauen WM 2011 in Deutschland. Im Rahmen des Programms wurden in vielen Schulen und Vereinen profiähnliche Strukturen aufgebaut, die es den Spielerinnen ermöglichen, auf einem der 1.000 Mini-Spielfeldern zu trainieren.

Zudem beinhaltet die Mitgliedschaft im DFB weitere Vorteile. Im Krankheitsfall hat jedes Mitglied mit einer Aufenthaltsgenehmigung oder einer Duldung das Recht auf eine Gesundheitsversorgung, sowie Rehabilitationsmaßnahmen. Des Weiteren sind alle Vereine und ihre Mitglieder „im Rahmen einer Gruppenversicherung unfall-, haftpflicht- und in den meisten Fällen auch rechtsschutzversichert.“[16] Außerdem nimmt der DFB im Zuge der Ausstellung eines FIFA[17] Freigabescheins Kontakt mit dem nationalen Heimatverband des Migranten. Das steht im Gegensatz zu den Prinzipien der staatlichen Behörden, die während eines Asylverfahrens „keinerlei Kontakt zum Herkunftslands aufnehmen dürfen.“[18] Des Weiteren hat der DFB auch aufgrund seiner Integrationsarbeit erreicht, dass 2014 die Residenzpflicht abgeschafft wurde. Diese besagt, dass ein Asylbewerber während des Verfahrens den Bezirk der Ausländerbehörde nicht verlassen darf. Somit stehen einem Asylbewerber mit dem Engagement in einem Fußballverein wesentlich ausgeprägtere Reisefreiheiten zu Verfügung. Auch Reisen ins Ausland sind möglich, allerdings nur unter der Achtung dortiger rechtlicher Regelungen.

[...]


[1] Vgl. The Huffington Post [2014]e, o. S.

[2] Die Global Reporting Initiative entwickelt in einem partizipativen Verfahren, Richtlinien für Unternehmen, Vereine und Nichtregierungsorganisationen für die Anfertigung von Nachhaltigkeitsberichten.

[3] Vgl. Gebken/Vosgerau [2014], S. 1.

[4] Klein/Meuser [2008], S. 7.

[5] DFB Nachhaltigkeitsbericht [2013], S. 3.

[6] Deutscher Fußballbund [2013], S. 3.

[7] Vgl. Han [2000], S. 50.

[8] Deutscher Fußballbund [2014]a, o. S.

[9] Deutscher Fußballbund [2014]b, S. 3.

[10] Deutscher Fußballbund [2014]b, S. 4.

[11] Ebd.

[12] Freie Presse [2015], o. S.

[13] Deutscher Fußballbund [2014]d, o. S.

[14] Hierzu auch: http://www.oz-online.de/-news/artikel/143561/Syrische-Fluechtlinge-haben-Lust-auf-Fussball

[15] Deutscher Fußballbund [2014]c, o. S.

[16] Deutscher Fußballbund [2014]e, S.15.

[17] Die FIFA ist der Weltfußballverband und gilt als gemeinnütziger Verein. Die FIFA ist zuständig für die institutionellen Rahmenbedingungen, wie z. B. Spielertransfers.

[18] Deutscher Fußballbund [2014]e, S.15.

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668080102
ISBN (Buch)
9783668080119
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309389
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius; Hamburg – Wirtschaft und Medien
Note
1,3
Schlagworte
integration fußball akteur verantwortungspolitik

Autor

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Titel: Integration durch Fußball. Der DFB als Akteur sozialer und gesellschaftlicher Verantwortungspolitik